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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 21.02.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-02-21
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000221028
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900022102
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900022102
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-02
- Tag 1900-02-21
-
Monat
1900-02
-
Jahr
1900
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Tarif. «fxtra-Beilage» (gesalzt), nur mit der Morgen - Ausgabe, ohne Postbeförderung ttO.—, mit Postbeförderung 70.—. .Annahmeschluß für Anzeigen: Abend-Ausgabe: Vormittag- 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: Nachmittags 4Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je ei» halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Expeditt»» zu richten. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig Mittwoch den 21. Februar 1900. 91. Jahrgang. Politische Tagesschau. * Leipzig, 2 t. Februar. Die Presse des Zentrums rückt immer deutlicher mit den Forderungen heraus, die ihre Hintermänner für eine der Flottcnvorlage günstige Haltung im Reiche sowohl wie in Preußen stellen. Kaum ist dem neuen Cultusminister klar gemacht worden, wie er künftig das Schulregiment führen müsse, wenn er die preußischen CcntruuiSmitgliedcr bei guter Laune erhalten wolle, so wird dem Minister des Innern angedeutet, wie er den Gesetzentwurf über die Reform des Gemeindewahlrechts umzugestalten babe, wenn er den verbündeten Regierungen nicht einen Strich durch ihre Flottenrechnung zu machen gedenke. Rund heraus erklärt die „Köln. Volksztg.": „Es ist wirklich unglaublich, daß mau in einem Augenblicke, wo man im Reichstage von allen Seiten das Centrum wegen der Flotte n Vorlage umwirbt, dieses selbe Centrum im Abgeord- netenhause so glaubt brüSkiren zu dürfen, wie jetzt mit der Wahlvorlage geschehen ist." Gleichzeitig wird dem BundeSrathe unter Berufung auf Rom zu Gemülhe geführt, waS er seinerseits leisten müsse, wenn er auf daS Centrum in der Flottensache soll rechnen dürfen. Bisher hatten die klerikalen Blätter jede Anspielung von anderer Seite, daß für das Centrum in derartigen An gelegenheiten irgend etwas auf die „in Rom" bestehende Auffassung ankommen konnte, hastig znriickgewiesen; die „Köln. Volksztg." hat dies noch jüngst anläßlich der bekannten Aeußerung des vaticanischen „Osscrvatore Romano" über die Flottenrede des Abg. Schädler gethan. Jetzt aber liest man in der „Germania": „Wir glauben zu wissen, (und dafür bietet der Wortlaut des Artikels des „Osservatore Romano" immerhin einen gewissen An halt, daß der Weg einer Verständigung über die noch unge lösten Fragen der Flottcnvorlage, wie das Centrum ihn bei der ersten Berathung der Flottennovelle offen gelassen hat, auch in Rom erwünscht erscheint. Die zustimmende Er klärung, welche die Rede des Abg. I)r. Schädler in» „Osscrvatore Romano" gefunden hat, laßt darauf schließen. Das Centrum Hot in seiner langen und bewährten parlamentarischen Wirksamkeit den Beweis geliefert, daß cs seine parlamentarischen Entscheidungen nach sachlichen Gründen fällt und zu einer Verständigung bereit ist, so schwer auch ein solches Entgegenkommen für eine Partei sein mag, deren Wähler ihres katholischen Glaubens wegen im deutschen