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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 12.12.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-12-12
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19001212028
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900121202
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900121202
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-12
- Tag 1900-12-12
-
Monat
1900-12
-
Jahr
1900
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Xsodärooli vordotso., O«I4 Lriel — 80 aarisk. 4075 4175 wLli» . —— 3550 — I8I00 S45c 3525 sre. . 38/5 3807 — 1559 tzstl» . 8700 17000 17200 ..... 825L evd»cii —— 12300 7275 — ... 13400 13500 «oUck. . 3350 — ... 2550 — 3800 stavtia «oo 875 15'0 6d»rl. 1475 3375 3475 oodere — 890 1950 . » » 2400 2475 ... 2800 2850 ... 14'00 - — iksrörsd 1400 — 825 700 1600 —- 90 110 ... 2125 2200 » « M 1250 1300 ... — 00 ... 20550 .ctisir . 1000 4.-0. . — 2900 » 4 4 — — — » 4 » - - — ... — 425 ... 13000 — «44 —» 2)0 4>ovw. 1700 1800 ... 450 500 ... — 305" ... 8400 850!) ... —— 1375 k 2350 0. 24L 0 8. mollsro eemdvr. 2Z57 tVuod» VZL). tVucds O.VS). pfsr: ^Oslieis" (1II2> 0 Usmdorx von Xsv ri»- <10 121 io ksrs, dpi -lsodsek« Hsneu irisodure" (10/12) »„1 la H»U/42 von 4«iu voll kottlsocl, Oer voa kiov ^or8 : 4er I voo 8ootd»mptoll. pt»r, <10121 10'12) voll vollloxlle )porto llsed 8«otv», tsr ^ksoxsll»- (1I/I2> vo«llo» /tlro»" (10/12, Io^4' III 8r«m,ll, rcrvk to 1,«Ip«>r, lll Uvllxkollx (10/121 >r", la «v-lllls (io 12 »U« vior voo 8r«weu. 21 »Lolo", ill Lrowor lov. «lldllrx», voll Soltsr- 1 K»»p«1 (10'12, 1 ddr (10/12, 5 vdr «seiull tl»od»1 (10/12) .S«4«I- ,«l» vsldiwor» I-1»,r<I Bezug-«Preis i« der Hauptexpedttio« oder den im Stadt» bezirk und de« Vororte« errichtete« LuS- aabestellen abgeholt: vierteljährlich4.50, bei zweimaliger täglicher Zustellung in« Hau- ^l K.50. Durch die Post bezogen für Deutschland u. Oesterreich: vierteljährl. <j. Man abounirt ferner mit entsprechendem Postanffchlag bei den Postanstalten in der Schweiz, Italien, Belgien, Holland, Luxem- bürg, Dänemark, Schweden und Norwegen, Rußland, den Donaustaaten, der Europäischen Türkei, Egnpteu. Für alle übrigen Staaten ist der Bezug nur unter Kreuzband durch die Expedition dieses Blatte» möglich. Die Morgen-AuSaabe erscheint um »/,7 Uhr, die Abend-Ausgabe Wochentags um 5 Uhr. Aedartion und Erpe-ition: Johannisgasse 8. Filialen: Alfred Lahn vorm. O. Klemm'- Sortim. Umversitätsstraße 3 (Paulinum), LoutS Lösche, Katharjnenstr. 14, Part, und König-Platz 7. Abend-Ausgabe. Wp.rigcr TagMalt Anzeiger. Amtsblatt des Königlichen Land- «nd Amtsgerichtes Leipzig, des Mathes nnd Molizei-Ämtes der Ltadt Leipzig. Anzeige« »Prei- die Ngespaüene Petitzeile LS H. Reclamrn unter dem RedactionSstrich <4 gespalten) 75 L>, vor den Familiennach richten (-gespalten) SO H. Tabellarischer und Ziffernsatz entsprechend höher. — Gebühren für Nachweisungen und Offertenannahme 25 H (excl. Porto). Ertra-Beilagen (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbeförderung 60.—, uiit Postbeförderung ^l 70.