Suche löschen...
01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 23.03.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-03-23
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000323014
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900032301
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900032301
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-03
- Tag 1900-03-23
-
Monat
1900-03
-
Jahr
1900
- Links
- Downloads
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Bezugs-Preis i» der Hauptexpedition oder den im Stadt bezirk und den Vororten errichteten Aus gabestellen abgeholt: vierteljährlich^ 4.50, bei zweimaliger täglicher Zustellung ins Haus -* ^.50. Durch die Post bezogen für Deutschland und Oesterreich: vierteljährlich 6.—. Direkte tägliche Kreuzbandiendung inS Ausland: monatlich 7.50. Die Morgen-Ausgabe erscheint um '/,? Uhr, dir Abend-AuSgabe Wochentag- um 5 Uhr, Ne-action und Expedition: Aohanni-gafse 8. Die Expedition ist Wochentag» ununterbrochen geöffnet von früh 8 bi» Abend» 7 Uhr. Filialen: Alfred bah» vorm. v. Klemm'» Eortim. Universitütsstraße 3 (Paulinum), Laut» Lösche, Katharinenstr. 14, part. und königß-latz 7. Morgen-Ausgabe. Htipilgtr TagcblM Anzeiger. Amtsbtalt des königlichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, des Natyes nnd Nolizei-Ämtes -er Ltadt Leipzig. Anzeigen-PreiS die «gespaltene Petitzeile 20 Pfg. Reklamen unter dem Redactionästrich (4ao- spalten) 50^, vor den Familirnnachrichwu (6 gespalten) 40^. Gröbere Schriften laut unferem Prei». verzeichniß. Tabellarischer und Ziffernsatz nach höherem Taris. Sxtra-Beilage« (gesalzt), nur mit der Morgen.Ausgabe, ohne Postbesörderuug 60.—, mit PostbefSrderung 70.—. Annahmeschluß für Anzeigen: Ab end-Ausgabe: Vormittag» 10 Uhr. , Margen-Ausgabe: Nachmittag» 4Uhr. Bei den Filialen und Annahmestelle» je «ine halb« Stunde früher. Anteilen sind stet» au die Expedition zu richten. Druck und Verlag vou E. Polz in Leipzig. W Freitag den 23. März 1900. 84. Jahrgang. Die Reform des Militiirpenfionswesens. Ohne Debatte hat am verflossenen Montag der Reichs tag den Etat deS allgemeinen Pensionsfonds in zweiter Lesung erledigt und nur summarisch haben die Parlamentsberichte davon Kenntniß gegeben. EineStheilS war die Stunde schon vorgerückt, andererseits wirkten die Leere und die zunehmende Interesselosigkeit im Reichstag einigermaßen auch auf die Berichterstattung lähmend zurück. Wenn wir jetzt, nachdem der osficielle Sitzungsbericht vorliegt, auf jene Verhandlung zurückkommen, die der nationaliiberale Abgeordnete Graf Oriola ausschließlich mit einem eingebenden und sorgfältig vorbereiteten Referat bestritt, so ist die« darin begründet, daß der Bericht nähere Aufschlüsse über die in Vorberatung begriffene, so weite Kreise berührende Reform deS Militär- pcnsionswesens gebracht hat. In der Budgetcommission hatte der Kriegsminisier die erfreuliche Mittbeilung gemacht, daß die Gesetzentwürfe zur Reform unseres gesummten Militärpensionswesens von der Militärverwaltung fertigzestellt worden sind. Nach dem Abgeordneter Graf Oriola anerkannt hatte, daß daS KriegSministerium den richtigen Weg gegangen ist, als er da von absab, immer neue Novellen zu bringen, und statt solcher eine große, einheitliche und durchgreifende Reform vorbereitete, berichtete er über die Erklärung, die der Kriegsminister in der Budgetcommission abgegeben und die wörtlich also lautet: Ich habe schon früher meine Ansicht dahin zu erkrnnen gegeben, daß ich die gegenwärtige Mtlttär-Pensionsgesetzgebuug nicht mehr für zeitgemäß halte; sie ist durch die mehrfachen Novellen, welche zu dem Grundgesehe von 1871 ergangen sind, verwickelt und unklar geworden, sie enthält Ungleichheiten und