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Adorm Grenzome Dies Blatt enthält die amtlichen Bekanntmachungen der Amtshauptmannschast Oelsnitz, des Amtsgerichts, dec A nts. anwaltschaft und des Stadtrates zu Adorf. Diese geitung erscheint an jede« Wochentage nachmittag mit dem Datum de» folgenden Doge». Sonnabend» liegt di« Sseittge Sloman-Beilage »Neue Illustrierte^ bei. Fernsprecher Nr, 14 Verantwortlicher Schriftleiter und Verleger Otto Meyer in Adorf. Postscheck-Mo. Leipzig 37369 WZ. Freitag, dSA 14. November 1824. 88. . ^Auf Blatt 178 des Handelsregisters, die Firma Bra«bachcr Trieotagen- sübtist Göldner L Klnyre m Brambach betreffend, ist heute eingetragen worden: Fabrikdirektor Adolf Schindler in Werdau ist Einzelprokura erteilt worden. Ke?. 253 24.Amtsgericht Adorf, am 12. November 1924. An die Bezahlung der am 5. d. Mts. fällig gewesenen Mietzins steuer für den ^ionat November 1921 wird hiermit öffentlich erinnert. Schriftliche Mahnung Nölgt nicht. Mahngebühren find nunmehr erwachsen und außer den Verzugszuschlägen M abzuführon. Nach einer Woche müssen die Rückstände zwangsweise beigetrieben werden. Adorf P V., 13. November 1934. Der Stadtrat. Zur Vermeidung von Stör«nqen der Wahlversammlungen wird sauf den °urch das Gesetz zur Aenderung des Strafgesetzbuches vom 23. Mai 1923 neu emgefühten 8 107 g des Strafgesetzbuches hingewiesen, der folgendermatzen lautet: 8 107 a. Wer nichtverbotene'Versammlungen, Aufzüge oder Kundgebungen mit Ge Walt oder durch Bedrohungen mit einem Verbrechen verhindert oder sprengt, wird mit Gefängnis, neben dem auf Geldstrafe erkannt werden kann, bestraft. Wer in nichtoerbotenen Versammlungen oder nichiverbotenen Aufzügen oder Kundgebungen Gewaltätigkeiten in der Absicht begeht, die Versammlung, den Aufzug oder die Kundgebung zu sprengen, wird mit Gefängnis und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafe bestraft. Wer Wahlversammlungen stört, setzt sich also der Gefahr strenger Bestrafung aus. Adorf, den 10. November 1924. Der Stadtrat. Nachdem durch das Gesetz vom 30. August 1924 (in Kraft getreten am 11. Okto ber 1924) die neue Reichsmarkwährung eingeführt worden ist, werden mit Wirkung vom 1L November d. I. ab die Konten bei unseren Kassen auf Reichsmark gestellt, wobei eine Bill.-Mark oder eine Rentenmark gleich 1 Reichsmark ist. Adorf i. V., den 12. November 1924- Städt. Sparkasse. Stadtgirokasse Zayerns ReiKsirme. Aus einer „KönjgöproNamatton" des Kronprinzen Rupprecht. , Zu den mehrfachen Andeutungen Ludendorffs von kner angeblichen „Königsproklamation" des Kronprin- in den Tagen des Hitlerputsches im November vo-, Äen Jahres bringen jetzt die „Münchener Neuesten, Nachrichten" den Entwurf eines Aufrufes des Kron- Hinzen, den dieser damals veröffentlichen wollte. EK kißt darin u. a.: 1 „Gerade an dem fünften Jahrestage der Revo» ^ion, die das deutsche Volk in traurige Hilflosigkeit "Ersetzt hat, haben überstürzte Handlungen, deren vater- ^dische ideale Beweggründe ich keineswegs verkennen dill, neues schweres Unheil gezeitigt. Bayern stan- gegen Bayern, Deutsche gegen Deutsche in einem Augenblick, da furchtbarste Not alle Deutschen fester kenn je zusammenschließen muß. Was mich mit beson derem Schmerz erfüllt, heißt es weiter, ist, daß diejeni- ien gegeneinanderstehen, die alle das gleiche hohe Ziel Erstreben, während nur die Wege, auf denen sie ihr