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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 25.11.1900
- Erscheinungsdatum
- 1900-11-25
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-190011252
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-19001125
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-19001125
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-11
- Tag 1900-11-25
-
Monat
1900-11
-
Jahr
1900
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 25.11.1900
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Anzeigen-Preis die 6 gespaltene Petitzeile SS Reklamen unter dem RedactionSstrich (»gespalten) 75 H, vor den Familiennach richten («gespalten) 50 H. Tabellarischer und Ziffernsatz entsprechend höher. — Gebühren für Nachweisungen und Offertenannahme L5 H (excl. Porto). Extra-Beilagen (gesalzt), nur mit der Morgen.Ausgabe, ohne Postbeförderung ./S «0.—, mit Postbeförderung 70.—. Ännahmeschluß für Anzeigen: Ab end-Ausgabe: Bormittag» 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: Nachmittags 4 Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je ein» halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis Abends 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig. M. Sonntag den 25. November 1900. 94. Jahrgang. Aus -er Woche. Die Gimpelpolitik, die vie deutsche Socialdemokratie in der China-Angelegenheit treibt, ist im Reichstage gebührend gebrandmarkt worden. An der Thatsache, daß die nach deutschen Blößen gierig suchende uud wegen Mangels an Erfolg, deutsche Unthaten erfindende Vaterlandslosigkeit geschlagen aus diesen viertägigen Verhandlungen herauSgeht, daran vermögen die vom „Vorwärts" und anderen social demokratischen Zeitungen in die Welt gesetzten Triumph berichte ü la Gambetta nichts zu ändern. Der Abgeordnete vr. Hasse half, wie wir aus einem eingehenden Berichte ersehen, in diese Siegesnachrichtenfabrik vor Schluß mit einer hell brennenden Laterne hineingeleuchtet. DeS Grafen Bülow Erfolg war vorauSzusehe», dieser ist jedoch noch vollkommener, als man bei der Zusammensetzung deS HauseS erwarten durfte. Hinter seiner Edina-Politik stehen BundeSrath und eine Mehrbeit des Reichstages, so groß, wie sie sich im deutschen Parlamente feiten zusammenfindet. Aber nur hinter seiner, deS Grafen Bülow, China-Politik. Die Hoffnung, daß durch diese ReichStagSdebatten und ihre vielfachen Unzweideutigkeiten die außerparlamentarische Position deS Kanzlers in der chinesischen Angelegenheit gestärkt werde, hegen wir leider nicht. Hat ihn doch selbst die Einberufung des BundeSrathSausschusseS für auswärtige Angelegenheiten nicht geschützt. WaS Graf Lerchenfeld dazu und zu der Auffassung deS BundeSratheS überbaupt erklärte, traf die Sacke, die man meinte, nicht. Sehr treffend waren hingegen die Bemerkungen deS bayerischeuBcvollmäcktigtenübereineauSdrückticheJndemnitäts- Ertheilung. Und noch schlagender ist, waS die „Nationalztg." sagt. Eine vom Reichstag in ein Gesuch um nachträgliche Ge nehmigung bereits gemachter Ausgaben bineingeschriebene, von der Regierung nicht nachgesuchte Indemnität ist in der Tbat das Gegentheil von dem, WaS man sich gemeinhin darunter vor stellt. Sie bedeutet statt eines Tadels ein Entgegenkommen gegenüber der Regierung, ein über deren Verlangen hinauS- gehendeS Entgegenkommen. Da die Frage aber ziemlich gleichqiltig ist, so mag ihre Entscheidung immerhin im Sinne der ReichStagSmehrheit erfolgen. Iu einer Debatte, deren Gegenstand die Sühne für die Verletzung deutscher Ehre und deutscher Interessen bildet, paßte die Erwähnung der Drangsalirung Deutscher in Südafrika sehr gut hinein. Die Regierung bat dem