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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 24.04.1884
- Erscheinungsdatum
- 1884-04-24
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-188404245
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-18840424
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-18840424
- Sammlungen
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Bemerkung
- Images teilweise schlecht lesbar
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1884
-
Monat
1884-04
- Tag 1884-04-24
-
Monat
1884-04
-
Jahr
1884
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 24.04.1884
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US« m« LS4 soi« IS4L «i- 5^1«.- Erscheint täglich stich 6'/,Uhr. >»d Lrpkdillr» JohanueSgoste A3. SPrkchkuvdrn der Ardorti«: von»,»,«,« 10-12 Uyr. Nachmittag« ö—6 Uhr. UW» WXp»»» -»-3-»«^ ««mkrtP» »acht I »« 44>»»Uw, «ch, »«»u>»Och. in«H«e »er sür »t« nöchstsal,«»« «er »«Atmmte» T»ser«te «, iruta,en »«« » »tzr Nachmittaa«, r««»>»,» -eft»a,en srütz tzt«'»tzr. D» de» FUiale« str 2i»s.>Ann«h«e: VN« Ale««, Univerfiiät-straß« ri, Laut» tische, Katharinmstrabr 18, p. »»r »i« '/.» »tzr. 4 »/. 108.14 «7Z0 L0L- MeGlgcrTagMM Anzeiger. Organ für Politik, Localgefchichte, Handels- nnd Geschäftsverkehr. Meß-Auflage IS.S0». Adonurmentsprei» viertelt. 4'/, ML. inet. Brinacrloha 8 Dir., durch dir Post bezogen 6 vkk. Jede einzelne -lummer 20 Ps. Velegeremplar 10 Ps. Gebühren sür Extrabe»loae» (l» Tageblatt. Format gesollt) «tz«e lostbesörderung 39 Mk. Mit Postbesorderuag 43 M- Inserate «gespaltene Prtitzei.1e 20 Pf. Grötzere Schriften lau» nufere« Prech» verzeichniß. Tabellarischer u. Zistcrnsatz nach Höchen» Tarif. Ueelamen vliter dem NedaeNonaftrich die Lpaltzeile bO Pf. Inserate sind stet« an di« «r»e»it1a« »» senden. — Rabatt wird nicht gegeben. Zahlung praeoumeraii'lo oder durch Pcst- uachuahuie. 115. Donnerstag dm 24. April 1884. 78. Jahrgang. d. 1 « i«« .NI«. -mi- ,tk wt» 118« M4- US— uam iLD isi» lOLW V 4« I» 1L- 178« «2 M.- IÄIL 104.— 78- K1«> w« 877» «8— 10»— ss.- 1««— iaa.— S4« wt int ern «t» aW-v. 0 nlka» 7t«t,) 8»be. » >I»»i tt.-- i. litUa» rwa »1, >k«rr> DiaUt »Ul,r» rbita» >r»i «et rUart 8»dr. dl»I«1 mat »«lit» »de. d«a»u >ri,t estvdt :k»ru „elt») ltt«o 8. a»r«1 >°-V. »4— uaN.")' 7V0 IM >4 W4 S so b, "LS 8öS im a » 'S d, i« s 7N0 S «Mg Iw« S4 « ia-i.a us a 101 s löt a im s. im a ioi>u a si, 1018 S ioi<L s SSO »1, s 104-u.a 18 V IM b, S I04N. » iw8 a 1018 « oä. 17. ou.l^o. in o IS» di, 67LÜ ^l. — ^1, laptawbar- » SvlNtUG 10 ^l, p« blatt. «ptawdvr- — üater »»beliebt.) ckuoi-OM er-Octoder (ö!r»r«« >0 Lallen. 35,000 8. a« 10,002 rvrilauL. >: -s- 1.SL -Dampfer r Dampfer von Aut- )er Bnion- »norch-Lin« he Queen", ..Galileo", en Morris !a" (DaS hiladelohia in vo»o» vill, (21/4) der Guion« le-Tampfer ir.Baltic" Iraacania" r-Dompfer Auftralta», ufgehalten» » Nordos» Amtlicher Theil. Nrltillnlmichiiig. Wir »rachen hierdurch, öffentlich bekannt» t) dag alle in Leipzig wohnhaften Knaben, welche Ostern 1883 nnd 1884 au« einer der hiesigen Volksschulen ent lassen worden oder von einer höhrren Schule abgegangen sind, ohne