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A mhener M Nachrichten Verordnungsblatt der Kreishauptmannschaft Bautzen als Konfistorialbehörde der Oberlaufitz. Amtsblatt der Amtshauptmannschaften Bautzen und Löbau, des Landgerichts Bautzen und der Amtsgerichte Bautzen, Schirgiswalde, Herrnhut und Bernstadt, des Hauptzollamts Bautzen, inglcichen der Stadträte zu Bautzen und Bernstadt, sowie der Stadtgemeinderäte zu Schirgiswalde und Weißenberg. Organ der Handels- und Gewerbekammer zu Zittau. Erscheinungsweise» Täglich abend» mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Schriftlcitung und SLichäftSstelle» Bautze«. Innere Lauenstraße 4. Fernsprecher: Nr. 51. — Drahtnachricht : Amtsblatt, Bautzen. Bezugspreis pro Monat. Bei Abholung in der Geschäftsstelle - .90 bei freier Zustellung in« Hau» 1.— Anzeigenpreis» Die Ogespaltene Pelitzeile oder deren Raum 15 Pfennig-., iu geeigneten Fällen Ermäßigung. Schwieriger Satz entsprechend teurer. Reklamen t Die Zgespaltcne Petitzelle 50 Pfennige. «r. 292. Loouabcuü, dm 17. Dezember 1Sl0, abends. 129. Jahrgang. Tas Wichtigste vom Tage. * Der Wortlaut des Artikels des Prinzen Max von Sachsen, der ihm seitens des Vatikans den Vorwurf der Ketzerei zuzog, liegt jetzt vor und läßt das Vorgehen des „Osseroatore" begreiflich erscheinen. Der Prinz wurde nach Rom zitiert. Die sächsische Regierung betrachtet die Ange legenheit als eine private, nur die geistliche Tätigkeit des Prinzen berührende. * Die neueStadtim Plauenschen Grunde, die zirka 30 000 Einwohner zählen wird, wurde vom Bezirksausschutz Dresden-A. genehmigt. * Der deutsche Kronprinz ist gestern Freitag von Bombay nach Haiderabad abgereist. *PrinzAugu st Wilhelm von Preußen legt heute Sonnabend in Berlin seine Referendarprüfung ab. * Der Bundesrat hat der Vorlage, betr. den Entwurf eines Gesetzes über die Verfassung Elsaß-Lothrin- gens und eines Gesetzes über die Wahlen zur Zweiten Kammer des Landtages für Elfah-Lothringen die Zustimmung erteilt. * In Mecklenburg-Schwerin ist es zwischen Regie rung und Landtag zu einem Konflikt gekommen, der die Auf lösung des Landtages zur Folge haben dürfte. * Das österreichische Abgeordnetenhaus nahm in allen Lesungen die Vorlage, betr. das dreimonatliche BudgetPro visorium, an. Bisher sind in England gewählt: 259 Liberale, 264 Unionisten, 42 Vertreter der Arbeiterpartei, 67 Anhänger Red monds und 9 Anhänger O'Briens. Die Liberalen gewinnen 22, die Unionisten 26 und die Arbeiterpartei 4 Sitze. Minister H a l- dane ist wiedergewählt. * In der französischen Kammer machten die Ausführungen des Abg. Willm über den Tod des elsässischen Fremdenlegionärs Weitzrock, den sein für ihn verantwortlicher Offizier elend habe umkommen lassen, grotzen Eindruck; der Versuch des Kriegs ministers, Weitzrock als Deserteur hinzustellen, sei durchaus haltlos. * Die türkischen Entsatztruppen fanden in der arabischen Festung Kerak den Kommandanten, die Regierungsbcamten und 372 Einwohner vor. Der aufständische Beduinenscheich bot seine Unterwerfung an. * Große lleberschwemmungen werden aus Eng land und Frankreich gemeldet. Im Kanal herrscht schwerer Sturm. Der deutsche Dampfer „Swakopmund" scheint vor Brest gestrandet zu sein. * Wetteraussicht für Sonntag: Wolkig, kälter, Niederschlag. * AussührlicheS siehe an anderer Stelle. Die politische Lage im In- und Auslande. (Wochenschau.) Der R e i ch s t a g ist in die Ferien gegangen, nachdem er die erste Lesung des Etats beendet hat. Stolz kann man freilich auf die letzten Verhandlungstage nicht sein. Es ging fast so zu wie in Wien im Reichsrate. Den Anfang mit dem schlechten Ton