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Amts- ick AWkckktt für den Abonnement viertelj. 1 M. 20 Pf. cinschließl. des .Jllustr. Unterhaltungsbl." u. der Humor. Beilage ,Seifen blasen' in der Expedition, bei unfern Boten sowie bei allen Reichspostanstalten. Wrk des Amtsgerichts Eibenstock und dessen Umgebung. Erscheint wöchentlich drei Mal und zwar Dienstag, Donnerstag u. Sonn abend. Jnsertionsprcis: die kleinspalnge Zeile 10 Ps. Im amtlichen Theile die gespaltene Zeile 25 Pf. L8«8 111 Dienstag, den 20. September Verantwortlicher Redakteur, Drucker und Verleger: E. Hannebohn in Eibenstock. >—>-> - 45. Jahrgang. Grledigt der gegen den Fabrikarbeiter Llelnni-et <inrt t.eorxl in Eibenstock am 24. Mai 1898 erlassene Steckbrief. Eibenstock, den 17. September 1898. Königliches Amtsgericht. Ehrig. Hßnr. Zwangsversteigerung. Das im Grundbuche auf den Namen Lleeetl Ittrtenrck «eorixt eingetragene Grund stück, bestehend aus Wohnhaus und Feld, Folium 259 des Grundbuchs, Nr. 269 des Brand katasters, Nr. 229 Abth. -4 und 1252 Abth. L des Flurbuchs für Eibenstock, nach den, Flurbuche — brr 34,s n Fläche enthaltend, mit 91,»» Steuereinheiten belegt, geschätzt auf 12,800 Mk., soll im hiesigen Amtsgerichte zwangsweise versteigert werden und es ist der 27. Hktover 1898, Vormittags 11 Mr als Anmeldetermin, f""" Aovemver 1898, Vormittags 11 Mr als Versteigerungstermin, der 25. November 1898, Vormittags 11 Mr als Termin zu Verkündung des Bertheilnngsplans anberaumt worden. Die Nealberechtigten werden aufgefordert, die auf dem Grundstücke lastenden Rück stände an iviederkehrenden Leistungen, sowie Kostenforderungcn, spätestens im Anmelde termine anzumelden. Eine Uebersicht der aus dem Grundstücke lastenden Ansprüche und ihres Rangverhält nisses kann nach dem Anmeldetermine in der Gcrichtsschreiberci des unterzeichneten Amts gerichts cingesehen werden. Eibenstock, am 15. September 1898. Königliches Amtsgericht. I. V.: »r. Würfel, Ass. Fr. Bekanntmachung. Im dritten Vierteljahr 1898 sind eingegangen: n) vom Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen die Nummern 5 bis 10, l>) vom Reichsgesetzblatt die Nummern 28 bis 37. Diese Gesetzblätter, deren Inhalt aus den im Eingänge des Rathhauses befindlichen Anschlägen ersichtlich ist, liegen 14 Tage lang zur Einsichtnahme an Rathsstelle aus. Eibenstock, den 16. September 1898. Der Rath der Stadt. Hesse. Müller. Der Anarchismus in Italien. Italien stellt für die Kolonne der Attentäter eine starke Mannschaft. Von Orsini bis Eascrio und Luccheni bewahrt uns lraurigcrweisc die Tagcsgcschichte zahlreiche Namen, deren Träger aus Italien stammen. Dort hat der Anarchismus seine begei stertsten, fanatischsten Anhänger, die der Russe Bakunin im Jahre 1868 zu einem Bunde zusammenfaßte: Internationale Allianz der Sozialdemokratie, den er dem Marxschen Internationalen Arbeiterbund gegenübcrftellte. Der ursprüngliche Anarchismus war einfach eine verrückte Idee, wie so manche andere. Erst die politischen Verhältnisse des damaligen Italien bereicherten da« Programm der Partei um die .Propaganda der Thal", die sich anfänglich in allerlei Aufstands versuchen gegen die bestehenden Gewalten äußerte. Durch diese ist der heutige Einheitsstaat Italien mit befördert worden; später aber wurden die Mitbegründer der Regierung sehr unbequem und im Jahre 1877 begann man, mit der äußersten Strenge gegen die Anarchisten in Italien