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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 22.04.1900
- Erscheinungsdatum
- 1900-04-22
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-190004223
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-19000422
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-19000422
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-04
- Tag 1900-04-22
-
Monat
1900-04
-
Jahr
1900
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 22.04.1900
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BezugS-PreiS k» der Hauptexpeditton oder den im Stadt bezirk und den Vororte« errichteten Au», gabestelleuabgeholt: vierteljährlich^ 4.50, bei zweimaliger täglicher Zustellung ins Hau» 5^0. Durch die Post bezogen für Deutschland und Oesterreich: vierteliährlich ^l 6.—. Direkte tägliche Kreuzbandsendung in» Ausland: monatlich 7.LO. Die Morgeu-AuSgab« erscheint um '/,? Uhr, die Abend-AuSgab« Wochentag» um 5 Uhr. Ledaction und Erpedition: IahanniSgaffe 8. Die Expedition ist Wochentag» ununterbrochen geöffnet von srüh 8 bi« Abends 7 Uhr. Filialen: Alfred Hahn vorn,, v. Klemm'» Lorti«. UniversitätSstraße 3 (Paulinum), Lottis Lösche, Katharinenstr. 14, Part, und Köaigsplatz 7. UeiWger.TagMM Anzeiger. Ättttsblatt -es Königlichen Lan-- und Amtsgerichtes Leipzig, -es Aathes nn- Nolizei-Ämtes -er Lta-t Leipzig. Anzeigett'PreiS die 6 gespaltene Petitzeile 20 Pfg. Reklamen unter dem RedactionSstrich (»ge spalten) 50^Z, vor den Familieanachrichkr» (6 gespalten) 40/H. Größere Schriften laut unserem Preis- verzeichniß. Tabellarischer und Ztfferusay nach höherem Taris. Extra-Beilagen (gefalzt), nur mit der Morgen-AuSgabe, ohne Postbesörderung 60.—, mit Postbesörderung 70.—. Ännahmeschluß flr Änzrizen: Abend-Ausgabe: Vormittag» 10 Uhr. Marge »«Ausgabe: Nachmittags 4 Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Anzeige» sind stets an die Expedition zu richten. Druck und Verlag von S. Pol- in Leipzig. 94. Jahrgang. Z M. Sonntag den 22. April 1900. Aus der Woche. Ter von den beiden südafrikanischen Republiken entsandten Boerenabordnung wird drutsch-hochosficiö» täglich min desten» einmal zu verstehen gegeben, daß sie in Europa nicht» zu suche» habe und daß sie sich insbesondere hüten möge, in Deutschland aufzutauchen. Da» Eine wie da» Andere muß der deutschen Regierung überlasten bleiben, aber der unter Berufung auf die Neutralität Deutschland» erfolgen den Abweisung der Boerenmission treten die «Hamb. Nachr." unsere» Erachten» mit Recht entgegen. Da» Blatt erinnert sehr zeitgemäß daran, daß der Bundeskanzler Graf BiSmarck e» im Kriege von 1870 durchaus nicht für unvereinbar mit der Neutralität Englands, Rußland», Oesterreich» u. s. w. erachtete, al» Adolf Thier» von den Repräsentanten dieser Großmächte in ihren Hauptstädten empfangen wurde. Die Befliffenheit de» Auswärtigen Amte», dem die „Germania", ohne Widerspruch zu erfahren, die Scheunenthorwinke an die Boerenabordnung direkt zuschreibt, ist um so auffälliger, al» gleichzeitig dem britischen Botschafter durch einen aller höchsten Besuch eine besondere Auszeichnung widerfahren ist. Dom Standpunkte der Neutralität, die „Deutschland unter allen Umständen aufrecht erhält", sind die süd afrikanischen Freistaaten mit Großbritannien vollkommen gleich zu stellen. England hat die Fiction, daß Transvaal rebellire, längst und freiwillig aufaegebe» und den Mächten amtlich notificirt, daß es da» Land als kriegführenden Staat anerkenne. Es ist also nicht einzusehen, wie die Unterhaltung diplomatischer Beziehungen, die England gegen über unbedenklich gepflegt werde», die Neutralität Deutsch lands compromittiren