Abg. Or. Hasse in der Entschädigungsfrage eine ziemlich be friedigende Antwort ertheilt. Der von ihr mit vielleicht übertrieben starkem Nachdrucke hervorgehobene Umstand, daß auch nicht vollkommen begründete Schadenersatz ansprüche erhoben werden, ist eine unter Verhältnissen dieser Art regelmäßig bemerkbare Erscheinung und be weist gar nichts. UebrigenS, wenn der Dresdener, der ur sprünglich 10 000 verlangt halte, sich später mit 300 und dem Reisegrlde begnügte, so ist damit noch lange nicht gesagt, daß er genügend entschädigt worden sei. Jedenfalls sind 300 für einen auS Südafrika AuSgewiesenen und nach Deutschland Zurückgetriebenen eine ganz geringe Summe. Die „Nationalzeitung" gebraucht voreilig eine sehr überflüssige Wendung, wenn sie durch das Exemplum die „Erfahrung bestätigt" sieht, daß derartigen, in der „alldeutschen und verwandten Presse vielfach erhobenen Beschwerden gegenüber doch einige Vorsicht am Platze ist". Vorsicht ist immer am Platze. Nicht nur, wenn eS gilt, den lieben Engländern beileibe nickt wehe zu thun, sondern u. A. auch, wenn irgend ein ostelbischer Großgrundbesitzer, der vielleicht eine Erbschaft oder eine« Lotteriegewinn gemacht hat, die Landwirthschaft in Bausch und Bogen als ein höchst lucrativeS Gewerbe schildert. Wenn wir den Herrn Abg. Hasse richtig verstehen, so hat er, als er vorgestern im Reichstage beklagte, daß wir uns unserer in Südafrika brutal vergewaltigte deutsche Brüder nicht angenommen, ReichSangebörige und nicht die Boeren im Auge gehabt. Wobl umS Herz ist'S aber dem Deutschen auch hinsichtlich der Boeren in diesem Augenblicke der An kunft Krüger'» auf europäischem Boden nicht. Wir haben kein völlig gutes Gewissen in dieser Sache und selbst ein nicht nur dem „Alldeutschen", auch dem Deutschen kükl gegen- überstehendes demokratisches Blatt schreibt über den Empfang deS greisen Patrioten: ^Die Herren Loubet, Waldeck-Rousseau und Delcassä erweisen sich gerade darin tapfer wie die Oranierin Wilhelmina, die sich durch die Wutb- auSbrüche der englischen Presse nicht hindern ließ, dem flüchtigen Präsidenten ein holländische» Kriegsschiff zur Verfügung zu stellen. Wie vortheclhaft hebt sich dies ab von dem Benehmen Anderer, die dem Boerenvolke, als das Gewitter heraufzog, Muth einsprachen und den Rücken steiften, dann aber, als der Sturm lösbrach, deli Hilfesuckenden die Thüre wiesen und mit den Unterdrückern gemeinsame Sache machten!" „Gemeinsame Sache" — dieser Ausdruck geht über da» Thatsächliche hinaus, im klebrigen ist der Ausruf Wohl berechtigt. Das deutsche Volk aber begrüßt den zähen Vertheiviger seines so schwer heimgesuchten Vater landes mit nirgends übertroffener Herzlichkeit. Krüger wird in Europa nichts erreichen, er reist, wie nach Sedan der alte ThierS, hoffnungslos. Aber es ist ein heldenhafter Zug, da» ganze Arsenal der Rettungsmittel zu erschöpfen, ehe daS au- tausend Wunden blutende kleine Volk dem Henker die Hände zum Fesseln darreicht. Präsident Krüger macht, ander» wie ThierS, die letzten Anstrengungen für eine Sache, die von Anbeginn bi- nun eine gerechte gewesen ist. Die Berliner Polizei ist sich offenbar noch nicht genug in der Leute- Munde. Sie erfüllt die Welt zur Abwechslung wieder einmal mit einem Kunstgenir- streich, indem sie — wir haben cS bereit» gemeldet — am Bußtag dem Opernchor die Aufführung von Stücken au» Handel'» Messias und Wagner'» Parsival verbot. Verbot, nachdem die Production dieser Theile drei Wochen lang unbeanstandet angekündigt war. Dabei ist vor mehreren Jahren am Bußtage von demselben Chor eine fidele Piöce von Strauß ungehindert gegeben worde«. Auf diese Ungereimtheit macht die „Kreuzztg." aufmerksam, die, wie