Härten; letz tere sind auch zum Theil in der überreichten Denkschrift offen zum Ausdruck gebracht. Die Ungleichheiten und Härten durch weitere Novellen zu beseitigen, halte ich für ausgeschlossen. Ich habe daher neue Gesetze aus neuer Grundlage entwerfen lassen, die Mannschafts versorgung unter Anlehnung an die bürgerliche Unfallgesetzgebung. Die Arbeit, die wegen deS Umfanges der Materie und der vielfachen Beziehungen derselben zu anderen Rechtsverhältnissen immerhin schwierig ist, hat nur langsam vorschreitea können. Jetzt sind drei Entwürfe, einer für Officiere, einer für Mannschaften, einer für Kriegshinterbliebene, vom Kriegsministerium fertig gestellt; dieselben müssen nun den zuständigen Stellen des Reiches zur Prüfung zugcführt werden, zumal da die in Aussicht genomme nen neuen Bestimmungen nicht unerhebliche Steigerung der Ausgaben zur Folge haben würden. Ich werde mir angelegen sein lassen, die Weiterentwicklung der neuen Gesetzgebung nach Möglichkeit zu fördern Ucber die Wege dieser Reform äußerte sich dann der nationalliberale Redner unter wiederholter Bezugnahme auf eine im verflossenen Jahre von der HeereSverwaltuna dem Reichstag überreichte, aber nicht mehr nach Gebühr gewürdigte Denkschrift folgendermaßen: Unter den vielen Wünschen, die im Reichstag wiederholt Ausdruck gefunden, steht in erster Reibe die Erhöhung der Zulage für Nichtbenutzung des CivilversorgungSschein« von 9 auf 12 und eine gleichmäßige Entschädigung für diese Nichtbenutzung. Weiter wird bei der Reform deS Militärpensionswesens der Be schwerden gedacht weiden müssen, die wegen der ungleich mäßigen Behandlung der Comm unalbeamten einerseits und der Reichs- und Staatsbeamten andererseits be züglich der Belassung der Militärpensionen bestehen. Den Communalbeamtcn wird neben dem Civildienst- einkommen gesetzlich die Militärpension belassen; der Reichs und Staatsfiöcus bringt sie in Anrechnung. Ein crasses Beispiel dafür führte der Redner an. „Ein kleiner Beamter hatte nahe bei einem Fluß eine Dienstwohnung, die feucht und kalt war; man halte ihm keine andere zu geben, und da entschloß man sich dazu, ihm für den Winter — er hatte viele kleine Kinder — 30 für Heizung zu gewähren. Er war glücklich, aber sein Glück dauerte nicht lange, denn sofort erschien der FiScuS und erklärte: jetzt hast du 30 mehr als bisher, jetzt bist du mit deinem Einkommen über die Grenze, bis zu der die Militärpension unverkürzt neben dem Civildiensteinkommen belassen wird, — und siehe, der Fiscus steckt ruhig die 30 wieder in seine Tasche, indem er sie von der Militärpension des Betreffenden abzog." Derartigen Vorkommnissen, die zwar Gesetz und Recht für sich haben, aber trotzdem eine unerträgliche Härte sind, wird durch Beseitigung dieser Ungleichheit vorgebeugt werden müssen. Eine weitere Mißlichkeit, die bei der Reform zu beseitigen ist, besteht darin, daß in Folge der Einführung deS Dienst- altcrSstufensystems für fast alle Beamtenkaleaorien die meisten Feldwebel schon bald nach 12 jährigem Militärdienst aus scheiden. Denn für die Bestimmung des Dienstalters kommt von der Militärdienstzeit — gleichgiltig ob sie zwei oder 20 Jahre gedauert hat — nur eia Jahr in Anrechnung. Je länger ein Unterofsicier im Militärdienst verbleibt, desto mehr verringert sich für ibn die Aussicht, jemals in die höchsten TienstalterSstufen aufzurücken. In Folge besten sind die Unterofficiere mit 18 jähriger und längerer Dienstzeit in der Armee nur noch in geringer Zahl vorhanden. Hieraus ergiebt sich, von welch außerordentlicher Bedeutung eine richtige Gestaltung der PensionSgesrtzgebung auch für dir Schlagfertigkeit und Tüchtigkeit unserer Armee ist; die Armee bat rin dringendes Interesse daran, möglichst viele von den