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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Handelszeitung : 18.06.1914
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1914-06-18
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id84535308X-19140618026
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id84535308X-1914061802
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-84535308X-1914061802
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Handelszeitung
-
Jahr
1914
-
Monat
1914-06
- Tag 1914-06-18
-
Monat
1914-06
-
Jahr
1914
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Jahrgang EL--»»»kL», kür Saferat« au» Lrlpzig un» Umgebung »I« /INAeiAeNprei^ e. 1 spatti,, p«tttzrtt«rr Pf., Sie Neklameeeil», m., von auowärt» SS Pf., Neklamen I.2S M., Klein« Nnzetgen üiepetitzeil« nur ropf.b.wleü«rh»l.Nab.,Snferat» oon VebürSrn lm amtiichenTril Sie Petit» zeit» rs Pf. SeschSftoan,eigen mit plaNoorschrift im preif» «rhSht. Nadatt nach Tarif. Setiagcn: Seiamtaufi.rM.Sa»Taus«nS auoschl.postgedübr. Anzeigen-ftnnahm«: Johanniogasse«, bei sämtlichen5>l>al»n -»»Leipzig«« Tageblattes unS allen hnnoncen-Txpc-itionen -«» Sn» un- fluoloa-e». SeschäftssicUe für Verlin u. Sie pr. VranSendurg: virektionwalterZlieget, Vertin w. io, Marzarethenstrotzr ». Zerusprech-flnschlug» Lützow 8471. 1914 Vonnerstsg, -en iS. Suni. Durazzo ii» Gefafirr Während die Negierungstruppen südwärts bei Valona einen weiteren Erfolg errungen haben, ist der Ausfall aus Durazzo bald wieder ins Stocken gekommen. Die Widerstandskraft der Aufständischen ist doch noch nicht so sehr gebrochen gewesen, wie man in Durazo in der erstell Siegesfreude angenom men haben mag, und der Grundsatz, den geschlagenen F-ind sofort zu verfolgen, mag bei der mangelnden Disziplin der albanischen Truppen nicht angebracht gewesen sein. Einen sehr wichtigen Erfolg ater har die tapfere Verteidigung Durazos dem Fürsten be schert: die massgebende italienische Presse stellt sich aus einmal in überaus freundlicher Weise auf seine Seite. Die Wirkungen dieses Umschwunges, der ^öffentlich trotz der neuen Schwarzmeldungen an dauert, sind für den Fürsten nicht hcch genug zu be werten. Wir verzeichnen folgende Meldungen: Der Porstofi der Re^ieriittgstruppen. Durazzo, 17. Juni. Durch Funkspruch Les öster reichischen Kreuzers „Szigetvar" von 11^ Uhr mit tags wird mitgeteilt: Der Angriff der Regierungs truppen gegen die Stellungen der Rebellen bei RHas bull wurde mit zwei Geschützen von fünfzehnhundert Malisforen ausgeführt. Gegenwärtig ist noch der G e w e h r k a m p f, unterstützt von Artillerie, im Gange. Wien, 17. Juni. Die „Reue Freie Presse" meldet aus Durazzo von 12 Uhr mittags: Das Gefecht ist im Gange. Die Malissoren und Mirditen sind bis unterhalb der Höhe von Rhasbull vorgedrungen. Eine bespannte Batterie unter Ingenieur Häsjler hält vorläufig an der Brücke. Diese sowie eine Bat terie auf dem Hügel unter dem holländischen Haupt mann Fabius und dem albanischen Rittmeister Baron Gumppenberg, ferner eine dritte Bat- tcr weiter links unterstützen die Angriffe mit hef tigem Feuer. Drei Albanesen sind verwundet aus der Feucrlinie zuriickgekehrt. Der deutsche Freiwillige Hartmann wurde durch den Rückschlag eines Ge schützes verletzt. Der Fürst erschien selbst bei der Hügelbatterie. In den Hinterhalt gelockt und vernichtet. Paris, 18. Juni. Nach einer Prioatdepesche des „Journal" aus Durazzo haben die Aufständischen durch einen scheinbaren Rückzug die Miridite » in die hinter der Stadt sich ausbreitenden Sümpfe gelockt, sie dann umzingelt und zum geätzten Teil niedergemacht. Von der etwa tau send Mann starken