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Mörser Grenzbote Verantwortlicher Schriftleiter, Drucker und Verleger Otto Meyer in Adorf Nr. 1 - Nonnerstag, d n 15 Februar AM3. 38 Das Amtsgericht. Adorf, den 13. Februar 1923. im Betrag von 20 000 000 M. erfolgt zum Nennwerte. Die Vorzugsaktien erhalten aus dem jeweilig verteilbaren Fahreszewinn vor den Stammaktien eine Dividende bis zu 4* . nach Maßgabe der Einzahlungen und bei Auflösung der Gesellschaft -nach einer 4*-Kgen Verzinsung der eingezahlten Beträge während der bis zur Auszahlung verstrichenen Zeit des laufenden Geschäftsjahres - eine Ausschüttung bis z r Höhe der geleisteten Einzahlungen, ehe auf die Stammaktien etwas entfällt. An dem hiernach verbleibenden Vermögen der Gesellschaft stehen den Borzu zsaktionären keine Rechte mehr zu. Die Vorzugsaktien haben 15faches Stimmrecht, soweit es sich um die Besetzung des Aufsicht?» rats, die Aenderung der Satzung oder die Auslösung der Gesellschaft handelt. L ksx. 45/23. Auf Blatt 252 des Handelsregisters, betreffend die Firma Allgemeine Deutsche CredibAnstall, Zweigstelle Bad Elster in Bad Elster, Zweigniederlassung der Aktiengesell schaft Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt in Leipzig, und auf Blatt 245 des Handels registers, betresfend die Firma Allgemeine Deutsche Tredit-Anstatt, Zweigstelle Adorf in Adorf i. V., Zweigniederlassung der Aktiengesellschaft Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt in Leipzig ist heute eingetragen worden: Die Generalversammlung vom 19. Dezember 1922 hat die Erhöhung des Grundkapitals um vierhundert Millionen Mark, in einhundert neunzigtausend Aktien zu je eintausend Mark, zweiundzwanzigtausendachthundert Aktien zu je fünftausend Mark und neuntausendsechshundert Aktien zu je zehntansend Mark zerfallend, mithin auf achthundert Millionen Mark beschlossen. Die Erhöhung ist erfolgt. Der Gesellschastsvertrag vom 20. Dezember 1899, in der Neufassung vom 10. Juni 1922, ist durch den gleichen Beschluß laut Notariatsprotokolls vom 19. Dezember 1922 in den 4, 8,10 und 31 abgeändert worden. Weiter wird bekannt- gegeben : Die r-euenMien lauten auf den Inhaber. 220400 Stück s!ndStammaktien,2000 Stück sind Vorzugsaktien. Von den Stammaktien werden 300 000 000 M. zum Nennwerte und 80 000 000 M. zum Kurse von 370°/, ausgegrben. Die Ausgabe der Dorzugsakiien Wir geben hiermit bekannt, daß wegen der weiteren ganz bedeutenden Steigerung d:r Kohlenprei e usw. mit Wirkung vom 1. Februar 1923 ab eine abermalige Erhöh ung der Strompreise eintreten muß. Die z ffernmäßige Erhöhung geben wir noch bekannt. Adorf i. L., den 14. Februar 1923. Der Stadtrat. Tel Md . Grenzdot? IMS. 88. Wr «tzorf. Bod Elster, VrvMkcch. Ar«rgrLw, Breikvfeld, Freitzerg Ov.»»