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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 04.07.1884
- Erscheinungsdatum
- 1884-07-04
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-188407047
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-18840704
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-18840704
- Sammlungen
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Bemerkung
- Images teilweise schlecht lesbar
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1884
-
Monat
1884-07
- Tag 1884-07-04
-
Monat
1884-07
-
Jahr
1884
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 04.07.1884
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«r» krtm. «- »»»i u»»»i »e?« «» »a„«P US' ! ^ ,L5 »« L'- !Ä »«.« >» «it X» N. l».000 »atzkb »DL '»«4« Re«, ümrg- klphm »»»!: »: t» ' von «a». Erscheint täglich früh 6»/,Uhr. Krdarli«» und Lrprditi»» JohauneSgasse 33. Sprechknudru der Ued«c1i-a: vormittag« 10—12 Uhr. Nachmittag« 5—6 Uhr. tzv> »n Rt>a,»d, «»»«lautier ManutcrlM, «acht sich »u «tktacti«» u>»l »ntiutlich. Annatzm« »er für »ie »Schfts«l,e»d« Rummer bestimmte» Inserate an Wochentagen bi» 8 Uhr Nachmittag«, an E»»n- an» Festtagen früh bi»'/,» Uhr. 2n den /ilialrn für Ins.-Annassme: Ott« Klemm, UniversiiLtSstraße 21. Lauts Lüsche, Katharinruftraßr IS, p. «nr »i» '/,» Uhr. UrWMr.TllgMM Anzeiger. Organ für Politik, Localgeschichte, Handels- und Geschäftsverkehr. 188. Freitag den 4. Juli 1884. Auslage LS,0v«. Ldonoemeutspreis oiertelj. 4V, Ml incl. Bringerlohn ö Mk., durch die Post bezogen 6 Mt. Jede einzeln« Nummer 20 Pf. Belegexemplar 10 Ps. Gebühren für Extrabeilage« (>» Tageblatt-Format gefalzt) ahne PostbesSrderung 39 Mk. «tt Poslbeförderuilg LS Mk. Inserate 6gespaltene Petitzeile 20 Ps. Gr-bere Schrillen laut uuiercui PreiS- verzeichniß. Tabellarischer u. Zisseriisatz nach HSherm Tarif. Lkliameo unter ^em Nrdartionsstrich die Spaltzeile 50 Pf. Inserate sind stet« an die Expedition zu senden. — Rabatt wird nicht gegeben. Zahlung praeuumer-mkio oder durch Post- Nachnahme. 78. Jahrgang. Amtlicher Theil. Vekannlmachung. Di« Pflasterarbeilen in der Hillernraße sind vergeben und werden die unberücksichtigt gebliebenen Submittenten d«-halb hiermit ihrer Offerten entbunden. Leipzig; am SO. Juni 1884. Der Stath der Stadt Leipzig. Cicboriu». vr. Georgi. Hotz-Auktion. I« AuttzerfttitStoalde bei Liebertwolkivitz sollen Mittwoch, den 16. Juli dss. I»„ von Bormitiag 9 Uhr an, » eichene Stämme von 25—69 cm Mittenst. u. 10—1 Im Läng« 8 sichten« »crgl. . 25—38 . . . 11—20. . 1L rathbuchene Klötze - 28—57 ... 4—7 « « 8 ltndene tzergl. . 23—28 . . . 4u.5 . . 727 eichene dergl. . 8-100- . -2.5-9 . » gegen Erlegung der geordneten Anzahlung and unter den sonst be- «nnt zu machenden Bedingungen meistbietend versteigert werdeu. Versammlung: ans »e« Schlage am breiten Wege. Leipzig, am S. Juli iSSch Universität»-Reittamt. Gras. Auctiouslscal des -königt. Amtsgerichts. Freitag. de« 4. Juli. von » Uhr vormittags und S Uhr Nachmittag» an wird die Versteigerung von GlaSwaare» fortgesetzt. Leipzig, den 3. Juli 1884. vielst, Gerichtsvollzieher. Areimiltige ver-eigerung. vo» de« Unterzeichneten Amtsgerichte soll »en 14. Inlt 1884, vormittag» 16 Uhr a» AmtSaerichtSstelle zu Wurzen da« zum 'Nachlasse de« Privat manne« Johann August HSnstl in Wurzen gehörige HaaSgrundstnck >r. SOL de» Brondbersichcrungökataster« und Fol. 6l6 de- Grund- und Hypotheken buch« für Stadt Wurzen im ungefähren Werthe von 16,850 ans Antrag der Erben versteigert «erden. In Betreff dcr VersteigerungLbedingungen wird ans dt» Anschlag an hiesiger Gericht«tasel verwiesen. Wurzen, am 25. Juni 1884. Königliche» Amtsgericht. Naumann. v. lav- M - d Nichtamtlicher Theil. Die Socialdemokratie in Leipzig. Die Denkschrift des sächsischen Minisierium», welche wir in der Mitlwochnuniiner milgeth-ilt haben, ist ein wichtige« Aktenstück für die fvcialdemvkratil'che Bewegung in Dculsch- lank. ES wird darin zunächst seslgestellt, dag die Social- drmolratie in der letzten Zeit gröbere Mäßigung und Zuriick- hallung in ihrem Auslrelen wie tibcrhaupl so auch in Leipzig gezeigt hat. ES ist daS offenbar ein Folge der Geltung deS SocialistengesetzcS und zwar ist da» gerade diejenige Wirkung, welche von den Bundesregierungen angestrebl worben ist. DaS hat Niemand erwartet, daß die gegen die Socialvemo» kratie ergriffenen Schutzmatzregcln auSreichen würden, ui» die Bewegung selbst zu unterdrücken, sie waren nur bestimmt, sie in gemäßigte mit der bestehenden staatlichen Ordnung vereinbare Bahnen zu leiten. Und der Zweck dcS sogenannten kleinen Belagerungszustandes ist. den durch da» Socialistengesetz gewährten Schutz gegen Ausschreitungen der Socialdemokratie zu bcfesiigen «nd wirksamer zu machen. ES ist von den Gegnern dcS Ausnahmegesetzes immer be hauptet worden, daß die Bewegung durch kiese» Gesetz an der Oeffentlichkeil verdrängt, im Geheimen aber um so leb hafter betrieben werde. Da» ist nur z»m Theil richtig, denn die Erfahrung hat gelehrt, daß die insgeheim betriebene Agitation hinter der öffentliche» an Schärfe und Gesammlschädlichkeil sehr wesentlich zurücksiebt, daß gerade dadurch die Social demokraten gelernt haben, die gesetzlichen Vorschriften zu beachten. Da» ist ja eben da» Gefährlichste an der so- tialistischen Bewegung, daß sie. wenn schrankenlos betrieben, die Achtung vor dem Gesetze und vor der bestehenden Ordnung untergräbt und der Gewaltlhätigkeit Thür und Thor öffnet Aver auch die geheime Agitation hat ihre Gefahren und die dringendste ist der beständige ungestörte Aufenthalt der Führer dcr Bewegung an denjenigen Orten, an welchen di« Socialdemokratie besonder» stark vertreten ist. Deshalb ist cS nothwendig, die Führer von solchen Orten fern zu halten, damit sie an ihrer aufreizenden Tbätigkeit verhindert werden können. Dazu dienen die AnSweisnugen und daß diese Maßregel richtig ist, da» zeigt ihre heute nur noch vereinzelte Anwendung. Im letzten Jahre sind aus Leipzig nur sieben Socialbemokraten anSgcwicsen worden, gegen 13 im Vorjahre. Dazu wurden 4 Gesuche nm Erlaubniß der Rückkehr AuS- gemirsener bewilligt und 28 weiteren Gesuchen um zeitweiligen Aufenthalt in Leipzig gleichfalls Folge gegeben. Schon die Thalsache, daß solche G suche gestellt wurden, zeigt da» Streben der Socialdemokrale», i»it den Gesetzen in Einklang zu treten, denn ein Gesuch ohne dies« Absicht wäre zwecklos Ungeachtet dieser erfreuliche» Anzeichen der Kräftigung d«S Sinne» für Gesetzlichkeit fehlt es doch auch nicht au Wahrnehmungen, welche zur Vorsicht mahnen. Durch die im vergangenen Jahre geführten gerichtliche» Untersuchungen ist die Thatsache erwiesen worden, daß von Leipzig an» ei« sehr «chontlicher Theil der au» dem AuSlande rmgesührten der HoSenen socialdemokralischen Schriften, insbesondere de« in Altrich Erscheinenden „Soeialdeniolrat" im Lande »nd Reich« Verbreitet wird und daß auch der Inhalt diese» Blatte» von Widzig au» unverhältnißmäßig stark mit Eorrespondenzen derfehen wird. Man ersieht daraus, daß Leipzig einer der Eentralpuncte für die Organisation und Agitation der deut sche» Socialdemokratie ist. und deshalb bedarf diese Stadt bmonderS wirksamer gesetzlicher Handhaben, um lie Bewegung in Schranken zu ballen. Eine Organisation, welche sich in den Rabmen der be stehenden Gesetze einzusüaen weiß und Ausschreitungen der« meidet, ist etwa« ganz