im letzteren Falle da« l3. Lebensjahr vollendet und die Classe erreicht zu haben, welche diesem Alter nach dem Plane der «schule entspricht, zu dem Be such« der Fortbildungsschule fSe Onabe» der- pflichtet sind; - M. >) daß die Anmeldung derselben, wen« st« im Bezirk der I. Fortbildung«sch«le wohnhaft sind, bei Herrn Direktor Pllschmann, dasern sie sich aber im Bezirk der ll. Fort bildungsschule aufhalten, bei Herrn Direktor vr. Slörl an den von genannten Herren vssentlich bekannt gemachten Tagen nnd Stunde» zu erfolgen hat; 3) dast auch dt«j»«tge» Knabe« tu geuauuter Aeit anzumeldeu sind, welche a«S irgend «tue« Grunde von de« Besuche der städti schen Fortbildungsschule eutbuude» i» setu glaube»; 4) daß hier rinziehende Knaben, welche Ostern t882, 1883 und 1884 au- einer auswärtigen Volksschule entlassen worden sind, ebenfalls zum Besuch der Fortbildungs schule verpflichtet und sofort, spätesteaS aber btnuea drei Tage» nach de« Ginzuge bei dem Direktor der Fortbildungsschule ibreS Bezirk- anzuwelden sind; L) baß Ellern, Lehrherrn, Dienstherrschaften und Arbeit geber bei Vermeidung einer Geldstrafe bi« zu AA ^4. die im Falle der Nichterlegung in Haft umzuwandel» ist, die schalpstlchtlge» Knaben zu dieser Anmeldung auznhalte» oder letzter« selbst vorzuuehme» haben. Leipzig, am 17. April 1884. Der Rath der Stadt Leipzig. I)r. Georgi. Lehnerl. UWeil-Verpachlllilg. Die nenerding« durch Kauf in den Besitz der Gtadt- ,emeinde Leipzig tiberaegangene. in GohltS a« PleiHeu- stuffe gelegene Mahl««-le, welch« au« vem Mühlen- aebimde mit darin bcsiuvlichem gehenden und treibenden Zeuge, einem Wasserradübeibau, eine« zu Wohnzwecken ein- »erichteten Seitenflügel de- MühlrngcbänkeS und einem Pjerdesiallg«hä»ide besteht, soll aus die sechs Jahre vo« L. Juli 188» bi» «it SV. Juni 1«»V rum Ruhlenbetrieb an den Meistbietenden verpachtet werdeu und beraumen wir hierzu einen Bcrsteiaerungstermin im großen Saale der Alte» Waage, Kalharinenstraße Nr. 29. ll. Elage, aus DieuStag, de» «. Mat ds«. IS., Vormittag» LI Uhr «». welcher pünktlich zur angcgehenen Stunde eröffnet und, »bald kein Gebot mehr erfolgt, geschloffen werden wird. Bemerkt wird, daß die zu verpachtenden Mühle zur Zeit üns Mahlgänge amerlkanischen System- hat, daß aber vom Beginn der Pachtzeit an die Stauhöhe de- Mühlen- wehrr« durch Beseitigung de« auf den Schützen de« letzteren aufgesetzten Brete» um 29.S Ccntimeter herabgesetzt werden wird. Die Verpachtung«- und Brrsteigerungsbedingungen, sowie ein« Beschreibung der betreffenden Baulichkeiten und de- in der Mühle vorhandenen gehenden und treibenden Zeuge- liegen in unserer Oekonomie-Änspectio» im alten IobanmS- w-pitale schon vor dem Termine zur Einsichtnahme au«. Leipzig, de» 18. April 1834. Der Rath der Stadt Leipzig. I)r. Georgi. -tvß. Wir bringen hiermit zur allgemcuÄWömitniß. daß di« Sarthe aus der Strecke von HäudeK Bad bl» zur Bfaffrnborfer Brücke von Anfang Mai btS Sude Oktober laufenden ZahreS abgeschlagen werden und n Folge testen da« Flußbett auf dieser Strecke während der angegebenen Zeit kein Master enthalten wird. Leipzig, aw 8. Avril 1884. Der Rath -er Stadt