konnte, wenn sie — noch dazu stark abgeschwächt — mit der anderen Partei gepflegt wird. Die Differenzirung ist auffällig, zumal bei der dringlichen deutschen RathSertheilung an die Boerenabordnung eine un verkennbare Nervosität zu Tage tritt. Am DirnStag tritt der.Reichstag wieder zusammen, um, obgleich wir vor dem.Sommer stehen, einen unerhört großen Arbeitsstoff vorzufinden. Im BriefbesörderungSgeschäfte der ReichSpost gilt oder galt der Grundsatz, alles bei einer Amtsstelle Einlaufende so bald al» möglich abzustoßen, gleichviel, ob dadurch eine Beschleunigung der Briefbestellung erzielt wird oder nicht. Nach diesem Grundsätze läßt oder ließ man Postsendungen auf den Eisenbahnen ganz beträchtliche Umwege machen, um „aufzuräumen". Diese» Princip hat jetzt in die gouvernementale Gesetzgebungspraxis Eingang gefunden. Sobald ein Gesetzentwurf in einem Reichsamte fertig geworden ist, muß er „hinaus", an den Reichstag. Der BundeSrath scheint es mit der Höflichkeit nicht vereinbar zu halten, den NeichSstellen eia „Genug" zuzurufrn. Und doch liegt die Sache hier ander» als bei der Post. Deren Aemter erleichtern sich niemals auf Kosten der Schnelligkeit der Beförderung, während die Unfähigkeit, einen hergerichtetrn Gesetzentwurf zurück- zubthalten, die parlamentarische Erledigung älterer Vor lagen erfahrungsgemäß behindert. Eine Volksvertretung ist eben nicht wie rin gewissenhafter Bureaukrat; je höher ihr „Aktenstoß" anschwillt, desto zaghafter wird sie in der Be arbeitung. Man hat diesem Reichstage von Anbeginn zu viel zugemuthet, und kurz vor der angesetzten Osterpause sind ihm noch die GeemannSordnung, ein Seuchrngesetz und eine Vor lage über Postdampferverbindungen „anaefallen"; dazu wird dem Anscheine nach eine Novelle zum Wemaesetze treten und die Beschleunigung dieser Angelegenheit dürfte einen Sinn habe». Wie e» scheint, dringen nämlich die Weinbau- iateressentea daraus, schon in der nächsten Weincampagne ein sachgemäße» Gesetz gegen Verfälschung u. s. w. zu besitzen. von älteren Sachen sind u. a. unerledigt da» Unfallver- sicherungSgrsetz, die Abänderung der Gewerbeordnung, da» Fleischbeschaugesey, die Io» Heinze und die Flottrnvorlage. Zum Streit um da» Fleischgesetz liegt glücklicher Weise heute nichts Neue» vor. Das SittlichkeitSgesetz hat inzwischen in der bayerischen Abgeordnetenkammer eine Besprechung, aber keine Forderung erfahre». Der Ministerpräsident von Crailsheim hat die ReichStagSrede des Staats sekretärs von Nieberding gegen die Protestbewegung noch einmal gehalten und dem Grafen Lrrchenfeld die Stange ge halten; aber wie die bayerische Regierung zu der Gesammt- heit der Beschlüsse de» Reichstage» sich stellen wird, weiß mau auch heute noch nicht. Der klerikale Befürworter der lox in der Münchener Kammer war nicht erfolgreicher als seine Gesinnungsgenossen im Reichstag; das Centrum kann aber doch von Glück sage». ES war nach dem, waS in neuester Zeit ultramontane bayerische Blatter über die sittliche Führung von Geistlichen sagten und klagten, von einem Klerikalen ein gewisses Wagnih, die viel gehörten Redensarten Über den entsittlichenden Einfluß von Kunst und Literatur zu wiederholen. Die geweihten Herren, d,e der eigenen Partei so schweres Aergerniß gebe», haben ihre Ver derbtheit sicherlich nicht bei Goethe, Heyse und Böcklin aeholt. Zur Flottenangelegenhrit liegt auch nicht» Neues vor. Einzelne klerikale Blätter machen sich den Scherz, heute eine Vereinbarung über die Deckungsfrage al» Thal- fach« zu melden und eine alsbaldige Erledigung der Vorlage im positiven Sinne anzukünden und morgen wiederum ein» auf Verzögerung gerichtete CentrumSpolitik in Aussicht zu stellen. Mau