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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 19.08.1884
- Erscheinungsdatum
- 1884-08-19
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-188408191
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-18840819
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-18840819
- Sammlungen
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1884
-
Monat
1884-08
- Tag 1884-08-19
-
Monat
1884-08
-
Jahr
1884
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 19.08.1884
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Erscheint tLgttch früh «'/.Uhr. Nedarti«» und Crpkdition Johanne-galse SS. SPrrchkundrn -er tie-icli«»: BormitiagS 10—13 Uhr. Nachmittag« 5—S Uhr. -- - A«n«h«e »er fstr »t« nßchftftt,e»»« Nnmwer bestimmten Inserate an «,chenta,en »t» S U»r Nachmtttag«, an Sann- nn» Festtagen srütz bi»Uhr. I» den Fittalrn fiir Ios.-Ännah«: Ltta Ule««, Untversilät-strab« 21, L««ts Lösche, Kathattneustraße 18,». «nr »«» '/.S Uhr. 2LL. Anzeiger. Organ für Politik, Localgeschichte, Handels- und Geschäftsverkehr. Auflage IS,V«0. Zldonnementsprei« oiertrlj. 4'/, Mk. incl. Lringerlohn b Mk.. durch die Post bezogen <! Mk. Jede einzelne Nummer SO Ps. Belegerrmplar 10 Ps. Gebülirrn für Eztrabellaaen (in Tageblatt. Format gesalzt) ahne Poslbesürderung 39 Mk. «it Poslbesürderiing 48 Mk. Inserate «gespaltene Petitzeile SO Pf. Größere Schrlstcn lau» unserem Preis- verzeichniß. Tabellarischer u. Ziffrrnsatz nach h»h«rm Tarif. Neclameu unter dem Nedactian,strich die Spaltzelle KO Ps. Inserate stud stet« an die Hrpeditian zu senden. — Rabatt wird nicht gegeben. Zahlung pnwonm->ramlo o)er durch Post, «chnahme. Dienstag den 1v. August 1884. 78. Jahrgang. Amtlicher Theil. Vektunlmalhung. Nach den Messungen de» Herrn Geb. Rath Prof. vr. Kolbe betrug di« Leuchtkraft de- städtischen Leuchtgase« im Monat Juli diese» Jahre» da- 16'/, fache von den der Normal» Wachskerze bei 0.48 fpecifischem Gewicht. Leipzig, den 18. August 1884. De« Nath« Deputation z« den Gasanstalte«. Der Fabrikarbeiterin Anna Auanfte Gtimmel an« Leipzig, zuletzt in LolkmarSdors wohnhaft, ist »u einer am S1. August e. vormittag« 9'/, Uhr vor der Ferienstraskammer 8 de« Königlichen Landgericht« Leipzig anstehenden Sauptverhandlung eine Ladung als Zeugin znzustellen. Da ihr Ausenthalt hier unbekannt, so wird sie aosgrsordert, ungesäumt an Bureaustelle der Unterzeichneten K»niglichen Staatsanwaltschaft zu erscheinen. Leipzig, den 18. August 18Ä. Königliche Etaattanmaltschast, Harkortstraße 8, l. Ast. verübt. Auctionslocal -es ASnigl. Amtsgerichts. Tannerdtna, »en 21. diese« Manat», »an 18 Uhr B-rmtttng« au. salen 1 Suttettsche Strindruckvresse, 1 Tiegeldruckpresie, 1 Rund» machemaschiue, 1 Taselwaage, 1 Nähmaschine, 1 Geldschrank, ferner öS Holzschnitte, Sk Galvano», SO Glättpretzspäne, 1888 Orrmplarr »an Ttarte'» Andachten. SSO Vänbe Hinke'« deutsche« Lrse- tnch, 8. Auflage, ingleiche» ein« größere Aazahl Möbel, ln«, besondere »Sophagrstelle, Schreibsecretäre, Uleiderschränke, Bertlcow«, Kommoden, Gopha«, Tische, Naschtische, Bettstellen, 3 Plülchaarnl- turen, Spiegel, Regulateure, Schreibevulte, Naarenschräak«, Laden- tafeln, sowie einige Matratzen »nd Fedrrbetten nud mehrere andere Gegenständ« versteigert werden. Leipzig, am 1L. August 1884. Weiß. Aertcht«vollzirher. Verlteigerurlg. .. Da»«er»taa. de« 