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Bautzener Nachrichten : 24.09.1898
- Erscheinungsdatum
- 1898-09-24
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- Stadtbibliothek Bautzen
- Digitalisat
- Stadtbibliothek Bautzen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id1887328319-189809243
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id1887328319-18980924
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- oai:de:slub-dresden:db:id-1887328319-18980924
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- Saxonica
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- LDP: Bestände der Stadtbibliothek Bautzen
- Bemerkung
- Vorlagebedingter Textverlust
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
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- Wahlperiode
- -
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Zeitung
Bautzener Nachrichten
-
Jahr
1898
-
Monat
1898-09
- Tag 1898-09-24
-
Monat
1898-09
-
Jahr
1898
- Titel
- Bautzener Nachrichten : 24.09.1898
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2. Lie Svjährifte Jnbelfeier der muereu Missivu ia Wittenberg. 6. Schluß- Für Mittwoch nachm. 2 Uhr war ein gemeinsames Mittagsmahl in den Sälen deS Gasthauses zur Reichspost vorgesehen, an welchem etwa 700 Personen sich beteiligten. Den ersten Trimspruch brachte StaatS- und Kultusminister von Bosse aus Se. Majestät den Kaiser und seine hohen Verbündeten aus. Dann sejerte der Oberpräsidrnt der Provinz Sachsen, Slaalsminisler von Boetlicher, Ihre Majestät die Kaiserin, tie ein wahres Liebeswerk treibe an ihrem Gemahl, an ihren Kindern, an der evangelischen Kirche, als gläubige Bekennerin des Evan geliums und gegenüber der religiösen, sittlichen und leiblichen Not des ganzen Volles. In das Hoch, in welchem beide Reden auSllangen, stimmte die Versammlung mit Begeisterung ein. Tann toastete Prä sident von Barkhausen aus den Centralausschuß sür innere Mission und der Präsident deS letzteren nahm seinerseits Veranlassung, noch einmal der Freude und dem Danke Ausdruck zu verleihen, welche den Ccntralausschuß an dem heutigen Tage beseelen, denn nicht nur münd lich, sondern auch in zahllosen brieflichen und telegraphischen Grüßen aus fast allen Teilen der Erde sei derselbe von Beweisen liebevoller Teil nahme und Anerkennung überschüttet worden, die weniger ihm, als viel- mchr dem großen, edlen Manne gebührten, dessen Gedächtnis zu ehren heilige Pflicht sei. Er bitte, dem Andenken des Heroldes der inneren Mission I). Heinrich Wichern ein stilles Glas zu weihen. Als die Teilnehmer am gemeinsamen Miltagsmahle zur össent- lichen Nachversammlung im Kaisergarten einlrasen, sanden sie Saal und Nebenräume bereits dermaßen überfüllt, daß nur wenige noch einen Platz zu erobern vermochten. Es sprachen hier der Direktor des Rauhen Hauses bei Hamburg I). Johannes Wichern, welcher nach dem !m Jahre 1881 erfolgten Tode seines Vaters an dessen Stelle getreten, und Inspektor Pfarrer G. Fliedner aus Kaiserswerth, Soyn des Be gründers der ersten Diakonissenanstalt der evangelischen Kirche. Ersterer behandelte die Diakonen, letzterer die Diakonisseusache und es war von hohem Interesse, einen Blick in die Kämpfe und Schwierigkeiten zu thun, welche die Väter der beiden Redner, die, obwohl unabhängig von einander, ja ohne sich zuerst persönlich zu kennen, daS gleiche Ziel ver folgend, zu bestehen und zu überwinden hatten, um die ihnen von Gott rugewiesenen Ausgaben zur Durchführung zu bringen. Neuerdings hat sich besonders die Diakonissensache in