machten natürlich die Genossen. Ihnen liegt alles daran, daß sie als unschuldig an den Moabiter Vorgängen gelten, und als der Reichskanzler ihnen erklärte, daß man an ihrer moralischen Mitschuld nicht zweifeln könne, da zeigten sie, was sie in der Stadt- hagenschen Ruppigkeitsschule gelernt haben. Mögen die Genossen den Reichskanzler bekämpfen, das ist ihr gutes Recht, das ihnen niemand streitig macht, aber einen an ständigen Menschen — und das ist doch wohl der Kanz ler! — in der gemeinsten Weise zu beschimpfen, das zeigt von minderwertiger Erziehung. Die Genossen behaupten ja seit längerer Zeit vielfach, ihren Kampf mit geistigen Waffen führen zu wollen; Schimpfwörter rechnet man aber nicht zu den geistigen Waffen. Ebensowenig ist es be rechtigt, einem Abgeordneten der Wirtschaftlichen Ver einigung, wie Herrn Raab persönlich, die Trioleaffäre seines ehemaligen Fraktionskollegen Schack vorzuwerfen; mit viel größerem Recht könnte man da den Genossen die dunklen Geschäfte der Firma Singer u. Rosenthal in die Schuhe schieben, und das haben sie doch auch nicht gern. Auch Männer wie Herr Müller-Meiningen haben sich noch zum Schluß persönliche Kränkungen von Abgeordneten ge stattet, die man nicht schön finden kann. Es hat sich über haupt gezeigt, daß leider zwischen allen bürgerlichen Parteien eine Erbitterung herrscht, die nur un heilvolle Folgen bringen kann. Die Aussichten für die nächsten Wahlen werden dadurch immer schlechter und statt des Geistes einheitlicher Vaterlandsliebe hebt der Frakti- önligeist se>n Haupt hoch emvor. Die Schlange der Zwie tracht hat ihren Geifer ausgesandt zwischen die Boten des Reiches zu einer Zeit, wo bald die Weihnachtsglocken Frie den verkünden sollten. Für diejenigen Leute aber, die von Zank und Streit leben, ist gesorgt. Bis zur Wiederkehr des Reichstages im Januar werden sie vermutlich bis zum Erbrechen das Thema behandeln: „Bereitet der Reichs kanzler eine neue Umsturzvorlage vor oder nicht?" Da kann man alle Künste der Rabulistik spielen lasten und ist des Beifalls der aufgehetzten Leser sicher. Im österreichischen Parlament sieht es frei lich nicht friedlicher aus. Das Ministerium Bienerth hat die erbetene Entlastung erhalten und führt vorläufig nur provisorisch die Geschäfte weiter. Es sind die alten Herr schaftsgelüste der Polen, es ist der alte Streit zwischen Tschechen und D e u t s ch e n, die hier wieder verhängnis voll eingreifen, und wieder, wie immer, sind die Tschechen nach Form und Tatsache der angreifende Teil. Die alten Sünden des Hauses Habsburg rächen sich. Es hegte nach 1870 Groll und Mißtrauen gegen seine deutschen Staats bürger, es hat sich auch nie so ganz als Repräsentantin des Deutschtums, sondern nur als Beschützerin seines eigenen Hauses gefühlt. Dazu kam noch die an der Donau übliche „Fortwurstelei". Wenn nur der mockus vivencki gesunden ist, dann ist man in Wien schon befriedigt. Dann geht der Staatslarren wieder eine Zeitlang. Die Kompromisse wurden fast immer auf Kosten des Deutschtums gefunden, und so wird gerade die Kraft vernichtet, die das Bindeglied sein sollte. Auf die Dauer muß das Donaureich so ge schwächt werden. Freilich England geht ähnlichen Verhältnisten ent gegen wie Oesterreich. Der Sieg der Liberalen und ihrer ministeriellen Anhänger, der Iren und der Arbeiterpartei, ist nun sicher, aber sie werden im Parlament höchstens um eine Kleinigkeit stärker sein, als nach den vorigen Mahlen. Sie sind vor allem von den Iren abhängig und das be deutet, daß die „grüne Insel" sicher bome rule be kommen wird. Aber diese Abtrennung soll sich auch auf Schottland und Wales, ja