Volltext Seite (XML)
und Anzeiger für das Erzgebirge vecantwortlichee Redakteur: Fritz Arnhold. Für dl« Inserat« verantvrtlich: 10 alter Uran» beide in Ao«. mit der wöchentlichen Unterhaltungsbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Sprechstunde der Redaktion mit Ausnahme der Sonntag« nachmittag» von r Uhr. — Telegramm-Adresse: Tageblatt Aue. — Fcrnsprechci itl. Für unverlangt «lngesandt« Manuskript« kann Gewähr nicht geleistet werden. Druck und Verlag Gebrüder Beuthner (Inh.: paus Beuthner) in Aue. Bezugspr«!»: Durch unser« Boten srei in» ksau, monatlich so pfg. Bei der Geschäftsstelle abgeholt monatlich «v pfg. und wSchentltch 10 pfg. — Bei d«r Post bestellt und selbst abgeholt vierteljährlich >.ro Mk. — Durch d«n Briefträger frei in» kau» vierteliährlich >.;r Mk. — Einzelne Nummer zo pfg. — Deutscher postzeitnngs- katalog. — Erscheint täglich in drn Mittagsstunden, mit Ausnahm« von Sonn- und Feiertagen. Annahme von Anzeigen bi» spätesten; Uhr vormittags. Für Aufnahm« von grSßeren Anzeigen an bestimmten Stelle» kann nur dann gebürgt werden, wenn sie am Tag« vorher bei uns «ingehen. Insertionspreis: Die fiebengespaltene Aorpuszeile oder deren Raum zo Pfg., Reklamen r» Pfg. Bei gräßerei, Aufträgen en«sprechen-er Rabatt. Diese rrrrnim«V Kette« Das Wichtigste vom Tage. Die Hauptverhandlungen des Preußischen Nationalliberalen Parteitags haben gestern in Magdeburg stattgesunden. ^ (S. pol. TgSsch.) Der f r ü h e r e glalienische Minister Nasi wurde mit 2691 Stimmen wieder zum Deputierten gewählt. (S. Tel) Der türkisch »französische Konflikt ivegen Heraklea erfuhr, da die Antwort der Pforte unbefriedigend ausfiel, eine wesentliche Verschärfung. Der französische Ministerpräsident Cleineneeau ist gestern zur Teilnahme an den B e i se tz u n gS fe i er lich testen für Campbell-Bannermans in London ein getroffen. Die Deutsche Reform Partei begründete einen Reichsbund, zu dessen Vorsitzenden Abgeordneter Zimm er mann-Dresden gewählt wurde. Rumänien, Deutschland und die Orientsrage. ngc. Aus dem Inhalte einer Unterredung mit einem berufe nen deutsch«» Beurteiler der politischen Verhältnisse in Rumä nien wird uns mitgeteilt: Das Königreich Rumänien ist der Staat, der die sicherste Bürtgschaft für die Ruhe auf dem Balkan bildet. Rumänien hätte an einem Valkankriege nichts zu gewinnen. Angenommen, der Sultan stürbe und bestimmte testamentarisch die Aufteilung der europäischen Türkei, — was hätte dann Rumänien wohl zu gewinnen? Andere Balkan staaten, namentlich Bulgarien oder Griechenland, könnten aus einem Krieg gestärkt und vergrößert hervorgehen; daher muß Rumänien an der Aufrechterhaltung des Friedens gelegen fern. KönigTarolhat dies in staatsmännischer Weisheit erkannt. Bekundete er ausgesprochene Sympathie für die Türkei, so könnte dies die Türkei zum Angriffe aus Bulgarien reize»; umgekehrt wird Bulgarien sich vor jedem Angriffe auf die Türkei hüte», so lange es nicht weiß, wie Rumänien sich in seinem Rücken dann verhalten würde. Das persönliche Verhältnis zwischen dem Könige Carol und dem Fürsten Ferdinand ist ja gut; es beruht aus der Erkenntnis beider Herrscher, daß zwei Länder, die eine so lanige gemeinschaftliche Grenze haben, sich vertragen müssen. Wenn Fürst Ferdinand aber so häufig den Weg über Bukarest nimmt, spielt dabei wohl sein Wunsch eine RoNe, Belgrad zu vermeiden. Die rumänische Armee bildet einen nicht zu unter schätzenden Faktor hinsichtlich der orientalischen Frage. Das Menschenmaterial ist gut, namentlich ausdauernd aus langen Märschen. Es ist nicht so streng geschult wie das -bulgarische Militär, doch wurde manches in dieser Beziehung in letzter Zeit gebessert — oder ist in der Besserung begriffen, indem z. B. mit der Einrichtung aufgeräumt wurde, daß Soldaten unter Umständen nur siebzig Tage bei der Fahne dienten und dann nach Haus entlassen wurde», — wobei die Kavalleristen ihr Pferd Mitnahmen I Man sollte