tüchtigen alten Feldwebeln und Sergeanten im Dienste zn brbalten, namentlich, seitdem die Ansprüche an die Tüchtigkeit des AuSbildungSpersonala in Folge der Einführung der zwei jährigen Dienstzeit so sehr gesteigert sind. Weiter begrüßte der Redner im Auftrage der Budget commission, daß eine vollkommene Neuregelung der Für sorge für die Wittwen uuv Waisen in einem be sonderen Gesetze vorgenommen werden wird und daß dabei eine Erhöhung der bi-berigen unzulänglichen Bezüge in Aus sicht steht, damit künftig der Mann, der für da- Vaterland in» Feld zieh», auch mit dem Bewußtsein gegen den Feind gebt, daß zu Hause, wenn er für» Vaterland fällt, für Weib und Kmd genügend gesorgt ist. Weiter befürwortete der Redner di« «ufdessrruag der Peasiouea der iuva- liden Officiere und derjenigen älteren Beamten, die vor dem 1. April 1897 pensionirt sind. Das Referat schloß mit dem Wunsche, daß die Militärverwaltung bei den schwebenden Verhandlungen das verstäadnißvolle Entgegen kommen der übrigen Ressort- finden möge, damit bald durch die Einbringung der Reformgesetze den Nothstandea abgeholfen werden könne, die vom ganzen Reichstag und vom ganzen Lande anerkannt werden. Die politische Anfittlichkeit des klerikal-radicalen Bündnisses in Laden. Die „Köln. Volksztg." ist entrüstet darüber, daß im Groß- herzogchume Baden dir nichtklerilalen Elemente vom national liberalen Beamtenthume bis zur waschechten Socialdemokratie in der Bekämpfung der lex Heinze llbereinstiinmen. Sie schreibt voller Wuth: „Selbst wenn das Gesetz mit dem unsympathischen Namen und dem bescheidenen Inhalt, um den eS sich noch handelt, nicht zu Stande käme, wäre der Kampf um die wenigen Schutz maßregeln für die öffentliche Sittlichkeit nicht nutzlos gewesen. Er hat wieder einmal Klarheit darüber geschaffen, an welchen schweren Schäden unser Volksleben krankt, nicht minder über die ans Unglaubliche grenzende Seichtheit und Un wahrhaftigkeit, mit welcher der weitaus größte Theil der liberalen Presse das öffentliche Urthcil beeinflussen zu können glaubt. Eine Sammlung von Stichproben deS böswilligen und des leidenschaft lichen Unverstandes, mit dem in diesen Tagen die elementarsten Anforderungen des sittlichen Empfindens bekämpft worden sind, würde «ine seltsame Auslese geben. Wie überall, so herrscht auch in Baden eine rührendeEinigkeit zwischen dem social- revolutionären Radikalismus und dem hoch- patriotischen Liberalismus für das OeffentlichkeitS- recht schamloser Objecte." Weshalb wird der Streit um die Isx Heinze mit solcher Leidenschaftlichkeit geführt? Doch gewiß weniger um der Be stimmungen selbst willen, die das Gesetz sehr bald Hinwegfegen werden, wenn sie so gehandhabt werden, wie Herr Roeren es wünscht und hofft, als vielmehr deshalb, weil es sich um einen Kampf zweiergrundverschirdenerWeltanschau- ungenhandelt. Der energischste Verfechter der einen Welt anschauung ist das Centrum; an die Spitze der anderen hat sich, wenn auch etwas usurpatorisch, der Radikalismus gestellt. ES ist deshalb nicht eben klug von dem klerikalen Blatte, das Zu sammengehen der nichtklerikalen Elemente in Baden in der Frage der lox Heinze zu betonen, denn man wird dadurch daran er innert, daß das Centrum seit Jahr und Tag in Baden Parteien unterstützt, von deren Weltanschauung es durch eine unüberbrück bare Kluft getrennt ist. Darum ist die Unterstützung derartiger Parteien durch das Centrum widernatürlich und deshalb im höchsten Grade unsittlich, von einer viel tieferen Un sittlichkeit, als es diejenige ist, die in der lex Heinze bekämpft werden soll. Denn dort handelt es sich um eine Unsittlichkeit, die mit den menschlichen Leidenschaften, der kulturellen und der socialen Entwickelung zusammenhängt, hier aber handelt