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2582 Kaiser ihn ausdrücklich beauftragt habe, allen Teilen bie vollste Zufriedenheit über den Verlauf des zwei lagigen Manövers auszusprechen. Er sei besonders erfreut gewesen, eine so vorzügliche Gefechtsausbildung der In fanterie vorzufinden, deren Angriffe unter Ausnutzung aller Geländevorteile in mustergültiger Weise ausgeführt worden seien. — D Der Konservative Landesverein im Königreiche Sachsen trat gestern im Ständehause zu einer vertraulichen Sitzung zusammen, der auch die in Sachsen ausgestellten konservativen Kandidaten beiwohnten. Die Versammlung beschäftigte sich in der Hauptsache mit den bevorstehenden Landtagswahlen, für welche eine leb hafte Agitation entfaltet werden soll. Im Anschluß an eine Besprechung der Verhältnisse in sämtlichen Wahlkreisen stellte die Versammlung fest, daß voraussichtlich die Konser vativen wieder die stärkste Fraktion im neuen Landtage bilden werden. An zweiter Stelle dürften die Sozialdemo kraten und an dritter Stelle die Nationalliberalen stehen. Voraussichtlich wird man mit za. 40 Stichwahlen und über 20 sozialdemokratischen Mandaten rechnen muffen. Die Versammlung sprach zum Schluffe dem nicht anwesenden Wirk!. Geh. Rat vr. Mehnert den Dank des Landesvcreins für seine langjährige aufopferungsvolle Tätigkeit aus. Mit besonderer Freude wurde es begrüßt, daß Or. Mehnert seine führende Stellung im Landesverein beibehaltcn wolle. — Der Präsident der Zweiten Kammer, Wirkl. Geh. Hosrat vr. Mehnert, hat dem Vorsitzenden des Wahl- komitces seines bisherigen Wahlkreises erklärt, ein Man dat nicht wieder zu übernehmen. Mit Exzellenz vr. Mehnert scheidet eine der interessantesten und populär sten Persönlichkeiten aus der Zweiten Kammer. Seit 24 Jahren, so schreibt der „Dr. Anz.", vertrat er dort den 27. ländlichen Wahlkreis, aber in dem letzten Jahrzehnt gehörte er in so hohem Grade mit seiner ganzen, nicht ge ringen Arbeitskraft, seinen erprobten politischen Fähig keiten der gesamten Kammer an, daß man von der Ver tretung eines einzelnen Wahlkreises kaum noch sprechen konnte. Viele, die sonst mit den Verhältnissen im Stände haus wohl vertraut sind, wußten kaum, wer seine Wähler waren. Seit dem Jahre 1809 wurde er zum ersten Male als Nachfolger seines Schwiegervaters, des Geh. Rates Ackermann, zum Präsidenten gewählt, und er hat dieses Amt seitdem ununterbrochen in einer Weise geführt, die in der Kammer selbst und bei der Regierung lange Zeit nicht vergessen werden wirb. Er beherrschte die Geschäfte des Direktoriums geradezu glänzend, und man kann fast sagen, daß neben dieser Eigenschaft seine nie versagende persönliche Liebenswürdigkeit und sein hervorragendes Geschick, in schwierigen Situationen durch vorsichtige Ver mittelung schroffe Gegensätze zu beseitigen und tiefe Kluften zu überbrücken, ihn geradezu als geborenen Präsidenten erscheinen ließen. Er hat, als ausgesprochener Partci- Politiker, viele Gegner gehabt, aber auch diese wurden gar oft durch die erwähnten Eigenschaften entwaffnet, und jedenfalls hat der persönliche Verkehr durch die zeitweise recht scharfen sachlichen Differenzen nur selten gelitten. Durch Vr. Mehnerts Verzicht aus eine Wiederwahl wird außer dem Präsidentenstuhl auch das Amt eines Vorsitzen den des Landtagsansschusses zur Verwaltung der Staats schulden frei, während vr. Mehnert, der sich ja, wie man hört, nicht ganz vom öffentlichen Leben zurückziehen will, wahrscheinlich Mitglied des Stiftungsrates der Königin Carola - Gcdächtnisstiftnng bleiben wird. Jedenfalls wird man in der kommenden Session, die so viele neue Abgeord nete bringen muß, wie keine ihrer