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Rr. 151 Dritter Jahrgang und Anzeiger für das Erzgebirge mit der wöchentlichen Unterhaltungsbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. .1 Viefck rrrrinnrer «nrfntzt H Setten ja», glühten sie wie feurige Euirlanden durch den sich senkenden eit"k Abend, den elektrische Scheinwerfer magisch erhellten. Vom Ter- cklich hinter klang es jubelnd vom Flügel her. Im Garten, 7 s Der flüchtige D i a m an t e n m a ch e r Lemoine soll in C o n- stanza (Rumänien) verhaftet worden sein. Die Reichstagsersatzwahl im Kreise Colmar-Czar- n i ka u - Ft l e h n e macht eine Stichwahl zwischen dein Konservativen und dem Polen nötig. Einer englischen Meldung zusolge soll in Konstantinopel eine deutsch-türkische Militärkonvention unter zeichnet worden sein. Und dann — man sprach von einer seiner glänzenden Befähig ung zum Staatsmann, verhieß ihm eine brillante Karriere. — Wie die Fahrt verlaufen war? Nun, Susanne Witt war bei der Rückkehr mit heißen Wangen vor ihrer Gönnerin ge flüchtet, hinein in den Trubel der Gesellschaft — im Vorgarten strahlten gerade die ersten buntfarbigen Lampions auf; balü Das neue Zeppelin sche Luftschiff unternahm gestern eine glänzend verlaufene Fahrt bis nach Luzern. (S. N. a. a. Welt.) verantwortlicher Redakteur: Fritz Arnholb. Für di« Inserat» verantwortlich; Walter Krau» beide in Aue. rung gesetzlich festgelegt und steht doch auch die Ausdehnung der Versicherung auf die Privatbeamten mit Sicherheit zu erwarten. Und daneben stellen sich für einen mo dernen Staat angesichts der Situation der breiten Volksschichten bei der industriellen Entwicklung Deutschlands fortgesetzt neue Aufgaben in Hülle und Fülle ein. Hier gibt es keine Möglich keiten zum Sparen, sondern nur eine sichere Aussicht auf Mehr ausgaben. Gering freilich bleiben diese Ausgaben gegenüber den Aufwendungen des Reiches für seine Wehrkraft, für Heer und Marine. Kann man hier sparen? Auch diese Frage muß mit einem Nein beantwortet werden. Die Verstärkung der Marine ist bereits auf Jahre hinaus festgelegt, die Fort schritte der Technik bedingen über die schon vorgesehenen Ausgabensteigerungen hinaus Neuerungen, die weitere noch nicht vorgesehene Aufwendungen erfordern. Sollte beim Landheer wirklich von einer Vermehrung der Friedenspräsenzstärke auf Jahre hinaus nicht die Rede sein, so geht es doch infolge von Veränderungen und Neuerungen auch hier nicht ohne, wenn auch mäßige, Ausgabenvermehrungen ab. Die Kolonien werden, ab gesehen vom Wegfall außerordentlicher Ausgaben für Kriegs zwecke, für absehbare Zeit auch noch teurer werden. Die Parole heißt: Wirtschaftliche Entwickelung durch Bahn bauten usw. Das kostet Geld. Also von Ersparnissen kann überall nicht die Rede sein. Es spricht auch niemand davon. Unter der Reichsfinanzresorm ver steht jedermann nur die Aufschließung neuer Steuer quellen. Welcher? Darüber gehen die Meinungen auseinan der. Was man über das Vorbereitungswerk des Retchsschatz- sekretärs hört, läßt darauf schließen, daß es auf das bisherig« indirekte Steuersystem aufgebaut, daß es nach wie vor den Konsum weiter belasten will und aus diesem Grunde die Pro duktion an den Erzeugungsstätten oder auf dem Wege zum Kon sum aufsuchen will. Dabei läßt man die Hochschutzzollwirtschaft im Interesse der Agrarier und zum Schaden der Industrie be stehen, obwohl jede neue Volks- und Berufszählung beweist, wie Industrie und Handel immer mehr den Unterhalt der wachsenden Bevölkerung des Reiches beschaffen müssen. Vorwiegend ist Deutschland Industriestaat, der Wert seiner Ausfuhr pro Jahr nähert sich bereits zehn Milliarden. Für seine Jndu- striebevölkerung unterhält das Reich also auch den größ ten Teil seiner Beamten und seines Militärs. Wenn nun ois Verteuerung der Lebensmittel auch für Beamte und Militär not wendig zu Gehaltserhöhungen und zu Mehraufwand führen mußte, so erkennt man deutlich, wie die Finanzlage des Reiches durch die zöllnerischc Wirtschaftspolitik so