Leipzig. Elch« Tröndlin. horiu«. Nachdem Herr Oberlehrer Johann Heinrich Hermann Trete, Zen,er Straße Nr. 14. die auf ihn gefallene Wahl zum Armenpfleger im 22. Distrikte angenommen hat, ist derselbe am 18. April n. o. durch Herrn Distrikt-Vorsteher Schuldirektor <k. T. Reimer in diese« Amt einaewiesen worden. Leipzig, den 2l. April 1884. DaS Armendirectortu«. Luvwig - Wolf. Anction. von dem Unterzeichneten Armenamte sollen im Stadthause allhier (Eingang Mühlgaste Nr. 7) Freitag, de« SS. April 188», Bor«, von » Uhr an elnSchnhmacherarbettStischnebstHaudwerttzeug, sowie eine Partie getragene Kleidungsstücke, Möbel. Haus- und Üüchengeräthe, Taschenuhren, Belle» u. dgl. m. meistbietend versteigert werde». Leipzig, den 2t. April 1844. DaS Armenamt. Luvieig-Wols. M.Jungbähnel. Vekanntumchimg. Die bei dem Postamt« in Lripzia-Neiidnitz vom 1. Mai ab ein,»richtenden Fahrten zur Bestell,mg der a»neko««cnrn PSckereic« finden auch zar Yinsammlnua von abznstNSenve» Packrte» mit Au-schlufi der Werthfendunge» Berwendung. ES wird dabei in der Weife verfahren, daß die Packetbefteller entweder innerhalb der Hüuscr selbst, welche sie zum Zwecke der Bestellung betreten, oder an denjenigen Stelle», wo ihr Fuhrwerk jc:v«ilig anhält. die Packete vom Publicum, unter Erdebnug der tarifmäßigen EinfammluiigSgebühr. rntgi-gennetimen und bei der betreffende» OrtS-Postaustalt zur Ablieferuuq bringen. ES ist ferner gestattet, daß das Publicum in den Fällen, in welchen eS von dieser Einrichtung Gebiauch machen will, bei dem Pestamte in Leipzig'Reudnitz ad.r bei dem Postamte 10 in Leipzig mittelst knrzer Benachrichtigung die Abholung der abzufendenden Bäckereien an- der Wohnung u. s. w. beantragt. Die bezüalichk Benachrichtigung hat mittelst lrankirtrr Bestellfchreiben oder Post karten, welch« ln de» nächsten Briefkasten gelegt werden können, zu erfolge«. BoranSgefetzl wird dabei, daß der Absender innerhalb desjenigkn vrt«kreisc« wohnt, tn welchem Packeibestellfahrten über- daupt stottstnden, und daß dle Abholung gelegentlich der nächsten Vestellsahrt erfolgen kann, ohne daß c- au« diesem Anlaß der Ver richtung besonderer Fabrten bedarf. Wünschen die Ausgeber, die Packet« zu lrankiren, und erfolgt die Frankirung nicht durch Werth- zcichen, so ist dem Packetbefteller unbenoniinen, sich nach Umstanden den ungefähre» Betrag des Franko« hinterlege» zu laste»; zu viel erhobene Beträge sind bei der nächsten Bestelliahrt zu erstatten, zu wenig erhobene Beträge dagegen bei der nächsten Fahrt cinzuziehen. Die sür die Bestellung von Packeten zu erhebende Gebühr ist von der obersten Postbedörd« aus Grund der Bestimmungen im 8- 92 Pinkt IU und IV der Postordnung vom 8. März 1879 ». aus 15 />j sür gewähniiche Packele bezw. sür Pnckete mit Wcrth- augab« und für Einschrcibpackete bi« zum Gewicht von 5 lrz einschließlich und i». auf 20 sür schwerere Packele der einen oder anderen Art festgesetzt worbe». Dieselben Sätze finden auch Berechnung der sür die Etnsamm- lu»g von gewöhnlichen Packeten zu erhebende» Gebühren Anwendung. Gehört mehr als ein Pocket zu einer Degleitadresse, so wird sür da- schwerste Packet die ordnungsmäßige