außerordentlicher Weise entwickelt. Es giebt jetzt so viel Diakonissenstationen, als es vor 15 Jahren Schwestern gab, nämlich 5000 und die Zahl der Schwestern aller evangel. Diakonissenhäuser hat sich seitdem auf 13 000 erhöht. Im letzten Jahre betrugen die Ausgaben allein sür die Mutterhäufer 11 Millionen Mark. — Trotz der Hitze im Saale folgte die Versammlung den Ausführ ungen der Redner mit sichtlicher Spannung, die sich steigerte, als nach einer Ansprache Pfarrer Schollers aus Nürnberg, der über die innere Mission in Bahern berichtete, zuletzt noch einmal Hofprediger a. D. Stöcker austrat, um in zündenden Worten zur allgemeinen Mlt- beteiligung an der Lösung der schwebenden Zeilfragen durch Förderung der Arbeiten der inneren Mission auszurusen. Inzwischen war, da Hunderte im Saale keinen Platz fanden und die Witterung eS erlaubte, im Garten eine Parallelverfammlung im provisiert worden. Es sprach hier aus Grund reicher Erfahrung in der Arbeit der inneren Mission wann und packend Konsiftorialrat v. Dalton aus Berlin, seiner in der ihm eigenen feurigen Art der Vorsitzende des Gesamtverbandes der evangel. Arocitervereine Deutschlands 1-io. Weber auS M.-Gladbach, endlich Oberkonsistorialrat Sup. v. Dibelius aus Dresden. Letzterer gab eine interessante Schilderung de« Verkehrs, den er vor Jahren in Berlin mit dem Begründer des Paulinums daselbst, einer Anstalt sür junge evangel. Theologen, dem später zur Kirche des Evangeliums übergetretenen ehemaligen katholischen Fürstbischof Scdl- nitzky, gehabt. — Als die Abendschatten begannen sich auszubreiten, hörte auch der Redestrom nach und nach auf zu fließen. Daß von den Wittenberger Jubiläumstagen ein Segensstronr aus gegangen zum Heil des deutschen evangelischen Volkes, möge die Zu- lunst beweisen. Jedenfalls dürsten alle Teilnehmer tiefe und unver lierbare Eindrücke aus der Lutherstadt mit hinweggenommen haben. Airche und Schule, innere uns iintzere Mission. * In der Ausstellung gewerblicher Unterrichtk- Anstalten deS Königreichs Sachsen, die vom 25. d. bis b. Oktober im städtischen Ausstellung! palaste zu Dresden statt« sendet, dürften bei den weiblichen Besuchern der Ausstellung die Arbeiten der Klöppelschulen des sächsischen Erzgebirges Interesse erregen. Sämtliche 28 Schulen des Gebirges bringen hier zur Dcnstellung, was Kinderhände mit Müße und Aus dauer gefertigt hoben. Dabei ist zu bemerken, daß die Unter« richtsziele der Schulen verschieden sind. Während die Spitzen- klöpprlwusterschule zu Schneeberg zum Ziele hat, befähigte und strebsame Klöpplerinnen Im Sp'tzrnllöppeln weiter aukzubilden, sie zur Herstellung besserer und neuer Spitzengattungen anzu leiten und dadurch zugleich zur Thätigkeit als Lehrerinnen an den Klöppelschulen zu befähigen, soll in den einfachen Klöppel schulen durch Unterricht und Uebung das Spitzenklöppeln in den LandeStrilen, in welchen dasselbe heimisch ist und die Beding ungen seines Fortbestandes noch vorhanden find, erhalten und zu höherer Vollkommenheit gebracht werden; weiter soll auch die gewerbliche Ausbildung und Geschicklichkeit der Kinder ge fördert und die Einführung verblssertrr Arbeitsweisen und feinerer, lohnenderer Spitzengattungen ermöglicht werden. Die vorgrsührten Spitzen, bestehend aus Guipure-, Jdria-, Malines-, Cluny«, Ragusa«, ValencienneS-, Brüsseler, Venetianischen und Relief-Genre-, geben ein kleines Bild des Lehrganges und der Lehrziele dieser Schulen. — Für die Ausstellung ist ein guter .Führer" durch dieselbe hergestellt worden. Dieser Führer hat nicht bloß für die Zeit der