auck andere konservative Blätter thun, diese geradezu komisch motivirte polizeiliche RettunSthat mit besonderer Schärfe geißelt Der Berliner Polizeipräsident hat sich für seine Person bisher nicht als Kunstbarbar gezeigt und manche gröbliche Schamgefühls-Mißgriffe untergeordneter Organe rasch wieder gut gemacht. Deshalb hat die Annahme etwas für fick, die neueste Maßnahme sei nicht gegen Händel und Richard Wagner, sondern gegen deu Generalintendanten Grafen Hochberg ge richtet. DaS Stückchen führt den ReichötagSverhandlungen über den freisinnigen Antrag, betreffend die reichsgesetzliche Aufhebung deS ThcatercensurverboteS, „dankbaren" Stoff zu und erschwert denen, die dieser Censur auch eine gute Seite abzugewinnen wissen, die Vertheidigung ihres Standpunkts. Erzbischof v. Stablewski hat, nachdem er dem Deutsch- thum einen Faustschlag inS Gesicht versetzt, für die Errettung deS deutschen Kaisers aus Lebensgefahr — gemeint ist be kanntlich der Breslauer Zwischenfall — Dankgebete an geordnet. Echt slavisch! So slavisch wie die Art und Weise, nach der die deutsch-socialen Reformer in Meseritz-Bomst den Deutschen in den Rücken fallen. Die Parteigenossen iu Sacksen billigen diese Handlungsweise gewiß nicht. Wenn sie den Herren Bruhn, Böckel, Paul Werner :c. etwa mildernde Um stände aus dem Grunde zuzuerkennen geneigt sein sollten, weil der Bund der Landwirthe sich einen Wahlschwindel bätte zu Schulden kommen lassen, so sei hiermit constatirt, daß den uns keineswegs sympathischen Bundeeführern in diesem Falle der Vorwurf des Schwindels mit Unreckt gemacht wird. Der in- criminirte Wahlaufruf der Bundesleitung liegt nun vor. Er ist völlig correct und der Wahrheit entsprechend. Es wurde darin nicht gesagt, der Antisemit habe seine Eandiratur zurück gezogen, sondern — und zwar in Fettschrift — mitgetheilt, er sei aufgefordert worben, dies zu thun. Vollkommen einwandfrei ist auch die Bezeichnung des Herrn v. Gersdorff als nunmehrigen einzigen Eandidaten. Denn der Aufruf kennzeichnet fick sehr deutlich als ein solcher deS Bundes der Landwirthe, und dessen einziger Candidat ist der Conscrvative beim Erscheinen des Flugblattes in der That gewesen. Die Wirren in China. Tie Bereinigten Staaten und China. Drei Umstände fallen bei der augenblicklichen China-Politik der Bereinigten Staaten, die ein New Uorker Blatt in bitterem Spotte als „capriciös und unverständlich" bezeichnet, und die jetzt zu einem Stadium der Verhandlungen gekommen sind, welches der officiöse Preßapparat in Washington selbst als „prekär" kennzeichnet, besonders ins Auge: Der chinesische Gesandte in Washington, Excellenz Wu Ting Fang, ist augenblicklich persona xratissirna, der amerikanische Gesandte in Peking dagegen, der treffliche Mr. Conger, ist vollständig in Ungnade gefallen und wird von den Tintenkulis des Staatsdepartements schlankweg für geistesgestört erklärt, und das amerikanische Volk fängt an, die Politik seiner väterlichen Regierung unbegreiflich zu finden, und vermuthet, daß Mac Kinley oder Staatssekretär Hay selbst nicht wissen, was sie wollen, oder aber sich in ganz unverantwortlicher Weise von Rußland ins Schlepptau nehmen lassen. Der chinesische Gesandte fährt fort, .Artikel über die Lage zu schreiben, aber sie werden in ihrer Monotonie auf die Dauer ermüdend, denn sie bringen immer wieder die bewegliche Klage, daß die Missionare tactlos gewesen seien, und daß man die Chinesen im Abendlande in Wort und Schrift schlechter be handle, als sie es verdienen; von einem Bedauern über die feigen und hinterlistigen Mordthaten der chinesischen Regierung oder über die viehischen Bestialitäten, die die sanftmüthigen Lands