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s Dresden, Sonnabend den 15. DeFEfnbek 1928 4 Jahrgang Nummer 292 Deutsches Antiiomjetkomitee gebildet! HermaanllllersKabinett liqukdiert den Rapallo-Vertrag! Reichstag Textilfchiedsipruch verbindlich erklärt «- Severing baut Villa in Bielefeld lehnt Wimpcbeihitfe mit SPD ab -Waffenfchmuggel nach Ungarn Bankyyänen führen den Tunng Das Berliner Tegel-lau enthüllt rnßlandiej Berlin, 15. Dezämbet CEigene Drahtmeldung.) Die Diskontogesellschast nnd die Bauten Mendelsohnåcm und S. Bleichriider haben eine besondere ~Bereinigung der Interessen der Inhaber rnssischet Wertpapiere« gegründet Ans gnbk dieser Vereinigung ist, die »Gut-bang von Maßnahmen. die sich im Zusammenhang mit dem Beitritt zur internationalen Schntzvereinigung künftig als notwendig erweisen sollten«. Diese internationale Schusvereinigung ist bekanntlich vor einigen Wochen auf der Londoner Konserenz des europiiischen Finanz kapitals gegründet worden. wo der K reditb o ykott nnd die Unterstützung des Kampfes gegen die Sowjetunion beschlossen wurde. General von Schwabnch, der Mitinhaber des Bank kmnses Bleichrödet ist l. Votsitzendee des Aussichterates der Negierungsngentur Wolss Telegraphenanremn Dieser Zusammenschluß der führenden deutschen Bankherren - bedeutet einen weiteren Schritt auf dem Gebiete der Unter stützung der ini internationalen Maßstabe betriebenen und von England gesithrten Aktion gegen die Sowsetunion. Die deutsche Regierung die von den Sozialdemokraten geführt wird, dul det und unterstützt dieses Vorgehen der Banken Wenn Simse niann als deutscher Außenminister bis jetzt noch die Vor schläge Chninberlains zum offenen Eintritt Deutschlands in die Allianz der Sowjetfeinde abgelehnt. so nur deshalb. weil, wie die Kölnische Zeitung vor kurzem offen aussprach, der angebotene Preis sitt den offenen Bruch Deutschlands mit Nuß land zurzeit noch als ungenügend abgelehnt wird. Das aber ändert nichts an der Tatsache daß die deutsche Regierung mit der kräftigen Unterstützung der Sozialdemokratie auf den Ab bruch der Beziehungen Deutschlands-mit der Sowjetunion hin arbeitet. Die Duldung und stillschweigende Unterstützung der somjetfeindlichen Aktion der deutschen Banken. die vor kur zem erfolgte Beschlagnahme des Eigentums der Sowjetunion durch die deutsche Justiz. kennzeichnen diese Bestrebungenl die einen offenen Bruch des im April 1922 abgeschlossenen Na pallovertrags darstellen Bei dieser Gelegenheit ist es interes ;-sant. aus die Veröffentlichungen Viscounts D'Abernon im ;;»Berliner Tageblatt hinzuweisen. aus denen einwandsrei hervor kkgehn daß Ebert schon damale«entschlossen war, den von Rathenau anterzeichneten Rapallovertrag zu hintertreiben. Jn seinem «»»,rliner Tagebuch schreibt D’Abernon folgende-: ~Ncichspräsident Eben iou sich noch immer nicht mit Hist-ein Rapallovertrag abgefunden haben. Er hält den Abschluß sck Unsckfcatzungskcllb bcfkhcoffkns Berliig den 15. Dezember. In der gestrigen Reichetaggsitzung erfolgte die Abstimmung die Sonderfilrsorge filr Saisonarbeitglosr. Der Antrag der «en Volkspartei und ber Demokraten, der eine Senkung sz atstiitzungssätze für Saisonarbeitglose vorsah, wurde mit fen 229 Stimmen abgelehnt; dagegen stimmten außer den Inisten auch die Sozialdemokraten und Teile des Zen- YYGH folgte die Abstimmung über den alten Regierungs j«g, den die Sozialdemokratie aufgenommen hatte. Dieser J; g sieht vor, daß nach einer sechswöchigen Unterstützung Jonarbeitglosen Krisensiirsorge gewährt werden kann. HEI gkeitgpräfung und Senkung der Unterstützung s der -j:- . 