Vorgänger, die Arbeits kraft und Geschäftsgewandtheit des ehemaligen Präsidenten gar oft vermissen. Die Presse, der gegenüber er seine ange nehmen persönlichen Eigenschaften während der Sessionen fast täglich durch freundliches Eingehen auf die Wünsche der Mitglieder der Journalistentribüne und durch Rücksicht nahme ans ihre nicht immer leichte Tätigkeit bewies, kann nur wünschen, daß sein Nachfolger das wichtige Amt ihr gegenüber in ähnlicher Weise verwaltet. — Im Verlag von C. Heinrich, Dr«sdcn-N., gelangte soeben der von Obersekrctär der Königlichen Amtshaupt mannschaft Drcsbcn-A., O. Ludwig, bearbeitete Amts kalen der für Ortsbehördcn, Standesämter und sonstige Verwaltungsstellen im Königreich Sachsen auf das Jahr 1910 (Preis geb. 1,80 ./() zur Ausgabe. Aus dem reichen Inhalt des Kalenders sind besonders neben dem Fristsachen- Kalendcr hcrvorzuheben: die Zusammenstellung der wesent lichsten Bestimmungen ans dem neuen sächsischen Wahlgesetz, Erläuterungen zum neuen Forst- und Feldstrafgesetz und zum Gesetz über die Fürsorgeerziehung, desgleichen Verord nungen zum Stcmpelstcnergesetz, die neuen Bestimmungen über die Verhältnisse der Fabrikarbeiter usw., sowie eine Zusammenstellung der neuerdn Aenberungen des Unter- ftützungswohnsitzgesctzes, außerdem verschiedenes aus Ver ordnungen und Entscheidungen für Standesbeamte und Krankenkassenverwaltungen. Der Kalender stellt in seiner neuen Gestaltung ein wertvolles, unentbehrliches Nach- schlagcbuch für alle Kommunalbehördcn dar und kann zur Anschaffung wärmstens empfohlen werden. Gröba, 23. September. Einen für die weitere Ent wickelung des hiesigen Ortes wichtigen Beschluß hat der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung gefaßt. Nach eingehendem Bericht durch die Wohnungskommission, in welchem die in Gröba herrschende Wohnungsnot und die Mittel und Wege zur Behebung derselben in anschaulichster Weise geschildert wurden, ist nach längerer Debatte be schlossen worden, 43 OVO Quadratmeter Areal für den Preis von 88 622 ./k zu W o h n h a u s b a u t e n aufzukaufen, dieses Gelände durch Ausbauung der Fahrbahn der Straße 0 auf- zuschlicßcn und das in den Besitz der Gemeinde übergehende Land zum Selbstkostenpreis zu Bauzwecken wieder abzu geben unter gänzlicher Ausschließung der Spekulation. Weiter soll die private Bautätigkeit unterstützt werden durch gänzlichen Wegfall der bisher geforderten Kaution für Schleusen-, Fußweg- und Stratzcnausbau, und schließlich sollen den Bauenden verfügbare Mittel aus der Sparkasse, auch bereits während des Baues, je nach dem Fortschreiten desselben, gegen Sicherheitshypothek leihweise abgelaffen werden. Ueber die Aufnahme der Geldmittel und die sonsti gen noch zu unternehmenden Schritte wird in späteren Sitzungen beraten' werden. Die Gründung einer Bau genossenschaft soll zunächst in einer öffentlichen Versamm lung vorberaten werden. Döbeln, 23. September. Für den 27. ländlichen Wahl kreis (Döbeln-Flöha-Land) wurde von liberaler Seite Stadtverordneter Heinrich Beck-Dresden als Kandidat ausgestellt. Der Wahlkreis war bisher vertreten durö Wirkl. Geh. Rat vr. Mehnert. Leipzig 23. September. Se. Maj der König hat dem Rektor der Nikolaischule in Leipzig, Oberstudienrat Prof, vr. pbil. Carl Heinrich Otto Kümmel anläßlich seines Uebertritts in den Ruhestand den Titel und Rang als „Ge heimer Studienrat" in -er 3. Klaffe der Hofrangordnung verliehen. Rochlitz, 23. September. Eine Vertrauensmänner- Versammlung der Mittelstands-Vereinigung aus dem 13. städtischen Wahlkreise (Rochlitz-Burgstädt) stellte als Kaudi daten der wirtschaftlichen Vereinigung Oberamtsrichter Ebertin Burgstädt auf. Die Neuaufstellung