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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 14.11.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-11-14
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19001114020
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900111402
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900111402
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-11
- Tag 1900-11-14
-
Monat
1900-11
-
Jahr
1900
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Amtsblatt des Königlichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, des Natljes «nd Nolizei-Amtes der Ltadt Leipzig. Mittwoch den 14. November 1900. Sknzetge«-Preis die 6gespaltene Petitzeile 25 H. Reklamen uuter dem Redactto«Sstrich (4 gespalten) 75 H, vor de« Famili«u»ach- richten (6 gespülte«) 50 Tabellarischer und Ziffernsatz entsprecheud höher. — Gebühren für Nachweisungen und Offertenannahme 25 H (excl. Porto). Extra-Beilagen (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbeförderung 60.—, mit Postbesörderung ^l 70.—. Iinnahmeschlnb für Iiiyei-e«: Abend-AuSgabe: BormittagS 10 Uhr. Morgeu-AuSgabe: Nachmittag» 4 Uhr. Bei den Filialen und Annahmestelle« je ei«« halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an di« Expedition zu richte«. Die Expedition ist Wochentag» ««unterbrochen geöffnet von früh 8 bis Abends 7 Uhr. Druck imd Verlag von E. Polz in Leidig. 94. Jahrgang. Die Thronrede, mit der der Kaiser heute um 12 Uhr Mittags in Berlin ten Reichstag eröffnet hat, lautet: „Geehrte Herren! Nachdem Ich Eie zu erneutem Wirken im Dienste de» Gemeinwohl» berufen habe, entbiete Ich Ihnen Namen» der verbündeten Regierungen Gruß und Willkommen. Die Ereignisse im fernen Osten haben unter allen gesitteten Böllern der Erde tiefe Erregung hervorzerufen. Fanatischer Haß und finsterer Aberglaube, angestachelt von gewissenlosen Nathgebern des Pekinger Hofes, hatten mißleitete Massen de» chinesischen Volkes zu Greuel- lhaten getrieben gegen die friedlich unter ihnen weilenden Vorposten abendländischer Civilisation und christlicher Lultur. Bei dem neulich unternommenen Versuche, die auf ziehende Gefahr zu beschwören, starb Mein Gesandter von meuchlerischer Hand. Die Fremden in der Hauptstadt sahen sich an Leib und Leben bedroht. Aber die Schreckensbotschaft einte, wa» sonst getrennt. Alle Nationen, gegen die sich der unerhörte Angriff richtete, schloffen sich eng zusammen, und einmüthig kämpften Schulter an Schulter ihre Söhne. Und wie die Feldzeichen draußen gemeinsam wehen, so zeigen sich die Negierungen in ihren Berathungen von dem einstimmigen Wunsche beseelt, möglichst bald wieder geordnete Zustände herbeizuführen und nach Bestrafung der Hauptschuldigen der Wiederkehr solcher Störung des Weltfriedens für die Zu kunft vorzubeuzen. Gern hätte Ich auf die Kunde von dem Ausbruche der Wirren in China alsbald die Volksvertretung um mich versammelt. Wie daö deutsche Volk mit seinen Fürsten die Ausfahrt der freiwillig zu den Fahnen geeilten wehrhaften Jugend und ihrer Führer mit Kundgebungen freudigen Stolze» und mutbiger Zu versicht begleitete, einer Zuversicht, die seither durch das Verhalten unserer Krieger vor dem Vaterlande wie vor dem Auslande voll gerechtfertigt ist, so würde gewiß auch die Volksvertretung mit patriotischer