7 bis 11 sind mit darinv enthalten Dieser Antrag TH- it 278 gegen 138 Stimmen-in namentlicher Abstimmung """men. Die SPD stimmte geschlossen für den Antrag, Mehrheit der bürgerlichen Parteien. Dagegen stimmte amistische Frattion, die schon vorher im Ausschuß und Zstm einen scharfen Kampf gegen die Entrechtung der HLitgiosen geführt hatte. i ist-· der Unterstützunggraub an den Saisonarbeitss. 21TTHilse der Sozialdemokraten perfettsgeworden. Das ·- der-SPD, die den Antrag der bürgerlichen Parteien - Kur-du dem Zweck, um, von isch aus die Gntrechtungs-- H»aktiken gegenüber den Saisonarbeitelosen durchführen THE-; wird keinen eretbglosen über die«wahre-Rolle der Ei »Juki« täuschen Der Kampf gegen den· Unterstüåunggs sp. « »Im-säugten her organisiert werden meß. ist g ei zeitig » kgpgmdie sozialdemokratische Koalitionepolitih die z; ·kfchlechterungen.der Lage der Saisonarbeitalosen ge- rndlnhe Rolle Eberts beim RadalloiVerlraa I für ebenso unilug wie verfassungswidrig- Man hätte ihn un ! bedingt zu Rate ziehen sollen. Er ist entschlossen, Maltzan zu entfernen - und wenn damit auch Nathenau fallen sollte, um so schlimmer-. Jch glaube nicht. daß diese Drohungen sich verwirklichen werden. aber sie find ein Symptom der Verärgerung der mehrheitsfozialistischen Partei iiber das russifche Ablommen. Nach Jnformationen aus sozialistischen Kreisen wird Rathenau nach seiner Rückkehr mit einer scharfen Kritik deg Napallovertrageg zu rechnen haben. Die Mehrhejtsfozialiften interessieren sich am meisten fiir die Neparationsfrage Soll ten Genua und Rapalla keine Erleichterungen der Repara tionen bringen. wird irgendeiner dafür büßen miiffen . . . . Ebert wirft Maltzan vor. daß er auf zu vertraulicher-i Fuße mit Tfchitscherin und den anderen Bolfchewisten fteht und auf den Gedanken einer engen Zufammenarbeit mit Moskau ver fallen ift.« « Aus diesen Erinnerungen D«’Abernong wird also nunmehr einwandsrei festgestellt, daß die deutsche Sozialdemokratie fchon damals bereit war. mit den Jmperialisten zusammen gegen die Sowjetunion zu marschieren und den Abschluß des Freundschaft-zi verirages von Napallo und des Zustandekommens wirtschaft licher Zusammenarbeit zu verhindern. Die Sozialdemokratie ist dieser Rolle in jeder Beziehung treu geblieben Unter der Re gierung Hermann Müllers wird der sowjetfeindliche Kurs in verschiirftem Maße fortgesetzt Der Panzerlreuzer A und die weiteren Kriegsriistungen bestätigen das. Die deutsche Arbeiterschaft, vor allem die Massen der so zialdemokratischen Arbeiter müssen jetzt erkennen. daß mit die fem deutschen Antifowjetkomitee der Banlen und der Bereitschaft der HermannsMiillerißeaierung zur Zusammenarbeit in der Jmperialistenfront, die Gefahr einer imperialistischen Inter vention unter Beteiligung Deutschlands in die Nähe gerückt sind- Jhre Aufgabe muß es deshalb sein. ietzt gemeinsam mit den Kommt-nisten, trotz aller Hetze der bürgerlichen und sozialdemo kratischen Preisemeute. eine einheitliche. geschlossene