vorzugehen. Damals befand sich die anarchistische Organisation schon in ihrem zweiten Stadium. Bis zum Jahre 1874 unterschieden sich die anarchistischen Gruppen nicht wesentlich von anderen politischen Vereinen. Sic waren polizeilich angcmeldet, hatten ihren Präsi denten, ihren Kassirer, ihre regelmäßigen Versammlungen und Kongresse. Die Behörden ließen sic gewähren. Man zählte da mals etwa 160 anarchistische Gruppen in Italien. Aber im Jahre 1874, aus dem Anarchisten-Kongreß in Brüssel, erklärten die italienischen Delegirtcn, daß da« revolutionäre Italien eine Or ganisation in Gehcimbündcn dem bisherigen Vcrcinsleben vorziehe. Die alte italienische Art der Verschwörungen und lichtscheuen Zetteleien trug also in Italien den Sieg über da« moderne poli tische VereinSlcben davon. Die italienische Regierung schritt nunmehr sogleich zur Auflösung de« Anarchistcnklub«. Man be- ichlagnahmtc die Papiere, verhaftete die Vorstandsmitglieder und nach wenigen Wochen war von einer anarchistischen Organisation in Italien nicht« mehr sichtbar. Die Folge davon war die Bildung eine« anarchistischen GehcimbundeS nach dem Muster der früheren Earbonari. Die italienische Staatspolizei war auf dem Posten, aber es gelang ihr nicht, diesen Bund völlig zu sprengen. Da« war erst der Fall, nachdem 1878 Passavante den König Humbert durch einen Dolchstich verwundet. Im Jahre 1889 war, nach dem Eingc- ständniß der Anarchisten Malatesta und Pini, von einer Organi sation der italienischen Anarchisten keine Spur mehr vorhanden, aber diese beiden fanden Mittel und Wege zur Verständigung der versprengten Anarchisten untereinander und zur Ermöglichung gemeinsamen Handelns. Vittorio Pini au« Reggio-Emilia ver schaffte die Mittel durch Diebstahl. Er hat etwa 300,000 Lira gestohlen, von denen er nicht« für seinen persönlichen Bedarf verwendete. Im Jahre 1889 wurde er zu 20 Jahr Zuchthaus rerurthcilt. Mit dem Ertrag seiner Diebstähle wurde e« ihm und Malatesta möglich, einige ihrer vertrautesten Genossen nach Italien zu schicken und dort autonome Anarchistengruppcn zu bilden. Wa« einem Berliner Blatt über die Zusammensetzung und Wirksamkeit dieser Gruppc^ierichtet wird, klingt romantisch, findet seine Erklärung aber in der südlichen Leidenschaftlichkeit und Ver anlagung. Wenn ein Anarchist Jemand erdolcht, so folgt er seinem eigenen Antriebe. Braucht er zu seinem Verbrechen der Hilfe eine« oder mehrerer Genossen, so geht er sie darum an, hat aber keinen Anspruch auf diese Hilfe. Die Genossen können sich entscheiden, wie er ihnen beliebt. Bei der Ruhelosigkeit der Anarchisten, die in ihrer Vcrbrechernatur begründet liegt, find die lokalen Gruppen in beständiger Auflösung und Neubildung be griffen. Durch da? Vagabondiren der einzelnen Genossen wird aber aus der andern Seite eine beständige Verbindung zwischen den verschiedenen Gruppen geschaffen. Bei der Zulassung von neuen Genossen läßt man die erdenklichste Vorsicht obwalten. Männer, die schon ein gewisses Alter, etwa vierzig Jahre, erreicht haben, nimmt man überhaupt nicht mehr als Genosse an. Am liebsten rekrutircn sich die Gruppen aus jungen, unreisen Burschen, für die ein erprobter älterer Genosse bürgt. Die Polizei steht dieser Organisation der Anarchisten nahezu machtlos gegenüber. Wie will man einen Gcheimbund zerstören, dessen Mitglieder durch kein äußerliches Band, sondern einzig und allein durch ihren fanatischen Geist