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Wensiemer Tageblatt Amtsblatt für den Verwaltungsbezirk des Stadtrathes zu Hohenstein. 42- Jahrgang Dienstag den 13. September 1882 sowie der 2l. September 1892, vormittags 11 Uhr als Bersteigcrungstermin, Sächsisches Hohenstein, 12. September. Die am 1. October c. fälligen Brandversicherungsbeiträge werden nicht wie bisher mit 1 Pfg-, sondern mit 1^ Pfg pro Einheit erhoben. Am 7. d. M. hat eine abermalige AuSloosung Königlich Sächsischer Staatspapiere stattgefunden, von welcher die Z v/g Staatsschulden-Kassenscheine vom Jahre 1855 betroffen wor den sind. Die Inhaber der genannten StaatSpapierc werden hierauf noch besonders mit dem Hinzufügen aufmerksam ge macht, daß die Listen der gezogenen Nummer» in der Leipziger Zeitung, dem Dresdner Journal und dem Dresdner Anzeiger veröffentlicht, auch bei sämmtlichen BezirkS-Steuer-Einnahmen und Gemcindevorständcn des Landes zu Jedermanns Einsicht auSgelegt werden. Mit diesen Listen werden zugleich die in früheren Terminen auSgeloosten, aber noch nicht abgehobenen Nummern wieder aufgerufen, deren große Zahl leider beweist, der 28. September 1892, vormittags 11 Uhr als Termin zu Verkündung des Vertheitungsplans anberaumt worden. Eine Uebersicht der auf dem Grundstücke lastenden Ansprüche und ihres Rangverhält nisses kann in der Gerichtsschreiberei des unterzeichneten Amtsgerichts eingesehen werden. Hohenstein-Ernstthal, am 28. Juli 1892. Königliches Amtsgericht, vr. v. Feilitzsch. Gewerbekammer Wahlen. Die gesetzlich vorgeschriebcne periodische Urwahl für die Handels- und Gewerbckammer ist für unseren ÄmtSgerichtsbeznk aus Freitag, den 16. September, in unserer Stadt Hohen stein anberaumt worden. Es wäre nun recht sehr nöthig, wenn dieser Wahl nicht so gleichgiltig cntgegengesehen würben, wie früher, sondern daß sich alle Parteien rüsten, Urwählern mit Aufstellung von Candidaten entgegcvzukommen. Denn gerade jetzt, wo dem Handel und Gewerbe durch manche zollpolitische Gestaltungen (Handelsverträge mit Oesterreich und Rußland), sowie durch die socialen Gesetze große Opfer aufgelegt worden sind, erwachsen den Handels- und Gewerbekammern immer größere Ausgaben, die eine immer reichere Entsaltung ihrer Thätigkeit fordern. Wenn die Gcsammtinteresscn des Handels und der Gewerbe recht gewahrt werden sollen, dann gilt eS, gegenwärtig recht geeignete Vertreter zu wählen, Männer ohne Furcht und Tadel, welche den Bestimmungen der Gewerbe- kammcrn gemäß ihres auf Sachkevntniß und Erfahrung be ruhenden Unheils in den Fragen des Erwerbslebens gerecht zu werden vermögen. Daß aber nur solche Kräfte herangc- zogen werde», dürste im Interesse jedes einzelnen Wählers liegen und ihn bestimmen, an seinem Theile beizutragcn, daß die Wahlbethciligung eine recht lebhafte werde. An der Zeit wäre es, daß alle reichStreucn Parteien, Innungen und Vereine an der Spitze, sich aufraffm und mit Vorschlägen und Aufstellung von Candidaten den Wählern an die Hand gehen. Es wäre darnach wirklich zeitgemäß, wenn Wahlmäuner-Listen ausgestellt würden und Aufklärungen an das Publikum von berufener Seite erfolgten. Soviel dem Einsender dieses bekannt, ist jeder selbstständige Gcwerbtreibende, welcher mit 600—1900 Mk. Einkommen abgeschätzt ist und Beiträge zur Handels- und Gewerbckammer wirklich leistet und eventuell nachweisen kann, wahlfähig und wählbar. Handel- und Gcwerbtreibende, welche aus ihrem Gewerbe mit über 1900 Mark Einkommen abgeschätzt sind, wählen zur Handels kammer. Alle Handel- und Gcwerbtreibende des Amtsgerichts bezirkes Hohenstein-Ernstthal haben 2 Wahlmänner zur Gewerbekammer und 1 