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Dienstag» äen 13. November 1917 12. Jahrgang Nr. 2S4 fluer Tageblatt Mtzeis« für Sas Erzgebirge WW SZZLÄLL mit -er wöchentlichen Unterhaltungsbeilage: /wer Sonntagsbla«. "«'u'»'» MuÄ«!»^Än,'s»wi« EprechftimS« üer »te-akvon mit Ausnahme üe, Lenntag» nachmittog» 4 5 Uhr. — r,l»gramm-fl-r»fs»r engrblatt stueerzgettrg«. Zrrnsprichrr SZ. xmmp«, HW«z, SNr unorrlangi .,ng,ran»t. Monnskri»,» kann -nvähr nicht geleistet wrr-.n. Im Loröevole-Tal 4SVS Italiener gefangen. Ueber zwel Milllsne» Kriegsgefangene in veutfihlaa-. 1699- Tsnaeu versenkt. f Italiens Zusammenbruch M „unä äietzSchweiz. Aus Bern wirb gemeldet» Lite italienische Kata strophe hat einen ungeheuren Eindruck in der Schwei gemacht; das schweizerische Volk sowohl, wie die kosmo- -olitisch« Frcmdevbevölkcrung 'der helvetischen Republik, Gesinden sich in begreiflicher Aufregung und wähnen we Entscheidungsstunde des Weltkrieges und den erlösen den Völkerfrieden nahe. Da «ist es kein Wunder, daß besonders in den ersten Lagen der Niederlagen der i)eere Cadornas, wie in den ersten Wochen nach Kriegs. Ausbruch, wieder die wildesten Gerüchte über eine be vorstehende Verletzung der schweizerischen Neutralität seitens der Kämpfenden und die Verwicklung der Schweiz in das europäische Ringen verbreitet und geglaubt wur den. Aber nicht die militärischen Folgen der italieni- chen Niederlagen sind es, welch« ernste Kreise in der Schweiz heute noch fürchten, sondern di« wirtschaft- ichen, und diese sind in der Tat nicht unbedrohlich. -Qie «wenigen Lebensmittel, ivelche di« nun von der interne aus Präsident Wilsons Veranlassung blockierte Schweiz noch aus Frankreich und Italien erhielt, wer. den in Zukunft vielleicht völlig ausbleiben. Wenn die siegreichen Zentral»,ächte Norditalien, oder auch nur »inen Teil Norditaliens besetzen sollten, würde natur- pemäß die italienische Lebensmittelausfuhr nach der Schweiz versiegen, und falls der von der gesamten Lntentepresse mit merkwürdiger Einmütigkeit ausgespro chene Gedanke ^ich verwiWcht, der Hauptschauplatz pnd das Schwergewicht der militärischen Operationen im vier ten Jahre des Weltkrieges nach Italien verlegt werden sollte, würden die so wie so schon stark desorganisierten 'ranzSstschen Bahnen zukünftig mit Trupven- und Ma. terialtransport überlastet sein, so daß die Schweiz auch von der französischen Zufuhr so gut wie abgeschnitten wäre. Ties« Möglichkeit erfüllt auch dir Regierungs dreis« in Bern mit Sorge, und aus diesem Grunde sieht bas schweizerische Volk der Entwicklung der KrtegSer- rignisse in Italien mit großer und etwas banger Span nung entgegen. Eine groß« Hofftimng übertönt jedoch diess verständ lichen Nahrungssorgen 8 die Erwartung, daß di« an- -?.eblich in Italien bevorstehende Entscheidungsschlacht auch d«n Weltfrieden bringen wird. Dich« optimistisch« Ansicht ist besonders in finanziellen Kreisen stcuck ver- breitet, und äußert sich bereits am langsamen Steigen der Devisenkurse. In diplomatischen Kreisen der Bun deshauptstadt ist man, wie immer, tveniger optimistisch, man weist dort, wohl nicht ohne Grund, auf die starre Hartnäckigkeit Englands und Amerikas hin, und be hauptet, diese Widey-Staaten werden selbst nach einem endgültigen deutschen Sieg in Italien von den Zentral, rnächten erneuertes Friedensangebot zurückweisen, und auch Frankreich zwingen, sich ihrer Ablehnung anzu- ichließen. Tiie Ententegesandten in Bern gebärden sich ün diesen, für sie so trüben Spätherbsttagen ostentativ kriegerisch, aber «S liegt naturgemäß, viel berechnete Pose in dieser Haltung, und es bleibt abzuwarten, welche Wirkung die italienisch« Katastrophe, wenn sie sich wei ter entwickelt und in ihrem ganzen Umfang« in den Ententelöndcrn bekannt wird, besonders auf di« Be völkerung und das Parlament in Frankreich ausüben wird. In einer Hinsicht rüst die militärisch« Schwächung Italien in der Schweiz, bei aller Neutralität der Ihm- pathien. eine unverkennbare BefriMgung hervor. Jta- Ncn war von jeher die einzig« unt^r den