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Auerlhal -Zeitung. Lagevlatt für die Stadt Aue und Umgedunit» «rsch.lnt »täglich Nachmittags, außer an S»> > 11 iseirrtagen. — Prei» pro Monat frei ins Hau« 20 Pfg., abgeholt 1k Psg. — Mit der Sonntagsbeilage: „Der Zeitspiegel" Bei der Post abgeholt p^a Vierteljahr 1 Ml. — Durch den Briesträger 1.40 Mark. Billigste Tageszeitung im Erzgebirge. verantwortlicher Redakteur: Ernst Auuk«, Aue jErzge r». Redaktion u. Expedition: Aue, Marktstraße. Lufeeal» ne einspaltige Petitzeile 10 Pf«., an.tltchf Inserate die CorpuS-Zeile 25 Pfg., Reklamen pro Zeile 20 Psg. Bei 4 maliger Aufnahm. 2k>»/o Rabatt. — Bei größeren Inserat« ». mehrmaliger Aufnahme wird entspreä ent höherer Rabatt gewährt. Alle Postanstalten und Landbriefträger nehmen Bestellungen an. Nr. 127 Gemäß § b Abs. 4 de« Gesetzes, die Einführung einer allgemeinen Schlachtvieh- und Fleischbeschau betr., vom 1. Juni 1898 ist als Stellvertreter des wissen» schaftltchen Fletschbeschauers für den Stadtbezirk Aue der approb. Thierarzt Herr Ernst Holzapfel in Lötznitz in Pflicht genommen worden. Aue, den 23. Mai 1900. Der Rath der Stadt. Rudolf, Rathsassessor. Kühn. L-eVinisetztE» Deutschland. 8 Der Zigeunerplage soll endlich in Preußen ein Ende gemacht werden. Behuss Bekämpfung der Unzu träglichkeiten nach dieier Richtung hat der Minister des Innern angeordnet, daß den Anträgen der Zigeu ner auf Erteilung von Wandergewerbescheinen nur dann stattzugeben sei, wenn die genau vorzunehmende Prüfung derjpersönlichen Verhältnisse keinen Versagungs grund ergiebt. > Das beleidigte Biesenthal. Am Sonntag tagte in Biesenthal eineBürgerversammlungzur Besorechung der von der „EberSwalder Ztg." gebrachten Mitteilung, daß der Erste Staatsanwalt Unger-Prenzlau über die Stadt Biesenthal im Allgemeinen gesagt haben soll: Ganz Biesenthal stehe nach seinen Erfahrungen auf einem sehr niedrigen sittlichen Niveau". Die Versamm lung erwähnte ein Comitee, das im Namen der Bürger schaft die Sache verfechten soll. Schließlich nahm man einstimmig folgende, im Wortlaut von Majrr v. Tietzen- Hennig vorgelegte Resolution an, die mit den Unter- schriften deS ComiteeS bereits am Montag an den Staatsanwalt abgeschickt worden ist: „Nach einem in der „Eber»walder Ztg." vom 26. Mai enthaltenen Be richt über die Sitzung der Strafkammer vom 23. Mai sollen Sie in Ihrer amtlichen Eigenschaft das sittliche Niveau von ganz Biesenthal al« sehr niedrig bezeich net haben. So unglaublich dies auch kl'ngt, so hat die am 27. d. M.dieserhalb zusammengetretene Bürger. Versammlung es doch für erforderlich erachtet, das unterzrichnete Comüee zu beauftragen. Sie auszusor- dern, sich binnen drei Tagen dahin zu äußern, ob die obige angeblich von Ihnen ausgesprochene Beschimpf- Mittwoch, 6. Juni 1900 12. Jahrgang ung der Biesenthaler Bevölkerung stattgefunden hat«1 und wenn nicht, welche Schritte Sie gethan haben, um die Oefsenrlichkeit mit der Wahrheit der Thatsache bekannt zu machen. Das Comitee". 8 Kiel, 31. Mai. Diese Nacht hat ein große» Brandunglück das Dorf Dalldorf bei Segeberg heim gesucht. Das Dorf ist vollständig cingeäsckert, 23 Gebäude sind der Vernichtung anheimgefallen. Der Vieh- und Jnventarverlust ist sehr bedeutend. 