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Freiberger Anzeiger «ad . ,.r Tageblatt ' - - . _ Erscheint jeden Wochentag früh S Uhr. - Preis halbjährlich 22'/» Ngr. - Inserate die g-spalt. Zeile- 5 Pf. Ko. 33. Montag, den 10. Februar 7 Ml. Tagesgefchichte. Leipzig, 5. Fcbr. Sie erinnern sich der Erklärung, welche im Juli v. I. von der Studentenschaft abgegeben und auch im ,,neuen Dresdner Journal" abgedruckt wurde, worin diese damals das ministerielle Lvb ablehnte, welches der Studentenschaft wegen ihres Beschlusses, keine Adresse an die Majorität des akademischen Senats wegen seiner Renitenz in der bekannten Wahlsache zu er- bassen, gezollt worden war. Diese Erklärung der Studentenschaft chatte das Cultusministerium veranlaßt, Lie Einleitung einer Unter suchung gegen die Urheber jener Versammlung und der in derselbe« angenommenen Erklärung anzubefthlen. Diese ist nach langer Dauer beendigt und am 1. Fcbr. den betreffenden Studirenden das Urtel publizirt worden. Alle Jncriminirte sind in Mangel mehren Verdachts freigesprochen worden, doch mit der Verwarnung, daß sie sich ähnlicher öffentlicher Urtheile über Dinge, die nicht in ihren spccicllcn Berufskrcis gehören, überhaupt jeder thätigen Theilnahme an der Politik, bei harter Strafe enthalten sollen. . Frankfurt, 4. Fcbr. In diesem Sommer wird auch, nach verlässigen mündlichen Nachrichten aus Brüssel, Fürst Metternich an den Rhein kommen und einen Theil des Sommers auf dem Schlosse Johannisberg zubringcn, daS bereits im vorigen Sommer zum Empfange seines Erbleihbesitzers in Bereitschaft gefetzt wurde. — Nach einem dem an die Mitarbeiter gerichteten Expcditionsschrei- Len beigefügtcn Ausschußbcrichte der „Deutschen Zeitung" floß die ser von der Gothaer Partei vom Juni 1849 bis Ende 1850 eine Unterstützung von 22,400 fl. zu, und dennoch sind vom letzten Se mester noch 5000 fl. zu decken. Bo« Rhein, Ende Januar. Wie weitausgreifend dermalen die Operationen und Machinationen der ultramontancn Partei, insbesondere des bayrisch-römischen PfaffenthumS find, beweist u. A. das Gewebe von Jntriguen und Verläumdungrn, womit diese Herren die Anstellung deS Dichters Dingelstedt als Hoftheaterinten danten zu München zu umspinnen trachten. Nachdem die ultramon tanen Organe Bayerns Zeter und Weh darüber geschrieen und dem Bayerland das Schicksal Sodoms prophezeit haben, jstößt auch das „Mainz. Journal" in die Posaune deS göttlichen Strafgerichts und bekreuzigt sich vor dem profanm Belletristen, der eS seiner Zeit jtwagt habe: ,,daS Kreuz zum Werkzeug seines Spottes zu ma- hen." Dingelstedt'» Anstellung ruft da» „Mainz. Journal" au», st ein« unbegreifliche Verblendung, die nur, (man höre!) mit Arten US den Lolazeiten verglichen werden kann. „An da» Theater einer beinahe katholischen Stadt (!) wird ein Oberleiter berufen, her den christlichen Priester ntrr als „Pfaffen" kennt. Unsere'HMgsiM deren Stand auch der roheste Flegel ehrt (sic!), behandrE'her be rufene Ordner der Zucht und Sitte an unserm öffentlichen Bil dungshause als „Kuchelmenscher." Bayerns Volk beschreibt-er äst eine Sippschaft von Schlemmern und dessen Religion alS „kahleS" Heidenthum mit christlichen „Hängelappen." Bei solchem Thatbe- stand wäre Luch das schärfste Wort noch nicht gesalzen 'genüg, die gebührende Indignation ausdrücken u..s. w. u. s. w." -^WaS soll man. zu solchen Jeremiaden sagen! Daß nur der wüthende „Pfaffe"^ und kein Anderer, solche Infamien gegen einm der gan zen Nation werthen Dichter schleudern kann- bedarf keiner weitere« Darlegung. Nur das „PfLffcnthum" (wahrlich nicht der christliche Priester!) in seiner ganzen bodenlosen Schlechtigkeit ist solch« bana len Rohheit fähig! — Was aber, fragen wir, hat da» Pfaffmthutn mit Kunst und Bildung zu schaffen? Seit wann wagt der «ral- tirte Fanatismus Loyolas mit seiner nüchternen bleiche« Heuchler» maske sich in den Hellen und heitern Tempel der Kunst? ' Auch, da» ist ein Zeichen der Zeit und wahrlich ein beachtmswerthes! Möge der hohe königliche Protektor deS edlen Dichters.daS Gezücht der Nacht und sein giftiges Zischen nicht beachten! Möge er fortfahre« die edelsten und besten Geister der Nation um sejnen jungen Kö nigsthron zu versammeln und sie zu ehren, wie er unsern Dingel stedt ehrt. Sie werden seinem Thron zu größer« und unvergäng licherer Zierde gereichen, als die trüben Kerzen Roms und seiner Jünger düstere Anathemlieder! — „Der Dicht« soll mit Kön gen, gehen, denn beide stehen auf der Menschheit Höhen," saug D«S- schlands größter Genius. Vom „Pfaffen" sang er das wahrlich . nicht. - r ; Berlin, 4. Jan. Eine Petition der hiesige« .HsbaKst - tcn, worin dieselben ihre Besorgnisse vor einer.EiuMhruflg des Tabaksmonopols in den Staaten deS Zollvereins aussprachen und schließlich baten, „daß es dem StaatSministerium gefallen möge, ihnen einen direkt beruhigenden Bescheid üb« diese Angelegenheit zukommen zu lassen," ist durch eine Deputation dem Ministerprä sidenten Herrn v. Manteuffel, sowie dem Minister des Handel» und der öffentlichen Arbeiten Herrn v. h. Heydt, übergeben worden. Diese Deputation berichtet, daß die Vorstellung mit größter Bereit willigkeit entgegengenommen und der Gegenstand mit der Aufmerk samkeit erörtert wurde, welche die Wichtigkeit desselben verdient. Sie «hielt die Zusicherung, daß im Allgemeinen eine Besorgniß zur Einführung deS TabaksmonopolS noch nicht vorllege, gleich -