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Adoner Grenzome Dies Blatt enthält die amtlichen Bekanntmachungen der Amtshaupttnannschaft Oelsnitz des Amtsgerichts, der Amts, anwaltschast und des Stadtrates zu Adorf. Diese Jeitung erscheint an jedem Wochentage nachmittag mit dem Datum de» folgenden Tage». Sonnabend» liegt die 8seitigeMoman«Beilage »Nen« Illustrierte« bei Fernsprecher Nr, 14 Verantwortlicher Schriftleiter und Verleger Otto Meyer in Adorf. Postschecks. Leipzig 37 369 Ur. L8t. Sormavend. dM 20. Dezemker 1924. 88. ) ! ..... . . —— . . - 1 ' -'I.WEN - M 3m hiesigen Handelsregister ist heute eingetragen worden: 1. auf Glatt 293 die Firma Rudolf Nürnberger in Sdors und Als deren Inhaber der Zementwarensabrikant Hermann Rudolf Nürnberger daselbst, 2. auf Blatt 294 die Firma Julius Boun, Mafchiueutzandluug in Neu-Freiberg bei Adorf und als deren Inhaber der Schtossermeister Julius Matthäus Bou«, -oaselbst, auf Blatt 295 die Firma Seifenfabrik Bad Brambach Johannes G Wur litzer in VadBrambach und als deren Inhaber der Kaufmann Johannes Georg Wurlitzer in Bad Elster. Angegebener Geschäftszweig zu 1 Herstellung und Handel von Zementwaren und Handel mit Bauwaren, zu 2 Handel mit Fahrrädern, Nähmaschinen, landwirtschaftlichen Maschinen, Kraft fahrzeugen und deren Bestandteilen sowie deren Reparaturen, zu 8 Herstellung und Vertrieb von Seife und Seisenpuloer. Reg. 291, 292, 298/24. Amtsgericht Adorf, am 18. Dezember 1924. Aach Stresemann Narr. AuMchtslost. Bcrhandlmigen. Wie halbamtlich berichtet wird, empfing der Reichs- bräfident am Donnerstag zuerst den Führer der Bay erischen Volkspartei, Domkapitular Leicht, und später tden Reichskanzler Marx, mit dem er längere Zeit die durch die Beschlüsse der Fraktionen geschaffene neue Dage besprach. Im Anschluß daran begab sich Reichs kanzler Marr in den Reichstag, um dort mit den Par teiführern Wer die nunmehr zweckmäßig zu treffende Entscheidung Fühlung zu nehmen. Im Laufe d«S Vormittags empfing Dr. Marx ^en Abgeordneten Hermann Müller von den Sozial demokraten, die Abgeordneten Brüninghaus, Scholz und Kempkes von der Deutschen Volkspartei Marx be absichtigt, wie auch aus der „Germania" hervorgeht, In erster Linie nicht, einen Linksblock, sondern eine mit- telparteiliche Regierung zu bilden. In volksparteilichen Kreisen sieht man keine Möglichkeit, auf diesen Plan leinzugehen und an einer mittelparteilichen Minder- cheitsregierung teilzunehmen. Wie die deutsche Volks- Partei haben sich auch die Wirtschaftspartei und die Bayerische Volkspartei gegen die Teilnahme an einem Linksblock ausgesprochen, so daß nur noch eine Min derheitsregierung der Linken in Frage käme. Tie Bayerische Volkspartoi faßte in ihrer Fraktionssitzung einstimmig folgenden Beschluß: 1. Aus innen- und außenpolitischen Gründen er achtet die Reichstagsfraktion der Bayerischen Volks IPartei die umgehende Bildung einer arbeitsfähigen IReichsregierung für dringend geboten. Jede Verzö- Igerung der Regierungsbildung schädigt die Interessen des deutschen Volkes. 2. Getreu ihrer bisherigen Haltung und im Hin blick auf das Ergebnis der jüngsten Wahlen erachtet die Fraktion die Bildung einer bürgerlichen Mehrheits iregierung für das einzig Gegebene und wird eine solche Negierung unterstützen. Tie Entschließung der Wirtschaftspakten Die Wirtschaftspartei hatte eine gemeinsame Ent- Ischlietzung der Reichstags- und Landtagsfraktion im Preußcnhause, die zur Rcgiernngsfrage folgende ein stimmige Entschließung annahm: Die Partei wird «eine Regierung, in der die Sozialdemokratie vertreten sst, grundsätzlich nicht unterstützen. Sie wird eine bür gerliche Regierung unterstützen, wenn die Stimmen der Wirtschaftspartei dazu notwendig sind. Im übrigen wird die Partei ihre Stellungnahme einer bürgerlichen Negierung gegenüber von deren Verhalten zu den Forderungen des Mittelstandes abhängig machen. Pause in den pariser MchaiMmgM. Keine Sonverabmachungen der Schwerindustrie. Die deutsch-französischen Wirtschastsverhandlungen haben eine neue Unterbrechung erfahren, weil der Führer der deutschen Handelsdelegation Dr. Trendelen burg, aus Anlaß des Todes seines Vaters, des be kannten Chirurgen, nach Berlin gereist ist. Erst nach seiner Rückkehr, am 30. Dezember, werden die Verhand langen wieder ausgenommen werden. 