den rumänischen Verhältnissen in Deutschland regeres Interesse entgegenbringen, als das im allgemeinen geschieht. Schon aus dem Grunde, daß auch ein recht beträchtliches deutsches Kapital in Rumänien en gagiert ist: 120 deutsche Millionen sind in rumänischen Unter nehmungen investiert, und eine halbe Milliarde rumänischer Papiere ist in Deutschland untergebracht. Neuerdings macht sich in Rumänien ein gewisser chauvinistischer Zug gegen alle fremdländischen industriellen Projekte geltend. Hierbei ist auch der Antisemitismus im Spiele, indem die Juden keine Bürgerrechte haben, sondern als Fremde gelten. Der Antisemi tismus war bekanntlich eine der Ursachen des vorjährigen Aus standes, den der jetzige Kriegsminister Averesco niederschlug. Es gibt Politiker, die die Wiederholung dieser agrarischen Un ruhen in diesem Jahre befürchten, — wie unser Gewährsmann glaubt: zu Unrecht. Der erwähnte chauvinistische Zug tritt teils in der Gesetzgebung, teils durch die Tendenz zutage, fremdländi sch« Unternehmungen in städtischen oder staatlichen Besitz zu bringen, womöglich sogar für bestimmte Arten von Verkehrs unternehmungen städtische oder staatliche Monopole zu schassen. Das würde ein zweischneidiges Schwert bedeuten; einerseits wäre der regierenden Partei willkommene Gelegenheit zur Unter bringung von Anhängern gegeben; andererseits lehrt die Er fahrung, daß staatliche und städtische Betriebe teurer arbeiten als private. England hat nur geringe Handelsbeziehungen zu Rumä nien. Ein beachtenswerter Grund dafür ist die englische Ge pflogenheit, jede kaufmännische Korrespondenz in englischer Sprache zu führen, während die deutschen Auslandsschulen zur Folge haben, daß man in jedem größeren rumänischen Geschäfts- Hause eine des Deutschen kundige Person antrifst. Das sollten die bedenken, die die Auslandsschulen wegen zu geringer Fre quenz deutschgeborener Kinder bekämpfen. Seit einiger Zeit wendet Nordamerika seine besondere Ausmerksamkeit Ru mänien zu; cs geht nach bekanntem Trustrezepte vor, namentlich aus dem Gebiete der Petroleumindustrie, kaust große Terrains für Anlagen und gibt Rohöl billiger wag, als die kleinen Be triebe es vermögen, um später, nach Zugrunderichtung dieser Betriebe, den Preis für die Raffinaden selbstherrlich höher als bisher anzusetzen. An sich muß man es im deutschen Interesse begrüßen, wenn Rumänien solchen Bestrebungen gegenüber nach Abwehr sucht, — aber auch berücksichtige», daß diese Abwehr sich später einmal auch auf unbequeme deutsche Konkurrenz anwenden ließe. Der Gesundheitszustand des Königs Carol ist zurzeit ausgezeichnet. Die vor etwa zwei Jahren gestellte Diag nose eines hervorragenden Wiener Spezialisten, die aus Arterien verkalkung und Herzschwäche lautete, hat sich nicht bestätigt. Ein Magenübel des Königs nahm einen akuten Verlauf, wiederholte sich nach den letztjährigen Manöver», in denen der König sich nicht genügende Schonung auferlegte, wurde aber dann eben falls geheilt. Ein Thronwechsel würde im übrigen sicher lich in Rumänien keine Veränderung der politischen Richtlinie bedeute», kein Abweichen von dem bisherigen System, klug zwi schen den beiden -großen Parteien, der liberalen und der konser vativen, zu Laianzieren, — wenn auch dieses System durch die Entstehung von Unterfraktionen und Gruppen allmählich etwas erschwert worden ist. Der T h r 0 n s 0 l ge r dürste, wenn er zur Regierung gelangt, die enttäuschen, die nicht darüber unterrich tet sind, welch lebhaften Anteil an politischen Dingen er nimm», und wieviel Verdienst er insbesondere an den in letzter Zeit durchgeführten militärischen Reformen beanspruchen kann. Politische Tastesschmr. Aue, den 27. April. - Der Kaiser in der Türkei. Wie aus Korsu depeschiert wird, begab sich Sonnabend morgen der Kaiser mit Prinz August Wilhelm und sämtlichen Herren des Gefolges an Bord des Sleip- »er nach Albanien. Der Kaiser machte dem Vertreter de» Sultans, Turchan