wird ja uuu bald sehen, wie der Hase läuft. Herr Richter ist trotz der schwankenden Haltung der eiust so gläubig ihm nachschreitenden ultramontauen Press« noch immer nicht guten Muthe». Sein schon er wähnter „denkender Ingenieur", der keine SchiffSplankr bewillige« will, „bis ein endgiltig feststehender und voll kommener Typus im Schiffsbau gesunde« ist", soll ihm sogar von Nahestehenden übel genonnnen worden sein. Ja der Wasserbaukunst steht nämlich auch noch nicht Alle» fest und ist "gleichfalls nicht Alle» vollkommen und deu Süß- wassercaual vom Rhein zur Elbe will doch auch der salz wasserscheue Flügel des Freisinn« so bald wie nur irgend möglich haben. Industrie und Handel sind unedle, kaum menschen würdige Beschäftigungen. Die« ist da« Verdick de» „Deutschen Adel»blatteS", des Organ» der deutschen Adelsgenossenschaft. Wegen der letzteren Eigenschaft dieser Zeitung verlohnt eS sich, rin wenig näher zuzusehen. Man liest: „Wir bei der Reclame im Handel, so endet auch bei der modernen Fabrik die Ritterlichkeit als Weltanschauung." Und weiter: „Wenn der Handel nicht nur jeden Aristokraten voa echtem Schrot und Kor», sondern auch jeden anständigen Menschen zurück- stößt, so liegt da» im Wesen de» Merkantilismus, der nicht nur persönliche Eigenschaften niederer Natur beim Individuum zur Voraussetzung hat, sonders auch als wirthschaftlich« Erscheinung sich den Launen der großen Menge anbequemen muß. Der Handel verlangt Domestikennaturen, die zu spielen und zu überlisten verstehen." Zu widerlegen braucht man so etwa» nicht. Aber eine Erinnerung sei gestattet. Die „Merkantilisten" in Nord- und Mitteldeutschland, die von ihrer niederen Natur, ihrem Hange zum Ueberlisten, zum Bierbrauen verleitet worden sind, sind voll kommen mit der Bestimmung de» MalzaufschlaggesetzeS und ihren bayerischen, von gleichen niedrigen Instinkten getriebenen Der- worfenheitSgenossen, den Pschorr, Sedlmayer rc., darin ein verstanden, daß Bier nur auS Wasser, Hopfen und Malz bestehen soll und die Verwendung von Surrogaten zu unter sagen sei. Als aber vor Jahresfrist die Absicht, daS baye rische Gesetz im Gebiete der norddeutschen BraugemeinsHaft einzuführen, ihrer Verwirklichung einen kleinen Schritt naher rückte, da kam eine Petition an den Reichstag. Sie erklärte da» Verbot der Verwendung von Surrogaten für ein Unglück und war zumeist unterschrieben von — Grafen und Baronen, die Stärkemehl und sonstige Ersatzmittel für die echten Zu- thaten erzeugen. Man nannte da» Schriftstück auch die „Grafenpetition". Daß die Herren sich zu versichern pflegen, daß das Bier, das au» ihre« Produkten hergestellt wird, nicht als reine» Malz- und Hopfenbier verkauft werde, das stand nicht in der Petition dieser vom Handel gar nicht „zürückgestoßenen" Aristokraten und jedenfalls auch „anstän digen Menscken". Freisinnige Blätter hatte«, ganz zutreffend, geschrieben, die Maifeier der Socialdemokraten sei em Act der Tyrannei gegenüber Denen, die sie nicht begehen. Dies Urthcil glaubt der „Vorwärts" durch eine „Tyatsache" ent kräften zu können. ES gäbe, so meint er, in Deutschland protestantische Festtage, die nicht von Katholiken, und katho lische, die nicht von Protestanten gefeiert würden. Diese specifischen Festtage seien doch keine Vergewaltigung oder Demüthigung der andern, nicht feiernden Konfessionen; die Militärbehörden beföhlen sogar den protestantischen und den katholischen Soldaten die „ArbeitSruhe" an den specifisch protestantischen und katholischen Feiertagen. Der „Vorwärts" hat Recht mit jener Thatsache. Sein Vergleich mit der Maifeier wird aber erst aufhören, completer Unsinn zu sein, wenn die Socialdemokratie al» anerkannte