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Belehrung und Unterhaltung. —— Nr. Dresden, den io. April 1809. 39. Ueber Denkmäler im Königreich Sachsen und Vorschlag zu einem Denkmal. uralte, in mannichfacher Hinsicht so heilsame Sitte, Begebenheiten oder Personen durch Monumente zu verewigen — warum ist sie doch fast nur in Englischen Gärten noch üblich. Die graue Vorwelt wußte wohl, was Denkmäler auf Nationalsinn und Patriotis mus wirken, darum sprach sie so ost durch Stein und Erz zu den Herzen der Nachwelt. Klüger will diese, nach Jahrtausenden oder Jahrhunderten natürlich geworden seyn — zugenommen will sie haben an Kultur aller Art — und doch vernachlässigt sie die Sitte der Denkmäler, welchen, nach meiner Ue- berzeugung, in der National-Erziehungslehre ein besonders Kapitel gebührte — Unbe greiflich. — Freilich dürfen wir eben nicht klagen über Mangel an Monumenten, wenn wir unsre Kirchen und Gottesäcker durchwandern, wo hin Bildhauer, Metallgiesser und Mahler, selbst in den neuern Zeiten, so manches Werk ihrer Hände geliefert haben, ohne welches, beiläufig gesagt, Nachwelt und Kunst wenig oder nichts eingebüßt haben würden. Aber wen interessiren gewöhnlich jene Monumen te? eine Stadt — eine Kirchfahrt — eine Familie — wohl gar nur eine Person. — Dergleichen Denkmäler sind in ihrer Art, wenn nicht etwa blos Schmeichelei und Ego ismus sie veranlaßten, recht heilsam und gut. Ein Pfarrer z. D. der seine Vorfahren m goldnen Nahmen neben Altar oder Kanzel hängen sieht, — wird solch ein Anblick ihn nicht bisweilen ergreiffen, sich auch, durch Treue im Amte, durch Liebe gegen die Ge meine, ein Bild zu verdienen, wobei das Kirchkind Gutes sich denkt — der Küster dem Fremden Gutes erzählt. — Derselbe Fall kann auch beim Krieger, beim Beamten u. a. eintreten. F a m i l t e n - D en k m ä le r — ach! sie sind von nicht zu berechnendem Nutzen. Bald heiligen sie den Sinn für Häuslichkeit, bald geben sie den Sporn zur Erfüllung der Bür ger- Aeltern- Gatten- und Kindespflichten, bald lehren sie dulden und entbehren, bald handeln und weise die Freuden des Lebens genießen. Die Gallerieen oder Säle, ge schmückt mit den Bildnissen der Ahnen —