21. August 1884, Nach». » Uhr, solle» t« Gasthas« zu Nenstadt 88 Etr. «oggenmehl und 18 » Weizenmehl meistbietend gegen sofortige Baarzahlung »ffrntlich »ersteigert werde». Leipzig de» IS. A^uft 1884. viel». Gericht,»ollzieher. Kltnstigen Montag, de« 25. An,»st. varmtttag« 18 Ahr soll t» Gnsttzofe ,» Fisch rndott di« dieSsSbriae Nutzung der auf den fiskalischen NlleebLmnen an stehenden Pflaumen, und zwar: au» Adtheiluug 2 »er Letsiitg-iitzewnitzer Lhanssee, aus »r« Adthetluuge« 1 nud 2 »cr Leisnt,«vsch«tzer Stzanffee» aus dcu Adttzktluugen 1 ««» 2 »er Letdnig'Grtmmaer auf 4er ^»bel»-Gtt««aer Straße, mst de, dm, denAdlaeraten angetansten Bäumen, »nd aus »er Letdutg-Taldißer Straße gegen Meistgebol und gletch kwarr Bezahlung de« LrstehangS- betrag«, sowie unter den im Termin bekannt z» machende» Be- dmgunaen verpachtet werde». Köutgl. Straße», und SafferdauLnspeekta« Döbeln uu» Sönigl. vaubrrwalteret Södel» zu Nochlttz, mn 11.«»,. 18S4. Lröuer. «ilke. Sie-stüljls -Vckamümachung. wnrden all vier erstatteter Anzeige »ulotgr: I) »,« Geldsumme »an etwa 15 ^l in »ü>. Sikbrrmstnzen, mittelst Gtubruch» an« einer Kegelbahn in Nr. SS der Frankfutter Strotze, tu der Zeit vom SO- bi« S6. vor. Mt«.; S) eine «adctzacke, aez. 8^ et» Spaten -ud ein« Schippe, au« dem Hasraum Nr. 14 »er Pfaffeudorfer Stroh«, tu de» erste« Tage» ds«. M:» ; 5) et» Partemonuate von schwane« Leder »st gelbem Bügel nud Kn-Vschcnverschluh, enthaltend 4» in zwei Doppelkronen, eiuem Fänsmark-, einem Zweimark- und riuem Markstücke, au« eiuer Schlaflammer 1» Nr. 10/11 der Peter-strahe, o« 11. ds«. Mt«. Mittag«: 4) ein schwarzer AtlzhUt mit llauseidenrm Fnkter »nd de« Firmenstempel „Noedt, 6onn»Mita", sowie ein Herren-S»««en- fchtr« mit brauncarrittrm Ueberzug und Stab »an vambusrobr mit geradem Griff, au» einem Gaftlocalr t« Tivalt, in der Nacht vom 11. zn« 12. ds«. Mt».; b) rin Paar rind-lederne Halbstiesrlu mst Doppelsohleu, Stift- absätzen und rothem Schaflkutter, »an einer Nrbri:«stelle »ns dem Augustutplotze, am 12 ds«. Mi«, vormittag«: 6) etue Qnantstit vettsrderu, etwa l Kilo an Gewtcht, au« einrr Wohnung in Nr. 43 der Strrnwattenstrahr, vom 10. bi« IS. ds«. Mt«.; 7) eine silberne Ttzlinderuhr mit Sekunde, grüngeränpattr». Zifferblatt« und grünen Zoblea, nebst sogen. Schiauueukette >w» Talmi, sowie Messtugkapsel, au« eiuem Schlossaal tu Nr. 17/18 der Hospitolstraße, in der Nacht vom IS. zu« IS. ds«. M«1; 8) ein grünl«der»e- Grltztischchen mst einem Inhalte mm 28 >l, in zwei Kronen und zwei Thalern, sowie eine Intett«»- auitt»»> iwer eiue Spareinlage von 44 ^1, an« einem Gaftlokal« in Nr. 1b der Mndmithlenitraße, dom IS. bi« 18. ds«. Mt«.; v) eine OnantiNit Sens» etwa 6 Kilo an Gewicht, au« eine« Ntederlagsranm« in Nr. 7d der Mahlmaanstroh«, vom 11. bi» 14. ds«. Mt«.; 10) ei» Manntrack von schwangt« weihgeriefte, Stoff, mit einer Reih« graue» HarnknSpsrn. äußere» Gchoohiaschea und schwarzem Futter, de» einem Nagen, welcher ans dem Fieischerpletzr gestanden hat. am 14. ds». Mt», stütz; II) eiue blecherne Sammttbstchs« mst einem nicht näher a Np, mb ende» Gelhhetrag, au« dem Zoologischen Gatte», am 11. ds«. Mt«^; IS) eia» Spttzhacke, «tu« Echausel, et» Fährst««», ei, alter Mauusrmk von braun,« Stoffe und ttn -aar Helzpautefftt». »au rlnew Arbeitsplätze vor Nr. 28 am Grimmatschen Gteinweg, am 14. ds«. Mt«. Sormiitaa«; IS) »in