Wahlmann für die Handelskammer zu wählen. Er wäre deshalb an der Zeit, daß Hohenstein, Ernstthal, Oberlungwitz, Gersdorf rc. sich verständigen: nur Männer aufzustellen, die allen Wählern recht, damit keine Zersplitterung der Stimmen stattfindet. In einer Besprechung seitens einer Vereinigung wurden die Herren Fabrikant LouiS Dähne-Hohenstein und Bäcker meister Emil Laykitz-Ernstthal zu Candrvaten für die Gewerbe kammer in Vorschlag gebracht und bittet man alle Gewerbe treibenden, welche für das Gedeihen und nicht für den Ruin des Handwerkerstandes, wie ihn die Socialdemokratie offen auf ihre Fahne schreibt, eintretcn wollen, einen'Wahlzettcl mit den oben angeführten Namen in die Wahlurne zu legen. Kl. Zwangsversteigerung. DaS im Grundbuche auf den Namen Oskar Richard Helbig eingetragene Grund stück, Wohnhaus mit Hofraum und Garten, Folium 552 des Grundbuchs für Hohenstein, Parzelle Nr. 104d des Flurbuchs, 3,z a groß, mit 196 zg Steuereinheiten belegt und auf 16 235 M. geschätzt, soll im hnsigen Amtsgerichte zwangsweise versteigert werden und cs ist welche wir Anfangs 75 Cents pro Dutzend bekamen, heute noch 32, für Füße gegen Anfangs 50 Cents, heute 21 Cents bezahlt werden, dadurch sind wir soweit herabgekommen, daß wir wöchentlich nur noch 6 bis höchstens 7 Dollars verdienen können; mit diesem Lohn sind wir aber nicht im Stande, mit unsern Familien (welche mehrere von uns »och in Deutschland haben) auszukommen. Durch die verschiedenen Aeußerungen des Herrn Thieme (er sagt, sie könnten »och nicht konkurriren mit Deutsch land, sie würden wohl die Fabrik schließen) werden wir über kurz oder lang genöthigt sein, wieder nach Deutschland zurückzukehren, dazu fehlt uns aber das Reisegeld. Ich richte deshalb an Sie folgende Frage mit der höflichsten Bitte, mir selbige so gut wie möglich zu beantworten und nähere Auskunst zu ertheilen: Ist die Gesellschaft verpflichtet, uns das »öthige Reisegeld zu geben? da wir mit dem jetzigen Lohn nicht aus kommen können und selbiger dem uns versprochenen Lohn 10 bis 12 Doll, nicht entspricht, sind wir da verpflichtet weiter zu arbeiten, oder können wir aufhaltcn zu arbeiten und das Reisegeld beanspruchen, bevor sie die Fabrik zuschließen ? Kann ich das Reisegeld beanspruchen, wenn ich selbst aufhöre infolge schlechten Lohnes, oder müssen sie »rieh erst außer Arbeit schicken? Auf welche Weise können wir unser etwaiges Recht geltend machen? In der Erwartung Ihrer werthen Auskunft und Schutz entgegen setzend schließt mit aller Hochachtung ganz ergebenst A. Ferdinand Schindler, 64 Fourth-Street, Fort Wayne, Ind." Dieser Brief bringt uns und auch vielen Anderen nichts Neues, sondern bestätigt nur, war frühere Privatbriese über die Lage der von hier Ausgewanderten berichtet haben. Oeffentliche Versteigerungen in den König!. Amtsgerichten. Donnerstag,de» 15. September. Leipzig: Töpfermeister Richard Max Wols's HauSgrundstück in Leipzig-Volkmarsdorf, 89,000 M. Freitag, den 16. Septbr. Meißen: Schlosssrmeistcr Karl Wilhelm Kießling'S Grundstück (Wohnhaus mit zwei Seitengebäuden, Hofraum und Garten) daselbst, 10,290 M. Dresden: Schriftsteller Victor Gustav Crofton Andre'S Grundstück (Feld) in Stadt Neudorf (am sogen, kleinen BlschofSwege gelegen), 27,800 M. Leipzig: Steinsetzmeister Karl Franz Lange's HauSgrundstück in Leipzig- Lindenau, 31,100 M. Glauchau: Karl Friedrich Hermann Wind's Grundstück (Wohnhaus, Scheune, Ziegeler und Feld) in Lipprandis, 11,000 M. Meißen: Bahnwärter Ernst Bruno Müller'S Grundstück (Wohnhaus mit Hintergebäude und Hof) dasclbst, 20,291 M. Klingenthal: Nähfaklor Johann Ludwig Leonhardr's Grundstück (Gebäude, Hosraum, Feld