leute des sanftmüthigen Wu Ting Fang an Frauen, Mädchen und Kindern des Westens, die mit den Missionaren und mit der westlichen Presse absolut nichts zu schaffen haben, verübten, ist nirgendwo ein Wort in diesen Expectorationen der chinesischen Lügenexcellenz zu finden. Dagegen ist es auf seine intelligente Information zurückzuführen, daß die journalistischen Leib- Sclaven des unverwüstlichen Hay jetzt mit allen Details schildern, wie der amerikanische Gesandte unter den Strapazen der Be lagerung, der seelischen Erregung und der klimatischen Einflüsse sein Nervensystem vollständig zerrüttet habe, so daß es jetzt kein Wunder wäre, daß er nicht mehr die nöthige geistige Elasticität besitze, um den Einflüssen seiner extrem chinesenfeindlichen Um gebung mit der nöthigen guiotas snimi gegenüberstehen zu können. In anderen Blättern desselben Kalibers, solcher, wie der New Uorker „Evening Post", die beinahe noch chinesischer sind, wie Herr Bebel, wird die zarte Andeutung, die man über den Gesundheitszustand Conger's von Washington aus nach allen Richtungen der Windrose telegraphirt hat, natürlich ver- ständnißinnig ausgenommen, und gleich dahin erweitert, daß der Vertreter der amerikanischen Interessen in China leider unzu rechnungsfähig geworden sei. Würde Conger nicht von den amerikanischen Kaufleuten in China und von der Missionspartei so stark unterstützt, so hätte man ihn vielleicht schon, „aus Ge sundheitsrücksichten", zurückbeordert. Und alles das nur, weil er sich mit der Bestrafung der Urheber der Meuchelmorde ein verstanden erklärt hat. Die Administration in Washington läßt officiös versichern, daß sie ihre Zustimmung zu der Conger- schen Idee, in diesem Punkte unbedingt solidarisch mit den anderen Mächten zu sein, niemals geben wird. Auf der anderen Seite versucht der Theil der amerikanischen Presse, der mit der unsicheren und schwankenden Chinapolitik des Cabinets Mac Kinley ernstlich unzufrieden ist, darauf hin- zuweisen, daß Amerika doch unter keinen Umständen Sonder begünstigungen durch seine Chinesenfreundlichkeit erzielen wird, und daß die Mministration besser thäte, in ihren Entschlüssen definitiv zu werden, und zwar im Sinne des allgemein acceptirten Programms. Es wird darauf hingewiesen, daß Li Hung Tschang auf jede Art und Weise zu verhindern sucht, daß ihm eine gemeinsame Note der Mächte über reicht wird. Er ist eifrig dabei, mit den einzelnen Mächten Sonderverhandlungen einzuleiten und hat dabei, nach der Auffassung dieser Kreise, in Livadia, und vielleicht auch in Washington, bereit» den Erfolg gehabt, die Solidarität der Mächte unwiderbringlich zu erschüttern. Li ist auch, nach der Ansicht dieser Kreise, derjenige, welcher der Rückkehr deS chinesischen Hofes nach Peking mit aller Entschieden heit entgegenarbeitet und vor den Vertretern der Mächte als gute Entschuldigung angiebt, daß zu direkten Ver handlungen noch nicht geschritten werden kann, weil ja die Con- ferenzen der Mächte noch zu keinem Resultat geführt haben und erst die Entscheidungen der Cabinette zu Hause untereinander abgewartct werden müssen. Es wird viel bemerkt, daß Ruß land und Japan die Strafe ebenfalls zu hoch finden, und alle, selbst die gefährlichsten, Combinationen und Vcrmuthungen über den schließlichen Ausgang des chinesischen Jmbroglio und die kommende Gruppirung der Mächte, sowie deren Reibungs flächen, finden in die amerikanische Presse Eingang. That- sächlich ist man im Staatsdepartement nichts weniger als zuver sichtlich, und aus hohen Beamtenkreisen wird bekannt, daß eine starke Strömung in dec Administration auftritt, die nunmehr die Ansicht zur Geltung bringen möchte, daß die sogenannte