Volltext Seite (XML)
FmGrecher Nr. 14. TMmüsmKHer Schnjileite^ Drucker und Verleger Otto Meyer in Adorf TelMLr.: Grenztote « 157 Mittwoch, den 11. Inti 1SS3 Nr. bekanntgegebcne durchschnittliche Jahrrsarbkitsverdienst um den 22fachen Betrag erhöht. Oclsnitz i. B. und Adorf i. V.» den 9. Juli 1923. Die Dersicheruvgsämter bei der Amtshsuptmaanschaft «ad dem Stadtrate z« Adorf. Dies Blatt enthärt die smüichen DLbsnnlrnechun^en der Amtshouptmannschaft OelsnH, dev Lmtsgerichts, der Amtssn WaÜschost und tz-L Stadtrates zu Adorf. MW m A MW M 52NLL KZ »MW »kl »W WMWALE°'.-. Was M es Reues? s — Dir Erklärungen der Reichsregicrnna zur Sabo- «agefrage sind vom Vatikan mit Befriedigung angenommen jivorden. , > i — Iw Münchener HochverratsProzcß ist der Hauptange- rlagte Professor Fuchs zu 12 Jahren, der Kaufmann Muuk Zu 1 Jahr drei Monaten Zuchthaus verurteilt; beide außer dem zu erheblichen Geldstrafen. — Nach den Sundah Times hat Baldwin Poincarö Eine entschiedene Mitteilung zugehcn lassen, daß dec eng-- sische Fragebogen klar und ohne weiteren Verzug beant wortet werden müsse. ' — Die Belgier haben seht beschlossen, jeweils 50 Reiseln zur Sicherung in ihren Regiezügen mitzuführen. — In Lausanne haben die letzten Sitzungen zu einer grundlegenden Einigung zwischen den Alliierten und der türkischen Delegation geführt. — Der DoU^.urs stieg auf rund 180000. Wer MW uns? I Wer schützt die Bewohner des Ruhrgebiets vor den Gewalttaten der französischen und belgischen Be- ^satzungstruppen? Zn dieser dringlichen Frage sind wir 'Mehr denn je berechtigt, nachdem sich die Vertreter der beiden Einbruchsstaaten über die Erplosion auf der ^Duisburger Rheinbrücke bei dem deutschen Minister wes Auswärtigen von Rosenberg in Berlin beschwert haben. Die Einseitigkeit der Behandlung der Nuhr- mngelegcnheitcn durch Frankreich und Belgien stellt !«ine weitere Ungerechtigkeit nach dem großen Rechts- wruch des Einmarsches in das Ruhrgebiet dar. Machen Noir uns Die Sachlage klar. Die deut schen Ruhrbcwohner werden mit Hieb- und Stichwaffen ^erfolgt und 'sie sollen zu alledem noch stillhalten. Die Reichsregierung soll dafür die Verantwortung übernehmen, Lie Täter ermitteln und sie einer strengen Bestrafung zuführen. Dabei haben wir im ganzen Gebiete des Tatortes nichts zu sagen und alle unsere Anträge, die Untersuchung führen zu dürfen, sind ab- Ichlägig beschitzden worden. Die Neichsregierung hat die drangsalierte Ruhr- bedölkerung stets zur Besonnenheit ermahnt, und es ist selbstverständlich, daß der passive Widerstand nicht mit feiner Reihe von Verbrechen gleichbedeutend sein soll. Aber wenn wir Maßnahmen gegen solche Tatsachen lergreifen sollen, so muß doch auch Bewegungsfreiheit gegeben werden, solchen Handlungen vorzubcugen, und »wenn sie sich -ereignet haben, selbständig das weitere !su veranlassen. . Das ist indessen noch nicht genügend. Die Ber- Mltnisse sind schwierig, die deutsche Bevölkerung ist sübcr das ihr ^gefügte Unrecht erklärlicherweise tief «rbittert. Es ist doch aber nicht daran zu denken, daß diese Erbitterung allein wieder verschwindet, wenn Wichts geschieht, was den Deutschen zeigt, daß eine -Wandlung Platz greifen soll. Denjenigen, die