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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 14.12.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-12-14
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19001214014
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900121401
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900121401
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-12
- Tag 1900-12-14
-
Monat
1900-12
-
Jahr
1900
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Wir muffen uns hüten, diesen britischen Hetzereien Folge zu leisten; Deutschland wurde durch die von Rußland beabsichtigte Schienenvcvbindung nur m- Virect getroffen und braucht deshalb durchaus nicht mit Mlß- trauen nach Petersburg zu blicken. Auch ohne di« „Einmüthigkeil^ unter den Mächten, die im Grunde weder in Ostasien, noch sonst wo in der Welt längere Zeit bestanden hat, können wir unsere Interessen am Gelben Meere wirksam wahrnehmen. Rußlands Pläne in der Mongolei. V. 8. Die Uneinigkeit der Mächte bei der chinesischen Action ist eine Thatsach«, die von Zeit zu Zeit deutlich hervortritt und schwerlich von Jemandem geleugnet werden kann. Neuerdings sollen die Franzosen die Störenfriede sein, die sich ge wissen Anordnungen des Oberkommandos widersetzen und den Chinesen gegenüber mildere Seiten hervorzutehren beginnen. Kurz vorher waren es wieder einmal die russischen Diplomaten, von denen es hieß, daß sie Sonderpläne im Reiche der Mitte verfolgen und ein gehximes Abkommen über den Bau einer neuen Linie durch die Mongolei mit den Chinesen geschlossen hätten. Man gab sich Mühe, die öffentliche Meinung über dieses Alles rasch zu beruhigen, aber das Vertrauen in die Einheit lichkeit des gemeinsamen Vorgehens hat doch allenthalben eine starke Erschütterung erlitten. Besonders hinsichtlich Rußlands bricht sich die Erkenntniß mehr und mehr Bahn, daß dasselbe die gegenwärtigen Wirren ^ur Verwirklichung gewisser Pläne und zur Ausbreitung seiner Macht im Osten Asiens benutzen will. Die Nachricht über den Bahnbau durch die Mongolei, der Peking mit Kiachta verbinden soll, wäre eine weitere Bestätigung für die ehrgeizigen und weitreichenden Absichten des Zaren reiches. Man hat diese Absichten in Petersburg eigentlich auch nie direkt in Abrede gestellt. Selbst als die Meldung von der neuen Eisenbahnverbindung auftauchte, wurde ihr nur in be schränkter Form Widerspruch entgegengesetzt. Die „Nowoje Wremja" erklärte in einer ersichtlich inspirirten Note, daß man keinen Feldzug in der Mongolei vorhabt, sondern daß die russi schen Truppen an der Grenze der Provinz sich nur auf den Schutz des Gebietes der mandschurischen Bahn beschränkten, und daß man im Uebrigen gute Beziehungen zu den Chinesen auf recht zu erhalten sich bestrebe. Das Blatt, welches notorisch intime Beziehungen zum Auswärtigen Amte in Petersburg unterhält, hatte somit nur die Wahrheit einiger Aeußerungen englischer Blätter, die gewohntermaßen russische Kriegsopera tionen in Aussicht stellten, entschieden bestritten, die damit in Verbindung stehende Frage des Bahnbaues aber nicht berührt. Wir müssen deshalb annehmen, daß dieser Plan allerdings be steht, zu einem Einvernehmen zwischen den beiden Regierungen v elleicht schon geführt hat und jedenfalls über kurz oder lang -"7 Verwirklichung gelangen wird. Die Verbindung Pekings mit Kiachta und darüber hinaus mit der sibirischen Eisenbahn, ist übrigens keineswegs etwas Neues und Ueberraschendes. Die russischen Staatsmänner haben sich schon längst mit diesem Gedanken getragen, und im vorigen Jahre erregte man sich bedeutend in London, als es hieß, die