1 Por seiner Abreise aus Paris äußerte sich Dr. Trendelenburg zu Pressevertretern über die Stellung der Schwerindustrie zu den Pariser Verhandlungen. Er erklärte u. a.: „Die deutsche Schwerindustrie ist sich völlig im klaren darüber, daß sie keinerlei Abma chungen außerhalb des Handelsvertrages treffen darf, sind es ist nicht zu befürchten, daß irgendwelche Ver einbarungen auf Kosten der deutschen Verbraucher, d. h. auf Kosten der deutschen eisenverbrauchenden In dustrie getroffen werden." Herr Trendelenburg teilte Weiter mit, daß die Vertreter der deutschen Schwcr- sirdusttie, die wieder in Paris eingctroffen sind, mit den Vertretern der deutschen Maschinen- und ande ren eisenverarbeitenden Industrien neuerdings in Füh rung treten werden. Ein eigenmächtiger Abschluß der Schwerindustrie mit der französischen Eisenindustrie ohne Berücksichtigung der allgemeinen deutschen In teressen und ohne Genehmigung der deutschen Regie rung ist ausgeschlossen. * Weihnachtspause auch in Moskau. Halbamtlich wird gemeldet: Die deutsch-russischen Verhandlungen in Moskau sind am 17. Dezember durch eine Weihnachtspause unterbrochen worden. Die deutsche Delegation unter Führung des Wirklichen Ge heimen Rats von Koerner trifft nach sechswöchigem Aufenthalt in Moskau am 20. Dezember wieder in Berlin ein, um bis zu der im Januar nächsten Jah res erfolgenden Wiederaufnahme der Verhandlungen >as bisherige Ergebnis mit den zuständigen Dienst- teilen zu erörtern. An welchem Ort die Verhand lungen fortgesetzt werden, ist noch nicht entschieden. . O Schwierigkeiten in Washington. Nach einer Havasmeldung aus Washington ist der Entwurf eines Handelsvertrages mit Deutschland 'm der Senatskommission für auswärtige Angelegen heiten auf so scharfen Widerspruch gestoßen, daß die Bildung einer Unterkommission beschlossen wurde, die oom Staatssekretär Hughes Abänderungen des Ent wurfs erbitten soll. Geheimhaltung von Zunkdepeschev. Eine wichtige Erfindung. Auf der diesjährigen Naturforscher-Versammlung in Innsbruck wurde eine neue Erfindung zur diebes sicheren Uebermittluna von Telearammtexten auf draht losem Wege vorgeführt. Es handelt sich bei diesem neuen Verfahren, die im Gegensatz zu früheren ähn lichen Verfahren, die mit drahtlosen Telegrammen ar beiten, um die Benutzung der drahtlosen Telephonie. Es erreicht ohne jedes Chiffrieren und Dechiffrieren einen geheimen Ferndruck mit direktem Typendruck in Klartext. Das System wurde in den Huth scheu La boratorien in Berlin entwickelt. Durch einen nor maler: Telephonie-Sender werden an Stelle der Sprache bei Drücken einer Schrerbmaschinentaste zwei Töne (zwei verschiedene Frequenzen) ausgesandt. Die Kombina tion von jeweils zwei Tönen entspricht einem Buch staben des Alphabetes. Durch die ein elnen Tonpaare werden auf der Empfangsstation zwei Schaltvorgänge nacheinander ausgelöst. Diese bewirken den direkten Typendruck in offener Sprache. Verwendet werden im ganzen acht verschiedene Töne, aus deren Kombination zu je zwei 28 verschiedene Tonpaare und damit alle Buchstaben des Alphabets erzielt werden können. Dadurch, daß dis Tonerzeuger durch zehn verschiedene Stellungen längs eines AriktionLlonus' zehn verschieden hohe Töne Herstellen können, wird erreicht, daß man je nach Einstellung der verschiedenen Touerzeuger ein hundert Millionen verschiedene Gruppen zu je acht Tönen erzeugen kann. Mit einer einzigen Sendeschreib- apparatur können also einhundert Millionen verschie- schicdene Empfangsschreiber bedient - erden. Dem Emp fänger muß bekannt sein, welche Kombination der Sen der angewandt hat. Die ganze Einrichtung kann ohne weiteres an jeden normalen Telephonsender angeschlos sen werden und ist leicht und einfach zu bedienen, da die Nachrichten aus der zugehörigen Schreibmaschini in gewohnter Weise in Klartext geschrieben werden. Der Empfangsschreibapparat bedarf