Andere», als «in« mit voller Freiheit sich bewegend« Vereinigung grundstiirzender Kräste. DaS ver- konnen li« Feind« de» SocialistrnqeseheS und deS kleine« Be lag« ruiuSzüsiaudeS vollständi- Liutihorst befürwortet« di« Aufhebung diese- Zustande» in Leipzig und Hamburg, und meinte, daß e- genüge, wenn derselbe in Berlin sort- daucre. Darauf erwidert die Denkschrift sehr richtig, daß alSdann der Hauptherd der Agilation Leipzig werden würde. Schon jetzt unter Geltung de« kleinen Belagerungszustände» eigt sich hier unter der Ärbeiterbevölkcrung eine ganz aus- allende Rührigkeit in der Bildung von Vereinen in fast allen Zweigen de- Fabrikbetriebs und de- Handwerk», u», so mehr ist e» geboren, diese Thätigkrit unter den Schutz wirksamer Gesetze zu stellen, um jeder Ausschreitung rechtzeitig und nachdrücklich cntgegenlrcten zu könne». Al» die Debatten über die Verlängerung de» SocialistcngesctzeS im Reichstage staltsanden, herrschte in Leipzig eine sichtbare Aufregung in der Arbciterbcvöikerung und wenn am 10. Mai die Ablehnung der Vorlage erfolgt wäre statt der Annahme, so würde Leipzig von freudigen Knndgebungcn über diese» Votum widergchattt haben. Die Aufregung eines Wahlkampfe», welcher unter dem Eindruck diese- Volums begann, ist dem deuischcn Reiche glücklicherweise erspart worden, n»v die Aushebung deS SocialisienaesctzcS wird voraussickllich erst dann erfolgen, wenn sie ebne ernste Gefahren für die Gcsammtwohlfahrt dc» deutschen Volkes gcwagi werden kann. Unter der Herrschaft de« Krcinkencassen- und dc» Unfall- versichcrungSgesetzc» werden die »nter der Oberfläche heute noch glühenden socialistischen Leidenschaften eine heilsame Abkühlung erfahren. Ein Hauptgrund der Unzusriedcn- hcit dcr Ärbeiterbevölkcrung war die hilflose Lage, in welche der Kranke oter vo» einem Unfall betroffene Arbeiter und ihre Familien gerirthen. Da- wird jetzt wesentlich ander- werden, und wenn auch nicht mit einem Schlage alle Arbeiter an de» Wohlthaten de» UnfallversicherungSgesetzeü thcilnchmen können, so ist doch die Besserung be« ZnstanveS eine schon für weite Kreise sehr fühlbare. Es kann bei vielen Socialbemokraten die Einlicht nicht auSbleiben, daß e» jevcn- fatts sicherer und zweckmäßiger ist, eine mit den bestehenden gesetzlichen Vorschriften vereinbare Besserung der LebenS- verhältnisse anzuslreben und zu erreichen, statt der gewalt samen Lösung der vorhandenen Schwierigkeiten zu vertrauen und nach beendetem Umsturz.womöglich in noch weit schlimmere »nd trostlosere Zustände zu gerathen. wenn man nicht schon da» Opfer der Umstnrzbe regung geworden ist. DaS ist da» Große und Bewunderungswürdige an den socialpolitischen Pläncn- deü Reichskanzler», daß sie bestimmt und geeignet sind, die b« rechtigte Unzusriedenhcit dcr Arbcitcrbcvölkerung unter der Herrschaft de« Gesetze» zu beseitigen, daß die RcichSregierung alle Kräste anspaiint. um sich zur Führerin der sociallstischen Bewegung auszuschwrngen, statt sich auf Unterdrückung einer Bewegung zu beschränken, die durch gewissenlose Agitatoren schon einen bedrohlichen Umfang gewonnen bat. TicFolgc Vieser llugen und zwrckkienlichcn Pclilik ist. daß an Stelle der Erbitterung über AiiSnahmcvorschriften sich mehr und mehr die Ueberzeugung Bahn bricht, daß tbatsächlich Abhilfe für bestehend« unhaltbare Zustände ge schaffen wird. Unterstützung der Kranken unv Invaliden unter den Arbeitern sind greifbare Wohlthaten, waS die Agitatoren in Aussicht stellen sind Hoffnungen, lockende Nebel- bilvcr und für diese innssen obenein »och Beiträge gezahlt werde». Dafür bekommt dann dcr aus Besserung seiner materiellen Lage bedachte Arbeiter ein Stück Papier in die Hand, welche» von Mc"schc»reck>ten