—, Annahmeschlnß für Anzeigen: - Abend-Ausgabe: Vormittag» 10 Uhr. ' Morgen-AuSgabe: Nachmittag- 4 Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je ein« halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis Abend- 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Polz t» Leipzig. Mittwoch den 12. December 1900. SL Jahrgang. Die Wirren in China. Bessere Aussichten? Die Londoner „Daily News" berichten aus Shanghai: Durch Edicte vom 6. und 7. December sind der fremden- freundliche Wan-wen-schao zum Grotzsekretär und Lin-schan-hin zum Präsidenten der Finanzkammer er nannt worden. Es scheint also — freilich hat es schon wiederholt so geschienen und man hatte sich doch getäuscht —, daß die Kaiserin-Wittwe die Zeit zum Einlenken für gekommen erachtet. Austausch der englisch-indische» Truppen iu China. Das englische Kriegsamt ist in großer Verlegenheit betreffs des Zustandes der 45 indischen Regimenter, welche sich in China befinden. Die Mannschaften zeigen sich nach den Berichten der englischen Commandanten als durchaus unfähig, das winterliche Klima in China zu ertragen. Es ist deshalb bei Lord Curzon angefragt, ob es möglich sei, wenigstens die Hälfte der Truppen durch Regimenter aus den Gebirgsstämmcn der nordwestlichen Grenzbezirke zu ersetzen. Der Wiuterfkldzug. Theodor von Scheve, vormals erster Jnstructionsofficier im Lager von Tientsin, schreibt der „D e u t s ch e n W a r t e" u. A.: Mittlerweile ist auf dem Kriegsschauplatz in Tschili der Winter eingetreten. Das vom 9. December gemeldete Zu frieren des Peiho und des Außenhafens von Taku war seit mindestens zehn Nachten zu erwarten. Unter dem Außenhafen von Taku ist bekanntlich derjenige Theil der See zu verstehen, welcher zwischen der etwa 4 Kilometer von der Küste entfernt liegenden Moddbarre und dem Ufer liegt. Die See friert bei sehr strenger Kälte zwar auch noch 1 bis 2 Kilometer über die Barre hinaus zu, doch wird dieses Eis bei starkem Seegange meist in wenigen Tagen wieder von der Fluth hinweggespült. Der Schiffsverkehr nach Taku und Tientsin ist nunmehr auf etwa drei Monate unterbrochen. Alle Sendungen für Tschili müssen daher über Schanhaikwan bezw. Tschingwantao geleitet werden, an welchen Orten in Folge der festeren Boden gestaltung der Küste Eisfreiheit herrscht. Die Intendanturen yaben ausreichend Zeit gehabt, die Verpflegung der Truppen für die Wintermonate sicherzustellen, auch lvird ein großer Theil der Weihnachtsgeschenke bereits in Tientsin cingetroffen sein. Die übrigen Sendungen können aber erst befördert werden, wenn die bisher von den Russen der Allgemeinheit vorenthaltene Eisen bahnstrecke Schanhaikwan-Ticntsin betriebsfähig ist. Der Preis der Schlittschuhe wird in Tientsin und Peking bald ins Ungeheuere steigen, doch muß dieses schöne Winter vergnügen beim ersten Staubsturm, der aus Norden hinunter bläst, eine arge Trübung erfahren. Kleinere Binnengewässer werden zwar mit Segeltuch oder Strohmatten zeltförmig über deckt, doch hält bei starkem, oft zwei bis drei Tage anhaltendem Sturm der Staub auch in die bestgeschiitzten Räume seinen stören den Einzug. Unsere Matrosen werden sich auf dem Peiho und anderen Gewässern mit Eisschlitten vergnügen können, denen mit Hilfe von kleinen Segeln eine außerordentliche Geschwindig keit gegeben werden kann. Da in den Bergen bei Peking Fichten in ausreichender Zahl vorhanden sind, und auch die Bahn linie von Peking über Tientsin bis Schanhaikwan am 15., spätestens am 20. December (siche das folgende Tele gramm; d. Red.) dem Betriebe übergeben werden soll, so wird cs unseren braven