es sich um jene Unsittlichkrit der Denkweise, die in dem Satze: „Der Zweck heiligt die Mittel" ausgedrückt ist. Denselben Vorwurf der Unsittlichkeit muß man allerdings gerechterweise auch den radikalen Parteien in Baden zum Vor wurfe machen, nur daß sich bei ihnen, wie gerade die lex Heinze schlagend beweist, zur Unsittlichkeit noch di« Unsinnigkeit gesellt. Es ist ja sehr schön, wenn die radikalen Parteien bei Protestversammlungen gegen die lex Heinze die Mehrzahl der Beifall spendenden Zuhörer stellen, aber dadurch machen sie doch die Thatsache nicht wett, daß sie durch ihre verblendete Politik die Reihen des bildungsfeindlichrn Centru.ns im Reichstage ver stärken. Dieselben Demokraten und Socialisten, die jetzt die lex Heinze und in ihr die Weltanschauung des Centrums be kämpfen, haben bei den Wahlen von 1898 die Wahlkreise Kon stanz, Freiburg, Lahr und Offenburg dem Centrum in der Stich wahl ausgeliefert und in anderen Wahlkreisen, wie in Donau eschingen und Lörrach, haben sie wenigstens ihr Bestes dazu ge- than, um ein ähnliches Resultat herbeizuführen. Daß es sich dabei nicht etwa um eine einmalige, durch Mißstimmung gegen den gemäßigten Liberalismus hervorgerufene Taktik handelt, er giebt sich daraus, -daß auch bei den Reichstagswahlen von 1893 und 1890 die radikalen Parteien im Großherzogthume Baden durchgängig das Centrum unterstützten. Bei den letzterwähnten Wahlen brachten sie e» durch diese Unterstützung sogar zu Wege, daß das Centrum die Mehrheit der badischen Reichstagssihe er langte, nämlich 8 von 14, die Nationalliberalen hingegen keinen einzigen Sitz, obwohl die letzteren im ersten Wahlgang« nahezu ebensoviel Stimmen erhalten hatten, wie das Centrum, nämlich 50 000 gegen 53 000. Wenn also die radikalen Parteien aus der lox Heinz« entnahmen wollten, daß ihre Unterstützung der in ihrem innersten Wesen reaktionären Centrumspartei ebenso unsinnig, wie unsittlich ist, so könnte der Kampf um diese» Gesetz noch zum Segen aukschlagen. Man wird freilich gut daran thun, auf die Belehrsamkeit des badischen Radikalismus keine allzu großen Hoffnungen zu setzen. Der Krieg in Südafrika. Zwei übereinstimmende Nachrichten aus Boeren- und englischer Quelle melden einen kleinen Sieg der Boeren. Sie lauten: * London, 22. März. „Reuter'» Bureau" m«ld«t auS Lobatst vom 16. d. MtS.: Eine starke Boerenmacht rückt von Mafeking unter Snyman in der Richtung au» Lobatsi vor. Gestern wurde Leutnant Tyler, der bei dru Truppen Plumer s stand, durch eine Granate getödtet. * Loureno» Wargue», 22. Mürz. Die „Digger»' News" er- hielten telegraphisch folgendes KriegSbullrtia au- Pretoria vom 17. d. MtS.: Am 1b. d. MtS. wurde ein Gefecht mit dem Feinde an der Westgrenze von Tran-vaal in der Richtung auf Lobatsi geliefert. Die Engländer flohen eiligst in der Richtung LeS Romoutsa- Lager». Die Doerrn hatten keine Verluste. Bier Engländer wurden gefangen. 1b Kisten Patronen, sowie Schirßwafsen und Pferde wurdea erbeutet. Großes Gewicht dürfte diesem Siege der Boeren leider nicht beizulegen sein. Lord Roberts setzte die Entwaffnung der Orangefreistaat bürger nach seinen Depeschen fort. So meldet er aus Bloemfontein vom 21. d. M., daß eine große Anzahl von Burg Hers den Wunsch ausgesprochen habe, sich unter den Bedingungen der letzten Proklamation zu ergeben. Roberts entsandte kleine Colonnen nach verschiedenen Richtungen, um die Waffen entgegenzunehmen. Ferner meldet er, daß die Brigade Clements über Philippolis und Fauresmitb nach Bloemfontein marschirt. Auch Herrn Miln er fehlt eS nicht an Kund gebungen. So nahm der Stadtratb von East London einstimmig einen Antrag an, in der die Politik deS Gouver neurs Milner gebilligt und die Annexion der Boeren- republiken befürwortet