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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 31.03.1905
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1905-03-31
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19050331029
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1905033102
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1905033102
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1905
-
Monat
1905-03
- Tag 1905-03-31
-
Monat
1905-03
-
Jahr
1905
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DeznqS-PretS in der Hauptexpedition oder deren AuSstlibv- slellen odgedolt: vterieljährlich 3.—, bei zweimaliger täglicher Huste Nun g in-Haus 8.7L. Durch die Post bezogen für Deutsch land u. Oesterreich vierteljüdrlich 4.K0, für die übrigen Länder laut Zeitung-Preisliste. Diese Nummer tostet aus allen Paknköien und III I bei den Heil ungs-Berkäufern Nevaktion unv vrtiedtttoiu 1b3 Fernsprecher LLÄ Jovan»iSgasse 8. Haupt-,rtlrale Trespen: Niaririislrcitze 34 (Fernsprecher Amt I Nr >713). Haupt-Filiale Berlin. » arIDunck e r, Herzg>.Bayr.Hofbuchdandlg, Liiyowstrape lO !oernsvrecher Amt VI Nr. 46V3. Nr M. Abend-Ausgabe. Kmlsvkalt des Königs. Land- und des Königs. Amtsgerichtes Leipzig, des Rates und des Rotizeiamtes der Ltadt Leipzig. Freitag den 31. März 1905. Anzeigen-Preis die 6gespaltenc Petitzeile 25 ^s. Familien- und Stcllen-Anzeigen 20 ^s. Finanzielle 7lnzeigen, (Äeschästsanzeigen unter Text ober an besonderer Stelle nach Tarif. Ti« «gespaltene Reklamezeile 7Ü-H. Annahmrschlutr für -luzrigeu: Abend-Ausgabe: vormittags IO Uhr. Morgrn-ÄuSgube: nachmittags 4 Uhr. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richte». Ertra-Betlageu nur mit der Morgen- Ausgabe- nach besonderer Vereinbarung. Tie ssrprvittou Ist wochemags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis abends 7 Uhr. Druck und Verlag von he. Polz in Leipzig iInd. l>r. V.. N. L W. tttinkhardt. Ai. ZabWiig. Vas lvichtigste vom rage. * Der Kaiser wurde heute in T a n g e r crn>artet und wird sich am 5. April auf die „Hohenzollern" be arbeit. Tie Z u s a m ui eukuust m i t dc ui K öuig Viktor Emanuel findet am 0. April statt * Nach der „Neuen dreien Presse" ist die Vans der u n g a r i s ch e n V e r st ä » d i g u n g die Ausi'clialtttng der militärischen Streitfraaen auf zwei Jab re. (S. Ausland.» ' Aus Paris lvird aemeldet. der Minister des Ausumrtiaeu Telcassc- beabsichtige die vom Senator und ebemaliaen Kolonialministcr Decrais ange- kündigte Anfrage über die M a r o k k o - P o l i t i k bereits beute zu beantworten. * Tas Attentat an der Großen Morskaja in Peters b u r a erweist sich als Anschlaa aut dcir General T repow: dieser in unverletzt acbliebcn. (2. die Krisis in Rußland.) ' Nach der „Nowoje Wremja" beschloß der Sun od. die Genehmigung des Zaren zur Einberusuna eines Komitees der orthodoxen Kirche nachzu suchen. — verecluigtt Sorgen »er papier- inaustrie. Tie Vereiniauna für die Zollsragen der Papier ver arbeitenden Industrie und des Papierbandels berichtet in tbrem Geschäftsbericht i'ber das Resultat einer unter ibren Mitgliedern veranstalteten Umfrage über die voraussichtlichen Wirkungen der neuen Handelsverträge. Tarnach berricht in den Kreisen der Papierverarbeiter teilweise aroße Erreauna über den Ausfall der Verträae. Fast durchwea wird mit einer Er- schwerung des Erportgeschäftcs gerechnet, in manchen Artikeln mit eurem v ö l l i g c n A n s f a l l der s e i t- ä e r i >, e n E r p o r t e. Ltnr einzelne Branchen er- nxirten. daß sich ibre Ausfuhr weder verschlechtern, noch