und Wiese) m Winselburg 5455 M. Grimma: Otto Edmund Schnelder's Grundstück (Hintersässergut) in Olterwlsch, 17,470 M. Sonn abend, den 17. September. Ehrenfriedersdorf: Strumpfwirker Louis Hermann Köhler's HauS- und Gartengrundstück in Gclenau, 5580 M. Schwarzenberg: Buchbinder Rodert Gustav Paufler's Grundstück in Raufchau, 6800 M. Bautzen: Johann Carl Wodner'S Hausgrundstück in Radibor, 457 M. Burg- städt: Friedrich Hermann Scorl'S Grundstück (Wohn- und Fabrikationsqcbäude, sowie Nebengebäude und Garten) in Laura, 10,200 M. Leipzig: Tischlermeister Hermann Gustav Luerbach's HauSgrundstück in Leipzig-Kleinzschocher, 40,500 M. Dresden: Marie Louise verehel. Güldenhaupt geb. Kölzsch'S Grundstücke in Niederlößnitz: 1) Billen- und Nebengebäude (Villa Victoria und Garten) 50,OM M; 2) Garten, 2700 M. 3) Garten 2670 M. Bautzen: Johann August Liebsch und Martha Frieda Liebsch gehör. Baueigut in Klix, 27,900 M. Lichtenstein: Bauunternehmer EraSumS Louis Möckel'S Grund stück (Wohnhaus mit Neben- und Remiseugebäude) daselbst,15395 Mark. Kamenz: Karl Ernst Kühne'S HauSgrundstück daselbst, 10,400 M. Stollberg: Ida Emilie verehel. Berger geb. Otto'S Grundstück (Wohnhaus mit Waschhaus und Schuppen, sowie Garten) in Kirchberg, 9144 M. Rochlitz: Anton WeiSke'S HauSgrundstück in Kolkau, 12M M. Sayda: Handelsgesell schaft „Beck und Walther" gehör. Wohn-, Tischlerei-, Holz- waarenfabrikationS- und Schneidemühlengrundstück in ElauSnitz, mit den zugehörigen und nicht zugehörigen Maschiuen uud Werkzeugen, geschätzt auf 55,341 M. (darunter die Gebäude 27,OM M.) Meerane: Weber Friedrich August Seidel'S Grund stück (Baustelle) daselbst, 7M M. Zahlungseinstellungen. Fr. Theodor Herberth, Fleischermeister, Nachlaß, Leipzig. Friedrich August Hahn, Bäckermeister, Plauen i. V. (ZwangSvergleichStermin 22. wie viele Interessenten zu ihrem Schaden die Ausloosungen übersehen. Es können dieselben nicht genug davor gewarnt werden, sich dem Jrrthum hinzugebcn, daß, so lange sie ZinS- scheine haben und diese unbeanstandet eingelöst werden, ihr Kapital ungekündigt sei. Die Staatskassen können eine Prüf ung der ihnen zur Zahlung präicntirten ZinSscheine nicht vor nehmen und lösen jeden echten Zinsschein ein. Da nun aber eine Verzinsung auSgelooster Kapitale über deren Fälligkeits termin hinaus in keinem Falle stattfindct, so werden die von den Betheiligten in Folge Unkenntniß der AuSloosung zu viel erhabenen Zinsen seinerzeit am Kapitale gekürzt, vor welchem oft empfindlichen Nachtheile sich die Inhaber von Staats papieren nur durch regelmäßige Einsicht der Ziehungslisten (der gezogenen wie der restirenden Nummern) schützen können. DaS königliche Staatsministerium hat nunmehr endgültig bestimmt, daß das IMrheilige Thermometer nach Celsius an -stelle des bisherigen 80ihciligeu nach Reaumur überall ein- gesührt werden soll. Alle auswärtigen Geschäfte welche in Berlin Lager unter halten, werden, wie „Der Conscktionär" mittheilt, vom näch sten Jahre ab auf Grund der dort gemachten Umsätze zur Gemeinde-Einkommensteuer herangezogcn werden. Der Ralh der Stadt Leipzig hat in seiner am 10. d. abgehaltenen Sitzung beschlossen, in Anbetracht der Gefahr, die jedes Zusammcnströmcn von Volksmassen bezüglich der mo mentanen GesundheitSverhältnisse hat, die diesjährige Michaelis- messe nicht abhalten zu lassen. Das „Chemnitzer Tageblatt" schreibt in seiner jüngsten Nummer: Die hiesige Handels- und Gewerbekammer ist da von benachrichtigt worden, daß ein gewisser Ferdinand Schindler, Wirkwaarenarbeitcr, früher in Hohenstein-Ernstthal, zur Zeit in Fort Wayne, Vereinigte Staaten von Nordamerika, der im vorigen