Herstellung eines Schienenweges zwischen beiden wichtigen Punkten durch russische Ingenieure sei beschlossene Sache. Es erwies sich allerdings, daß die Preßmeldung den Thatsachcn vor ausgeeilt war, aber die Wahrscheinlichkeit der Verwirklichung wurde gleichwohl von Niemand bezweifelt. In Petersburg rechnete man um so mehr mit einer baldigen Verkehrsvcrbrsserung zwischen Peking und Kiachta, als die russisch-chinesischen Handels beziehungen zwischen beiden Städten bedeutsam sind, und bis zum Anfang des achtzehnten Jahrhunderts zurllckreichen. Im Jahre 1727 war zwischen China und dem Zarenreiche eine Ver einbarung zu Stande gekommen, die dem letzteren das Recht ge währte, von Kiachta Karawanen mit Fellen, Gold und Silber nach Peking zu schicken und für diese Maaren Thee nach Ruß land zurückzubnngcn. Damit wurde der Grund zum Thee- handel zwischen beiden Staaten gelegt, der allmählich einen be deutenden Umfang gewann und dem Thee, der auf diesem Wege nach Europa gelangte^ den berühmten Namen Karawanenthee verschaffte. Vor dem Bestehen der sibirischen Eisenbahn versandte man den Thee auS Kiachta zu Wagen nach Irbit und Nishnv-Now- gorod, was ungeheure Kosten an Zeit und Geld verursachte und den Preis des beliebten Genußmittels in die Höhe trieb. Mit der Entwickelung der Seeverkehrs verließ man allmählich die alte Karawanenstraße und ließ den Thee zu Wasser nach Europa gelangen. Der Preis ermäßigte sich dadurch allerdings, aber der Geschmack wurde gleichzeitig bedeutend beeinträchtigt. In Folge dessen begann man gleich nach der Eröffnung der ersten Theilftrecke der sibirischen Eisenbahn, der Beförderung zu Lande wiederum den Vorzug zu geben, obwohl noch immer zahlreiche Schwierigkeiten von Peking durch die Wüste nach Kiachta und von dort nach Irkutsk zu überwinden sind. Jedenfalls steht aber heutzutage Kiachta wieder mehr im Vordergründe. Wirthschaftliche Gesichtspunkte sind demnach schon allein ge nügend, um die Russen den Bau einer Eisenbahnlinie von Peking nach Kiachta wünschen Au lassen. Von letzterer Stadt wäre ein Anschluß an die sibirische Bahn nur eine Frage der Zeit, und der Thee hätte dann eine gerade, mühelose und ver- hältnißmäßig billige Route für die Reise nach Europa. Der Vortheil Rußlands liegt auf der Hand, gleichzeitig aber auch der Rachtheil für England. Denn der chinesische Thee, welcher in letzter Zeit durch den indischen stark zurückqedrängt war, würde wahrscheinlich wieder an die erste Stelle treten, und der englische Handel in diesem wichtigen Zweige empfindlich ge schädigt werden. Daher die Erregung, die man in London und allenthalben in England über dre jüngsten chinesischen Pläne Rußlands empfindet. Es läßt sich indessen nicht verhehlen, daß der Eisenbahnplan des Zarenreiches ebenfalls eine bemerkenSwertbe politische Seite bat. Die Schienen zwischen Peking und Kiachta sollen bekanntlich über Kalgan und Urga gelegt werden. DaS be deutet eine Durchquerung der Mongolei, die damit vollständig unter den Einfluß des Zaren reiches gelangen würde. Denn selbstverständlich würde man mit den Chinesen wegen der Mongolei einen ähnlichen Vertrag, wie hinsichtlich der mandschurischen Eisenbahn, schließen. Die Russen würden da» Recht erhalten, ihre Truppen zum „Schuh" der neuen Linie, de» rollenden Materials und der vielen Gebäude im Bahngelände zu postiren. Sie würden die wirthschaftliche Derwerthung der mannigfachen Bodenreichthümer in die Hand nehmen, sie würden endlich durch die Möalichkeit, jeder Zeit Truppen in größerer Anzahl au» Europa nach China zu werfen, der Pekinger Regierung Achtung einflößen und sie ihren Wünschen gefügig