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Adorker Wochenblatt. MittheLlungen über örtliche und vaterländische Angelegenheiten. Siebenter Jahrgang. Preis für den Jahrgang bei Bestellung von der Post S1 Neugroschcn, bei Beziehung des Blattet durch Botengelcgenheit 15 Neugroschcn. 15. Erscheint zebe Mittwoche. 13. April 1842. Oesterreich und der Zollverein. (Beschluss.) Der zweite, schon vor dem obigen mitgetheilte, Aufsatz ist dagegen folgenden Inhalts: „Je großarti ger die nationale Entwicklung ist, welche der teutsche Zollverein gebracht hat, desto schmerzlicher vermissen wir in demselben die nichtungarischcn Provinzen des österreichischen Kaiserstaats. Zwar deuten viele Zei chen auf erfreuliche Annäherung in Beziehung auf die beiderseitigen Mauthsysteme, zwar schenkt die üsterrei- chische Regierung in neuester Zeit dem Handel und den Gewerben des Zollvereins große Aufmerksamkeit, ober wir fürchten, daß wir noch einige Zeit hindurch den Nichtanschluß Oesterreichs werden bedauern müs sen. Dieses so praktisch gebildete Volk mit wenig Oberfläche und großer Tiefe, mit schnellem Blick und langsamer That, fehlt wesentlich in dem Kreise» wel cher sich desto enger und inniger schließt, je mehr er nach außen sich erweitert. Der Kunstfleiß der öster reichischen Lande ist bereits so schön entwickelt, daß er ausländische Mitbewerbung nicht mehr zu fürchten hat. Daß bei einem nicht abgestuften Anschluß man ches Privatinteresse verletzt, manches nur künstlich be stehende Gewerbe gedrückt werden würde, ist leicht vorauszusehen, aber einestheils würde in den un glaublich großen Ersparnissen einer Gränzbewachung von 200 Meilen das Mittel zu billigen Entschädi gungen gegeben, anderntheils hat die Regierung schon oft die Erfahrung gemacht, daß ihre Völker sie ver stehen und sich willig fügen, wenn sie dem Wohl des Ganzen, großen gebietenden Rücksichten die Interessen der Einzelnen «ufopfern mußte." „Wir können aus Bechers statistischer Ue- berstcht des Handels der österreichischen Monarchie mit dem Ausland uns einen an nähernden Begriff von der Wichtigkeit der Frage machen, um welche es sich hier handelt. Wir wissen aber, daß die Auflagen nicht stärker, die Preise der/ Lebensbedürfnisse nicht höher, die Nerbindungsmittel nicht seltener sind, als in den Gebieten des Zollver eins. Herrliche Wasserkräfte, Steinkohlen, Holzreich» thum, Kapitalien, Intelligenz, polytechnische Vorbil dung und Äesitz der Absatzwege, welche das jetzige System vorbereitete, ließen sogar einen Nachtheil auf der Seite des übrigen Teutschlands fürchten. Aber dieser würde bald verwunden seyn. DaS Haupthin. derniß des Anschlusses möchte jetzt noch in den Mo nopolen liegen, denn die früheren politischen Gründe eines strengen Abschlusses haben» Dank sey es den freisinnigen Grundsätzen der Regierung, aufgehört die Wichtigkeit zu haben, welche man ihnen früher beile gen zu müssen glaubte. Daß diese Monopole keinen so großen reinen Ertrag gewähren, wie man erwar ten könnte, daß dieser in keinem Verhältniß steht mit den Uebelstanden, welche allen Monopolen anhängen, und daß er durch eine specielle Patentsteuer leicht er setzt werden könnte, darüber werden nur wenige Zweifel obwalten. Groß wäre allerdings für den Anfang der Druck der Pensionen für die unzähligen Entbehrlichgewordenen, aber was man erreichen wür- oe, wäre auch noch größerer Opfer nicht unwerth." „Ebenso ist das Verhältniß Ungarns zu den übri gen Erbstaaten ein großer Stein des Anstoßes, aber vei der Größe wechselseitigen Vortheils würde er ge wiß leichter hinweggeräumt werden, als viele mei nen. Die größere industrielle Entwicklung der Nach barlande würde nicht nur auf Handel und Stimmung Ungarns vortheilhaft wirken, sondern gewiß auch