Friedenspolitik, die die Vereinigten Staaten jetzt in China ver folgen, weit kriegsgefährlichcr ist und zu weit schwereren Com- plicationen führen kann, als das bischen militärische Operation, gegen die das Cabinct jetzt so moralisch entrüstet ist. * Wladiwostok, 2l. November. Der von der russi schen Negierung zur Rückbeförderung von Truppen aus Ostasien gecharterte Doppelschraubendampfer „Ba tavia" der „Hamburg-Amerika-Linie" ist nach Beendigung seiner Ausrüstung am 20. November Vormittags mit 81 Ofsicierrn und 2205 Unterosficieren und Mannschaften an Bord von Wladiwostok via Hongkong und Colombo nach Odessa abgcgangen. Der Krieg in Südafrika. Krüger in Europa. Auch in Antwerpen werden noch sehr große Vorbe reitungen für den Empfang Krllger's getroffen. Da in Brüssel aus politischen Rücksichten Zurückhaltung geboten ist, so werden alle boerenfreundlichen Vereine in Antwerpen vertreten sein. Dort wird jedoch die Feier einen durchaus nieder deutschen Charakter erhalten, besonders da auch der Bürgermeister Jan von Ryswyck diese Richtung vertritt. Krüger wird deshalb hier als das Haupt des niederdeutschen Stammes in Südafrika gefeiert werden. Es werden hier auch zahlreiche Abordnungen aus dem deutschen Reiche erwartet. Aus Brüssel, 23. November, wird uns berichtet: Bezüg lich des dauernden Aufenthaltes Krügers ist noch nichts fest gesetzt. ES 'ist sehr wahrscheinlich, daß Krüger nur sehr kurze Zeit im Haag bleibt und dann nach Paris zurückkehrt, um von dort aus die Einleitung diplomatischer Verhandlungen zu ver suchen. Alsdann würde Krüger den übrigen Theil des Winters im Süden Frankreichs verbringen, da ein Winteraufenthalt in Holland des Klimas wegen ganz unmöglich ist. Frankreich und England. Man schreibt uns: Einflußreiche Pariser Kreise haben das Bedürfniß empfunden, über den Canal den Wink gelangen zu lassen, daß die Engländer über die dem Präsidenten Krüger in Frankreich dargebrachten Huldigungen nicht böse zu sein brauchen. Dieser Wink wird vom „Journal des D 6 bats " zweifellos nicht ohne das Einverständniß des fran zösischen Ministeriums ertheilt. Das genannte Organ betont zwar, wie wenig jene Huldigungen Parteimache seien, wie un gerecht der südafrikanische Krieg sei, und wie fest Frankreich auf die Wahrung des Asylrechtes, das England gegen französische Parteigänger so oft geübt, bestehen müsse. Aber zugleich erläßt das „Journal des Döbats" eine zur Beruhigung der Engländer dienende Warnung an die Franzosen, indem es unter Anderem schreibt: „Diese Sympathie (für Krüger) hat nicht das Recht, sich durch Demonstrationen von Antipathie zu bekunden, gegen wen es auch sei. Die Legitimität der Huldigungen, die an den Besiegten gerichtet werden, würde Beleidigungen des Siegers nicht entschuldigen. Wenn unglückliche Manifestationen vor kämen, werden sie allein Sache bedeutungsloser Gruppen sein. Die Sprache der letzten Zeit, alle Ermahnungen, die vernommen wurden, sind uns ein Pfand dafür, daß kein ärgerlicher Zwischen fall den Empfang besudeln wird, den das Land für den Präsi denten Krüger rüstet und den zu bereiten, es ein Recht hat. Der äußerste Argwohn, von dem die Engländer in den letzten Mo naten der erstaunten Welt Proben gaben, hat nichts zu fürchten. Die Kundgebungen zu Ehren des Besiegten werden nicht dar gebracht, um die Engländer zu erkälten oder zu beleidigen . . . Eine Sache allein wird durch die Bezeigung unserer Theilnahme für den Präsidenten Krüger implioit« getadelt, das ist die englische Politik." — Es verdient Beachtung, daß, unbekümmert um die Stimmung in Frankreich, den Engländern in solcher Weise gut zugeredet wird, Uber die Huldigungen Frankreichs für den Präsidenten