Jahre nach Amerika auSgewandert ist, an autoritative Stelle eine Zuschrift gerichtet hat, nach welcher es den Anschein gewinnt, als habe ein Herr Theodor Thieme, Geschäftsführer und Mitinhaber der Wayne Knitting Mills in Fort Wayne Sächsische Fabrikarbeiter unter Eröffnung von Aussichten, die sich hinterher nicht verwirklichten, zur Auswanderung nach den Vereinigten Staaien von Nordamerika verleitet und hierbei wesentliche Unterstützung von anderer Seite gefunden. Jeden falls wird es von Interesse sein, wenn wir hierorts Gelegen heit nehmen, den gedachten Brief in seinen Hauptzügen zu ver öffentlichen, um unsere sächsischen Arbeiter vor derartigen Vor spiegelungen zu warnen, die nur zu sehr geeignet sind, sie ins Unglück zu stürzen. Der fragliche Brief lautet in der Haupt sache wie solgt: „Fort Wayne, den 7./7. 1892. Unterzeichneter erlaubt sich hierdurch, einige Fragen an Sie zu richten mit der höflichsten Bitte, selbige sobald als möglich zu beantworten. Im vorigen Jahre war Herr Theodor Thieme (Geschäftsführer und Mitinhaber der Wayne Knitting Mills in Fort Wayne) in Chemnitz (Sachsen) um Maschinen zu kaufen zur Errichtung einer Strumpffabrik in Fort Wayne, gleichzeitig engagirte er einen Werksührer namens Moritz Selbmann aus Hohenstein. Dieser ward beauftrag., die nöthigen Arbeits kräfte zu versorgen und ist diesem Auftrage auch nachgekommen. Fastsämmt- liche angenommenen Arbeiter wurden zu einer Besprechung nach Chemnitz be- stellt, wo Vortrag gehalten wurde über amerikanische Löhne und Verhältnisse und natürlich Alles mit den r osigsten Farben Ausmalung fand. Der betreffende Redner sagt unter Anderem, der nievrigste Lohnsatz sei 1'/, Doll, (täglich) in Fort Wayne. Arbeit gebe es in Masse dort. (Wir haben aber gesunden, daß der übliche Tageslohn hier nur 1 Doll. 15 Cents bis 1 Doil. 25 und 30 Cents ist.) Er kenne die Geschäftsinhaber persönlich sehr gut, er sei viele Jahre in Fort Wayne gewesen. (Dieses erscheint glaubwürdig, da er sich alle erdenkliche Mühe gab, um gute Arbeiter herüberzuschaffen.) Es wurde uns mitgethcilt, als Mehrere »ach dem Lohn fragten, wir sollten wöchentlich 10 bis 12 Doll, verdienen (was auch schriftlich nachgewiesen werden kaum. Weiter wurde es jedem engagirte» Arbeiter auf Anordnung des Herrn Thieme ans Herz gelegt, vorsichtig zu sein auf der Reise und nichts von deren Zweck verlauten zu lassen, hauptsächlich aber in New- Dork bei etwaiger Befragung, ob die Leute Arbeit hätten, mit „Nein" zu antworten. (Es handelt sich hier um das Contractgesetz.) Herr Thieme erwartete uns in New-Aork im Lutherischen Pilgerhause, wo er dann die nöthige Vorsicht zur Weiterreise anordnete. Hier in Fort Wayne angekommen, war auch der Lohn gestellt, daß wir so ziemlich auf den Lohnsatz 11 bis 12 Doll, zu stehen kamen, leider ist aber der Lohn seit Januar, trotzdem er von da ab 6 Monate giltig sein sollte, schon 3 Mal reduzirt worden in der Weise daß z. B. für Strumpslängen, für Erscheint GG M d Inserate jeden Wochentag abends für den folgenden vH nehmen die Expedition blS Vorm. 10 Uhr Tag und kostet durch die Austräger pro MUMAMW U M MD ADp W MML M sowie für Auswärts alle Austräger, deSgl. Quartal Mk. 1.40; durch die Post Äik. 1.50 vv V alle Annoncen-Expeditionen zu Original- frei ins Haus. V v vM Preisen entgegen, für Hohenstein-Ernstthal, Oberlungwitz, Gersdors, Luga«, Hermsdorf, Bernsdorf, Langenberg, Falken, Langenchursdorf, Meinsdorf, Rußdorf, Wiistenbrand, Grüna, Mittelbach, Ursprung, Leukersdorf, Seifersdorf, Erlbach, Kirchberg, Pleitza, Reichenbach, Grumbach, Callenberg, Tirschheim. Kuhschnappel, St. Egidien, Hüttengrund u. s. w. - '! s