machen. E» unterliegt keinem Zweifel, daß der Eisenbahnbau Pekinq- Kiachta im Hinblick aus die wirthschaftlichen und politischen Folgen, die er nach sich ziehen wird, das Interesse deS gesammten Europa in Anspruch nehmen muß. Dor Allem freilich Eng land», welche» sich Müh« giebt, eine Lblr Stimmung gegen Die Wirren in China. Der Zwischenfall Waldcrsec-Shaffee. Nach telegraphischer Mittheilung des Oberkommandos in Peking hat der amerikanische General Chaffee schriftlich sein Be dauern wegen seines Briefes über die bereits erwähnte Angelegen heit der astronomischen Instrumente des dortigen Observa toriums ausgesprochen, wodurch der Zwischenfall für erledigt an gesehen wird. Von unterrichteter Seite erfährt die „Nat.-Ztg.", daß die Initiative zur Fortschaffung dieser Instrument: von französischer Seite ausgegangen ist. Hierbei mochte wohl auch die Erwägung maßgebend sein, daß unter den gegen wärtigen Verhältnissen eine Zerstörung ober wesentliche Be schädigung der Instrumente leicht erfolgen kann. Inzwischen sollen nach einer bereits erwähnten Mittheilung der „Morning Post" die Franzosen, wohl unter russischer Suggestion, die Chi nesen so milde wie möglich zu behandeln, auf ihre Initiative unv deren Verwirklichung verzichtet haben. Im „Figaro" klingt es ja doch mehr -wie «Bedauern, wenn es dort heißt: „Es wäre in der That bedauerlich, die Instrumente an Deutschland zu über lassen, wenn der Verzicht nicht dem Hofe von Peking zum Nutzen gereichen soll." Sollte darin nicht vielmehr die Aufforderung liegen, daß Frankreich doch eines seiner Museen oder das Obser- vatoire am linken-Seineufer mit den astronomischen Merkwürdig keiten «bereichere, zumal ohnehin nicht voll« Aussicht vorhanden ist, für alle in China durch dessen Schuld gebrachten Opfer an Gut und Blut ausreichende Entschädigung zu erhalten? An groß artige Kunstschätze darf man überdies bei diesen Instrumenten durchaus nicht senken. Ferdinand Heigl berichtet darüber in seinem Buche: „Die Religion und Cultur Chinas", nachdem er hervorgehoben, daß die von Ko Schanking erfundenen, in Bronze gearbeiteten Instruments im Jahre 1673, weil sie für den Ge brauch nicht mehr tauglich waren, von -der Terrasse entfernt und in einen abgelegenen Theil des Observatoriums versetzt wurden: „Mittlerweile waren nämlich Jesuiten erschienen und ihr Pater Ferdinand Verbiest hatte selbst den Mandarinen des astronomischen Hofes die 'Ueberzeugung von der Ueberlegenheit «der europäischen Instrumente beigebracht, so daß diese Man darinen ein Bittgesuch an -den Kaiser entwarfen, daß dem Pater Verbiest der Befehl «rtheilt ward, neue Instrumente für das Observatorium nach europäischen Principien zu gießen. In einem öffentlichen Diplome betraute der Kaiser Verbiest mit dieser Aufgabe. Nach mehrjähriger Arbeit und einem Aufwande von 19000 Dollars, wie ihn unser Gewährsmann einschätzt, entledigte sich Verbiest seines Auftrages und 1673 -wurden -di« alten Instrumente durch die neuen ersetzt. Von den alten sind jetzt überhaupt nur noch zwei vorhanden." FriedcnSverhandlungen. * Washington, 12. December. („Reuter'S Bureau".) Der deutsche Botschafter v. Holleben sagte heute in einer Unterredung, die Hauptpunkte der chinesischen Frage könnten als gelöst angesehen werden. Nachdem man der For derung, daß die Integrität Chinas aufrecht zu erhalten sei, zu gestimmt habe, bleibe nichts übrig, als daß man dieRechteder einzelnen Parteien sorgfältig sichere. Deutschland befürworte offene Häfen. Der freie Zutritt zum östlichen Handel und die Freiheit des Handels auf den Philippinen, wofür die Vereinigten Staaten einträten, böten außerordentliche Garantien. Das