spricht unv ihm Herr lichkeiten vorzaubert, die nur in der Idee und in der Vor stellung bestehe», aber niemals zur Wirklichkeit werden können. Besser eingeschräiikte Preßfreiheit und eingeschränkte« verrin». und VersainmlungSrccht, strenge Gesetze gegen Aufhetzung und Verführung der Arbeiter, als unsägliche» Unglück für die Gcsammtheit, ohne den vom Umsturz gehofften Erfolg für die Arbeiter. * Leipzig, ». Juli 1884. * In der unter dem Vorsitze dcS Staat-minister« von Doettickcr am 1. Juli abgehaltencn Plenarsitzung de» BundeSrath» gelangten zur Vorlage an die Versammlung die Beschlüsse de» Reichstage» über die unveränderte An nahme der Gesetzentwürfe, betreffend Beschaffung eine» Tienst- gebäiive» für da» Generalconsulat in Shangai und betreffend die Feststellung eine- zweiten Nachtrag«» zum ReiLSba»»- haltS-Etat für da« EtatSjahr 1884/85, den von dem ReiLS- tage in veränderter Fassung angenommenen Gesetzentwürfen, betreffend die Unfallversicherung der Arbeiter, und betreffend di« Eommanditgesellscdasten «ns Aktien und die Actiengesell» fckaslen, ertbeilte die Versammlung iu der von dem Neich»-- tage beschlossenen veränderten Fassung di« Zustimmung. Den zuständigen Ausschüssen wurden zur Vorbcrathung überwiesen die Beschlüsse dc» Reichstage» über: die Gesetzentwürfe wegen Abänderung der Gewerbeordnung (Antrag Ackermann) und wegen der Fürsorge für die Dittwen und Waisen vo» An gehörigen de» NeiwShecre» und der Marine; in Betreff von Petitionen wegen Schadenersatzansprüche an die Müitair- verwalliiiig und wegen PensionSerhöhnng. sowie die Resolution deS Reichstage», betreffend die Entschaoigung der durch den gesetzlichen Ausschluß der privaten U»fallversicher»!i,zSgesell- schasten in ihrem Erwerb« beeinträchtigten Bediensteten dieser Ge sellschaften. Die vo» Preußen beantragte, nach tz. 4 de» ReicbS- gesetzeSv. 4. Mai l874ersorvrrliche Genehmigung zur Verleihung ver Staatsangehörigkeit an mehrere auSgewiesen» Geistliche wurde ertheilt. Den Anträgen der AuSschilssr wegen Erebitirung der TabakgewichtSsteuer, In Belrefs der zur Ausführung de» Gesetze» Über die Anfertigung und Verzollung der Zündyvlzer vom l3. Mai >884 rriorvcrlichr» AnSlührungSbestimmunge«, sowie wegen der Aufnahme von Fabriken znm Verniete» «ferne, Röhren, zur Herstellung eiserner Brücken re. unter die nach K. 16 der Gewerbeordnung genehmigungspflichtige» Gewerbeanlagen, gab die Versammlung Folge. Me bei einer kaiserlichen DiSeiplinarkammer erledigt« Mitgliedstell« »»rde wieder besetzt; dem Entwürfe eine» Gesetze» für Elsaß- Lothringen. betreffend Declaration zum Jogdpolizeiqesetz »,m 7. Mai t883, di« Zustimmung ertheilt. Eine Eingabe, de» tref'en) die Ermittelung de» Raummaße« bei der Verzollung der zu Brctern geschnittenen Holzblöcke, wurde ablehnend be» schienen, ein« aus Abänderung der Civil- und Gtrasproceß» Ordnung gerichtete Eingabe an den Herrn Reichskanzler überwiesen. Schließlich faßte die Versammlung Beschluß über di« geschäftliche Behandlung mehrerer Eingaben von Private». * Ob der BundeSrath die Entschädigung-Pflicht gegenüber den in ihrem Erwerb berinträchtlgten PrivatversicheruagSbeamte» anerkennen wird, muß abgewartet werden. Der Reichstag hat die ResolUtio« fass einstimmig angenommen und die offenbarsten Gründe der Billigkeit sprechen für diese Forderung. ES mag auch daran erinnert werden, daß bei dem Vorschlag der Einführung de» Tabakmonopol» di» EntschLdigungSpflicht seiten- der Regie rungen in sehr weitgehendem Umfang anerkannt worden ist, in solchem Umfang, daß dadurch sogar der finanzielle Erfolg de« Vorschlag» einigermaßen in Frage gestellt wurde. *Zur Angelegen heit derPofldampfersubvention sind der „Nordkeulschen