war erforder lich, weil Stadtrat Liebau-Rochlitz aus Gesundheitsrücksichten von -er Kandidatur zurückgetretcn war. Ebert, der eben falls von den Konservativen und Reformern unterstützt wird, steht völlig aus dem Boden des Mittelstands-Pro gramms. Plauen, 23. September. Kommerzienrat Neid hardt, Präsident der Handelskammer Plauen, hat nicht nur den Vorsitz der Handelskammer niedergelegt, sondern auch seinen Austrittausder Kammer erklärt. Kom merzienrat Neidhardt-Reichenbach steht im 72. Lebensjahre und gehörte der Handelskammer Plauen 31 Jahre lang un unterbrochen an. Er hat seinerzeit auch die Wiederannahme einer nationalliberalen Landtagskandidatur abgclehnt. Plauen, 23. September. Die Einwohnerzahl Plauens, die seit Monaten beständig zurückging, ist gegen wärtig im Zunehmen begriffen. Jetzt ist die Bcvölkcrungs- ziffer wieder auf 119 352 gestiegen. Berlin, 23. September. Seine Majestät der Kaiser Mt geruht, den nachbenannten Offizieren usw. die Erlaub nis zur Anlegung der ihnen verliehenen nichtpreußischen Orden zu erteilen, und zwar der Chilenischen Verdienst medaille in Gold dem General der Infanterie v. Pritt witz und Gafsron, kommandierendem General des 16. Armeekorps, und dem Generalleutnant z. D. Kügler zu Freiburg i. V.: der Großherrlich Türkischen goldenen Liakat medaille dem Gefreiten Freiherr« v. M a r s ch a l l im 2. Ba dischen Dragoner-Regiment Nr. 21, sowie des Sterns zum Kaiserlich Russischen St. Stanislausordcn 2. Klasse dem Kapitän zur See T r u m m l e r. — Der französische Botschafter Jules Cambon hat Berlin verlassen. Während seiner Abwesenheit führt der Botschaftssekretär L- Hermite die Geschäfte der Bot schaft. -- Ueber die diesjährigen Kaisermanöver schreibt die „Daily Mail": „Es war ein großartiges Erlebnis. Wir haben 125 000 Mann im Kampfe gesehen auf einem Schlachtfeld so groß wie die ganze Grafschaft Sussex. Was es bedeutet, solche riesigen Truppenmassen zu führen, will ich versuchen, in späteren Artikeln zu erklären. 125 000 Mann waren hier, und ich habe nicht einen einzigen be trunkenen Soldaten gesehen, nicht einen einzigen Fall von schlechtem Betragen kann ich anftthrcn. Es gab keine Un- glttcksfälle, selbst von Krankheitsfällen hörte man sehr wenig. Die Städte und Dörfer blieben nachts so ruhig wie am Tage, als sei gar nichts Ungewöhnliches im Gange. Diese Tatsachen reden Bücher für die tadellose Disziplin in der d e u t s ch e n A r m e c. Sie sprechen aber auch für di« Intelligenz und die angeborene Tüchtigkeit des deutschen Volkes." Kiel, 23. September. Die Steigerung der Größe der Linienschiffe, die Vermehrung der Geschütze und die Er weiterung der Maschinenanlagcn nötigen zu einer Er höhung des B e s a tz u n g s e ta t s. Der von Typ zu Typ zunehmende Gefechtswert bedingt aber keineswegs eine im gleichen Verhältnis steigende Inanspruchnahme des Per sonalbestandes. Die „Brandenburg"-Schifte von 10 000 Tonnen erfordern je 579 Mann Besatzung, die 13 200 Tonnen großen „Deutschland"-Schiffc 729 Mann. Trotz der Dcplace- mentssteigernng nm 3200 Tonnen fand also nur eine Ver mehrung um 150 Mann statt. Betrachtet man die neuen, demnächst in Dienst stellenden Schifte der „Nassau"-Klasse, die 18 500 Tonnen groß werden und eine Besatzung von 860 Mann erhalten, so ergibt sich im Vergleich mit den „Deutschland"-Schiffen eine Steigerung des Deplacements um 5300 Tonnen, der eine Personalvcrmehrung von nur 131 Mann gegenüber steht. Jahrzehntelang hatte das frühere Panzerschiff „König Wilhelm" trotz seines Deplace ments von nur 9757 Tonnen den Ruhm, die stärkste Be satzung zu haben, nämlich 732 Mann. Die „Deutschland"- Klaffe hat ungefähr die gleiche