von gewissen Interessengruppen genährte Gefühl, daß Deutschland den Fortschritten des amerikanischen Handels feind lich a e s i n n t s e i, sei bedauerlich. Beide Länder hätten ähnliche politische Ziele, nämlich den Schutz der heimischen Industrie. Diese Interessen möchten manch mal aufeinanderstoßen, aber die internationalen Sympathien zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland seien durch die Ereignisse im fernen Osten gefestigt worden. Wenn die tatsächliche Integrität Chinas schließlich gesichert sei, werde sich erweisen, daß Deutschland und die Vereinigten Staaten in gegen- seitigem Interesse durch g e m e in s a m e Z i e l e eng verbunden gewesen seien. Lage in de« Tüd-ravinzen. * Hongkong, 13. December („Reuter'S Bureau".) In der Stadt sind zahlreiche Placate angeschlagen, die die Bevölke- rung aufreizen und erklären, die geheimen Gesellschaften würden sich im Januar zusammenschließen und die Frem den verjagen. Der Sultan. * Aonstantino-el, 13. December. („Wiener Telegr. Cor- respondenz-Bureau".) Der Sultan soll dem russischen Botschafter nach dessen Rückkehr au» Livadia Mittheilung von der Absicht der Entsendung einer türkischen Mission nach China gemacht, der Botschafter soll jedoch der Ausführung dieses Planes widcrrathen haben. Auch in letzter Zeit soll der Sultan von diesem Vorhaben zu einem anderen Botschafter gesprochen haben. Wie verlautet, würde eS sich um die Absendung einer auS zwei hervorragenden UlemaS und zwei Civilbeamten bestehenden Mission handeln, die auf die in China lebenden Mohamedaner im Sinne einer friedlichen Unterwerfung unter den Kaiser von China einzuwirken hätten. Der Krieg in Südafrika. Die „Erfangennahme" Dewet« war während der letzten Tage auf Grund der ofsiciellen De peschen vom Kriegsschauplätze al» „stündlich zu erwarten" be- zeichnet, aber, wenn nicht alle Anzeichen trügen, war e» auch die«, mal wiederum nicht«. Gerüchte von fortgesetzten Kämpfen am Oranje-Fluß flattern in der Londoner Presse jeden Tag auf, aber an positiven Meldungen fehlt e» vollständig, Dank der rigorosen Maßregeln Kitchener's, der sogar gedroht hat, sämmt- liche Zeitungscorrespondenten, einerlei, welcher Nationalität, vom Kriegsschauplätze auszuweisen, und vorläufig allerstritteste Censur ausüben läßt. Das wird natürlich nicht verhindern, daß die Welt prompt über englische Mißerfolge oricntirt bleiben wird, — englische Siege verkündet der officiöse „Reuter"-Tele- graph, dessen gesinnungserprobte Berichterstattung natürlich die selbe bleibt —, und im Grunde genommen, hat die Angstmeierei Kitchener's vor der bösen fremden Presse bis jetzt nur den Erfolg gehabt, daß man auch in England argwöhnisch geworden ist und die fortwährenden Siegesbulletins nicht mehr ohne Weiteres acceptirt. Inzwischen erfährt man noch, daß die Boeren wieder bei Viljoens- Drift die Brücke über den Vaal gefährden, daß bei Baberton eine kleine englische Abtheilung unter den Mauern der Stadt aufgehoben wurde, und daß generaliter die Sache heute genau so prekär aussieht, wie immer, wenn nicht schlechter. Einer der von Dewet freigelassenen Gefangenen, die er bei der Wegnahme von Dewctsdorp machte, hat jetzt Details über die Uebergabe der Stadt gemacht, die uns zeigen, daß die Boeren unter Dewet auch hierbei mit alter Geschicklichkeit zu Wege gegangen sind. Sie näherten sich Dewetsdorp am 17. No vember und hatten bereits am 18. die Garnison von jeder Ver bindung mit der Außenwelt so ziemlich abgeschlossen, fingen alle Sendboten ab, zerstörten die Drähte u. s. w. Am 20. schnitten sie der Besatzung das Wasser ab und am 21. war die Ein schließung der Stadt