Bestell« bezw. Einsammlung-, gebühr, sür jede- weitere Packet aber nur eine Gebühr von 5 erhoben. Leipzig-Reudnitz, 33. April 1884. Kaiserliche« Postamt. Herdler. Auclionslocal -es Lönigl. Amtsgerichts. Sounateud, S«« 2S April, von 10 Uhr vormittags an wird ein nmiänglicherer Posten böhmischer Glaswaarru in größeren Partie«, »ersteigert. Leipzig, de» IS. April 1884. Viel». Gerichtsvollzieher. Nichtamtlicher Theil. Die Anarchisten in Paris. vor einigen Tagen haben sich die Anarchisten aller Nationen in Pari« eia Stelldichein gegeben, weiche« di« merkwürdigsten Dinge zu Tage gefördert hat. Es wurden Reden gehalten nicht bloS in der Landessprache, sondern auch in der deutschen, und die Zuhörer bestanden au- Rüsten, Spaniern, Eng ländern und Iren, Oesterreichern, Teulschrn, Schweizern und Franzosen. Die Polizei war sich der Gefahr bewußt, welche der Ruhe und Sicherheit der französischen Hauptstadt durch die Versammlung drohte und hatte große Vorsichtsmaß regeln ergriffen, besonder» war die Geheimpolizei stark vertreten, um die Adressen der ausländischen Anarchisten auSzuforschen. Der Präsident durchkreuzte aber diese Ab sicht dadurch, daß er di« Namen der ausländischen Redner verschwieg. Immerhin wurden diese den Polizisten durch ihr Auftreten von Person bekannt, und da» wird genügen, uw ihre Ausweisung au» Pari» herbeizusühren. Die Ver anstalter derVersaminlung. Daldo.Schull^ und Rieselder, waren auf veraulastnng de« österreichischen Botschafter« verhaftet worden, weil sie ia die jüngsten Wiener Morvthaten ver wickelt sein sollen. Denn sich da« bestätigt, f» könnte da« durchaus nicht überraschen, denn di« Reden der Ge sinnungsgenossen in der Versammlung beweisen, daß diese Leute zu Allem fähig sind. Der Eine kündigte dem sraniö- fische» Ministerpräsidenten Frrry an, daß ihm da» Schicksal Ludwig« XVl. bevorstehe, em Anderer sagte, daß die Haupt feinde, welche bekämpft werden müßten, Tbron. Altar und Capital seien, ein Dritter erklärte mit größtem Freimuth. daß der Mord da« einzige VertheidiaungSmittel sei, welche« den Socialisten noch übrig bleibe. Al« der französische Anarchist Drurüi triumphirend au«rief, daß man da« Mittel gefunden Hab«, nm da« .Büraerpack" in vernichten, bracht« die ganze au« etwa 800 Personen bestehende Versammlung ein Hoch auf da« Dynamit au«. Tann wurde eine Resolution an genommen. welche als Siel die Abschüttrlunq de« Joch» der Monarchen und Regierung bezeichnet. Bevor sich di« Anarchisten trennten, sammelten sie zu» Ankauf von Dynamit nnd M UM »stütz «g Verhafteter »»d Verbannter aller Ration«. Die Polizei ließ da« Alle« ruhig geschehen, vielleicht in der Voraussetzung, daß die Drohungen der Anarchlsten doev nicht ernst zu nehmen seien, anderensill« wäre e« nicht zu begreifen, daß die direkte Aufforderung zur Ermordung desiiminter Peisoncn, z. B. de« Minister- Ferry, ohne jede polizeiliche Folge blieb. » . ^ Bisher wußle man wohl, daß in Rußland, Irland und Oesterreich-Ungarn, in der Schweiz und in Amerika Gebeim- bünde bestehen, welche den Mord al« Mittel zur Verwirk lichung von Umsturzplänen in ihr Programm ausgenommen haben, aber daß die Anarchisten in