verbessern wird. Wo für einzelne Artikel auf eine Bc- Icbnng des Erports infolge niedriaerer Zölle gerechnet wird, wird diele Besserung durch einen Ausfall iu einem anderen Lande wieder wett acmacht. Am ungünstigsten wird der Vertrau mit O c st e e r e i ch U uuar u be urteilt. dessen weitaus höhere Vertragszölle umso mehr ins Gewicht fallen müssen, als der deutsche Erport an Erzeugnissen der Papierverarbeitunu nicht weniucr als 22 Prozent des deutschen Gesamtcrvorts in diesen Waren ausmacht. Ter Vertrau mit der S ch w c i z legt insbe sondere der deutschen Kunstdruckindustrie außerordentlich schwere Opfer auf. In Rußland ist nur für den Artikel Papierwäichc der seithcriuc Vertruuszoll wieder erreicht worden, während sonst aus der ganzen Linie Er- höhunuen der schon bisher fast unerschwinglichen Zölle cinuctretcn sind. Auch inRumänicn und Serbien ist durchweu mit sehr bedeutenden Zollerhöbunucn zu rechnen. Nur Beluicn und Italien, die beiden einziuen Länder, welche vor Beuinn der Vertrausvcr- handlunuen ihre autonomen Tarife nicht erhöhten, bieten einige Erleichlerunuen. Was die einzelnen Zweiue der Papierverarbeiiunu betrifft, so eruibt sich etwa foluendes Bild. Tie B u n t- p a p i er f a b r i k a t i o n har für die Schweiz etwas uünsliucrc Absatzbedingungen erlangt: für Beluien. Italien, Rumänien sind die Zollverhältnisse dieselben ge- blieben. In Oesterreich-Ungarn und Rußland ist eine nicht unbeträchtliche Erböhunu der seitberiucn Bunt- papierzölle einuetreten. Ebenso ist der hohe serbische Zoll auf Buntpapier ueblieben. Tic Tapetcnsabri. kation bat in Italien und in der Schweiz eine Zoll- ermäßiuuuu, aber keinesweus in dem uewünschten Maße erstritten. Ter seitherige beluische Tapetenzoll ist statt ermäßigt mir uebunden worden. Tie Papier- w ä s ch e f a b r i k a t i o n hat die von ihr gewünschte Fassung der bezüglichen Tarifpositionen in den Handels- vcrträuen im wesentlichen erreicht, nicht aber erfüllt sind ihre Wünsche betreffs der Zollsätze. Oesterreich bat seinen Zoll von 12,86 Kronen nur um ein Gerinues (aus vierzia Kronen) ermäßiat. Ter überaus Hobe italienische Zoll von 70 Lire ist nicht ermäßigt worden. Ter schweizerische und russische Zoll ist derselbe acbliebcn, der belaische statt aui l0 auf 18 Prozent ermäßiat worden. Rumänien hat seinen schon bisher unerhört bobcn Zoll von 100 Lei aar auf 200 Lei erhöht und Serbien bat von seinem Prohibitivzoll von 1 kl) Dinar übcrliaupt nichts nachge lassen. Tie Fabrikation der M a s s c n pa ck u n a o n (Tüten. Beutel. Faltschachteln und dergleichen), die Geschäftsbücher- und A l b u m fa b r i k a t i o n haben, non vereinzelten Ausnahmen abgesehen, fast dnrchwea mit höheren Zollen zu rechnen. Auch die Wünsche bezüalicb namentlicher Aufiühruna ihrer Er- zeuanisse in den Vcrträaen sind nur in dem allcrbe- scheidensten Maße erfüllt worden. Dasselbe ailt auch von der P a p i c r a u s st a t t u n a s i n d u st ri e, von der K a r t c n s a b r i t a t i o n und von den anderen Branchen der Papiervcrarbcituna. Wohl am schwersten iß die aroße deutsche K unst - d r u ck i n d u st r i c betroffen Tiefe batte ebenso über die Unklarheit der fremden Tarife, an der die Verträge wen'g oder nichts c><;'-nd,"st hjben. zu /lagen, -r-.e besonders auch über die Zolliätze. Sind doch teiliveiie statt der biSberigcn Zollfreiheit überhaupt neue Zölle ge- fchaffen wordcu, wie in Ocsterreich-Ungarn und Ru mänien. Tic acwünschte Zollermäßiauna in Italien und Rußland ist auch nicht cinaetreten. nährend Bclaicn statt einer durchareifendcn Ermäßiauna nur für die mebr- iarbiaen Lithoaraplüeu ußv. ciniae Zuacständniisc ac- macht hat. Tie schwerste Enttäuschuna aber bereitete die Schweiz, deren Zölle eine Erhöhung von 4. 