complet, so daß nicht eine Maus hinein oder heraus konnte. Bereits am 22. mußten die starken Vor posten auf die Stadt zurückgezogen werden, da sie von den Boeren, die unterm Schutze der Dunkelheit bis auf wenige Hundert Meter herangekommen waren, andauernd von einem wohlgezielten Gewchrfeuer bestrichen wurden. In der Nacht vom 22. mußten auch die Highländer ihre Verschanzungen vor der Stadt räumen, und damit war die Position der Gesammt- garnison unhaltbar geworden. Die Boeren nahmen den Platz unter Kreuzfeuer und die englischen Mannschaften waren bald durch den unaufhörlichen Wachdienst und vor allen Dingen den Wassermangel so erschöpft, und durch das wohlgezielte Gewehr feuer der Boeren so entmuthigt, daß schließlich Major Masst) das Vergebliche weiterer Anstrengungen einsah und am 23. Nach mitt-as Uhr die weiße Flagge hißte. Darauf kamen Dewett u n P r ä s i d e n t Steijn in die Stadt und nahmen den Degen des Commandeurs entgegen; Steijn soll dabei gesagt haben, daß die Boeren viel mehr Todte verloren hätten, wie die Engländer, aber diese kleine Tröstung findet sich nur in einer Meldung „Reuter's" und ist deshalb wohl der Gattung der übrigen „Neuter"-Meldungen ohne Kommentar anzureihen. Uebrigens zeigen sich die Boeren auch jetzt bei Mafeking recht lebhaft, und die Garnison kann nur in größeren Ab- theilungen aus der Stadt aufs Feld hinausreiten. Am 7. De- cember wurde eine kleine Abtheilung kaiserlicher Veomanry von einem Boerendetachement überrascht und mußte schleunigst reti- riren. Dabei wurden ein Officier und ein Mann tödtlich ver wundet. * London, 13. December. (Tel.) Dewet bat nach viertägigen siegreichen Käinpsen die ihn einkreisenden sechs englischen Corps durchbrochen, nachdem feine beiden Versuche, den Oranjefluß zu überschreiten, an dessen bohem Wasscrstande gescheitert waren. Er schlug den von Nliwalnorth ihn angreisenden General Macdonald ab, warf die Cavallerie von Williams diesseits Rouxville, wies alle Versuche des Generals Knox, ihn gegen den Caledonsluß abzudrängen, zurück und erreichte ungehindert mit den gesammten schweren TranSportzügrn und mit seiner Artillerie die Beherberge. (Magdeb. Ztg.) * Adtlaidc, 13. December. („Reuter's Bureau".) Die Re gierung hat ein Telegramm Lord Kitchener's erhalten, in dem dieser ersucht, daß die verwundeten Busch jäger, die jetzt genesen sind, zur Rückkehr nach Süd afrika sich bereithalten sollen. * Kapstadt, 13. December. (Tel.) Die Ernennung Sir A. Milner's zum Administrator der Oranje - Colonie und Transvaals ist heute amtlich publicirt worden. Lord Roberts feierte am 12. December das fünfzigjährige Jubiläum seines militärischen Dienstes. Er ist am Dienstag mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern, die ihn während des Feldzuges begleiten mußten von Capstadt nach England abgereist. Natürlich erklärte er bei der Gelegenheit in einer der üblichen Anreden, daß der Krieg vorüber sei. In England und bei den Boeren ist man be kanntlich anderer Ansicht. In geziemender Weise wurde in Cap- stadt, ebenso auch in Port Elizabeth, ein Attentat auf ihn ent deckt und eine Anzahl Personen wurden während der Abschieds feierlichkeiten hinter Schloß und Riegel gehalten. Von irgend welchem Beweismaterial war nicht die Rede, aber der officiöse Telegraph erklärt das naiver Weise damit, daß die Verschwörer merkten, daß man ihren düsteren Plänen auf die Spur gekommen war, und in Folge dessen von denselben Abstand nahmen. Deutsches Reich. X. Berlin, 13. December. (Die Lohnzahlungs bücher für minderjährige Fabrikarbeiter.) In einem kürzlich veröffentlichten Erlaßdespreußischen Minister» für Handel und