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Dies Blatt enthLÜ die anMchen BeLL mtmaHungen der Amtshaupttnannschaft Oelsnitz, des Amtsgerichts, der waUfchast und des SLadtmteL zu Adors. Ftrnsp?echer Nr. !4 Der<rntVNrtttcher Schrifüeiter, Drucker und Verleger Otto Meyer m Ädvrj Tel.-Ldr. Grenzbote. 8S. Donnerstag, den 1S April LM3 Jährst. 88. Strafbefehl Das Amtsgericht. Sie werden beschuldigt, am 11. 11. 1922 bei Bad Elster die deutsche Reichsgrenzr ohne gütige Grenzübertri tspapiere, also unbefugt überschritten zu habm. Vergehen nach Z 1 Ziffer 1 DO. vom 21. 5. 19 verb. m. BO - v. 10. 6. 19 Und der Sächsi VO. v. 7. 9. 22. Als Beweismittel ist bezeichnet: Geständnis. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird deshalb gegen Sie eine Geldstrafe von 2718 Ml. festgesetzt. Zugleich werden Ihnen die Kosten des Verfahrens auferlegt. Dieser Strafbefehl wird vollstreckbar, wenn Sie nicht binnen einer Woche nach der Zustellung bei dem unterzeichneten Gerichte schriftlich oder zum Protokolle des Gerichts- Ichreibers Einspruch erheben. Die Geldstrafe und die Kosten im Betrage von 3001 Mk. sind an die Gerichts- lass» des unterzeichneten Amtsgerichts zu zahlen. , , DE. TE.AM-N Amtsgericht Adorf, am 17. April 1923. ^8° 102/23. Adorf i. V., den 10. März 1923. Zuzustellen: 1. Fräulein Marie Rustler, Weberin, Asch (Tsch.-SIow.) Kaiserstr. 28. 2. Fräulein Klara Meyer, Fabrikarbeiterin, Thonbrunn (Tsch.-Slow.) Nr. 72, beide zur Zeit unbekannten Aufenthaltes. 8t 8260/28 8t 8 210/28 In der Zeit vom 2. Februar 1923 bis heute wurden hier als gesunden abgegeben: 1 Geldtäschchen mit Inhalt, 1 Geldbörse mit Inhalt, 6 Papiergelds Heine, 1 Schal, 2 Mützen, 1 Stoff- und 1 Wollmütze, 1 Trikothandschuh, 1 Schürze, 1 Mantelgürtel aus Holzperlen, 1 Haarspange, 1 Gebetbuch, 1 Rohrzange, 1 Lederriemen. Die Empfangsberechtigten werden hiermit aufgefordert, sich bei Verlust ihrer An sprüche innerhalb 4 Wochen, von heute ab gerechnet, bei uns — Polizeiabteilung, Freiberger-Str. 1 — zu melden. Adorf, den 16. kpril 1923. Der Ttadtrat. Diejenigen Steuerpflichtigen, die die am 1. 4. 1923 fällig gewesenen Brandkafsen- beiträge (1. Termin 1923) noch nicht entrichtet haben, werden an die Bezahlung erinnert. Ak WWk MNW ff UWkWW. Die Verpflichtung zur Bezahlung der Mahngebühren tritt, ohne datz eine schriftliche Mahnung noch erfolgt, am 25. 4. 23 ein. Nach Ablauf oon 8 Tagen erfolgt sodann die zwangsweise Beitreibung der rückständigen Brandkasienbeiträge mit Mahngebühren durch den Vollstreckungsbeamten. Adorf i. V., den 18. April 1923. Der Ttadtrat. LWNNtW M MkllMsk Am Freitag, den 20. d. M., abends punkt V,S Uhr wird in der Aula der hiesigen Mädchenschule Herr Stadtmedizinalrat Dr. Thieme von der Leip ziger Heilstätte hier einen Bortrag mit Lichtbildern über Lungentuberkulose halten. Die Einwohnerschaft wird hierzu um recht zahlreiches Erscheinen gebeten; Kinder haben jedoch keinen Zutritt. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Adorf i. V., den 16. April 1923. Der Stadtrat. Was gibt es Aeues? — Die französisch-belgischen WiederherstellungSveratun- Un in Paris haben ergeben, daß Frankreich auch weiterhin K» Londoner Zahlungsplan des Jahres 1921 feyhält. — In Düsseldorf raubten die Franzosen 22'/» Mil- "vnen Mark aus den Räumen der Arbeitslosenfürsorge. — Zum oldenburgischen Ministerpräsidenten wurde "kh. Oberregierungsrat von Finch gewählt. — Von den 206 Bahnhöfen des Ruhrgebieter sind W 17g von den Feinden besetzt. — Am 30. April wird in Washington der «ngNschp «werikanische Vertrag wegen Rückzahlung der englischen Schulden unterzeichnet werden. — Die