Allgemeinen Zeitung in den letzten Wochen au» dem Reick« und au» dem AuSlande zahlreiche Enisendunaen zugegangen, welche von dem ungemein großen Jnlercsse Zeugnig oblegen, mit welchem in de» verschiedensten Jnleressenkreisen diese wichtige Frag« unv deren Behandlung im Reichstage verfolgt worden ist. Der Unmuth über die dem VolkSinstincte geradezu unverständliche Haltung der Gegner jener Vorlage im Reichstag kommt in verschievenen Zuschriften in initnnler reckt drastischer Weise zum Ausdruck. Da» genannte Blatt läßt diesen Worten vaS nachstehende Schreiben eine- dculschen Kaufmann» im AuSlande folgen: Die ungünstige Aufnahme, welche die Vorlage über die Dampser- subvcnlioi: im ReichSlage gesunden, wird gewiß nicht am wenigsten von den im AuSlande wohnenden Deutschen mit Leidwesen emvsunden werden. Im Innern dcS Lande» entziehen sich die Verhältnisse de< KelihandeiSoerkehr» nur zu leicht einer vorurlheilSsreien Beurthei- lung. der Deuiich« im AuSlaiid« sieht die Sache mit anderen Augen an. er steht unter dem direkten Einsiussr der ihm täglich sichtbaren Macht anderer Staaten, denen gegenüber Deutschland in maritimer Le.siehung heute noch so unbedeutend ist: — eia um so bittereres che'ühl. wenn man berücksichtigt, welche Rolle unser Vaterland ehe mals auch auf diesem Gebiete gespielt hat. „Wir können nur in Länder erpvrtiren, do» welchen wir im- poriiren" — sagt z. B. der Abg. Vambrrger, und weist dabei aus England und Frankreich, mit dessen HaadeiSvrrkehr wir un- nicht messe» können. Wir niöchtea demselben antworten: Ist eS nicht eben der große Fehler der deulichen Verhältnisse, daß wir un» lowvhl für den Exvori al» Import in der Hauptsache de» Aus landes bedienen müssen? Allerdings vermittelt der deutsche Hasen Hamburg den größten Tbeil der deutsch-amnikauilchrn Ein- und Ausfuhr; daS große GescbLst von und nach den übrigen Welttheilen, hauptiächlich Asien und Alrika, wird dagegen noch säst ausschließlich von England, Frankreich »nd Holland gemacht. Der erportsähige deutsch« Fabrikat Hot HLersür » London und Pari« lecke Haupt, abnehmer, die von dort au< vermittelst einer tressittb orgaaisir»«» Schifffahrt die Produkte deutschen Fleißes, mit entsprechendem Nutzen natürlich, i» alle Welt senden, »nd wir überlassen et ge duldig dieser fremden Schisss-Hrt, uns, wieder mit entsprechendem Nutzen, die uothweubigsten vedürsaiffe de» täglichen Leben» zu liefern. Für die deutsche Industrie Hot diese« System zudem noch feine besonderen Schattenseiten. Der frauzSsische oder englisch« Exporteur kaust natürlich von den ihm offeririe» deutsche» Artikeln nur daS, wa» ihm, den Leistungen de» eigenen Lande» gegenüber, besonder» voriheilhast erscheint, ein großer Theil der deuischea Lrzeugnisie, die zwar nicht billiger sind, al« die französischen und englischen Fabrikate, dagegen auf neutralem Gebiete sehr gut gegen die- ieibcn concurrire» könnten, bleibt dadurch »»berücksichtigt, und dadurch sind eben die günstigen TraaSportverhLltniff« dieser Länder eia Hauptschutzniittel ihrer eigenen Erzeugnisse. Für unsere sich in allen Branchen täglich mehr entwickelnde deutsche Industrie dürste gerade der gegenwärtige Zciipunct geeignet sein, e» ihr durch Gewährung eine» ähnlichen Schutze» zu ermöglichen, selbst neue Absatzwege ans- zusuche» und. unabhängig vom AuSlande, dort al» ebenbürtiger Eoncurrent iu ollen ihren Erzeugnisseu aufzutrrlen. Die Opposition der Vorlage im Reichstage rechnet allerdings n»r mit de» Verhältnisse», wie sie bi» jetzt leider waren, micht aber, wie sie »och werden können, und wie sie auch früher bereit» gewesen sind. Und doch bedarf eS nicht einmal eines allzu großen RückgrifseS in unsere vaterländische