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Gzjchetnt täglich MH «V, Uhr. Vldettt«« und LkpeNttoa IohanniSgast« 33. SpktchüimLrn Nr «rLaciioll: LermilkagS 10—12 Uhr. Nachmittags 4—6 Uhr. ««nahmt der für die nächst- iolarnde Nummer bestimmten Anserste an Wochentagen dis 8 Uhr Nachmittags, an Sonn- u»d Festtagen früh dis Uhr. Z, Nu Filialen für Ins. Aonahinz: Otto Sttemm, Unwersitätöstr. 22. LoutS Lösche, Xatharinrnstr. 18,p. nur dis '/.3 Uhr. WpMerIagrblM Anzeiger. Or-a» für Politik, Localgeschichte, Handels- und Geschäftsverkehr. Auslage 15,254. Zt»i>»m«t>n«»rr<» «erte>z.4»/,LL. tuet. Bnugkrtahll L LL. durch di« Pos, bezogen 6 LN. Jede ttnzrla« Nummer 30 P, Belegexemplar lü Pf Vcbühren für Lxtradeua^m ohne Postbesvrderuug 3« Mt. mit Postbesvrderuug 4L Mt. Zustliitr 4gesp. VourgeoiSz. 20 1>s. Größere Schriften laut unser« UI Preisverzrichniß — Tabellarischer Sah nach höherem Tarif, ««im»», »nier de» Ledaettomßrich die Lpattzeil« 4« Pf. Inserate find stets an d. LrprNtio» zu senden. — Rabatt wird nich' gegeben Zahlung pr»«lluw»-r»uch ^ durch Post oder »ftvorfchuß I^s 1V8. Mittwoch den 18. April 1877. 71. Jahrgang. Gesetz überden Sitz des Reichsgerichts. Vom 11. April 1877. Wir Wilhel«, von Gotte- Gnaden deutscher Kaiser, König von Preußen rc. verordnen im Namen de- deutschen Reich- nach erfolgter Zustimmung de- BundeSrathS und d«S Reich-tag-, was folgt: § 1. Aus denjenigen BundeSstaat, in dessen Gebiet da- ReichSgericht feinen Sitz hat, findet H. 8 de- EinsÜhrungSgefrtzeS zum GerichtSverfaflungSgesetz keine Anwendung, tz. 2. DaS ReichSgericht erhält seinen Sitz in Leipzig. Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrncktem kaiserlichen Insiegel. Gegeben Berlin, den N. April 1877. (I.. 8.) Wtl-el«. Fürst von BiSmarck. Bekanntmachung. DaS 6. Stück des diesjährigen Gesetz- und Verordnungsblattes für das Königreich Sachsen ist bei unS eingegangen und wird biS zun» S. kftg. MtS. aus dem RathhauSsaale zur Einsicht, nähme öffentlich aushängen. Daffelbe enthält: Bekanntmachung, den Uebergcrng der Greiz Brunner Eisenbahn auf den sächsi schen StaatSfiScuS betreffend; vom 7. März 1877 Bekanntmachung, eine Anleihe der Actienbierbrauerei zu GohliS bei Leipzig betreffend; vom 14. März 1877. Bekanntmachung, die Bewilligung einer in dem Regulative für die Sparcasse der Gemeinde GohliS enthaltenen Ausnahme von bestehenden Gesetzen be. treffend; vom 12. März 1877. Verordnung. daS AuSschreiben der katholischen Kirchenanlage betreffend; vom 7. März 1877. Bekannlmacbung, die RichtungSlinie der St Egidien - OelSnitz-Stollberger StaatSeisenbahn betreffend; vom 2t März 1877. Bekanntmachung, die Eröffnung de- Betrieb- der StaatSeisenbahnstrecke Riesa- Lommatzsch betreffend; vom 28 März 1877. Verordnung, die Oberrechnungskammer betreffend; vom 4. April 1877. Nr. 29. 3V. 31. 32. 33 , 34. » 35. Leipzig.,den 17. April 1877 Der Rath der Stadt Leipzig. l)r. Tröndl in. Cei erutti. Leipzig, 17. April. DaS russische Krieg-manifest wird zum 19. April erwartet. An demselben Tage dürfte die russische Südarmee, deren Hauptquartier vor läufig in Kischeneff ist. den Vormarsch über den Prutb antreten und sich zum Einrücken in Ru mänien fertig machen. Letzter«- Land wird der Schauplatz de- militairischen Vorspiel- sein. Wie auS den Nachrichten hervorgeht, die wrr weiter unten wiedergeben, ist Rußland mit Rumänien einig, welche- den Czaren in ähnlicher Weise »nterstützen wird wie Montenegro. Die Ent schädigung der beiden Kleinstaaten, die Alle- wagen, üm Alle- zu gewinnen, wird für den Kau russischer Siege in der völligen LoStrennung von der Türkei und in wesentlichen Gebiets erweiterungen bestehen. Rumänien ist schon lange