8, 16, 25 Francs aus 80, 85, 40, 45, 50 und 65 Francs auf- weisen, während die deutschen Zölle auf „Drucke jedes Verfahrens" der Schweiz acaenüber auf 6 ermäßigt wordcu sind, ja. für ciniae Artikel, wie für Kommunion bilder und deraleichen. ioaar Zollfreiheit aewährt worden ist. Für acbnndcnc Bücher ist in Oesterreich nicht einmal die volle Zollfrcihcit aewährt worden. Ter russische Zoll auf Bücher in russischer Sprache ist von 4,50 Rubel auf 17 Rubel erhöht worden. Ter Zoll für acbnndcnc Bücher in Italien ist acbliebcn. In Serbien müssen acbnndcnc Bücher einen Zollsatz von 20 Tinar per Toppclzentncr entrichten. Ter Bericht schließt mit der Bemcrkuna. daß zum Ausalcich der A u s f u h r c r s chw c r u n a e n Zollerleichtcrunacu für diejcniacn Materialien, ivclche zu Erportwaren verarbeitet werden, ferner Ermäßiauna der Eisenbahnfrachten und deraleichen aewährt werden müßten. vir Ftisir in vusrian». Die Petersburger rllarmnacyricbten. Während dem Telegramm des „Berl. Tagclst." über die entdeckte Verschwörung noch keine ähnliche Meldung gefolgt ist, wird durch den „L.-A." dem vorn halbamtlichen Draht gemeldeten Attentat an der Ecke der Großen Morskaja und der Poststraße der Cbarakter eines Attentats aus Trepow verlieben. Nack dieser Depesche passierte gestern nachmittag 3 Uhr der Gencral-Gonvcrneur Trepow in seiner Eguipage die Große Morskaja, als ein Tienst- mann plötzlich auf den Wagen zueilte und zwei Schüsse auf Trepow abseuerte, die ihr Ziel verfehlten. Sofort sprangen drei Geheimpolizisten, die dort Dienst halten, da einige Häuser weiter die Wohnung des General-GouverneurS sich befindet, hinzu. Der Attentäter wurde arretiert. Er ist ein junger intelligenter Mensch, der erst vor drei Tagen sich bei der Genossenschaft der Dienstmänner cinschreiben ließ und dabei die erforderliche Kaution erlegte. Er stellte direkt das Verlangen, ihm einen Platz an der Ecke der Großen MorSjaka und Poststraße zu geben, der bisher unbesetzt war. Das wurde ihm auch gewährt. Generalgouverneur Trepow blieb unverletzt. Gleichzeitig wurden zwei Personen nahe dem Winterpalais verhaftet, die ebenfalls dort postiert waren, um, falls das Attentat in der Großen MorSkaja mißlingen sollte, den Gencralgouverneur vor dem WintcrpalaiS während der Fahrt in die dort belegene Kanzlei zu töten. Ein dritter verdächtiger Mann wurde nahe der Wohnung des Ministers des Innern Bulygin verhaftet. In der ganzen Stadt herrscht große Auf regung. Viele hochgestellte Personen sprechen in der Wohnung des Gencralgouverneurs vor. Dem Zaren ist unverzüglich über den Anschlag nach Zarskojc Sselo be richtet worden. Wie ferner gemeldet wird, ist es gestern auch im 1'etersb i> rger v o n sc r o c r o ri» m, weiches sich dem Generalstreik der Hochschulen angcschlosseu bat, zu großen Ausschreitungen gekommen. Ein Teil der SWiller wollte das Studium wieder aufnelmcn, wurde aber von etwa 300 streitlustigen Genossen daran verhindert. Eine Eskadron Gendarmen wurde beordert, ebenso eine größere Anzahl Schutzleute. Unterdessen waren etwa M Konservatoristen ins Konservatorium ei »gedrungen und hatten dort durch chemische Präparate die Luft ver pestet. Die Gendarmen trieben die Streikenden nach dem benachbarten Polizeibureau, wo deren Namen festgestellt wurden. Es fehlte dabei nicht an den üblichen Prügelszencn. Bulygins Ttsnferenz. Die Petersburger Telegraphen-Agentur verbreitet die folgende amtliche Mitteilung: Am 