Chinakriegern, wenigstens für jede Compagnie, an einem Weihnachtsbaum kaum fehlen. * Peking, 10. December. (Meldung deS „Reuter'schen Bureaus".) Obwohl, wie gemeldet, die Eisenbahnverbindung mit Tientsin wieder hergestrllt ist und gestern ein Eilzug mit einer Locomotive und vier Wagen ohne Unfall hier eintraf, wird die Bahn doch erst am 15. December dem allgemeinen Verkehr geöffnet werden. Tie Lccrüubcr-Calamität. AuS Hongkong, 10. December, meldet daS „Reuter'sche Bureau": Eine Depesche aus Canton meldet: In der Nähe von Scheklung wurde eine Dschunke von See räubern geentert und 3000Dollars auf derselben geraubt. Die Piraterie und das Räuberwesen nehmen sehr überhand. Das Reisen in Kwangsi und Kwangtung ist sehr unsicher. Die Beamten sind anscheinend außer Stande, die Ordnung wieder herzustellen. Tic verunglückte belgische Expedition. * Brüssel, 11.December. lRepräsentanteukammer.) Auseine Interpellation der Socialisten betreffend die aufgegebene belgische Chi na-Expedition erklärt der Minister des Innern deTrooz, die Chinesen hätten, nachdem sie die Europäer zum Bau von Essen» bahnen ins Land gerufen, die Verträge gebrochen und belgische Staatsangehörige angegriffen. Wegen der Frage, woher die Initiative zu der Expedition rühre, möge sich der Interpellant an die Bürgermeister wenden, die den Plan angeregt hätten. Dieser sei jedoch der Ermuthigung würdig gewesen und die Regierung habe ihn von Anfang an innerhalb der verfassungsmäßigen Grenzen ermuthigt und ihre Bestignisfe nicht überschritten. Man dürfe, da doch Landsleute angegriffen worden seien, der Negierung keinen Vorwurf machen, daß es dieselben habe vertheidigen wollen. Daraus lvird die Debatte über diesen Gegenstand geschlossen. Der Krieg in Südafrika. Krügcr'S Mission kann endgiltig als gescheitert angesehen werden, da nun auch die holländische Regierung sich anders besonnen und ihm erklärt hat, daß sie in der Schiedsgerichts-Ange legenheit eine passive Nolle spielen und auf die Initiative der Großstaaten warten müsse. Auf diese ist aber unter keinen Umständen zu rechnen. Die Abweisung, die Krüger in dem stammverwandten Holland findet, ist dabei eine ziemlich radikale. Der französische Minister des Auswärtigen, Delcasso, gab Krüger wenigstens die nicht ganz trostlose Versicherung.' wenn eine andere Großmacht voranginge, werde Frankreich folgen, der holländische Ministerpräsident, Pierson, dagegen bedient sich der frostigen Formel: dann könne die niederländische Regierung „sehen, was sie thun werde" — also auch dann wird sie sich's nochmals überlegen, sie könnte ja auch dann noch den tödtlichen Zorn Englands auf sich laden. Tcr hinkende Bote. Im englischen Unterhause brachte gestern der Kriegsminister Brodrick die Nacht ragsfordernng fürdasHeerinder Höhe von 16 000 000 Pfund Ster- lingein und führte aus, die Erwartungen, welche man bei Auf stellung des letzten Budgets gehegt, seien nicht erfüllt worden. Man müsse sich bis 31. März auf eine Ausgabe gefaßt machen, welche wenig geringer sein werde, als diejenige des gegen wärtigen Finanzjahres. Auf die Lage in Südafrika über gehend, sagte der Minister, dnrch den Guerillakrieg werden die Feindseligkeiten noch eine gewisse Zeit lang andaucrn können, allein ohne Hilfe von außen werde der Guerillakrieg schließlich keinen Erfolg haben. Brodrick weist ferner hin auf