Besatzung wie dieser einst vielgcrühmte Panzer, und dabei sind ihre Schiffe um über 3400 Tonnen größer, artilleristisch unendlich stärker und in der Maschinenkraft ihm vielfach überlegen. Die Größe der neuen „Siegfried"-Schisfe ist noch nicht bekannt, aber man weiß, daß sie eine Besatzung von rund 1000 Mann erhalten. Hamburg, 23. September. Der Staatssekretär des Reichskolonialamts Dernburg hat, wie angckündigt, heute in Begleitung des Regierungsrats vr. Busse auf dem Dampfer „Cleveland" der Hamburg-Amerika-Linie die Reise nach den Vereinigten Staaten angetreten. Die hier vorhergegangene gesellige Zusammenkunft, der sich auch ver schiedene Mitglieder des Senats sowie der preußische Ge sandte Graf Götzen angeschloffen hatten, fand gestern im Hanse des Herrn Max Warburg statt. Der Staatssekretär gab dabei den hamburgischen Kaufleuten eine außerordent lich fesselnde, eingehende Darlegung seiner Ansichten über bie Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Kolonien und die Mittel, durch die man sie zur Verwirklichung bringen könnte, und nahm besonders Bezug auf die Zwecke seiner bevorstehenden Reise, die für bie weitere Entwickelung der Produktionsfähigkeit unserer Kolonien von großerBcdeutung sein könne. Im allgemeinen betonte Exzellenz Dernburg, was mit besonders freudiger Zustimmung ausgenommen wurde, daß er auch weiterhin bei der Führung seines ver antwortlichen Amtes sich kaufmännische Grund sätze zur Richtschnur nehmen werde. H a l l e a. S., 23. September. Die konservative „Hallefche Zeitung" kündig» an, daß der hiesige konservative Verein für die Reichstagsersatzwahl zweifellos die Losung ausgeben wird, für den liberalen Kandidaten Reimann mit einzutreten. Voraussetzung sei allerdings, daß Rei mann sich zu rücksichtslosem Kampfe gegen die Sozialdemo kratie verpflichte. Kassel, 23. September. Dem Kasseler KorpS- manöver wird diesmal in Militärkreisen eine erhöhte Bedeutung beigemeffcn. Eingetrosfen sind Generalinspek teur der Artillerie v. Dulitz, der Inspekteur der Fuß- artillerie General v. Lauter und der Kommandeur der Feldartillerie-Schießschule von Jüterbogk, Generalleutnant Keppenbeil. Braunschweig, 24. September. Neber die Begeg nung des Kaisers mit dem Sohne des Cumberlän- ders in München veröffentlicht die „Braunschw. Landes- Ltg." folgende nähere Mitteilungen: Die Vorstellung des Herzogs Ernst August (einen „Prinzen", wie der Herzog jetzt meist bezeichnet wird, gibt es im Hause Braunschweig- Lüneburg nicht, sondern alle Agnaten führen den Titel „Her zog") während der Anwesenheit des Kaisers in München war schon seit längerer Zeit bestimmt worden. Bon Berlin war aus die Münchener Anfrage eine überaus höfliche un entgegenkommende Antwort gegeben worden. Für die Vor stellung -es Herzogs Ernst war diesmal eine besonders glückliche Form insofern gefunden worden, als eine mili tärische Meldung des jungen Offiziers vor dem ober sten Kriegsherrn den Bestimmungen und Herkömmlichkeiten gemäß notwendig war. Um so mehr fiel auf, wie der Kaiser diesem offiziellen Akte durch seine spontane Liebenswürdig keit alle Steifheit und Beengung nahm. Elberfeld, 23. September. In einer vom Zentral verband -er Handlungsgehilfen Deutschlands hier abgehal tenen öffentlichen Versammlung, in der auch die Triolen- Affärc Schacks kritisiert wurde, hat der Vorsitzende deS Elberfelder deutsch-nationalen Handlungsgchilfenverbandes erklärt, den Wahrheitsbeweis vor Gericht antreten zu kön nen, daß ein sozialdemokratischer Rcichstagsabge- ordnetcr — es wurde auch der Name eines rheinischen Ab geordneten genannt — ähnliche Dinge begangen habe. Die sozialdemokratische Parteileitung sei davon unter