wird. Ein ähnlicher Antrag soll dem Stadtrath von Capstadt unterbreitet werden. In einer öffentlichen Versammlung in Durban wurde auch unter großem Enthusiasmus eine Resolution angenommen, die die Politik Salisbury'S gutheißt und das Vertrauen zum Gouver neur Milner ausspricht, sich gegen die weitere Unabhängigkeit der Republiken zu erklären. Berlin, 22. März. Das Centralcomitv der Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz theilt mit: DaS Central- comit« der Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz entsendet am Sonnabend, den 24. dss., eine dritte Abordnung nach Südafrika, welche als Ablösung oder Ergänzung der bereits dort befindlichen Verwendung finden soll. Sie besteht auS den beiden Aerzten vr. Strehl, Assistent der königl. chirurgischen Universitätsklinik in Königsberg, Vr. Sthamer, Assistent der königl. chirurchischen Universitäts-Poliklinik in Leipzig, dem ehemaligen Sanitätssergeante» der Schutztruppe Gudlen, sowie den vier Mitgliedern der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege Stabenow, Jäcks, Dietz und Spieß. — Die Abordnung wird sich am 29. ds. in Neapel auf dem Dampfer „Herzog" cinschiffen. Die sehr umfang reiche Materialsendung wird ebenfalls in Neapel an Bord des „Herzog" verladen uuv gelangt gleichzeitig mit der Ab ordnung nach Lauren^o Marques. Die anderen hierüber in der Presse verbreiteten Angaben beruhen auf Jrrthum. Unser Londoner L.-6.-Correspondent schreibt uns: ES hat nicht lange gedauert, bis Lord Roberts auf die schweren Anklagen, die er gegen die KriegSfübrung der Boeren erhebt, eine Abweisuug erhält. Lord Roberts beruft sich insbesondere darauf, daß er persönlich bei Driet- fontein gesehen hat, wie die Weiße Flagge mißbraucht wurde, sowie auf die ihm überbrachten Meldungen, daß hier und dort Dum-Dum-Bullets in den Schanzen gefunden seien. Daß Lord Roberts bei Drietsontein das Opfer einer der im Kriege so häufigen Sinnestäuschungen gewesen ist, haben wir bereits an Hand der übereinstimmenden Berichte mehrere Augenzeugen derselben Schlacht ausgeführt, heute kommt nun die Antwort des Präsidenten Steijn auf die Anklagen des englischen Generalissimus und sie enthält sowohl eine Erklärung, als auch eine Zurückweisung der Borwürfe. Die Depesche ist datirt 19. März, 8V» Uhr Abends, unter folgendem Wortlaut: „Ew. Excelleuz Telegramm vom 11. erhielt ich gestern. Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß nichts mich mehr bekümmern würde, als daß meine BurgherS sich solcher Thaten, wie die, deren Sie sie anklagen, schuldig wären. Ich bin indessen erfreut, Ihnen sagen zu können, daß Sie icherlich im Jrrthum sind. „Ich habe persönlich mit General Delarey, der die Burgbers an dem von Ihnen erwähnten Platze commandirte, die Untersuchung geleitet. Delarey erklärt ganz entschieden, daß die BurgherS nicht so gehandelt haben, wie Sie sagen. Dagegen constatirt er, daß am Sonntag (Datum unleserlich) die englischen Truppen ungefähr 50 m vor unseren Stellungen die Hände in die Höhe hielten und auch die weiße Flagge zeigten, während in derselben Zeit die Geschütze der Engländer aus die Truppen feuerten, mit dem Erfolg, daß Commandant De Beer verwundet wurde." Gestern Vormittag um 8 Uhr schrieb der Haupt- commandant in seinem Bericht über die Schlacht: „Die Soldaten hißten die weiße Flagge, aber die englischen Geschütze feuerten auf sie und so waren sie gezwungen, wieder zu feuern. „Vielleicht ist es Ew. Excellenz unbekannt, daß dieselbe Sache bei SpionSkop passirte. Dort batte ein Theil der Truppen die Weiße Flagge gezeigt und hielt die Hände hoch, aber während unsere Burgbers eifrig dabei waren, sie zu entwaffnen, feuerte ein anderer Theil der britischen Truppen auf unsere BurgherS und auf die Truppen, die