Ausstellung, sondern auch sür die Dauer Wert, indem er übersichtlich über jede der 259 aus stellenden Schulen wertvolle Mitteilungen bringt. Man ersieht auS ihm sür jede Anstalt die Zett der Errichtung, den Unter« nehmer, die Gliederung, die Untecrichtkdauer und die Unler- richtSgegenstände in den verschiedenen Abteilungen einer Anstalt, die Zahl der Klassen, der wöchentlichen Unterrichtsstunden, der Lehrkräfte und der Schüler, sowie die Art der ausgestellten Arbeiten. Als besonders praktisch verdient die Einrichtung her- vorgrhobrn zu werden, daß die innere Hälste jeder Seite frei gelosten ist, so daß sie sür Notizen verfügbar bleibt und die Handhabung beim Betrachten der Ausstellung und beim Nacht schlagen sehr bequem gemocht wird. Die Ausstattung ist rin der Bedeutung der auSstellenden Schulen würdige. Den Um schlag ziert eine sehr ansprechende Zeichnung von Prof. Nau- mann, der Druck ist durch dir Philippsche Buchdruckerei und drr farbige Plan von der Firma I. H. G. Rau u. Sohn (Inhaber Niescher) ebenda ausgeführt worden. Ein Führer mit Plan wird in der Ausstellung sür 50 Psg., ohne Plan für 30 Psg zu haben sein. — Die auf Sonntag, 25. d., vormittags ange- setzte Eröffnung der Ausstellung findet, wie 1888, aus Anordnung deS Kgl. Ministeriums deS Innern ohne Ansprache oder sonstige Feierlichkeit statt. Dresden. Im Geschäftsbereiche deS evang.-luth. LandeL- konfistoriumS find oder werden demnächst folgende Stellen erledigt; davon sind zu besetzen im regelmäßigen Besetzungs- Verfahren: daS Pfarramt zu Königsbrück (Oberlausitz), Kl. III (4.) — nach Abtrennung deS Diakonats, statt, wie früher an gegeben, Kl. V (4) — Kollator: die StandeSherrschast zu Königsbrück; daS Pfarramt zu Grumbach (Annabrrg), Kl. I, Kollator: das Landekkonsistorium. -s Da die Handelshochschule zu Leipzig am 3. Ok tober ihr zweites Semester beginnt, so dürfte es vielleicht für viele Kreise von Interesse sein, daran zu erinnern, daß auch nicht studierenden Herren dir Teilnahme besonders an den fran ¬ zösischen, englischen, spanisclen, italienischen und russischen Sprach kursen von der Direktion laut Statuten bereitwilligst gestattet wird DaS Nähere ist in der Kanzlet drr Handelshochschule zu ersahren. Braunschweig, 20. September. Tie zehnmalige Ausfuhr- ung drS LutherfestspirlS hat eine Einnahme von 12- bis 13 000 Mark gebracht, so daß ein ansehnlicher Ueberschuß für den noch zu bestimmenden woh lhätlgrn Zweck verbleibt. Ktrcheu-Rachrichl. Am 16. Sonntag nach Tun. Kirchenmusik: „Der Herr wird abwischen die Thronen", Chor mit Baßsolo aus dem Oratorium „Paulus" von F. Mendelssohn. iSesuuttzetrrwefm ' Englischen Berichten zufolge sollte die Lepra-Krankheit in ganz China, namentlich aber in der Provinz Sbantung, verbreitet sein. Wie von zuständiger Seite jetzt mitgcteilt wird, habt» sämtliche in dem deutschen neuen Besitz in Kiau tschau kommandierten Marineärzle Krankheilssälle, welche als Lepra anzusprechen wären, nicht gefunden, obwohi hieraus infolge einer Bitte der Gesandtschaft in Peking besonders geachtet worden ist. Dabei muß besonders betont werden, daß Gelegen heit zu solchen Beobachtungen reichlich gebotcn war. Es ist sestgestellt, daß zur Sprechstunde für Chinesen welche in der deutsche» Kolonie ein gerichtet .ist, die Leute 120 Li — 00 Kilometer weit aus dem Innern Shantungs gekommen sind. Sitzungen der i Strafkammer deS Kgl. Landgerichts. lNo<ddru<t »erbotix.j Bautzen, 23. September. 