österreichische Bundesregierung hat demissioniert. — In der Nähe von Kaschau (Slowakei) ist es zu swem Feuergefecht zwischen einer ungarischen und einer hchechtschen Patrouille gekommen. Gn Ausweg. Tie Schwierigkeiten, über den Ruhrstreit zu einer Verständigung zu kommen, liegen bekanntlich darin, Poincarö diesen Zwist mit der Reparationsfrage Und der Garantie für die militärische Sicherheit Frank reichs verknüpft hat, also mit Dingen, die mit dem Transport der Ruhrkohlen gar nichts zu tun haben. Ter Einmarsch erfolgte wegen eines Rückstandes an Sohlen und Holz (Telegraphenstangen) und erst nach her ist das Ruhrgebiet zu einem „Pfandobjekt" ge- "swpelt worden, wozu Poincare erst recht keine Befug- "is hatte. , Bis die Reparation und die gar nicht bedrohte Ianzösische Sicherheit geregelt ist, kann bei dem Eigen- unn in Paris noch geraume Zeit vergehen. Jedenfalls j- rtet das „Nuhrpsand" keine Gewähr für eine Lösung,. °/nn die Meinungsverschiedenheit zwischen Paris und: ;0Ndon ist mindestens eine ebenso große Schwierig- wie unsere Zahlungsfähigkeit. Es ist also in der) Tat kein Grund vorhanden, sich über Dinge, die nicht Handumdrehen zu erledigen sind, den Kopf zu zer- ^ä>en, sondern weit nützlicher, auf den Anfang des Mnzen Zwiespalts einzugehen, und die Tatsachen, um cs sich damals handelte, aus der Welt zu schaffen. e.as kann ohne viele Umstände geschehen, und hier ist , Möglichkeit eines Ausweges gegeben. Was noch ^/ ordnen ist, kann späteren Abmachungen überlassen wen. Frankreich vergibt sich nichts, aber es kann us seinen augenblicklichen Schwierigkeiten heraus- ^Mmen. » Denn diese sind vorhanden. Nach außen hin in n Differenzen mit England und mit den übrigen /'nentcstaaten, die schon recht peinliche Aeußerungen v i^ ^brschein gebracht haben, nach innen in den bedeu- wen Unkosten, in der Mißstimmung der zu diesen j jungen" einderusenen französischen Eisenbahner !.uo ^ldaten und in den Arbeitsstockungen der Groß- uustrie Frankreichs, die zahlreiche Hochöfen hat aus- vlasen lassen müssen. Zur Zeit geht die französische Hcegierung noch über diese Lage fort, aber sie weiß recht gut, daß sie aus eigener Machtvollkommenheit die Verhältnisse nicht ändern kann. Tie Metallindustrie Frankreichs braucht jährlich etwa sechs Millionen Tonnen Nuhrkoks, die nicht durch die gegenwärtige Ruhraktion des Generals Degoutte zu beschaffen sind. In den drei Monaten der Ruhr- okkupation sind nicht so viele Kohlen nach Frankreich transportiert worden, wie vorher im deutschen Ein vernehmen binnen acht Tagen. Tie in der letzten Zeit laut gewordene Ankündigung aus Paris, man würde es auf eine Lieferung von 10 000 Tonnen für den Tag bringen, ruft bei den Sachverständigen nur ein Lächeln hervor, denn das Versagen deL' Nhein-Herne- Kanals nimmt die letzte Hoffnung aus eine wesentliche Steigerung der Lieferungen. Poincares Hoffnungen werden ebenso im Sande verrinnen, wie das Wasser des genannten Kanals. Es gibt keinen anderen Ausweg, eine schnelle Aenderung der verfahrenen Verhältnisse herbeizufüh ren, als einen Verzicht aus die sofortige Lösung von Reparation und Sicherheits-Garantie in Verbindung mit der eigentlichen Ruhrfrage, der Kohlenfraae. Hierüber ein Abkommen herbeizuführen, bedarf es keiner langen Verhandlungen, sondern im wesentlichen nur eines Fe derstriches, durch welchen der Rückmarsch der Batail lone des Generals Degoutte angeordnet wird. Enttäuschung in Paris und London Ter Widerhall der Rede v. Rosenbergs. In Paris und London macht sich eine gewisse Enttäuschung über die Rede v. Rosenbergs im Reichs tag bemerkbar. Man hatte anscheinend gehofft, die deutsche