Miriditenabteilung ent kamen nur wenige Leute, welche die Un- gliicksbotschast nach der Stadt brachten. Die Zahl der Aufständischen wird auf etwa 14 VW geschätzt. Gefährliche Lage Durazzos. Rom, 18. Juni. Die aus Durazzo vorliegenden Depeschen bestätigen die äutzerst gefährliche Lage der Stadt. Die Rebellen, die gestern nach mittag einen neuen Angriff auf die Stadt unter nahmen, haben inzwischen eine Kolonne der Regie- rungstruppen, die -,um Angriff ausgesandt worden war, vollkommen besiegt. Die Rebellen zogen sich erst anscheinend zurück, warteten jedoch, bis sich die Regierungskolonne genügend weit von Durazzo entfernt hatte, und überfielen dann die Truppen von mehreren Seiten gleichzeitig. Es soll den Rebellen gelungen sein, die Kolonne fast auf zureiben. Nach diesem Siege drangen die Rebellen von neuem gegen die Stadt Durazzo vor, und man erwartet stündlich den Fall der Hauptstadt Albaniens. Neue holländische Offiziere. Amsterdam, 18. Juni. Der Ministerrat hat gestern beschlossen*, dem Fürsten Wilhelm von Alba nien die notwendigen Offiziere und Unter offiziere für ein neues Eendarmeriekorps zur Verfügung zu stellen. Die Littnesänderitilg der italienischen Presse. Das Bl-att „Vita" wünscht dem Fürsten von Albanie n, er möge seine Aufgabe mit wachsen der Autorität durchführen. Es sei tLrich t, zu glauben, dass Italien sich der Festigung des Fürstentums gegenüber feindlich zeigen könne. In Albanien verteidige es nur die Beschlüsse Europas. Die Mächte bewiesen durch die Entsendung dec Kriegsschiffe nach Durazzo, da» sie derselben Mei nung seien. Folglich stehe die Autonomie Albaniens mehr als je unter der Kontrolle Europas. Das Pro gramm Italiens sei das loyalste Desinteressement mit dem einzigen Ziele, in Albanien die Ruhe zu sichern, die der festeste Schutz der italienischen Rechte im Adriatischen Meere sein müsse. Die „Turiner Stampa" veröffentlicht eine Korre spondenz aus Duraczo, in der die mutige Hal tung des Fürsten in wärmsten Aus drücken hervorgehoben wird. Der Fürst begab sich in die Feuerlinie und erklärte, er würde sich nicht einschiffen, selbst wenn die von den italienischen und österreichisch-ungarischen Matrosen beim Palais er richteten Berschanzungen fielen. Lieber wolle er auf den Stufen des Palais bei der roten Fahne mit dem schwarzen Adler sterben. „Gicrnale d'Ztalia" schreibt zu den letzten Nach richten aus Durazzo: Wir haben die Hoffnung und das Vertrauen nach dem guten Bei spiel, das der Fürst im Laufe des Montags den Soldaten gab, daß auch dieses Mal der Angriff der Aufständischen zurückgeschlagen und die Stadt ge rettet sein wird. Es wäre überflüssig, zu sagen, daß unsere volle Sympathie die Bemühungen des Fürsten begleitet, der sich mit großer Energie und deutscher Zähigkeit standhaft au, dem Kampfplatz der Bewegung der Aufständischen entgegenstellt und bestrebt ist, sein Ansehen in Al banien zu festigen. Italien hat alles Interesse daran, daß die Herrschaft des Fürsten befestigt werde und daß er die schwere ihm von Europa anvertrauie Aufgabe lösen könne, d'e albanischen Stämme all mählich zu einem organischen Staatswesen zu ver schmelzen. Jede andere Lösung der albanesischen Frage bietet rn der Tat viele ungewisse Punlte und eine Reihe von vielleicht unübersteigbaren Hin dernisscn. Der politische Sinn der Italiener ist natur gemäß jedem Hasardspielen abgeneigt. Oberst Thomson ermordet? London, 18. Juni. Ueber die Art und W^ise, wie der Oberst Thomson seinen Tod gefunden hat, meldet der „Daily Telegraph": Die Version, wonach Thom son nicht im Kampfe gefallen, sondern von einem Verräter ermordet worden sei, gewinnt immer mehr an Botzen. Ein Augenzeuge, ein