schwierig geworden ist. Wem all dies klar ist, der kann eine gesunde Reichsfinanz reform für die Dauer nur in einer Umkehr der deutschen Wir'tsch aftspolitik erblicken, die aber nicht ins Werk zu setzen ist, wenn nicht in dem führenden Staate Preußen die Herrschaft der Agrarier, der konservativen Par - teien, gebrochen werden kann. Zu diesem Problem macht oer Abg. Naumann in den Süddeutschen Monatsheften sehr inter essante Ausführungen. Er glaubt, daß die deutsche Geschichte sich einer großen Krisis nähert, deren Verlauf noch ganz dun kel sei. Er schreibt u. a.: Wenn einmal im Reiche der Block zu Ende sein wird, wenn hier die Finanzvorlage der Regierung keine Mehrheit fin Der Reichskanzler Fürst Bülow ist gestern vormittag in Norderney ein getroffen. (S. N. a. a Welt.) Für Grete Beier soll ein von den Geschworenen unterstütztes Gnadengesuch ei »gereicht werden. (S. Art. i. Big.» Im Lager des Schahs in Teheran sollen unerhörte Greueltaten begangen worden sein, t S. pol. Tgssch.) Druck und Verlag Gebrüder Beuthner (Inh.: Paul Beuthner) in Aue. Sprechstunde der Redaktion mit Ausnahme der Sonntage nachmittags von »—5 Uhr. — Telegramm-Adresse: Tageblatt Aue. — Fernsprecher Kit. Für unverlangt eingesandt« Manuskript« kann Gewähr nicht geleistet werden. det, wenn ein Thaos entsteht, das für den Fürsten Bülow un heimlich wird, dann erst beginnt der große Tanz, die Frage nach der Herrschaft im Reich. Es gibt dann zwei Möglichkeiten: das Reich unter die Zentrumsherrschaft zurück oder es liberali siert sich, um zentrumsfrei bleiben zu können. Wahrscheinlich wird es dabei an festem Willen fehlen und wir bekommen eine Zeit der widersprechendsten Maßregeln und der entsetzlichsten Parteiwirrnisse, ein politisches Interregnum, in dem die Kraft durch die Unsicherheit der Reichsfinanzen gefährdet sein wird. Die Schuld daran wird bei der preußischen Regierung liegen, die einer Neugestaltung der finanziellen Reichskraft widerstrebt, und bei den Konservativen, die ihr dabei helfen. Preußen will keine selbständigen und freien Reichsfinanzen, denn Preußen will ein von ihm in jeder Richtung abhängiges Deutschland. Es verweigert dem Reiche die Erhebung eigener direkter Steuern, weil in einem Reiche, das nicht von Matri- kularbeiträgen lebt, die Organe der Reichsverwaltung sich freier bewegen können trotz aller Verfassungsparagraphen, die das Reich zu einem Vorhof des Preußentempels machen. In dem Finanz kampfe Sydow contra Rheinbaben lebt das auf, was vor 40 Jahren als Bundesstaat contra Staatenbund debattiert wurde. Um die Reichssouveränität wird gerungen werden; in welchen Zwischenstadien, in welchen Kampfesformen, das kann heute noch niemand beschreiben. Noch ruht alles im Nebel einer unenthüllten Zukunft, aber die Luft ist voll von elektrischen Spannungen, es kommt ein Gewitter, ein Zusammenstoß zwischen konservativ preußischer Macht und deutschem ReichsbÄarf. Naumann nimmt Anzeichen wahr, daß man in Preußen fühle, was kommen könne. Erst müsse das preußische Mini sterium als solches vom Reichskanzler abhängig gemacht werden, ehe ein weiterer Schritt zur Reichshaltung getan werden könne. Jetzt könne der Ministerpräsident überstimmt werden, das hin dere ihn an jeder folgenschweren Aktion. Er brauche aber freie Arme, denn das Ringen werde ein Männerkampf sein müssen, wenn es gelingen solle. Ob die Entwicklung sich wirklich in dieser Weise abspielen wird, darüber dürften die Meinungen sehr auseinandergehen. Aber das läßt sich nicht verkennen, daß die Herstellung dauernd gesunder Verhältnisse in den Reichs finanzen von einer Wirtschaftspolitik abhängig ist, die der in dustriellen Entwickelung Les Deutschen Reiches ent spricht. Und mit dieser ist die Agrarierherrschaft im führen den Staat nicht mehr vereinbar. Eine deutsche Krisis» Alle Politiker im Deutschen Reiche sind darüber einig, daß es mit der bisherigen Finanzwirtschaft nicht weiter fori- gehen kann. Wenn die laufenden Einnahmen nicht reichen, um die laufenden Ausgaben zu