3. Mär; hat der Kaiser durch einen Erlaß eine besondere Konferenz unter dem Vorsitz des Ministers des Innern eingesetzt, die be raten sollte, auf welche Weise der Wille des Kaisers, die Vertreter der Bevölkerung zur Teilnahme an der Gesetzgebung einzulaben, zu verwirklichen sei. Der Leiter der Konferenz, Minister Bulygin, hat im Ministerium des Innern unverzüglich die Sichtung des vor handenen Materials veranlaßt und den vorbereitenden Ar beiten seine ganz besondere Ansmerksamkeit gewidmet. Das Material, das auch eine Anzahl Vorschläge enthält, die von verschiedenen Persönlichkeiten und Vereinigungen gemacht worden sind, weist in den grundlegenden Fragen und den Einzelheiten der zu lösenden Aufgabe erhebliche Verschieden heiten auf. Unter diesen Umständen würde eine Erörterung der einzelnen Entwürfe zu Weitläufigkeiten geführt und die Arbeiten der Konferenz ausgehaltcn haben, nm so mehr als diese nicht allein aus Vertretern der Regierung und hohen Beamten zusammengesetzt sein sollte, sondern auch aus Personen, die durch ihre Tätigkeit für die Allge meiuhcit der Regierung bekannt und mit den Voraussetzungen und dem Stand der kulturellen Entwickelung der ver schiedenen Teile des Reiches vertraut sink. Infolgedessen wäre die Konferenz gezwungen gewesen, sich über die verschiedenen Gesichtspunkte in der zur Beratung stehenden Frage zu verbreiten. Der Minister hat es deshalb für notwendig erachtet, die grundlegenden Prinzipien fest zu leg en, nach denen die Einberufung der Volksvertreter erfolgen soll, diese Grundlagen dem Minister rate vorzuleaen und dann endgiltig in einer auf Grund des Erlasses vom 3. März geschaffenen besonderen Konferenz darüber beraten zu lassen. — Unter diesen Umständen würden alle vorbereitenden Arbeiten in zwei bis drei Monaten beendet sein. Die Frage, ans welchem Wege die Verwirklichung des kaiser lichen Willens am besten zu erreichen sei, hätte ihre Lösung zu finden auf der Grundlage der gleichen Berücksichtigung der allgemeinen Interessen des Staates und der örtlichen Bedürfnisse der verschiedenen Teile des Reiches. — Der Munster hat dem Kaiser diese Vorschläge unterbreitet und der Kaiser ihnen am 29. März seine Zustimmung gegeben. verschiedene Meldungen. Wie ter „Syn Olechcschcstwa" erfährt, hat Gorki nun mehr die Erlaubnis erhalten, zur Wiederherstellung seiner Gesundheit nach der Krim zu reisen, da infolge seiner Kerkerhaft die Symptome des tuberkulösen Prozesses, Fieber und Bluthusten, wieder aufgetreten sink. In s.stalta wird Gorki nur einige Wochen verweilen und am 5. Mai, also eine Woche vor dem Prozeß in Petersburg eintreffen, nm das Anklage material kennen zu lernen. Das Drama, welches Gorki in der Festung schrieb, beißt „Die Kinder der Sonne", ist auf grauem Arrestantenpapier gelchrieben und trägt die Unterschrift: „Arrestant Alexei Peschkow Gorki". Viermal wegen politilcher Angelegenheiten verhaftet, hat er jedesmal eine Erzählung aus dem Gesängnislebeu verfaßt. — Nach einer Petersburger Meldung der „Köln. Ztg." begann am 29. ein politischer Prozeß gegen die Kleinbürgerin Rathner und den Bauern Anissimow wegen Zugehörigkeit zur Umsturzpirtei und Errichtung einer geheimen Druckerei der revolutionären Partei. Die Druckerei wurde im April 1904 entdeckt und viel Schrift, sowie 300 noch feuchte Flugblätter zum 1. Mai, sowie Aufrufe usw. gefunden. Annsimow erklärte in der Voruntersuchung, die revolutionäre Partei strebe, wie er glaube, den Umsturz der in Rußland bestehenden Ordnung an und ferner die Herstellung von Verhältnissen, die den von den Kapi talisten ausgebeutetcn