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sie find verabscheuungSwürdtg und der freundschaft lichen Gesinnung der beiden Länder nicht würdig. Macdonald erklärte weiter, daß die Arbeiterpartei Len voraussichtlich an sie ergehenden Beruf zur Bil dung der Regierung annehmen werde. Wegen einer klrbeiterregierung brauche in England kein Mensch sein Kapital ins Ausland zu schaffen, denn es liege ihr völ lig fern, mit einer wirtschaftlichen Konkursmasse gs- ßährliche Versuche zu machen. * Tas nsugewählte englische Unterhaus hielt am Dienstag seine erste Sitzung ab. Der bisherige Sprecher Whitley wurde wiedergewält. Als Ramsay Masdo- «ald den Saal betrat, wurde er mit Veifallskundgsbun- gen begrüßt. Srulsches Reich. — Berlin, den 10. Januar 1924. - ° Nus Bayern ausgewiesen. Tie Regierung von Oberbayern hat die Beschwerde des Egerländer Stu denten Cleo Pleyer, dem Vorsitzenden "des Hochschul rings in München und Redakteur der „Teutschen Presse" und der „Teutsch-Akademischen Stimmen", gegen dis vom Generalstaatskommissariat verfügte Ausweisung verworfen. Pleyer mußte deshalb Bayern bereits ver lassen. Der Hochschulring und der Waffenring wol le» dagegen nachdrücklichst auftreten. ° Teutsch-französische Verhandlungen. In Paris wird angenommen, daß der deutsche Geschäftsträger vor seiner Reise nach Berlin von Poincars empfangen wird. Ter Ministerpräsident will ihm, wie verlautet/ die bereits angekündigten Mitteilungen über die fran zösische Auffassung von der Nützlichkeit deutsch-französi scher Verhandlungen auf einer breiten Grundlage machen. , ° Kein grundsätzliches Versammlungsverbot. Ter GeschäftSordnungsausschuß des Reichstags hat die Be schwerde des sozialdemokratischen Aba. Sollmann, des früheren Innenministers, über das Verbot einer Ver sammlung in Münster durch den Militärbefehlshaber alH berechtigt anerkannt. Darüber hinaus erklärte der Aus schuß, daß es überhaupt keine Rechtsgrundlage für ein grundsätzliches Verbot von Versammlungen gäbe. s ° Um die Hhpothekcnaufmertnng. Wie in Berlin verlautet, kann die ursprünglich beabsichtigte Regelung der Frage der Hypothekenaufwertung als völlig auf- gegeben angesehen werden. Reichsfinanzminister Tr. Luther arbeitet bereits an einer neuen Verordnung^ die sich von der seinerzeit in Aussicht genommenen er heblich unterscheiden wird. ! " Tie Kredite für die Eisenbahn. Seit geraumer Zeit ist die Frage offen, in welcher Weise die Reichsbahn sich dre Kredite beschaffen wird, deren sie zur Sanie rung ihres Etats und zur Ausführung dringender Ar beiten bedarf. Die Verhandlungen, die Neichsver- kehrsminister Oeser mit den Großbanken geführt Haft lind gescheitert. Es ist dann der Versuch gemacht wor den, durch die Bildung der Eisenbahn-Betriebs-G. nft b. H. die Grundlage für die Selbständigkeit der Reichs-! bahn zu schaffen, und man hat mit den Vertretern der Länder hierüber sehr eingehend verhandelt, ohne datz jedoch bisher ein Abschluß in der von Minister Oeser gewünschten Weise vorltegt. Der Organisationsaus schuß der Reichsbahn, der zu dem Zweck gegründet Kerbes Schicksat. Noma« von H. Courths-Mahler. (Nachdruck verboten) ^'Ohne Besinnen, in der instinktiven Überzeugung, dorr in Sicherheit zu sein, trat sie rasch in die Zimmer ihres^ iOheims, in dasselbe Gemach, wo sie heute schon einige Stunden verbracht hatte. Ohne zu wissen, was sie tat, -schloß sie es hinter sich ab und lehnte nuu bleich und zitternd an dem Türrahmen. Sie sah, daß sie nicht allein war. Der alte Friedrich saß in einem Sessel, zur Nachtwache für seinen Herrn be- tett. Als er Sanna so eilig eintreten sah, machte er ryr haMg ein Zeichen. „Still — der gnädige Herr ist eben ein- geschtasen," flüsterte er. - ' Ihr Gebaren befremdete ihn. Sie taumelte vorwärts puf einen Sessel zu und brach kraftlos in demselben zu- jammen. Mit einem trockenen Ausschluchzen schlug sie in pitterer Scham und qualvollem Zorn die Hände vor das ßlntlitz. Sie war außer sich, daß sie sich die Umarmung ««es Mannes hatte gefallen lassen müssen, den sie ins ßtesster Seele verabscheute. Und diese Scham brannte sich So tief in ihr Herz, daß sie unfähig war, von dem zw Sprechen, was ihr begegnet war. ! ; Friedrich hatte sich bestürzt erhoben, als er sah, in ßvelchem Zustand Sanna sich befand. „Was ist Ihnen, gnädiges Fräulein?