der Solidarität zusammcn- gehalten werden? Tagesgeschichte. — Deutschland. Als Eröffnungstag der nächsten ReichStagSscssion wird von verschiedenen Zeitungen der 29. November in Aussicht gestellt. Ob aber schon jetzt ein be stimmter Termin wirklich festgesetzt ist, dürfte wohl fraglich sein. Die Kombination für den 29. "November hat indessen viel Wahr scheinlichkeit für sich, denn die Eröffnung de« Reichstages erfolgt erfahrungsgemäß stets an einem Dienstag, und das genannte Datum fällt in der That auf den letzten Dienstag des November. Der nächste Dienstag fällt auf den 6. Dezember, da aber zwei Tage daraus ein katholischer Feiertag ist, so dürfte dieses Datum für den Beginn der Parlamentsarbeiten nicht geeignet sein, da der Reichstag dann vor Weihnachten nicht viel länger al« eine Woche beisammen bleiben könnte. — Zur Anarchistcn-Fragc sagt die „Köln. Ztg.", als unmittelbar ausführbar sei eigentlich nur der Vorschlag anerkannt worden, daß alle Staaten sich der nicht staatsangehörigcn Anar chisten entledigen sollen. Einzelne Länder, wie Belgien und die Schweiz, scheinen diesen Weg sofort cinschlagcn zu wollen, indeß liegen bestimmte Beschlüsse von keinem Staate vor. Rein akade mischen Charakter tragen jene Erörterungen, die den Anarchismus auf dem Wege der sogenannte» Vcrchristlichung der Schulen und der Beschneidung der Lehrfreiheit der Universitäten bekämpfen wollen. -- Am Sonnabend, am BcisetzungStagc der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, hatten die sämmtlichcn Reichs-und Staatsgebäude in Preußen sowie die im Dienst befindlichen Kriegs schiffe aus Allerhöchsten Befehl die Flagge Halbstock gesetzt. — Die Nachricht, daß auf den Großhcrzog von Baden während de« Manövers ein Attentat verübt sei, war am Frei tag in Karlsruhe verbreitet. Genaueste Erkundigungen ergaben jedoch, daß diese« Gerücht sich nicht bestätigt. — Oesterreich-Ungarn. Wien, 17. Septbr. Unter schmerzlicher Theilnahmc von Hundcrttausendcn fand bei herrlichem Sonnenschein die Leichenfeier für die Kaiserin statt. In der Kapuzinerkirche harrten die Traucrgäste der Ankunst de« Sarge«, der nach altem Zeremoniell von keinem Mitgliede de» Kaiser hauses in die Kirche begleitet wird. Der Kaiser Franz Joseph wandte während der Zeremonie sein schmerzbcwegte« Antlitz nicht vom Sarge, keinen Augenblick war er in seiner standhaften männ lichen Haltung erschüttert. Al- die Leiche bei dem Kaiser Wil helm vorübergctragen wurde, verbeugte er sich tief mit ergreifen dem Ausdruck ernster Rührung. Nach Beendigung der Zeremonie begaben sich Ihre Majestäten Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joseph in einem Wagen gemeinsam zur Hofburg. — Anläßlich der Bestattung der Kaiserin waren alle Bureau», Geschäfte und Werkstätten in der Umgebung der Straßen, durch weiche der Trauerzug fuhr, fast ausnahmslos weit hinau« bi« in die ent ferntesten Stadttheile, geschlossen. Di» Arbeiten der Wicnfluß- Regulirung wurden eingestellt. Strahlender Sonnenschein goß sich über die trauergeschmückte Stadt au«. Vor der Albrechtstraße war eine große schwarzvcrhäugtc Tribüne errichtet. Alle Fenster läng« de« Wege«, welchen der Trauerzug nahm, waren dicht besetzt. Trotz de« lebensgefährlichen Gedränge« herrschte überall musterhafte Ordnung, und cS ereignete sich kein ernsterer Zwischen fall. Nach beendeter Trauer-Zeremonie löste sich langsam der in der Straße zusammcngcdrängte Mcnschenknäucl