/AvtLrsr11c«8riin, Herw-klL«,Iv8elLL»rs, LerrbkLha, WMHlhaLfen, Rebers euch, ZUMHMU KEMtkAssrrr Siebeuhru««, Cohl, Mvhlbsch La* übrige obere Voßtlaud. Der Ereurbotr" «scheint tkallL mit Ausnabmr der Tage nach Errn- u. Feisrtap»«. Dmoukzubezahündkl BezutzW eis monatlich 1400 Mark bei Zu- NN-Z" A!k^ erhöhtem Ta is. Jnirrateuavfgade durch FrnilpreAer -ektes-- jedes Reuamattonmchi aus. Anzergeuavnahm« bi» 10 Uhr Kuh, gröbere 2..ieraie to>s vorher «r eü Lies Blatt enthält die amtlichen Bekanntmachungen der Amtshauptmannschaft Oelsnitz, des Amtsgerichts, der Ämtsan- Waltschaft und des Stao rares M Adorf. Was gibt es Reues? — Die Franzosen haben am Dienstag Wesel und Emmerich besetzt. — Das Urteil des Kriegsgerichts gegen Dr. Jarres Wird am Sonnabend verkündet werden. — Die Franzosen verbieten auch dem Reichspräsi denten die Einreise in das besetzte Gebiet. — Poincarö wird sich erst am Montag dem Kammer» ansschuh stellen. -- In Recklinghausen wurde von d-en Franzosen ein neuer Mord begangen. ' — Reichspräsident Ebert hat sich von Karlsruhe nach Mannheim begeben und wird von dort nach Darmstadt Weiterreisen. — Das bayerische Kulutsministerium hat die bereits angekündigte Verfügung erlassen, wonach an den humanisti schen Gymnasien an Stelle der französischen die englische Sprache als Pflichtfach eingeführt wird, während die fran zösische nur noch als Wahlfach gelehrt wird. Ser Reichstag. Am 4. August 1914 trat der deutsche Reichstag »ur Billigung des Kriegskredits zusammen. Damit begann eine Aera der Einmütigkeit gegenüber der En tente, die leider nicht während des ganzen Weltkrie ges aufrecht zu erhalten war und die später erst recht tn die Brüche ging. Jetzt ist sie durch den Einbruch der Franzosen und Belgier in das Ruhrgebiet und in Ba den wieder hergestellt worden, und Poincarä sieht, daß dis Einheitsfront der deutschen Volksvertretung keine Nebensächlichkeit ist, die er in seiner anmaßen den Weise unbeachtet lassen darf. Es ist ein Unglück für Deutschland gewesen, dah sich der Reichstag vor dem Weltkriege nur zu wenig um die auswärtige Politik gekümmert hat. Als 1902 Italien durch den Abschluß eines Handelsvertrages mit Frankreich den ersten Schritt vom großen Friedens- Dreibund antrat, sprach der Reichskanzler Bülow lächelnd von einer italienischen Extratour, mit der Man es in Deutschland nicht so genau nehmen dürfe. Vier Jahre später schlug sich Italien offen in Algeciras auf die Seite der Entente, und Bülow wurde im Reichs tage infolge der Aufregungen und Strapazen, die ihm die auswärtige Politik bereitet hatte, ohnmächtig. Wir gerieten in das marokkanische Abenteuer hinein, das England benutzte, um Frankreich vollständig zu sich hcrüberzuziehen, es vor den Wagen seiner Interessen zu spannen. Die deutsche Politik wurde nicht so ernst genommen, wie sie genommen werden mußte, und An- uäherungsbesuche zwischen London und Berlin fan den statt, während ein Faustschlag des Reichstages auf den Tisch angebracht gewesen wäre, um endlich Klarheit zu schaffen. Die deutsche Rsichsregierung Unter Bethmann Hollweg glaubte nicht an ernste Ver wicklungen und sie führte die Volksvertretung auf den selben Weg, während schon Anfang >912 mit der Wahl PSincares zum Präsidenten der französischen Republik der Krieg entschieden war. Wir hatten an der Entente schlechte Erfahrun- gen gemacht, wir machten noch schlechtere an Ame- der Weltkrieg zu Ende ging, und der Waffen- Mllstand und der Friedensschluß von Versailles kam. Die 14 Punkte des Präsidenten Wilson, auf die wir vauten, blieben unbeachtet, und das Oberhaupt der amerikanischen Union, das die Macht hatte, seinen Wellen diirchzasetzen, siel um, wie nach ihm Lloyd George. Rsichsregierung und Reichstag konnten