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Hrchry. 8S. Donnerstag, den 27. November 1924. Ur. 261. stens verboten. Zuwiderhandlungen werden nach Z 19 des sächj. Forst- und Feldstraf gesetzes mit Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 1 Woche bestraft- Adorf i. V., 26. November 1924. Der Sradtrat. Zur Verhütung von Christbaumdiebstählen wild hiermit das Betreten des Stadt- Valdes außerhalb der öffentlichen Wege von heute ob bis 31. Dezember 1924 streng Morler Grenzvole Dies Blatt enthält die an.uichen Bekanntmachungen der Amtshauptmannschaft Oelsmtz, des Amtsgerichts, der A nis, anwaltschaft und des Stadtrates zu Adorf. Dies, Zeitung „schont a« jede« Wochentage nachmittag «it dem Datum de« folgende« Dageo. «onuabeud, liegt die 8seMg« Romau.Beilage .Neue Illustrierte- bei. Fernsprecher Nr. 14 Verantwortlicher Schriftleiter und Verleger Otto Meyer in Adorf. PostschEo. Leipzig 37369 Vie deutsche Luftfahrt. Verhandlungen mit England. Der Vizeadmiral der englischen zivilen Luftfahrt, «eneral Brancker, hat auf seinem Flug nach Indien -"e Zwischenlandung auf dem Flugplatz Staaken bei , Wa« gibt es Neues. -- Die ägyptische Regierung hat beschlossen, durch wen Appell an den Völkerbund dessen Hilfe in Anspruch nehmen. — Der Senatspräsident Ziwar Pascha bat das neue 'Optische Kabinett gebildet. . — Gelegentlich des Besuches des Vizeinarschalls der wglischen zivilen Lustflotte fanden in Berlin Verhandlun- kn über die deutsche Luftfahrt statt. Tie Sezemberwahlen. , Verschiedentlich meint man, eS sei heute stiller w Deutschland, als vor den Reichstagswahlen vom 4. ^ai d. I. Das könnte an und für sich nicht über fischen, denn die verhältnismäßig schnelle Wiederho- wng der Neuwahlen kann nicht eine solche politische Kampflust entfachen, als wenn die Wähler alle vier Mre zur Urne gerufen würden. Hinzu kommt, daß Ar große Frage der auswärtigen Angelegenheiten, der Reparationszahlungen und der Räumung des Nuhr- Sebietes zu einer einstweiligen Entscheidung gekommen M- Durch den Dawesplan sind die Jahreszahlungen Deutschlands an die Entente, allerdings noch nicht die Höhe des Gesamtbetrages, festgesetzt und weiterhin ist in London die Freigabe des Ruhrgebietes bis zum 15. August 1925 vereinbart worden. Es besteht auch Aus- Ncht, daß die Kölner Zone vertragsgemäß im Ja afar 1925 von allen Ententetruppen verlassen wird. Die große Goldanleihe ist ebenfalls zustande gekom men, und die Zeichen des erneuten Vertrauens zu Deutschland haben sich vermehrt. Das sind alles Mo- >nente der Beruhigung gewesen, die aus die Wahlbcwe- 8Ung nicht ohne Einfluß bleiben konnten. Wir dürfen jedoch noch nicht sagen, daß die aus wärtigen Angelegenheiten ein für allemal geordnet sind, denn die politische Gerechtigkeit ist in Paris noch "icht stabilisiert worden, wie jetzt der Fall Nathusius kecht deutlich gezeigt hat. Völkerbund, Militärkontrolle, Kriegsschuld, Grenzsicherheiten usw. bleiben noch of fen, aber ihre Behandlung ist doch in ziemlich normale Bahnen gelenkt worden. So ist es begreiflich, daß für einen großen Teil der Bevölkerung zurzeit die inne- een und wirtschaftlichen Dinge die Hauptteil lahme beanspruchen. Die deutsche Mark ist durch die Rentenmark stabilisiert worden, aber das große Loch an Geldbestande, welches durch die vorangegangene Inflation herbeigesührt worden ist, kann nur langsam durch neue Kapitalbildung wieder ausgefüllt werden, herunter leidet noch immer der Nährstand in Stadt