Phalanx zur Verteidigung des ersten Arbeiterstaaiies der Welt herzustellen DekHungerfthiedsfprmh verbindlich! « - Wissells neuester Handstreich gegen die "iichsiitheu « Textklarbeiter Berlin, 15. Dezember (Gigene Drahtmelduns.) Der Schirm-sprach den der Schlichter file den Sglichs umgebein Sachsen im Tarisstteit in der westiiithsif soft ihüringsifchen Textilindustrie am 27. November 1928 gefällt hat, ift gestern vom Reichsnrbeiigminiiter im öffent lich en Interesse fiir verbindlich erklärt worden« Mit unerhörtem Naffinement ist die Verbindlichkeit-- erklärung 10 Tage vor Weihnachten aus esprochen worden. Wissell glaubt. daß die Textilarbeiterfchapt vor Weihnachten den Kampf nicht aufnehmen würde. Die Textilaxbeiters fchaft wird mit Empörung diesem Hunserschiedskpruch bei gegnietn und den Kampf für menschenw rdige L hne vor «ete en. . . - - Im Zeichen des VIII-erhande- Wieder ungariicher wassenfchmussel aufs-deckt TU Wien. 14. Dezember Die »Arbeiter-Musik« meldete »s- Mitiwoch nachmitiag wurde bei bet Donau-Dampsshissnbrtis Gesellschaft ein nach Budapeit bestellte-: Schlepper neeladeu. Bei- Verlaben brach eine Kiste, so baß der Inhalt sichtbar wunde. Zum größten Erstaunen sand man in der ans beut Frnchibries nie Nobiiluwioten bellarierien Kiste. Maschinengewehrguetr. Die diensihabenben Zollbeamten ließen daranshin die bereite ver ladenen sechs anderen Kisten derselben Sendung wieder ans iaden und beschlagnahmten sie. Bei ver Oeffnung ergab sitt-, dass sämtliche Kisten Maschinengewehtieile. Läufe, Verschluß bestandteiie usw. enthielten. Die Kisten, bie das Sisumn M. P. trugen, sind von bee Wienee Spevitionesirma Binn- u. Bot-net aufgegeben worden« Der Austraggebm angeblich eine Motor tabsabeii, die jedenfalls siie die falsche Dellarietnng verantwort lich ist, wurde von den Zollbebötdeu telephonisch nngernien. konnte aber seine befriedigende Gesinnung geben. Die Kisten wurden später von ber Polizei in Gewuhrsatn genommen- Die Einpciifkhck » Wer steht hinter der Textilausspettunqk - Dke Tekttbi qeichäft un T steckst-header Aussat- wnrds vor dem Bekanntmetden der Vet bindllch emerklätunzk des Schuh-Musen Jük das wesilächfllche Ttzrifzebtetäzefjdchrie en. Wir geben vie en ussas wieder. well er unt et u eckung der finaugkapttulistifgen Verbindung und Beherrschung der Ttxfilindusttie arg dle roqbankem die Stoße Scheut-m es Lohntoniliktes in der extiliudustr c und die fee ben dca Möge des Unternehmen-erstehn enthüllt. Die Redaktlom Was ist die treibende Kraft bei dem neuen Angriff der szjilkkcpitqlistens ..Siniende Konjunkturl« ~Maßlose Lohn sorderungen!« Zurückgehende Gewinne l« —- schreien die Unternehmen Mit keinem Wort wird dabei er wähnt. wag die Bilanzstatistit sämtlicher deutschen Aktiengesell schaften erst vor kurzem schwarz auf weiß ergehen hat: mit Aug nahme der Chemie und des graphischen Gewerbe-s weist kein an derer Industriezweig einen so hohen Dividendensah aus wie gerade die Textilindustrie - nämlich 9.7 Prozent ale Durchschnittssatz gegenüber der für alle deutschen A.