Krüger nicht böse zu sein. Erfolg freilich wird das „Journal des Dsbats" mit seinen Darlegungen jenseits des Canals kaum haben. Nach einer noch unbestätigten Nachricht, die aus privater Quelle in Capstadt stammt, soll der General Schalk-Burger, welcher in Abwesenheit des Präsidenten Krüger officiell zu dessen Stellvertreter von der Transvaal-Executive ernannt worden war, am 9. d. Mts. in Johannesburg im Militärhospital an einer Verwundung gestorben sein, die er in einem Gefechte mit den Engländern vor einigen Wochen empfing. Diese Mel dung kommt um so überraschender, und erscheint um so weniger glaubwürdig, als bisher auch nicht ein Wort über die Verwun dung und Gefangennahme des stellvertretenden Präsidenten des Transvaal» bekannt geworden ist. Die Engländer hätten es sich doch gewiß nicht nehmen lassen, einen derartig wichtigen Fall der Welt mit den üblichen Posaunenstößen zu verkünden, und auf welche andere Art General Schalt-Burger nach Johan nesburg ins Hospital gekommen sein soll, ist nicht recht erfindlich. Nach den letzten Nachrichten befinden sich Geueral de Wet und Präsident Tteijn mit verschiedenen größeren CommandoS zwischen Kronstad und dem Vaal-Flusse westlich der Eisenbahnlinie, von wo aus regel mäßige Operationen im kleineren und größeren Maßstab« nach allen Richtungen der Windrose unternommen werden. De Wet ist dabei meistens persönlich bethriligt und zeigt sich nach wie vor als der rührigste und gefährlichste Gegner der Engländer. Wie energisch übrigens die verschiedenen Führer der Boeren auf dem Standpunct« beharren, den Krieg bis aufs Messer fortzusetzen, geht daraus hervor, daß neuerdings Botha, De Wet, Georg Brand und andere Commandanten ihnen gegeniiberstehenden eng lischen Generalen die officielle Nachricht haben zugehen lassen, daß sie in Zukunft unter keinen Umständen irgend welche Auf forderungen zur Uebergabe auch nur entgegennehmen würden, so daß die britischen Anführer sich also fürderhin die Mühe sparen können, ein derartiges Verlangen durch ihre Parlamentäre an die Boeren zu stellen. Kitchener's SchreckenSregtment. Inzwischen ist Lord Kitchener wieder in Johannesburg ein getroffen und ist unermüdlich in Person thätig, um seinen neuen Feldzugsplan gegen die Boeren in Scene zu setzen. Er gönnt sich Tag und Nacht keine Ruhe und beaufsichtigt, so weit nur irgend möglich, jede Organisation und die Zusammenstellung der neuen berittenen Truppenkörper persönlich. Lord Roberts läßt ihm bereits jetzt fast völlig freie Hand, und die britischen Truppen fühlen, wie verlautet, schon bis in die kleinsten Details die eiserne Hand und die rücksichtsloseste Energie dieses rastlosen Soldaten Mr metior. Binnen Kurzem dürfte somit ein ganz neuer Schwung in die Operationen auf dem Kriegs schauplätze kommen. Kitchener's Feldzugsplan ist ein wirklicher Entvölke rungsplan, und die Londoner Blätter begrüßen ihn mit unverhohlener Freude. Dieser Plan besteht in der schon mehr fach angedrohten und theilweise bereits durchgefllhrten Maß regel, aus allen denjenigen Bezirken, in denen noch bewaffnete Boeren thätig sind, sämmtliche dort friedlich lebenden Boeren fortzuschaffen und deren Farmen zu verbrennen, damit die kämpfenden Boeren von dort weder persönliche Unterstützung noch Vorräthe an Lebensmitteln erhalten könnten. Da nun aber die Bezirke, in denen gegenwärtig noch Commandos thätig sinh, den gesammten Oranje-Freistaat und die ganze Südhälfte Trans vaals umfassen, so bedeutet der Plan Kitchener's nichts weniger, als die gänzliche Austreibung aller noch an sässigen Boeren aus beiden Republiken. Krüger in Frankreich. * Paris, 24. November. Der Präsident Krüger verließ Dijon um 6 Uhr 