die Erfahrungen, welche andere Völker bei Zuendeführung von Guerillakriegen gemacht. Es sei deshalb nicht ausfallend, daß England hierbei auf Schwierigkeiten stoße in einem Lande, das so groß sei als Spanien, Cuba und die Philippinen zusammen. Die Regierung könne gegenwärtig auf die Dienste der in Süd afrika stehenden Freiwilligen nicht verzichten. Der Kampf müsse mit aller Kraft fortgeführt werden. Diese Politik werde das Land schneller friedlichen Verhältnissen zuführen. Die Re gierung habe gehofft, beim Wiederzusammentritt des Hauses in Bezug auf die Rückkehr der Truppen befriedigendere Er öffnungen machen zu können. — Harcourt tadelt die Re gierung wegen ihres Mangels an Voraussicht. — Der Kanzler der Schatzkammer, Hicks Beach, ersuchte das Haus, eine Ent schließung anzunehmen, durch die er ermächtigt werde, 11 Millionen L st r l. entweder durch auf die Kriegsanleihe gezogene Schatzbonds oder durch Ausgabe von Schatzwechseln aufzunehmen, um sich die Mittel zur Deckung eines Nach tragsetats von 16 Millionen Lstrl. zu verschaffen. Der Kanzler fügt hinzu, er habe bereits Vollmacht zur Auf nahme einer Anleihe von mehr als 5 Millionen, von der er aber noch keinen Gebrauch gemacht habe. Vor Februar hoffe er keine neue Anleihe und Vollmacht zu benöthigen. Die Entschließung wurde angenommen. — Nach weiterer Debatte nahm das Haus den Nachtragsetat für das Heer mit 284 gegen 8 Stimmen an. Aus einem Privatbrief. Ein Farmer im Oranje-Freistaat schreibt, wie wir dem „Schwäb. Mercur" entnehmen, vom 11. November an einen Freund in Stuttgart: Schon lange liegt eine Antwort auf Ihren Brief vom 14. September in meiner Tasche zum Absenden bereit, doch da ich darin etwas näher und eingehender die ent setzlichen Zustände hier beleuchtete, wagte ich nicht, den Brief, wie so viele andere, abzuschicken. Es hieß plötzlich, man dürfe nur noch englisch schreiben, alles deutsche werde vernichtet, und daß dies geschehen, ist Thatsache. In Europa scheint man anzu nehmen, daß wir hier jetzt Frieden haben und in einigermaßen gesitteten Verhältnissen leben. Das ist keineswegs der Fall: rohe Willkür herrscht überall, den größten Grausamkeiten, der schmählichsten Brutalität ist man preisgegeben — doch, man muß ja schweigen. Raub, Morden, Brand sind die S p u r e n d e r g e s i t t e t e n N a t i o n. Jammer und Trüb sal herrscht überall, verödet und verwaist stehen die Kirchen! Die Menschen sterben dahin ohne Trosteswort, ohne Sakrament, rohe Kaffern scharren die Leichen in den steinhartcn Boden ein ohne Song und Klang. 13 Monate dauert nun schon das ent setzliche Wüthen des Feindes, und ihm ist eine treue Gehilfin die Dürre, die nicht aufhören will. O, wie schaut man Tag und Nacht nach Wolken aus; ein starker Wind macht sich auf, er treibt dunkle Wolken zusammen, sie hängen tief herab auf das lechzende Land, man horcht gespannt, man seufzt und ruft zu Gott, aber vorüber ziehen die Wolken mit Donnerkrachen, ohne einen Tropfen Regen zu geben. Die mageren, elenden Kühe geben ihre Milch; aber sie ist gänzlich bitter; die Rosenbüsche schmücken sich mit Grün und lieblichen Knospen, die alle braun und verdorrt jetzt an dem welken Gezweig hängen. Die Küken gehen massenhaft zu Grunde. Unter der Eierschale bildet sich eine zähe, feste Haut, so daß viele Küchlein in der Geburt sterben müssen, da die Haut