Reiche wie in Preußen noch unter Ausnahmegesetzen zu leiden haben, als Staatsbürger weder gleiches Recht noch volle Parität genießen und überall zurückgesetzt werden. Auch in Nom wird cs nicht un bekannt geblieben sein, daß der viermalige Beschluß des Reichstages auf Aufhebung des I e suit en g e setze s oder wenigstens deS 8 2 des Jesoitengesetzes bisher noch nicht die Zu stimmung des Bundesraths gefunden hat, auch in Rom wird man wissen, wie das Klostergesetz ganz allein katholischen Ordens- schwestern gegenüber mit einer bureaukratischen Kniftologie (!) ge- handhabt wird, von der die protestantischen Diakonissen nichts zu spüren haben; auch in Rom wird mau wissen, wie die Zu geständnisse betreffs der Anzeigepflicht bei Wiederbesetzung der Pfarreien trotz der Vorbedingungen, die der hl. Stuhl bei dieser Concession gestellt hat, nicht respectirt worden sind (?). Aus ¬ nahmegesetze, Verletzung der Parität, Chicanen aus allen mög- l-chen Gebieten, wo konfessionelle Gegensätze in Betrachl kommen, staatliche Abwehr der Katholiken von den Gemeindeverwaltungen durch eine „Gemeindewahlreformvollage", kurzum, die Mißstimmung der deutschen Katholiken, besonders in Preußen, wird man überall begreiflich finden und damit rechnen müssen, aber damit auch überall die Bereitwilligkeit zu einer Verständigung umsomehr einzujchätzen vermögen. „Lebhafte Hoffnungen" zu hegen, ist weder der „Osscr vatore Romano" in der Lage, am wenigsten aber die deutschen Katholiken, deren Hoffnungen bis jetzt unerfüllt geblieben find." Und nicht nur auf „Rom" stützt sich die „Germania", um den BundeSrath zur Aufhebung des Jesuitengesctzes zu bewegen, sondern sie stellt zum Preise ihrer „frommen" Schützlinge die seltsame Behauptung auf. Laß die Jesuiten fortsühren, „im AuSlande deutsches Leben und deutsche Wissenschaft zu verbreiten", und daß ihre Anstalten in den Vereinigten Staaten von Nordamerka, in Brasilien, Chile und Hinter indien „ohne Zweifel für Erhaltung und Förderung des Deutschthums mehr geleistet, als unsere Kriegsmarine". Hoffentlich sind die verbündeten Regierungen nicht darüber im Zweifel, daß sie auf die Erhaltung des coufessionellen Friedens oder vielmehr auf die Fernhaltung alles dessen, was den konfessionellen Unfrieden noch ver schärfen müßte, mehr Rücksicht zu nehmen haben, als auf die Wünsche „RomS". Jedenfalls befindet sich der Bundesrath, wenn er die Ordensthätigkeit der Jesuiten innerhalb der Grenzen des Reiches nicht duldet, in guter Gesellschaft nam hafter Katholiken und sogar solcher Leute, die, wie der Cardinal Manning, als Säulen der Kirche gefeiert worden sind. Wenn ein Erzbischof es mit den Anforderungen der religiösen Toleranz verträglich findet, daß er die Ordens thätigkeit der Jesuiten von seinem Sprengel fern hält, so brauchen sich die verbündeten Negierungen in ihrem Gewissen wahrlich nicht bedrückt zu fühlen, sofern sie das Gleiche thnn. Und wenn sie aus der Schrift „DaS Deutschthum in Chile" von vr. Johannes Unold ersehen, daß dort die von den Jesuiten gegründeten und geleiteten Erziehungs anstalten den eingewanderten katholisckcnDcutschen nicht nur die religiöse Duldsamkeit, sondern ihren Kindern auch Las Dentsch- thum schnell und gründlich auszutrciben beflissen sind, so werden sie auch die angeblichen nationalen Verdienste der frommen Väter nach Gebühr zu 'würdigen