keiner Bedienung, da er von der Sendestelle vor Beginn des Schreibens selbst tätig in Betrieb gesetzt wird. Bei weiterem Ausbau des Verfahrens ist die Anwendung mit dem menschlichen Ohr nicht hörbaren Tönen vorgesehen, aber selbst bei Benutzung tönender Frequenzen ist absolute Geheim haltung erzielt. Gegenüber anderen Systemen hat das Verfahren den Vorteil, daß kein Gleichlauf von Maschi nen beim Sender und Empfänger nötig ist, eine For derung, die andere Telegraphen-Fernschreibe-Systeme häufig in ihrer Prattischen Verwertbarkeit beeinträch- tigten. Das neue Verfahren wird große Bedeutung für den diplomatischen, militärischen, wie überhaupt jeden Geheimdienst haben, außerdem mutz seine Bedeutung für die Verbreitung von Pressenachrichten unter Ausschluß jeder Diebstahlsgefahr hoch eingeschätzt werden. Der SchluZatt im Haarmann-Prozeß. Tas Plädoyer des Verteidigers. Haarmann nahm den Strafantrag des Staats anwalts, der auf Todesstrafe wegen Mordes in 2S Fällen lautete, anscheinend gelassen auf . Der Vertei diger Haarmanns, Justizrat Bensey, erklärte in sei nem Plädoyer, der Prozeß sei von einer gewissen Presse in ganz unerhörter Weise ausgenutzt worden. Notwendig sei, daß die Polizei in Zukunft auf de«. Bahnhöfen mehr ineinander arbeitet. Er schließe sich den Gutachten der Sachverständigen an. Der Schutz des Par. 51 ist dem Angeklagten nicht zuzubilligen. 21 Fälle sind von Haarmann zugegeben. Er spreche auch namens seiner Kollegen den Eltern der Opfer tiefstes, innerliches, menschliches Beileid aus. Er sei nicht in der Lage, auf Totschlag zu plädieren, auch nicht aus Mord. Das erstere sei nicht mit seinem Gewissen, das zweite nicht mit seiner Stellung als Verteidiger zu vereinbaren. Die Entscheidung in die» sen 21 Fällen liege im Ermessen des Gerichts. I« 5 Fällen bestreite Haarmann seine Schuld. Er müsse I hier den Angaben des Angeklagten folgen. Der Ver teidiger bespricht dann im einzelnen die 5 Fälle, bei denen die Anklage auf sehr schwachen Füßen steh-t. Er beantragt in diesen 5 Fällen Freisprechung Haar- manns. Dr. Bensey schließt : „Ich lege das Schicksai Haarmanns in Ihre Hände. Die Entscheidung Wirch gerecht ausfallen, ohne Vorurteil." Auch Segen Graus Todesstrafe bearrtragt. Zum Fall Grans beantragte Oberstaatsanwalt Dr Wilde in seinem Plädoyer wegen Anstiftung Mord in de« Fallen Hannappel und Wittig die Tod«G strafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Außer dem beantragte er wegen gewerbsmäßiger Hehlerei dret Zähre Zuchthaus und Stellung unter Polizeiaufsicht. Deutsches Reich. — Berlin, den 19. Dezember 1924. ° Ein Antrag zur Aufwertungsfrage. Die Deutsch- nationale Volkspartei hat im Reichstage folgende» Anttag gestellt: Der Landtag wolle beschließen: Der Reichstag hat das folgende Gesetz beschlossen, das mit Zustimmung des Reichsrates hiermit verkündet wird. Paragraph 1: Die Verordnung zur einstweiligen Rege- gelung der Aufwertung vom 4. Dezember 1924 wird aufgehoben. Par. 2: Die in Artikel 2 der Verord nung bezeichneten Fristen werden bis zur gesetzlichen Neuregelung der Aufwertung verlängert. Par. 3: Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. Gez. Steiniger, Dr. Best, Hergt, Schmidt- Hannover und andere. AMands-MudAau. Frankreich: Ter Achtstundentag in der Praxis. - In der französischen Kammer rügte der Kommu nist Picquebal bei der Beratung des Haushalts des Arbeitsministers, daß an zahlreichen Stellen von den Arbeitgebern die achtstündige Arbeitszeit nicht beach tet werde. Jeden Tag liefen bei der „Humanitö" Be schwerden der Arbeiterschaft ein. Durchschnittlich werde fast überall 10 bis 12 Stunden gearbeitet. Redner wies dann auf die Gefahren hin, die sich für das internatio nale Proletariat aus dem Dawesgutachten ergäben. Die Ausführung des Gutachtens werde nur auf Ko sten der Arbeiterschaft zustande kommen. Der Arbeits- Minister Godart wies in seiner Antwort darauf hin, daß Frankreich auf der Tagung in Lüttich die Annahme des Washingtoner Abkommens erneut bestätigt habe. Leider werde die achtstündige Arbeitszeit noch nicht in allen Ländern anacwendet.