Gewerbe wurde ge sagt: „Auf das LohnzahlungSbuch finden nach Vor schrift de» Gesetzes die Bestimmungen des ß 110, Satz 1, und de» 8 111, Abs. 2 bis 4 der Gewerbeordnung Anwendung. Die Einrichtung der Lohnzahlung-bücher ist also in das Belieben der Arbeitgeber gestellt." — Da dieser Satz bedenkliche Mißver- ständniffe Hervorrufen kann, verdient Beachtung die Klarstellung, die vr. Neukamp in Köln dem Gegenstände in der „Soeialen Praxi»" zu Theil werden läßt, indem er u. A. auSführt: Soll damit gesagt sein, daß es von dem Belieben deS Arbeitgebers abhängt, ob er überhaupt Lohnzahlungsbücher ein richten will oder nicht, so ist der Satz jedenfalls falsch. Denn 8 134, Abs. 2 der Gewerbeordnung schreibt ausdrücklich vor. „In Fabriken, für welche besondere Bestimmungen auf Grund deS A 114, Abs. 1 nicht erlassen sind, ist auf Kosten deS Arbeit- grberS für jeden minderjährigen Arbeiter »in LohnzahlungSbuch einzurichten." Diese Vorschrift hat «inen so deutlichen „zwingenden" Charakter, daß von einem „Belieben" deS Arbeit gebers schlechterdings nicht die Rede sein kann. Ihre Befolgung kann und muß aber auch — wenn wir zunächst davon absehen, ob ihre Nichtbeachtung strafrechtliche Folgen nach sich zieht — behördlich erzwungen werden. Nach K 139b der Gewerbeordnung ist nämlich den Gewerbeinspectoren u. A. auch die Aufsicht über die Ausführung der 134—139a der Gewerbeordnung über ¬ tragen; bei Ausübung dieses Aufsichtsrecht» haben sie alle amt lichen Befugnisse der Ortspolizeibehörden, in Preußen also gemäß 8 132 des Landesverwaltungsgesetzes, das Recht, die Befolgung ihrer Anordnungen durch Geldstrafen bis zu 60 c/l zu erzwingen. Demgemäß sind die Gewerbeinspectoren ebenso berechtigt, wie verpflichtet, die Einrichtung von Lohnzahlungsbüchern für minderjährige Fabrikarbeiter zu überwachen und nötigenfalls durch Geldstrafen zu erzwingen, worauf schon bei der Berathung des Gesetzentwurfs im Reichstage der nationalliberale Abgeord nete Frhr. v. Hehl mit Recht hingewiesen hat. Da nun nicht anzunehmen ist, daß dem Minister für Handel und Gewerbe diese Rechtslage unbekannt geblieben sein sollte, so kann sein oben mitgetheilter Erlaß nur die Bedeutung haben, die ihm unter stellten Behörden und insbesondere auch die Gewerbeinspectoren darauf hinzuweisen, daß für die Lohnzahlungsbücher nicht etwg, wie für die Arbeitsbücher des 8 107 und die Lohnbücher des 8 114a der Gewerbeordnung, eine bestimmte Form gesetzlich vorgeschrieben ist, daß es vielmehr vom Belieben der Arbeit geber abhängt, in welcher Form sie die Arbeitsbücher ausstellen wollen. — Die Frage, ob die Gewerbeordnung den jenigen Arbeitgeber, welcher es unterläßt, für seine minder jährigen Fabrikarbeiter ein Lohnzahlungsbuch einzurichten, mit einer Criminal strafe (nichl mit der oben erwähnten Zwangsstrafe) bedroht, wird von Neukamp aus der Entstehungs geschichte des § 134, Abs. 3 der Gewerbeordnung verneinend beantwortet. * Berlin, 13. December. Ein Beitrag zu dem Toleranz - Antrag des Centrums kommt aus dem fernen Osten: In einer stürmischen Nacht «des Oktober ertranken ,wei Matrosen des vor Hank au ankerndcn kleinen deutsche«: Kreuzers „'Schwalbe". Am 20- -desselben Monats wurde einer der beiden Leute, 'der inzwischen aufgefun-den worden war, be erdigt. Di« Beerdigung fand auf den« allgemeinen Frievhof in der deutschen Niederlassung zu Hankau statt, kn Anwesenheit des deutschen Consuls, einer Abtheilung vom englischen Kriegsschiff „Daphne" (die „Schwalbe" hatte Hankau inzwischen bereits ver lassen müssen) und der dortigen deutschen Freiwilligen-Com- pagni«. Am «Sarge sprach der englische Geistliche Sherman, der diesen