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Amts- M AWMbktt für den Abonnement viertelj. 1 M. 2V Ps. einschließl. des »Jllustr. Unterhaltungsbl." u. der Humor. Beilage »Seifen blasen-' in der Expedition, bei unfern Boten sowie bei allen Reichspostanstalten. Gchrk des Amtsgerichts Eibenstock und dessen Umgebung. Erscheint wöchentlich drei Mal und zwar Dienstag, Donnerstag u. Sonn abend. Jnsertionspreis: die kleinspaltige Zeile 10 Pf. Im amtlichen Theile die gespaltene Zeile 25 Ps. Verantwortlicher Redakteur, Drucker und Verleger: E. Hannebohn in Eibenstock. 45. Jahrgang. Donnerstag, den !). Juni L8S8 Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Delikatessenhändlerin «Ion» ^ckvlni» verehel. geb. Bindrich in Eibenstock ist in Folge eines von der Gemeinschuldncrin gemachten Vorschlags zu einem Zwangsvergleiche Vergleichstermin auf den 23. Juni 1898, Vormittags '12 Wr vor dem Königlichen Amtsgerichte Hierselbst anberaumt. Eibenstock, den 7. Juni 1898. Aktuar krisärivL, Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts. Bekanntmachung. Der am 15. Mai Vss. Js. fällig gewesene 2. Anlagcntermin ist bei Ver meidung der Zwangsvollstreckung nunmehr unverzüglich anher zu entrichten. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, dah am 80. Juni 1888 der 2. Land- und Landeskultnrrententermin fällig wird. Eibenstock, den 7. Juni 1898. Der Rath der Stadt. Hege. Bg. Au den Wahlen. In den ,Berl. Reuest. Nachr." ist ein Schreiben veröffent licht, mit dem der Herr Staatssekretär Graf v. PosadowSky das Ersuchen eines angesehenen Politikers um eine gutachtliche Aeußer- ung über da» bei den Wahlen zu beobachtende taktische Verfahren beantwortet hat. Die Antwort de» Herrn Staatssekretär», deren Veröffent lichung nicht ohne fein Einversländniß erfolgt sein dürfte, bildet eine Anweisung für die Ordnungsparteien, wie sie kürzer, einfacher und nachdrücklicher nicht gegeben werden kann. Sic ist von be sonderem Werth in einem Zeitpunkte der Wahlbewegung, in dem von verschiedenen Parteien immer noch mit allen Mitteln und nach allen Kräften die Einbildung bei den Wählern genährt wird, al» gelt es durch die bevorstehende Entscheidung die verfassungs mäßigen Einrichtungen gegen die angebliche Bedrohung Seiten der .Reaktion" zu schützen, während es sich doch einzig um den Schutz der nationalen Sicherheit und der nationalen Arbeit gegen über den Bestrebungen der Vorkämpfer de« Umsturzes handelt. Da» Schreiben de» Herrn Staatssekretär» hat folgenden Wortlaut: .Die bürgerlichen Parteien können über ihre Haltung bei den bevorstehenden Wahlen nicht zweifelhaft sein. Die sozial demokratische Partei hat sich nicht nur selbst in der Oefsentlichkeit al» eine revolutionäre Partei bekannt, sondern sie ist auch thal sächlich eine solche, da ihre ausgesprochenen Ziele in der Beseitig ung der bestehenden Staatsordnung sowie in der Aufhebung de» Privateigenlhums und ihre Mittel häufig in der terroristischen Beschränkung der persönlichen Freiheit der Arbeiter bestehen. Es kann nur auf theoretischem Mißverständniß, auf politischer Kurz sichtigkeit oder auch vielleicht auf Mangel an Muth beruhen, wenn diese Sachlage von mancher Seile nicht erkannt oder absichtlich verdunkelt wird. Die bürgerlichen Parteien, welche unzweifelhaft gewillt sind, die bestehende Staatsordnung aufrecht zu erhalten, haben demgemäß auch dem Deutschen Reiche gegenüber wie gegen sich selbst aus Gründen der Selbstcrhaltung die Beipflichtung, durch ihre Stellung im Wahlkampfe und ihre Bcthciligung an der Wahlhandlung der Wahl sozialdemokratischer Abgeordneter ge meinschaftlich entgegenzulreten. Wahlberechtigte, welche au» Frak- lion»rücksichten hoffnungslose Kandidaturen ausstellen oder aufrecht erhalten und damit die Wahl eine» Kandidaten