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«nd Taacblatt und Tageblatt Amtsblatt für die MMcn und städtischen Behörden zn Freiberg und Brand, »erantwortttch« Leitung: Georg Burkhardt. A/* LdLdtt Erscheint jedm Wochentag Abends '/,7 Uhr für dm Jahrgmig. Inserate werden bis Bormittag 11 Uhr . /»0 anderen Tag. Preis vi«rteljShrlich 2Mk. SS Pfg. ÄLN 24 SetiteMÜeV angenommen. Preis für die Spaltzeile 13 Pfg. I »/'- zweimonatlich 1 Mk. SOPfg. u. einmonatlich75Psg. Außerhalb deS Landgerichtsbezirks 15 Pfg LW V» Zwangsversteigerung. DaS rm Grundbuche auf den Namen der Amalie Juliane verehel. Richter geb. Aritzfche in Freiberg eingetragene Gartennahrungsgrundstück unter Nr. 38 des Brandversicherungs- latasters und Folium 32 des Grundbuchs für Kleinwaltersdorf, Amts-Anth., bestehend aus den Parzellen unter den Nrn. 187 a, 187 d und 681 des Flurbuchs mit einem Flächeninhalte von 1 Hekt. 53,8 Aren und geschätzt auf 4670 M., soll im hiesigen Königlichen Amtsgerichte zwangs- vefle versteigert werden und es ist der S. Oktober 1896, Vormittags 16 Uhr, als Bersteigerungstermin, sowie der 23. Oktober 1896, Vormittags 11 Uhr, als Termin zu Verkündung des BertheilungsplanS anberaumt worden. Eine Uebersicht der auf dem Grundstücke lastenden Ansprüche und ihres RangverhältnifseZ kann in der Gerichtsschreiberei des unterzeichneten Amtsgerichts emgesehen werden. Freiberg, am 11. August 1896. Königliches Amtsgericht, Abth. I. 2a. 11./96 Nr. 16. I. V. »r »Skin«, Ass. Nicolai. Abonnements -Einladung. Zum Ouartalwcchsel erinnern wir unsere geehrten Lesern an die rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, damit in der Zusendung unseres Blattes keine Unterbrechung eintritt. Auch die neu hinzutrstenden Abonnenten ersuchen wir ergebenst um zeitige Anmeldung, da eine Nachlieferung von Exemplaren nur ausnahmsweise geschehen kann. Der „Freiberger Anzeiger und Tageblatt" Wird auch fernerhin seine gemäßigte und objektive Haltung beobachten und den Lesern von allen interessanten Ereignissen des In- und Auslandes so schnell wie möglich, zum großen Tbeile durch telegraphische Berichterstattung, welche wir in der letzten Zeit bedeutend erweitert haben, Kenntniß verschaffen. Die besonders wichtigen Tagesfragen werden wie bisher in den regel mäßigen Leitartikeln eingehende sachliche Besprechung finden. Bei den Nachrichten aus dem Königreich Sachsen sollen hauptsächlich die Ortschaften des Landgerichts- und amtshaupt- mannschaftlichen Bezirks Freiberg, sowie insbesondere die des Erzgebirges berücksichtigt werden. Regelmäßig erscheinen auch die Schwurgerichts- und sonstigen Verhandlungen beim Landgericht Freiberg, sowie Mittheilungen über Landwirthschast, Obst- und Gartenbau. Die Course der Dresdner Börse werden regelmäßig übermittelt. Anfragen aus dem Leserkreise finden im Briefkasten Beantwortung. Um auch den unterhaltenden Theil unseres Blattes möglichst interessant und mannigfach zu gestalten, bringt das tägliche Feuilleton nur gediegene Neuheiten anerkannt tüchtiger Schriftsteller. Bezüglich unserer Unterhaltungsbeilagen tritt mit dem nächsten Quartal eine bedeutende Erweiterung und Verbesserung ein: An Stelle der bisherigen Sonntagsbeilage Wirt» eme reichillustrirte Unterhaltungsbeilage treten, welche neben fortlaufenden Romanen und kleineren Erzählungen eine Fülle vielseitigen Unterhaltungsstoffes bringen wird. Die humoristische Beilage wird aller 14 Tage zur Ausgabe gelangen. Als neue Beigabe fügen wir eine illustrirte landwirthschaftliche Beilage hinzu, welche zugleich auch eine besondere Rubrik »Für die Haussrau" und »Aus Wald und Feld" enthält. Die Preisrüthsel werden auch in Zukunft beibehalten. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt 2 Mark 25 Pfg. Bestellungen nehmen sämmtliche kaiserliche Postanstalten, sowie die bekannten Ausgabestellen hier und in den umliegenden Ortschaften entgegen. Inserate, die Spaltzeile 13 Pfennige und außerhalb des Landgerichtsbezirkes 15 Pfennige, finden bei der großen Auflage deS Blattes die weiteste und zweckentsprechendste Verbreitung. Die Redaktion nnd Expedition des „Freiberger Anzeiger nnd Tageblatt". and von Ich kann nicht umhin, dieses Moment noch besonders zu betonen, Vorliebe da das korrekte Auftreten eines preußischen Offiziers einzig und ic ich imlallein als veriöbnende Tüatiacke bei dem trauriaen Vorkommniß nnd insbesondere diejenigen Englands messen eine allzu große Wichtigkeit den fiskalischen Schwierigkeiten bei, die augenblicklich zwischen Rußland und Deutschland bestehen, und glauben darin eine Bedrohung des Einvernehmens zu sehen, das zwischen der französisch-russischen Politik im Orient und Deutschland geschaffen ist. Wir find in der Lage, zu erklären, daß diese Schwierigkeiten — falls solche vorhanden sind — keinen Einfluß auf das in so glücklicher Weise unter den kontinentalen Mächten bestehende Ein vernehmen in Allem, was die armenische Frage und die Un ruhen in Konstantinopel betrifft, anszuüben vermochten." Aus Opalenitza geht dem „Posener Tageblatt" von einem der Angenzeugen noch folgende Mittheilung zu: „Ich machte heute Herrn von Carnap einen Besuch und wurde bei dieser Gelegenheit von ihm dringend gebeten, der Wahrheit gemäß Ihnen mitzutheilen, daß er am Abend des traurigen Exzesses dem polnischen Pöbel ohne jede Waffe die Stirn bieten mußte. Ich war Augenzeuge, wie Herr v. Carnap in männlich deutscher Weise und wie es einem deutschen Offizier geziemt, den Platz behauptete und ruhig wartete, bis ihm sein Degen überbracht wurde, der ihm lediglich zur Selbstvertheidigung dienen sollte. aller Entschiedenheit sei „zu versichern, daß der greise Staats mann, der in seiner jetzigen amtlichen Thätigkeit Widerstände der mannigfaltigsten Art zu überwinden gehabt hat und dem der Entschluß zum Rücktritt zuweilen nahegelegen haben mag, zur Zeit nicht den geringsten Anlaß habe, einen solchen Gedanken zu verwirklichen, und daß dem ersten Beamten des Reichs gegcn- wärtig auch jede Neigung fehle, sein Amt in die Hände des Kaisers zurückzulegen." Ein Brief Bismarcks über Doppelwährung ist nach Mittheilung des „New-Forker Herald", zu Händen des Gou verneurs von Texas, Culberson, gelangt. Der Empfänger erklärte einer demokratischen Versammlung, er habe sich an den Fürsten vor einiger Zeit in Betreff der Silberfrage gewendet nnd von ihm folgende Antwort erhalten: „Ich habe immer eine O-si.Z-, -- für Doppelwährung gehabt, wollte aber nicht, so lange ich imlallein als versöhnende Thatsache bei dem traurigen Vorkommniß Amte war, meine Ansichten über die Frage gegen die Meinungen der Sach- und Fachkenner als unfehlbar aufrecht erhalten. Ich neige jetzt dem Glauben zu, es sei räthlich, zwischen den Nationen, die den Welthandel tragen, ein gegenseitiges Abkommen zu Gunsten der Doppelwährung zn Stande zu bringen. Vom kommerziellen und industriellen Standpunkt betrachtet, zeigen sich die Vereinigten Staaten weit freier in ihren Bewegungen als irgend eine Nation Europas. Sollte daher das amerikanische Volk selbständig und unabhängig vorgehen, so glaube ich sicher, daß es einen höchst heilsamen Einfluß auf das Zustandekommen eines internationalen Vertrages und den schließlichen Eintritt jeder europäischen Nation in die Liga ausüben würde. Bismarck." Die Verhandlungen des Majors v. Wißmann mit dem Direktor der Kolonialabtheilung vr. Kayser, die am Montag statt fanden, haben zu dem Ergebniß geführt, daß Wißmann sich ent schlossen hat, auf seinen Posten zurückzukehren. Die Begnadigung