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Grossenhainer Anterhaltnngs- und Än^ergeblatt. Mit Hoher Concession gedruckt, verlegt und rcdigi'rt von Herrmann Starke. 41. Sonnabend, den 22. Mai 1847. Bekanntmachung. Nach cingegangenen Anzeigen sind bereits mehrfach für Goldmünzen denselben nachgebildete Spielmarken ausgegeben und die Annehmer dadurch in Verlust gesetzt worden. Damit sich vor diesfallsigen Täuschungen gehütet werde, macht man solches andurch öffentlich bekannt. Dresden, am 5. Mai 1847. Königlich Sächsische Kreis-Direktion. o Merbach. Hartmann. Der Chiromant. (Fortsetzung.) Eine leichte Chaise führte den Assessor nach Volpingen. Der Gcheimerath, ein Mann in den Fünf zigern, empfing den Gast sehr freundlich, und wurde noch freundlicher, als er das Empfeh lungsschreiben gelesen hatte. «Sie sind also von Ihrem Fürsten mit Un dank belohnt worden?» sing er, nachdem er bedächtig das Schreiben zusammengelegt hatte, an. «Und was ist jetzt Ihre Absicht?» «Mich nach Oestreich zu wenden, wo ich Verwandte habe.» «Da könnte ich Ihnen vielleicht einen andern Rath geben», meinte der Geheimerath. «Auch mein Hof bedarf geübter Arbeiter, und Sie sind mir als solcher empfohlen. Wenn Sie wollen, so werde ich mich für Sie verwenden.» «Sie sind sehr gütig», erwiderte der Assessor. «Sind Sie Diplomat?» fragte plötzlich der Geheimerath. «Nur Jurisprudenz war mein Studium», log der Gefragte. «Es ist Schade. Hätte Sie da gleich in eine gute Stelle bringen können, da der Graf Lö- wenhard, Gesandter am Jlmenau'schen Hofe, eines zuverlässigen treuen Gehülfen jetzt gerade bedarf. Er ist seit einiger Zeil kränklich, sein Secretair zwar ein redlicher, aber schwacher und wenig umsichtiger Mann, und hat im Prinzen Oscar, dem Neffen des Fürsten, einen entschiedenen Gegner.» Da unterbrach die Unterhaltung der Kam merdiener, welcher einen Brief brachte. «Der Herr Postmeister lassen sich empfehlen, und senden diesen Brief zur gefälligen Durch sicht. Der Postillon, welcher diesen Herrn hier her gefahren, hat ihn mitgebracht, und soll das Schreiben wieder mit zurückbringen», be richtete er. Der Geheimerath nahm, wie es schien, gleich gültig das Papier und besah das Siegel. Des Assessors scharfes Auge erkannte sogleich das Cabinetssiegel seines Fürsten. Mit einem «Sie entschuldigen, bester Herr Assessor, ich werde in fünf Minuten wieder bei Ihnen sein», empfahl sich der Geheimerath. Dem Scharfsinne Holm's war cs nun auf einmal klar, weswegen der Gesandte am Il menauer Hofe den Inhalt der Briefe an den Prinzen Oscar eher kannte als dieser selbst. Der Postmeister war der Verräther. Der Geheimerath trat wieder ein. Viel wurde noch hin und her geplaudert. Der Assessor sing recht fein an, das Gespräch auf die jenseitigen Angelegenheiten zu leiten. Doch der Geheime rath wand sich wie eine Schlange aus der ihm gelegten Schlinge. Das endliche Resultat war, daß Holm in etwa 4 — 6 Wochen zusprechen solle. «Ihr scheint recht bekannt hier zu sein, Schwager», fragte beim Rückwege diesen der Assessor. «Muß wohl», meinte der Gefragte, «wöchent lich wenigstens ein - oder zweimal muß ich diesen Weg machen. Und was habt Ihr denn immer hier zu thun?» Briefe und Zeitungen hin - und zurückneh men, auch manchmal den Herrn hinausfahren, wenn der Geheimerath eine große Fressante giebt. Ja, sie scheinen dicke Freunde zu sein», schloß er. Holm mochte nicht weiter fragen. Er hatte schon genug. Am Abende erkundigte er sich