schwarzledernr« Oart«»auu«tte. enkhalteub 14 >4, in vier Zweimark- »nd seck»« Markstücken, sowie ein AchteUao» der Beaunschweigrr Lotterie Nr. 80,b8S, einem Schlafenden in einem Sastlorale in Nr. 21 der Ritterstraste, am nämlichen Ttge Abend»; 14) zwei weiß» Mauu»dem»««, g'j. X 8, »nd rin «de» satche» von schwarz- »nd »eißgeftrttftem Barchen«, an» der Treppn» flnr in Nr. 8 am J«han»t«nlatz, a» lb. ds«. Mt«. Nachmittag»; 1b) eine gräßere Quantität Bettfcdrrn, an» einer Nah»»»» t» Nr. 1 der Gtockrnstraßr. in der Fest vom N. vor. bi« N. dt». Mt«.; 1«) rin MauuArä» von dunkelbloiiem Stoffe, mst zwei Reihen Knkofe«. odne Futter, an« de» Anlagen ans de« Floßplast«, am 1«. ds«. Mt? Nachmittag«; . 17) ei» goldener Gchlaugeurku» «st bläulich-,rstnn» Stet», 8. k. 24. doutdr. 187S gezeichnet, uub et» kleiner Siegelring mit Platte »Ü den ringravittea Bnchstaben 0. ?, an« einer Nol^ »ang in Nr. 18 der Emilienstraße, in der Zeit vom 2V. bi« IS. Ang^l ». a.; 18) zehn Paar Meffer vnd Gastel» mst schwarze» Halzgttffe« »nd dem Firmenstempel Sodmavlr« 4 Littar, au« dem Barsaal einer Wohnung in Nr. S der Elisenstrab«, vom 14. bi« 1ü. ds« Mt«.; 1V) et» blon» »nd weißgestretste» banmwollene« Mauushemd, an» etnee Schlastemme» in Nr. 4 der Mahlmannstraße, zu Anfang ds«. Mt«.; 20) ein« grßßere Quantität Vetlseder«, an» einer Schlaskammer bez. einem Bodenräume in Nr. 23 der Nitterstraß«, vom 10. bi« 14 bs«. ««».; 21) tt, «eißleinener Sack, enthaltend ca. 1'i, KN» Bettfedern, an« einer Pitcr in Nr. 6 der Berliner Straß«, »am 1k. bis 17. bst. Mt«.; 23) rin Paar Sknlpeuftiesrlu sür Knaben, mit rathem Schaft- sutter, au« dem sttbttschen Freibad, am 17. ds«. Mt«. Nachm.; 33) sieben Brode. und zwar vier Stück t S Kilo, zwei 4 S Kilo und eint 4 Kilo schwer, au« einem Wagen, welcher vor Nr. 20d der Emilirnstraß« gestanden Hot, am 1«. ds«. Mt«. Mittag«. Etwaig« Wahrnehmungen üb« den «erbsted der gestohlene» Sachen öder de» Lhäter sind »ngesinmt bei unserer Ertminal- Adthestnng Wir Anzeige ,n bringen. Leipzig, am 18. August 1884. Du» Poltzei.Awt der Sladt Leipzig Iu » ck,^P«liz«i»Rath. Hohlsekk. Nichtamüicher Theil. Die südslawische Lrweguug in Lroaiien. * Schon feit längerer Zeit kommen au- Agram und allen anderen Theilen Kroatien- mancherlei Anzeichen und Nach richten, welche wenig geeignet sind, die. leitenden politischen Kreise Wien- und Pest- angenehm zu berühren. Wenn e» sich nur um die Abneigung der Kroaten gegen die ungarische Negierung Handel» wurde, so wäre e« vielleicht im Lause der Znt noch möglich, zwischen beiden ein bessere« verhältniß herzustellen, allein der ganze Thorakter der gegenwärtigen Bewegung in Kroatien droht bereit- Über die Grenzen des Lande- hlnau-zugreisen und, durch seinen Zusammenhang mit der südslawischen Frag«, auf da- heikle Gebiet der auswärtigen Politik zu gcrathen. Was die Führer der entschieden kroatischen Nationalpartei beabsichtigen, ist durchaus kein Geheimniß. Sie wollen sich nicht allein von Ungarn vollständig trennen, sonder» im Bunde mit dem stammverwandten Dalmatien. Bosnien und der Herzegowina ein großkroatische- Königreich bilden, da mit Oesterreich allerdings in staatlichem verbände stehen soll, aber nur dann, wenn sich diese- gegen da- Zustandekommen de- großkroatischen Programm- nicht mit Ungarn gegen Kroatien verbündet. Andernfalls drohen die Kroaten mit den