Kirche in Deutschland rxistiren wird. Bi» dahin hoffen wir, daß die Arbeitgeber gegenüber der terroristischen Zumuthung, an einem annoch gewöhnlichen Werkeltage zur höheren Ehre der Herren Singer und Bebel feiern zu lassen, fest bleiben werden. Der Krieg in Südafrika. -p. Eine irgendwie entscheidende Wendung auf dem Kriegs schauplätze ist noch nicht eingetreten, aber die vage östlich v»n Bloemfontein gestaltet sich immer günstiger für die Boeren. Sie concen- triren dort größere Trupvenmaffen, welche den ihnen ent gegengesandten englischen Commando», die ihnen an Zahl nicht gewachsen sind, gehörig zu schaffen machen. Bei DewetSdorp hat sich em Gefecht entspannen, über das unS berichtet wird: * Lo«»0«t, 21. April. (Telegramm.) „Revtrr'S Bureau" berichtet au» Oorlogpoort unter dem 19. d. M.: Die 8. und di« 3. Division rückten heute vor «ud schlugen Nachmittag «iulge Meilen von DewetSdorp an der Stelle, di« von den Boeren geräumt war, »in Lager auf. Unser» Patrouillen wurden heute feindlicher Truppe« ausichtig, die tu große» Masse» hier stehe» sollen. ES wurde» einige Schüsse oaSgetauscht. * Bloemfontein, 20. April. (Reutrr's Bureau.) Heute kam e» ta der Nähe von DewetSdorp zu einem Gefechte, a» dem hauptsächlich di« Artillerie betheiligt war. ES wurde auf groß« Entfernungen gefeuert. Die britischen Verluste sind gering. * London, 21. April. (Telegramm.) Der Berichterstatter de» „Reuter'schen Bureau»", der sich im Lager der 8. und 3. Division befindet, berichtet in einer Drahtnachricht, di« er üb«r Bloemfontein sendet: DaS gtsirig« Gefecht bet DewetSdorp dauerte von Mittag bi» Abend». Zwei Geschütze der voere» wurde» zeitweilig »um Schweige» gebrachl. Di« britische» Truppe» beherrschen die Hügel auf Melle» im Umkreise. Die Stellung der Boer«» ist stark. Die Absicht der Engländer bei diesem Vorstoß ist die, den südlich vom Vaal stehenden Boeren den Rückweg über den Fluß abzuschneideu. Eiuen Erfolg haben sie bi» jetzt nicht erzielt, vielmehr find sie zu völliger Klarheit darüber gekommen, daß die Boeren die lange Zeit der Uathätigkeit Lord Robert« daz» benutzt haben, nicht bloS mit fliegenden Corp» plötzlich hier und dort zu erscheinen und wieder zu verschwinden, sonder« daß sie gewillt sind, hier t» der Flanke der englische, Hauptmacht festen Foß zu behalten und daß sie starke Stellungen einuehmen, au« denen sie erst vertriebe« sei» müsse», ehe Lord Robert» Befehl geben kau«: vorwärts über de» Vaal «ach Pretoria! Auch bei »«»«er sind die Boeren Herren der Lage und setzen die Belagerung fort. Mau berichtet unS: * London, 21. April. (Telegramm.) „Reuter'S Bureau" berichtet au» Maseru unter dem 19. d. M.: Die Boeren bewegen sich im Umkreise von Wepeuer ungehindert umher, und die Abteilungen der Boerentruppen rücken nach allen Richtungen vor, von denen britische HilfStroppen erwartet werden. Ein heftiges Geschütz- und Gewehrfeuer wurde den ganzen Tag unterhalten, daS von den belagerten britischen Truppen selten er- erwidert wird. Weitere Truppen der Boeren sind zur Ber- stärkung angekommeu. Ma» glaubt, daß die Verluste der Engländer hier bis jetzt 25 Tobte und 110 Verwundete betragen. — Der Präsident Steijn hat Befehl gegeben, daß die Truppen der Boeren die reiche» Korndi st riete Wepenrr, Ladybrand und FickSburg, au» denen die Boeren ihren Bedarf an Leben»- mittel» beziehen, weiter besetzt halten. Die Hauptsache bleibt freilich, daß eS den Boeren gelingt, Wepener zur Capitulation zu zwingen, was, wenn sie sich der heranrückenden, aber auf grundlosen Wegen nur langsam vorwärts kommenden Verstärkungen erwehren können, nicht lange mehr dauern kann, da die Stadt, wenn ihr auch etwa Mitte der vorigen