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So. ISS. Donnerstag, -en 25, Oktober Erscheint täglich früh 9 Uhr »it Auinahmr drr Honu- und Festtage. — Prell halbjährlich 22'/» Ngr. Inserate die gespal. Zeile 5 Pf. Freiberger Anzeiget unb W Tageblatt. Brrantwortl. Redaeteur: Karl Julias Frotscher in Freiberg. Politisches. Zwickau, 20. Okt. Die Kriminalbchördc des hiesigen Appella- tionsgerichtS (Vorstand: AppcllationSrath Cuno, Mitglieder: Appella- tionSräthc von Kyaw und Seifert, Assessoren: Herbig und Neidhardt) hat auf den 29. und 30. d. M. die ersten hier in Zwickau abzuhal lenden Assiscn angesctzt. Als Lokal dazu dienen die oberen Räume veS Gewandhauses, welche freilich wegen ihres beschrankten Umfanges und ziemlich mangelhaften Lichtes dem Zwecke nicht vollständig ent sprechen. Wenn in Vieser ersten Sitzung überhaupt vier Prozesse (sämmtlich wegen Prcßvergehen) wider Angeschuldigte auS Plauen, Chemnitz und Oederan zur Verhandlung kommen, so ist damit Alles abgethan, was zur Zeit vorliegt. Ein Theil der anhängig gewor denen Prozesse ist durch Zurücknahme von Seiten der Staatsanwalt schaft erledigt. Unter anderen hat die Staatsanwaltschaft zwei An klagen fallen lassen, welche die Verbreitung des Aufsatzes: „Wacher, daß ihr nicht in Anfechtung fallet!" betrafen. Bekanntlich sind der Verfasser und erste Verbreiter des Aufsatzes vor den Assisen zu Leip zig ftcigcsprochen worden. VaMt. Nach der Erzählung eines über den Rhein Entkomme nen ist der letzte große Fluchtversuch so abgelaufen: „Zn einer Wand der Kasematten, wo die entflohenen Gefangenen mit ungefähr hundert anderen untergebracht waren, befindet sich eine schwere, mit Eisen beschlagene, damals gut verschlossene und verriegelte Thüre. Nach langer, ausdauernder Arbeit, welche von einem LcS Schlofferhand- werkcs kundigen Gefangenen des NachtS und so vorsichtig ausgeführl wurde, daß die übrigen Gefangenen nichts wahrnahmen, war es dem selben gelungen, mittelst einer Messerklinge die Thüre zu öffnen. Nach und nach wurden andere Gefangene, aber doch nur neunzehn in daS Geheimnjß gezogen, um Voreiligkeiten vorzubeugen. Diese Anzahl lagerte sich deS NachtS um die Thüre, welche man wieder täuschend, ober leicht verschlossen halte. In der zur Flucht bestimmten Nacht schlüpfte einer um den anderen durch die leise geöffnete Thüre und gelangten hiermit die Gefangenen in den Minengang und an den an dessen Ende befindlichen Minenbrunaen, welcher aufwärts geöffnet werden mußte. Zu diesem Vorhaben hatten die Gefangenen jedoch keine anderen Werkzeuge, deren sie sich bedienen konnten, als ihre nackten Hände. Die senkrechte Oeffnuog war so eng, daß nur ein Mana sich kaum durchzudrangen vermochte. Mehrere mußten deshalb die Kleider zurücklassen und die Schuhe fielen den Meisten von den Füßen. Die Finger hatten sie Ach blutig gegraben vyd die Finger nagel bei der Arbeit eingebüßt. Auf dem Mllkamme qp-ekommen, nahmen sie die Richtung quer über die GlätiS »nh lentgjnnen. hier? durch der Aufmerksamkeit der Schildwache». Unablässig verfolgten die Flüchtlinge die Richtung gegen den Rhnn, wo sie kurz nach'Ta gesanbruch ankamen. Ein vom franMchen Ufer auf ihrZuntfest hrrübergckommcner Nachen brachte sie auf ftanzöfifchen Boden. In Selz (Elsaß) angekommen, trafen sie Freunde, die sich ihrer annah men, und wie in der ganzen Zeit der badisch-pfälzischen Erhebung die Militär- und Civilbehörden der Orte an^er ftanMsch-pfähischeN Grenze mit wahrhaft erhebender Humanität »>er Flüchtigen und Zer sprengten sich annahmen , so wurden auch diese mit drin NöthlgiA versorgt und traten den Weg in die Hcimath an. Wiea, 17. Ott. Die serbischen Vertrauensmänner Ministerium des Innern aufgefordert, einen Entwurf über dwWünsche der serbischen Nation vorzulegen, denselben in folgende Punkte zusam» mcngefaßl : 1) Die Woiwodschaft Serbien als ein Kronland auSzü- sprechen, in Folge dessen 2) Se. Maj. den Titel eines Großwoiwoden anzunehmen geruhen möchten. 3) Die Grenzen der Woiwodschaft auf der Basis der früheren Privilegien und der Beschlüsse derRation vom 1. und 3. Mai zu bestimmen. — Ueber die Stellung zur preußischen Krone hat sich Schönhais in einem geselligen Kreise mit merkwürdiger Unumwundenheit au-gv- Krochen, was die Sache ernster erscheinen läßt, als dies bi« jetzt die Meisten glauben wollen. Der General versichert, Oesterreich werde alle Mittel der Güte versuchen, um dm RechtSzustaad, der sich auf die Verträge von 1815 basirt, in Deutschland wieder herzustellen, soll« jedoch Preußen auf seiner ufinpirten Stellung im Reiche beharren, so werde daS Schwert entscheiden müssen. — 18. Okt. Gestern Vormittag war in Schönbrunn große Ministcrkonferenz, welcher auch der englische Gesandte beiwohnte. Den Gegenstand der Besprechungen bildete die noch immer sthwcbeÄle AuSliefcrungsaagelegenheit der nach der Türkei geflüchteten Häupter der magyarischen Znsurrekion. Wie man hört, soll beschlossen wy« dm sein, dieselben in contumaciam kriegsgerichtlich zu vrrurtheilen, auf deren Auslieferung aber zu beharren. — Die Transporte der Hon» vebS aus Ungarn zu den betreffenden österreichischen Regimentern, in welche sie eingetheilt werden, dauern fort; bei 60,000 derselben tzahim bereits zur österreichischen Fahne als gemeine Soldaten geschworen. Die österreichische Armee erreicht durch diesen Zuwachs die bedeutende Stärke von 650,000 Mann. Die Ostdeutsche Post meldet auS Mr», 18. Dktbr. Man will ayS vollkommen zuverlässiger Quelle wissen, daH die Regierung in Anbetracht wichtiger Gründe und als Folge wiederholter Berathvngen zu dem festen Enlschktsft gekommen ist, den Besitzern von Kossuth- »ote» Heine Entschädigung zukoMven zy lassm. Dieft Nachricht er gänzend und bestätigrod schreibt Weyer Neuigkeitsbote: Di« Nach»