Act christlicher Nächstenliebe in freundlicher Weise auszuüben übernommen hatte; dann gab die englische Matrosen-Abtheilung drei Salven über das Grab ihres deutschen Kameraden ab, und die kurze Feier fand ihren Abschluß. Hierzu bemerkt der Hankauer Berichterstatter des „Ostas. Lloyd" sehr richtig: „Sehr bedauert -wurde es in der hiesigen deutschen Colonie, Daß der deutsche Pater Götte von der römisch -katholischen Mission, der darum gebeten -war, es abgelehnt hatte, die Grabrede zu halten, weil der Entschlafene Prote stant gewesen wäre. Die -Sache ist in Hankau vielfach be sprochen worden; man meinte, in Kriegszeitcn könne -doch aucb der Soldat nichl fragen, ob ein bedrohter Geistlicher Katholik oder Protestant sei. Auch sind solche Vorfälle ebenso wenig ge eignet, den Chinesen, di« schließlich Alles erfahren, was in den Kreisender Europäer vorgeht, di« leider nur zu häufig brgründrje Ansicht zu nehmen, -daß die Ausländer unter sich uneinig sind, wie ihnen Achtung vor der christlichen Mission abzugewinnen. — Es würde allerdings gegen all« Kleiderordnung verstoßen haben, wenn in der Fremde ein deutscher katholischer Priester einem verunglückten deutschen Protestanten «inen Nachruf ge halten hätte. Vielleicht entschließt sich daS Centrum, die Pro paganda für den -Geist der Duldung zunächst im eigenen Lager zu beginnen. * Berlin, 13. December. (CriminalstatistischeS.) DaS soeben erschienene letzte VierteljahreSbeft 1900 der Statistik de» deutschen Reich» enthält vorläufige Mittbei lungen über die Ergebnisse der Crimiaalstätistik für 1899. Die Zahl der Wege» Verbrechen und Begehen gegen ReickSgesetze verurtheilten Personen betrug danach 478 138 gegen 477 807 im Jahre 1898, 462585 im Jahr« 1897, 456999 im Jahre 1896,454 211 imJahre 1895 und 446110 imJahre1894. E» bat also gegenüber dem voraufgegangeneu Jahre nur eine Steigerung um 831 oder »och nicht 0,1 v. H. stattgr- I fanden. Seit 1894 ist die Zabl der Verurtheilten um I 32 028 oder 7,2 v. H. gestiegen. Diese Zunahme dürfte der allgemeinen Vermehrung der Bevölkerung fast genau ent sprechen, so daß ein Grund, über die Zunahme deSVer- brechertbumS zu klagen, au« den Zahlen der Criminal- statistik sich nicht ergiebt. Im Einzelnen sei Folgende» bemerkt: Wegen verbrechen gegeu Staat, Religio» «nd öffentliche Ordnung stad 81219 Personen verurtheitt gegen 82208 im Jahr« 1898 und 82 296 im Jahre 1897, so daß di« Zahl nicht «»wesentlich abgeaommea hat. Wegen verbreche» gegen dl« Person sind 207 386 Personen ver»rth»tlt gege» 208 SW »nd 195 762 in den beide« Vorjahre». Hier hat als» eine Zu» ahme stattgefunde», die fast au-schUeßllch ans di« gefährlichen Körperverletzungen entfällt. Dt» Zahl der «ege« diese» vergehen» «erurthettten ist im letzte» Jahre von 90826 auf 94641 gestiegen, «ege» «erbrechen «ad «er. gehen gegen da» vermög,» sind 188LS5 Personen ver- orthetlt gegen 190955 i. I. 1SW und 183 797 t. A 1897. Bet dieser Dettet-grupp« häugt die Zahl der «erurlhetluugen mesent- lich von den wirthschaftliche «.rdältntsse» ab, «.»besonder, findet man fast stet», »en« die Ernxrbsverhälmiss« günstig liegen, eine Abnahme, und umgekehrt «tue Zuuahme der «erbreche» ic. gegen da» vermöge». Nachdem in den Jahren, in denen Handel uud Verkehr gestockt hatte», ei», stark» Zuname erfolgt war, gl», di. Zahl bi« 1897 stark zurück, um da», im Jahre 1898 vorübergehend, vielleicht in F»lg« tzy» >,«. ständen und lolalrn Krisen, zu steigen. Da» Jahr 1899 zeigt wiederum »Ine Abnahme. Die Zahl der weg.» verbrechen uud vergehen im Amt, v«r»rtheilte» Verso»,a ist seit längeren Jahre»
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