nach der Sulina-Mündung lüstern — Der Ver- InchGngland-, nocheinmalim Verein mit Oester reich einen einschüchternden Druck auf Rußland auSzuüben, ist als aescheitertzu betrachten Oester reich wird, im Anschluß an Deutschland, in einer Rußland nicht bedrohenden Neutralität verharren. DaS freundliche Berhältniß, in welchem Deutsch land zu Rußland steht, spricht sich in der Maß nahme auS, nach welcher die russischen Bewohner der Türkei nach dem AuSbruch de- Kriege- unter den Schutz der deutschen Consulate gestellt werden sollen. Rußland thut seinerseits alles Mögliche, um Oesterreich bei guter Laune zu erhalten; eS wird bei dem bevorstehenden Dienstjubiläum deS Erzherzog- Albrecht in feierlicher Weise vertreten sein Sache der deutschen Politik wird es sein, die Rüsten, wenn sie Fortschritte machen und sich von dem Gefühl ihrer Ueberlegenheit binreißen lasten sollten, von Uebergriffen zurückzuhalten Sonst könnte eS freilich leicht kommen, daß sich daS Bild verschöbe und Oesterreich, um seine Donau-Interesten zu schützen, mit dem im Orient bedrohten England aus die Seite der Türkei träte. Diese hofft wohl aus eine derartige Wendung, die auS dem localisirten Kriege einen Weltbrand machen würde; wir glauben aber nicht, daß die russische Politik so kurzsichtig sein wird, ihn herauf zubeschwören. Die Gewinnbetheiligung der Arbeit- nehmer oder, wie Lassalle forderte, die Ver wandlung der Arbeiter in eigene Unternehmer Bekanntmachung. Bekanntmachung. Für de« Trr«t» Ostern d. I. sind L An-stattang-Sripeudta im Betrage von 77 ^ 8 ^s, ^7 4L und zweimal 40 .4 47 an ht-stge «»brscholtene, ar»»e Bürger-» tSchter, welche sich in der Zeit von Ostern v. I. htö Oster« d. I. verhetrathet haben, von UN- zu vergeben und sind schriftliche Gesuche darum vnter Beifügung der GheschlteKnngs Beschetnigung, eines von zwei htesiqe» Bürgern bei Bürgerpflicht auSgcstellun Zeug nisse- über die Unbescholtenheit und Bedürftigkeit der Bewerberin sowie, was da) ei»e, nur an ehelich Geborene zu vergebende Wiederkedrer'scbe Stipendium von 40 47 anlangt, ein.c Geb«rtSdeschei»igu«g bi- zürn 2t. diese- Monat- in unserer Registratur, Rath bauS, 1. Etage, Zimmer Nr 1L. einzureichen. Leipzig, ven 12. April 1877. Der Rath der Stadt Leipzig. Or. Georgi. Cerutti. Bekanntmachung? Vor verschiedenen städtischen Grundstücken, als in der KönigSstraße, in der Theatcrgafse, in der Lessingstraße, vor dem Tauchaer Thor, am PeterSkirchhof, in der Rosenthalgaste, am Flotzplatz und ,n der Gustav Adolf-Straße sollen GranittrottoirS gelegt und an einen oder mehrere Unternehmer in Accord vergeben werden. Diejenigen Unternehmer, welche diese Arbeiten zu liefern gedenken, werden hierdurch aufgefordert, die Kostenanschläge und Bedingungen in unserem Bauamte einzusehen und ihre Offerten daselbst unter der Aufschrift ,, Trottoirlegvnge» " bi- zum 22. d. M. Nachmittag- 5 Uhr unterschrieben und versiegelt abzugeben. Verspätet oder nicht versiegelt eingegangene Offerten können keine Berücksichtigung finden. Leipzig, am tv. April 1877. Der Rath der Stadt Leipzig. I)r Georgi. Wangemann. Bekanntmachung. Den Abmietbern sta'dttseber MeHbnden wird hierdurch in Erinnerung gebracht, daß die Miethzinse» für nächste MiehaettSnresse bcreirs in gegenwärtiger Messe, und zwar spätestens biS zum Schluffe der Böttcherwoche, also bi- zu« 2t. dS. MtS., bei Verlust deö ContracteS an unsere Einnabmestube zu berichtigen sind. Leipzig, am 12 April 1877. Der Rath der Stadt Leipzig. vr. Georgi. Müller. Bekanntmachung. Die Universität--Bibliothek ist während deS Sommersemesterö Montag, Mittwoeh, Donnerstag und Sonnabend früh von 11—1 Uhr und DienStagS und Freitag- Nach mittags von 3—5 Uhr