« fragte er be sorgt im Flüstertöne. , Sie stieß einen tiefen zitternden Atemzug aus. ,Hch will die Nacht über hier bleiben, Friedrich —s Sch will Wachen. Sie können sich ruhig auf den Diwan- Segen und schlafen," antwortete sie mit leiser, tonloser! Stimme. t Der alte Diener sah forschend in ihr blasses, verstörtes sSesicht. Er wußte nicht, was es heißen sollte, daß das iguädige Fräulein plötzlich hier hereindrang und nun gar wie Nachtwache übernehmen wollte. Er bemerkte sehr kwohl, daß ihr etwas Besonderes geschehen sein mußte.' So fassungslos hatte er sie noch nie gesehen. ' „Ich schlafe nicht, gnädiges Fräulein, wenn der Herr Drofeffor einen Anfall bekommt, muß ich schnell zur Hand sein." Sanna strich sich das Haar aus dem blaffen Gesicht. wurde, zusammen mit den maßgebenden Persönlich- kerten des Reichsverkehrsministeriums die Grmidlcmcm für eine Umstellung der Reichsbahn zu suchen, ist nun sert geraumer Zeit über diese so außerordentlich wich tige Frage nicht mehr ins Bild gefetzt wordeu. Man hat sich zwar in einer Besprechung im Dezember über all! diese Dinge sehr gründlich ausgesprochen und die Zu-! sage von Minister Oeser erhalten, daß Unterlagen über! den Etat und die Finanzlage der Reichsbahn baldigst! gegeben würden, doch ist bisher nichts weiter erfolgt.! Man wünscht im Ausschuß auch weiter über die Frage Auskunft, wie das Ministerium sich zur Frage der Larifermäßigung stellt, da bekanntlich die Kohlenpreis- Zerabsstzang in erster Linie unter der Bedingung durch-! geführt worden ist, daß auch die Eisenbahnverwaltung Hre Beförderungspreise herabsetzt. ° Eine falsche Beschuldigung. Ter Kabinettschej des Kronprinzen Rupprecht, Graf v. Soden erklärt gegenüber nationalsozialistischen Behauptungen, daß er im Oktober in Paris gewesen sei und mit einem führenden französischen Politiker verhandelt habe, er sei nie in seinem Leben in Paris gewesen, habe sich seit vielen Monaten ausschließlich in Bayern aufgchalten, Habs nie in seinem Leben irgend welche Verhandlun gen mittelbar oder unmittelbar mit irgendeiner fran zösischen Seite geführt und sei jederzeit bereit, diese Erklärung mit seinem Eids zu bekräftigen. WMHsftszchlen und preise.. 1224 nnlliardsnfach 62,6 Milliarden 10 Goldpsennig Goldvkennia 4,2 Billionen 90 Prozent „ st ^coensyannngsrnoex: kwoßhandelsindex: Fernbrief: Fernvostkarte: Dollarschatzanweisung: NeichSbankdiökont: KandÄnachnchten. — Die Leipziger Produktenbörse vom 8 Januar haste eM schwaches G-iwäst bei stackem Angebot und verminderler Nachfrage. Dir gffordertsn Pnie wurden nur tciiwrike be willigt. Sir waren gegen den letzten Markt wenig verändert. Die amtlichen Noti rungm laubisn für prompt? Ware Paniät frachtlrei Le vüg: Weizen 172 180 (178—185), Rorqrn 1'8 bi; 165 (162—170», Sommergerste ÜO—190 (180—190), W nter- aerße 170-180 <170-180), Safer 135-115 (135- 145), Mais 210- 220 (210-220), Raps 240-260 (240-260) bezahlt und Bries- Berliner Börsenberichte vom 9. Zsmmr. — Devisenmarkt. Heute ist eine Erleichterung des Marktes eingetreten: Ter Bedarf hat nachgelassen und der Zustrom von Exportdevisen hat sich wesentlich ver stärkt. Tie Kauforders sind in Nebenvaluten bis um 50 Prozent zurückgegangen. Auch in den Hauptvaluten hat sich der Bedarf verringert, teilweise bis um 15 Prozent. Auch macht sich wieder Abgabeneigung be merkbar. Während der amtlichen Notiz kam recht be trächtliches Material heraus. In