Geschichte, um seit der Wiedergeburt Dculich- lond» auch eine edcnbürligere Stellung desselben aus maritimem Gebiete gerechtfertigt erscheinen zu lassen. War e« denn nicht die deutsche Hansa, die in ihrem Stahlhos in London einst sogar den Handel dct jetzt so stolze» AlbionS regierte? — war Köln nicht bereit» eine bedeutend« und reiche Handelsstadt mit eigenen Sec« verbcudungen, al» dal späier so reiche und uiächüge Amsterdam (ein arme- Fischerdorf bis zum 14. Jahrhundert) noch kaum dem Namen nach bekannt war? In Antwerpen erblicken wir in dem beute noch vorhandenen, die ganze Hafeufront beherrschenden ehemaligen Lager hanse der Hansa ei» mächüget Wahrzeichen dieser früheren ve- deutung Deutschland» zur See. Hier ankerten damals deutsche Schiffe mit de» Produkten ferner Zonen, die verwitterten Mauern habe» e» mit angesehen, wie »ach und nach Fremde sich die deuiich« Zerrissen- heit zu Nutz« machten and rufen un» heute zu: „Seid einig, wo «t die Wiederherstellung ver der deutschen Seemacht gilt, laßt Euch nicht abermal« durch kleinliche» Parleigeist entgehen, wa« dann gewig nnwiderriiilich verloren sein würde." Aus diese« Gebiete gilt mehr al» irgendwo die Losung: „wagen gewinnt I" * Sonderbare Gesellen sind di« aa 1 ionalvolnischen Agitatoren, welche in den ehemals polnischen Lander« tdeilen der preußischen Monarchie ihr Unwesen treiben. Auf der einen Seite können sie nicht Worte genug der Klage über den Rückgang der polnischen Nationalität, die Ver gewaltigung der polnischen Sprache finden, auf der andern Seite aber hält sie die» Uebermaß de» Jammer» kcineSwege» ab. polnische Nalionalfesie zu erfinden »nd zu arrangiren. deren Zweck nach dem eigener, Geftändniß der Veranstalter dahin gerichtet ist, die von ihnen behauptete Lebensfähigkeit d»r polnische» Nationalität «nd da» Verlangen derselben uach politischer Selbstständigkeit vor der Welt zu nianisestiren und die polnische Bevölkerung für die großen ZuknnflSpläne Ver Patrioten empfänglich zu machen. Wollten wir alle polnischen Eongreffe und andere Nationalseste, di« zu diese« Zweck« >n de» letzten Jahren veranstaltet worden find, einzeln auszählea, wir würde» nicht so bald damit zu Ende komme«. Al» die »ichtiasten nennen wir nur: die polnisch-slawische Pilgerfahrt nach Rom, unz für di« polnisch.slawischen EiaheltSbeflirebunßen de» päpstliche, Segen zu erbitten, vier große Eongreffe polnisch < czechiscke, Aerzle und Ralursorscher, die DlugoSifeier, di« KraSzewSki« seier, di« so jährige Gedenlseie, de« polnische« Ansstuntze« vm» 1830—»I. tzw SobieSkifeier w. Aicherde» sin» noch proj^tirj für da« lausend« Jahr rin literarischer Lona«ß in Lrwtzerß und str da« künftig Lahr die tausendjährig« Fwer de« LodeSiage« de» heiligen Methodius, de« bekannte« Slawen» apostei». die »ou alle« slawische« VVikerstämmen " werde» soll. » * » * Urber die Epidemie in Lüdfrankreich »nd di« Abreise de« Geh. Rath« Koch von Berlin schreibt die „National-Zeituna- r »er Zweifel, ob mau e« l, Do» »» mit astatischer Ehaler« »der Odolar» vootr», ,, ttzun Habe, hat auch in Frankreich a,k» aehSrt. Dir Herren «ronardel und Prvnft Hoden nach ihrer Räch kehr in Pari« erklärt, sie kSnntr, sich d« Ueberzeugung nicht s»»»r entziehen, »aß di» Epidemie in Dvalon di» astatisch« Lhalera sei, raNdem sie anch Marseille ergriffen Hab«. Also die Erfahrungen in Doulo:, genügten ihnen »ich«. Nur Herr Nachart, Lhes dr« GamtütSwesen« der Maria«, hält an Ovaler» voakra« sest — frei» lich (Lolera aaiatie» wäre eine zu herbe ihaisächlicbe Kritik süc ihi selbst. Herr Fauvcl wird sich dagegen seinen Eollege» ansch'-.stc» müssen, wenn er auch den Ausdruck „sporadische Cholera" wahr scheinlich noch vielfach vrntiliren