unzufriedenen Serben im Königreiche und mit den der öster reichischen Herttchast »och immer abgeneigten Bosniern ge meinschaftliche Sache zu machen, der e- auch iu Dalmatien nicht an Anhängern fehlen dürfte In Wien scheint man sich den Anschein zu g«be«, ak» wären diese Bestrebungen der Kroaten wenig gefährlicher Natur, aber diese Auffassung ist jedensall- eine irrlhümliche, weil die kroatische Bewegung, wie sie sich bisher entwickelt Hut, mit der allgemein südslawischen und den nationalstaat lichen Provisorien aus der Balkanhalbinsel in direktem Zu sammenhänge steht. Man sollte in der Kaiserstadt an der Donau doch endlich zu der Einsicht gelangen, daß politische Provisorien von unbegrenzter Dauer sehr bedenklicher Natur sind, weil in der Politik nur derjenige Staat Erfolge zu erringe« vermag, der seine Ziele nach einem ganz bestimmten Programme verfolgt. Wa« nun die südslawisch-kroatische Bewegung betrifft, so verhält sich gegen diese Oesterreich und zumal Ungarn nicht allein ablehnend, sondern geradezu feindlich. Di« Occupatio« Bosniens hatte bekanntlich keinen anveren Zweck, al- d:: Bereinigung diese- altserbischen Lande« mit dem jungen serbischen Nationalstaat» zu verhindern und Oesterreich-Ungarn einen neuen Orientweg nach Salonichi zu öffnen. Bis heute hat indeß Oesterreich auf diesem Wege auch nicht einen einzigen Schritt vorwärts gethan. weil e» durch die geringste Bewegung in der bezeichnet«» Nichlung die orientalische Krage abermals aufrollen würde, wa- gerade Oesterreich-Ungarn au« naheliegenden Gründen zu vermeiden hat. Trotz dieser Vorsicht und der scheinbar freundschaftlichen Beziehungen, welche gegenwärtig zwischen de« Diener Eabmete u?d dem Belgrader Konak vestehen, ist e» dennoch leinen Augenblick zweifelhaft, daß die südslawischen Einheitsbeftrebunger. welche schcn so lange dcu europäischen Osten bewegen, eine« läge» zur Entscheidung drängen werden. Diese läßt sich natur gemäß ebenso wenig verhindern, wie Oesterreich dl« Einheits bewegungen in Italien und Deutschland zu unterdrücken vermochte, ja es fehlt nicht an Stimmen, welch« mit Recht darauf Hinweisen, daß Oesterreich aus der Balkanhalbinsel ganz dieselbe negative Politik wie zur Zeit de« Bunde-tage» in Deulschland und der italienischen Beivegung verfolge. Aber sowohl in Italien als in Deutschland hat diese Politik Oesterreich- dl« denkbar schwersten Niederlagen erlitten und dennoch hat man sie wieder vom kode er weckt, um damit die Südslawen einzuschüchtern, Völker schasren, die indeß ganz genau wissen, daß sie schließlich ihre nationalen Ziel« eben'o gewiß erreichen wett»«». Bt» dir Italiener und Deu Ischen die ihrigen erreicht ßckß». Alle diese Wahrnehmungen hindern aber die österreichischen SkaaN- männrr und die lbnen dienstbar« Presse keinen AnzrnNtck, haben. Da hat man beispiel-weise »ter deu B-o«hner» Bosnien« und der Herzegowina einen .stark «o»^Lp»ägten Localpatrioti-mn»' entdeckt, ganz ähnlich, wie man »t„eu solchen auch an den Mailändern und in Dosrana wahrnehm«.