Woche Proviant zugeführt worden sein sollte, doch nicht längere Znt davon zehren könne. — Sonst wird noch gemeldet: * Kimberley, 20. April. (Telegramm.) Die Nachricht von einem Aufstande der Eingeborene» im Betschuanaland ist unbestätigt. Die Boeren verlangten von dem Häuptlinge in Taung» 500 Arbeiter für die Minen und von dein Häuptlinge Houiug Ballay die Auslieferung von Vieh, da» angeblich einem englischen Farmer gehören sollte. Beide Forderungen wurden ab- gelehnt; beide Theil« beobachte« einander argwöhnisch. (Reuter- Meldung.) * Ladysmith, 21. April. (Telegramm.) Heute früh wurde in der Richtung von SundayS River «In etwa «ine Stunde lang unterbrochene» Feuer» gehört. * Lauren?» Marque», 21. April. (Telegramm.) Das Transportschiff „Portugal" ist mit 800 Soldaten au» Lissabon hier «ingetroffea. („Reuter'S Bureau".) * Haag, 21. April. (Telegramm.) Die Sondergesandt schaft der südafrikanischen Republiken hatte wiederholte Berathungen mit dem StaatSrath Äffer. Den Berathungen wohnten vr. Leyds und vr. Miller bei. Ueber Beira nach Rhodesien. (Don einem afrikanischen Correspondenten.) Es liegt nicht in meiner Absicht, über die Rechtsfrage betreffs de» Durchzuges britischer Truppen über Beira nach Rhodesia zu schreiben. Betrachtungen über Portugals Zustimmung, welche fast überall als Verletzung der Neutralität angesehen wird, liegen außerhalb meiner Befugniß. Aber es erscheint mir an gebracht, die Schwierigkeiten zu schildern, welche sich der britischen Expedition durch daS Klima und andere Umstände in den Weg legen. Ich habe in den Thälern des Pungwörivier und seiner Nebenflüsse gejagt und Handel getrieben und kann deshalb über diese Einflüsse mitsprechen. Beira ist eine kleine Stadt ay der Mündung des Pungwo und der Busi-rivieren auf einer hervor springenden Landzunge erbaut, so daß ihr jeden Augenblick die Gefahr droht, von der See fortgespült zu werden. Die Ein wohner sind 500 Weiße und drei Mal so viel Inländer; be- merkenswerthe Eigenschaften der Stadt sind Hitze, Schmutz und Staub, wodurch das Fieber in hohem Maße auftritt. Noch un gesünder würde der Ort sein, wenn er nicht unter dem Einfluß der wohlthuenden, reinigenden Seewinde läge. Der Hafen ist sehr gut. Er wird durch eine Sandbank geschützt, die bei niedrigem Wasserstande trocken liegt, jedoch können bei Hoch wasser die größten Schiffe einfahren. Der erste Theil der Eisenbahnlinie führt durch Morast und Treibsand. Der Weg ist so schlecht beschaffen, daß die Be- weyung der Eisenbahn, wie langsam sie auch sein möge, mit einem gleichmäßigen Schaukeln verglichet werden kann, 'wobei der schwarze Schlamm emporspriht. Der Reisende wird in einem nicht allzu eleganten Wagen placirt, in dem sich durch die brennende Sonne die Temperatur »u der eine» türkischen Bade» entwickelt; in seine Nase steigen Übelriechende Dämpfe, sein Körper wird belästigt durch Myriaden blutdürstiger Insekten, gegen welche er keinen Schutz findet, denn er kann die Fenster der Hitze wegen nicht schließen. Demzufolge ist er völlig ermüdet, wenn er in Toutesville. der ersten Station, ankommt. Sollte es ihm einfallen, des Nachts zu reisen, so hat er noch mehr Qualen zu erdulden. Wohl ist eS weniger heiß, aber zahllose Schwärme Moskitos belästigen ihn fortwährend, der weiße Fieberdampf hängt wie ein Leichentuch über dem Morast, und den mit Gift dämpfen geschwängerten Nebel kann man sozusagen mit einem Messer durchschneiden. In TouteSville ist das Klima besonder» schlecht; hier graffirt da» Malariafieber sehr, und zur Regenzeit habe ich diesen Ort in einen See von drei Lis vier Fuß Tiefe verwandelt gesehen. Toutesville vorbei, beginnt eine mit hohem Gras