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Seit achtzehn Jahrhunderten schafft und wirkt das deutsche Volk, wie ost in harten Mühen, in bitten» Leiden und dunklen Rächten an der Lösung seiner weltgeschichtlichen Aufgabe; und wohl giebt eS Stunden, da manches Herz verzagen möchte, ob unser Volk die Lö sung jener Aufgabe auch je vollenden werde, ob einst der Tag er scheine, da es, als ein freies, einiges Volk von Brüdern, in sich ge festet, seiner selbst und seiner Aufgabe bewußt, der Vorkämpfer deS Geistes, der Freiheit, der Gesittung für alle Völker sein wird! Doch, sei manche noch so trüb, sei manche Last noch so schwer, sei die Aus sicht zuweilen durch noch so hohe Mauern umbaut, — dennoch verzage kein deutsches Herz, verzweifle keines an der Zukunft deS deutschen Volkes! Blick auf dessen Vergangenheit zurück, — doch nicht aus dürren Namen, Zahlen und Ereignissen geht sie dir auf! Horch auf den Geist deS Volkes, der sich in der Geschichte desselben offenbaret; auf den Herzschlag horche; nicht Welle an Welle, sondern die großen Strömungen der Ideen betrachte; auf die Manner blicke, die noch stehen, wenn die Menge schwanket und zu sinken droht, dann ermiß auch wieder in Zeiten, wenn dein Blick nicht solche ein zelne gewaltige, ragende Säulen gewahrt, das weithingebrcitete Fun dament, stark genug einen neuen Tempel zu tragen! So geh' an'S Such der Geschichte, und es ist dir nicht ein Buch mit sieben Sie geln verschlossen, eS ist dir daS offene Buch deS Lebens, dein Auge wird heller, dein Herz schlägt höher, voller Much und Hoffnung er kennst du, wie alles Leben ein eines, großes, ewiges ist, wie kein ! Zweig, keine Blüthc, kein Tropfen BluteS daran, verloren! Du er scheinst dir selber größer, wenn Du'S recht völlig durchfiihlst, was eS heißt: ein Theil im Ganzen zu sein, so wirst du selber ein ganzer Rann; und, werdtn'S Biele, — dann wehe Dem, der die heilige Krone deS Ganzen antasten will! Versage dir den Schmerz dabei I nicht. Erst wenn Du alles Leid, das dein Volk je empfunden, voll- I kommen durchfühlt, wenn du weißt, warum cö gelitten, wie oft durch I eigene, wie ost durch fremde Schuld, — dann geht dir die Freude I auf darüber- wie viel UrkcrnhafteS in unserem Wesen, daß eS gebeugt I aber nicht gebrochen werden kann, daß eS sich in seiner Kraft aus I aller Schuld und Unbill um so schöner zu verjüngen vermocht, und I die Freude deS Erkennens wird dir zur Freude an eigner That. So I wachst du heran in der Geschichte deines Volkes, wirst stark in sei- I »em Ringen, wirst klug in allen Lehren, die jenes empfangen, wirst I bewußt, wie eS zum Bewußtsein gekommen, wirst ein Mann in der I Liebe, zu leben und zu sterben für dein Volk! To betrachte seine I Geschichte, nicht geblendet von ihrem Sonnenscheii», nicht geschreckt I durch die dunkelste Nacht! Sieh nur, wie daS deutsche soll in der Geschichte aüstritt! Es war in einer Zeit, da Rom zur Weltherrschaft voranschritt. Nach allen Seiten flogen die römischen Adler. Da drangen germanische Stämme jen Italien heran und schlugen die Le gionen, und Rom zitterte, wie nie, vor, den blonden Riefen deS Nor dens, jenen Kimbern und Teutonen, die der unwiderstehlichste Trieb nach Wanderschaft und Abenteuern jen Süden bewegte. Als MarwL/ sie besiegte, stand Rom im Wendepunkte seiner moralischen Krafts Von da an konnte eia Cäsar, eia DrusuS die germanischen Männer auf germanischer Erde aufsuchcn; Rom konnte Pflanzstädte gründet», an Donau und Rhein; aber eS hatte die Grenzen seiner Herrschaft gefunden seil jenen Tagen im Teutoburger Walde! . ES ist bedeutungsvoll, daß zur selben Zeit, als Arona derChe- ruSker deutsches DolkSthum vor Romanifiruag errettete, JestUKHristuS in Judäa heranwuchs. Zwei neue Keime waren in die RWfchheit eingcsenkt, daS germanische Wesen und das christliche. Beidestürzten mit Rom, die ganze alt« Weltordnung in Trümmer nieder; beide vereinigten sich und bildeten eine neue, eine christlich-germanische Die germanischen Stämme trugen sie von Brittaniea bis Spanien über die ganz« weiland römische Erde. Da wuchsen überall neu« Ge schlechter aus germanischen Säften, Geschlecht: der ftischm Kraft, nicht minder bildsam als tüchtig. Aber von einem TesammtbewuKt- sein aller germanischen Völkerschaften war noch keine Ahnung. Jede kämpfte um ihre besondere Existenz auf Leben und Tod, mW eben daS Christenthum gab die Lösung bei diesem furchtbaren Kämpft, dessen Endziel doch nur der Anfang zu einer Einigung war. AlS die Waf fen endlich ruhten und «ur noch, wie zur Nachfeier der KriegSfianune, der Qualm von Scheiterhaufen emporstieg, auf denen man Hexe» verbrannte, schien im allgemeinen Gräuel der Verwüstung daS letzte und höchste Gut eines Volkes, daS Nationalgefühl, verloren gegangen *zu sein; — zahllose große und kleine Höfe mit größerem oder gerio? gercm Derderbniß und Absolutismus, zahllose reichsunmittelbare Städte mit mehr oder minder Philisterthum; viele Gelehrte mit wenig Geist; in dem heiligen Strom der deutschen Sprache tausend Kanäle ftemder Sprachen geleitet; — wer mochte unter solchen Umständen auf eine Zukunft Deutschlands hoffen, da ein deutsches Volk nirgends mehr vorhanden zu sein schien? ES bedurfte, nachdem eS nach Innen so namenloses Leid über sich halte ergehen lassen, der einschneidendsten Wunden durch daS Schwert des Fremden, damit eS sich erhob, und, die Schmach ab- schünelnd, in den Flammen eines heiligen Krieg«- sich läuterte. Ner watsch, als der Leib deS deutschen Volkes noch im Scheintod« lag, hatteder Seist nicht geschlummert, sondern rüstig vorangearbeitet und in den Schlachten rauschten nicht blvS die Lieder Kirner'S, au«G,die Geister KlopstockS und Schillers schritten den Freiheitskämpfern voran.