undurchdringlich für sie ist. Wirhabe n so gut wie Alles verloren. Das Gespenst der Hungersnot!) schleicht umher und fordert schon seine Opfer. Alle Lebensmittel gehen zu Ende; noch haben wir einen klcinen Vorrat.; von Zucker, Thee und Kaffee und Petroleum, aber lange reicht es nicht, auch Salz und Reis ist nicht mehr zu kaufen, und das Mehl ist knapp. Bisher hatten wir noch voll auf Eier, aber die hören jetzt auf. Nur noch junge Hühner und kleine Schweine haben wir. Gemüse kann keines wachsen, die Dürre und Unmassen von Ungeziefer vernichten Alles. Unser großer See und viele kleine Teiche stehen trocken seit Monaten. Der deutsche Gcneralconsul war in Bloemfontein, um den un ¬ glücklichen Deutschen hier Leizustehen. Wie so gern hätten wir ihn gesprochen in unseren Angelegenheiten, aber man konnte nicht fort. Alles ist gesperrt. Man darf nicht umherreiten u. s. w., und so kann auf der großen Farm alles Mögliche ge schehen oder verloren gehen. * Capstadt, 11. December. Feldmarschall Roberts ist nach England abgereisl. Politische Tagesschau. * Leipzig, 12. December. > Noch bevor der Reichstag gestern die EtatSberathung sortsetzte, batte sich der Herr Reichskanzler davon über zeugen können, daß in der Tbat auch der eindrucksvollste Vortrag die Mängel und Lücken des ZnbaltS einer Rede auf die Dauer nickt verdecken kann. Tenn so stürmisch auch der Beifall gewesen war, den Graf Bülow am Montag im Hause für seine Ausführungen über die Gründe, die eine Inter vention DeutfcklandS zu Gunsten der Boereo unmöglich machen, geerntet hatte, so wenig hatte der größere Theil derjenigen Beurtkeiler, die ihre in der Presse niedergelegte Kritik auf eine von äußeren Eindrücken unbeeinflußte Lcctüre der Parlamentsberichte basiren, ihre Mangel an Befriedigung wegen der Angaben ver hehlt, die der Reickskanzler über die Gründe der Ab weisung deS Präsidenten Krüger von der ReichS-- bauptstadt gemacht oder vielmehr nicht gemacht hatte. Wir citiren nur die „Kreuzztg.", einmal, weil sie sich am höflichsten auSdrückt, zweitens, weil dieses Organ im Hinblick auf die Bedeutung, die ihm im Auslände beigelegt wird, sich die Vertretung der officiellen auswärtigen Politik der Ber liner Negierung angelegen sein läßt, wo cS ihm möglich er scheint. Die „Kreuzztg." aber schrieb, anknüpfend an die Besorgnisse, von denen Graf Bülow sich am Montag für den Fall eines Berliner Besuches Krüger'S erfüllt gezeigt hatte, daS Folgende: Wenn der Besuch in Berlin dem Präsidenten Krüger nichts nützen konnte, vermochte erDeutschland wirklich zu schaden? Darauf ist GrafBülow dieAntwort schuldig geblieben. Wir glauben ober nicht, daß dem so geschehen sei, daß dem Deutschen Reiche wirklicher Schaden aus Krüger'S Empfang in Berlin geworden wäre. Oder meint man vielleicht, daß Frankreich solchen davon getragen habe? Das hat vorläufig wenigstens wahrlich nicht den Anschein danach. Nun kommt bei uns noch folgender Umstand dazu, der verstimmend aus das allgemeine Empfinden wirken mußte. Wurde doch der Richtempfang des Präsidenten Krüger, ob mit Recht oder Unrecht, das wissen wir nicht, auf eine direct von London aus erfolgte Einwirkung zurück geführt. Das ist aber eine für das deutsche Empfinden und die deutsche Machtstellung so wenig verständliche Lesart, daß wir sie für unzutreffend halten, denn was sollte einer Macht, wie sie das