« wollt«, nw daran» di« Unmöglichkeit der Bereinigung pmc Lombardei. Piemont« und Io»r>ina» erweisen zu könne». Eavour aalt damal» ebenso al» radikaler Agitator wie heut« der großterkisch gesinnte Nistitsch. Auch die Gründe, weich« man kür dir Occupatio» Bosnien- angekührt hat und sür da- Verbleibe« daselbst noch immer ansübrk, sind jenen durchaus ähnlich, welche man einst öslrrreichischerseit« sür di« NolbwendtGkrit de- Besitze- von Lombard» «Venetien geltend zu machen ver luchte. Lomal- behauptete man, daß die europäische Meudt stellnng und die militairische Sicherheit Oesterreich- von dem Besitz« de« italienischen Kestung«viereck» abhänge und obwohl diese- trotzdem verloren gegangen und die ganze Behauptung sich al« gänzlich unwahr hrrau-gestrllt hotte, so möchte «an heute dennoch Arhnlichc« bezüglich de» Besitze« von Serairwo und Mostar glauben machen. wir zählen gewiß nicht zu Denjenigen, welche die Interessen Oesterreich- auf der Balkanhaldinsel und unter dem Südslawenthumc verkennen, aber die bisher dort ver folgte Politik, welche mit den nationalen Bolk-wünschen im schärfsten Widerspruche steht, wird die erwähnten Interessen gewiß nicht fördern können. Dieser Politik ist es allerding» gelungen, am Kvnig«-Hofe zu Belgrad Eingang zu finden, aber wer kann behaupt«-«, daß sie dort immer maßgebend sein werde? Während die südslawischen EinheilSbestrebungen in Serbien gewaltsam unterdrückt werden, grwinurn diese Tendenzen in Kroatien immer mehr an Boden, wa-, wie bereit- gesagt, ein sehr bedenkliche» Anzeichen ist. Man darf nämlich nickt vergessen, daß Kroatien sich schon einmal, im Jahre 1848, wie ein Mann gegen den magyarischen Druck erbeben bat. Damal- wurde e« von Wien au« wegen seiner loyalen Hal tung belobt und unterstützt, heute aber fleht seinen nationalen Wünschen Oesterreich-Ungarn feindlich gegenüber, nachdem, unbegreiflich genug, die gemeinsamen Feinte Oesterreich- und Kroatien-, die Magyaren, abermal« die Beherrscher de- letz teren geworden sind. Da» sind scbnridende politische Wider sprüche, die leicht zu höchst bedenklichen Folgen und zu einer weiteren Lockerung de- österreichische» Staat-gedanken- — soweit von einem solchen überhaupt noch di« Red« sein kann — führe» können. Leipzig, 19. August 1884. * In Berliner Hofkreisen weist man die Möglichkeit einer Zusammenkunft unsere- Kaiser» mit dem Kaiser von Rußland gelegentlich der in Russisch-Polen stattfindcn- den Manöver keineswegs von der Hand, wenn man auch nachdrücklich betont, daß Bestimmte- in dieser Beziehung noch nicht festgesetzt und namentlich die Frag« noch nicht ent schieden sei, ob die immerhin beschwerlich« Reise nach der russisch-deutschen Grenz« im Hinblick aus dir bevorstehenden Manöveranstrrngunge» am Rhein für den greisen Kaiser rathsom sein würde. * Ueber die bereit» gemeldete Verhaftung zweier französischer Spione kann die .Kölnische Zeitung", nachdem die Voruntersuchung geschloffen ist, folgende genaue Mi «Heilung machen: „Am 7. d. M. kamen im Gasthof zur Stadt Lüttich in Koblenz zwei Fremd« an, die sich als Dein, okkotvr traoyal», und küdlmauu, propriLlaire, in« remdenbuch rintrugrn. Ihre einzige Ausgabe schien im pazierengehen nach den Koblenz umgehenden und beherrschen den Höhen, namentlich dem Küykops, zu bestehen. Zudem folgten sie au« möglichster Näh« den Festunglkrieg-Übungen. Am 11. d. M. hatte« sie sich i« Walde hart an eine Batterie herangemackt und so verdächtig dabei benommen, daß dem deutschen Osficier der wahre Charakter der Fremden nicht mehr zweifelhaft sein konnte, um so weniger, al« dieselben im Gasthof, in dem viele dentsche Ossicicre ver kehren, m aufdringlicher Weis« sich seit Tagen an letztere beraugrmacht und Gespräche mit ihnen