decken und alljährlich Zuschüsse aus Anleihen gemacht werden müssen, aus Anleihen, die doch ver zinst werden müssen, wenn ferner die außerordentlichen Aus gaben für unproduktive Zwecke fortgesetzt ausschließlich aus An leihen bestritten werden, deren Tilgung regelmäßig unterbleibt, so muß die Schulden- und damit die Zinsenlast derart steigen, daß in absehbarer Zeit der K r e d i t v e r sa g t, weil die Zinsen nicht mehr pünktlich bezahlt werden. Gegenwärtig beträgt die Reichsschuld ja wohl bereits etwa 4400 Millionen Mark und mindestens 400 Millionen Mark neuer Steuern werden für unbedingt notwendig erachtet, um die steigenden Be dürfnisse der Reichsverwaltung zu decken und die Zinsen für die vorhandene Reichsschuld zu bezahlen, nicht etwa, um auch oie Schulden zu vermindern. An eine Ersparnis an den Verwal tungsausgaben und sozialen Aufwendungen Les Reiches ist nicht zu denken, vielmehr muß die Sozialpolitik fortgesetzt wer den. Ist doch schon die Witwen- un d Wa i s e n v e r s i ch e- > ' k», . - / »t Mk 3SV0 Unmstil Das Wichtigste vom Tage. Die Nordlandsreisc des Kaisers nimmt, wie verlautet, am 6. Juli ihren Anfang. Zur Rosenzeit. Novelette von A. L. v. Rhin. Nachdruck verboten. Ein Gartenfest beim Geheimrat. Röder zur Rosenzeit — man konnte sich nichts reizenderes, nichts amüsanteres denken^, wenigstens behaupteten es die Gäste und die mußten es j wissen. Auf der Terrasse der Villa, in den Laubengängen, oeit" moosbewachsenen Grotten des herrlichen Gartens, ergoß sich oie, Flut der Geladenen, schimmerten duftige Toiletten, flatterte» buntfarbige Kinderschärpen, dazwischen schwarze Fracks unf blitzende Uniformen — zwanglose Heiterkeit hieß die Parosti. Bei Eis und Erdbeerbowle, umschmeichelt vom Duft der Ros/n die in verschwenderischer Fülle auf den Rondelen blühten, flirtete es sich so gut — vom Lawn-Tennis hinweg, war man unter Lachen und Scherzen zum Fluß geeilt, am Ende des Hintetgar- tens, wo am Steg eine stattliche Reihe vonKähnen derEestüschast harrt«, waren die Fahrzeuge mit ihren daseinsfrohen Insassen auf den Wellen dahingeschwcbt, vom leichten West getragen, dazu Abendsonnenglanz, blauschimmernde Libellen, leises Flüstern im Schilf und fern das traumhafte Gleiten eines Schwa nes auf der sich spiegelnden Flut; ja, es lebt sich herrlich — zur Rosenzett. Jedenfalls war es nicht Zufall gewesen, sondern Absicht der liebenswürdigen Wirtin, daß im letzten Boot der fremde Diplo mat, Baron Stahlberg, und die schöne Susanne Witt, Platz ge funden hatten. Die Frau Geheimrat chapsronierte das junge Mädchen — lieber Himmel, es war ja geradezu Pflicht, hier ein wenig die Vorsehung zu spielen und der Kleinen, di« ebenso arm wie reizend war, Gelegenheit zu geben, einzusetzen in die Ledeutungspollste Lotterie der Welt. Ob Baron Stahlberg be- -titert wo/ und sich eine arme Partie erlauben durfte, wußte sie allerdings nicht. Jedenfalls aber wär« er nicht der erste Ma««hid«r über der Perl« verätze, nach der Fassung zu fragen. rassenzimmer her, dessen Türen offen standen, erbrausten prickelnde Klänge — Tanz auf dem Rasen bis zum Souper, stand auf dem Festprogramm. Ungestört mit sich allein sein, wenn auch nur für wenige Minuten. — Dort, der dunkle Eckplatz auf dem Ausbau, der unter den Fenstern des Erdgeschosses hinlief —. Hochatmend ließ Susanne sich in dem Vambusstuhl nieder, der dort stand. Unmittelbar neben ihr befand sich das offene Fenster des Herrenzimmers. Aber das milde Licht der Milchglasampel drinnen, drang nicht bis hierher — hier entdeckte sie niemand, hier konnte sie denken — träumen. Sie drückte das Taschentuch leidenschaftlich gegen den Mund, das Jauchzen zu ersticken, das in ihr aufstteg. Und nun ward es plötzlich still in ihr, alles Emp finden groß und still — so war ihr stets geworden nach — nach großen Ereignissen. Glück, ein Glück hatte sie noch nicht erlebt gehabt, vor — heute. Vielleicht überwältigte es sie gerade darum auch so sehr, Las Glück, i h r Glück .