-G. geltenden Durchschnittsdividende von 8.9 Prozent. Doch davon spricht man nicht - dae sind interne Angelegenheiten der Herren Unterneh mer. Jnterne Angelegenheit bleibt es auch. daß augenblicklich verschiedene Unternehmungen gewaltige Varbetriige aus den amerikanischen Freigahesummen erhalten. io zum Beispiel der führende Texttltonzern Sachsen-. Stöhr in Leipzig. sallein über 23 Millionen Mart ohne Zinsen, während das ganze Grundlapital des Unternehmens 17.62 Millionen Mark heträgtl All das wird in aller Stille eingesteckt und inzwischen schreit man ohne Unterbrechung weiter: Ruckgehende Nentabilitiitl Dreiste Arbeiterschaftl , « - »Wenn die Texttlkapitalisten ietzt »zum Sturm· blasen. so handelte- sichiilr sie nicht allein darinn. ihre Prositesaus Kosten fder Arbeiterschaft weiter zu steigern und damit auch den Export mittels Schleudertonturrenz zu ver-größern es handelt sich für sie nicht allein um ihre Branche« überhaupt --. sondern weit dar sitber hinaus —-«- um d.ie,,Jnteressen des .Gesam·ttapi.ta"l«e. Jn dem Genernlausntarsch des deutschen Kapitals-mitsp- Ham burg« Ruhr. Mitteldeutichlsnd usw« - ist iein die Reihe an die Tertiltapitalisten gelotnmensz Und hier zeigt e- sich'nun, tn MU- hthm Mdßs ds- TSUUMBMFU M. dein Kommando industrie ein Teil des Trufb und Finanzkapiialt - Textil lextllpolititer der großen Trusts gehorcht, obwohl gerade diese Industrie von den Bürgerlichen und Neiormisten immer wieder als eine Do mäne der »unabhängigen«, ~individualiftischen« und »patriarcha lischen" Klein- und Mittelunternehmer hingestellt wird. Dem-. gegenüber sind zunächst dreierlei Formen von Zusammenhänge-r zwischen der Textilindustrie und dem großen Trusttapitnl fest zuitellen:l. die tinanzkapitalistische Beherrschung der fuhr-enden Textilunternehmungen durch die Großbanten. vor allem die Bank der Schwerinduftrie. Jakob Goldichmidtg Danatbant; 2. die unmittelbare produktiongtechnische Gemein ichait zwischen der Textilindustrie einerseits und den beiden Truithituptlingen, der Ehe in i e und der Schwe r i nd ustri e anderseits und s. die einzelnen Verbindungen zwischen den Tex tiiunternehmern und den großen Truftkapitnliiten. in die auch bürgerliche Polititer einbezogen sind. Gerade an dein Beispiel der größten Textilunternehmungen in dem ietzt im Kampf stehenden Gebiete. wie Stöhr. Nordwolle, Maras und Kunstseidentonzerne ist diese Entwicklung zu verfolgen. Der größte deutsche Textiltonzern überhaupt tmit Ausnahme der Kunstfeidenindustriei ist die N o r d d e u ti ch e W ol l tä rn-. merei und Kammgarnspinnerei (~Nordwolle«k). die eine Betegschaft von 24000 Mann zählt. Dieser in Brenien ·domizilietende, von der Robwolle bis zur fertigen Strickwnre ".«abgerundete« Konzernx verfügt in Sacher und Thüringen iiber eine Reihe von Betrieben: io gehören zu dem Konzern die ..Alrewa«. Deutsche Strickerei AJG in Chemnitz. die die Wolle zu Kindertieiderm Mode· und SportStrickwaren verarbeitet unter niederm Betriebe Lin-« Martersdorf I(Roither). »Rechtm itein lUitrnanni und Talw (Wagneti besitzt. ferner im Geraer Webereibezirk mehrere Tochterunternehmunigen (WeißtlogiGera, Bautzner Tuchfabrit uiiv). Fabriten in Leipzig-Magens Dresden. Hainichen,- Wilhelm-barg»»a. E» Fuldazzusun Der ganze Konzern verarbeitet fiir rund 130 Millionen Mart Wolle Utid Kamnizeug «Jn-dieiem«Jahre verteilt er wieder 12 Pro zent Dividende (die ~Kriic'«t). Und wer ift der Herr in deni KonsernP Jakob Galdschmidt. der-»von Bremen nn- »- als-c- Dcx Votum diew. muten- net seinerseits-:-