öffentlichen Versammlungen mit ihren Absichten rückhaltlos bervorgetretrn wären, ist bis her nicht beobachtet worden. Die Theilnehmer der Versamm lung schienen auch selbst nicht daran zu glauben, daß ihnen ihr Thun straslo« hingeben werde, denn ein Oesterrricher erinnerte daran, daß die Anarchisten aller Nationen ent- schlosten seien, für die Sache der socialen Revolution zu sterben. Aber die französische Regierung hat sich daraus be schränkt. diese Leute kennen zu lernen, sie im Auge zn behalten, und wenn sie von Reden zu Thaten übergehen sollte», un schädlich zu machen. Da- mag sich für eine Regierung schicken, welche seiner Zeit zugestand, daß ihr kein Mittel z» Gebote siebe, um die Beleidigung «ine- König«, welcher die Ganfreundichaft Frankreich« in Anspruch nahm. Zu ver hüten oder die Urbeber der Beleidigungen zu bestrafen: in anderen Landern dürften die Mordprcdtgrr nicht aus gleich« Nachsicht rechnen könne». Eine» Nutzen habe» solche Versammlungen wenigsten- und da- ist der, daß die Regierung über da«, wa« dem Lande bevorsieht, rechtzeitig aufmerksam gemacht ist. Die zweite Auslage der Pariser Commune, welche bereit« al« bevorstehend angekündigt ist. soll mit größerer Machlentsaltung in« Werk gesetzt werken, als die erste, die Hinderniffe, welche dieser bernlet wurden, sollen vorher auS dem Wege geräumt werven. Tic Vertreter der staatlichen Ordnung können sich also daraus gefaßt machen, daß die Action der Anarchisten sich zunächst gegen sie richten wird. Da» Joch der Regierung wird ab- aeschütlelt und dann eine neue Commune ausgerichtet. Dieser Entwickelung-gang ist interessant, weil er zeigt, daß zwischen Anarchisten und Socialisten nach der in Pari» tnndgegebenen internalionalen Auffassung ein Zusammenhang existirt, welcher bekanntlich von den deutschen Socialisten geleugnet wird. Tiefe lehnen jede Genieinschast mit den Anarchist« ah. in Paris aber hat am 19. April eine vollständige Ver brüderung beider Gruppen staltgehinde». Di« Anarchisten sind nach den in jener Versammlung zu Tage getretenen Bestrebung« lediglich die Vorkämpfer de« SocialiSmu«. e« sind die kühnsten und 1ode<verachtendstrn Socialisten, welche vor keinem Morde zurückschreck«. u« der Ver wirklichung de- socialistischen Staate« die Bahn zu brechen. ES hat bisber als da« Kennzeichen de« Anarchismus gegolt«, daß feine Vertreter nur zerstören, aber nicht ausbau«, die in Paris versammelten Anarchisten Hab« darauf mit der Dro hung geanlwortrt. daß nach Beseitigung der Monarchen nnd Negierungen der socialist,sehe Staat ausgerichtet rvrrb« soll in der Form der Pariser Commune vom Jahr« 1871. Dieses eigenthümlicke StaatSgebitd« bat thatsächtich einige Monate existirt oder eigentlich mehr Existenzvcrsuche gemacht, kenn die Leiter der Commune wußten selbst nicht, wa« sie eigentlich wollten. Inzwischen haben die Socialisten aller Nationen ja einige theoretische Fortschritte gemacht, aber von der Verwirklichung de« socialistischen Staate« sind sie doch imnier noch sehr weit entfernt. Nur über zwei Puncte scheint allgemeine Uebereinstimmung zu herrschen: Uber die Aushebung de- Erbrecht» und Abschaffung de- persönlichen