sogar auf Olä-England selber erstrecken. England läuft also einer Entwicklung entgegen vom Einheitsstaat zum Bundesstaat. Das ist in Deutschland anders gewesen, bei uns hat Bismarck die Einzelstaaten zum Bundesreich umgewandelt. Ob den Engländern eine solche Entwicklung bekommen wird, das dürste fraglich sein, und namentlich der Punkt, ob Einzel staaten wie Irland auch auf die Dauer mit den ihnen zu erteilten Rechten zufrieden sind und nicht noch mehr be anspruchen. Wohl hat England mit seinen Kolonien eine ähnliche Entwicklung durchgemacht. Das Beispiel Nord amerikas hatte eine harte Lehre gegeben. Aber noch ist das Mutterland die Hauptmacht. Wenn das Reich aber in seine Bestandteile sich auslöst, so wird man auch in London etwas Aehnliches kennen lernen, wie die Main frage. In E r i e ch e n l a n d hat Venizelos einen glänzenden Sieg bei den Wahlen errungen. König Georg kann seit Jahren zum erstenmal wieder ruhig schlafen. In einem Staate wie Griechenland, das von Parteien zerwühlt ist, ist ein Tyrann vom Schlage des jetzigen Ministerpräsidenten immer noch das beste. Freiheit ist gut, aber Ordnung ist noch notwendiger. Freiheit mit Ordnung zugleich kennt man dort jedoch nicht. Politische Nachrichten. Deutsches Reich. Das Tagesgespräch in Rom. Im ganzen kirchlichen Rom ist der Fall des Prinzen Max von Sachsen das Tages ereignis. Es ist indessen unmöglich f e st z u st e l l e n, was der „böse" Artikel des Prinzen, der den Vatikan so aufgebracht hat, eigentlich enthielt? Sämtliche Exem plare der Zeitschrift „Rom und Orient" wurden vom Vati kan beschlagnahmt und vernichtet; doch heißt es, der Artikel sei überaus scharf, ja geradezu „offensiv" ge wesen, sonst wäre keine so energische Maßregelung einge treten. Uebrigens erwartet man im Vatikan die alsbal dige löbliche Unterwerfung des Prinzen. (?!) Ein anderes ist es (und dieser Ansicht geben die vernünftig denkenden vatikanischen Kreise im stillen Kämmerlein Ausdruck), wie sich infolge des Zwischenfalls das Verhältnis der Kurie zum sächsischen Hofe gestalten wird, und ob es nicht klüger gewesen wäre, die Sache überhaupt tot zuschweigen, als sie an die große Glocke hängen und das Bergernis internationaler Erörterungen heraufzubeschwö ren, an denen der Heilige Stuhl nachgerade genug haben sollte. Die Schwierigkeit, authentische Nachricht über den Inhalt des Artikels des Prinzen Mux zu erhalten, er klärt sich daraus, daß es sich bei „Rom und Orient" um eine ganz neue Zeitschrift handelt, die in den katholischen Kreisen noch ganz unbekannt ist und in deren erster Nummer die betreffende Abhandlung steht, bezw. stand. Denn die Nummer wurde auf Veranlassung des Vatikans aus dem Buchhandel und durch Privatbriefe an die Bezieher auch aus den Händen der Abonnenten zurückgefordert. Schließlich ist es einem findigen Journalisten aber doch gelungen, ein Exemplar aufzu treiben, aus dem er über den vielerörterten prinzlichen Aufsatz, der so üble Folgen zeitigte, nachstehendes durch den Draht meldet: „Die Kirche war anfangs gar keine absolute Monarchie, sie wurde dies erst durch die Fälschung des Pseudo-Jsidorus." Ferner: „Wenn die Griechen sich heute mit Rom vereinigen würden, so müßten die griechi schen Bischöfe für jede Präkonisation und jeden Dispens erst Tausende nach Rom senden. Die Griechen werden des halb hinter den Unionsbestrebungen Roms lediglich krasse Habgier als Motiv wittern." Der Prinz kommt alsdann auf die zahlreichen Fälschungen zurück, die namentlich aus dem Konzil von Florenz vom Papst und den Bischöfen gegen die Griechen begangen wurden, und brandmarkt die verletzende, hochmütige Sprache, die