lud Land, Industrie, Handel, Gewerbe, Landwirtschaft, doch ist in den letzten Monaten der Anfang einer Bes- ierung festzustellen. Schlimm daran waren die Beamten Und Sparer. Den ersteren ist durch die Gehaltsauf besserung eine gewisse Erleichterung zuteil geworden, so daß den Opfern der Inflationszeit noch zu helfen oieibt. Das haben jetzt der Reichskanzler Marx, der Außenminister Stresemann und der Finanzminister Sucher „im Rahmen des Möglichen" zugesagt. Das Ruß auch tunlichst bald erfüllt werden, damit die Kaufkraft erhöht und die wirtschaftliche Konsolidierung vollzogen wird. Diese inneren Verhältnisse, zu denen auch die neuerlichen und sozialen Wünsche hinzutreten, hoben naturgemäß das Volk am meisten beschäftigt, denn ks sind Magenfragen, und es ist erklärlich, daß deren Ordnung vor allem anderen verlangt wird, nachdem oor nun bald zehn Jahren das Kriegsbrot seinen Einzug gehalten und die Hungerblockade mit brutaler oaust an die Pforte des deutschen Hauses geklopft hatte. Seitdem war die Not, freilich auch Schieberei und Wu- Acrtum, im deutschen Reiche zu Gaste. Weil es 1924 Och schon etwas besser geworden ist, haben sich die Forderungen des Tages nicht mehr so stürmisch bemerk- Or gemacht, wie es sonst wohl der Fall gewesen wäre, ober der Reichsregierung und den Parteien ist doch owhl nicht unbekannt, was die Wähler beseelt. Wir 'ürfen daher auch wohl annehmcn, daß keine Wahl- Aüdigkeit in Deutschland herrscht, daß es die Ruhe ist, die im Bewußtsein ihres guten Rechtes mit Be stimmtheit erwartet, daß die Wahlen vom 7. Dezem ber eine andere Zeit bringen werden. Dazu heißt es kur alle, zur Stelle zu sein! Berlin vorgenommen. Gelegentlich seines Aufenthal tes in Berlin fanden zahlreiche Verhandlungen der zuständigen Reichsbehörden mit dem englischen Ge neral über die Zusammenarbeit im internationalen Luftverkehr statt. Ter englische Gast stattete ver Luftabteilnng des Ncick»svcrkchrsministcriums einen längeren Besuch ab, bei dem in erster Linie die deutsch-englische Luftver- kchrsmöglichLcit besprochen wurde. Zu einem cndgül» digen Abschluß konnten diese Besprechungen nicht ge bracht werden, da u. a. die Frage der Tcntschland auf- gezwungencn Baubcschränkungen (Begriffsbestimmun gen s, durch die Botschafterkonferenz noch immer nicht gelöst wurde. General Brancker glaubt Mitte Februar die begonnenen Besprechungen in Berlin fortsetzen zu können. Fm Interesse der Weiterentwicklung des inter nationalen Luftverkehrs wäre zu hoffen, daß die lust- Politische Lage bis zu dem genannten Zeitpunkt eine Besserung erfahren hat. Zurzeit schweben bekanntlich die Verhandlungen zur Aufhebung der die deutsche Luftfahrt beschränkenden Bestimmungen des Versailler Vertrages. Die Deutschen sind deshalb unmittelbar an dem Luftweg England— Deutschland—Indien interessiert, der die Engländer in ihrem eigenen Interesse zwingt, der gesamten zivilen Luftschiffahrt, also auch der deutschen, freie Hand zu geben, da ihnen das Deutsche Reich sonst das Ueberslie- gen deutschen Gebietes mit stärkeren Maschinen, als sie in Deutschland selbst erlaubt sind, verbieten würde. General Brancker hat deshalb seinen Aufenthalt in Paris benutzt, um die hauptsächlich von Frankreich aus gehenden Widerstände gegen die unbeschränkte Freigabe der deutschen Luftschiffahrt zu bekämpfen und auf die Aufhebung der Versailler Flugbeschränkungen zu drän gen. Wie weit es ihm gelungen ist, die französischen Be denken zu zerstreuen, ist bis jetzt noch nicht bekannt. Fntcrnationalc Lnftfahrtkonfcrcnz in Kopenhagen. Auf Veranlassung der dänischen Regierung finden vom !1.