kriegführenden Mächten, der die Schweizer ernstlich den Plan zutrau- len, eine» Tages über st« herzufallen. Tie italieni schen Ansprüche auf den Kanton Tessin sind von der chauvinistischen Press« Italiens stet» ganz unverhüllt ge- äußert worden, und militärische Erfolge konnte st« nur stärken und die Stunde des Uebarfalls näher zu rücken. Mit diesem räuberischen Traum der Italiener ist es nun vorbei, und deshalb waren selbst die «ntentssreundlichen Welschschweizer zuerst über di« Niederlagen Cadornas nicht unglücklich. Die gleiche Schadenfreud« war sogar auch an Franzosen und Engländern Mer in der Schweiz bu bemerken, denn Italien galt stet- unter ihnen al» ein schlechter, selbstsüchtiger Verbündeter. Die Grüße und die furchtbare Tragweite der Katastrophe für die gesamte Entente hat natürlich dieses stille Vergnügen inzwischen in ahnungsvoll«» Entsetzen verwandelt. Von äen Ironien«, B»d«»t«»de F»«»t»«»kA»zn»g tu Italien. In Flandern griff am 11. 11. 7 Uhr 1ö MiA° vormittags der Feind nach kurzen» FeuerüberM nochmals in Gegend Passchendaele an. Auch dieser Angriff schei terte ebenso blutig wie die fünfmaligen Anstürme gegm unsere dortigen Stellungen am Vortage. Vom Vormittag ab lag an der Front von Keyem bi» Zandooorde bei beffer «erdender Sicht weit in» Hintergelände reichende« feind liche« Störungsfeuer, das sich in Gegend nordöstlich Poe!» kapelle und vom späten Nachmittag ab auch an der KM« mit besonderem Nachdruck auf den Userstellungen Mich Nieuport erheblich steigerte. Am Nachmittag und während der Nacht «mrtzs» Bahnhöfe und Lager hinter der feindlichen Front erßstz« reich mit Bomben belegt. In Boberinghe wurden Brande und Explosionen beobachtet. Aus der monatlichen Abschlußzahl feindlicher Flug zeuge und Fesselballone geht hervor, daß wir nach wie vor die Uebcrlcgenhett in dec Luft besitzen. Während in Italien an der unteren Piave der Feind den S Kilometer breiten Flußabschnttt hält, dringen die Verbündeten im Gebirge unaufhaltsam vor. Schon haben sie von Bellnno her Feltre erreicht, während sie weiter südlich den Brückenkopf Bidor erstürmten. Nördlich Belluno mußten übermal» 10000 Italiener di« Waffe» IllllillllllllllllllllllillllllllllllllilllllilllllllilllillllllllillilllllllllllllillUIIINIIIIIIIIIIIIIIiililillllllllll NeMMt Mel die MgslW Amtlich wird aus Berlin gemeldet vom Abend des 12. November! Im Westen, Osten und Mazedonien keine größeren Kampfhandlungen. — Im Cord«volr-Tal westlich von Belluno wurden 4000 Italiener gefangen MWtljlhMeBMhtWheute (Amtlich.) Große» Hauptquartier, 13. November. westlicher AriegsfM«»pl*H zr.ut »e« Ge»ere>lirlvm«rs»«ll» Kronprinz«, Neppreit. von Pa,er» In Flandern wiesen wir durch Feuer den Gegen stoß beider Erkundungsabteilungen ab, die am frühen Morgen von den Belgiern, im Dsergebiet von den Eng ländern aus der Kampffront gegen unser« Stellungen oorgetriebcn wurden. Ter Artilleriekampf blieb gerin ger als an den Vortagen. Am Abend verstärkt« sich da» Feuer bei Tixmuiden und in einigen Abschnitten d«s Hauptkompfselde». Front des deutsche« Kronprinz««. Nördlich von BruhereS brachte ein entschlossen durch geführter Handstreich unserer Infanterie Gefangene und Maschinengewehre ein. Auf dem östlichen Maasufer war die Arttllerieschlacht tagsüber lebhaft. Leutnant Vongartz errang seinen 22., Vtzef«tdwebel Buckler seinen 25. Lustsieg. restlicher Kriegsschnnpl«,. Bon der Bahn Riga—^Petersburg wiesen unsere Truppen den Angriff einer russischen Streifabtetlung ab. Südlich von Gorrodischtsche war ein Unternehmen deutscher und österreichisch-ungarischer Stoßtrupps er folgreich. j An der Mazedonische« Front schwoll der Artilleriekampf auf den Höhen östlich von ! Borelles und am Cernabogen zu erheblicher Stärke an. » Italienische Front. In den Siebengemeinden entrissen wir den Ita lienern den Monte Bongora. Ti« im Gebiet -wischen dem Sugana-Schismontal vorgehenden Truppen er stürmten das Panzerwerk Leone. Der E. Dikampo und die Panzerfest« E. Dtlan von Fvneaso ist in unser«« Besitz. An vor Piave hat das ArtillerieMer zuge