die Waffen gestreckt hatten. Die Folge war, daß nicht nur unsere BurgherS, sondern auch einige der englischen Soldaten getödtet wurden. E» ist fernerhin berichtet worden, daß in der letzten Schlacht am Tugela die englischen Geschütze auf die Truppen feuerten, die bereits die Waffen gestreckt hatten. „WaS die Explosivkugeln anbetrifft, die in General Cronje'S Lager und anderswo gefunden sind, so kann ich Ew. Excellenz die Versicherung geben, daß solche Geschosse von der Regierung nickt gekauft und auch nicht erlaubt worden sind. Ich habe indessen keinen Grund, anzunehmen, daß Ihre Feststellung irrig ist, da ich weiß, daß eine große Anrahl der BurgherS diese» Staate- und der südafrikanischen Republik eine große Anzahl Lee-Metford-Gewehre, sowie Dum-Dum« und andere Geschosse von den englischen Truppen erbeutet haben. „Ich bitte Ew. Excellenz, da da- Kabel für mich ver schlossen ist, meine Antwort Ihrer Regierung und den neutralen Mächten bekannt zu geben."» Steijn, Staatspräsident. Die Antwort Steijn'» wird von Lord Robert- mit folgenden commentirrnden Worten an da» War-Office m London weitergegeben: Da Untcrsuckungrn der Angelegenheit zeigen, daß der Präsident unbegründete Anschuldigungen erhebt und ich selbst bas Hochhalten der Hände, das er leugnet (wo? Red.) ge sehen habe, hielt ick e» nicht für wüaschen-wcrth, die Cor- respondenz fortzusetzen. Daß der von Lord Robert« mit eigenen Augen gesehene Fall in Wirklichkeit ander» war, als Robert» zu sehen über zeugt war, ist durch andere Augenzeugen, die sicherlich nicht im Verdachte stehen, boerenfreundlich zu sein, nämlich den Special- correspondenten der „Times" und Andere, bewiesen. Bei Drietsontein waren zwei kleinere Boeren-Abtheilungen thätig, aber ohne einander sehen zu können. Die Hintere Abtheilung wurde so stark beschossen, daß Widerstand nutzlos war und das Zeichen zur Uebergabe gab. Die andere Abtheilung, die überhaupt nicht wissen konnte, WaS an dem anderen Platze vorging, feuerte ruhig weiter. Die von Steijn angezogrnrn Fälle sind weder neu, noch überraschend, allerdings kann man sie nicht direct al« Mißbrauch der weißen Flagge durch die Engländer hinstellen. Die englische Artillerie hat nicht nur auf Boeren-CommandoS, die die weiße Flagge zeigten, geschossen, sonder» auch auf ihre eigenen britischen Soldaten; daß Böswilligkeit in dem einen oder anderen Falle vorlag, ist gewiß nicht anzunehmeu, aber da» Factum bleibt doch bestehen, einerlei, ob eS durch schlechte« Schießen, oder durch die Unmöglichkeit auf größere Distanzen die Weiße Flagge zu erkennen, oder die Uniformen zn unterscheiden, zurückzuführen ist. Was Präsident Steijn über die Herkunft der Dum-Dum- und Expansions-Kugeln sagt, klingt nicht gerade erfreulich für englische Ohren. Ter Oranje-Freistaat hat seine Waffen wesentlich aus England und auch aus Deutschland bezogen. Bon der kategorischen Mit tbeilung deS Geheimrath Mauser bat die englische Presse natür lich keine Notiz genommen mit Ausnahme der „Times", die sie unglaubwürdig zn machen suchte. Wenn die officielte Erklärung des Präsidenten, daß die Regierung des Oranje- Freistaates «die des Transvaal wird höchstwahrscheinlich dasselbe auösagen können) von der englischen Regierung durch die vfficiöse Presse weiterhin als unglaubwürdig bezeichnet wird, wird Präsident Steijn gut thun, seine Abrechnungen mit der Firma Kynoch und Co. zu publiciren. AtS ganz einwandsfreier Zeuge wird Herr Joseph Chamberlain sicher lich in der Lage jein, die Unterschriften seines Bruders Arthur oder der anderen Directoren der Kynoch-Compagnie anzu erkennen. Die Drohung, Johannesburg m die Lust z» sprengen, ist zwischen die Uitlauder gefahren, wie der Stein zwischen die Sperlinge. Sie haben schleunigst