auf. Die Truppen rückten in die Kasernen ab. — Frankreich. Der französische Ministcrrath hat am Sonnabend vorbereitende Schritte zur Revision des Pro zesses Drehfu« beschlossen. Zur Sache liegen weiter folgende Nachrichten vor: Paris, 17. September. Der Ministcrrath ermächtigte den gustizminister, im Hinblick aus die Revision de« Prozesses Drehfu» die im Justizministerium bestehende Kommission cinzubcrufcn. Paris, 17. September, lieber den heutigen Ministcrrath wurde folgende offizielle Note auSgcgebcn: Der Justizministcr setzte die Thatsachcn auseinander, die sich für ihn au» der von ihm vorgenommenen Prüfung der DrehfuS-Aktcn ergeben haben. Er legte dar, daß er nach dem Wortlaute de« Artikel» 444 der Strafgesetzordnung nicht berechtigt sei, über die an ihn auf Grund de« K 4 de« Artikel« 442 gerichteten RcvisionSgesuchc Beschluß zu fassen, bevor die durch da« Gesetz im Justizministerium be stehende Kommission ihr Gutachten abgegeben habe. Der Ministcr rath ermächtigte hierauf den Justizminister, diese Kommission zusammenzurufen. Um l Uhr war der Ministerrath beendet. Paris, 17. September. General Zurlinden richtete folgen des Schreiben an Brisson: „Ich habe die Ehre, Sie zu bitte», meine Demission al« KricgSminister cntgegcnzunehmcn. Ein gründliche« Studium der DrehsuS-Akten hat mich zu sehr von der Schuld de« Genannten überzeugt, als daß ich al« Armee kommandant mich mit irgend einer anderen Lösung der Frage als mit der völligen Aufrechterhaltung de« gefällten UrthcilS- spruchc» einverstanden erklären könnte." Pari«, 17. September. General Chanoinc, Kommandeur der ersten Division, ist zum Kriegsminister und der Senator für Französisch-Indien, Godin, zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt worden. Pari«, 17. September. Die Kommission des Justizmini steriums, welche sich gutachtlich über den Antrag auf Revision de« DrehfuS-ProzesscS zu äußern hat, tritt am nächsten Mittwoch Vorinittag zusammen unv wird dann dis Prüfung de« Aktenstücke« in Sachen Drehfu« beginnen. — Schweiz. Wie an« Bern geschrieben wird, mehren sich dort die Stimmen, welche ein energische« und rücksichtslose« Einschreiten gegen die Anarchisten sordern. Man kennt die Schweizer garnicht wieder, sie sind Feuer und Flamme, wäh rend sie früher bei ähnlichen Gelegenheiten stets ihr Asylrecht in« Treffen führten. Nicht zum wenigsten zu dieser Stimmung hat der Umstand beigetragcn, daß da» Opfer de« Mordbuben eine vom Schicksal schwer gcprüstc kranke Frau war. Dadurch ist die ganze Frauenwelt in ihrem tiesinnersten Empfinden getroffen und da hier mehr wie anderwärts die Stimmen der Frauen in» Gewicht fallen, so dürste die oben geschilderte Stimmung nicht zum geringsten Theil daraus abzuletten sein. E« kommt aber anch noch ein anderer Umstand dazu. Die Schweizer sind be kanntlich gute Rechner, und die Bcsorgniß, daß in Zukunft fürst liche und vornehme Leute da« Land meiden könnten, spielt auch eine Rolle. Wenn c« auch natürlich in den dortigen Blättern nicht ausgesprochen wird, gedacht wird c« jedenfalls laut. Wie dem auch sein möge, die Bewegung für ein scharfe», rücksichtslose« Einschreiten gegen die Mordgescllcu ist im Wachsen und man kann nur wünschen und hoffen, daß sie nicht wieder einschlase, wenn erst die Gemüther sich einigermaßen beruhigt haben werden. — Türkei. Die erste halbe Ablehnung de« russi schen Abrüstung«vorschlage« dürfte von der Psortc au«-