Äeal zu erreichen hoffen, verschieden sind. Darum Waffen nieder, denn die Folgen eines unglück- Kchen vierjährigen Krieges und die Trümmer einer fünfjährigen Revolutionsperiode können nicht durch ^Nen einzigen verzweifelten Anlauf beseitigt und auf- gerollt werden." , Der Entwurf des Aufrufes schließt mit den Wor« ^N: „Reicht euch über alle Meinungsverschiedenheiten Un neuem die Hand und steht wie ehedem in fester Manneszucht zusammen, die unser Ruhm und die Wur« unserer Kraft war und die auch die staatliche Wie- ^gebürt zeitigen wird. Meinem Herzen stehen allo ??he, die guten deutschen Willens sind. Es ist der Miere Ernst der Stunde, der mich aus meiner Zurück- Mtung herauszwingt. Ich wende mich an den gesun- Zinn des Volkes. Das starke deutsche Bayern Md das neuerstehendc friedliche und seiner Aufgabe "oll bewußte Deutschland gehören unzertrennlich zu- lawmen." Zur AnswertunMage. Richtlinie» der Juristischen Arbeitsgemeinschaft. Die Juristische Arbeitsgemeinschaft für Gesetz- sEvungsfragen hat sich eingehend mit der Aufwertungs- ^age befaßt. Sie ist dabei zu einem Ergebnis gekom- das sie in einer Entschließung niedergelegt hat, der es heißt: Unverzüglich sind Vic in -er Stcnernotverordnung «nv Dnrchführnngsverordnnngcn für Anmeldungen nnv Vn- Me bestimmten Fristen, -ie mit -em 31. Dezember 1N24 z» verlängern. Ter Aufwcrtungssatz für Vvtheken nnv für die Vurch Hypotheken gesicherten per- »lichen Forderungen ist erheblich über 15 Prozent zn er- Kn. Der Aufwcrtungssatz gilt als Rormalsatz. Gläubi» " »der Schnldner können eine Erhöhung oder Herab- des Rormalsahe» verlangen, wenn er nach den bc- deren Umständen des Falle» eine grobe Unbilligkeit . *t«t. Ueber das Verlangen entscheidet eine Lchie»»- 'st eine baldige angemessene Verzinsung „,t^"^werteten Hhpothekcn über die in der 3. Ltcuer- ktor-nung vorgesehenen Zinssätze hinaus anzuordnen, «oldmarkwert der nach dem I. Fanuar 1«>8 mundeten Hhpotheken ist mit Rücksicht auf die höher, «r E>eS Geldes im Jnlandc höher anznsetzen, ast vH ans dem DoUarkursc ergibt. Die Juristische Arbeitsgemeinschaft erblickt in Dei Erfüllung dieser Forderungen das Mindestmaß des für einen gerechten und billigen Interessenausgleich Not wendigen. Diese Vorschläge scheinen in der Tat geeig net zu sein, zur Lösung dieses schwierigen, vielumstritte- ne» Problems beizutragen. Deutsches Reich. Nntcrschlagung eines Justizbeamten. Berlin, 12. November. Nach Unterschlagung von etwa 360 000 Mark zum Teil amtlicher Gelder ist der Justizoberfekretär Huster vom Amtsgericht Berlin-Mitte flüchtig. Er verwaltete die Wirtschaftsgelder des Amtsgerichts, den Fonds für Zeugengebühren und eine gemeinsame Kasse seiner Kollegen. Die ihm anver trauten Gelder hat der Geflüchtete teilweise aus der Rennbahn, teilweise im Spiel verloren. i Für Vie Freiheit der deutschen Luftschiffahrt. London, 12. November. Der „Daily Telegraph" meldet, daß die deutsche Regierung entschlossen sei, den englischen Luftverkehr über Deutschland zum Still stand zu bringen, da es der Zivilabteilung des engli schen Luftfahrtministeriums nicht gelungen sei, Frank reich zu bewegen, den von Deutschland geforderten Abänderungen der Luftfahrtbestimmungen des Frie- Lensvertragcs von Versailles zuzustimmen. Nach dem 1Z. November werde Deutschland nur noch gestatten, daß solche Flugzeuge deutsches Gebiet überfliegen, die nicht größer und