Deutsche Reich repräscnlirt, wohl der Empfang deS Herrn Krüger für Nachtheil bringen können?" Die „Kreuzztg." glaubt also an eine Politik der „Sorge", um mit Bismarck zu reden, nur deshalb nickt, weil sie selbst der deutschen Regierung nicht zutrauen möchte, sich durch ein solches Gefühl von einer polnisch bedeutungslosen Freund lichkeit gegen ein schwer getroffenes Staatsoberhaupt abbalten zu lassen. Der Leser aber wird finden, daß die Ungläubig keit und somit daö Vertrauen des conservativen Blattes nur Feuilleton. 10) Lucie. - Original-Roman von Ferd. Gruner. Nachdruck verbot«!. „Sie kennen ihn also. Und — wissen Sie sein fürchterliches Schicksal?" „Jawohl, gnädiges Fräulein. Ich beklage ihn aus tiefster Seele " „Also, Fräulein Lucie, ich bin bereit, bitte", scholl es vom .Hause her, aus dessen Thüre vr. Bollant trat, ein kleines, schmales Köfferchen in seiner Hand. „Leben Sie wohl, liebe Frau Doctor." Ein herzlicher Hände druck, ein freundliches Kopfnicken gegen den Officier, dann schritten die Beiden dem Wagen zu, der rasch davonrollte. Zwei Stunden später kehrte vr. Bollant von Schloß Rawen zurück. Ein unmuthiger, zorniger Zug, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, lag um seinen Mund. Nur kurz war der Gruß, mit dem er Frau und Neffen begrüßte, welche eben die herrlichen Marschall-Niel-Rosen bewunderten, die des Doctors Lieblings blumen waren. „Ist denn der Unfall gefährlich", frug seine Fran besorgt, da sie den Unmuth des Gatten bemerkte. Dieser schüttelte verdrossen den Kopf. „Nicht im Geringsten. Der Knöchel war ganz unbedeutend verletzt. Ein paar Tage absoluter Ruhe und die Geschichte ist wieder gut", brummte er. „Aber was giebt'S denn sonst?" „Nichts. — Das heißt, ich werde es Euch nachher drin erzählen, denn hier" — er blickte im Garten herum — „mag ich es nicht. Es ist doch kaum glaublich." In gespannter Erwartung folgten die Beiden I)r. Bollant in dessen Zimmer. „Setzt Euch nur, denn ich weiß nicht, ob Ihr, oder wenigstens Du, Anna", bemerkte er zu seiner Frau, „auf den Füßen bleibet, wenn ich Euch erzähle, waS da auf Rawcn's Gut draußen vor geht. — Unglaublich, undenkbar, und doch!" brummte er ein paar Mal in den Bart, dann stellte er sich breit mit verschränkten Armen vor Frau und Neffen. „Was glaubt Ihr, was Fräulein Lucie sagte, als ich ihr mit- iheilte, daß der Unfall ihrer Mutter keinerlei Gefahr in sich berge? Erst sah sie mich mit einen! dankbaren, feuchten Kljcke an, daß ich gerührt mir dachte, das Mädel ist doch eine Perle. Mit welcher Liebe es an der Mutter hängt, die cs doch nie besonders zärtlich behandelt hat und welche ihm jetzt in ihrem unglückseligen Zustande so viel zu schaffen gieüt! Aber was sagt sie da? — Sie wäre glücklich darüber, weil ja nun doch ihre Verlobung mit — na, was denkt Ihr? — mit Herrn von Eichentreu stattfinden kann. Ich muß sagen, im ersten Augenblicke lief mir ein eisiger Schauer durch die Glieder. Ich faßte sie schärfer in's Auge. Sollte auch die Aermstc an ihrem Verstände gelitten haben? Aber da lächelte sie mit reinen, großen, dunklen Augen, die nicht reiner sein konnten. Und da ich schwieg, wiederholte sie noch einmal diese Mittheilung. Ich fühlte, ich mußte etwas sagen, aber cs war mir, als ob ich meine größte Lancette verschluckt hätte. Endlich brachte ich's denn doch heraus: „Dann gratulirc ich". Das „herzlichst" ging aber absolut nicht. 