der bürgerlichen Parteien in Frage stellen oder vereiteln, laufen Gefahr, die sozial demokratische Bewegung mittelbar zu unterstützen. Wer unser Vaterland vor schweren inneren Erschütterungen bewahren will, sollte deshalb seine politischen Neigungen und Abneigungen der vornehmsten politischen Pflicht unterordnen: der geschlossenen Frontstellung gegen den revolutionären Sozia- li«mu». »Zum Wohle aller Klassen der Bevölkerung muß der nächste Reichstag eine sichere Mehrheit aufweisen, welche bereit ist, die großen gemeinsamen Interessen unserer ErwerbSstände positiv zu fördern; zu dem Zwecke muß er der Regierung einen festen Rück halt bei der Vorbereitung und Entscheidung der schwierigen Fragen de« internationalen Wettbewerb» bieten und entschlossen sein, die Lage der heimischen Produktion und zwar besonder» der durch die moderne Entwickelung unzweifelhaft am meisten gefährdeten Sr- werbsstände, der Landwirthschaft und der Mittelklassen, einer vor- urlheil»frcien, durch Lehrmeinungen und politische Rücksichten nicht beeinflußten Prüfung zu unterziehen. Im Interesse der Arbeiter bevölkerung wird e« endlich der formalen Verbesserung und de» weiteren sachlichen AuSbaue» der Arbeiter-Verstcherungsgesetze un bedingt bedürfen. .Sollte keine Aussicht vorhanden sein, einem Kandidaten zum Siege zu verhelfen, welcher diese Gesammtauffassung theilt, so sollte jedensall» der Kandidat unterstützt werden, welcher dem Sozialdemokraten gcgenüberfteht. Bet der Wichtigkeit der bevor- stehenden Wahlentschewung darf kein staalStreuer Wähler an der Wahlurne fehlen, um durch die Erfüllung seiner staal»bürgerlichen Pflicht für da» politische und wirthschaftliche Wohl der staatlichen Gemeinschaft auch persönlich einzutreten." Tagesgeschichte. — Deutschland. In der Frage der Militärftraf- Prozeßresorm sprechen die »Bert. Reuest. Nachr." ihr Be dauern darüber au«, .daß man die ganze Sache sich zu einer solchen Staallasiäre hat au«wachsen lassen. Der sehr unbedeu tende eigene bayrische Militärgerichtthos würde der Einigkeit und Festigkeit de» Deutschen Reichs nicht» schaden. Manchmal ist der Stärkere auch der Klügere, wenn er nachgiebt." — Die Meldung eine» Fachblatte», daß die amerikanische Regierung die Ausfuhr frischen Schweinefleische» nach Deutschland inhibirt habe, wird von den ,N. Pol. Nachr." dahin richtig gestellt, daß die amerikanische Regierung nur die verlangte Ausstellung von Gesundheitsattesten für diese Fleischsendungen abgelehnt hat. Damit ist allerdings der Import jener Fleischien dungen bei un« unmöglich geworden. — Griechenland. Thessalien ist nunmehr von den türkischen Besatzung»truppen so gut wie ganz geräumt. Am Sonntag haben die griechischen Truppen Larissa wieder besetzt. — Spanien und Amerika. Einem Kriege ohne größere Schlachten in seinem Verlauf zu folgen, ist sehr schwierig und für Laien fast unmöglich. Aber auch dem kriegSwisssnjchaftlich Erfahrenen giebt der gegenwärtig zwischen Spanien und Nord amerika entbrannte Krieg manche Räthsel auf, deren Lösung nur dadurch etwa» erleichtert wird, daß beide Theile ohne genügende und umfassende Vorbereitungen in den Kamps gingen. Der Zwischenfall von Cavite, der durch die Gunst verschiedener Um stände zum Vortheil für die Amerikaner ausschlug, kann bei Be- urtheilung de» gegenwärtigen Stande« der Dinge um so eher au» der Betrachtung wegbleiben, al» die Amerikaner bisher diesen Sieg nicht auszunutzen vermocht haben. Aus amerikanischer Seite war die Ansicht vorherrschend, daß die strategische Lage der spa nischen Insel Portorico die Besitzergreifung von San Juan seilen der UnionSstreitkräfte gebiete, um von da in der Lage zu sein, dem Herankommen spanischer Seestrcitkräfte entgegen zu treten; auch war die» amerikanischerseit« beabsichtigt, wie au« der