—4. Dezember in Kopenhagen Verhandlungen über das nordwesteuropäische Luftverkehrsnetz im Jahre 1925 statt. An den Verhandlungen sind die Vertreter der Regierung von England, den Niederlanden, Deutsch land, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Bel gien und Frankreich beteiligt. Außer den amtlichen Vertretern werden auch die bedeutendsten Luftverkehrs gesellschaften der in Frage kommenden Staaten bei den Besprechungen vertreten sein. Die deutsche Regierung wird in Kopenhagen durch den Dirigenten der Ab teilung für Luftfahrtwesen im Reichsverkchrsministe- rium, Ministerialrat Brandenburg, und durch einen Beamten des Reichspostministeriums vertreten sein. Außerdem werden dis Direktoren der Deutschen Aero- A.-G. und der Junkers-Luftverkehrs-A.-G. an der Besprechung teilnehmen. Der engM-äMbsche Konflikt. Maßnahmen der englischen Negierung. Die Lage in Aegypten hat sich verschärft. Das britische Kabinett, das in ständiger Verbindung mit Lord Allenby steht, hielt eine weitere Kabinettssitzung zur Erörterung der Lage in Aegypten ab, auf Grund deren neue Instruktionen nach Aegypten gesandt wur den. Es wurde beschlossen, Lord Allenby einen größe ren Spielraum für selbständiges Handeln zu lassen. Es handelt sich hauptsächlich um die Ausweisung ägyptischer Truppenkörper aus dem Su dan. Es sind dies zwei Bataillone, deren Entfer nung bereits befohlen ist, und nm das Aufgeben jeder Opposition der ägyptischen Regierung gegen englische Maßnahmen für den Schutz fremder Inter essen in Aegypten. Den letzten Punkt versucht die Lgyptische Regierung zu umgehen, während das Ka- Knett sich mit der Frage der Maßnahmen zur Er- fwingung dieses Punktes befaßte. Zur Unterstützung hrer Forderungen hat die englische Regierung das Standrecht über Aegypten Verhängt. Um einen weiteren militärischen Druck auS- zuüben, ist das Kriegsschiff „Bembow" in Alexandria eingetroffen. Die Schlachtschiffe „Jronduke" und „Ma laya" haben Befehl erhalten, sich von Malta nach Alex andria bezw. Port Said zu begeben. Der leichte Kreu zer „Caradoc", der sich in den griechischen Gewässern befindet, und zwei Zerstörer sind nach Suez entsandt worden. Der Minister des Innern hat Truppen der ägyptischen Armee zur Verfügung Russel Paschas ge stellt. In Aegypten stehen ungefähr 15 000 englische Soldaten, im Sudan befinden sich zwei englische Ba taillone. z Aegyvlen ruft den Völkerbund an. Protestnote an alle Parlamente. Im ungelegen sten Augenblicke einer Entscheidung über die Haltung Englands zum Völkerbund beabsichtigt die ägyptische Regierung die Ueberreichung «nes Appells an den Völkerbund. Wie die Londoner Blätter aus Kairo erfahren, hat die ägyptische Kammer beschlossen, an alle Parla mente und an den Völkerbund Proteste gegen das eng- ! lische Vorgehen zu richten. Außerdem wurde beschlos sen, den Völkerbund zu einer Bermittlungsaktion zu veranlassen. In dem Völkerbund nahestehenden Kreisen wird daraus hingewiesen, daß aus Grund eines Appell- Aegyptens, das dem Völkerbund nicht angehöre, ein Einschreiten des Völkerbundes nicht möglich sei, daß aber laut Bölkerbundspakt jedes Völkerbundsmit glied den Rat oder die Versammlung auffordern könne, die im Pakt vorgesehenen Schritte zur Beilegung inter nationaler Konflikte zu ergreifen. Von englischer Seite wird jedoch nachdrücklich betont, daß