wissen. Ucbrigcns befinden sich die verbündeten Negierungen in viel zu günstiger Lage, als daß sie sich vom Centrum und seinen römischen Hintermännern Bedingungen vorschrciben zu lassen brauchten. Kommt die Floltenvorlage durch die Schuld Les Centrums zu Falle und werden in Folge dessen Neuwahlen nöthig, so wird sich bei der Stimmung im Lande ganz zweifellos zeigen, daß die überwiegende Mehrheit der Nation die Be willigung der Flottenvorlage für eine patriotische Pflicht erachtet und jeden „Kuhhandel" um Liese Vorlage als un würdig verwirft. Die Gährung, welche die Flottenvorlage im Lager der TocialSemokratic bcrvorgerufen hat, nimmt zu. Professor Sombart in Breslau ist vom „Vorwärts" als jammer volle Wetterfahne abgekanzelt worden, weil er in der neuesten Auflage seiner Schrift „Socialismus und sociale Bewegung im 19. Jahrhundert" blos wegen der Flottenpläne des Kaisers I seine wissenschaftliche Ueberzeugung geändert habe. „Genosse" II)i. Konrad Schmidt geißelt nun das Verfahren deö I socialdemokratischcn CcntralorganS in einer Zuschrift an letzteres und weist zugleich die Haltlosigkeit deS ehrenrührigen Vorwurfs nach. „Genosse" vr. Schmidt, der bei der letzten Reichstagswahl als Candidat im Wahlkreise Leipzig-Stadt ausgestellt war, faßt seine Kritik deS „Vorwärts" schließlich in folgenden Sätzen zusammen: „Und aus solchem Material einer durchaus willkürlichen Deutung baut sich die ganze, den wissenschaftlichen und Person- lichen Charakter des Mannes aufs Schwerste verdächtigende Anklage auf! Es sind Waffen, die sich gegen den Kämpfenden selbst kehren. Tas ist, wie ich überzeugt bi», der Eindruck, Len eine große Anzahl von Genossen bei dieser Anklage erhalten haben." Als ob der „Vorwärts" um solche und ähnliche Eindrücke der „Genossen" sich auch nur im Mindesten kümmerte! „Aufs Schwerste verdächtigende Anklagen" bat z. B. der Chef redactenr deS „Vorwärts", „Genosse" Liebknecht selbst, gegen den „Genossen" Bernstein geschlendert, indem er ihn, den lange Zeit so gefeierten Nedacteur des „Socialdemokrat", als Strohmann hinstellte und ihm jede wissenschaftliche Befähigung absprach. „Genosse" Bernstein war eben durch seinen Umsturz der Umsturztheorien der socialdemokratischen Orthodoxie unbequem geworden und deshalb blieb nichts unversucht, um ihm (wie „Genosse" Fischer am 5. September 1899 in einer Versamm lung des 2. Berliner Wahlkreises laut dem Berichte des „Vor wärts" sagte) die sociale Existenz in der Partei zu unter graben. Eine größere Rücksicht für einen „bürgerlichen" Gelehrten zu beanspruchen, als die Socialdemokratie ihren eigenen „Genossen" gewährt — dieses Verlangen des „Genossen" vr. Schmidt ist in der That überaus naiv. Jedenfalls aber beweist eS, daß cS im socialdemokratischen Lager bedenklich kriselt. Dasselbe geht daraus hervor, daß, wie social demokratische Blätter berichten, die süddeutschen Landtags- sractionen der Socialdemokratie nach einer vertrau lichen zweitägigen Conferenz, die sie am Sonnabend und Sonntag in Würzburg abgehalten, sich ge meinsam organisirt und das Sekretariat der bayerischen Landtagssractivn zu ihrer Centralstelle bestimmt haben. BemerkenSwertb ist die Mittheilung im „Vorwärts", daß „die Einhelligkeit der Auffassungen, die sich hierbei er geben, eine erfreuliche Aussicht biete auf die weitere parlamentarische Wirksamkeit im Interesse