Entschlossenheit für die zu ergreifenden Maßregeln eingetrcten sein und hierdurch deren Wucht gesteigert haben. Aber während nur da» Eine sicher war, daß ohne Zögern gehandelt werden mußte, war die Grundlage für die zu fassenden Beschlüsse, zumal bei ter Unsicherheit des Nachrichten dienste», schwankend. Es standen demgemäß die uns er wachsenden Ausgaben noch keineswegs fest und es entzog sich damit da» Maß der nothwendigen Aufwendungen einer finanziellen Schätzung. Wenn hiernach davon abgesehen worden ist, den Reichstag zu einer außerordentlichen Sitzung behufs verfassungsmäßigen Beschlusses über den Kostenaufwand zu berufen, so hegen doch die verbündeten Regierungen daS Ver trauen, daß die Volksvertretung den unvermeidlich gewordenen Feuilleton. Die Malerin. Roman von I. Marsden Sutcliffe. Nachdruck »erbet n. 1. Capitel. Ein stürmischer Octobertag ging zu Ende. Nur noch undeut lich konnte man die schlanken Thürme des weithin berühmten Münsters von Uork aus dem Gasthofzimmer erkennen, in welchem «ine jung« Frau am langsam herunkrbrennenden Kamin feuer saß. Schlichte Trauerkleidung umhüllte die schlanke Gestalt; ihr bleiches 'Gesicht, die hohlen Wangen und die dunkel umränderten, großen, grauen Augen sprachen von durchwachten Nächten und schwerem Kummer. Im Scheine des flackernden Feuers, in welches sie unverwandt blickte, glänzte ihr welliges, braunes Haar, gewahrte man ihre schön geformten Hände, die blendende Weiße ihrer Haut, ihr reines Profil und den anmuthigen Fall ihrer Schultern. Aber man sah auch, wie sehr ihre Schönheit unter körperlicher Ermattung und seelischen Er regungen gelitten hatte, und daß das gesunde Roth und die Fülle 2er Formen, wie sie Jugend und Glück sonst wohl zu eigen sind, gänzlich fehlten. Offenbar waren auf Frau Winfriede Deni- son's junges Leben schon so zeitig schwarze Schatten gefallen, daß sie sich nicht hatte zur vollen Reife entwickeln können. Aber sie war ja noch so jung; man durfte also von glücklicheren Ver hältnissen und dem heilenden Einflüsse der Zeit die Entfaltung frauenhafter Reize und die Wiedererlangung ihrer früheren Schönheit hoffen, von welcher zur Zeit allerdings nur ein recht schwacher Abglanz zu entdecken war. Ein fester, harter Entschluß lag auf ihren Zügen. Hier vor dem Kamine hatte sie ihr ganzes Leben, ihre fehlgeschlagenen Hoffnungen an sich vorüberziehen lasst« und geträumt, wie sich ihr Dasein wohl gestaltet haben möchte, wäre nicht der Ritt meister Denison vom Schicksal bestimmt gewesen, ihren Lebens weg in so verhängnißvoller Weise zu kreuzen. Ein tiefer Ab scheu war in ihr entstanden gegen den Mann, vcr Alles gethan hatte, um ihr Vertrauen zu ihm zu Schanden zu machen. Der Ausblick in die Zukunft war geradezu trostlos. Mit unheim licher Gewalt überkam sie die Erkenntniß ihrer zukünftigen völligen Herzenseinsamkeit, der Nichtigkeit ihres ganzen ferneren Daseins. Sie sah ihr Lebensschiffchen, welches freudebeseelt seine erste Reise angetreten hatte, so hoffnungslos gestrandet, Ausgaben ihre nachträgliche Zustimmung nicht versagen werde. Galt eS doch, nicht nur schwer bedrohte deutsche Interessen zu schützen, sondern auch die Ehre des deutschen Namens ohne Verzug zu wahren. Gegenwärtig läßt sich der durch da» ostasiatische Unter nehmen verursachte Aufwand für das laufende Rechnungsjahr