sich nrcyt vazu verstehen, an die Möglichkeit einer solchen brutalen Handlungsweise zu glauben, wie sie nach her eingetreten ist. Bis zum Londoner Ultimatum vom Mai 1921 standen wir immer noch ganz leidlich, damals aber wurde es Zeit, die Eintracht im Reichstage zu bilden und auf bestimmten Bescheid zu dringen, ob unser Hoffen und Harren Zweck habe. Der Reichs tag übte Zurückhaltung, aber gedankt hat es ihm niemand. Nun sind wir soweit, daß alle Vorsicht sich er übrigt. Frankreich hat die Maske vom Gesicht genom men, es zeigt sich, wie es ist, und Deutschland hat keinen Grund mehr, die Wahrheit zu verschweigen, die unsere Gegner verdienen. Der Reichstag ist zu dem Verhalten gedrängt worden, das er schon vor zwan zig Jahren hätte einschlagen sollen und nach dem Kriege beizeiten sich hätte aneignen müssen. Geschehene Dinge sind nicht mehr zu ändern, aber soviel haben wir erkannt, dah hundert Reden im Reichstage über aller lei Möglichkeiten nicht so wichtig sind, wie zwei Augen, die den Dingen auf den Grund sehen und sich nicht durch Optimismus täuschen lassen. PoincarL sollte einmal merken, dah über seine Aktion so viele Meinungen beständen, wie Parteien im Reichstage sind, er würde ganz andere Seiten aus ziehen. Aber so wagt er es nicht, er versucht immer wieder Umschweife und Heucheleien, gibt den Arbeitern gute Worte und wartet, daß sich irgend ein Vermittler meldet, um ihn aus der verfahrenen Lage herauszu- sring. n Der Reichspräsident in Karlsruhe. Einigkeit, Recht und Freiheit. Reichspräsident Ebert, der auf seiner Reise nach Baden von den Reichsministern Oeser und Dr. Albert sowie von Ministerialdirektor Meißner und dem ba dischen Gesandten in Berlin Dr. Liefer begleitet wurde, hielt auf der Versammlung, die am Montag nachmittag im Festhallensaal stattfand, eine Ansprache, in der er unter anderem ausführte: „Voll Empörung protestieren wir gegen das, was an der Ruhr geschehen ist und was in den jüngsten Tagen über badisches Land hereingebrochen ist; wir legen Verwahrung ein gegen die Bluttaten, die körperliche ünd geistige Be- drückung und Bedrängung einer friedlichen, arbeitsamen und hart duldenden Bevölkerung, wir rufen die Welt zum Zeugen dessen an, was tatsächlich an Handlungen der Bru- talttät, an Akten unmenschlicher Willkür in dem besetzten Gebiet geschieht. Uns Deutschen aber, die wir alle Söhn« einer Muttererde und eines Vaterlandes sind, ist es heilige Pflicht, zusammenzustehen mit unsern unterdrückten Brü- dern und Schwestern, ihnen Hilfe zu bringen, wenn sie eS ablehnen, den Eindringlingen Sklavendisnste zu leisten. Dem badischen Volke, gegen das sich der jüngste Ein- bruch und neue Bedrohung nuferer Gegner richtet, gilt heute im besonderen unser Gruß. Wir vertrauen, daß es in der gleichen besonnenen Ruhe und zielbewußten Festig keit wie unsere Brüder am Rhein und an der Ruhr dem Unwetter Trotz bietet. Jeder Deutsche ist sich heute des Ernstes der Stunde bewußt. Wenn wir in diesen Schicksnls- tagen alle Kräfte zusammenschließen, werden wir'kuch die ser Anschläge auf unser nationales Leben Herr werden: in dieser entschlossenen, zähen Abwehr erhoffen und erwarten wir — trotz allem — eine bessere Zukunft unseres schwer geprüften Volkes im Bewußtsein