be- wachsen« Ebene, abwechselnd mit Morästen und schlammigen Flüssen. Zahllose Rudel Groß- und Kleinwild, worunter 'be- sonders gefährliche Löwen, durchkreuzen das Land. Die Eisen- bahnlinie führt nunmehr allmählich über hügeligen Boden, dessen Eintönigkeit von Zeit zu Zeit durch Gruppen Mopanibäume und Schluchten, die steiler und tiefer erscheinen, je weiter man kommt, unterbrochen wird. In diesen Thälern rieseln niemals aus. trocknende Flüßchen; da« Land ist fruchtbar, aber sehr unge sund und für Europäer ungeeignet. Eine Tagereise über Toutesville hinaus bemerkt man zuerst die gefürchtete „Tsetse- Fliege", deren Gebiet sich eine Tagereise weit über Thimoio hinaus erstreckt, da« der Endpunkt der Eisenbahnlinie war, als ich mich in diesen Strecken aufhielt. In diesem Landtheile ist eS für jedes Thier, ausgenommen Esel und Ziege, unmöglich, zu leben. Zeitweise können selbst diese eS hier nicht aushalten. Di« Eisenbahnstrecke ist nunmehr verlängert über Umtali hinaus und soll binnen Kurzem bis Sali-bury gelegt werden, wenn dieses nicht bereits geschehen ist. Da dieser der einzige Weg ist, der für den Transport der Truppen in Betracht kommt, kann man sich leicht vorstellen, in welchem Zustande sich dieselben nach der Reise befinden werden. Außerdem hat nunmehr die Regenzeit begonnen, eine Jahreszeit, welche für einen Europäer fast sicher tödtend ist. Obwohl ich vollständig acclimatisirt bin, möchte ich mich zu dieser Zeit dort nicht gerne aufhalten. Wie können denn Soldaten^ die nicht an das Klima gewöhnt sind, die zu meist Getränke zu sich nehmen, wodurch die Empfänglichkeit für Krankheiten stark zunimmt, die, gleich. Häringen in Tonnen, in die Eisenbahnwagen gepackt werden, ein Land durchziehen, ohne am Fieber zu erkranken, wo selbst die Irländer, die an das Klima gewöhnt sind, die niedrig gelegenen Strecken während der Regensaison verlassen!? Und dann muß unter Zelten cam- pirt, in dem widerwärtigen Nebel geschlafen und von ungenügend zubereiteten und ungesunden Speisen gelebt werden. Für- wahr, das Loos der Expedition ist nicht zu be neiden. Außerdem macht der britische Soldat große An sprüche. Er ist ein Söldner und ein geborener Griesgram, der mit leerem Magen nicht marschirt, oder kämpft, und dazu bietet sich ihm ganz leicht Aussicht, sobald er die Bahn verlassen hat. Die ganze Bagage muß aus Ochsenwagen mitgeführt werden, und da die Wege sehr primitiv beschaffen sind und jeder Bach durch einen Regenguß zum wilden Strom anschwellen kann, so ist es fast unmöglich, daß der Troß mitkommen kann, selbst wenn die Truppen noch so langsam marschiren. Salisbury vorbei, sind noch viele Meilen zurückzulegen, bevor Boeloewayo erreicht ist. Wenn die Truppen nach diesem Marsche nicht mindestens einen Monat Ruhe erhalten, bevor sie zum Entsatz« Ma- feking's schreiten, oder in Transvaal einfallen, müssen sie von einem ganz anderen Schlage sein, als die gepriesenen Tommys. Don Boeloewayo können sie natürlich per Bahn nach dem Punkte befördert werden, wohin sie der Oberbefehlshaber haben will. Im Allgemeinen bin ich der Meinung, daß diese Expedition ein sehr gewagtes Unternehmen ist, das nicht vielChanceaufErfolghat; und die Boeren sind auf ihrer Hut, wie sie genügend bewiesen haben. Sie kennen jede Bodenfalte, die die Expedition durchziehen muß, und sind im Stande, ihr Ueberraschungen zu bereiten, wovon die Engländer keine Ahnung haben. (Deutsche Wochenztg. i. d. Niederlanden.) Scene« im Bocrenlager nach dem Durchbruch der Engländer »ach Ladysmith. Kurze Auszüge aus Privatbriefen. Ein in S'Gravenhage gebürtiger Freiwilliger schreibt: „. . . Als die Engländer in Ladysmith einzogen, saßen wir mit uns 60 Holländern