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Grossenhainer Nnterhaltungs- und Anzeigebiatt. Mit Hoher Conccsiion gedruckt, verlegt unt> redigirt von Herrmann Starke. 37. Sonnabend, den 8. Mai 1847. Bekanntmachung. Die nach dem ausgestellten Orts-Kataster auf das Jahr 1847 ausgeworfenen und hohen Orts festgcstellten Gewerbe- und Personalsteucrn sind in den gesetzlich vorgeschriebenen Hebe terminen, als: die erste Hälfte bis IZ. Mai und f , die zweite Hälfte bis 15. November) ' zuverlässig an die hiesige Stadt-Steuereinnahme abzuführen. Uebrigens werden die neu aufgelegten oder seit der letzten Bekanntmachung veränderten Steucransätze den betreffenden Abgabepflichtigen noch vorher in der bisherigen Weise bekannt gemacht werden. Hain, am 1. Mai 1847. Der Stadtrath daselbst. Hofmann, Brgrmftr. Bekanntmachung. Die auf das zweite Vierteljahr 1847 zahlbaren Grundsteuern sind von allen Beitrags pflichtigen innerhalb der nächsten 14 Tage, spätestens aber bis 14. Mai dieses Jahres bestimmt und bei Vermeidung der außerdem zu gewarten habenden gesetzlich vorgeschriebencn Maßregeln an die hiesige Stadt-Steuereinnahme abzuführen. Hain, am 30. April 1847. Der Stadtrath daselbst. Der Chiromant. (Fortsetzung.) Die plötzliche Entlassung des Assessors war bald stadtkundig. «Aber um Gotteswillen, Herr Assessor», kam ihm am andern Tage seine Wirthin, die Amts- räthin Hahn, entgegen, als er vom Mittags essen nach Hause kam, «was haben Sie denn Schweres verbrochen, daß Sie so plötzlich Ihres Dienstes entlassen sind? Die Frau Accise-Ein nehmerin hinterbrachte uns das Stadtgespräch gegen Mittag brühheiß. Julchen mochte keinen Bissen essen, und sitzt drinnen in der Stube und weint die bittersten Thränen.» «Hole doch der Henker die alte klatschige Accise!» brummte der Angeredete vor sich hin. «Aber, da Sie es nun einmal wissen, liebes Mamachen», fuhr er fort, «so kann ich es Ihnen auch nicht länger verhehlen. Man hat mein letztes Werk sehr ungnädig bei Hofe aus genommen.» «Aber das ist doch himmelschreiendes Unrecht», rief die Amtsräthin, «so ohne Urtel und Recht Hofmann, Brgrmstr. Jemanden zu verdammen. Also darum mußten Sie so eilig in die Residenz kommen!» «Ja, eben dieserhalb», erwiderte der Assessor, und ging in die Stube, um das weinende ge liebte Julchen zu trösten, die das himmelblaue, in Thränen schwimmende Auge fragend auf ihn heftete. «Aber mein Gott», eiferte die ihm folgende Amtsräthin, «haben Sie sich denn gar nicht verthcidigen können und dürfen?» «Was half's!» erwiderte Jener. «Meine Gründe wurden nicht angenommen. Einen Mann von meinen Grundsätzen könne man nicht brauchen, war das Resultat. Aber machen Sie sich dieserhalb keine Sorge, liebe Mutter», schloß er tröstend, «wenn nicht hier, finde ich mein Brod wo anders.» «Ach, daß sich Gott erbarme!» jammerte die Amtsräthin, und Julchen warf einen trosthei schenden Blick auf den Geliebten. «Und wo willst Du Dich hinwendcn, Fer dinand?» fragte sie mit schwerem Herzen. «Das weiß ich bis jetzt selbst noch nicht, und erwarte in einigen Tagen Briefe, die mich be-