stärker sind als deutsche- Flugzeuge, wie sie Deutschland selbst bauen darf. Die Flugzeuge, die Deutschland auf Grund der Bestimmungen des Friedcnsvertrages bauen darf, sind jedoch nicht stark genug, um bei großen Ueberlandflügen die notwendige Sicherheit zu gewährleisten. Das amerikanische Gowschiff. Newhork, 12. November. Der 101 200 000 Dol lar betragende Teil der deutschen Anleihe, der in Newhork untergebracht worden ist, wird nach Abzug der Kosten für den Verkauf der Bonds an die Reichs bank geschickt werden. Das Geld wird in Form von Gold geliefert, und es wird die erste Goldsendung nach Deutschland seit dem Ausbruch des Krieges sein. Die Goldsendungen werden nach und nach erfolgen, und von dem Betrag wird nichts in den Vereinigten Staaten verbleiben, wie früher angenommen worden ist. Die Einzahlung der Gelder für die Anleihe vollzog sich glatt und wurde im an Manischen Geldmarkt bei dem Ueber- sluß an Umlauf«-, celn überhaupt nicht gespürt. Neueste Nachrichten. — Der österreichische Eisenbahnerstreik ist heute nacht beendet und der Zugverkehr wieder ausgenommen worden. England: Reinigung der Arbeiterpartei. - Die Arbeiterpartei hat beschlossen, alle Mitglie der, die zugleich der kommunistischen Partei angehö- cen, auszuschließcn. Die Arbeiterpartei dürfe in ihren Reihen nicht Mitglieder einer anderen Partei dulden. Die Kommunisten seien besonders deshalb auszuschlie- ßen, weil sie ihren Parteistandpunkt nicht ans den eng lischen Verhältnissen herleiten, sondern durch Befehl aus Moskau empfangen. Oertliches und SSchfisches. Adorf, den 13. November 1924. — Wie wir von zuständiger Stelle hören, beabsichtigt der Turn verein E. D., Adors i. D., zum Totensonntag nach längerer Pause durch die ihm angegliederte dramatische Vereinigung mit einem dem ernsten Charakter des Tages entsprechenden Stück an die Oeffentlichkeit zu treten. Wir werden nicht versäumen, sobald wir Gelegenheit haben mehr zu erfahren, unsere Leser von dem Titel und Inhalt des Stückes zu unterrichten. — Wie tief sich der Haß zwischen zwei Eheleuten festsetzeir kann, zeigt ein Fall im nahen Rcbersreuth. Zwischen den Eheleute» N. bestanden schon länger Zwistigkeiten. Wiederholt machte der Ehemann sich Lust durch Schimpfereien aus seine bessere Ehehälfte, so daß letztere schon früher einmal sich gezwungen sah, polizeiliche Hilse in Anspruch zu nehmen. Doch auch versöhnliche Worte voll dieser blieben erfolglos, bis es am Montag nachts zu Tätlichkeiten Kam. Mit der Aufforderung an die Ehefrau, die Stubentürc ihrer Wohnung zu öffnen, begehrte der Ehemann Eintritt, und weil ihm dieser verweigert wurde, schlug er eine Fensterscheibe ein, vermutlich um dadurch seine Ehefrau in Furcht zu setzen. Doch der Mann hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Anstatt daß er ein gelassen wurde, bekam er aus der Stube heraus einen wuchtigen Schlag mit einem Beil auf den Kops, so daß ihm das Blut in Strömen über das Gesicht floß. Der Mann hatte noch die Kraft, die Stubenlür einzuschlagen, doch fand er die Stube leer. Nun schlug er vvn außen mit Steinen von mehr als L« 3tr. Gewicht noch 7 Fe«>'ter ein, wodurch die Wohnung ein Bild trostloser Verwüstung bot. Der Ehemann mit blutüberströmtem Gesicht wurde durch die Polizei nach Adors gebracht, und weil der Arzt die Kopfwunde für nicht ganz ungefährlich hielt, fand der Verletzte einstweilen Unterkommen im