russi scher Journalist, der den Obersten fallen sah, teilt mit, da» der Oberst lange Zeit auf dem Terrain liegen blieb, bevor ihm ärztliche Hilfe geleistet wurde. Der Journalist eilte zu einem in der Nähe wohnenden Arzte, den er bat, dem Obersten Thom son Hilfe zu leisten. Doch schenkte der Arzt den Worten des Journalisten keinen Glauben und be hauptete, da» er noch vor wenigen Minuten den Obersten gesund gesehen habe. Schließlich ließ er sich aber doch durch das dringende Bitten des Jour nalisten dazu bewegen, mit ihm die Kampsstätte auf- zusuchcn. Die Albaner hatten jedoch inzwischen be reits den toten Körper des Obersten sortgeschafft. Oberst Thomson war gestorben, bevor ihm ärztliche Hilfe geleistet werden konnte. Amsterdam, 18. Juni. Der Panzerkreuzer „N o o r d br a ba n t" begibt sich heute nach Du razzo, um die Leiche des Obersten Thomson nach den Niederlanden zu bringen. Vie griechisch-türkische Spannung Die Mitteilungen über die türkische Antwortnote widersprechen sich sehr. Nach der einen Version soll die Pforte überhaupt nicht oder nur sehr scharf ant worten, nach einer anderen soll sie göneigt sein, die griechischen Forderungen zu erfüllen. Die gleiche Ungewißheit besteht auch über den Zeitpunkt der Ueoerreichung der Note. Wir verzeichnen folgende Meldungen: Die griechischen Uebrrtreibungen. Konstantinopel, 17. Juni. Die Pforte hat ihre Botschafter beauftragt, den Kabinetten eine Note zu überreichen, in der dargclegt wird, daß die griechische Regierung durch Uebcrtreibung der Nachrich ten über die Auswanderung von Griechen die öffent liche Meinung aufrege, während die türkische Negierung alles mögliche tue, um die Auswande- rungsbeweg'ung einzutämmen. Wenn die Mächte es wünschten, könnten sie in privater Form zum Mi nister des Innern Talaat Bei Vertreter entsen den, um die Lage festzustcllen. Die Note ist auch den hiesigen Botschaftern überreicht worden. Wie es scheint, wird die für Sonnabend erwartete Rückkehr Talaat Beis infolge dieses Vorschlages der Pforte verschoben werden. Der Wortlaut der Note sestgestellt. Konstantinopel, 18. Juni. Der Ministerrat stellte gestern nachmittag den Wortlaut der türki schen Antwortnote fest. Gegen abend wurde aus der Pforte erklärt, cs sei noch unwahrscheinlich, daß die Note noch am Abend überreicht werden könne. Die Ueberreichung würde aber spätestens heute vormittag erfolgen. In Kreisen der griechi schen Gesandtschaft wurde gestern erklärt, die Athener Negierung werde der Pforte ein Ultimatum zugehen lassen, falls die griechische Note nicht bis abends beantwortet werden sollte. Friedliche Beilegung Les Streites? Berlin, 18. Juni. In dem griechisch türkischen Streitfall ist nach zuverlässigen Melduiigcn die friedliche Beilegung in den nächsten Tagen zu erwarte». Die Pforte hat ihren Vertretern mit teilen lassen, daß sie bereit sei, die Ausweisung von Griechen durch r-ie Lokalen Behörden Kleinasiens rückgängig zu machen und, sofern diese Auswei sungen ungesetzlich erfolgt seien, eine von Griechen land geforderte Schadenersatzpflicht anzu erkennen. Keine englische Vermittlung. London, 18. Juni. Aubrey Herbert fragte im Unterhaus, ob im Hinblick auf die drohende Er neuerung der Feindseligkeiten zwischen Griechenl a n v uiid der Türkei die briti che Negierung die Möglichkeit erwägen wolle, ihre freundschaftlichen Dienste anzubieten. Parlamentsuntcrsekretär Acland erwiderte, de britUche Regierung werde gemeinsam mit den ande ren Mächten jede sich bietende Gelegenheit benutzen, die dem Bestreben, den Frieden zwischen Griechenland und der Türkei zu erhalten, dienen könne. Aber ge wöhnlich seien freundschaftliche Dienste nur wirk