1) Die Verhandlungen wider den Ar beiter Paul Richard Mehnert auS Niedcrputzkau, wegen Rückfalls betrugs, und wider den Steinbrucharbeiter Karl August Hermann Roch aus Oberfriedersdorf, wegen Rücksallsdiebstahls, fielen aus. 2> Gelegentlich anderer Erörterungen waren bei dem in Burkau aufhältlichen 22 Jahre alten, achtmal bestrasten Schneidergesellen Julius Richard Philipp Fleischmann aus Neustriesen 3 Billardbälle im Werte von 30 Mark gefunden worden, welche in diesem Jahre dem Gastwirte Schuster in Burkau gestohlen worden waren. Fleischmanns Erklärung, er habe die Bälle von einem Unbekannten für lO Mark ge kauft, um sich im Billardspie! zu üben und sie eiMrelendenfalls mit Profit wieder zu verkaufen, wurde nach Lage des Falles sür widerl-gt erachtet, und der wiederholt rückfällige Angeklagte unter Ausschluß mildernder Umstände zu einem Jahre sechs Monaten Zuchthaus, drei jährigem Ehrenrechtsverlust und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht verurteilt. 3) Der unvorsichtige Umgang mit einer Schußwaffe führte den im Jahre 1872 zu Reichenau bei Zittau geborenen, bisher unbestraften Schornsteinsegergesellen Edmund Gustav Krause unter der Anklage der fahrlässigen Tötung aus die Anklagebank. Der bei Meister Lötzsch in Zittau beschäftigte Angeklagte vergnügte sich am 3. August gegen Abend im Hose des Grundstücks mit dem 17 Jahre alten Lehrling Robert Neubert aus Oberwiesenthal mit Pistolenschießen nach der Scheibe. Während Neubert vor der Scheibe mit dem Rücken nach Kraulen zu stand, um ein Schußlvch zu vei kleben, erhob Krause das geladene Pistol zum Zielen: der Schuß ging los und — das Unglück war geschehen —, ein blühendes Menschenleben war vernichtet! Neubert sank zusammen: das Geschoß war zwischen zwei Rippen durch die Lunge ins Herz ge drungen; der Tod trat infolge innerer Verblutung nach wenigen Mi- nutcn ein. Die Versicherung des Angeklagten, der Schuß sei los gegangen, ohne daß er den Abzug berührt habe, erschien nach der Be- schasfenhelt der Masse nicht unwahrscheinlich, dagegen wurde die weitere Behauptung Krauses, Neubert sei erst in dem Augenblicke, als er habe zielen »vollen, unerwartet vor die Scheibe gesprungen, und den Drath- Henkel der Scheibe <als solche diente ein mit einem Bilde überklebter alter Faßdeckel) zu befestigen, durch die Beweisaufnahme widerlegt. Das Urteil lautete im Sinne der Anklage auf vier Monate Gefängnis. -1) Der Arbeiter Josef Rudolf, im Jahre 1808 zu Georgswalde in B. geboren, viermal (darunter einmal wegen Diebstahls) bestraft, verabredete am 2. August mit einem Unbekannten, mit dem er in Pirna zusammentros, die Ausführung eines raffinierten Diebstahls bei dem Gutsbesitzer Thiele in Dorf Wehlen, bei dem er früher gearbeitet hatte. Die Spitzbuben hatten es auf nichts Geringeres, als ein kom plettes Geschirr abgesehen. In der folgenden Nacht schlicken sie sich in das ringsumschlossene Gehöst Thieles ein; Rudolf kannte den Auf bewahrungsort des Schlüssels zum Pserdestalle. Um das Geräusch zu dämpfen, breitetcn die Diebe einen Hausen frischgehauenen Klees, der im Hose lag, auseinander, der eine zog das Pferd aus dem Stalle, der andere schob den Wagen aus dem Schuppen, das Geschirr wurde aus gelegt, das Pferd eingespannt, zwei Pferdedecken mitgenommen und — fort gings über die nahe Grenze nach Böhmen. In Oberehrenberg verkauften beide das Pserd im Werte von 700 Mark sür 00 Guld>n an einen Pferdehändler, der die Hälfte anzahlle. Das Geld teilten die beiden Spitzbuben und suchten damit aus verschiedenen Wegen das Weite; Wagen, Peitsche, Geschirr und Decken gaben sie einstweilen dem Händler in Verwahrung. Schon nach 5 Tagen war Rudolf mit seinen 