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/ 1857. 11 Donnerstag, den IS. Januar. ----- Freiberger Anzeiger ------ den bi« Nachmittags ... .7 ,. ° UNS ' > gespaltene Zeile oder 3 Uhr für die nächst- —- Tageblatt. Tagksoeschichte. Dresden. Am 14. Februar d. I. wird Vormittags 9 Uhr im Saale des SladlverordnetencollegiumS eine außerordent liche Generalversammlung der Actionäre der Albertsbahn statt, finden. Die Gegenstände der Tagesordnung, so weit sie sich jetzt schon bestimmen lassen, sind: 1) anderweiter Nachtrag zu 8 unter der Gesellschaftstatuten, die Anzahl der bei einer Beschlußfassung über Auflösung der Gesellschaft in der betreffen den Generalversammlung zu producirenden Actien u. s. w. be treffend. 2) Aufnahme eines Darlehens, beziehentlich wegen Anlegung eines zweiten GleiseS, eventuell 3) Mittheilung resp. Beschlußfassung über eine Dividendenvertheilung. Grimma, 10. Jan. In der Nacht vom 8. zum 9. Jan. ist ein Theil des Schlossts Döben und zwar das Hauptgebäude nebst den daranstoßenden drei ältern Wohn- und Wirthschafts- gebäudcn ein Raub der Flammen geworden, hierdurch aber in historischer und architektonischer Beziehung eine der schönsten Zierden der hiesige» Umgegend zu Grunde gegangen. Der Brand scheint durch zwei Mägde des Pachters in einem Keller, in welchem sich etwas Stroh befunden und welcher mit einem größern nicht gewölbten Raume, in dem mehrere Klaftern klein gespaltenes Holz ausgestellt gewesen, in Verbindung gestanden, verwahrlost worden zu sein, von wo es sich im Schlosse weiter verbreitet hat. Der größte Theil des Mobiliars konnte gerettet werden. Der Besitzer, welchem hierdurch ein bedeutender Scha den verursacht worden, war verreist. Minden, 7. Jan. Gestern Abend ist ein Kassenbeamter hiesigen Kreises verhaftet worden. Der Verhaftete soll bereits gestanden haben, einen bedeutenden Kassendefect verübt zu haben; derselbe soll etwa 3000 Thlr. betrage». Der Mann hatte viele verschiedene Kassen unter den Händen, die auch von verschiede nen Beamten revidirt wurden. So war es ihm möglich, fast 25 Jahre hindurch stets Las Deficit zu decken. Der Verhaftete, dessen Frau ihm 16 Kinder in der Ehe schenkte, von denen noch 11 am Leben sind, hatte sein reichliches Einkommen. DeihHamburger Nachrichten schreibt man aus München: Als verbürgt wird folgende Conversation zwischen dem Präsi denten des protestantischen Oberconsistoriums vr. Harleß und einem seiner katholischen Kollegen in der Kammer der Reichs- räthe erzählt: Letzterer begegnet Harleß kurz nach dem Beginn der Agitation gegen die berufenen Oberconsistorialerlaffe und redet ihn mit der kaustischen Aeußerung an: „Sie sind jetzt auch nicht zu beneiden, Herr Präsident." Präsident: „Aber ich möchte Sie beneiden um Ihre kirchlichen Einrichtungen." College: „Wie so?" Präsident: „Wenn in Ihrer Kirche die oberste Autorität gesprochen hat, so schweigt die Gemeinde und fügt sich." College: „Aber da wäre wohl zu helfen." Präsident: „Wie so?" College: „Werden Sie katholisch." Aus dem Oberamt Geislingen wird der Deutschen Volks halle geschrieben, daß der katholische Student, welcher in die auf dem Bahnhof von Geislingen von einer frommen Hand ausge- legte Bibel spukte, am 9. December auf zwei Monate in das Almer Kreisgefängniß wanderte, der mitangeklagte Lehramtscan- didat aber infolge einer Nachuntersuchung freigesprochen wor den ist. Groflherzogthum Hessen. Vom Niederrhein vom 8. Januar berichtet das Mainzer Journal, es werde demnächst eine höhere Verfügung erwartet, nach welcher an Sonn- und Feiertagen alle Wirthschasten und Läden bis 5 Uhr Nachmittags geschloffen bleiben müssen. Marburg, 10. Jan. Zu der hiesigen Casinoangelegcn- heit verdient nachträglich als nicht uninteressant noch bemerkt zu werden, daß dasjenige Mitglied der Casinogesellschaft, wel ches im Auftrage des Hrn. Hassenpflug dessen Aufnahme bean tragte und bei Lem infolge dessen stattfindenden Ballotement auch selbst mitstimmte, Niemand Anderes war, als der Polizei director Sunkel, welcher in der dann erfolgten Nichtausnahme eine politische Demonstration gegen das bestehende (oder doch vielmehr das nicht mehr bestehende?) Regicrungssystcm