ein Gewehr auf uns anschlagen, noch ein freundliches Lä cheln zu zeigen, ist doch etwas zu viel verlangt. i Jeden Deutschen, der sich einen Sabotageakt zu» Mulden kommen läßt, bedroht eine doppelte Ahndung, 'durch die französischen Kriegsgerichte und durch die deutsche Rcichsregierung. Und welches Risiko lausen die französischen und belgischen Attentäter gegen deut sche Reichsangehörige? Gar keins. Bei ihrer vorge setzten Behörde gehen sie straffrei aus, werden wo möglich für bewiesenen Elan noch belobt, und der 'deutschen Justiz ist fast iede Befugnis entzogen, die fremden Verbrecher dingfest zu machen. Dieser Zu naud. daß sich die Deutschen alles gefallen lassen müs sen, die Gegner indessen frei ansgehcn, ist also un haltbar. Daß die Vorwürfe, welche Franzosen und Belgier 'stegen Deutsche erheben, nicht begründet sind, geht schon daraus hervor, daß die englische Besetzung in Köln, und früher auch die amerikanische in Koblenz, ohne der- urtige Störungen verlaufen ist. Es ist doch nicht geradezu ein Wunder, daß sich die Deutschen nur mit den Franzosen und Belgiern nicht vertragen können, während dies mit den Engländern und Amerikanern sehr wohl anging. 1 Es gehört die ganze Eitelkeit der Franzosen dazu, 'sich dem Wahn hinzugeben, daß sic nur zu winken brauchten, um die Rhein- und Nuhrländer zu sich hcr- uberznzichcn. Im Anfang des vorigen Jahrhunderts, .als das Rheinland eine Mandel Jahre französisch war, ivcrtrus sich eine Anzahl Deutscher in dem damaligen lustigen Leven mit den Franzosen, aber jene Zeiten waren himmelweit von den heutigen verschieden. Ein Bündel von Kleinstaaten, das Deutschland um 1800 darstellte, machte das Gefühl, ein Deutscher zu sein, gerade nicht zu einem sehr erhebenden. In dem letz ten Jahrhundert haben dis Deutschen dis bis dahin vorhanden gewesene Schwächlichkeit abgestreift und da für eine starke Eigenart eingetauscht. Es ist nicht daran zu denken, daß diese in französischen Chau vinismus umgetauscht werden kann. Der neue Schritt des Papstes. Abkchmulg in Paris. Ueber den neuen Schritt des Papstes in Paris und Brüssel veröffentlicht der vatikanische „Osserva- tore Romano" folgende offiziöse Darstellung: Nach Zeitungsmeldungen hat dis französische und belgische Regierung infolge des Attentats vom 30. Juni ge gen einen belgischen Urlauberzug bei Duisburg be schlossen, strenge Maßregeln zu ergreifen. Nachdem der heilige Vater zur Beschleunigung der ersehnten Ver söhnung die Attentate im Ruhrgebiet bedauert und an die deutsche Negierung die Einladung gerichtet hat, sich seinem Bedauern anzuschließen und alles zu ver meiden, was eine Verständigung erschweren könnte, beauftragte er den apostolischen Nuntius in Paris, und den päpstlichen Geschäftsträger in Brüssel, der französischen und der belgischen Regierung mitzutei- len, daß der heilige Vater hoffe, daß keine Maßnahmen ergriffen werden, welche die Spannung mit ihren ent sprechenden Folgen vermehren würden. Der Temps teilt zu den Instruktionen, die der Vati kan dcn Nuntiaturen in Paris und BAisscl gegeben hat, mit, dost der Sekretär der Pariser Nuntiatur sich, zupi Quai d'Orsay begab und sich dort ungefähr im Sinne der Vom