Pascha, auf dessen Jacht bei Santi Quaranta einen Besuch, besichtigte dann die dortige Garnison der türkischen Truppen, über die er den Parademarsch abnahm, und richtete an den Sultan ein in sehr warmen Worten gehaltenes Tele gramm. Die Rückkehr zum Achilleion erfolgt bis Korfu mit dem Sleipner, sodann mit dem Automobil. * Oberlandesgerichtspräsident a. D. Dr. 0. Holleben ist am Freitag zu Kassel im Alter von 93 Jahren gestorben. Dr. v. Holleben, der im Jahre 1819 die Richterlausbahn ergriff, wurde im Jahre 1879 Geh. Oberjustizrat und Senatspräsident beim Kammergericht. Während der Jahre 1884—1899 war er Oberlandeszerichtspräsident in Königsberg. Im Jahre 1886 wurde er auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen unter Ver leihung der Würde des Kanzlers im Königreich Preußen. Im Jahre 1888 wurde er als Kronsyndikus bestellt. * Bertrrtertag der nationalliberalen Partei Preußens. Der gestrige Vertretertag der nationalliberalen Partei für Preußen, der in Magdeburg tagte, war von 499 bis 599 Personen be sucht. Der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Kraus« übernahm auf Vorschlag des Reichstagsabgeordneten Vasser- m a n n den Vorsitz. Abg. Dr. Friedberg sprach zunächst über di« Aufgaben des Landtages und unterzog die Stellungnahme der Regierung gegenüber der Beamten- und Lehrevbesoldungsresorm einer scharfen Kritik, ebenso das Verfahren des Finanzministers, das Extraordinarium der Eisenbahnen in ungesunder Weise zu gestalten. Eine durchgreifende Reorganisation der gesamten staatlichen Verwaltung hält Friedberg für dringend notwendig. Abg. Krause hatte das zweite Referat Uber Wahlrechtsreform übernommen. Er stellte als die Mindestforderung der Partei eine moderne Wahlkreiseinteilung sowie Einführung der direk ten und geheimen Wahl auf. Das heutige Wahlrecht entrechte u. a. vollkommen die Arbeiterschaft. Schon deshalb sei cs un liberal und unstaatsmännisch. Die Partei, einschließlich der Jungliberalen, stehe einmütig zusammen, um diese Forderungen energisch zu vertreten. Der Parteitag nahm hieraus den vorge schlagenen Wahlaufruf an. Es heißt in diesem u. a., daß dem nationalen Gesichtspunkt vor allen anderen Rücksichten der Vorrang gebühre, daß in der Wirtschaftspolitik ein Ausgleich aller Interessen anzustreben sei. Aber über der materiellen dürfe nicht die ideelle Frage vernächlässigt werden, wie auch die Partei nicht mit großtönenden Schlagwörtern einer wohlfeilen Popu- Der Fischdynamit. Humoreske von L. Beck. N, chdruck verboten Es gibt Leute, die vieles besser wissen wollen, als ihre Mit menschen. Zu dieser Kategorie gehörte auch Saunderson, der nicht nur vieles, sondern einfach alles besser wissen wollte und «s für seine Pflicht hielt, andere Leute e»tspre<l)end auszuklären. Das war der eine Grund, warum ihn Denison, der Steward der Koralle, schwer haßte, und dessen Haß sich nur noch an Sonntagen steigern konnte, an denen Saunderson von früh bis in die späte Nacht vor einem verstimmten Harmonium saß u-nd diesem graus liche Melodien entlockte. Leider aber war dieser Stein des An stoßes für Denison auch noch insofern gefährlich, als Saunderson sich schon mehrmals als stolzer Mitinhaber der „Koralle" dahin ausgesprochen hatte, Laß Stewards eigentlich ganz überflüssig auf Handelsschiffen seien, und deren Arbeit recht gut von anderen '.Und intelligenteren Leuten übernommen werden könnte. So j^'ieb für Denison nichts als die Hofsnung, daß einmal etwas :-assieron könne. „Laß gut sein, Tom!" tröstete ihn wohl dann der Koch. „Er bekommt das Fieber, sobald wir die Salomon- Inseln sichten! Ich kenne das! Dann setzen wir Ihn ans Land, — ihn und seine Heulkommode, — und segeln ohne ihn nach Sidney, — einverstanden?" — Die „Koralle" ankert« in der Leone-Bai. Saunderson putzte sich sonntäglich an und besuchte als frommer Mann, der etwas auf sich hielt, das Missionshaus in Tututla. Am Abend dieses Tages erhielt