ahnungslos in unserer Stellung auf dem Vaalkop. Der Artilleriewachtmeister ließ seine Kanone herunterschaffen, sagte aber auch kein Wort, warum. So blieben wir bis Nachts 2 Uhr sitzen und ließen uns bombardiren, denn die Engländer waren sehr gut einvisirt. Als aber zweimal die Säcke unserer Brust wehr weggeschossen worden waren, wurde uns die Hölle zu heiß und krochen wir auch weg. Der Berg war so glatt, daß wir mehr rollten wie liefen. Unten fanden wir das Lager ver lassen. Alle waren weg und hatten uns ruhig zurückgelassen. Es war ein allgemeines „sauvo gui paut" gewesen; Diele waren gefallen, ertrunken und durch Blitze getroffen, denn das Gewitter » war entsetzlich. Auch wir litten unter dem schrecklichen Regen in der schauderhaften Dunkelheit sehr. Bis an den Hals durch angeschwollene „Spruits" mußten wir waten, und dann wieder durch Sümpfe, so daß wir todtmllde wurden und schließlich Alles wegwarfen, bis auf Gewehr und Patronen. Endlich kamen wir in Modderspruit an. Kaum saßen wir oben auf einem Kohlen wagen des abfahrenden Zuges, als auch schon die Granaten in den Bahnhof einschlugen, der bald ein Trümmerhaufen war. Für weitere Trümmerhaufen sorgte unser Freund Schaaf, der früher bei den Mineurs in Utrecht gedient hat; sobald der Zug über eine Brücke hinweg war, stieg er aus und ließ diese mittels Dyna mit in die Luft fliegen.. . ." vr. E. van Ryckevorsel von der Ambulanz wirft ein noch schärferes Licht auf die Vorkommnisse: „. . . Sind die Boeren nun wirklich Heroen, um nicht Titanen zu sagen? Keinesfalls; ein europäischer Kriegsrath würde sicherlich die Hälfte wegen Feigheit zum Tode verurtheilen. 200 Mann von 2000 sind es gewesen, welche einige Tausend Eng länder niederschossen oder gefangen nahmen, die übrigen 1800 blieben außer Schußweite. General Viljoen findet regelmäßig, daß Alles verloren ist, und zieht sich zurück; dann erscheint wieder General Botha auf der Bild fläche und zieht die verfahrene Karre aus dem Dreck. Den Plat- rand haben sie 30 Stunden lang in Besitz gehabt und ihn schließ lich räumen müssen, weil die anderen Commandos nicht zu Hilfe kommen wollten. Bei Glencoe haben sie Schläge gekriegt, weil General LucasMeyer, (vom deutschen Commando. D. Red.), nicht populär ist: — „Neen, dankje, dien vent helpen we niet!" — Ein Commando mußte nach dem Süden; 50 Mann bekamen dagegen Urlaub; als jedoch der Zug am folgenden Morgen abfuhr, stiegen mit dem Commando mehr als 100 ein. Sobald der Zug stillhielt, schienen sich Verschiedene der Hundert zu erinnern, daß ihr Wohnplatz in der Nähe war. Ueberall stiegen kleine Trllppchen aus, schließlich verschwand auch der Feldcornet. Als der Zug im Süden anlangte, stieg e i n Mann vom Commando aus und meldete sich. . . „General Erasmus hat bekanntlich etwas KaffernLlut in seinen Adern, und dies wird ihm als „Charakterfehler" schwer angerechnet. Dies mußte er fühlen, als ihm auf einem schmalen Steig einer seiner untergebenen Boeren begegnete; der „ge horsame" Soldat rief: „Verfluchter Farbiger, willst Du gleich auS dem Weg gehen!" Der General sagte weder buh noch bah, sondern trat einfach zur Seite und ließ den Boer passiren. Joubert und Viljoen gehorcht Niemand, nur CronjeundBotha. Und diese Truppen oder Banden schlagen die Eng länder immer und immer wieder, so schmählich, wie noch nie eine Armee geschlagen wurde. Wer findet der Rathsels Lösung? . . ." (Dtsche. Wchnztg. i. d. Nderlndn.) Ein Zweikampf General vatha'S. Im Kriege 1881 zwischen den Engländern und Boeren fand bei LaingSnek ein merkwürdiger Zweikampf zwischen einem vlut- ungen Boeren und dem Johannesburger Scharfschützen Samp-
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