Grundbesitze«. Taran reiht sich dann die Forderung, daß alle Maschinen und sonstigeSArbeilSmaterial gemeinsame« Eigenthum werden soll«. Da« wären also die Grundzüge vr« Staatsmesen«. welche« die GesinnungSgenost« der Pariser Eocialist« und Anarchist« ausrichten wollen. ES ist gut, daß man die Vorkämpfer diese» SlaatSgevaiiten» kenn« gelernt hat, und da« darf man auch von der französisch« Regierung erwart«, daß sie diese Kenntniß im Sinne der Abwehr und Vertheidigung gegen die Gefahr«, welche solche Fanatiker den bestehenden Zuständen bring«, auSnutz« werde». Hat man doch die verhältnißmäßig ungefährlich« Louise Michel in« Gesängniß gesetzt, nachdem sie d« Versuch gemacht hatte, ihre Theorien m« praktische Leb« zu übersetz«, um so mehr hat man Ur sache, Person« unschädlich zu mach«, welche au« ihr« Mord- pläiieu gar kein Geheimniß mach«. Nun scheint man aller dings „ach den bisherigen Erfahrung« in Frankreich dem Grundsatz zu huldigen, daß man den Brunnen erst indeckcn müsse, wenn da- Kind ertrunken ist, aber zwischen Plan und Ausführung der Anarchist« liegt noch eine Frist, welche bei nnigermaßm zweckentsprechender Benntzung viel Ueble« Ver bindern kann. Mit der Verhaftung ewiger gefährlicher Individuen ist in Pari« der Anfang gemacht, man darf vorau«setzm, daß man aus dem betretene» Wege energisch sortsahren wird, zu handeln. * Leipzig, 24. April 1884. * Die „Nationalliberale Eorrespondenz" schreibt: Di« Anträge Windthorst zum Voeialistengrsetz werdeu außerhalb de« Cent««« schwerlich irgendwo Beifall finden. Die Rückkehr zum gemeinen Recht ist ein Ziel, welche« auch d« meist« Derjenigen, die dem Soeialistengestz ,u- stimmen, vorschwrbt. und jeder ernstliche Versuch, diesem Ziel sich zu nähern, wird unsere vollste Sympathie finden. Aber Herr Dindthost macht sich die Sache sehr bequem; er fordert den Bondesrath ans, gefälligst Vorschläge zu einer Revision de« Straf« und Preßgesehe« zu machen, und begnügt sich, inzwischen die Waffen de« bestebendm Socialistengcsetze« ab» zustumpsen. Seine eia«« Vorschläge benehmen dem Soeia- listengesetz in nicht« sein« Charakter al« Ausnahmegesetz, sie beseitigen kaum ri« einzige» der gegen ein Ausnahme- gesetz geltend gemachten Bedenken; sie verstärk« auch kaum nennenSwerth die Garant!« gegen Mißbrauch; aber sie lähme, und schwächen ein Gesetz. ,n besten schneiriaer Wirksamkeit seine Berechtigung vor Allem liegt. Ein Ausnahmegesetz, dessen Waffe» ttunivs und wertbloS sind, ist da« denkbar Ver kehrteste. Und dies« ganz inkonsequenten und nutzlos« Ab schwächungen soll« an einem Gesetze vvrgenommeu werden, besten Giltigkeit sich nur aus zwr, Jahre, nach den Wünsch« de« Antragsteller« sogar nur di« zur nächst« Reich»tag«. sesfion erstreck« soll. Fürwahr, die gesetzgeberische Weisheit de« Centrum« erscheint hier in einem recht zweifelhaften Lichte D« Antragstell«, hat wohl selbst nicht ^glaubt, daß dtche Vorschläge ernst genommen werden; sie haben wohl nur de» ijwcck. die Entscheidung eine kurze Spanne Zeit binauSzu« schieben. Die bestimmteste Erklärung der Negierung, aus Abänderung« an dein bestehenden Gesetz sich über haupt nickt einzulasten, Hit den