dürste. Die beiden französischen Drlegirte» bezeichnen gleichzeitig die Lholera in Toulon als mild (dänin) und nach den neuesten Nachrichten scheint es ui dcr Thal, da» wir diese Bezeichnung al- eine wahrheitsgetreue au- nehmen dürsen. ES ist sehr lehrreich, da» Verfahren der Behörden in Toulon in daS Buge zu sassen. Leider kann da« Unheil über st- kein andere- sein, al- daS über die sanitären Zustände dieser wichi'aen Hafenstadt loeben erst gefällte. DaS hervorragendste medirmisch- Fachblatt England-, „Lancet". hat vollkommen Recht, wenn eS de- . tont, daß, fall» man in Toulon den Plan gehabt hätte, die Cholera so schnell al» möglich über Frankreich und ganz Europa zu ver breiten, man in der Tbat gerade so verfahren mußte, wie es gc- Ichehen ist. Au-nohmrloS ist man in Frankreich der l'.cberzeuguag, durch Sperrmaßregeln die Einschleppung und die Weiterverbreit»»g iascctiöser Krankheiten sicher verhüten zu könne». Damit solche Maßregel» aber wirksam sein können, ist doch »oll,wendig, sofort, wenn «in auch nur zweifelhafter Fall constelirt ist, ihn zu isollrcn. Wie handelte man aber in Doulon? Am 14. Juni eriolgie bekanntlich der erste Lholera-TodeSiall. Im Einvcrsiändniß mit der Eentralbehörde in Paris verschweigt man nicht nur ihn, sondern auch die ihm folgenden, bi» endlich die Zahl der Lholera-DodeSsille so anwächst, daß eine Panik entsteht, um so ge fährlicher, al- natürlich da» Verfahren der Behörden ihnen alles Bertraueu in der Bevölkerung geraubt hatte! Inzwischen ereignet sich »in Cholera-TodeSfall in dem Lyceum, und die Behörde weis; nicht» Anderes zu thu», al» die Studirenden desselben ohne weitere Bor- sicht-mabregeln i» ihre Heimath zu entlassen, und somit die Mög- jichkeit zu bieten, daß der KrankheiiSkeim sich in dem ganzen Nachbargebiete von Toulon verbreitet. Wie man auch zu der Frage der Quarantänen und Sperren sonst stehen möge, daß eine darf man nicht vergesse», daß der Glaube an die Wirksamkeit derselben nur zn leicht dahin führt diejenigen hygieinische» Maßregeln für uunöihig zu erachten, deren Wirksamkeit sonst erprobt ist. England« Handelspolitik solchen Epidemien gegenüber, deren Bekänipsung seine Interessen gefährden würde, ist an dieser Stelle mehrfach von »n« beklagt worden. Die Maßregeln aber, welche in England Regierung und Parlament zum Schutze Groß- brilannieu» selbst getroffen habe«, sind »och vielen Richtungen hin Nachahmung »warth. Eine Reihe von Gesetzen und gesetzliche» Vorschriften Hobe» daselbst Kit der vorjährigen Choleragesahr die sanitäre Jnfpectio» aller verdächtigen Eingänge, die Jsoliruag der Kranke» und außcrde» davernde sanitäre Verbesserungen angeordnet Hätten sich die Engländer aus die Quarantaine «ach französischem ModuS »erlassen, so würde e» schwer gewesen sem, diese Maßrogeln durchzusetzen, während sie ihnen jetzt nicht nur. während die Etndemie droht, sondern für alle Zeit z» Gute kcmmen. vir glauben annehmea zu dürsen, daß die Rathschläge, welche al» Resultat der eben geschlossenen Cholera- Commission nuumehr dr» deutschen Regierungen über- geben wurde», wesentlich der gleichen Richtung angehören, ab gesehen »ou Modifikationen, welch« die Verschiedenheit zweier Staaten, wie England und Deutschland, nothwendig machen. Daß dem so ist, kann Jeden, dem die »ffentliche GesundheiiSpflege am Herzen liegt, mit Genugthuung erfüllen und da« ruhige Vertraue» nur der- . stärken, weicht« die Haltung der Reich-regierung in dieser wichtigen Frage de» allgemeinen Wählet sich jetzt schon errungen bat. Die Dhaisache, daß Geheimrath Koch sich Montag Abend über Pari» nach Toulon begeben hat, beweist an und für sich schon, daß eine s» große Gefahr, wie die gegenwärtig