der Gesammt- partei". Objektive Beobachter werden es ein eigenes Zeichen der Zeit nennen, daß nun auch die süddeutschen Gruppen der Socialdemokratie sich eine Sonderorganisation schaffen. Offenbar ist die Neueinrichtung aus dem Be dürfnisse des Voll in ar'sch en Flügels hervvrgegangen, „sich für seine weiteren Actionen innerhalb der „Gesammtpartei" eine Gefolgschaft zu sichern, auf die gestützt, nicht mehr, wie auf Len letzten Parteitagen, die radic eilen Einseitigkeiten der Berliner Führung ohne Weiteres in Kauf genommen zu werden brauchen." Für die Wciterführung der Auseinandersetzungen, die zwischen dem Vollmar'scben Flügel und den Vor kämpfern des revolutionären Erfurter Parteidogmas in den letzten Jahren ausgcfochten nnd nur mühsam durch wortreiche Resolutionen verkleistert worden sind, verdient die neue Organisation und ihre künftige Wirksamkeit auf merksame Beachlnng. Die militärischen Vorkehrungen Frankreichs auf Madagaskar sind nicht ganz geringfügiger Art. Wie aus Len in der Budgetcommission der Deputirtenkammer ab gegebenen Erklärungen der Regierung zu entnehmen ist, soll der geforderte Vier-Millionen-Crcdit dazu benutzt werden, den Norden der Insel in militärischen VertheidigungSzustand zu setzen. DaS Centrum der geplanten Veranstaltungen bildet Diego Suarez. Die Garnison dieses Platzes soll ver stärkt und die Befestigung desselben aus- und umgebaut werden. Sobald der zum Höckstcommandirenden daselbst ernannte Oberst Joffre an Ort und Stelle eingetroffen sein wird, soll der Norden Madagaskars als selbstständiger Militärbezirk nach dem Muster Emyrne'S und der sacalavischen Provinzen eingerichtet werben. Alle obersten Machtbefugnisse laufen in der Hand des Obersten Joffre zusammen, nur die Stadt Antsirane soll der Autorität Les Obersten der Marine-Artillerie Brun unterstellt bleiben, der den dortigen Gouverneurposten bekleidet. Desgleichen ist letzterem Officier das Commando deS FlottenstützpuncteS und die Leitung der VertheidigungS- arbeiten bezüglich der Rhede von Diego Suarez Vorbehalten, für welche Functionen er dem Generalgouverneur General Galliern direct verantwortlich ist. Die ganze Einrichtung der militärischen Vertheidigung deS Nordens von Madagaskar ist so getroffen, als wenn es sich um Abwehr eines jeder Zeit zu gewärtigenden feindlichen Handstreiches handelte. Der Krieg in Südafrika. -t». Tie Königin hat gesprochen. Sie war sichtlich er freut, als sie gestern ein Miliz-Regiment inspicirte und sie ver kündete, daß gute Nachrichten vom Kriegsschauplätze eingetroffen seien. Nun schwebt auf einmal London wieder in den höchsten Höhen des Optimismus und möchte die erst vielgeschmähten Generale umhalsen; selbst Bnller, Len dreimal Geschlagenen, denn von ihm scheint man nu» ja wohl sagen zu können: Endlich Hal er cS doch gut ge macht. Tatsächlich bat Buller de» Tngela zum -ritten Male überschritten. Wir erhalten darüber folgende Nachricht: "London, 2V. Februar. General Buller tele- graphirt unter Sem hcutigen Tage ans Blowsfarm: „Tie Füsilier-Brigade nahm gestern Sen Hlaiigwanc- berg, Ser tsolcnso beherrscht. Ter FeinS hatte alle seine Truppen nordwärts des Tugcla zurück gezogen. General Hart besetzte heute Coleuso nach geringem Widerstande des schwachen Nachtrabs der Boercn. Tie Engländer halten jetzt das Süd- ilfcr des Tngela von Eolcnso bis GaglcSncst be