15 Gulden fertig, weshalb er sich nach einer neuen Diebsgelegenheit umsah. In der Nacht zum 8. August stahl er in Langbinkersdorf dem Gutsbesitzer Seidel, seinem früheren Dienstherr», einen Tops mit Braten- leisch, ein Stück Brot, eine Fiasche Schnaps und ein Jackett mit einem Schlüssel. In diesem Falle stieg der freche Dieb durch ein Fenster in das Seidelsche Haus ein. Den Angeklagten traf eine vierjährige Zucht hausstrafe neben sünsjährigenr Ehrenrechtsverlusie und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht. 5) Nach 8 33,b des Reichsgesctzes vcm 6. Februar 1875 ist die Ehe zwischen einem wegen Ehebruchs Geschieden:« und seinem Mitschuldigen verboten, jedoch ist Dispensation zulässig. In dieser Lage befanden sich der Zeichner Moritz Otto Oskar Haupt, im Jahre 1807 zu Leipzig geboren, viermal bestraft, und Lina gesch. Eschke geb. Neumann, im Jahre 1803 zu Spitzkunnersdorf geboren, bisher unbestrast, beide in Dresden wohnhaft. Die im Jahre 1883 zu Lodz geschlossene Ehe der Eschke, einer Mutter von 6 Kindern, war am 12. Oktober 1894 durch das Kgl. Landgericht zu Dresden, wegen Ehebruchs mit Haupt, vom Bande geschieden worden. Haupt, der die Eschke zu heiraten beabsichtigt, hatte schon im Jahre 1895 von seinem damaligen Wohnorte Leipzig aus ein Dispensationsgesuch an Se. Maj. den König gerichtet und die Eschke sich diesem Gesuche angeschlossen; das Gesuch war jedoch vom Kgl. Ministerium des Innern abgewiesen worden. Am 13. Januar vor. Js. reichte die Eschke ein anderweites Gesuch ein, welches sie jedoch a!3 üu2sich!2!v2 wieder ZurückAog. Nm 19- Äprjs h. I, mm erschienen beide zur Ausgebotsverhandlung vor dem Standesbeamten zu Spitz kunnersdorf, einem 81 Jahre alten Herrn, dem sie die bezüglichen Pa piere überreichten, darunter die Ausfertigung des Schcidungsurteils, in welcher, Ivie später entdeckt wurde, der Name „Haupt" In „Hanke" ab geändert worden war. Jedenfalls hatten beide geglaubt, der alte Herr werde die Fälschung nicht bemerken und höchstwahrscheinlich hatten auch aus diesem Grunde beide sich in Dresden nicht ausbieten lassen wollen. Haupt und die Eschke hatten sich heute wegen Urkundenfälschung (Ge brauch einer verfälschten öffentlichen Urkunde zum Zwecke der Täuschung) zu verantworten. Beide wollen von der Fälschung nichts gewußt haben und die Eschke, eine redegewandte Frau, ließ durchblicken, daß vielleicht ihr geschiedener Ehemann oder dessen Mutter „auS Rache" die Ab änderung vorgenommen haben könnten. Die seine Ausführung der Fälschung, an der eben nur die Angeklagten ein Interesse haben konnten, ließ aber eine geübte Hand erkennen. Jin Sinne der Anklage wurden beide Angeklagte zu je vier Monaten Gesängnis, Haupt unter An rechnung der Untersuchungshaft, verurteilt.! 6) Wegen deS in Z 176,des St.-G Bs. bezeichneten Sittlichkeits- Verbrechens erhielt der 19 Jahre alte, bisher unbestrafte WirtschastS- gehilse Hermann Hugo Bruno Martin aus Gottschdorf einjährige Ge fängnisstrafe zudikltert, woraus die Untersuchungshaft Anrechnung fand. Zu 5 fungierte Referendar Pelz als Verteidiger beider Angeklagter. «iftmschast, Kunst re. — Dresden, 23. September. (Dr I.) Dem Festkonzerte der König!, musikalischen Kapelle aus Anlaß Ihres 350- jährigen Bestehens solgte gestern abend 10 Uhr in dem oberen Saale des König!. Belvedere rin glänzendes Festbankett, bei dem die hohe Verehrung, die unserem einzig dastehenden Kunst- institute allseitig gezollt wird und die freudige Ameilnahme an dem seltenen Jubelfeste zu beredtem Ausdrucke kamen. In dem mit den Bildnissen Carl Maria