Frankreich bedrohende, den Hyperpalrioritmu« zum Schweigen gebracht hat, der bi« jetzt so weit ging, daß die französischen Fachzemchrisien fast ausnahwIaSS» die Berichte unsere» Londtmoune« aus Egypten und Indio» mit Stillschweigen übergingen. ES ist interessant, daß trotzdem der Name Koch und seine Entdeckung de» Eholera- bacillu» in weitrreu Kreisen de« französischen Volke» so Populair gewvrden ist, daß man in Marseille sein Komme» geradezu verlangt hat. Wir glauben, daß er auch dieser neuen Ausgabe gewachsen ist und die Kritik seiner sranzösischen College» wahrlich nicht zu scheuen braucht. Und so dürfe» wir hoffen, daß diese Mission auch dazu dienen wird, manche Fäden zwilchen deutscher und sranzSsischer Wissenschaft wieder au- zuknüpsen, die seit 1871 leider gerissen sind. * Der König von Holland bat seine Rückkehr nach dem Haag für den 15. Juli in Aussicht gestellt und die Bei setzung der Leiche de» Prinzen von Oranien für den folgenden Tag anberaumt, doch siebt zu befürchten, daß die Rückkehr deü Königs sich über den genannten Zeilpunct binauS verzögern wird, denn nachdem in dein Befinde» de» König» bereiis eine erhebliche Besserung eingetretcn mar, bat der König einen Rucksall erlitten und man ist in seiner Um gebung nicht ohne Besorgnisse. Die Sectio» dcr Leiche dc» Kronprinzen Alexander hat vargetban, daß da- zurückgezogene Leben, weiche« der verssorbene führte, durch feinen dclicalen Gesundheitszustand unbedingt geboten war. ES ist conssatirl worden, daß alle edleren Organe, mit Ausnahme dcS Gehirns, krank waren; nur da» letztere war völlig gesund und halte daS normale Gewicht. * Da- vor einigen Jahren in Irland so beliebte Boy- cottiren scheint wieder in Mode kommen zu wollen, denn am Mittwoch boycotleten in Watcrford sämmtlicbc Scbwcinc- händler die große Schweinescbiäck'lersirma R:charvson L Co., indem sie. obschon über 3000 Schweine om Mark! waren, den Käufern dieser Firma kein einzige» Schwein verlausen wollten. Die Herren Richardsoll <L Co. Hallen sick, nämlich der Zwischenhändler zu entledigen versucht, indem sic direct von dcn Schweinezüchtern kaufte»; die Zwischenhändler aber kamen der Firma zuvor, kauften alle Schweine aus und rvottten dies« nun an die Firma nicht wieder verkaufen. In Fermotz m»d anderen Gegenden machten» die Schweinehäntler gerade so, und da die Firma wöchentlich 8000 bis 9000 Schweine gebraucht, so wird sie wobl nachgeben müssen, da dir Zwischenhändler im ganzen Land« sich gegenseitig ver» pflichtet haben, den Herren Richards«» L Co. so lange keine Schweine zu verkaufen, wie sie noch direct von den Züchtern kqujrn. * „Seit langer Zeit", so schreibt man dem „Matin" aus Madrid. .Hat Spanien keiner Hinrichtung beigewohnk. die einen so liefen Eindruck sowool in politischen wie mili» tajrffche» -reisen hervorczerufen hätte, al» die der beite» Osffciere, die a« 28. Juni in Gcrona erschossen wurden. Die außerordentlichste« Anstrengungen wurden von allen Seiten gemacht, ,m de« beivrn verurtheilten da» Leben zu retten; alein aff« Bitte« scheiterten die-inal an dem festen Entschluß des Ktznig» Alfons« und seine- EabinetS, die e» für noth. wendig «rasteten, im Interesse der Befestigung der mili- tatrlschen DiSeiplm ein Beispiel zu geben. Nicht» vermochte diesen Entschluß zu ändern, sogar nicht da» Flehen dcr un glücklichen Frauen der beiden Osficiere. die außer diesen noch mehrere Kinder hiuterlassen. Der Eindruck an dem Tage der Hinrichtung war unbeschreiblich; in Gerona blieben alle Lüden wihreud der 24 Stunden geschlossen, so lange die verurttzriltcn einer LandeSsilte gemäß mit ihren Beichtvätern in der Eaprll« znbrachten."
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