übersehen; er bildet den Gegenstand einer besonderen Cred it- vorlage, die Ihnen sofort zugeben wird. Zn dem Entwürfe zum ReichShaushaltS-Etat haben, dank dem natürlichen Steigen der Einnahmen und den vom Reichstag in der vorigen Tagung beschlossenen Steuer erhöhungen, für fast alle Zweige der Reichsthäligkeit reichere Mittel angesetzt werden können, insbesondere zu Zwecken der Fürsorge für die Arbeiter und der LandeS- vertheidigung. Ein Zolltarifgesetz ist soweit vorbereitet, daß die Vor lage des Entwurfs an den Bundesrath im Laufe des Winters zu erwarten ist. Nächst den in der vorigen Tagung nicht verabschiedeten Entwürfen einer Seemannsordnung und den damit in Zusammenhang stehenden Gesetzen werden neue Vorlagen Sie beschäftigen, durch welche einerseits eine einheitliche Gestal tung der öffentlich-rechtlichen Seile deS Privatversiche rungswesens herbeigeführt, andererseits die Neichsgesetz- gebung über das Urheberrecht mit der fortgeschrittenen NecktSentwickclung in Einklang gebracht werden soll. Vorbereitet wird eine durch die Neugestaltung der Unfall versicherungsgesetze bedingte Abänderung der Vorschriften über die Unfallfürsorge für Beamte und Personen des Soldaten st an des, sowie eine Vorlage, welche die Vorschriften über den Verkehr mit Wein zu verbessern bezweckt. Die Beziehungen des Reichs zu allen auswärtigen Mächten sind fortdauernd gut und freundlich. Mil Wehmuth gedenke Ich Meines Verbündeten und theureu Freundes, des Königs Humbert, welcher in seinem könig- lichen Beruf als Opfer eines fluchwürdigen Anschlags fiel. Auf der Weitaus stell ung zu Paris, wo das Nachbar land dem friedlichen Wettstreite der Völker eine gastliche Stätte bereitet hatte, ist deutschem Fleiße und deutscher Kunstfertigkeit reiche Anerkennung zu Theil geworden. Dieser Erfolg, den Sie gewiß mit Mir freudig begrüßen, wird der nationalen Arbeit auf allen Gebieten ein Sporn zu neuen Anstrengungen und immer größeren Leistungen sein. Möchten die Berathungen, denen Sie sich, geehrte Herren, im Einvernehmen mit den Verbündeten Regierungen widmen wollen, unter dem Beistände der göttlichen Gnade dem theuren Vaterlande zum Segen gereichen. daß ein schon lange erwogener Plan zum festen Entschluß in ihr gereift war. In ihre Gedanken vertieft, überhörte fie völlig, daß Jemand eintrat und sich ihr näherte. Daß sie nicht mehr allein sei, be merkte sie erst, als eine Hand sich leicht auf ihre Schulter legte, und ihr Mann sich zu ihr beugte, um sie zu küssen. Als sein Schnurrbart leise ihre Wange streifte, erschauderte sie, riß sich gewaltsam aus ihren Träumereien empor und entwand sich un willig der Liebkosung, ihre Hand wie zur Abwehr gegen ihn er hebend. „Ganz nach Belieben", sagte er ärgerlich, warf sich in einen Sessel und ließ mit der Feuerzange seine Wuth an den Kohlen aus. Nachdem er das Feuer wieder zu Heller Gluth entfacht hatte, lehnte er sich zurück, um das Gesicht seiner Frau zu studiren. Es ging in ihr ersichtlich etwas vor. Seit einigen Tagen schon fand er sie ganz verändert, durchaus nicht mehr so nachgiebig, als früher. Seit dem vor vier Tagen erfolgten Tode ihres Kindes aber mied sie ihn in einer geradezu empören den Weife. Auf dem Heimwege von Scarborough nach London war ihr Kind besorgnißerregend erkrankt. Er hatte dem Kinde einige Tropfen Cognac eingeflößt und