45 Minuten früh unter den Huldigungen der Einwohnerschaft, und traf um 11 Uhr Vor mittags in Paris ein. Der Director der Protokolle Crozirr begrüßte ihn NameuS deS Präsidenten Loubet und der Regierung. Eine ungeheure Menge jubelte ihm auf der Fahrt in der Stadt zu, Hochrufe auf den Präsidenten Krüger und die Boeren ertönten unablässig. — Aus Anlaß der Ankunft deS Präsidenten Krüger waren Maß regeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen. Vor dem Lyoner Bahnhof bildeten Abtheilungen der Oaräes röxublicains Spalier. * Pari-, 24. November. Präsident Krüger traf um 2/1II Uhr hier ein. Beim Herannahen des Zuges brach das auf dem Perron versammelte Publicum, daS zumeist auS Mitgliedern des Gemeinderathö und Generalratbes, sowie auS Parlamentariern und Journalisten bestand, in laute Hochrufe auf Krüger und die Boeren aus. Noch stürmischer wurden die Ovationen, als Krüger sichtbar wurde und auf einen Diener gestützt, den Salonwagen verließ. Crozier, der Ein führer deS diplomatischen Corps, begrüßte im Namen deS Präsidenten der Republik mit einer Ansprache Krüger, worauf dieser sichtlich bewegt dankte und erklärte, er sei nach Europa gekommen, um die Rechte seines Volkes zu ver- theidigen und Gerechtigkeit zu suchen. Der Präsident des GemeinderatheS hieß Krüger Namens der Stadt Paris willkommen und versicherte ibm, daß er in Paris ebenso begeisterte Kundgebungen finden werde, wie in Marseille. Der ungerechte, brutale Krieg, der gegen die Boeren unternommen wurde, habe bei dem französischen Volke die größte Ent rüstung erregt. Krüger erwiderte, er gebe die Hoffnung nicht auf, daß die siidafrikanischeu Republiken ihre Unab hängigkeit bewahren würden; er kenne den Wablspruch der Stadt Paris „siuctuat neo merxitui" und versichere, daß auch das Volk der Boeren nickt untergeben werde. (Anhaltender donnernder Beifall und Hockrufe.) Nur mit Mühe konnte für Krüger ein Weg zu dem Landauer gebahnt werden, in dem er mit dem Präsidenten deS Pariser Gemeinderaths Platz nahm. Der Wagen wurde von Kürassiren eScortirt. Die tausentköpsige Menschenmenge brachte Krüger begeisterte Ovationen dar, die sich auf dem ganzen Wege über die großen Boulevards fortsetzlen. Dem Zuge wurden von Mit gliedern der BoerencomiteS französische und TranSvaal- Fahnen vorangetragen. Einzelne Trupps junger Leute, die von der Polizei verdrängt wurden, brachten Schmähruse auf England aus. Die Demonstrationen verliefen jedoch ohne ernstliche Störung der Ordnung. * Pari-, 24. November. Bald darauf langte Prä sident Krüger im Hotel „Scribe" an. Auf dem ganzen Wege hatte sich eine dichtgedrängte Volksmenge auf gestellt, die dem Präsidenten Ovationen darbrachte. Auch die Fenster der Häuser waren dicht besetzt. Keinerlei Zwischen fall kam vor. Unter den begeisterten Zurufen der Menge erschien Krüger auf dem Balcon mit seinem Enkel Eloff, der eine Fabne in den Farben Transvaals schwenkte. Heute Nachmittag wird Krüger vom Präsidenten Loubet empfangen. * Part», 24. November. In seinem Hotel empfing Krüger in rascher Aufeinanderfolge das Bureau des MunicipalratheS, mehrere nationalistische Deputirte, den Polizeipräfecten, den Bruder deS Obersten VilleboiS-Mareuil und Andere. Alsdann conferirte er mit Or. Leyds und dem Generalkonsul von Transvaal, Pierson, und zog sich darauf ,ur Ruhe zurück. DaS Hotel „Scribe" ist von einer dichten Menschenmenge umlagert. Zahlreiche Personen zeichnen sich in ein im Hotel aufliegendes Register ein, um dem Präsideute» ihre Sympathie zu bekunden. * Haag, 24. November. Die Ankunft deS Präsidenten Krüger wird hier am 30. November oder 1. Drcember erwartet.
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