Paris kam mehr Material an den Markt, als ausgenommen werden konnte. Infolge dieses recht regen Angebots konnten die Kurse herabgesetzt werden. Tie Zuteilung erfolgte wie an den Vortagen. Im Ausland war beute eine Befestigung der Mark zu verzeichnen. Am Markt der Tollarschatzanweisungen hat sich der ziffernmäßige Be darf so gesteigert, daß bei der Zuteilung alle Orders unter 1000 Dollar ausfislen und die darüber hin- ausgehenden mit 0,5 Proz. berücksichtigt wurden ., Politische Nachrichten. — Fellisch wurde in Chemnitz am Dienstag abend v.' einer 200 Mann starken kommunistischen Gegnerschaft am Sprechen verhindert. . - Weimar, 9. Januar. Wie amtlich bekanntgegeben; wird, ist nunmehr öffentliche Klage gegen den Mini- fier Herrmann und den Regierungsassessor Kuntze erho ben und die Voruntersuchung eingeleitet worden. Sei tens des Untersuch mgsrichters beim Landgericht Wei mar find die Haftbefehle gegen beide Personen bestä tigt worden, und zwar wegen schwerer Urkundenfäl- schung^nach Paragr. 948 und 349 des Rcichsstraf- Fulda, 9. Januar. Infolge oer Aussperrung oer Arbeiter in der Neuhofer Kaliindustrie sind dort grö ßere Unruhen ausgebrochen. Arbeitswillige und Tech nische Nothilfe wurden an der Arbeit gehindert. Jyr Verlauf der Unruhen wurden auch Landjäger von den, Ruhestörern entwaffnet. Daraufhin ist eine Abtei- , lung Reichswehr nach Neuhof gesandt worden. Arbeitseinstellung in Krefeld. Krefeld, 9. Januar. In der Krefelder Textil industrie kam es plötzlich zu Arbeitseinstellungen. Nach der Krefelder Zeitung, haben Syndikalisten, die aus Hochemmerich kamen, die Arbeiter unter Drohungen gezwungen, die Arbeit einzustellen und die Fabriken zu verlassen. Tie Krefelder Baumwollspinnerei liegt still, auch in Uerdingen nimmt der Streik an Ausdeh nung zu. Englands Pfalz-Protest. Paris, 9. Januar. Havas berichtet aus London, Informationen zufolge habe die englische Regierung bei der französischen Regierung mehrere Schritte un ternommen, um Erklärungen über die Haltung Frank reichs gegenüber den Separatisten in der Pfalz zu erlangen. » Eine englische Agrarpartei. London, 9. Januar. Der Generalsekretär der! englischen Zcntral-Ackerbauhandelskammer, Sir Her-- bert Matthews, erklärte Zeitungsvertretern, wie in allem übrigen zivilisierten Ländern werde in England nun-! mehr ebenfalls eine reine Agrarpartei gegründet wer den, die sich auch im Parlament vertreten lassen werde. Die neue Partei strebe eine Erhöhung der Produk-! tion, bessere Lohnverhältnisse in der Landwirtschaft; und eine straffere Organisation der Ackerbaubctriebe an»! vertliches rmV Sächsisches. Adorf, den 10. Januar 1924 - 4532 Wahlberechtigte haben wir zur bevorstehenden Stadwerordnetenroahl in Adorf Das sind 243 mehr al» zur vorigen Stüdwerorünetenwahl, die am 27 November 1921 statt gefunden hat Damals haben von 4289 nnr 3569 Perlon?,: ge wählt; es waren allo 720 Nkchtmähler (— 17 Proz. brr Wahl- bereckilgien) zu verzeichnen Es Ist zu würychen, daß diesmal die Wadlbeteckiaung stärker wild. — Alle Wähler feien darauf aufmerksam gemacht, daß bei der Stimmad^ade zur Stadwermdnelenwahl keinerlei schriftlich« Arnderung auf den Slimmzellkln vorgenommen werden darf. Abgeänderte Stimmzettel lind ungültig — Der neue sächsische Kultusminister Dr. Kaiser beab sichtigt neue Verordnungen zu erlassen, wonach Schulgcbet, Schulurlaub zu Kirchgängen zugelassen und Ueberprüfung der Lehrbücher angesagt werden; ein Lob der Frömmigkeit und der vergangenen Zeiten könnten die Republik nicht gefährden. » „So lassen Sie mich wenigstens hier vietven, ^rrev- 4ich, und öffnen Sie die Tür nicht, sie kann verschlossen »leiben. Ich — ja — ich fürchte mich da draußen." Sie deutele mit der Hand nach der Tür und schauerte wie im Frost zusammen. „Wollen Sie sich nicht aus den Diwan legen, gnädiges Fräulein?" fragte der Diener. Sie schüttelte nur