gemeint, man dürfe die Reise ruhig fortfetzen. Winfriede aber hatte darauf bestanden, den Zug zu verlassen und sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zum ersten Male hatte sie ihm getrotzt und er sich ihr, freilich sehr widerwillig, fügen müssen. Di« Pflege der Mutter und die Kunst des Arztes waren machtlos gewesen. Nach schrecklichen Leiden, hauptsächlich Athemnoth, war das Kind in den Armen der Mutter schweren Erstickungsfällen erlegen. Heute erst hatte man den Kleinen be stattet. Während Winfriede seitdem auf ihrem Zimmer gewesen war, hatt« sich ihr Gatte die Zeit, weit mehr seinem Geschmack entsprechend, am Billardtische vertrieben. Alle seine Bemühungen, sie ihrer Grübelei, ihrer Gleich giltigkeit gegen Alles zu entreißen, waren von ihr schroff zu rückgewiesen worden. Sie hatte sofort empfunden, daß die Worte, mit denen er fie zu trösten versuchte, ihm nicht von Herzen kamen. Ihrem feinen Ohr war trotz seiner Vorsicht und des Zwanges, den er sich in ihrer Gegenwart auferlegte, der Ton innerstcher Freud« nicht entgangen, welche er über diese Schick salsfügung empfand. Sie wußte, daß das Kind ihm immer unbequem gewesen war; seine Heuchelei erfüllte sie daher gerade zu nfit Ekel. Der soeben gezeigte hochgradige Widerwille und eiuize andere Momente aus der jüngsten Dergakigenheit zusammen mit 8er eisigen Kälte, mit welcher sie vor sich hmsah oder ihn gelegentlich Die Wirren in China. Tie BcSingungcn der Mächte. Aus Washington wird berichtet, daß die chinesische Re gierung und die chinesischen Friedens-Commissäre über die Hinrichtung chinesischer Beamten, speciell des stell vertretenden VicekönigS von Tschili, Tingjang, der auch als Provinzialsckatzmeister bezeichnet wird, sehr verstimmt seien. Das läßt sich denken, aber nach dem, waS geschehen ist, können die Mächte gar nicht anders, als die Häupter der Rädels führer fordern. Eine andere Frage ist freilich, ob die Schuldigen erreichbar sein werden. Sie dürsten sich in entfernte, unzugängliche Gegenden des endlosen Reiches zurück ziehen mit dem Gedanken: Nun holt uns, wenn ihr könnt. Nur eine lange andauernde Unterbindung der Zufuhr in daS Innere Chinas vermöchte die Flüchtigen aus ihren Schlupf winkeln heraustreiben, denn die Bevölkerung wird nicht gewillt sein, um ihretwillen Hunger zu leiden. Wie schon in einem Tbeil der Auflage deS heutigen MorgenblatteS erwähnt, hält ein Artikel des Londoner „Globe" die Bedingungen, über die sich die Gesandten in Peking geeinigt haben, für befriedigend und be zeichnet es als ein wesentliches Erforderniß, daß die Pro- clamationeu über die Unterdrückung der Boxer- secte so abgefaßt werden, daß sie die Bevölkerung von der Nutzlosigkeit jedes weiteren Widerstandes gegen den Zug der Civilisation überzeugen. In der Proclamation müßten dieNamen und Vergeben aller Enthaupteten, zur Degradation verurtheilten oder sonst wie bestraften Prinzen, Mandarinen und Beamten aufgesührt sein. Ferner müßten die Proklamationen vom Kaiser unterzeichnet und zuvor den sremven Ge sandten zur Genehmigung vorgelegt werden. Auch müßten die Mächte das Recht haben, den öffentlichen An schlag und die Bekanntmachungen zu überwachen. Das Waffeneinfuhrverbot hält das Blatt für nutzlos, da China selbst Waffen Herstellen könne. WaS den erwarteten Widerstand der Kaiserin - Wittwe gegen die