setzt. Ter Feind scheint in vollem Rückzüget?) zu sein nnd nur die Stellung an der Bahnlinie Kolcnso-Ladh- sm ith mit schwachen Nachtrabs-Mannschaften zu halten. M Hart's Bortrab überschreitet zur Zeit den Flutz bei Colcnso. Ach hoffe, datz meine Verluste gestern nnd heute nur gering sind." Eine solche Nachricht wäre geeignet, alle Bocrenfreunde mit dec größten Betrübniß zu erfüllen —, wäre Buller nicht schon zweimal von den Boeren über den Tugela gelassen i wordeu, um mit schwersten Verlusten wieder zurückgeworsen I zu werden. Der Spionskop wird den Engländern ewig im I Gedäcktniß bleiben. Das geschah westlich von Colenso. Nun roj Hang Eickstedt. Roman in zwei Bänden von Anna Maul (M. Gerhardt),. Nachdruck verboten. Zehntes Capitel. Das Pensionat saß bereits beim Thee, als Hans am Sonn abend zu Gertrud kam. In ungeduldiger Erregung lief er in dem hübschen Zimmer auf und nieder, ohne zu gewahren, daß cs ihm zu Ehren mit Blumen und farbigen Stoffen be sonders stimmungsvoll decorirt war und daß ein Studienkopf, den er noch nicht kannte, auf der Staffelei stand. Die Thür zum Nebenzimmer war heute verschlossen, und so viel er hinhorchte, es blieb Alles still. — Man war freilich bei Tisch, dennoch fühlte er sich enttäuscht. Er war in so frohgespannter Erwartung hergekommen. Wie? Wenn sich heute gar nichts ereignete? Wozu wäre er denn hier? Endlich kam Gertrud, glücklich, ihn so ganz unbefangen an ihrer Lampe sitzend zu finden, als fühle er sich hier zu Hause. An seine Stimmungswechsel war sie nun schon gewöhnt, und fand es nicht bedenklich, daß das Warten ihn ein wenig ver drossen hatie. Seine Novelle, die er ihr mitgebracht, war eine wundervolle Uebcrraschung. Es gab jetzt schon eine Vergangen heit in ihrer Freundschaft, gemeinsame Erlebnisse, Meinungs verschiedenheiten, auf die man zurückkam, ein wachsendes Ver trautwerden mit den Gedankengängen und der Gefühlsweise des Andern. Hans hatte einige Scenen seines Stückes umgearbeitet und las sie Gertrud vor. Sie fand seine Nachgiebigkeit rührend, aber seine Aenderungen nicht gelungen. Er war übrigens zer streut, las ausdruckslos, hielt öfter inne und lauschte, worauf Gertrud jedesmal versicherte, das Nebenzimmer sei leer. Als dann drinnen die Thür ging, fuhr Hans förmlich zusammen, wechselte die Farbe und ließ das Blatt sinken. „Das taugt Alles nichts!" rief er. „Ich hab's satt! — Ich habe einen ncuen Plan, Gertrud. Hören Sie!" Er sprang auf und fing an, auf und nieder zu gehen. Drinnen wurden Violinsaiten gestimmt und ein geschickter Bogen spielte einige Läufe und Ärpeggicn. „Ah, Ihre musikalischen Verhältnistc vervollkommnen sich! Sie sind zur Kammermusik avancirt", meinte Hans, stehen bleibend. „Ja wohl, meine Nachbarin ist Schülerin von Joachim und hat viel Talent", bestätigte Gertrud harmlos. Warum wußte sie eigentlich nichts von seinem Zusammen treffen mit Fräulein Steinhäuser? Und warum thal er jetzt, als wäre die Violinspielerin im Nebenzimmer die letzte Person auf der Welt, die ihn etwas anginge? Im Auf- und Niedergehen begann er, mit erhobener Stimme und ausdrucksvollem Vortrag, Gertrud die Fabel seines neuen Dramas zu erzählen. Es dauerte nicht lange, so wurde drinnen der Bogen abgesetzt. Ein Stuhl rückte dort — Schritte näherten sich der Thür — aber nicht mit klappernden Hacken, wie Hans inmitten seiner feurigen Rede