des Ceremonienmeisters a. D. Herrn von Kotze soll, wie gemeldet wird, deshalb unter blieben sein, weil Herr von Kotze einen Urlaub dazu benutzte, um die Frau Erbprinzessin von Meiningen in Breslau Persönlich nm ihre Fürsprache zu bitten, was an hoher Stelle verstimmt habe. Seitens eines Glatzer Korrespondenten wird diese Mit theilung als eine Erfindung bezeichnet. Richtig sei, daß die Ge mahlin des Herrn von Kotze mehrere Tage in Glatz anwesend gewesen ist, nachdem sie vorher der Gast der Frau Erbprinzessin gewesen war. vr. Karl Peters veröffentlicht bezüglich der von verschie denen Zeitungen gegen ihn wegen seiner Uebersiedelung nach Lon don erhobenen Anschuldigungen eine Erklärung, daß er sich jetzt lediglich Studien halber in London aufhalte. Peters weist den Vorwnrf, daß er in englische Dienste trete, zurück und bemerkt, daß er gegen den Urheber jener grundlosen Anschuldigungen bereits Strafantrag gestellt habe. Im Hinblick auf die zwischen Rußland und D e u t s ch - land bestehenden Zolldifferenzen veröffentlicht der seine Informationen häufig aus der russischen Botschaft in Paris erhaltende „Nord" folgende Note: „Gewisse auswärtige Blätter erscheint!" — Auch auf polnischer Seite verurtheilt man die Ausschreitungen in Opalenitza. Der „Orendownik" schreibt: „Jeder vernünftige Pole, der unsere jetzt so unklaren, geradezu beklagenswerthen Verhältnisse versteht, wird über die vorge kommenen Exzesse untröstlich sein und dieselben niemals gut heißen können." Dieser Haltung stehen in häßlicher Weise der „Dziennik" und der „Kuryer" gegenüber. Ersterer bringt in großen! Druck folgende Notiz: In Sachen des in Opalenitza mit Herrn von Carnap Bvrgefallenen ziehen wir nicht nur nichts zurück, es kommen im Gegentheil jetzt noch Sachen zu Tage, deuen man fast kaum Glauben schenken kann. Die öffentliche Meinung von ganz Deutschland wird in Verwunderung gerathen, wenn wir von dem Material Gebrauch machen werden, das be züglich der amtlichen Thätigkeit des Herrn von Carnap in Wiclichowo festgestellt worden ist und das ein charakteristisches Licht auf diesen geradezu exzeptionellen Kommissar wirft. Mit diesen Beweisstücken werden wir nöthigenfalls dienen können. — Aehnlich drückt sich der „Kuryer" aus. Bei der fast unglaublichen Verlogenheit der klerikalen polnischen Presse wird man auf diese Androhung von Enthüllungen gar nichts geben dürfen. Die Sozialdemokratie setzt ihre Wühlarbeit zu Gunsten eines achtstündigen Arbeitstages fort. Bekanntlich läßt sich nicht einmal ein allgemeiner Maximalarbeitstag einseitig durch das Gesetz vom grünen Tische aus erzwingen. Wo man es versucht hat, Ivie in Oesterreich und in der Schweiz, wurde die Maximal zeit so hoch gegriffen und mit so vielen Ausnahmen von der Regel ausgestattet, daß dort thatsächlich auch keine andern Arbeits verhältnisse bestehen, wie gegenwärtig in Deutschland. Die Fest setzung der Arbeitszeit hängt eben von ganz bestimmten wirth- chaftlichen Voraussetzungen ab, und wo diese nicht gegeben sind, läßt sich weder eine Maximalzeit noch überhaupt eine Verkürzung der Arbeit willkürlich dekretiren. So ist auch der sozialdemokra tische Kampf für den achtstündigen Arbeitstag ein müßiges Be ginnen. Die Sozialdemokratie macht zwar geltend, daß eine ver kürzte Arbeitszeit die Arbeitskräfte frisch erhält, sie zu besseren und größeren Leistungen befähigt, auch der Arbeiterschaft reich lichere Gelegenheit zur Arbeit gewährt; sie weist ferner darauf hin, daß kurze Arbeitszeit den Arbeiter sittlich hebt, da sie ihm die Möglichkeit bietet, seine äußeren Bedürfnisse, insbesondere das Verlangen nach höherer Bildung, nach künstlerischen und wissen schaftlichen Genüssen zu steigern. Das Alles nimmt sich auf dem Papier und in wohl