— Nein, nicht darum, sondern weil es ein märchenhaftes war für — sie. Vor ihre Seele trat die enge Häuslichkeit hin, di« kränkliche Mutter daheim, die seit dem Tode ihres Mannes, eines Subalternbeamten, au» den Sorgen nicht heraus kam, die in steter Angst lebte um da», wa» das Leben noch Schreckliches bringen könne. Einsam, ver schüchtert, war Susanne herangewachsen, alles Denken nur dar auf richtend, daß sie das Erzieherinnen-Examen glücklich bestehe uiü> eine gute Stell« erhalte, um di« häuslichen Verhältnisse zu bessern. Im ewigen Gleichmaß von Sorg« und^ftbeit hatten ihr« Tage sich abgesponnen — da, Examen ' Bezugspreis: Durch unser« Voten ftei in» Hau» monatlich so pfg. Bei der Geschäftsstelle abgeholt monatlich «o pfg. und wöchentlich «o pfg. — Bei der Post bestellt und selbst abgeholt vierteljährlich >.so Mk. — Durch den Briefträger frei in. Kau, vierteljährlich ,.-2 Mk. — Einzelne Nummer io pfg. — Deutscher Postzeitungs- katalog. — Erscheint täglich in den Mittagsstunden, mit Ausnahme von Sonn- und Feiertagen. Politische Tagesschau. Aue, den 2. Juli. * Die Präfidentenstelle im Deutschen Flottenverein ist noch immer nicht besetzt, da Fürst zu Salm- Horstmar, wie aus einem von ihm an die Ortsgruppe Wehlau des Deutschen Flottenver eins gerichteten Schreiben hervorgeht, die Annahme der in Danzig erfolgten Wiederwahl zum Präsidenten abhängig macht von der Erfüllung gewisser Zusicherungen in Berlin. » Professor Bernhard abgelehnt. Die Entschließung der Philosophischen Fakultät Berlin im Fall Bernhard ist, wie Ber liner Blätter melden, nunmehr erfolgt. Die Fakultät hat in einer außerordentlichen Sitzung, die am 29. Juni nachmittags stattgefunden hat, beschlossen, die Berufung Professor Bernhards Annahme von Anzeigen bis spätestens g'/, Uhr vormittags. Für Aufnahme von größeren Anzeigen an bestimmten Stellen kann nur dann gebürgt werden, wenn sie am Tage vorher bei uns eingehen. Insertionspreis: Die fiebengespaltene Korpuszeile oder deren Raum io pfg., Reklamen rs pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. ihr und eine Stellung hatte st« auch gefunden, wenn auch nicht so, wie sie gewünscht — zum 1. August sollte sie diese antreten. Und in der kurzen Spanne Zeit, die dazwischen lag, da nun —. Bei einer Visite, die sie unlängst der Frau Geheimrat ge macht, hatte sie Baron Stahlberg kennen gelernt. Seine sym- patische Persönlichkeit, sein gewinnendes Wesen und nicht zum letzten seine offenkundige Bewunderung für sie, hatten schnell ihr Interesse für ihn geweckt. Und schon heute, bei der zweiten Begegnung, fühlte, wußte sie, daß er das entscheidende Wort sprechen würde. Wieder barg das Mädchen das Gesicht in dem Tuch, in atemlosem Glücksempsinden. Sein rasches Vorgehen erschreckte sie fast und doch machte es sie so selig — die Sorge, das llnterordnen in fremden Hause, würde vorüber sein. Die Zukunft der Mutter gesichert, sie selbst in hoher gesellschaftlicher Stellung. Nun erst würde das wirkliche Leben beginnen, würde auch für sie einmal das Genießen kommen. Doch was war dies alles, gegen das süß« Bewußtsein — du wirst geliebt. Nicht iir klaren Worten, — durch Andeutungen hatte er es ihr ge standen: Gnädiges Fräulein, glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick? war seine Frage gewesen. Und ihre sprachlose Ver wirrung gewahrend: Verzeihen Sie dem brutalen Stürmer — nicht Ihre Antwort wollte ich, nur den Eindruck der Worte sehen, denn — er hatte gestockt — schon morgen muß ich nach der Haupt stadt zurück. Darauf hatte er ihre Hand genommen und ge küßt: Ein Menschenantlitz ist doch der klarst« Spiegel, in dem wir lesen können." Die Sinnende sprang auf. — Ja — es war kein Zweifel mehr, noch heute —. Und sie? Sie würde ihn lieben können, sie — liebte ihn bereits. Nicht länger durfte sie sich hier ver. steckt hatten, vielleicht vermißte er sie schon. — Ach — ihr Fuß stockte — glückselig lächelnd, lauschte sie —: Noch ist die schön«, di« golden« Zeit, Roch find di« Lage der Rosen, ^Ämrersta-, S. IM 1W8. ttuer Tageblatt