Hinrichtung der schuldigen Beamten und Prinzen und gegen den Erlaß der Proclamation angebt, so schlägt da» Blatt vor, die Mächte sollten die Kaiserin durchHunger zur Unterwerfung zwingen, indem sie die Einnahmen aus den Seezöllen, die in die kaiserliche Schabkammer fließen, be schränken. Die letzten Ziele der Mächte müßten sein, China in eine solcke Lage zu versetzen, daß eS seine Geschicke sclvst be stimmen könne, und China zu überzeugen, daß die Mächte keine weitergehenden Beweggründe haben. Deshalb bedauert der „Globe" daS russische Vorgehen am Amur und in der Mand schurei und empfiehlt Europa, es möge zu einer Verständi gung kommen, um die russischen Uebergriffe zurückzuweisen. — Die „St. James Gazette" begrüßt die an vcr Stadt Pao- tingfu vollzogene Bestrafung und die Enthauptung der chinesischen Beamten und sagt, der Appell Li-Hung- Tschang'S werde die Amerikaner nicht merklich beeinflussen. Das Blatt erklärt dir Bedingungen der Gesandten für aus gezeichnet, bezweifelt aber ihre volle Durchführbarkeit. Der Verlauf der zwischen den Vertretern der Mächte in Peking geführten Verhandlungen hat alle berechtigten Er wartungen erfüllt. Erst gegen Mitte October war das diplomatische Corps in Peking wieder versammelt, waren ins besondere die neuernanntcn Gesandten Deutschlands und Eng lands, sowie die Gesandten Oesterreich-Ungarns und Rußlands in Peking eingetroffen. Berücksichtigt man, daß wegen jedes einzelnen PuncteS die Weisungen der einzelnen Cabinette einzuholen waren, und daß bei den überaus schlechten Ber- anblickie, ließen ihn erkennen, daß sich mit dem Tode ihres Kindes ein unüberbrückbarer Abgrund zwischen ihnen aufgethan hatte. Aber -Denison war nicht der Mann, sich um solcher Sentimen talitäten willen zu beunruhigen. Er zog seine Uhr und fragte: „Hast Du schon gepackt?" „Nein, daran habe ich noch gar nicht gedacht", erwiderte sie. „Dann ist's aber höchste Zeit dazu. Es ist bereits sechs Uhr. Um sieben wollen wir speisen, und um neun Uhr geht unser Zug, wie Du weißt." Winfriede richtete sich auf und sah ihn fast drohend an. Denison haßte nichts so sehr, als sogenannte „eheliche Scenen". Diesmal aber schwieg er; ihr Blick hatte ihm nichts Gutes ge« weissagt. Mit klarer und fester Stimme sagte sie: „Ich beabsichtigt, hier zu bleiben." Da war er wied«r, der ihm so neue Klang in der Stimme seiner Frau. Aber seine Ungeduld riß ihn hin. „Welcher Unsinn! Wie kannst Du hier bleiben? Und wozu denn, zum Teufel!" „Ich bin fest dazu entschlossen und bleibe bestimmt hier." Die Ruhe, die sie dabei bewahrte, setzte ihn in Staunen. „Reginald", fuhr sie fort, „ich kann nimmermehr zu meinem früheren Leben an Deiner Seite und in Deinem Hause zurückkehren. Und ich will auch nicht!" „Was willst Du denn thun?" fuhr er erregt auf. „Verstehe mich recht. Von heute ab trennen sich unsere Wege; wir scheiden auf Nimmerwiedersehen. Sollten wir unS dennoch irgendwo zufällig treffen, dann begegnen wir uns als völlig Fremde." „Darf ich vielleicht nach den Gründen dieser abenteuerlichen Gedanken fragen? Das heißt, wenn Du Deinen Verstand so weit bewahrt hast, mir eine Erklärung dafür zu geben!" „Ich hätte Dich schon längst verlassen; das schreckliche Leben, welches Du mich zu führen gezwungen hast, war kaum mehr zu ertragen. Ich blieb nur um des Kindes willen." Rauh entgegnete