deutlich unterschied. Dann wurde cs ganz still. Man horchtc, verlor keines seiner Worte. Plötzlich, als er eine Pause machte, klopfte es an die Thür. Diese öffnete sich, bevor Gertrud, die mit allen Sinnen bei der Erzählung war und die Störung innerlich verwünschte, herein gesagt hatte. „Verzeihung, Fräulein Pilgrim, ich bin wohl sehr zudringlich", sagte das schöne blonde Mädchen, frank und frei auf Gertrud losgehend und ihr treuherzig die Hand reichend. „Ich wollte üben, aber es ging nicht. Ich horchte an der Thür, aber das schickt sich nicht. Darf ich zuhören? Guten Abend, Herr Doctor Eickstedt!" Sie bot auch ihm die Hand wie einem alten Bekannten. Ihm war das Blut ins Gesicht gestiegen. Er war in Verlegenheit, aber seine Augen strahlten. „Wie denn? Sie kennen Fräulein Steinhäuser?" fragte Gertrud betroffen. Er gab lachend eine Erklärung, die Gertrud undeutlich und erzwungen vorkam. Jählings, glühend überkam sie ein Gefühl, das sie noch nicht kannte, von Unwillen, von Mißtrauen, ein heftiges sich Aufbäumen des Willens, der sich selbst setzt, sich selbst zu behaupten begehrt gegen die ihm von außen entgegentretende Verneinung. Warum hatte sich Eickstedt verstellt? Wem zu Liebe war er hier? Welche Rolle zwang man ihr auf? Es war nur ein Moment. Im nächsten war die An wandelung überwunden. Etwas bleich, aber freundlich, bat sie den neuen Gast, Platz zu nehmen, und Hans, fortzufahren. Irmgard schmiegte sich in den großen, altmodischen Sessel und schlug ihre hübschen Füße übereinander. Sie steckten in rothen Seidenstrümpfen und Morgenschuhen von rothem Saffian. Ein lirschrothes, mit Sammet verziertes Kleid, das sich knapp an die jugendlich vollen Formen ihrer Büste legte, ließ sie heute ganz als erwachsene junge Dame erscheinen. Gertrud erklärte ihr, um was es sich handele und wiederholte ihr kurz den Anfang des Entwurfes. Irma kannte noch keinen Dichter persönlich, und es war ein großes Ereigniß für sie, einen solchen vor sich zu haben. Allein er dachte gar nicht mehr an seinen Vortrag. Er stand seitwärts, drehte an den Spitzen seines Schnurrbartes und blickte wie verzaubert auf die jugendliche Mädchengestalt in dem alten Lehnstuhl. Jbre weißen Finger lagen auf dem zerdrückten dunkelgrünen Plüsch der Armlehne, und ihre hellblauen Augen blickten so fromm erwartungsvoll, fast ehrfürchtig zu ihm auf. Die rothen Saffinaschuhchen und die blonden, lockigen Haare — die leise athmcnden rosigen Lippen und der leise sich hebende und senkende junge Busen — ein unvernünftiges, unwidersteh liches Verlangen bemächtigte sich Eickstedt's, das süße, junge Ge schöpf in seine Arme zu nehmen, seine Augen, seine Lippen, seine Haare zu küssen, fort Md immer fort. Gertrud war aufgestanden und hatte eine Flasche Rothwein und Gläser auf den Tisch gestellt. „Hätte ich geahnt, daß ich Damenbesuch bekommen würde, so hätte ich auch für Kuche'ii ge sorgt", entschuldigte sic sich. „Doctor Eickstedt! Soll ich nichts zu hören bekommen?" ließ sich Irmgard in bettelndem Ton vernehmen. „Nein, ich sehe schon, Sie wollen mich nicht einweihen. Sie halten mich für ein recht unbescheidenes, taktloses Mädchen. Ich will mich lieber trollen." „Oh, bitte, bitte, bleiben Sie!" rief Hans, da sie Miene machte aufzustehen. „Sie dürfen Alles hören. Ich bin nur ganz aus dem Concept gekommen. Wo war ich stehen geblieben, Gertrud? Erlauben