Ofsirdatorc Romano veröffentlichten offiziösen Noto ausgesprochen habe. Ler Tenchs glaubt zu wissen, dast der Kurie geantwortet wurde, die französische Negierung behalte sich vor, gemeinsam mit der belgischen Regierung alle Maßnahme» zu ergreifen, die notwendig seien, um neuen Attentate» TcntMands vorzubcugen. * Während Frankreich auch jetzt wieder mit aller Schroffheit, dem Versuch des Vatikans cntgegentritt, eine Versöhnung herbsiznführen, wird aus Rom mit- geteilt, daß das von der Reichs regierung über die Un terredungen des Reichskanzlers mit dem Nuntius Pa- celli heräusgegebene Communiguö mit großer Befrie digung ausgenommen worden ist. * > , ! ! Ksiwc Al^riusuwst dcr Botschafter. Entgegen allen anderslautenden Gerüchten und Nachrichten, die zum großen Teil auf die Enttäuschung dcr Pariser Presse über die Wirkungslosigkeit des ge genüber den Verhandlungen mit dem Nuntius zu spät gekommenen Schrittes des französischen und belgischen Botschafters in Berlin zurückgchen, ist festzustellen, daß die beiden Vertreter der Besatzungsmächte bei ihrem Besuche nm Freitag keineswegs mit ihrer Abberu fung gedroht haben. Auch ist über den bekannt gege benen Wortlaut hinaus weder mündlich etwas anderes erklärt worden, no h ist die mündliche Demarche durch irgendwelche schriftlichen Aeußeruuaen von einer von beiden Seiten nnterflriEcn worden. Die Pariser Presse ist über die Abfuhr, die sich dis Botschafter bei Herrn von Rosenberg geholt haben, arg verschnupft. ZNölf Jahre Zuchthaus für Fuchs. Da; jm HochvcnratSprozeß. Fm Munrtzcncr Hoch^rratsprczcß w«rde am Montag ! das Urtcil vrAün-ct- Fuchs wirb weg«» vcrsuchicn Ver brechens -cs Hochverrats z« 12 Jahren Zuchthaus vrrur» teilt, ferner zu 2 Millionen Mart Geldstrafe und 1v Ja turn Ehrverlust, Munä wegen Beihilfe zu diesem Verbrechen z.» L Jahre 3 Monaten Zuchthaus, 3V Millionen Mar? Geld strafe» 3 Jahren Ehrverlust und Ausweisung aus dem Gebiete des Reiches, beide zusammen zur Tragung dev Kosten des Verfahrens. Die Angeklagten Berger, der sich in Untersu chungshaft befindet, da er verdächtig ist, an der Er mordung des Studenten Baur beteiligt zu sein, Ru dolf und Richard Guthermnnn wurden freigesprochen. Zwei der Hauptschuldigen, der Münchener Kapellmei ster Hugo Machaus und Rechtsrat a D. Dr Kuehle hatten sich bekanntlich, um sich nicht verantworten zu müssen, nach der Aufdeckung der Umsturzabsichten das Leben genommen. . . . .... Dcr EhrharÄt-Prozsfr. Znm Stande des Ehrhardt-Prozesses erfährt der „Tag": Ein Hauvtvcrhandlüngstermin war und ist bisher über haupt noch nicht anberaumt. Es ist aber als Zeitpunkt sür den Beginn dcr Verhandlung, deren Dauer auf 10 Tage geschätzt wird, der 23. Juli d. I. vorgesehen. An diesem Termin soll, falls nicht erhebliche Hindernisse sich! entzzegenstsllen, feftgehalten werden. Die Anklage richtet sich bekannLNch gegen den Korvettenkapitän Erhardt auf Hochverrat wegen seiner Beteiligung am Kapp-Pursch; er soll sich ferner einer falschen eidlichen Angabe über seine Person vor dem Untersuchungsrichter Dr. Metz schuldia gemacht haben. Daneben sind die Prinzessin Margaret« i>on Hohenlohe-OehAngcn, der Leutnant z. S. a. D. Franz, Liedig und der Professor