einen Council zusammenberufen und bei Sir Alfred Milner einen geharnischten Protest zur freundlichen Uebcrmittelung an die englische Regierung eingebracht. Es heißt in dem Document: „Wir dringen mit allem Nachdruck darauf, daß die Behörden von Transvaal und Oranje-Freistaat darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Mitglieder dieser Regierungen zusammen solidarisch und persönlich für alle Plünderung, Zerstörung und Verletzung von Eigenthum und Besitzlhum jeder Art in de» Staaten verantwortlich gemacht werden sollen." Gleichzeitig bat dieser Council der Uitlander sich mit der EntschädigungSfrage beschäftigt und Herr Alfred Milner ist von den Wünschen der Uitlander verständigt worden, wie die Depeschen melden. Wozu da- noch ausdrücklich hervorgehoben wird, ist nicht recht klar, denn Herr Alfred Milner ist immer verständnißvoll für und im Einversländniß mit den Wünschen und Absichten der Uitlander. Deshalb wollen sie ihn auch als General-Gouverneur mit unbeschränkter Machtbefugnis für Süd-Afrika haben. In einzelnen Kreisen Englands glaubt man, daß nach der Beendigung des Krieges den Soldaten, deren Dienst zeit sabgelaufen ist, Reservisten und Volunteer» Er leichterungen gewährt werden sollen, wenn sie sich in Süd afrika ansiedeln wollen. Die Vortbeile werden jedenfalls die Gestalt von Landschenkungen haben. Derartige Schenkungen wurde» den Soldaten nach dem Eingeborenen-Kriege in Neu- Seeland gemacht, und zwar erhielt jeder Ossicier 400 Morgen, jeder Gemeine 40 Morgen. Dieser Versuch erwies sich jedoch nicht als ganzer Erfolg. Ersten- wurde der Fehler gemacht, Weideland anstatt Ackerland zu vertheilen. Dann erwiesen sich viele der alten Soldaten al» gleichgiltige Farmer, während wieder andere ihr Land Spekulanten überließen. Indessen eine ziemlich große Zahl siedelte sich al« Farmer an, und ihre Kinder sind heute Bewohner der Colonie. Sir Walter Pease, der General-Agent für Natal, der von 1863 bi» 1879 in dem Lande verweilte, der belgische Consul und der portugiesische Biceconsul in Natal machten einige interessante Angaben über daS Land, das sehr wahrscheinlich unter die in den Ruhestand tretenden Soldaten zur Vertheilung gelangen wird. Von den 12 000 000 Morgen der Colonie sind als Kronland für europäische Einwanderer 23 000 Morgen in Dronk Blei und Jxopo, 10 000 Morgen am Ulufafa-Fluß, 11923 Morgen in Alfred County, 8000 Morgen i» Alexandra County, 5000 Morgen zu Weenen und 10 000 Morgen ber Jngangane und Newcastle reservirt. Ein großer Theil diese» Lande- ist gegenwärtig noch nicht von Eisenbahnlinien durchquert, aber wenn der Aufschwung kommt, wird auch dieser Nachthcil verschwinden. „Ich persönlich", sagte Sir Walter, „glaube, daß in der Miliz und besonder» in der Aeomanry rin vorzügliche» Material sür zukünftige Colonisten liegt. Die hohe nationale Gesinnung, die im All gemeinen in der Colonie vorherrscht, ist hauptsächlich dem Umstande zuzuschrciben, daß in den fünfziger Jahren viele Officiere und akademisch Gebildete sich al« Farmer und In dustrielle dort niederließen." Derartige Pläne erscheinen jeden falls vernünftiger al» da» Geschrei nach Einziehung der Rcbellcn-Farmen. E» Ware doch eine sehr zweischneidige Maßregel, wenn England in Südafrika sich künstlich ein ver bitterte« Proletariat schaffen wollte. Deutsches Reich. Berlin, 22. März. (Die Lage der Angestellten in den Waarenhäusern.) Während die Lage der An gestellten in den Waarenhäusern von jenen selbst al» überaus günstig geschildert wird, hatte sich au« den Reihen der vrgamsirten Handlungsgehilfen heraus eine Stimme in der „Socialen Praxi«" m entgegengesetztem Sian» »ernehme»
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
Erste Seite
10 Seiten zurück
Vorherige Seite