Windlhvrst'schen An trägen von vornherein jeden Boden entzog«. Tie Com mission wird wohl rasch darüber hmweggeben und kann wird die Entscheidung wieder lauten: eins'ache Annahme oder Ab lehnung der Borlage. Wie alSka»» die Entschließungen de» CentruinS auSsallcn, wie viele dafür, wie viele dagegen stimmen werden, und ob somit da« Gesetz eine Mehrheit im Reichstag finden wird, da- läßt sich zur Zeit Dank der Hinterhältigkeit und Unenlschlostenheit der klerikalen Partei noch immer nickt sicher beurlheilen. Wer sür die Winkt« horst'schcn Anträge stimmt, der bat einen principiellen Grund, gegen da» unveränderte Socialisiengesrtz zu stimmen, nicht mehr. Die- geringe Mehr oder Weniger an polizei lichen Befugnisten ist keine grundsätzliche Frage mehr. Herr Windthorst ist auch ganz gewiß längst eiilscblossen, für daS Gesetz zu stimm«. Allein, ob er seine Kraction ganz oder einen wie großen Theil derselben hinter sich hat. da« ist die wichtige Frage de» Tage«. * Die ReichStag-gebäudeeommissiv» ist auf Donnerstag zu einer Sitzung beruf«. Ans der Tagesordnung steht unter Andern, die Beralhung der Vorbereitung« zur Grundsteinlegung. Wie e« heißt, ist sür diese Feier der 10. Mai, der Tag de« Frankfurter Frieden«, in« Auge gefaßt, * Die nationalliberale Fraktion de« Reichs tag« bat beschlost«, aus dm Sarg ihre« früheren Mitgliedes von Brüning i» Frankfurt a,Ä. durch de» Abg. 1-r. Buhl einen Kranz mederlegei, zu lasten. . * . * Da« österreichische Abgeordnetenhaus wird«« Freitag wieder zusammentrrtm, indessen wird die Session kaum noch von langer Dauer sein. Die Nordbahn-Borlag«, welche bereit« in der ersten Sitzung eingebracht werden fo!" und der Rest der Gewerbeordnung dürft« di« einzig Gegenstände von erheblicher Wichtigkeit sein, welche zur lcdi'gung gelang« werk«. Bestätigt e« sich wirklich, Miite de» nächsten Monat« in zahlreich« Provinz« Neuwahl« für die Landtage zur Au«sckrrivung gelang« nnd daß der Vollzug der Wahl« innerhalb der daraus folgend«, nächst« Wochen bewirkt werden solk, dann würde r« auch sehr schwer fall« die Abgeordneten sür längere Zeit " beisammen zu Hallen. * Di« österreichisch« Press« beschäftigt sich sehr l mit einer angeblich bevorstehenden Zusammenkunft d« drei Kaiser. So läßt sich da« ,N. W.Tagbl." au« Kraka< schreiben: .Der Kaiser von Rußland w«rd nach der ist Moskau statlfindenden Großjährigkeit-erklärung seine« älteste» Sohne« mit demselben nach Warschau komm« und wie der russische Hos im Schlösse LazinSki Aufenthalt nehmen. In Warschau werden große Vorbereitung« getroffen, um di» Anwesenheit der russischen Herrscherfamilie in der Haupt stadt de« ehemalig« Polen zu einem bedeutungsvollen Er« eigniff« zn gestalten. In Warschau dürft« auch die defini tiv« Vereinbarung« über eine Zusammenkunft der drei Kaiser stattfinv«. Es wird von russischer Seite bedeutender Werth daraus gelegt, daß der Zar zur Entrevue gerade von Warschau au« geht." — Der Besuch de« Kaiser« vo« Rußland in Berlin ist ein sehr wahrscheinliche« Ereigniß; ein priucipielleS Hinderniß scheint diesem Besuche in kiner Weise mehr entgegenzustehen, und die Ankündigung der Tbat- sache könnte nicht mehr