8 Karl Neufeld, der ehemalige Gefangene des Mahdi, wird im nächsten Monat wieder nach den» Su dan zurnckkehren, nachdem seine Mutter das ihr vis- her gehörige Gut Kl. Rohbau bei Riesenburg in West preußen dieser Tage verkauft hat. Neufeld, welcher im Sudan den Posten eines Verwaltungsdirektors einer von Deutschen gegründeten großen Fabrik übernommen hat, wird auf der Fahrt nach dem dunklen Erdteil von seiner ersten Gattin, welche er vor Antritt seiner Er- forschungSreise in England geheiratet hatte, seiner er wachsenen Tochter, seiner Schwester, sowie dem früheren Gutsinspektor seiner Mutter, o. Natzmer begleitet sein. Letzterer wird in der von Neufeld zu leitenden Fabrik die Stellung eines ersten Buchhalters einnehmen. § Ueber eine köstliche Jagdschnurre berichtet die „Postztg." : Ein rassinirtes Verfahren zur Jagd auf Füchse hat ein Jäger des Bezirkes Hahnenkamm erprobt. Der Dachshund, welcher möglichst kleiner «Gattung sein soll, wird mir eigens konstruirten elektrischen Glühlich tern, die in verschiedenen Farben erstrahlen, versehen. So ausgerüstet läßt man den Hund in den Fuchsbau. Die Wirkung ist eine geradezu verblüffende, Die un gewöhnliche Erscheinung tr-ibt Meister Reinecke zur sofortigen Flucht, und der Jäger hat nur Obacht zu geben, daß Letztere für ihn nicht allzurasch bewerkstel ligt wird. Der kleine, sinnreiche Leuchtapparat soll patentirt werden. Warum der gescheite Dackel nicht gleich so dressiert wurde, im Fuchsbau auf dessen Be wohner eine elektrische Ladung loszulassen und so den Meister Reinecke statt durch einen unsicheren Schuß des Jägers auf zestgemäße, moderne Art selbst zu tö ten, ist schwer zu entscheiden. Dadurch würde die Ge schichte jedenfalls an Glaubwürdigkeit noch mehr gewinnen! Aber der elektrisch beleuchtete Dackel ist immerhin eine schöne Leistung. Aus dem Altenburger und Thüringer Lande, 3l. Mai In Dachwig bei Erfurt sollte der verheiratete Landwirt Wilhelm Raßdorf verhaftet und rns Land gerichtsgefängnis zu Erfurt gebracht werden, weil er sich an einem 7jährigen Mädchen unsittlich vergangen h« tte. Er entzog sich aber der irdischen Gerechtigkeit, indem er sich in seiner Scheune erhängte. — Eine große Rohheit ließ sich der Kutscher eines großen Ge schäfts in Koburg dadurch zu Schulden kommen,' daß er einige neugierige Knaben am Halse packte uns mit dem Kopfe in ein in der Nähe stehende.', zu» Lett* mir Schwefelsäure gefülltes Faß drückte, wöbet zwei Knaben durch Einatmen dieser giftigen Dämpfe be wußtlos wurden. Während sich der eine al-bald wie der erholte, brauchte der schnell herbeigeholte Arzt bet dem andern Knaben fast zwei Stunden, di« er ihn wieder ins Leben zurückbrachte. — Ein Glückwunsch schreiben des Kaisers, sowie ein Kistchen hochfeiner Havanna-Cigarren erhielt durch Vermittelung de« Kaiserlichen HofmarschallamtS der Kossäth Schumann in Lüttgendorf bei Eisleben, der dieser Tage seinen lOO. Geburtstag feiern konnte. Da» greise Geburts tagskind erfreut sich noch geistiger Frische und körper licher Rüstigkeit; das liebste Vergnügen sind ihm sein« Tabakspfeife und Cigarren. — Im Herbste scheiden aus Weißenfels in Folge Verlegung des 12. Husaren regiments zwei Schwadronen Husaren. M't Rücksicht aus das gute Einvernehmen, das stets zwischen der Bürgerschaft und der dort fast 50 Jahre garnisoniren- den Truppe geherrscht Hal, bewilligten die Stadtver ordneten 1000 Mark zur Stiftung eine» Meinen Leuchters für das Ofstzierkorps des Regimen iS und 750 Mark zur Veranstaltung eines AbschiedSfesteS für die Unteroffiziere und Mannschaften. — Die Zahl der Todesfälle in Tanna in Folge Masernerkrankung ist ans sechs gestiegen. Auch in einer Familie-deLSchul» Hauses sind die Kinder an ven Masern erkrankt. Auf bezirks^rztliche Anordnung ist der Schulunterricht