sam, wenn sic von beiden in Streit kegriffcnen Par teien gewünscht würden. Aubrey Herbert frcate sodann, ob Staatssekretär Grey d e erfordert chen Schritte zum Schutze der sehr großen britischen Han delsintcressen in Smyrna und an der Äündnnz öer Dardanellen erwägen wolle, wenn diese freundschaftlichen Dienste nicht angenommen wü.den, Parlamcntsunterstaatssekrelär Acland antwortete, auch dieses werde erwogen. England und die persischen GelqueUen. Wie wir bereits im Depeschenteil der heutigen Morgcnnummer mitgeteilt haben, hat im englischen Unterhause der Erste Lord der Admiralität Chur chill Len Antrag eingebracht und ausführlich be gründet, die Mariueverwaltung zur Aufwendung von 2,2 Millionen Pfund zum Erwerb des Aktienkapitals der Anglo Pcrsian Oil Company zu ermächtigen. Darin liegt natürlich eine wesentliche Ausdeh nung des englischen Einflusses auf die Verhältnisse in Persien beschlossen. Durch eine längere Nese des Ministers des Auswärtigen Gre y, wurde das ausdrücklich unterstrichen. Grey führte u. a. aus: Jede Verstärkung unserer Interessen in Süd- pcrsien vermehrt — ich will nicht sagen — unsere Verpflichtungen, aber das Interesse, das wir an dem Wer nicht genug hat, weil er sich nicht genügen lassen oder nicht haus halten kann, ist in noch tieferein Linn ein armer Teufel, als der, dem es wirklich am äußerlich Notwendigen ge bricht. Lessing. Kunst UN- Wissenschaft. * Moderne Sprechchöre. Im Anschluß an die gegenwärtig sehr gepflegten Hebungen zur Stimm bildung hat sich gezeigt, baß in Chorform vor. getragene Gedichte bei durchgearbciteter Sprech- technik von außerordentlicher Wirkung sind und den Ecfühlsinhalt oft unmittelbarer zum Ausdrucke bringen, als cs durch komponierte Dichtung im Cyor- gesang geschehen kann. Diese Bewegung für Sprech chöre soll weiter gepflegt werden und auf dem vom 2ä.—29. September d. I. in Leipzig unter dem Protektorat des Königs Friedrich Auguft von Sachsen stattfindend»en 4. Internationalen Kon gresse für Volkscrziehung und Volks- bildung mit zur Darstellung kommen, und zwar bet dem in der Alberthalle des Kristallpalastes abzu haltenden Volksunterhaltungsabcnd-e. Der aus etwa 80—ION Damen und Herren bestehende Chor wird von Mitgliedern des Leipziger Lehreroereins ge bildet und beginnt schon in der nächsten Zeit unter der Leitung des Universitätslektors Prof. D r. Martin Seydel seine Hebungen. Das Pro gramm für die Sprechchöre enthält eine kurze Reihe besonders dazu geeigneter Eed-ichtc älterer und mo derner Meister und wird, wie sonst vielfach die Chor- gesänge, in die beiden Teile des Abends eingeordnet. Die Aufstellung es Chors ist phalanxartig gedacht, so daß sich der Klang auf den Dirigenten hin kon zentriert. Man darf auf die Wirkung dieser Sprech chöre gespannt sein: sie werden zweifellos als ein ausgezeichnetes Mittel für die Ziele der Volks- bi'dung erkannt werden, deren Förderung, sowie die der Volkserziehung der genannte Kongreß behandeln wird. Sein ausführliches Programm ist vom Gene- ralfekretär Paul Schlager, Leipzig, Eutritzscher Straße 19, II, in jeder Anzahl kostenlos zu erhalten. * Gründung eines allgemeinen deutschen Theater verein». In Frankfurt teilte in einer vom Kartell der Verbände deutkch - österreichischer Bühnenange höriger einberufenen öffentlichen Versammlung 1 Gustav Nicke kt mit. da^z die Deutsche Bühnen- I genossenschast die Gründung eines Allge- > meine» deutschen Theatervereins in die Wege leiten werde, der sich gemeinsam mit den Schauspielern für die Lösung der sozialen und kul turellen Fragen der deutschen Theater ecnsetzen solle, da Staatshilfe nicht zu erwarte» sei. Kartellsyndikus Dr. Eeelig «Mannheim) propagierte die Uebernahme der Schauspielhäuser in städtische Regie. * Ein neuaufgefundener Tizian in Wien. 2m Atelier des Negierungsrates Ee risch in der Akademie der bildenden Künste zu Wien befindet sich zurzeit ein Porträt das einen würdigen älteren Herrn darstellt. Das vornehme, glattrasierte Gesicht ist nach links gewendet: die blauen, treuherzigen Augen grüßen den Betrachter: an den Schläfen weißes Haar. Der Dargestellte trägt ein schwarzes Unter kleid und die dunkle Pelzschaube, wie sie im sechzehn ten Jahrhundert Mode war. Die wundervolle rechte Hand, deren Daumen ein Siegelring schmückt, hält das Ende des Gürtels, in dem die stark beschädigte, vom unteren Bildrande überschnittene Linke steckt. Der Hintergrund ist einförmig dunkel; rechts oben ist nach den ersten Reinigunasversuchen des Bildes die deutliche Schrift sichtbar ge worden: Titian», und darunter ein ' (ioxil). Regierungsrat Geriich teilte einem Mitarbeiter der „Neuen Freien Fresse" mit, daß dieses Kunstwerk Eigentum der Lumorskischen Galerie ist, die sich im berühmten Ossolinskischen National institut in Lemberg befindet. Das Bild kam vor etwa fünfzig Jahren durch Schenkung in die Galerie. Dem Unioerfitätsprofessor und Kunsthistoriker Jan v. Boloz-Antoniewicz gebührt das Verdienst, den Autor des Bildes gefunden zu haben; in Wien kam bei den ersten Reinigungsversuchen auch die echte Signierung zum Vorschein. Das Gesicht des unbekannte» Mannes ist recht gut erhalten, sonst zeigt das Bild weitgehende schwere Schäden auf, die es im Lauie der Jahrhunderte erlitten hat. Die Frage, wen das Bild vorstellen mag, wurde bisher nicht einwandfrei beantwortet. Man denkt an eine Persönlichkeit aus der Umgebung Karls V. * Der Zentralverband Deutscher Tonkünstler und Tonkünstleroereine fE. V) hält seine elfte Dele giertenversammlung am 4. und ü. 2uli in München im Sitzungssaal der König!. Akademie ab. Der Ver band, dem 12 Tonkünstler- und Musiklehrervereine Deutschlands angegliedert sind, behandelt in seiner diesjährigen Tagesordnung die Kranken- und An- gestellten-Lersicherung. sowie andere Berufs-. und Standesinteressenfragen, welche die Aufmerksamkeit aller schaffenden und ausübenden Tonkünstler und Tonkünstlerinnen, sowie aller Musiklehrer und Musik lehrerinnen in wectem Maße verdienen. Außerdem werden Prof. Martin Krause-Berlin über: „Was ist ein Motiv, was ist eine Melodie, was ist ein Thema", Prof. M. E. Sachs - München über sein temperiertes 19 Toujystem. Kgl. Kammermusiker Hans D i e st e l - Berlin über Violintechnik und Geigenbau, Prof. Richard Simon-München über indische Musik sprechen. * Gegen Otto Ernst erhob der Theaterlritiker und Schriftsteller Karl Strecker in der „ D e u t s ch e n Presse", dem Organ des Reichsverbandes der deutschen Presse, lehr ernste Beichuldigungen: „Der Hamburger Schriftsteller Otto Ernst (schmidt) jucht seit etwa zwei Jahrzehnte» systematisch ihm unlieb- lame Beurteiler »einer Schriften dadurch zu be seitigen, daß er sie bei ihren Verlegern oder Chef redakteuren durch Schmäh- und Drohbriefe ver dächtigt. um sie aus ihrer Stellung zu brin gen, sie wirtichaftlich zu ruinieren. Gelingt das nicht, oder scheint ihm nach seiner Kenntnis der Verhältnisse dies vornehme Mittel nicht Erfolg zu oeriprechen, so greift er zu dem zweiten jeines Systems, dem der öffentliche» Beschimpfung." Otto Ernst, der durch seine verständnislose Nietzscheschrist viel von sich hören gemacht hat, soll abfällig über die Presse im allgemeinen gesprochen haben Wie weit die schweren Be«chuldigungen Streckers begrün- det^sind, läßt sich nicht entscheiden. Otto Ernst weist in einer Erklärung im B. T die:e