'Ich machte eine Verbeugung, drehte mich auf den Absätzen herum und draußen war ich." — Tief aufathmend schloß er seine Rede mit der Frage: „Was sagst Du nun dazu, Anna?" Die kleine Frau war bestürzt, wie sehr sie sich auch Mühe gab, dies zu verbergen. „Nichts, Hugo, nichts, als höchstens — daß das Herz in seinen Neigungen recht wandelbar ist." „Ja, ja, wandelbar, das ist das rechte Wort. AVer s o wandelbar. Glaubst Du es denn nun, Anni, daß man an Allen irre werden kann?" Der Arzt ließ sich auf einen Sessel nieder und starrte finster vor sich hin. „Aber wer ist denn dieser Eichentreu eigentlich?" fragte der Officier, dem die Aufregung der Beiden etwas unverständlich war. Or. Bollant gab ihm die nöthigen Aufklärungen, soweit er es für angezeigt hielt, und schloß: „Sicher ist, daß Lucie Rawen ihrem nunmehrigen Bräutigam bis vor Jahresfrist keine Liebe, vielleicht nicht einmal Achtung entgegengebracht hat und — aber nein — das genügt ja. Es ist einfach unbegreiflich." „Aus Deiner Aufregung, lieber Onkel, entnehme ich, daß Du an den Vorgängen des Gutes regen Antheil nimmst." „Sicher, denn erstens war ich dem alten Rawen, wenn nicht ein guter Freund, so doch ein treuer Berathrr. Er gab etwas auf mich. Und dann habe ich das Mädchen wirklich schätzen ge lernt. Es ist so eine liebenswürdige, ich möchte sagen, groß angelegte Natur. Ich freute mich immer im Stillen über das herzliche Verhältniß zwischen ihr und Max. Ich weiß, wie viel leicht kein Zweiter, daß sie es fertig gebracht hätte, den Alten mit ihm wieder zu versöhnen. Ich kann auch kaum sagen, wie sie sich geberdete, als man den unglücklichen Bildhauer der furcht ¬ baren That verdächtigte und ihn verhaftete. Wie sie die entsetz liche Kunde von dem Schuldspruche aufnahm, weiß ich nicht, denn lange Wochen mied sie die Menschen. Doch als ich sie das erste Mal wiedersah, erschrak ich vor der durchsichtigen Blässe ihres Gesichtes und den dunklen Ringen, die ihre Augen landeten. Und jetzt —" Der Hauptmann, welcher gespannt zugehört hatte, erwiderte kopfschüttelnd: „Jetzt verstehe ich, Onkel, Deine Aufregung. Das ist wahrlich ein seltsames Mädchen. So jäh uns aber auch der Umschwung dünkt, nach dem energischen, fast möchte ich sagen, harten Zug um ihre Lippen, nach dem ruhigen, gesammelten Blick kann man jedoch nur schwer annchmen, daß sie anders als aus vollster, innerlichster Ueberzeugung einen so schwer wiegenden Schritt thut." „Es scheint vielleicht so. Aber verrückt nenne ich es auf jeden Fall", murrte vr. Bollant, der rasch aufsprang. „Zum Kuckuck, jetzt habe ich in der Aufregung wahrscheinlich den Spitalbesuch versäumt; werden die sich wundern! Da muß ich nun gleich fort." Er nahm Hut und Rock und eilte davon. — Fünftes Capitel. Etwa eine Stunde später ritten vr. Bollant und sein Neffe nach Langberg hinaus. Der Arzt hatte dort einige Kranke, welche er besuchen wollte, und der Officier begleitete ihn hierbei. Sie ließen die Pferde, als sie den Wald erreicht batten, der zwischen Bärenstein und Langberg lag, langsam gehen, vr. Bollant erzählte ziemlich ausführlich die Geschichte des gewalt samen Todes Rawen's, die sich ja in diesem Theile des Forstes ereignet hatte. Aufmerksam lauschte der Officier. Als sie den Wald nahezu durchritten hatten und durch die hohen, in immer größeren