über die Manöver hervorzurusen gesucht hatten. Der deutsche Osficier crwie» ihnen nicht die Ebre, sie an der Batterie zu verhaften, sondern erstattete seinem Vorgesetzten Anzeige, der dann die Verhaftung derselben durch die Polizei veranlaßte. Die Untersuchung hat die volle Schuld der beiden i» den mittleren Jahren stehenden Herren ergeben. Man fand bei ihnen eine Menge Karten, Ort«aufnahmrn, Skizzen, Auszeichnungen, di« e» zweifellos machen, daß sie Mllitairspionage betriebe» habe«, und zwar nicht etwa auf eigene Hand während eines Urlaubs, sondern aus unmittelbare» Befehl de« französischen Krieg-minister-. Im Besitz de- Klein fand sich unter den Papieren »nd Banknoten ein« chiffritte Depesche de» fran- zösischc.i KriegSministerö Campenon au Klein vor, die Letzterer selbst entziffert und durch Au-schneiden und Wieder- zusaminenkleoen der Buchstaben l««bar gemacht hatte und dir ki der Uebersetzung etwa lautet: .Sie haben sich anaesicht» dieses sofort nach Patt» zu begeben und hier nähere Befehle in Empfang zu nehmen, die ein« Dienst reise »ach Koblenz betreffen." Die so sargsältige Aufbewah rung uud selbstgefertigte Dechiffriruna dieser Depesche läßt über da» Talent de- Herrn Franzasen skr da» Handwerk, zu dem er commandirt war, kerne große Meinung auf- kommen Klein ist Platzi-igenienr von Perpignan. Rühl- inaun, von dem man nicht weiß, ob der im Gasthof an gegebene Name richtig ist, und der sich überhaupt etwa« vor sichtiger benahm, ist cwek ä« dattotta (etwa zweiter Brtillerie- Osfiner vom Platz) in Belsort. Die Schuld der Verhafteten hat sich so klar ergebe«, daß di« varuntrrsucbung schon ge- schlosse» werden konnte, so vaß die gerichtliche Verhandlung al-bald stattfinde« wird." * Der von den Führern der polnischen Bewegung in Posen längst geplante polnische Reckt-fchutzverein, welcher die Ausgabe hat, alle Beeinträchtigungen polnischer Gtaat-bßrger auf religiöse«, nationalem und politischem Ge biete z» verfolgen und zu bekämvse», ist endlich in- Leben »ttrtteu Am »S. Juli hat er sein« Wirksamkeit durch Er- vffnuua eine» Jnsormationsbureau- begonnen. Zum Vorsteher dirs«» B»«a«« ist ein Herr Joseph Thiel ernannt worden, welch«, mündlich« und schriftliche Beschwerden von Inter- effenteu unentgeltlich entgegenzunehme« bereit ist. Der Vor stand des polnische» Recht-schutzverein» besteht, nachdem der Gulsbefitzer ». Krzyzauowski au« wichtigen Gründ» srttwillig au«g.'L>ied» iß, an« deu Gutsbesitzer« v. Parqemski. I. d. Ja- rocd-woi. »nd Ludwig d. Grcku«. Der .Dzieumk Poznans»," und 1». »Kuttmr PoznansA" fordern ihre Leser aus. von der ueur* Anstitunon in vorkommenden Fällen recht fleißig Ge brauch zu machen, da dieselbe geeignet sei, der polnischen Be« völkermeg reichen Segen zu bringen. Ganz ander» urtheilt der .K»aiec Wielopoiski" über den polnische» Recht-fckmtz verein. Indem er demselben zum Vorwurf «ocht, daß er sich in fernen Statuten znr Begründung der polnischen Rational recht« »icht aus die wiener Verträge «nd di« königliche« Ver heißungen berufen babe, erklärt er ganz offen, daß, so lange die Generaloersammlrmg di« Statuten nicht dementsprechend geändert habe, er die Wirksamkeit de« Verein« nicht unter- stützen könne und werde, und fordert zugleich all« woblge- sinnten Polen aus. sich bi« dahin von den, veilritt zu dem Verein und Lberbiupt von jeder Vetbeiligung an demselben