Unter nehmung gegen San Juan am 13. Mai hervorgcht, doch wurde sie, veranlaßt durch da« plötzliche Erscheinen der Flotte Cervera«, ausgegeben. Nun trat ein Wendepunkt von Bedeutung ein, nach dem überdies Admiral Cervera im Hafen von Santiago cinlief: der Schwerpunkt in der Kriegführung wurde von Portorico nach Santiago verlegt. In den Hafen von Santiago de Cuba war der mit seiner Flotte von Spanien herbeigeeiltc Admiral Cervera eingelaufen, ohne daß die« die Amerikaner hätten hindern können. Nun ist c« für die Amerikaner ebenso schwierig, den Eingang zum Hasen zu erzwingen, wie e» für Cervera schwierig ist, den Hafen wieder zu verlassen. Denn der Untergang de« amerika nischen Hilfskreuzer» „Merrimac" ist — wie sich jetzt glaub würdig herauSstcllt — von den Amerikanern selbst herbei geführt worden, um die Hafeneinfahrt zu versperren. Da zweimalige Vorgehen der Unionsflotte gegen Santiago kann nur al» Versuche bezeichnet werden, sich de» Hafen» ebenso zu bemächtigen, wie er Dewey seiner Zeit vor Manila glückte. Al» ernstere Unternehmungen können sie schon deswegen nicht ange sehen werden, weil der Flotte kein LandungSkorp» beigegeben war. Daß aber Flotten einem einigermaßen ernst zu nehmenden Gegner zu Lande gegenüber für sich allein auf die Dauer keine Erfolge beanspruchen können (siehe die französische Flotte in der Nord- und in der Ostsee 1870), da« ist aber den Amerikanern wohl bekannt. Wenn sie trotzdem Dewey ohne Landungstruppen gegen Manila vorgehen ließen, so geschah die» unter der Voraussetzung, daß die Aufständischen auf den Philippinen ihr fehlende» eigene» Landung»korp« ersetzen würden. Den Unternehmungen der Union»- floite am 31. v. und am 2. d. kann daher eine besondere ernste Absicht nicht zu Grunde gelegen habe». Sie fallen in da« Ge biet de« RekognoSziren«, da» manchmal nicht umgangen werden kann, wenn beispielsweise der Drang nach Thaten durchbricht, ohne zur Zeit die Mittel zur Durchführung einer entscheidenden Operation zu besitzen. Diese Mittel waren bisher der Union«- flotle versagt, indem Landungstruppen ihr nicht zur Verfügung standen. Jetzt ist e« aber den Amerikanern angeblich gelungen, 5000 Mann Truppen sowie einige Belagerungsgeschütze in der Nähe von Santiago zu landen und zu ihnen sollen bereit» 3000 Aufständische unter Garcia gestoßen sein, so daß nunmehr Santiago auch von der Landseile her erfolgreich angegriffen werden könnte. Indessen da« müßte schnell geschehen; denn e» ist bekannt, daß sich eine zweite spanische Flotte unter Admiral Camara auf dem Wege von Cadiz nach Santiago befindet und die den letzteren Hafen blokirende Flotte könnte somit leicht zwischen zwei Feuer gerathen. Daß die Amerikaner den .Merrimac" schon geopfert haben, läßt darauf schließen, daß sic mit ihren sonstigen Vor bereitungen gegen Santiago fertig sind und daß der Kamps um diesen befestigten Ort von der Land- und Seeseite her sehr bald beginnen wird. Bon den Philippinen werden abermal« Berichte verbreitet, welche die Lage der Spanier daselbst in sehr düsteren Farben schildern. Die au» amerikanischer bezw. englischer Quelle her rührenden Meldungen sind jedoch mit aller Vorsicht aufzunehmen. Nachstehend noch die darauf bezügl. telegr. Meldungen: New-Jork, 6. Juni. Nach einer dem »Evening Journal" au» Kingston zugegangenen Depesche vom heutigen Tage hätten die Amerikaner bei Punta Cabrera westlich Santiago de Cuba mindesten« 5000 Mann gelandet. Dieselben hätten sich mit etwa 3000 Aufständischen unter Garcia vereinigt. E» wird be hauptet, daß die Amerikaner nur geringen Schwierigkeiten bei der Landung begegneten, während welcher Admiral Sampson die Gehölze am Lande durch die Kanonenboote unter Feuer gehalten habe. Auch einige große Belagerungsgeschütze wären mit gelandet worden. Madrid, 