Denison ein Schreiben von der Frau des Missionars mit der Bitt«, ihr einen Käse von seinen Vorräten abzulassrn. Im Postskriptum hieß es noch: „dieser Saunderson hat mich halb- tot gelangweilt!" Me wohl sie taten, — dt«se mitfühlenden Worte! Am nächsten Morgen erschien Saunderson wieder an Bord und fand Denison mit einem Händler im Gespräch, der einige Dynamitpatronen zum Sprengen einer kleine» Felspartie erstehen wollte und sich jetzt die Sache erklären ließ. Natürlich mußte Saunderson auch seine einzig richtige Meinung abgebcn. Er hatte zwar noch nie im Leben mit Sprengkörpern zu tun gehabt, hatte noch nie ihre Wirkung gesehen, — aber — was tat das? Jedenfalls erklärte er dem Händler, ihm dann di« Geschichte zeigen zu wollen, wobei ein mitleidiger Seitenblick Denison streifte. Dann ging er, nicht ohne »och schiiell eine bissige Bemerkung in bezug auf die Qualität des Käses gemacht zu habe», — Dynamit schmecke sicher genau so trocken und nüch tern, wie das Zeug von gestern abend. Gegen mittag kam Denison an Land, um seine Patronen dem Käufer zuerst auf dem Wasser, dann vielleicht auch an dem Felsen selbst praktisch vorzuführcn. Zufällig sahen sie einen dichten Schwarm von Fischen langsam, nicht weit vom Ufer ent fernt vorliberziehen. Denison nahm rasch einen Stein, Land ihn an eine Patrone schnitt ein gut Teil der Zündschnur ah, brannte sie an und warf sein Geschoß mitten in den Schwarm. Ein kurzes Zischen, — dann brachte ein dumpfer, schwerer Schlag Hunderte von schönen Meeräschen an die Oberfläche des schäu menden Wassers. Da war auch schon Saunderson da. Neid erfüllt sah er, wie die Eingeborenen unter Dankesworten sist den weißen Zauberer in die See sprayen üich sich lachend um die reiche Beute stritten. „Geben Sie mit; auch ein paar Pa tronen!" wandte er sich an Denison. Der gab ihm, — allerdings sehr zögernd, — eine. Zum Dank dafür meinte jener, daß die Umwicklung der Hülsen mit Bitidfaden recht liederlich gemacht sei, — da müsse er schon wieder 'mal selbst zugreifen, um so was propper zu machen. . . . Denison murmelte etwas Unverständ liches vor sich hi», — Eingeweihte wußten aber, Laß cs unmög lich SegenssprUche sein konnten. Saunderson winkte inzwischen einen Eingeborenen heran und schickte ihn mit der Meldung an die Frau Missionarin, daß er ihr binnen wenigen Minuten eine Ladung der besten Fische zu verehren gedenke. Am Ausläufer der Hafenmole, einige hundert Schritte von hier entfernt, lag das Kanonenboot „Dachs" vor Anker. Viel war der alte Kasten nicht mehr wert, — er sollte bald von der Liste der Lebenden verschwinden, — jedenfalls aber befehligte ihn einer der jähzornigsten Kap'täns, die je auf hoher See kreuzten. Saunderson ging, hinter sich in ehrerbietigem Abstand die beule lüsternen Eingeborenen, auf der Mole entlang und schaute eifrig zu beiden Seiten in die blaue Flut. Ueberall wahre Wolken von Fischen, die anscheinend nur darauf warteten, von ihm dynamitiert zu werden! Saunderson wählte «inen Stein, — hübsch rund und glatt wie eine Billardkugel — wie er gerade nicht sein durste. Dann gelang es ihm beim fünften Versuch«, den Stein an der Patrone zu befestigen, — nun, die Lunte an gezündet und geworfen genau, wie er es vorhin von Deni- fo gesehen! Der Stein löste sich begreiflicherweise sofort aus sei nen Schlingen und verschwand in der Tiefe, aber die Patrone trieb zur Zufriedenheit ihres Werfers sachte weiter, dabei leise, fast gemütlich zischend. Und Saunderson stemmte die Arm« in die Seiten und wartete mit einer gewissen, lässigen Grazie der Dinge, die da kommen sollten. Nur die Eingeborenen hatten sich, offenbar unter dem Einfluß ihres natürlichen Instinkt», scheu zurückgezogen. Efll fünfter Wind schob das fauchende Etwas spielend vor sich her, bis es irgendwo hängen blieb. Schade nur, daß da» irgendwo gerade eine sehr bedenkliche Stelle vom „Dachs" war — es hatte sich nämlich zwischen dem Heck und dem Steuerruder