stumm das Haupt und lehnte sich erschöpft in den Sessel zurück. Da breitete Friedrich, ohne ein weiteres Wort, eine warme Decke über sie und schob ihr ein kleines Kissen unter den Kopf. Diese schlichte, selbstverständliche Handlung des alten Dieners trieb Sanna die Tränen in die Augen. Sie flossen lautlos über die Wangen und lösten die krampfhafte Auf- regung. Friedrich wandte sich diskret ab und gab sich den An schein, diese Tränen nicht zu bemerken. Er ließ sich wieder in seinen Sessel nieder und nahm ein Buch auf, um darin zu lesen. So saßen die beiden ungleichen Menschen stundenlang schweigend einander gegenüber. Endlich neigte sich Sannas Köpfchen zur Seite. Sie war, von Müdigkeit überwältigt, eingeschlafen. - Der alte Friedrich betrachtete sie still eine ganze Weils und dann schob er einen Schirm vor die Lampe, damit sie das Licht nicht stören sollte. Sanna erwachte erst, als es Heller Tag war. Der Professor schlief noch immer. Das geschah oft, wenn er leidend gewesen war. Wenn ihn dann der Schlaf über fiel, hielt er sehr lange an. Oft erwachte er dann erst um Mittag und fühlte sich dann gewöhnlich wieder ganz wohl. Verwundert rieb sich Sanwa den Schlaf aus den Augen und sah sich um. Friedrich nickte ihr lächelnd zu. „Sie haben wenigstens ein paar Stunden geschlafen^ gnädiges Fräulein. Im Hause ist schon alles wach. Ich glaube, nun können Sie ruhig wieder in Ihre Zimmer gehen." Leise erhob sich Sanna und verließ die Zimmer des Onkels. Sie begab sich hinüber nach dem Eßzimmer, wo um diese Zeit der Frühstückstisch bereit stand. Sie fühlte sich so elend, daß sie nach einer Tasse starken Kaffee Ver langen trug. Es war alles wie sonst. Sie hätte glauben kormem <tq Höser Traum hab« M genarrt. Am Krühftkck-ttfch saß ! Tante Anna, friedlich unv (Up laweiird, wie immer. „Ei, du Langschläferin, du läßt heute lange auf dich warten," schalt sie neckend. Sie gab sich klugerweise den Anschein, als habe sie keine Ahnung, was gestern oben» geschehen war und daß Sanna die ganze Nacht nicht inj ihrem Zimmer gewesen war. Sanna hatte eine sehr schlechte Meinung von Tantel Anna, aber daß diese von dem Überfall ihres Sohnes wußte und diesen gar gebilligt und unterstützt hatte, dass traute sie ihr doch nicht zu. Sie ahnte nicht, daß Tantei Anna, nachdem sie in wilder Flucht in den Zimmern des» Onkels verschwunden war, ihren Sohn eilig in ihr Zi«^ mer gezogen und ihm kühle Umschläge aus das »»ns Sannas Faust getroffene Auge gemacht hatte. ; Mutter und Sohn hatten dort atemlos gelauscht. Abert da alles still blieb, atmeten sie auf. Leise war Anna Rehling dann hinunter geschlichen und hatte durch das Schlüsselloch in das Zimmer gespäht, in das Sanna ge»! flohen war. Da sah sie die junge Dame im Lehnstiichk sitzen. Jedenfalls wußte Onkel Michael also noch nicht- von dem überfall. Frau vou Rehling hatte dann mitten in der Nach- ihren Sohn aus dem Hause gelassen, nachdem sie beraten hatten, wie sie sich leidlich aus der Affäre ziehen konnten, ft Wie Gregor in ihr Zimmer gelangt war, cchMs Sanna nicht. Sie glaubte, er habe sich heimlich, ohne jede andere Hilfe, bei ihr eingeschlichen und sich dann ebenso heimlich entfernt. Die scheue, stolze Scham eines reinen Mädchenherzen» schloß Sanna den Mund, auch Gregors Mutter gegenüber. Aber sie vermochte auf die neckende Anrede der alten Dams nichts zu erwidern. Hastig nahm sie eine Tasse Kaffee undt ging dann in ihre Zimmer. Sie ließ die Tür offen stehen; und sah sich erst überall um, als sei sie nicht sicher, daß! Gregor doch noch hier auftauchen könne. Dann erst zo» sie die Tür hinter sich ins Schloß und drehte vew Schlüssel uni. - , Mit schmerzenden Schläfen setzte sie sich an das Fenfk« und sah mit einem trostlosen, traurigen Blick in den Garten, hinaus. Und sie war nur von dem einen Wunsch beseKt^ daß sie Gregor nie.wieder begegnen möchte.