zurück. „Die Wahrheit ist, daß ich mich wegen tatsächlicher Un wahrheiten oder wegen Verunglimpfung oder Ver leumdung meiner Person von der Art der zitierten gelegentlich beschwerdeführend an den Verlag solcher Zeitungen gewandt habe, die mir, wie gerade die ^Tägliche Rundschau" des Herrn Strecker, die Gegenwehr abschnitten, indem sie meine Einsendungen einfach unterdrückten. Beispiele gleicher Art stehen in reicher Fülle zu Diensten. So lange der deutsche Dichter nicht gesetzlich verpflichtet ist, ieden Anwurf wie ein stummer Hund zu ertragen, jo lange werde ich mein Recht überall suchen, wo ich es zu finden hoffen darf." Wie aus der Erklärung heroorgeht, hat Otto Ernst die Angelegenheit dem Gericht übergeben, und jo ist es am Platze, sich vor erst emes Urteils zu enthalten. * Die Reichseinheitsstenographi« gescheitert? Seit einigen Jahren sind bekanntlich Bestrebungen im Gange, für das deutsche Sprachgebiet eine einheit liche deutsche Stenographie zu schaffen, I Leider sind die Aussichten auf Verwirklichung dieses 1 idealen Traumes nicht günstig. Leit Monaten I arbeitet zwar ei» Sachverständigenausschuß, de'" Vertreter aller deutschen Kurzschriftschulen angehöre"' an einer „Reichseinheitskurzschrift." Aber die einzelnen großen Schulen sind anscheinend nicht geneigt, die erforderlichen Opfer zu bringen und Entgegenkommen zu bezeigen. Der Ausschuß tritt nun am 20 und 21. Juni wieder zu einer entscheidenden Sitzung zu sammen. Ihm wird ein Entwurf zu einer Einheits stenographie vorgelegt werden, den ein Unterauss i uß ausgeardeitet har. Dieser Kompromißentwurf weist aber io viele Mängel auf, daß er aller Voraussicht nach kerne entscheidende Mehrheit finden wird. Die Folge würde also sein, datz die Reichseinheitskurz, schrift als gescheitert gelten muß. Es ist nicht un wahrscheinlich, daß Preußen dann die Sache sür sich in die Hand nimmt, und wenigstens für sein Gebiet eine einzige stenographische Lehre schafft. * Verteilung der Solvay-Preise. Die Preise für Beantwortung der von E r n e it Solvay in «einem Aufsatz „Physikalische Chemie und Psycho logie" aufgeworfenen Fragen sind auch jetzt ver teilt worden Prof. Predig an der Technischen Hochschule in Karlsruhe erhielt den einen Preis für seine Arbeit über Katalyse, Dr. de Meper vom Soloay-Jnstitut in Brüssel einen weiteren für seine Arbeit über die Muskeltätigkeit und Dr. Basel li in Paris einen Preis für seine Forschungen über die Reaktionsgeschwindigkeit in heterogenen Systemen. * Hochschulnachrichten. Bei der Kaiserlichen Bio logischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin-Dahlem ist der wissenschaftliche Hilfs arbeiter Botaniker Dr. Emil Werth zum stän digen Mitarbeiter ernannt worden. — Für das Fach der Mctnllhüttenkunde habilitierte sich an der Kölner Handelshochschule Dr-Ina. Ernst Schütz. Sein Spezialgebiet ist Metall hüttenkunde und anorganisch-chemische Technologie. — Der bisherige Privatdozent Professor Dr. Paul Kahle in Halle a L. wurde vom 1. Oktober d. I. ab zum ordentlichen Professor der semi tischen Sprachen an der U n i v e r > i tä t G i e ß e » als Nachfolger von Professor Schwally ernannt. — Der in St. Louis verstorbene Eisenbahnmagnat Campbell hat, wie uns aus New Pork drahtlich gemeldet wird, sein gesamtes Vermögen von 40 Mill. Dollar der Universität St. Louis zur Errichtung einer medizinisaien Schule und eines Hospitals vermacht. — Am 24. Juni wird die Uni versität Oxford laut telegraphischer Meldung dein Herzog von Kodurg-Gotha und am folgende» Tage dem König von Württem berg den Grad eines Ehrendoktors der bürgerlichen Rechte verleihen.
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