er: .Mas? ein schreckliches Leben hättest Du geführt?! Hast Du nicht All^ gehabt, was eine Frau nur begehren kann? Sine schöne Wohnung, di« herrlichsten Kleider, Juwelen, eine Loge im Theater und Geld ohne jedwede Ein schränkung?! Oder schwebt Dir etwa so ein Ideal von „Liebe in der kleinsten Hütte" vor?" „Oh, ich weiß, wie Armuth thut, ich habe deren Druck em pfunden. Aber lieber will ich arm sein mit reinem Gewissen, als den Luxus zu genießen, mit welchem Du mich umgieüst und zu puffen, mit welcken Mitteln dieser bestellter» wird," „Dir wünschest also im Ernst, daß ich Dich hier in Aork ver lasse?" fragte er. . ... bindungen, die zur Zeit zwischen Peking und dem Meere be stehen, und ber der ungewöhnlichen Ueberlastung der ost- asiatischen Kabellinien die Uebermitteluog der einzelnen Depeschen von Peking nach Europa oft vier bi» sechs Tage in Anspruch genommen bat, so wird man zu geben müssen, daS die gemeinsame Verständigung über alle diese Puncte verbällnißmäßig schnell erfolgt ist. E» ist damit ein neuer Beweis erbracht, wie sehr die Mächte von der Notbwendigkeit durchdrungen sind, Cbina gegenüber in voller Einmütbigkeit aufzutreten. DaS rechtfertigt um so mehr die Erwartung, daß auch bei den weiteren Verhandlungen sich diese Einmütbigkeit in vollem Umfange wird aufrechterhalten und durchführen lassen. Ganz besonder» aber ist mit Dank anzuerkennen, daß die deutsche Regierung sofort, nacktem diese Verständigung er zielt worden ist, dafür Sorge getragen bat, daß der wesent liche Inhalt zuverlässig und ausführlich bekannt gemacht wurde. Dadurch ist eine Aufklärung der Lage erzielt, die nach jeder Richtung hin befriedigend und erfreulich wirken muß. Truppenparade. Ein gestern über Shanghai in London eingegaugenes Telegramm au» Tientsin, welches kein Datum trägt, be richtet, daß ber Commandeur deS deutschen ostasiatischen Ex- peditionSccrpS, Generalleutnant von Lessel, eine Parade über die deutschen Truppen abgebalten und den einzelnen Regimentern die ihnen von dem Kaiser Wilhelm verliehenen Fahnen übergeben bat. In der Ansprache, welche der Commandeur hielt, gab er der Hoffnung Aus druck, daß die Truppen die Fahnen unbefleckt erhalten würden, nicht nur durch ihren Muth in der Schlacht, sondern auch durch ihre Haltung in Zeiten de» Friedens. Die Deutschen bilden ein CorpS berittener Infanterie, sie verwenden chinesische PonieS. — Der englische General Burrow ist mit einer indischen Cavallerietruppe nach Sck>anhaikwan auf gebrochen, er wird auf seinem Wege daS Gebiet, durch da» er kommt, recognoSciren. Militärische Operationen. Ueber den Marsch des Major» Graham und die Vor gänge bei den Russen nördlich von Schanhaikwan meldet Feldmarschall Graf Waldersee weiter nach Berlin: Die Colonne Graham ist am 8. November in Peking emgc- troffen und bat auf ihrem Marsch nur bei Hsiangbolsieu den schon gemeldeten unbedeutenden Zusammenstoß nut berittenen Boxern gehabt. Die durchzogene Gegend ist sonst friedlich. Die russische Colonne bat nördlich von Schanbaikwan die Missionare unter Bischof Abelson befreit. Die Jäger- Compagnie ist am 9. d. M. in Peking eingetroffen. Dem russischen Generalstab ist folgender schon in kurzem Auürug mitgerheilter Bericht vom 26. October zugegangen: Gemäß dem Befehle de» Generalfeldmarschalls Grafen Waldersee wurden in Folge