Regierung würde schon so mürbe geworden sein, um das zu tun, was man von ihr wünscht und erwar tet: nämlich neue, unerfüllbare Versprechungen zu ma- ü^cu. T».. c hätte das Spiel zwischen Katze und Maus von neuem beginnen können. Tie Enttäuschung in Paris. kommt in den Prcßkoinmentaren recht deutlich zum Ausdruck. Die meisten Blätter sprechen von den „lä cherlichen und unzureichenden" Angeboten. Ter „Fi garo" schreibt: „Beißen wir die Zähne zusammen und halten wir aus," sagte Herr von Rosenberg. In diesem Falle hat sich Herr v. Rosenberg recht un glücklich ausgedrückt,. Hat Deutschland die Absicht, auf die Vorschläge des Herrn Bergmann zurückzukommen, die dieser während der Pariser Konferenz im Januar nach Paris brachte? Es ist ganz überflüssig, sich jetzt mit ihnen zu beschäftigen, da sie ja Bedingungen vor aussetzen, die wir nicht annehmcn rönnen. Besonders bemerkenswert erscheint dem Blatt die Aeußerung Herrn von Rosenbergs, wonach Deutschland kick durch die Ergreifung der Pfänder sehr behindert fühlt., „Deutschland beißt die Zähne zusammen, aber eS fängt bereits an zu stöhnen." „Petit Parisien" ist von der Rede verblüfft./ Weder Frankreich noch Belgien würden vor der Kapi tulation Deutschlands nachgeben. Keine von beiden, Mächten habe es eilig. Deutschland müsse sich entschei den, ob es sein eigenes Verderben der Erfüllung und Ausführung der geschlossenen Verträge vorzieht. Dem „Matin", d er an die Vorschläge des Herrn Bergmann anknüpst, will es scheinen, als ob Herr von Rosenberg Richtpunkte ausgesteckt habe. , Was man in Lorrvom hatte hören malle«, verrät eine anscheinend offiziöse Aeußerung des „Daily i Telegraph", in der gesagt wird, daß das deutsche An- gebot einen wesentlichen Fortschritt gegenüber früheren i deutschen Vorschlägen darstelle, aber nicht ausreiche, um ! Frankreich zu befriedigen oder es den anderen alliierten! i Negierungen zu ermöglichen, das Angebot zu unter-j j stützen. Tann heißt es weiter: j Es ist sehr bedauerlich, daß Politische Quertreiberei« > den Reichskanzler Cuno und seine Regierung daran ge hindert haben, eine Ziffer twn «toa 40 Milliarde»» Goldmark zu nennen, di« al» Verhandlungsbasis nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen worden wäre. Tiefer Eindruck, den ma» in London bezüglich der Ber« handlnngobasis hatte, war der Inhalt de» Rates, den man von London aus in Berlin erteilt hat, anscheinend aber mit geringer Wirkung. Poinear« n r-e es gern sehen, wenn di« englische Regierung jetzt l^eitergchende Schai«te unternehmen würde, nm einen starken Truck «uß Teutschland ausznübcn. Vorläufig ist es schwer z« er kennen, auf welchem Wege dies geschehen könnte." Hier wird also ganz deutlich verraten, daß Eng land in der Reparationsfrage gern den Souffleur spie len wollte, wobei man übrigens feststellen kann, datz die Snmme von 40 Milliarden in Wahrheit gar nicht in London, sondern in Paris ausgeheckt worden ist. ES handelt sich hier offenbar um einen Versuch Poincares, durch englische Vermittlung der deutschen Negierung ein Angebot in den Mund zu legen, wie er es hören will. Ter Berliner Berichterstatter der „Times" sagt > von der Rede v. Rosenbergs: Sie stellt eine Anei»« anderreihung glatter Negationen dar. Ter Außen minister setzte nur auseinander, warum dieser Vor schlag unannehmbar und jener nicht diskussionsfähig sei. Er machte es ganz klar, daß alles, was Deutsch- i land zu einem Vergleich beitragen könne, der Berg- ! mann-Plan und chn gläubiges Festhalten an dem i Grundsatz des amerikanischen Staatssekretärs sei: Prü- j fung der Leistungsfähigkeit Deutschlands durch Sach- : verständige.