v. Webers und Richard WagnerS und zwei großen, die Namen der sämtlichen Leiter der König!. Kapelle enthaltenden Tafeln geschmückten Saale hatten sich die Mitglieder der Kapelle auf die Einladung deS Festkomitee», br. stehend auS den Herren Kommerzienräten Arnstädt und Fischer, Bankier Fritz Günther. Geh. Kommerzienrat Heuschkel, Kom merzienrat Palmiö, Hofmusikalirnhändler F. Plötner und Prof. Ur. Fritz Schultze, mit ihren Lettern Generalmusikdirektor Hosrat n. Schuch und Kapellmeister Hagen vollzählig eingefunden. An drr festlichen Vereinigung, deren Ehrenvorsitz der Generaldirektor drr Königl. musikalischen Kapelle und de» König!. Hoftheater» Gros Seebach übernommen hatte, beteiligten sich weiter eine große Anzahl Ehrengäste, Oberbürgermeister Beutler, viele Mit glieder der Kgl. Oper scwle zahlreiche Freundt der Kapelle und deS Theater». Nachdem unter schmetternden Fanfaren der Kgl. Hostlon Peter die Frsttofrl ihren Anfang genommen batte, erhob sich der Generaldirektor Graf Seeback, um auf Allerhöchsten Befehl die Mitteilung zu machen, daß Se. Maj. der König geruht hätten, zur Erinnerung an da» Jubelfest deS 350jährigen Bestehens der Kgl. musikalischen Kapelle eine Medaille zu stiften und sie den derzeitigen Mitgliedern der Kapelle Aller« gnädigst zu verleihen. Der Herr Generaldirektor gab hiernächst der Versicherung Ausdruck, daß Se. Moj der König die Kapelle schätzten und liebten, und forderte die Anwesenden aus, den Dank für den Allerhöchsten Gnadenbeweis und die Kgl. Huld durch ein dreimaliges Hoch auf Se. Majestät den König kundzugeben. In freudiger Begeisterung leistete die Versammlung dieser Auf forderung Folge. Generalmusikdirektor v. Schuch dankte namrn» der Kgl. Kapelle sür die Ucberbringung der Allerhöchsten Aus zeichnung und wies mit beredten Worten aus die Bedeutung der Festtages hin. Sein Trinkspruch galt dem sortlebenden Geiste Richard WagnerS und seiner Kunst In zündender Rede feierte hierauf Prof. Fritz Schultze die Jubilarin. Er verglich daS musikalisch fühlende Dresden mit einem ästhetischen Staate, an dessen Spitze wir mit Stolz Se. Moj. den König erblickten. DaS vcrantwortungSreiche Amt deS ästhetischen StaatSministrr» verwalte mit unvergleichlichem Geschick Graf Seebach, General musikdirektor v. Schuch, drr in drr Leitung seines Orchester» die Fähigkeiten rinrS erprobten Schlachtenlenkers besitze, sei dem Gcneralsrldmarschall in diesem Staate gleich zu achten, ihm zur Sette stehe als bewährter General-Kapellmeister Hagen und seine unübertrefflichen Truppen bildeten das Ofizierkcoips der Kgl. Kapelle. Lebhaster Beifall begleitete die Ausführungen de» RednerS. Den Dank der Stadt Dresden, sür alles dos, wo» die Kgl. Kapelle zum Ruhm der Residenz beigetragen habe, überbrachte Oberbürgermeister Beutler und zum äußeren Aus druck dieses DankeS auf Beschluß des RateS und der Stadtver ordneten Dresdens dem Generalmusikdirektor v. Schuch die goldene Denkmünze der Stadt Dresden. Nachdem hierauf l)r. Ritter begeistert der deutschen Kunst gedacht und Generalmusikdirektor o. Schuch seinen Dank für die Ehrung der Stadt Dresden aus gesprochen hatte, sprach im Namen der Kapelle Kammervirtuos Böckmann und auf die Damen Kommerzienrat Palmiö. In ge hobenster Stimmung verlies das Fest, dessen Teilnehmer bis zur frühen Morgenstunde beisammcnblieben. — (Notizen.) Zum ersten Vorsitzenden des GauverbandeS Sachsen« Thüringen vom deutschen Schrlftstellervcrbande ward wieder vr. Max Lange gewählt. — DaS Berliner LessinghauS am KönigSgraben Nr. 10, wo Lessing seine „Minna von