nommen Der erste »eneral«n«»ti«««etH«r ,rö. r. v.) «»»«Bdrff. UIIIIUUlllUillllUIIIUIillUUNNIIIUIIIUIIIIIIINIIilillililillllNillllllllllUMIlMMUMUlMgg strecken, da ihnen verbündete Truppe« dort ine enge» Flußtal den Weg verlegt hatten. Wa« an Krieg-material und Geschützen noch im Gebirge steht, läßt sich nicht annähernd überblicken. Mit dem Erreichen de« Piave-Linie und de« westlichen Feltre hat sich di« Frost linie gegenüber der alten Stellung vor Beginn der IS. Jsonzoschlacht um drei Viertel der gewaltigen Ausdehnung verkürzt. üedek rwel MMionrn Hriegtgefangtltt! Infolge unserer Erfolge in Italien hat die Zahl unserer Gefangenen die Rekordziffer von zwei Millionen überschritten. Die Zahl enthält nur diejenigen KriegSge- zefangenen, die in unfern Gefangenenlagern listenmäßig eingetragen sind. Nicht enthalten sind darin die auf Transport Befindlichen, die auf der Etappe, in Quaran tänelagern usw liegenden, ferner die durch Austausch oder Lod in Abgang gekommenen und endlich diejenigen» die sich in der Hand unserer Verbündeten befinden. De» Kaiser auf dem italienische« Kriezsschauplatz. (Amtlich) Se. Mnj. der Kaiser hat am 10. Novem ber mittags eine Reise nach dem italienischen Kriegsschau platz angetreten. Am 11. November traf er in der Nähe von Triest mit Sr. Kaisexl. und König!. Apostolischen Majestät Kaiser und König Karl und Sr. Maj. dem Zaren Ferdinand zu längeren Besprechungen zusammen, > an denen auch die Chef« der Generalstäbe, General van Arz und General Jckow, teilnahmen. Am Abend setzte S«. Majestät die Reise nach eitlem Hafen der deutschen U-Boote an der Adria fort. Ztegemann über Sie ilMnircbtn kieüerlä-e». i Im Berner Bund schreibt Stegemann zur Lage an der italienischen Front; Die Italiener können nickt« andere» tun al« dem Andrang des Feindes wehren, der nicht locker läßt und während der Verfolgung bereit« Truppen zu freiem operativem Gebrauch ausscheidet, die er auf der verkürzten Angriffsfront zwischen dem Meer« und den Vmcentinischen Alpen nicht mehr nötig hat. Strategische Möglichkeiten bieten sich den Italienern also kaum, ehe sie die Etsch-Linie befestigt haben. Dis Ein bußen der italienischen Armee an strategischem Raum, lebendigen Kräften und Material sind schon so groß, daß der amerikanische Einsatz zum großen Teil ausgeglichen erscheint. Da die französisch-italienischen Bahnen schwer lich mehr als zehn Divisionen zur Front schieben können, ehe die deutsch-österreichische Heeresleitung zu neuen Schlägen anSholt, so ist nicht abzusehen, wie die Wiederherstellung der strategischen Lage ohne Gefährdung der Lombardei zustande kommen soll. (W.T.B.) Beginn der rkSnmnng Venedig». D«S Journal de Geneve meldet der Köln. Zeitung zufolge aus Rom, daß mit der Räumung von Venedig begonnen worden sei- Die Franzosen Hinte» der Brenta. Die Südd. Korr. meldet aus Genf: Der Matin Meldet aus Mailand: 80 Kilometer hinter der Piave- Stellung ist eine zweite italienische VerteidigungSstelle er richtet. In diese sind die französischen HÜfStrupprn ein- gemckt. Padua ist nicht mehr Sitz de» italienischen Hauptquartier«. «ngitfche -tmqstMnW. Ter Funkspruch Carnarvon vom 9. d. M. 1 Khr vormittags meldet r Unser« ManderntruppSn Haben während der letzten drei Dionatg SO deutsche Divisionen vernichtend geschlagen. Hierzu darf daran erinnert Weeden, dal Marschall Hatg bereits im Juni versprochen Gat, sich,«» Ockwber in Brüssel filmen zu lassen, und daß di« rngktfch« Be richt« bereits Anfang Oktober verkündeten, sie könnt« jeden Tag den Bewegungskrieg gegen di« deutsch« Alan« dernarmee beginnen. Während nach wt« vor die eng lischen Massen durch den blutigen Flandernsumpf* gegen ein und dieselbe Stellung gehetzt werden und in vielen Monaten nur zertrommeltes DrichtergvUnd« in gerin ger Brette und Tiefe besetzen konnten, haben di« Deut sch«» mit den Verbündeten in Italien die gewaltige Offensive begonnen, die üb« eine BtertelmtNion Ge fangene und mehr al» SSOO Geschütze innerhalb 14 Tagen «inbrachte uüd viel« tausend Quadratkilometer italienischen Boden» eroberte.