be sonders die Päpste Nikolaus I. und Leo IX. gegen die Griechen führten. Geradezu kindisch aber sei es, wenn Rom jedes Kompliment, das irgendwo ein griechischer Kirchenvater einmal an die Adresse Roms richte, als Be weis für den Primat des Papstes ausgebe. Deshalb seien alle sogenannte »Beweise nicht nur für den Primat des Papstes, sondern auch für die Dogmen von Fegefeuer, Firmung, Transsubstantiation hinfällig. Die Lateiner sollten also klüger zu Werke gehen, wenn sie die Griechen sich geneigt machen wollten. Danach ist ja die Maßregelung des Prinzen im vati kanischen „Osseroatore Romano" ganz begreiflich. Man wählte die milgeteilte milde Form der Erklärung durch Abt Pellegrini deshalb, weil der P a p st aus Rücksicht auf die Staatsraison nicht direkt maßregeln wollte. Prinz Max von Sachsen ist nach Rom zitiert worden, um öffentlich Widerspruch zu leisten. Der Papst, der sich über die Angelegenheit mit mehreren Kardinälen unterhielt, äußerte sich über den Prinzen sehr ungehalten. In Dresden liegen amtliche Berichte in der Angelegenheit des Prinzen Max von Sachsen bis jetzt nicht vor. In maßgebenden Kreisen besteht die Auf fassung, daß die Angelegenheit lediglich die Person des Prinzen und seine geistliche Tätigkeit berührt und daher bei diesem Stande der Sache kein Anlaß zu einer Stellungnahme der sächsischen Regierung ge geben ist. Zur Gemciuderatswahl in Schirgiswalde schreibt man uns von dort: Die Bemerkungen zu dem Ausfall der Stadt gemeinderatswahlen in Schirgiswalde waren insofern un zutreffend, als das Verhältnis, in dem die evangelische Ge meinde betreffs der Kopfzahl und der Steuerkraft zur katholischen Bürgerschaft steht, ein wesentlich günstigeres ist. Der gesamte, der Stadt zur Bestreitung ihrer Bedürf nisse verfügbare Ertrag aus der Einkommensteuer belief sich im Jahre 1909 auf 12 580 „K. Hiervon rührten aus evan gelischem Einkommen 7251 her, also weit über die Hälfte. Die Zahl der Evangelischen stellt sich auf 650, während laut statistischer Angabe 2772 Einwohner katholischen Bekennt nisses in Schirgiswalde leben. Die Evangelischen machen also nahezu ein Viertel der Einwohner aus. Um so schlimmer ist die Entrechtung der Evangelischen, die von jedem Einfluß auf die Entwickelung des Eemeindewesens ausgeschlossen worden sind, wobei die Stadt selbst ihre wirt schaftliche Erstarkung vorwiegend der Rührigkeit und In telligenz der evangelischen Bevölkerung verdankt. Schisfahrtsabgaben und Dresdner Stadtverwaltung. Im Hinblick auf die schweren Schädigungen, die bei der Annahme des gegenwärtig dem Reichstage vorlie genden Gesetzentwurfes Uber die Erhebung von Schiffahrts abgaben der gesamten sächsischen Industrie und damit ins besondere der Stadt Dresden erwachsen würden, hat der Rat in seiner letzten Sitzung beschlossen, erneut eine Pe tit i o n um Ablehnung des Gesetzentwurfes an den Reichs tag zu richten. Das Stadtverordnetenkollegium erklärte sich in seiner gestrigen Sitzung bereit, die Petition mit zu vollziehen. Errichtung von Apothekerkammern. Nach einer amt lichen Mitteilung an die pharmazeutischen Kreisvereine, betreffend die Errichtung von Apothekerkammern, gedenkt das sächsische Ministerium mit dieser Regelung zu warten, bis sich übersehen lasten wird, in welcher Weise die in Betracht kommenden Verhältnisse durch die bevorstehende reichsgesetzliche Aktion beeinflußt werden. Die neue Stadt im Plauenschen Grunde. Der Bezirks ausschuß der König!. Amtshauptmannschaft Dresden- Altstadt erledigte am gestrigen Freitag in ausführlicher Besprechung das Gesuch der Landgemeinden Deuben, Potschappel, Niederhäslich und Döhlen um