Arbeitern ein besseres Dasein schaffe. — AuS Minsk wird berichtet, daß sich dort eine ungewöhnliche Gärung bemerkbar macke. Der Gouverneur, Graf Mustin- Puschkin, wurde entlassen, da sein Sohn sich an die Spitze eines Demvnstrations u m zugeS gestellt batte. Bei einem Bankett, ans welchem die rasche Gewährung der Konstitution ge fordert wurde, erfolgte dieVerbaflungdeSVertretersdes Sozialistischen Bundes durch einen Geheimagenten, der sich eingescblichcn batte. Große Erregung herrscht dort auch unter den Gutsbesitzern. — Nach einer Meldung aus Ir kutsk sind sämtliche Läden infolge des Ausstandes der Hantlungsgebülfen geschlossen worden. — Aus Berd jansk Gouvernement Taurien) wird gemeldet: DieSchiis- fabrt ist eröffnet worden; einige ausländische Dampfer sind bereits elngeuiffen. ver ruzzizeh-japaimcbe IZneg. Lin sftnsintischer Dreibund? Tci „Daily Telegraph" hat die Möglichkeit, das englisch- japanische Bündnis zu einem Schutzbündnis in bezug aui die Beübungen beider Länder in Asien auszugestalten, einer crnstnanen Erwägung unterzogen. Das Blatt teilt jetzt eine neue B ü n d n i s k o m b i n a t i o n mit, die Idee der Um gestaltung des englisch-japanischen Bündnisses zu einem Drei bund mit Einschluß Amerikas, die, wie der „Daily Feuilleton. s. Möblierte Iimmer. Roman von Rudolf H i r s ch b c r g - I u r a. Nachdruck verboten. Jetzt wurde Frau Pfeifer unwillig: „Sic sollten nicht Ihren Spott mit uns treiben, Frau Professor. Ich habe Ihnen kein unrechtes Wort gesagt, und ich habe meinen Mann so sehr gebeten, daß er nicht selbst zu Ihnen geben sollte und mit Ihnen sprechen Ter würde ganz anders reden, als ich. Er bat jetzt alle die Tage fürchterlich geschimpft und hat gesagt, Sie müssen uns das Geld ersetzen. Tas müßten Sie auch. Tenn Sie haben eben selbst zugegeben, daß Sie schuld sind an iinserm Unglück. Aber ich lmbe Ihnen gar keinen Vorwurf gemacht. Ich habe nur ganz bescheiden gefragt, was wir nun tun sollen. Und da machen Sie sich lustig über uns und sagen, wir sollten geduldig abnxzrtcn, was kommt." „Sic meinen also, wir haben Ihnen absichtlich und arglistig etrnaS reckst Schlechtes geraten und machen unS nun über Sie lustig, weil Sic sich so schön haben anführen lasten? Nun. da wir durch unsere Bosheit Schuld an Ihrem Unglück sind, so würde ich Ihnen Ihr Geld bon Herzen gern auf Heller und Pfennig ersetzen. Aber leider bin ich noch ärmer, als Sie. Ten schlechten Rat, den wir Ihnen gegeben haben, den haben wir selbst befolgt und alle:- eingebntzl. Inas wir brühen. Sie haben Ihren braven Mann, der für Sie sorgt, und sind selbst noch eine rüstige Frau. Ich aber bin alt und habe keinen Mann, und ich weiß noch nicht, wovon wir in den nächsten Tagen leben sollen." „Aber Mama", warf Henny ungehalten ein. Es ver droß sie, daß Mama ihr ehemaliges T-icnstmädchen einer l so vertraulichen UnglückSbcickste würdigte; auch Etvald I war verletzt und bemerkte: „Tn vergißt, Mama, daß du einen erwachsenen Sohn ixist, der für dich arbeiten wird." Frau Pfeifer aber war durch die unerwartete Er klärung der Frau Professor ganz umgewandelt. Dicke Tränen tröpfelten ihr über die zitternden Backen. Der Groll und Schmerz über das eigene Unglück hatte sich in erstauntes Mitleiden mit dem fremden venixindelt. Sie schämte sich ihrer eigenen ungerechten Vorwürfe und konnte es noch gar nicht fassen, daß die reichen, vor- nehmen Leute, bei denen sie gedient hatte, und die in so prächtigen Räumen wohnten, plötzlich ganz arm ge worden fein sollten. Verwundert sah sic sich in dem großen schönen Zimmer um, prüfte mit den Augen die