der Augenheilkunde Dr. Karl Scbös-- ser, sämtlich in München, wegen Begünstigung im Zu-.' sammcnhang mit der Zeuaeneidverlevung ängÄlagt. Dis Anträge der Verteidigung liegen bislang noch nicht vor. Ls wird jedoch mit Vernehmung von etwa ioa Zeugers M der Hauptverhandlung gerechnet. Die englische SonderMon. Was Baldwin anaablich will. , Zu den Vorbereitungen des Londoner Kabinetts erklärt der „New Mork Herald", Baldwin werde jetzt eine entscheidende Geste machen, und cs auf einen Bruch aukomm.ru lassen. Wahrscheinlich dürfte seine Erklärung erst Freitag erfolgen. Es werden an die Regierung neun Fragen betr. die Ruhrokkupation, so wie die französische Politik, von Mitgliedern der Oppo sition gestellt werden. Eines dieser Mitglieder wird an das Kabinett die Anfrage richten, ob es von der be vorstehenden Besetzung von Frankfurt und Kassel -urch di-e Franzosen Kenntnis erhalten habe. Baldwin werde, sobald er sich zu einer getrennten Handlung entschlossen habe, wahrscheinlich den Fragebogen ver öffentlichen, sowie verkünden, daß die letzten deut schen Angebot« eine Grundlage zu Verhandlungen ab», geben. Es werde behauptet, daß Baldwin die eng lische Politik in Uebercinstimmung mit dem Pla« de» Staatssekretärs Hughes bringen werde, indem er dem deutschen Vorschläge auf Einsetzung einer internatio nalen Sachverständigenkommission bsitret«. Der „Temps" berichtet aus London, daß man keineswegs sicher sagen könne, ob die Verhandlungen zwischen Lord Curzon und dem französischen Botschafter fortgesetzt werden. Lord Curzon und Baldwin werden in den nächsten Tagen Erklärungen in den Parla menten abgeben, und es sei möglich, daß sie dabei schon eine getrennte Aktion Englands in der Repara- tions- und Ruhrsrage ankündigen werden. Ein Mi- riisterrat wird Anfang dieser Woche darüber zu ent scheiden haben. Diese getrennte Aktion Englands würde zunächst gleichbedeutend sein mit der Absen-- düng einer besonderen englisch-italienischen Antwort» note auf die letzten deutschen Vorschläge, und sie würde ferner zur Ausarbeitung bestimmter englischer Vor schläge für eine aktive Neparationspolitik führen, wo bei es für möglich gilt, daß England diese Vorschläge zuerst Frankreich und Belgien vorlegen würde. Mam spricht auch von der Möglichkeit einer Teilnahme Ame rikas an dieser Aktion, wahrscheinlich aber nur in dem Sinne, daß amerikanische Sachverständige an der? Nntcrsucknng der Zahlungsfähigkeit Deutschlands teil- nchmen sollen. Deutsches Reich. — Berlin, den 10. Juli 1923. ° Hiud-cnt'ttrn auf der KrrcgcrbMtdtagung in Gos lar. In der alten Kaiserstadt Goslar begann am Sonnabend die Tagung der deutschen Kriegerwohl fahrtsgemeinschaften, des Preußischen Landeskrieger verbandes und der Deutschen Kriegerfechtanstalten. Zuv Feier des 50 jährigen Bestehens der deutschen Kriegs- vereinsorganisatiouen, die mit einem erhebenden Feld» gottesdienst vor dem Kaiserhaus begann, traf General feldmarschall von Hindenburg nm Sonntag vormittag ein. Er wurde mit stürmischem Jubel begrüßt. Am Nachmittag begrüßten v. Hsickwnburg und v. Heeringen auf dem Osterfeld« Hunderte von Kriegervereinen, die dort mit unzähligen Fahrten Ausstellung genommen» batten. -