bi» Donnerstag, den 7. Juni geschlossen wo.den. — Wie einige Zeitungen wissen wollen, soll jetzt im Herzog tum Sachsen-Meiningen dje schulärztliche Behandlung für sämtliche Schulen des Landes angeordnet worden sein. — In einem Walde nahe bei Clodra flog beim Schlagen eines LprenglocheS dem Forstarbeiter Popp »n Splitter vom Eisenhammer derart unglücklich in» Auge, daß rS auslief. — Das 4. Thüringische In fanterie-Regiment Nr. 72 in Torgau beabsichtigt, sei nen im Feldzuge I87O/7l auf dem Felde der Ehre ge fallenen Kameraden ein Den mal bei Vionville zu er richten, auf dem Schlachtfelds des 16. August, wo 3V Offiziere und 862 Unteroffiziere und Mannschaften de» Regiments fürs Vaterland bluteten. Die Kosten de» Denkmals, das 16. am Ang 1901 enthüllt werden fall, sind ans 5—6000 Mark veranschlagt. da» weiter aufrecht zu halten für mich keinen Zweck mehr l ter Lebensunterhalt werde ihn vor thörichten Schritten hat. Gestatte, daß ich mich wieder nirders«tze," sprach sie I bewahren Di« Zahl seiner Gläubiger war unberechenbar, die Schulden, die er gemacht, für seine Verhältnisse ab norm, und die. Gattung dieser Schulden legte sehr deut- lich Zeugnis ab für sein mangelndes Ehrgefühl. Ich be griff sehr rasch, daß, wenn der Znfall mir auch eine noch so glänzende Stelle als Gesellschafterin oder Erzieherin verschaffen würde, all' meine Ersparnisse nur ein Tropfen seien, der im Meere versinken mußte. Und da beging ich das erste große Unrecht meines Lebens, an» dem alle» übrige hervorgegangen ist; ich heiratete Dich, nicht au» Liebe, sondern weil ich glaubte, aus diese Weise den Schwur besser halten zu können, den ich der Toten geleistet. Eine Zeitlang ging denn auch alles erträglich, ich hatte meinem Vater das Versprechen abgernngen, daß er dem Spiele entsage und bei mir leben wolle. Es gelang mir, durch namhafte Ersparnisse, die ich im Hanshaste machte, durch den Verkauf mancher Schmnckgegenstände, die Du mir ge schenkt und deren Abgang Dir nicht ausfiel, nach und nach seine drückendsten Schulden abzustoßen. Ich fing an, zu hoffen, daß eine Zeit der Ruhe und de» Frieden» für un» heranbrechen solle, eine Zeit, in der e» mir vergönnt sei. aufzuatmen, in dein Bewußtsein treuer Pflichterfüllung dem Manne gegenüber, den ich al» ein Bermächtni» der teuren Toten ansehen gelernt. Der Gedanke an Dich be schäftigte mich im Grnnde genommen nur wenig; Du warst mir Mittel zum Zweck, nur durch Dich konnte ich mein Gelöbnis halten, aber weil ich Dich nicht liebte, kam e» mir nicht schlecht vor, Deine blinde Schwäche und Güte auSzunützen." Ste hielt einen Augenblick inne und fuhr dann fort: ^Gle laxe Moral ist jedenfalls ei» Erbteil mei ne» Vater«, da» sich grausam an mir gerächt hat. Unser Kind erblickte da« Licht der Welt, und damit begannen für mich die Konflikte zwischen Liebe und Pflicht, denen ich oftmals zu erliegen drohte. Ich hatte da» Gefühl, daß jeder Kreuzer, den ich dem Hanse entziehe, um ihn mei nem Vater znznwenden, ein Raub an meinem Kinde sei, und ich besaß doch nicht die Lharakterkraft, et» End« zu machen und durch ein offenes Geständnis, da» ich Dir hätt» ablegen müssen, bi» Verhältnisse sür immer zu klär««," mit matter Stimme. „Meine Kräfte verlassen mich in letz- ter Zeit gar häufig, und wa» ich zu erzählen habe, ist nicht in zwei Worten gesagt, es beginnt an einen: Toten bette und endet an einem solchen. Meine Mutter starb, wie Du weißt, al» ich noch ein Kind war, aber ein früh reife» Kind, dessen Charakter durch die Schule des Lebens zwangsweise