überraschen. Die Dreikaiferzusamm«- tunst liegt gleichfalls nicht außerhalb der Möglichkeit, wir möchten indessen bezweifeln, daß dieser Gedanke bereit» greif bare Gestalt gewonnen hätte. * Man schreibt der .Voss. Zeitg.": „Die italienische» Irredentisten haben eine arge Enttäuschung erfahren und Europa ist um eine Amtssprache reicher geworden. Schau platz der hierauf bezügliche» Ereignisse ist die Insel Malta, welche seit langen Jahrzehnten ein vollkommene» politische« Stillleben führen würde, wen» nicht die Irredentistcn dieselbe mehrfach al» italienische« Besihthum gefordert hätten. Di« Insel wird durch einen englischen Gouverneur verwaltet, de« ein gesetzgebender Körper von 18 Mitgliedern zur Seit« steht. Acht Mitglieder werden von der Regierung ernannt oder sind weg« ihrer amtlichen Stellung vo Ip«> Mitglieder; die acht anderen werden von der Einwohnerschaft gewählt. Da« Wahlgesetz war vor einiger Zeit abgcändert worden, wa« zur Folge hatte, daß die Geschäftsleute in denStädten und Fleck« der ausschlaggebende Theil geworden waren. Diese sind aber meist Italiener, und dem entsprechend sielen die Wahl« au«. Di« Italiener setzt« nun sofort durch, daß da» italienisch« zur alleinig« AmtSsvrache de» kleinen Jnselrriche» erhoben wurde. Da aber erhoben sich die Bauern mit ihren Pfarrern an der Spitze und klagten dem Gouverneur, daß durch diese Maßregel die Sprache der Mehrheit benachtbciligt werde. Der Gouverneur war anfangs überrascht, ließ jedoch amt liche Erhebungen anordnen. ES stellte sich heran», daß von den 180.000 nicht militairisch« Einwohnern Malta» nicht weniger alS l 30,009 da« Maltesische al- ihre Muttersprache gebrauchen und weder italienisch noch englisch versteh«. Bon dm übrig« 30.000 Einwohnern sprechen ungeiähr je die Hälfte englisch oder italienisch und nur einige Tausend sind beider Sprach« mächtig. Daraus hin hat die Regierung beschlossen, daß sortan da» Maltesisch« und da« Englisch« die gleich berechtigten Ai»t«sprachen der Iusel sind und da« Italienische diese Berechtigung verliert. Selbst verständlich dürste dadurch da» Maltesische einen neuen Auf schwung nehai« nnd auch unter den Gebildet« dir Ober hand erlangen. Bi-Her wurde diese Sprache außer in de» Volksschul« nur in den Seminaren gepflegt, in d«n« der Priesterstand seine Bildung erhält, von jetzt an wird »irselb« zur Unterrichtssprache aller lvberen Sebulansialt« drbob« werden müssen. Ta« Maltesische ist kein Dialekt, am wenig st« ein italienischer, sondern eine selbiiständige Sprach«, welche eber al« eine Tochter de« Arabische» gelt« kann. Zwei Drittel der Worte stamm« au» dem Arabischen, außer dem baden da« Griechische, Berberische und da» Italienisch« Beiträge geliefert. Durch die von jeher vorwiegend lateinisch« und italienische Schulbildung haben freilich Grammatik nnd Satzbau ein entsprechende« Gepräge an genommen. (Ganz so wie «inb die germanischen Sprach« l unter einem solch« lateinisch« Einfluß sich auSgedildet baden.) I Ader dir« verhindert nicht, daß das Maltesische ein« genüg«-« I OriginaUl« -rsitzt, um alS selbstständig« Sprach« gell« -
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