geschulter Rede vorzüglich aus. Des Lebens rauhe Wirklichkeit geht erbarmungslos über diese Hirngespinnste hinweg. Den ersten Stein des Anstoßes bietet der Umstand, daß die Arbeiter nicht nur kürzere Arbeitszeit, sondern auch höhere Löhne beansprachen. Das hat zur nothwendigen Voraussetzung, daß entweder die Preise der Waaren bedeutend erhöht werden müssen, oder daß die anderen Faktoren der Gütererzengung sich mit geringeren! Gewinn zufrieden geben. Beides ist unmöglich. ' Die deutsche Industrie vermag bekanntlich den Wettbewerb auf i dem Weltmärkte zum guten Theil nur durch billigere Preise zu t bestehen. Jede namhaftere Preissteigerung Unfällen Produktions- . gebieten muß indeß nothwendig eine allgemeine Verminderung : des Absatzes, und diese wiederum eine dauernde Einschränkung , der Gütererzengung bedingen. Eine solche aber ist gleichbedeutend mit einer Verringerung der Arbeitsgelegenheit nnd der Nachfrage sind es die Arbeiter selbst, welche den Haupt schaden davon haben: sie werden arbeitslos oder müssen sich wohl oder übel mit geringeren Löhnen begnügen. Anderseits ist aber auch eine Verringern«« des Unternchmergewinns und Kapftal- Potttische Umschau. Freiberg, den 23. September. Unser deutscher Kaiser ist mit Erfolg bemüht, gestützt auf eine ge sicherte und starke nationale Heeresmacht den Weltfrieden aufrecht zu erhalten. Wie unsäglich absurd nimmt sich diesem erhabenen Friedens fürsten gegenüber das Gebühren der zu Budapest jetzt versammelten internationalen Friedensschwärmer aus. Reden voller Phrasen und Beschlüße ohne Verbindlichkeit: was will das heut zutage bedeuten? Fürwahr, das ist der Schritt vom Erhabenen »um Lächerlichen! Hörte man einige Aussprüche der gefeierten Führerin der Friedensschwärmer, der Frau von Suttner: Bei der feierlichen Eröffnungssitzung im neuen Budapester Stadthause äußerte diese Dame nach der „Franks. Ztg.": „Wir Friedens freunde sind alle Kompatrioten, alle die Mitglieder einer Nation. Was ist denn eine Nation? Die Vereinigung derjenigen, welche durch gemeinsame Interessen, Aspirationen, Tendenzen verknüpft find. Vereinigen uns etwa nicht gemeinsame Interessen, gemein same Bestrebungen, gemeinsame Erinnerungen und gemeinsame Wünsche, sowie der gemeinsame Haß gegen Alles, was brutal und grausam ist ? Die civilisirten Menschen sind alle Kompatrioten. Es vereint sie nicht in sonderstehenden Gruppen, sondern in einen einzigen Bund die menschliche Liebe, die menschliche Würde." Der vorstehenden „packenden" Romauphrase schließt sich die folgende Stelle aus dem Trinkspruche derselben Rednerin würdig an: „Man hat mich", sagte sie u. A., „die Fnrie des Friedens genannt, weil ich mit unentwegtem Muthe und tapferer Ausdauer für mein hehres Ideal kämpfe. Nun, kch kann versichern, für den Frieden zu kämpfen, erheischt mehr Muth, als unter dem Schutze von Kanonen dem Feinde gegenüberstehen. Der Friede liegt in der menschlichen Natur: liegen Kanonen auch in der Natur des Menschen?" Diese Redeleistungen ernteten — das ist sehr bezeichnend — „dröhnenden, langanhaltenden Applaus"; schließlich ließ Professor vr. Stein „die Generale des Friedens" leben. Ja, es „ist schwer", auf solche Weise „für den Frieden zu kämpfen!" In Bezug auf die neulich von gewisser Seite behauptete Kanzlerkrisis wird der Münchener „Allg. Ztg." offiziös geschrieben, daß die wiederholten Besuche des Kaisers bei dem Oberpräsidenten in Breslau sich so harmlos wie nur irgend möglich daraus erklären, daß oer Reichskanzler während der Breslauer Kaisertage beim Oberpräsidenten gewohnt hat. Die jetzt wieder auftauchcnden Gerüchte von einem beabsichtigten Kanzlerwechsel seien durchaus nicht unschuldiger Art und ver dienten ein Wort ernstester und schärfster Zurückweisung. Mit