zu einer gewisse» Selbständigkeit herauge- bildet worden. Wir hatten viel mit Not und Entbehrung zu kämpfen gehabt; durch die Schuld meines Vaters im mer tiefer und tiefer gesunken, waren unsere Mittel im mer beschränkter geworden; er hatte meiner Mutter da» Herz gebrochen, aber sie liebte ihn, liebte ihn mit jener Zähigkeit, deren nur ein Frauengemüt fähig ist, und die, Gott sei« geklagt, auch auf mich übergegangeu war." „Auf ihrem Totenbette nahm ste mir dasGelöbnis ab.ihn nie zu verlassen, stets treu zu ihm zu halten und ihm in allen Lebenslagen zur Seite zu stehen; sie mochte wissen, was ich damals noch nicht gewußt, daß er ei» wahres Talent besaß sich in heikle Situationen hineinznüringen, und «S dann nicht immer eine leichte Aufgabe war, ihn wieder in normale Bahnen zu lenken. Ich nahm meine Mission ernst, ich war stets nur auf seinen Vorteil bedacht, und al» Du damals jenen großmütige» Antrag stelltest, mir eine sorgfältige Erziehung angedeihen zu lassen, da war e» wieder der Gedanke, daß ich ihm von größerem Nutzen sein könne, der mich veranlaßte, ans Deinen Vorschlag einzngehen; ich war es, die darauf bestand, er solle sich von Dir eine Pension anSwerfen lassen, denn ich glaubte, wenn er vor Not geschützt sei, werde ich bei unserer durch die Verhältnisse unvermeidlichen Trennung die Gewißheit mit mir nehmen können, daß er wenigsten« keine unreelle Handlung begehe, durch die er mit den Gerichten, vor de nen er stet» ein« heilige Scheu besessen, in Kollision ge raten könne. Al» ich nach einigen Jahren da» Institut verließ, da sollte ich freilich einsehen lernen, wie sehr ich mich getäuscht, wenn ich geglaubt, ein Halbweg» gesicher ter Lebensunterhalt werde ihn vor thörichten Schritten Geächtet. Roma» von Max von Weißenthurn. „UebrigenS, da wir schon auf dem Fragekapital an- aelangt sind, wirst Du vielleicht so gefällig sein, mir Aus kunft zu geben, wer Dir das Recht einräumt, mich mit Beleidigungen förmlich zu überschütten?" „Mir das Recht einränmt, nicht übel da», Du hast originelle Einfälle; glaubst Du wirklich, eine Diebin und Betrügerin gleich Dir dürfe auch noch empfindlich sein, noch wählerisch in der Art der Worte, welche man ihr ge genüber zum Ausdruck bringt?" Sie stand auf, schlank, hochaufgerichtet, gebieterisch blickte ste zu ihm hinüber, und unwillkürlich entsann er sich de» Augenblickes, in dem er zum erstenmal dieses herr liche Frauengebild vor sich gesehen. „Und wer sagt Dir, daß ich eine Diebin sei?" „Wer? Die Thatsachen sprechen deutlicher als Worte." „Ja, wenn man ungehvrt verurteilt, wenn man sich nicht die Mühe giebt, zu forsche», zu untersuchen, zu prü- fen! Glaubst Du etwa, es habe mich wohlihätig berührt, al» ich in Deinen Augen, in den Angen de» Manne», der verpflichtet gewesen wäre, mich zu hüten und zu be schützen, zum erstenmal jenen häßlichen Verdacht gelesen, der mich verurteilte, ohne mich auch nur gehört zu haben ? Jahre sind in» Land gegangen seit jener Stunde, da ich, t» Rahmen der Thür stehend, die Situation begriff, sah, daß bei Dir eine Kassenvisitation angesag: worden, und auch in Deinen Augen la», daß Du mich, Dein Weib, die Mutter Deine» Kinde», für die Schuldige gehalten! Jahre sind vergangen, aber jener Augenblick ist wie mitFlammen- schrift in mein Herz gegraben; er ist vielleicht da» Schwerste von allem Schweren gewesen, da» ich zu tragen hatte!" „Und wer war der Schuldige, wenn nicht Du?" fragte Kurt kalt und überzengnngSlo». 77,18* „Wer, ja, wer! Da» ist da» Geheimni» meine» Leben»,