Abständen stehenden Bäume das Grün der Wiesen und hier und da ein Stückchen eines Daches von Langberg sich erblicken ließ, bog aus einem Seitenwege, den Strauchwerk säumte, rin Mann ein, der langsam, mit wiegenden Schritten dem Dorfe zuging. Seine Kleidung war ärmlich, da« Gesicht geröthet. Von jenem glänzenden, bläulich schim mernden Roth, daS Alkoholikern eigen ist. Bart und Haar waren verwahrlost. Ein Arm fehlte ihm. „Teufel, das ist ja der Malcher Franz, der Hauptzeuge in dem Processe", raunte Bollant dem Neffen zu, der überrascht die strolchartige Gestalt musterte. „Wenn ich nicht sähe, daß der Mann ein Krüppel ist, so würde ich glauben, ich hätte ihn schon einmal erblickt, und zwar in einer Commißjacke", wandte sich dieser leise an den Onkel, der mit finsterem Blicke den ehemaligen Knecht maß. Dieser war anfänglich ein wenig verlegen, als er die beiden Herren so plötzlich neben sich sah. Denn die Pferde waren in der weichen Moosstreu fast geräuschlos herangekommen. Dann aber ging ein freches Lächeln über sein Antlitz, und ein bischen an dem Hute rückend, humpelte er ein wenig schneller auf dem Fußwege voran, dcr nun dicht neben dem Fahrwege ging, auf welchen die Reiter einbogen. vr. Bollant hielt sein Pferd zurück. „Das ist der Schurke, denn daß er ein solcher ist, steht bei mir fest! Aber was Du sagst, istmöglich. Denn der Kerl hatte bis vor einigen Jahren ganz gesunde Glieder. Nur durch die eigene Schuld ging er deS Armes verlustig, da er in die Dreschmaschine gerieth." „Also wäre es möglich, daß ich mich nicht getäuscht hätte, wiewohl ich bei den zahlreichen Versetzungen, die ich mitmachte, nicht gerade viele Gesichter unter meinen Leuten festgehalten habe. Aber diese verschmitzte, heimtückische Physiognomie erinnerte mich, glaube ich, an einen ganz besonders rohen Kerl, der seinen Kameraden in barbarischer Weise mißhandelte, weil derselbe, wie es seine Pflicht war, ihn wegen Ueberschreitung des Urlaubes zur Anzeige gebracht hatte." „Das wäre ihm schon zuzutrauen", brummte der alte Arzt. „Kann mich übrigens bei dem alten Leibdiener auf dem Gute draußen einmal gelegentlich erkundigen. Der Johann weiß es gewiß. Aber nun müssen wir sehen, daß wir in raschem Tempo an dem Schlosst vorbcikommen. Ich habe heute wahrlich keine Zeit, mich länger dort aufzuhalten, da ich in der Stadt ein paar Schwerkranke in Behandlung habe." Sie gaben den Pferden die Sporen und in scharfem Trabe ging es durch das Dorf, denn die Patienten wohnten fast am unteren Ende desselben. Während vr. Bollant die Kranken besuchte, ließ der Haupt mann in einem nahegelegenen WirthShause die Pferde tränken. Er selbst nahm an dem einzigen Tische, der im Schatten einer mächtigen Linde in dem Garten neben dem Hause stand, Platz, studirte einige Augenblicke das alte Localblatt, das ihm der Wirth dienstbeflissen gebracht batte, dann musterte er ein weuiß gelang weilt da« Leben und Treiben auf der Dorfstratze. Vollbeladene, garbenschwere Wagen, die von holperigen Feld wegen (jeder Hof schien einen solchen zu haben, denn die Häuser waren stets durch einen solchen von einander getrennt) auf diese einbogen, und abgeladene, welche in munterem Tempo wieder hinausraffelten, bildeten den einzigen Verkehr. In die kleine Scheuer des Gehöftes neben dem Gasthaus«
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