Barn- Helm" gedichtet, ist mit dem Nachlaß der Rentnerin Silber in den Besitz der Stadt übergegangen. — Unter den neuen Gruppen für die Siegesallee wird die von Prof. Calandrelli eine der ersten sein, die zur Ausstellung gelangen. Sie Hot den Kur« füisten Friedrich den Eisernen zum Mittelpunkt. Die Ausführ ung geht in der Btldhauerwerkstatt von Casal der Vollendung entgegen. Die Ausstellung dürfte jedoch erst zum Frühjahr er folgen. Auch Ludwig Cauer, der Kaiser Karl IV. auS dem Hause Luxemburg zu modellieren hatte, läßt sein Werk bei Casal in Marmor arbeiten. Prof. Karl BegaS, dessen Nische sich um den Markgrafen Otto mit dem Pfeil gruppiert, hat der Stralauer Werkstatt von Tübbecke die Ausführung übertragen. — In Warmbrunn starb am 21. d. der Vater des Dichters Gerhart Hauptmann. — In Kropp bei Rendsburg ist die patriotische Dichterin Adelheid Maria Iwersen gestorben. — In Alt-Korinth ist ein großes Brunnenhaus ausgegraben worden; man glaubt hiermit die alte Peirene wieder ausgefunden zu haben, in deren kühlem Vorraume die Greise der Stadt sich nach Pausanias ver sammelten, um sich zu unterhalten oder auch dem Brettspiel ob« zulirgen. — In Bern starb, 54 Jahre alt, der Altphilolog UniverfitätSprosessor vr. Hagen. — Am 24. d. tritt zum ersten Male in Brüssel ein internationaler Kongreß sür die Kunst im öffentlichen Leben zusammen. Wie der leitende Ausschuß de» Kongresses mitteilt, haben acht Regierungen amtliche Vertreter angemeldet; 40 europäische und amerikanische Städte und mehr als 100 künstlerische Gesellschaften aller Länder sind durch Be« vollmächtigte vertreten. — Die Im Trinily-Kollege zu Dublin verwahrte alte Harfe, die nach der Ueberlieserung am Hofe de» Königs Brian von Munster (nach 965 unserer Zeitrechnung) im Gebrauche gewesen sein soll, ist nach Feststellung deS Irischen Archäologen George Petrie zu den viel späteren KIrchrnharfen zu rechnen und stammt Vermutlich Vom Bischof O'Neil auS der zweiten Hälste des 14. Jahrhunderts her. — Wie auS Christiania gemeldet wird, arbeitet Henrik Ibsen zur Zeit an einem neuen Drama, daS jedoch erst im Herbst (gleichzeitig in süns Sprachen I) erscheinen soll. — In Philadelphia starb, 42 Jahre alt, am 24. August der Chemieprosrffor H. Trimble. (L. Z) —* Düsseldors, 23. September. Naturforscher« und Aerztetag. Auf da» an den Kaiser abgesandtr Huldigung»« telrgramm ist zu Händen deS Oberlehrer» Viehoff folgende Ant« wort eingelausen: „Seine Majestät der Kaiser und König haben Allerhöchst sich über den freundlichen Gruß der 70. Versamm lung deutscher Naturforscher und Arrzte gefreut und lassen Sie ersuchen, der Versammlung Allerhöchst Ihren besten Dank sür den Ausdruck freundlichen Gedenken» auszusprechen, v. LucanuS.* Geh. Medizinalrat Prof. vr. Waldeyer-Berlin teilte mit, daß sich eine Gesellschaft sür pathologische Anatomie gebildet habe, welche mit drr Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zusammrnzuarbeiten gedenke. Hieraus wurde die Versammlung geschlossen. — Von neuen Planeten sind in der ersten Hälste de» September drei ausgesunden worden: Vianet Wols 1898 VR am 11. d-, 11. Größe, Planet VR von Millosevich in Rom am 13. d., 12. Größe, und Planet Wolf-Schwaßmann 1898 V8 am 11. d., 11. Größe. Ferner teilt vr. Berberich mit, daß der von Prof. M. Wols in Heidelberg am 16. Januar 1893 entdeckte Planet (18936), drr in daS PlanrtenvrrzeichniS nicht ausgrnommrn worden ist, weil seine Bahn nicht sicher zu be rechnen war, anscheinend rbenso wir drr am 13. August d. I.
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