unserer Einigkeit und un seres Rechts, im Kanrpf um unsere Freiheit!" Einreiseverbot auch s«r Ebrrt. Im weiteren Verlaufe der Versammlung mackste die Mitteilung des Oberbürgermeisters von Offenburg tiefen Eindruck, die Lokalbshörden hätten von den , Franzosen den Befehl erhalten, von einem etwa ! beabsichtigten Besuch des Reichs- und j Staatspräsidenten sofort der sranzösi- i schen Behörde Mitteilung zu machen. Für i den Fall, baß Ebert das ne,«besetzte Gebiet betrete» wolle, habe der Rheinlanddelegrerte besondere per sönliche Befehle. Er forderte ausdrücklich eine Er klärung des Oberbürgermeisters, ihn von einem der» ? artigen Besuch sofort in Kenntnis zu setzen. T« : ObrrSLrgrrmeisisr hat dieses Ansinnen aber abgelehnt. Die Vereine der Stadt Karlsruhe und die Stu- ' ventenschaft der Technischen Hochschule veranstalteten ! dann vor der Wohnung des Reichspräsidenten auf deW s Schlotzplatz eine vaterländische Kundgebung. Von hi«- ! aus zog dis Menschenmenge in geschlossenen TruvPSk ! durch die Karl-Friedrichstraße zum ,,Hotel Germania"^ ' wo den Mitgliedern der seit längerer Zeit in Karlsruhe ; weilenden Interalliiert n Kommission Wohnung zw- s gewiesen ist. Sie sang vor dem Hotel „Deutschland, Deutschland, über alles ', „Die Wacht am Rhein" unA j andere vaterländische Lieder. Auch wurden Rufe laut, ' die nicht gerade Freundlichkeiten gegen die Franzose« enthielten. Die Menge zeigte aber so viel Besonnen- heit, daß es zu keinen Zwischenfällen kam. Schließ lich sperrte die Polizei den Platz vor dem Hotel ab* worauf sich die Mengs zerstreute. * Die Antwort auf das Einreiseverbot. In Paris und Brüssel lieh die Regierung Noten ; folgenden Inhalts überreichen: „Tie deutsche Botschaft beehrt sich, dem AufenminFW» - rinm ans die BcrbKnKe vom 1V. eSruor betreffend Rei e« deutscher Minister ins Ruhrgebiet auftragsgemäß z« eÄ widern, daß Vie RcichsreFernng m V die Regierungen d« deutschen Länder cs ablechcn, Vorschriften über Vas Ver», halten ihrer Minister von fremden Regierungen entgegen - zunehmen." Die französischen GewaMaien. Der Zwischenfall in Gelsenkirchen. Der in Gelfenkirchen bei einem Zusammenstoß mir französischen Gendarmerieoffizieren durch HalsschuA verletzte Oberwachtmeister Hutmacher ist seinen Ver letzungen erlegen. Wegen des Zwischenfalles wurds der Polizeipräsident Stieler gebeten, vor dem franzö sischen General in Recklinghausen zu erscheinen. D«e General sagte unparteiische Untersuchung der Angele genheit zu. Alle weiteren Strafmaßnahmen werde» k von dem Ergebnis der Untersuchung abhängen. DeV - Polizeipräsident betonte demgegenüber, daß nach de» i bisherigen Ermittlungen die französischen Gendarmen allein die Schuld an dem Vorfall trügen. Der preu ßische Minister des Innern hat den Angehörigen de^ verstorbenen Oberwachtmeisters eine halbe Million' überwiesen. In Recklinghausen wurde der Leiter deA dortigen Polizciwesens, Polizeiobsrst Berg, als Gei»! sei für die in Gelsenkirchen befindlichen Gendarmerie-^ offiziere festgenommen. Ein neuer Mord. In Recklinghausen wurde einem Gemüschänds« durch einen Kolbenschlag der Schädel aufgeschlageu, so daß der Tod sofort etntrat. Die Leiche wurde in die Engelburg geschafft und ist bisher noch nicht freigegebe» worden.