kostbaren gediegenen Möbel und warf durch die offene Tür einen Blick in den anstoßenden Salon. „Sie wundern sich wohl", fragte die Fran Professorin bitter, „daß noch nichts zum Trödler oder ins Leihhaus gelvandert ist? Es wird nicht lange mehr dauern. Wir sind nahe daran!" „Aber Mama, wie kannst du nur so sprechen!" riefen Henny und Ewald entrüstet. Fran Pfeifer jedoch entgegnete mit einer nachdenk lichen Langsamkeit, als fürckstc sie, etwas Unpassendes zu jagen; „Nein, nein, Frau Professor, ich mußte nur daran denken, daß Sie im Winter ein paar Mal sagten. Sie fühlten sich so einsam in Ihrer großen Wohnung. Ta wundere ich mich nun, daß Sie gar nicht vermieten. Nehmen Sie mir's nicht übel, daß ich davon spreche. Aber weil Sic doch jetzt gewissermaßen darauf angewiesen sind. Sehen Sie, wir haben dock) alle drei Vorder zimmer vermietet. Die beiden kleineren bringen jedes fünfundzwanzig Mark und das Mittelzimmer fünfund- dreißig Mark. Mit Kaffee natürlich. Tafür haben wir das eigene Wohnen ganz umsonst, und es bleibt noch zweihundert Mark Gewinn. Wir haben sehr nette, an ständige Herren. Herrn Opitz kennen Sie ja. Der wohnt nun schon das dritte Jahr bei uns. Allerdings haben wir'S uns auch etwas kosten lassen und die Zimmer sehr elegant möbliert. Aber gegen Ihre Möbel natür lich, da müssen wir uns verstecken. Für da? Zimmer hier, da könnten Sie ruhig sechzig Mark nehmen mit Kaffee, besonders, wenn Sie vielleicht einen reichen Aus- ländcr bekommen, und fiör den Salon mindestens fünf- undsiebzig Mark. Nehmen Sie'S nur nicht ungütig. Ich rede bloß so, wie cs mir cinfällt. Und was ich vorhin gesagt habe, deswegen sind Sie mir doch auch nickst böse. Ich lzab'S nur so meinem Manne nachgesckmxitzt, und die Männer, die müssen ja immer gleich schimpfen. Aber mit dem Zimmerpermieten, das sollten Sic sich mal über legen, wenn cs nicht unverschämt ist, daß ich so tue, als konnte ich Ihnen einen Rat geben." „Schon gut. Frau Pfeifer. Ich weiß sa, daß Zic's gut meinen. Aber ich kann Ihnen nickst bellen, und Sic können mir nicht helfen. Ich habe mich gefreut, Sie mal wieder zu sehen. Grüßen Sic Ihren Mann schön und sehen Sic zu, wie Sie Ihren Verlust verschmerzen können." Mit einigen verlegenen Absckstedsworten entfernte sich Frau Pfeifer, und sogleich begann Henny: „Ich begreife nicht, Mama, wie du dir diese gleich berechtigten Reden und diese Vertraulichkeiten unserer närrischen alten Auguste so lange hast anhörcn können. Wollen wir nicht gleich die gelben Schilder zu allen Fenstern hcranshängen und cs in alle Zeitungen setzen lassen: ..Gareonlogis an solide Herren zu vermieten bei anständiger Witwe?" Gerda aber hatte auf dem Umschlag von D»r. Grolichs Brief schnell ein vaar Berechnungen mit Bleistift ausge führt und jagte ruhig: „Nein, das wäre natürlich Unsinn. Aber da wir unsre Wohnung jetzt am ersten Juli vergessen haben zu kündigen, so müssen wir sie mindestens bis zum ersten April nächsten Jahre? behalten und müssen sie natürlich ausnntzen. Eine feine Familicnpensicm müssen wir gründen. Wir haben doch unsre Verbindungen mit dem Konservatorium, das uns gewiß gern ein paar Pensio närc zuweisen wird. Uebcrhanvt, da wir nun einmal arm und ans das Geldverdienen angewiesen sind, so müssen wir alle falsche Scham nnfgeben und alle Bekannt schaften und Beziehungen, die wir von Papa her haben, nach Kräften ausnützen. Wir sind ja in der Lage alles auf das vornehmste zu bieten, können also je nach dem Zimmer hundert bis bundcrUünfzig Mark monatlich für volle Pension verlangen."
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