diese Be» . stimmungcn des Paktes im vorliegenden Falle in keiner Weise in Betracht kämen, da es sich um eine inuere englische Angelegenheit handele. Zurückhaltung in Paris. In Frankreich beschäftigt man sich eingehend mit der Frage, ob ein Eingreifen des Völkerbundes mög lich sei. In Regierungskreisen gibt man sich der Hoff nung hin, daß der Konflikt dem Schiedsspruch des Völ kerbundes unterbreitet werden könne. Es sei juri stisch unhaltbar, daß England den Aegyptern das Rech» des Slppells an den Völkerbund bestreite, aber di« Haltung Frankreichs dürfe nur durch die tatsächliche Lage bestimmt werden. Frankreich wolle verhüten, daß ) der Völkerbund eine Schwächung erleide, durch eine » Intervention, die zu einem Fiasko führen könnte. Frankreich könne aber auch mit seinen Beziehungen zur mohammedanischen Welt nicht wünschen, daß sein eng lischer Verbündeter vor der mohammedanischen Welt eine Schlappe erleide, welche bedenkliche Rückwirkungen auf die gesamte Islam-Welt und ihre Beziehungen zu den europäischen Großmächten haben könnte. Aus die sen beiden Gründen müsse Frankreich dem englisch ägyptischen Konflikt gegenüber größte Zurückhal- tung beobachten. Aus der Wahlbeweguna. Tie Reichslistc der Dcutschnationalen Bolkspartei. Die Deutschnationale Polkspartei hat für die kom mende Reichstagswahl folgende Kandidatenliste für da» Reich aufgestellt: 1. Hergt, Oskar, Staatsminister, Berlin; 2. Fürst d. Bismarck, Otto, Rittergutsbesitzer, Friedrichsruh; 3. Behrn, Margarete, Hauptvorsitzende des Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen, Charlottenburg; 4. Lambach, Walther, Verbandsgeschäftsführer, Verwaltungsmitglied des Deutschnationalen HandlungSgehilfen-Verbandes, Steglitz; 5. v. Tirpitz, Alfred, Großadmiral, Berlin; 6. Dr. Best, Georg, Oberlandesgerichtspräsident i. R., Darmstadt: 7. Dr. Werner, Ferdinand, Professor, Studienrat, Butz bach-Hessen; 8. Dietrich, Hermann, Geh. Justizrat, Metzelthin. Kr. Kemplin; 9. Schultz (Bromburg), Georg, Landgerichtsdirektor, Geh. Justizrat. Breslau; 10. v. Gold acker, Hans, Rittergutsbesitzer, Weberstedt Kr. Langen salza; 11^ Dr. Spahn, Martin, Universitätsprofessor, Köln; 12. Graef (Thüringen), Walther, Amtsgerichtsrat, Eisenach; 13. v. Dewitz, Johann-Georg, Major a. D., Stettin; 14. Dr. Reichert, Jakob Wilhelm, General sekretär, Berlin; 15. Mueller-Otfried, Paula, Vor sitzende des Deutschevangelischen Franenbundes, Hannover. Tr. Marx gegen die Angriffe auf den Reichspräsidenten In einer Rede in Bonn wandte sich der Reichs kanzler in scharfen Worten gegen die Art des Wahl kampfes: „Bedauerlich ist," so führte Dr. Marr aus, „daß dieser Wahlkampf in einer Schärfe geführt wird, die bisweilen nicht einmal mehr init tiefgehenden sachlichen Meinungs verschiedenheiten entschuldigt werden kann. Es liegt »richt der geringste Anlaß vor, die Person des Herrn Reichspräsi denten in den Wahlkampf zu zerren. Die Behauptung, es lei verfassungswidrig, daß der Herr Reichspräsident Ebert heute noch die Präsidentschaft inne Habe, kann nicht scharf genug als unrichtig und unbegründet zurückgewiesen werden. Der Herr Reichspräsident bat seit 1920 wiederholt und entschieden auf die Neuwahl gedrängt. Im Oktober 1922 wurde indessen aus dem Reichstage heraus der dringende Wunsch geäußert, mit Rücksicht auf die innerpolitische Lage des Reiches die Amtszeit des Reichspräsidenten bis zum 30. Juni 1925 zu verlängern. Dieses Gesetz wurde mit großer Mehrheit angenommen. .