zurückzuhalten. Trctz d,rser Abmachung wird da« Bureau des polnischen Recht-schutzverein- schon stark in Anspruch ge- nommen. Selbstverständlich ist e«. Vaß durch den neu,» Verein die national-polnisch« Bewegung beträchtlich gefördert werden wird. * Der im Februar diese- Jahre« zum Theil von deutsch?» Renegaten gegründete magyarische Scbnlvcrein. der nicht etwa bezweckt, die Magyaren der magyarischen Sprache zu erhalten, sondern die Deutschen. Serbe», Rumänen. Ruthenen »nd Slowaken Ungarn- ibrcr Muttersprache ;n berauben und zu magyarisiren, scheint sich unter de». Schule kr- Ministerium- Tisza gut zu entwickeln »nd über weite Theile Ungarn» auszubreiten. Ende Juli hielt da- Aufsicht-comil de« magyarischen Schulderem- i» Pest eine Versammlung ab. in welcher Bericht Uber die Thätigkeit de« Verein- erstattet wurde. Nach demselben sind die durch den Verein in Gegen den mit nichtmagyarischer Bevölkerung erzielten Resu/tale recht günstige. Herauf wurden die Vorschläge, welche aus Förderung der Magyattsirung abzielen, durchberathcn und mit geringen Veränderungen angenommen. Die Pester Blätter sind natürlich Überglücklich, daß wieder ein neuer Factor ge wonnen ist, der dem gevurtenarmen magyarischen Elemente durch Eroberung fremden Bolk-thnm- Verstärkung zu ver schaffen geeignet ist. * Die „Politische Correspondenz" schreibt officiv- au« Osen-Pest vom 1k. August: „Was die vielfach commentirte Reise des Ministerpräsidenten von Tisza »ach Ischl be trifft. wird in ungarischen Regierung-kressen versichert, daß anläßlich der Audienz«» de» Minister- bei Ihren Majestäten dem Kaiser Franz Josef und dem Kaiser Wilhelm die auswärtige Polink nur in geringem Matze gestreift Word«. E« waren lediglich laufende Angelegenheiten, welche zwischen Herr« v Ti»za und unserem Monarchen erörtert wurde« uud miteinerAufwartungbeidem deutschenKaiser erfüllte derMiuister» Präsident nur einen Act der Eourloisir. Daß Herr v. Tisza dem deutschen Kaiser, der ihn in besonder- auszeichneuber Weise empfing, über manche Punkt« du begehrten Ausklärungen er- theilte. ist sebr begreiflich. Alle weitergehenden Deutunß« versuche, welche dieser Unterredung in irgend eiuer Richtung den Anstoß zu Entscheidungen beimeffen wollte«, entbehren ieder Begründung. Al- hinfällig muß ferner anch di« Com- vination bezeichnet werden, welch« den Aufenthalt da» Herrn v. Ti-za mit der Fraae de» gemeinsamen Budget» in Zu sammenhang brachte. Da« gemeinsame Budget ist im Ressort- Ministerium selbst noch »icht fertig gestellt und konnte daher nicht zwischen Sr. Majestät und de« Ministerpräsident« de» Gegenstand der Erörterung bilden." * Die .Politisch« Eorrespvndenz" ««kdet au« St. Peter«- bura, 12 August: „Die m der letzten Zeit erfolgten An». Weisungen russischer Unterlhaneu au» Berlin, welche auch im Auslaade Aussehen erregten, hatten btt der russischen Bevölkerung anfänglich eine peinlich« Wirkung her- vorgernfen. Diese Stimmung ist jedoch gewichen, seitdem man zu der Ueberzeugunß gelangt ist. daß nur Individuen, die in politischer und socialer Beziehung bedenklich erschienen, von den Maßregeln der Berliner Behörden getroffen wurden. Die« wird namentlich durch die Thatsache erhärtet, daß di« Au»gewiesr»en sich nicht nach Rußland, son- der» nach Amerika wenden, somit sicherlich allen Grund haben, den hrimathlichen Boden zu meide«. Die Maß regel der Berliner Behörden