richtet, Bebel habe jedoch ein Einschreiten für unnötig er klärt, so lange die Angelegenheit nicht öffentlich bekannt sei und nicht ein Druck durch die bürgerliche Presse erfolge. — Wir geben diese Nachricht nur mit Vorbehalt. Frankfurt a. M., 23. September. Die Minister von Breitenbach und Sydow besuchten am Dienstag die „Ila". Auf die Begrüßung durch den Präsidenten sagte ersterer nach Anerkennung des Gebotenen auf der Ans tellung: Er danke für die ihm durch die Ausstellung ge gebene Anregung, die von besonderem Interesse in diesem Augenblick sei, wo das Reich vor wichtigen gesetzgebe rischen Ausgaben auf dem Gebiete der Luftschiff- ahrt stehe. Er erwähnte dabei, daß eine internationale Konferenz zur Lösung dieser Frage in Aussicht stehe, die noch in diesem Jahre in Paris stattfinden soll. Düsseldorf, 23. September. In Verfolg der Ve- chlüffe der Städtekonferenz in Köln werden die großen Städte Westdeutschlands besondere Maßnahmen gegen die drohende große Arbeitslosigkeit treffen. So hat die Stadt Düsseldorf bereits eine Summe von 56 000 bereit gestellt, um 700 Arbeitslose mit Stcinschlagen zu beschäftigen. Außerdem sollen Arbeitslose auch mit Erdarbeiten beschäftigt werden. Die Stadt Köln sieht ähnliche Maßnahmen vor. München, 23. September. Reichskanzler v. Beth mann Hollweg ist heute vormittag von München über Murnau und Ober-Ammcrgau nach Schloß Lindcrhof zur Hochwildjagd abgereist. Ministerpräsident Frhr. v. P o - e- wils hatte den Kanzler von seinem Münchener Hotel ab- gcholt und ihn zum Bahnhof begleitet. Straßburg, 23. September. Im Reichsland tritt die Bewegung für Acnderung der staatsrechtlichen V e rh ä l t n i s s e der Gegenwart energischer als bisher auf. Soeben ist hier eine neue Zeitung erschienen, die, unter» tützt von liberalen Politikern im Reiche, den gedachten Ideen dienen soll. Das Blatt heißt „Straßburger Neue Zeitung". In dem programmatischen ersten Artikel wird unzweideutig verlangt, daß das Reichsland ein gleich berechtigtes Glied der Kette deutscher Bundes taaten werbe. Im Schoße unserer Regierung ist man )er Ansicht, die Germanisierung sei noch nicht weit genug dafür vorgeschritten. Man kann aber auch der Ansicht sein, daß Elsaß-Lothringen als deutscher Bundesstaat der völligen Germanisierung einen festeren Boden bereiten könnte. Hier prechen offenbar Gründe für die Erhaltung des statuL guo mit, die sich der öffentlichen Kenntnis entziehen. Vesterreich-Ungarn. Prag, 23. September. Die tschechischen Blätter verwerfen auf das entschiedenste die böhmischen Re- ierungsvorlagen, die auch die kühnsten Pläne der deutschen erfüllten und die Baron Bienerth einfach aus em deutschen Pfingftprogramm abgeschrieben habe. Auch der böhmische Landtag werde nicht arbeitsfähig werden, weil die deutschen Forderungen unannehmbar seien. Lieber einen Landtag, als einen solchen. Ohne böhmischen Land- ag werde es aber auch keinen Reichsrat geben. Budapest, 23. September. Der deutsche Botschafter . Tschirschky ist hier eingetroffen. Der Botschafter tattete heute dem Ministerpräsidenten vr. Wekerle, dem Zandelsminister Kofsuth und dem Landwirtschaftsminifter Zaränyi Besuche ab. An der Tafel, die der Minister- iräfident zu Ehren des Botschafters veranstaltete, nahmen sämtliche Minister teil. Luxemburg. Luxemburg, 23. September. Die Kammer begann heute die Beratung der dem deutschen Gesetz entsprechende" Vorlagen über die Besteuerung von Zündwaren und Beleuchtungsmitteln. Niederlande. Haag, 23. September. Das Budget für 1910 be ziffert die Ausgaben auf 198739856 Gulden, die Ein nahmen auf 185862351 Gulden. Dieses Defizit soll nach dem Vorschläge des Finanzministers gedeckt werden