Krankenhause, während die Ehefrau, in die Gefängniszelle wandern mußte. — Der Vogtländische Klub zu Leipzig veranstaltet am 22. No vember 1924 im Krystallpalast einen großen Heimat- und Theater- «bend. Das weithin bekannte Mitglied des Klubs, Gustav Götz aus Wernitzgrün, hat ein oogtländisches Volksstllck mit Gesang und Tanz in 3 Akten, „Rosemarie" oder „Die Kirwe in Fichtntol" verfaßt und komponiert, das an diesem Abend die Uraufführunr erlckt. Gustav Götz, in weiten Kreisen als Künstler mit hohem Streben und bedeutendem Können bekannt, legt in diesem Werke ein tiefes Bekenntnis znr schönen Bogtlandsheimat ab. Auf diese Veranstaltung, bei der 50 Darsteller (darunter auch ein ^Adorfer) und 20 Musiker Mitwirken, wird besonders hingewiesen. Das interessante Programm hängt in unserem Schaukasten aus. Klingenthal. Die Stadtverordnetenversammlung ver pachtete aufs neue städtisches Gelände an die hiesige SchUtzenqesrll- schaft, beschloß aber, im Vertrage scstzulegen, daß derselbe fofort gekündigt werden kann, wenn die Schützcngesellschast bei ihren Veranstaltungen rcpublikfeindliche Fahnen oder Abzeichen zur Schau trägt oder republikfeindliche Veranstaltungen auf dem Gelände unterstütz« yder duldet. Leipzig. (Ein neuer Raubübcrfall.) Noch ifr der Ueberfall auf Professor Trautmann nicht geklärt, und schon wird ein ähn licher Vorfall gemeldet. Am Sonntag wurde ein Kaufmann, der vom Roßplatz aus hinter dem Museum der bildenden Künste durch die Anlagen nach der Schillerstraße ging, plötzlich von einem fremden Menschen um eine Zigarette angesprochen. Der Mensch nahm aus der ihm dargereichtcn Schachtel nicht nur eine, sondern etwa acht Zigaretten heraus und forderte dann Geld. Auch dieses sollte er erhalten. Mit ein paar Mark war er jedoch nicht zufrieden, sondern raffle dem Kaufmann die ganze Summe, die dieser aus der Brief tasche genommen hatte, aus der Hand. Dann griff er nach dec Taschenuhr, machte sie von der Kette los und steckte sie zu sich. Schon bei Forderung der Zigarette hatte er gesagt, daß er einen Revolver bei sich hätte. Der Ueberfallcnc hat alles über sich ergehen lassen, weil er ohne jedes Mittel war, um sich wirksam zu verteidigen. Nachdem der Räuber die Uhr zu sich gesteckt hatte, verschwand er. Die geraubte Uhr ist eine goldene Ncmontoiruhr ohne Sprungdeckel mit römischen Ziffern. Der Ueberfall kann mit dem Anschlag aus Professor Trautmann nicht in Verbindung gebracht werden, d« dieser Räuber bayrische Mundart sprach, während die Täter jenes Ucbcrfalles eine ausgesprochen breite Leipziger Mundart hatten. Roßbach. Dieser Tage stattete in Roßbach eine Einbrecher bande beim Bäckermeister Christian Zapf und im Schnittwaren- geschäft Reinhold Blank einen Besuch ab. Bei Herrn Zaps ist es ihnen gelungen, sowohl die Haustür als auch die Ladcnlür mittelst Sperrhaken zu öffnen und der Ladenkasse einen Betrag von etwa 200 Kr. zu entnehmen. Bei Herrn Blank, wo sich die Diebe durch Eindrücken einer Glasscheibe das Fenster des unbewohnten Ladens öffneten, nahmen sie verschiedene Sachen, wie Bettzeuge, Hemdentuche usw. im Werle von etwa 3000 Kr. mit. Obwohl gleich am nächste» Morgen die Spur der Täter unter Zuhilfenahme eines Polizeihundes bis in das sächsische Eichigt ausgenommen wurde, konnte die Diebs- gescllschast nicht ermittelt werden. — Das Wetter morgen Freitag: Windig, mild, uberwiegenir wolkig bis trüb, Regen.