6. Juni. Dem .Jmparcial" wird au» Santiago de Cuba gemeldet: Da» au» 20 Schiffen bestehende amerikanische Geschwader begann am Sonnabend Abend 10 Uhr da» Bombar dement wieder; dasselbe dauerte 45 Minuten, doch erreichten die Geschosse die Batterien nicht, welche deshalb auch garnicht ant worteten. Köln, 7. Juni. Der .Köln. Ztg." wird über Madrid au» Havana gemeldet: Am gestrigen Tage bombardirten die Ameri kaner neuerding» drei Stunden lang die Hafenfort» von Santiago, augenscheinlich, um die Aufmerksamkeit der Spanier von den LandungSvcrsuchen abzulenken. Gleichzeitig hatte Oberst Alden ein Gefecht gegen eine Freischaar, die die Ausschiffung von Ameri kanern an der Küste von Santiago zu unterstützen suchte. Zwei feindliche Panzer beschützten diese« Unternehmen. Einzelheiten fehlen, wa« Beunruhigung veranlaßt. New-Jork, 7. Juni. Heute cingegangene Nachrichten be stätigen die gestrige Meldung von der gleichzeitigen Beschießung der Fort» von Santiago durch die Amerikaner und dem Angriff der Aufständischen zu Lande. Die Garnison habe schwere Verluste erlitten; die Befestigungen seien stark beschädigt. Fünf spanische Osfiziere seien gefallen. E» verlautet, der Kreuzer „Maria The resa" sei gesunken. Eine Abthcilung Amerikaner landete gestern in der Nähe von DaSguiri, östlich von Aguadonc», und hatte in der Nähe der nach Santiago führenden Eisenbahn mit den Spa niern ein siegreiche» Gefecht. — Einer Meldung au« Havana vom 6. d. M. zufolge behaupten die Spanier, gestern zwei An griffe der Amerikaner auf Santiago zurückgewiesen zu haben. Marschall Blanco beglückwünschte den Kommandanten von Santiago. London, 7. Juni. Authentischen Meldungen zufolge sind die Nachrichten von der Landung amerikanischer Truppen in der Nähe von Santiago erfunden. Bisher haben noch keine Truppen transporte Tampa verlassen. Washington, 6. Juni. Wie verlautet, benachrichtigte Admiral Dewey da» Marine-Departement davon, daß in der Provinz Cavite die Spanier wiederholt von den Aufständischen geschlagen wurden. Fünfzig spanische Offiziere und 1800 Mann seien gefangen genommen worden. Da» Arsenal von Cavite wäre zur Ausnahme der amerikanischen Truppen bereit. Hongkong, 6. Juni. Da» britische Kanonenboot .Swift", welche» hier von Manila eingelroffcn ist, bringt die Nachricht, die Aufständischen hätten die Eisenbahnen außerhalb der Stadt aufgerissen und seien aus 4 Meilen an Manila herangerückt. Ein spanische» Regiment habe gemeutert und seine Offiziere erschossen. E« fänden häufig Kämpfe zwischen den Aufständischen und den Spaniern statt. Die Ersteren hätten lOOO Gefangene nach Cavite gebracht. Die Amerikaner sollen die Aufständischen mit Schncll- scuerzeschützen unterstützt haben. Priester, welche die Aufständischen gefangen genommen hatten, sollen von ihnen furchtbar mißhan delt sein. Locale und sächsische Nachrichten. — Dresden. Bon einem Kunstfreunde ist zur Hebung der Freskomalerei eine Stiftung errichtet worden, deren jährliche Zinsen 3000 Mark betragen. Mit deren Hülfe sollen in jedem Jahre in den Wohnräumen de« Hause» eine» Kunstfreunde» ein oder mehrere Bilder in Freskomalerei au»geführt werden, zu denen der betreffende Besitzer selbst den DarstellungSgcgenstand zu bestimmen hat. Die Akademien zu München, Berlin, Düssel dorf, Karlsruhe und Dresden haben ihre im jährlichen Wechsel erfolgend« Mitwirkung zur Durchführung der Stiftung für einen bestimmten Bezirk zugesagt. — In diesem Jahre trifft die Reihe hierzu die Köntgl. Sächs. Kunstakademie zu Drc»den. Kunstfreunde, welche im Königreiche Sachsen oder in den thüringischen Herzog- thümern oder in dem Herzogthume Anhalt oder Braunschweig oder endlich in den Fürstenthümern Reuß ein Hau» besitzen, wo rin sie einen Raum durch Fre«komalerei geschmückt haben möchten,