Sie —" Er nahm ihr die Flasche ab, zog den Kork heraus und schenkte ein. Der Wein löste den Bann der Stimmung, gab allen Dreien die Unbefangenheit wieder. Bald saßen sie kameradschaftlich um den Tisch, und Hans erzählte seinen Entwurf zu Ende, stockend und seine Motive öfters erst in Gedanken formend und an einander passend, aber so, daß das Ganze als ein in sich ab gerundetes Lebendiges dastand. „Das ist ja mein Vater!" rief Irmgard mitten in die Charakterisirung des Helden hinein. „Das könnte mein Vater sein! Nicht ganz so, aber sehr ähnlich!" — Dann schlug sie sich auf den Mund und versprach, mäuschenstill zu sein. „Finden Sie die Aehnlichkeit mit Ihrem Herrn Vater wirk lich so groß?" fragte Hans, nachdem er zum Schluß ge kommen war. „In manchen Runctcn, ja. Aber die Hauptsachen sind doch anders", erwiderte Irmgard. „Mein Vater verliert den Ueber- blick nicht — auch nicht den Verstand. Das könnte ihm niemals begegnen. Er hält die Zügel fest — eher sterben, als sie fahren lassen. Aber sonst stimmt Manches. — Wissen Sie, Doctor Eickstedt — es würde mir noch besser gefallen, wenn Ihr Held, wie mein Papa, ein soU'uiacko raau wäre. Vater hat als Schmicdelehrling angefangen. Die Schmiede, die dem Groß vater gehörte, steht noch in Oberbeken, wir haben jetzt ein kleines Steinhäuser Museum daraus gemacht. Sind Sie niemals bei uns in Oberbeken gewesen?" HanS schüttelte den Kopf und rollte die Blätter, auf denen er sich flüchtige Notizen gemacht, hin und her. Er kam sich un wissend und leichtsinnig vor, eine große Composition aufzubauen, wie ein Schloß in die Luft, ohne mehr als ganz oberflächliche Anschauungen von dem gewaltigen Stück Welt und Leben, aus dem seine Dichtung hervorwuchs. „Gehören auch Bergwerke zu Ihres Herrn Vaters Be sitzungen?" fragte er. „Nein, jetzt nicht mehr, Vater hat die Kohlengruben verkauft, da sie doch nicht halb so viel Ertrag lieferten, wie wir brauchen. Eisenhütten und Stahlwerke gehören dazu. Sie sollten hin- komincn und es sich ansehen, Doctor Eickstedt." „Sehr gütig", antwortete er mit halbem Lächeln. „Ich wollte gern!" Plötzlich fuhr er aus Gedanken auf, sah nach der Uhr und er hob sich. „Fast hätte ich den Thorschluß versäumt." „Ach, ist es schon so spät?" rief Irmgard. Und Gertrud: „Bleiben Sie, ich hole den Schlüssel und bringe Sie hinunter." „Nein, danke! Was würde das Pensionat dazu sagen?" „Das Pensionat hat gar nichts zu sagen!" rief Irmgard übermüthig. „Sie bleiben, Doctor Eickstedt. Nicht wahr, Sic bleiben?" „Gewiß, wenn Sie es befehlen, gnädiges Fräulein. Aber darf ich jetzt auch eine Bitte thun? Ich habe vorhin Ihr Spiel unterbrochen —" „Soll ich Ihnen etwa» fiedeln?" ries sie vergnügt. „Wenn's weiser nichts ist! Fräulein Gertrud weiß schon, daß ich erst ein ganzer Mensch bin mit meiner Geige im Arm. Sie thun mir eigentlich furchtbar leid, Fräulein Pilgrim. Aber ich kann nicht helfen." Sie tänzelte auf ihre Thür zu und öffnete beide Flügel weit. Drinnen brannte die Lampe. Mit einladender Handebewegung declamirte Irmgard lustig frei nach Wagner. „Seid mir gegrüßt, Ihr edlen, lieben Gäste!" Dann nahm sie ihre Aioline vom Flügel, stimmte etwas nach und fragte: „Ja, aber wer wird mich begleiten? Ach, versuchen .Sie's nur, Doctor Eickstedt! Wir wählen ganz was Einfache» ans." —
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