erblicken zu müssen glaubt. Die Casinogesellschaft, an sich ohne allen politischen Carakter- befindet oder befand sich also in ganz ähn» licher Lage wie jene Landstände, welche zwar unzweifelhaft daS Stcuerbewilligungsrecht haben, denen aber ein Steuerverwei- geruugsrecht nicht zugestanden wird. Jedenfalls wird eS für alle geselligen Vereine Kurheffens künftig nöthig werden, wenn ein Ballotement vorgenommen werden soll, zuv«d«st bei der Polizei nachzufragcn, ob es erlaubt sei, eine schwarze Kugel zu geben. Koburg, 11. Jan. Gestern und heute ist das Statut und das Programm der Koburger Bierbrauer-Aktiengesellschaft aus gegeben worden. Das Capital der Gesellschaft besteht in 250,000 fl. rh. in 1250 Actien zu 200 fl. rh. Die Actien sind zu 5 Procent jährlich verzinslich und gewähren überdies An spruch auf Dividenden. Zur Gründung der Actiengesellschast hat sich ein Comitv gebildet, an dessen Spitze Herr L. A. Rie dinger aus Bayreuth steht und welchem Comitö Herr Bier brauer Gabriel Sedlmayer aus München beirathend zur Seite steht. Als Productionsquantum ist vorläufig die Summe von 27,000 Eimer Bier angenommen und wird der Brauereibetritb nach bayrischer Methode stattfiuden. Flensburg, 9. Jan. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung der schleswigschen Ständeversammlung steht unter An- derm die Motivirung der Proposition von Baron v. Hobe und Mehren, betreffend die Aufhebung der dänischen Kirchen- und Schulsprache in Len Kirchspielen des Herzogthums, wo die Volkssprache vermeintlich die deutsche sei. AuS der Schweiz. Die Neue Züricher Zeitung berich tet: Ein hochachtbarer deutscher Gelehrter in einer mitteldeutschen Residenzstadt übersendet an einen züricher Staatsmann 200 Fr. mit den Worten: „Meinen Gefühlen für die Schweiz möchte ich in dieser verhängnißvollen Zeit einen Ausdruck verleihen. Die Einigkeit und die Kraft ihrer Bewohner, unterstützt durch das Gefühl des Rechts, werden die Schweiz hoffentlich vor der Furie des Kriegs schützen. Meine besten Wünsche der letzten, aber festen Freiheitssproffe des Continents." Bern, 9. Januar. Der „Köln. Ztg." wird geschrieben: Die französische Note, welche die vom Bundesrathe gewünschte Verpflichtung gegenüber der Schweiz ausspricht, ist gestern dem Bundesrathe vorgelegt worden. Eine besondere Konferenz wird sich mit der definitiven Erledigung des Conflicts zu befassen und die Schweiz dabei ihre Vertretung haben. Daß indessen der gestrige Tag noch keinen Einfluß auf die militärischen Anord nungen zu übeu vermochte, ist sehr begreiflich. Keine Maßregel wurde deshalb abbestellt, kein Bataillon auf seinem Marsche angchalten, vielmehr bleiben die Einrichtungen, bis von Seiten Sr. Majestät des Königs von Preußen eine Antwort erfolgt sein wird. — Dem Frankfurter Journal schreibt man aus Bern: Englische Aerzte, die in der Krim gedient, und englische Mili tärs bieten durch unsern Consul in London ihre Dienste an. Eine englische Dame, die im orientalischen Kriege als barm herzige Schwester in Skutari diente, schrieb folgenden Brief an den Consul: Da ich gelesen habe, daß die schweizerischen Frauen Las Beispiel der Miß R'ühtingale zu befolgen beabsichtigen, indem sie ihre Dienste zur Erleichterung der Leiden ihrer Lands leute freiwillig anbieten für den Fall, daß der Krieg unvermeid lich wäre, so erlaube ich mir, Ihnen anzuzeigen, daß auch Frauen aus England mit Freuden sich mit jenen zu diesem Werke ver einigen würden. Ich war selbst in Skutari und bin daher im Stande, über die Nothwendigkcit und Wohlthat weiblicher Pflege und Sorgfalt zu urtheilen. Gott möge Liese schreckliche Plage abwenden; widrigensalls aber und wen» Sie diesen Vorschlag bcrücksichtigenswerth finden und einer Anzahl englischer Frauen gestatten sollten, Ihren cdeln Landsmänninnen beizustehen, so seien Sie versichert, daß wir mit Gottes Willen gern bereit sind, jedem Rufe zu folgen. Ich kaust Ihnen meine Dienste nicht als eine der Neichen uud Edel» des Landes anbieten, sondern bloS als eine unbekannte Person, welche nur aus Beweggründen reiner Liebe zu Gott und zu ihren Nebenmenschen so handeln will. Ich bin des Französischen und Italienischen mächtig.