de» Erscheinen» von Boxern nordwestlich von Tientsin vom General Lenewitsch am 16. October drei Colonnen abcommandirt, die erste und zweite unter dem Commando deS Oberstleutnant» Genke und des Obersten RomatowSki. Diese Colonnen kehrten zurück nach einem Geplänkel mit den Boxern, welche die Ver schanzungen der Dörfer Dangantun und Datantschwang be setzt hallen. Die Boxer wurden zerstreut. Ein Kosak wurde verwundet. Die dritte Colonne unter dem Com mando des Oberstleutnants ArckangelSki stieß nirgends auf den Feind. Eine kleine Colonne, bestehend au» eiucr halben Compaguie der ostsibirischen Schützen und 15 Kosaken, „Unwiderruflich! Ohne daS Kind wäre ich längst entflohen. Nun es fort ist, ist das letzte Band zwischen uns zerrissen." Er fing an, erregt im Zimmer auf- und abzugehen. Noch verstand er diesen Entschluß seines Weibes nicht. Daß es mehr sei, als eine Laune, glaubte er noch nicht. Warum aber sollte er versuchen, sie davon abzubringen? Wozu hatte er sie denn damals geheirathet? Doch nur, weil er eine schöne Frau haben mußte, die an seinem Tische den Borsitz führen und Gäste an locken sollte. Damals Mar sie auch schön gewesen, aber jetzt! nein, jetzt war sie doch schon zu sehr „psssvs". Der Gedanke, eine schon längst als lästig empfundene Fessel durch Nachgiebig keit vielleicht ganz leicht abstreifen zu können, tauchte in ihm auf. „Es ist also wirklich kein augenblicklicher Einfall, den Du schon dato 'wieder bereuest?" fragte er lauernd. „Nein, es ist mein unwiderruflicher Entschluß!" betheuerte Winfriede. „Nichts auf der Welt könnte mich dazu bringen, je wieder mit Dir zusammen zu leben." „Nun denn, so schwöre ich Dir jetzt, wo ich Dir nachgrbe. aber auch heilig zu, daß ich Dich niemals wieder zu mir nehmen werde. Niemals!" und er bekräftigte diese Betheuerung mit einen: furchtbaren Fluche. Vergebens harrte er auf ein Zeichen der Reue. Winfriede sah ihm so fest ins Gesicht, wie zuvor. Ihre Fähigkeit, Schmach über sich ergehen zu lassen, war erschöpft, die Tage, da sie sich seinem Willen gebeugt hatte, waren dahin. Er sah sich jetzt einer WillenSfestigkeit gegenüber, die sicher der seinigen in nicht» nach stand. Nach kurzer Pause sagte er: „Ich gehr also auf Deine Wünsche ein. Begegnungen sind kaum zu erwarten, so klein die Welt auch ist. Aber vergiß nicht, wir sind uns fortan fremd. Du darfst meine Pläne nicht zu vereiteln suchen, ebenso wie ich mich verpflichte, die Deinigen nicht zu durchkreuzen. Du verlierst alle Ansprüche an mich und darfst meinen Namen nicht länger tragen." „Ich bin mit Allem einverstanden. Da, Du bist nun frei." Dabei streifte sie den Trauring von ihrer Hand. „Alle-, wat tch verlange, ist, daß Du mich vollständig »ergitzt. Mein Name ist wieder Winfriede West, und der Ihrige? Ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen, mein Herr!" „Du hast Deine Rolle rasch gelernt! Wa» sslr n« Schau spielerin steckt in Dir! Ich komme fast in Versuchung, von ume-, rem Vertrage zuriickzutreten. Jetzt aber — meine letzten »e< dingungen: Wie viel Geld brauchst Du?" „Nicht einen Pfennig nehme ich von Dir an", rief Winfriede. Er aber entgegnete kühl: „Bitte, laß diesen Unsinn! Sieb me,«n lachsahrenden Ton auf. Hier find fünjpg Nimm da» Geld und wir trennen un» gemäß Verabredung «ntz
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