kann als der erste Aus druck uud Ersog der allmälia fortschreitenden Verständigung der Regierungen in Betreff der Organisirung einer Art von Schutzwehr gegen die Gefahren de- Sociali-mu» ange sehen werden. — Am 9. August sind die zur Theilnahme an den großen russischen Herresmanvvern entsendeten au«wartigen Deleairten in St. Petersburg eingetroffen. E» sind vertreten: Deutschland durch den Generallieutenant Lesischin-ky und die Majore Gras Eulenburg und Sperling; Oesterreich-Ungarn durch den Oberst Fürsten Windischgräy und dir Obrrstlieutenants Horfet-ky und Mertens: Frank reich durch den Generallirutenant Miribel, den Oberstlieutenaiit Rrnouart und denHaupImcmn Valneuve de Borgemont: Italien durch den Generalmajor Glerpone, Oberst Graf Ravicati de Marmorito und Hauptmai,n Dogliotti- Schweden durch den Oberst Unkarkrone und Serbien durch den Oberst Borisav Gevic. Die Türkei wird durch ihren ständigen militairische» Agenten in St. Petersburg, Zia Bey. vertreten sein. — Heut« soll hier eme persische Gesandtschaft unter Führung de« Prinzen Muschirion Daulia Payakban. Schwiegersobneo de« Schab, ttntreffen, welch« mit der Aufgabe betraut ist. dem Großsürstrn-Tbronsolger au- Anlaß seiner vor Kurzem erfolgten Großjährigkeit-erklärung ei» in Diamanten ge- saßte« Portrait des persischen Monarchen al« Kelche»! überbringen. Die Mission, sür welche der Hosminis: r bereits Wohnungen in Stand setze» ließ, wird mebrere Tage in St. Petersburg verweile». — Die russische Central-Preßverwaltung hat soeben an r >e Inhaber öffentlicher Bibliotheken und Lelecabinete einen B>: fehl ergeben lasse». 125 verschiedene Werke liberaler Tendenz au- ihren Büchereien au-zuscheiden. Unter den aus deu Inder lideorum prcstiikitornm gesetzten Büchern figurireu Werke namdafter russischer Schriftsteller und mehrerer Ko » phäen der deutschen, englilchen. französischen und italienisch > Literatur. Dir Leiter lcr bezeichnclen Institute mußte» sich schriftlich zur strengen Beobach!ung diese- VerboieS ver pflichte«. — Finaiizminislcc Bu» ge dürfte von seinem Urlaube gegen den 27. August wieder in Rußland rintlessen, um ecr Frier de- sünsrigjäbnge» Bestände- der Universität in Kieiu, an welcher er lange Zeit a>S Professor wirkte, beizuwolmen. - lieber die Ursachen der sensationelle» Maßregelung d t Fürsten Bariatiusky sind heute so widersprechende Le-arten in Umlauf, daß sich das Wahre vom Falschen schwer scheiden läßt. Der Wahrheit am nächsten zu kommen scheint solgenve Darstellung der Sache: Fürst BarlatinSky hatte sich als Commandant des berittenen Tarde-Regiment- und Adjutant de» Kaiser- wiederholt Verstöße gegen die DiSciplin zu Schulden kommen lassen, di« ihm verweil« znzogeu, wobei aber jeder Sclat vermieden wurde. Da» Mag seiner Sünden wurde jedoch doll, al- der Fürst sich trotz einer ausdrücklichen Ermahnung seiten« de« Kaiser« weigerte, die sür Personen der kaiserlichen Suite vorgeschrieben« Uniform zu tragen und sich nicht scheute, öffentlich zu »rktären, daß er nicht gewillt s«. sich al« .Hampelmann" zu verkleiden Fürst Battativ-ky wurde in Folg« dessen seiner Stellungen al- Regiment-- commandant und Adjutant des Kaiser» enthoben und erhielt überdies eine Arresillrase zudiclirt. Wie c- heißt, soll nun der Fürst seinem Intendanten gewisse Instructionen rrlheilt habe«.
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