geöffnet. Leipzig, den 16. April 1877. Die Dtrectioa der vnlverfitatS-Dibliothek. Or. Krehl Unter Bezugnahme auf die hierunter beigedruckte Verordnung de- Königlichen Ministerium- de- Innern vom 1. December 1864, fordern wir hiermit alle hiesigen Einwohner, welche Nach tigallen halten, auf. die darauf gelegte IahreSsteuer ohne Verzug an die in der zweiten Etage de- RathhauseS befindliche Hundesteuer-Einnahme zu bezahlen. In die angedrobte Strafe de- dreifachen Betrags der Steuer verfallen Diejenigen, welche biS z«n» 1. Mai d. I. nicht die Steuer abgeführt haben. Leipzig, den 3. «prrt 1877. Der Rath der Stadt Leipzig. vr. Georgi. Lamprecht. Verordnung, die Besteuerung der Nachtigallen betreffend, vom L. Deeember L8V4. Auf Antrag der Ständeverfammlung wird bierburch Folgende- verordnet: Wer eine Nachtigall gefangen hält, hat dafür vom t. Mai 1865 an eine jährliche, der Armen, cafle seine- Wohnort- zufließende Abgabe von 4 Thalern und zwar in der Regel am 1. Mai jeden Jahre- zu entrichten. Die Sprosser, d h die großen, sogenannten ungarischen oder polnischen Nachtigallen (Nacht- schläger) sind jedoch dieser Abgabe nicht unterworfen. Ueder die erfolgte Abentrichtung der gedachten IahreSsteuer ist in den Städten eine von de« Stadtrathe auSzufertigende, auf dem platten Lande eine von dem Armencaffen-Einnehmer de betreffenden Orte- unter Beidrückung des Gemeindesiegels auSzustellende Quittung zu ertheile», die in jedem Falle auf den Namen deS Steuerverleger- zu lauten hat. Geht innerhalb de- vom 1. Mai biS zum nächtten 30 April laufenden Steuerjahre- eine aus da- letztere bereit- versteuerte Nachtigall in den bleibenden Besitz einer anderen Person über, so kann sich die Letztere von der außerdem selbst für die betreffende Nachtigall zu leistenden Entrichtung der Steuer auf da- biS zum nächsten 30. April noch laufende Steuerjahr nur durch den BorweiS der auf da- letztere lautenden, von dem betreffenden Slastrathe, beziehentlich den Armencasten- Einnebmern, auf ibren Namen übertragenen Quittung über die seitens de- vorigen Besitzers der Nachtigall auf da- laufende Steuerjahr bereits bewirkte Zahlung der Steuer befreien. Die volle Steuer ist auch von Demjenigen zu entrichten, welcher eine erst während de- laufen den SteuerjabreS eingefangene Nachtigall hält. Hinterziehungen der Nachtigallensteuer sind mit dem ebenfalls der OrtSarmencaffe zufließcuden dreifachen Betrage derselben zu ahnden. Seitens der in dieser Angelegenheit kompetenten Armenpolizeibehörden ist dabei, insoweit eS sich nicht um Contravcnlionen und deren Bestrafung handelt, allenthalben kostenfrei zu expediren. Hiernach haben sich Alle, die eS angeht, gebührend zu achten. Insonderheit haben die Stadt- räthe, sowie die Gerichtsämter und Gemeindevorstände dafür, daß dem Vorstehenden genau nach gegangen werde, gehörige S-.rge zu tragen. Dresden, den t. December 1864. Ministerin« de- Inner«. Frhr. v. Ben st. Lehmann. Bekanntmachung. Auf den Tracten der Südstraße, welche den ehemaligen Turnfestplatz und daS Herrn Hü ff er hier gehörige Areal durchschneiven, sollen 522 bez. 340 lfve. Meter Granitschwcllen gelegt und die Lieferung derselben in Submission vergeben werden. Diejenigen Unternehmer, welche diese Arbeit zu liefern gedenken, werden hierdurch aufgefordert, die Kostenanschläge, Bedingungen und Zeichnungen in unserem Bauamte einzusehen und ihre Offerten daselbst unter der Aufschrift: „Granitschwelle« für die Südstrasse" biS zum 2A. diese- MvnatS Nachmittag- 5 Uhr unterschrieben und versiegelt abzugeben. Verspätet oder nickt versiegelt eingegangene Offerten können keine Berücksichtigung finden. Leipzig, den 12. April 1877. Der Rath der Stadt Leipzig. ,i. Wang, vr Georgi. langemann. Bekanntmachung. Wir beabsichtigen, in nächster Zeit die Arndt- und Moltkestraße aus den Strecken von der Koch- biS zur Süvstraße neu zu pflastern und ergeht deshalb an die Besitzer der angrenzenden Grundstücke und bez. an die Anwoimer hierdurch die Aufforderung, etwa beabsichtigte, die bezeich- neten Siraßentracte berührende Arbeiten an ven Privat-GaS- und Wasserleitungen und Bestchleußen ungesäumt und jedenfalls vor der Neupflasterung auSzuführen, da mit Rücksicht auf die Erhaltung eine- guten Straßen Pflaster- dergleichen Arbeiten während eines Zeitraumes von 5 Jahren nach beengter Neupflasterung in ver Regel nicht mehr zugelasten werben. Leipzig, am 11. April 1877. Der Rath der Stadt Leipzig. I>r. Georgi. Wangemann. Der Rath der Stadt Leipzig hat mir untgelheilt, daß er zur Feier de- Geburt-Lage- Seiner Majestät de- KöatgS Montag de« 2S diese- Monat- Mittag- 1 Uhr ein Festmahl t« Schützeahause veranstalten werde und hat mich aufgefordert, die Herren Professoren, Docenten und Beamten der Universität hiervon noch besonder- in Kenntniß zu setzen Indem ich hierdurch dieser Aufforderung Nachkomme, bemerke ich, daß Taselmarken zu 3 bei H'rrn Friedrieh Georg Keyffelitz, in Firma 6arl Uoinrioü lilent,! L6o, Reichsstraße 20/21, und bei Herrn E. Hoffmann nn Schützenhause, bei Ersterem biS zum 2l. diese- MonatS Nach- mittag- 4 Uhr auSgegeden werden. Leipzig, am 16 April 1877. Der Rector der Unipersttä't. C Thiersch. gehört seit Jahren zu den brennenden socialen Tagcsfraqen Nachdem man lange Zeit hindurch die Sache mehr in der Theorie mit allgemeinen Erörte. ungen, Wünschen oder Anklagen behandelt hatte, ist man besonder- im letzten Jahrzehnt zu praktischen Versuchen Übergegangen und hat damit verschiedene gelungene, aber noch mehr mißlungene Erfahrungen gemacht. ES war dadurch die Möglichkeit zur Einzelnörterung und zur Bcodach- lung von Fall zu Fall, von Ort zu Ort, von Land zu Land, von Zeit zu Zeit gegeben. Wie oer Chemiker und Phystolog an gesunden oder der Arzt an kranken und tovten Körpern sich durch Beobachtung vieler Fälle zu belehren suchen, so kann nun auch der Loik-'wlrth größere Beobachtungsreihen neben einander stellen und mit einander vergleichen. Die osficielle oder noch weit umfassender die Privatstatistik bietet ihm ein Hülssmittel der Forschung. Dabei sind jedoch Beschreibungen wichtiger alS Ziffern, und eS zeigt sich die Noth- wendigkeit einer Zusammenarbeit mit Praktikern. Man muß jeden Industriezweig besonder- studiren und kann erst auS einer Prüfung der Emrelheitcn und EigentbÜmlichkesten jede- Falle- die Ursachen vc- Erfolge- oder Mißerfolges beurtheilen. ES sind dabei drei Hauptgruppen von Versuchen hervorgetreten: 1) Gewinnbetheiligung mit Antheil am Ge- schästSeigenthum, 2) Gewinnbetheiligung ohne Antheil am Ge- schästSeigenthum, 3) Vertheilung von Prämien, Gratisicationen, Caffenbeiträgen, Astecuranzlöhnen rc au- dem Gesammtertrage de- Geschäft- oder Anwen dung von verwandten neuen LöhnunzS- Methoden, um vaS Loo- der Arbeitnehmrr zu verbessern und daS eigene Geschäftsinteresse zu fördern. Die Fälle unter I) sind im Lause der letzten Jahre mehr und mehr zusammengeschrumpst. Biele in Zeiten hoher geschäftlicher Gewiuue mit Begeisterung unternommene Versuche sind in der neuesten Zeit der schweren Krisi- ganz ausgegeben oder doch wesentlich umgestaltet worden. Dafür sind jedoch auch wieder manche neue eizenlhüw- liche Bestrebungen ausgetaucht und alte Einrich tungen mit Reinertrag zur Befriedigung aller Betheiligten fortgesetzt worden. Wie d,e „Social- Correspondenz" mittheilt, soll eine Vergleichung der Versuche in kurzer Zeit in ausführlicher Dar-