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Adorfer Grenzbote Mes LIM em«M die u Bsßllkmtmachuusen der Amtsh<MptML«nschafl OelsnH, des Ä.lnrsgerjchts, 2er Amtscm- WÄjchsft und des StÄdtre^es zu Adorf. KM.spreche? Rr. 14. BMLNÄvSLMcher EchrWMer, DrurLer und Verleger Otto Meyer in Adorf Tel."LLr.r Grenzbote. 110 Mittwoch, de» 1«. Mai 1923 Ikhxg. 88. die k Bei dieser Politik Englands mußte unser jüug- Angebot ebenso erfolglos bleiben wie alle frühe- * n. Ob ein deutsches Angebot annehmbar ist oder fucht, darüber wird nicht in London entschieden, son- ^ rn in Paris. Dort aber wird man immer nur büche deutschen Vorschläge gutheißen, deren Uner- mllbarkeit außer Zweifel ist. Unerfüllbare Verspre- Iprechnngen, wie wir sie seit dem Versailler Frieden bnmer wieder zu machen gezwungen worden sind, sind Kette, an der uns Frankreich hält. Und was Frankreich will, muß England wollen. Wenn man Nch dies klar macht, so versteht man auch, weshalb englische Antwort so ausfallen mußte. Unter diesen üniständen wird man aber auch die sowohl in der Englischen wie in der italienischen Note ausgesprochene Erwartung, daß Deutschland durch neue Vorschläge °>e Verhandlungen fortspinnen werde, sehr skeptisch nusnchmen müssen. Es besteht leider wenig Hoff- ^ug, daß irgend welche künftigen Vorschläge, Deutschland machen könnte, ohne die Grenze des Mög- "chen und Erträglicheren zu überschreiten, eine gün- Rre Aufnahme finden würden. Die englische Rote. . . In der Einleitung der englischen Antwortnot, . rd erklärt, daß die englische Regierung ein beson- Interesse an dem deutschen Angebot gehabt habe, ° tt die Anregung dazu von England ausgegangen sei. r e deutschen Vorschläge seien aber für die englisch« egierung eine große Enttäuschung gewesen, und 4><ar aus folgenden Gründen: War gibt er Neuer? — Die englische und die italienische Antwortnote er- Mären das deutsche Angebot für ungenügend und sprechen die Erwartung aus, daß Deutschland neue Vorschläge wachem «erde. — Der Reichskanzler hatte am Sonntag in Begleitung Des Reichsarbeitsministers Brauns in Münster Besprechung kN« mit Vertretern des Wirtschaftslebens aus dem Ein- vruchsgebiet. — Die russische Delegation ist aus Lausanne abberufen «vrden. — Nm Montag sand in Lausanne die Trauerfeiec für Woruwjki statt. , — Der Zustand der beiden verwundeten Mitglieder der Mssifchen Delegation in Lausanne, Nhrens und Diwilkowsky. KÜt als befriedigend und man glaubt beide außer Leüens- «efahr. — Die Revisionsverhandlung im Krupp-Prozeß soll um Freitag im Düsseldorfer Stahlhof beginnen. „EMMnng" lind „Erstaunen". Nur unverbesserliche Optimisten, die aus unse ren trüben Erfahrungen seit Abschluß des Waffenstill> Standes nichts gelernt haben und nichts lernen woll- 'ten, können durch die jetzt im Wortlaut vorliegenden Moten Englands und Italiens enttäuscht sein. Es ist bekommen, wie es kommen mutzte. Mag man auch iu London darüber ungehalten gewesen sein, daß Frank reich und Belgien so überstürzt geantwortet haben, dn die Richtlinien, die von Paris ausgegeben wür ben, hat man sich in der Antwort doch gehalten. Eie unterscheidet sich von der Pariser Note nur in der Form und im Ton, nicht in der Sache. Tie Italienische Note wiederum weist eine starke Familien ähnlichkeit mit der englischen auf, ein Beweis, daß vmn sich vorher über die Antworten genau verständigt Hst. In London ist man durch die Berliner Vor schläge „enttäuscht", und in Nom ist man darüber „erstaunt". Das ist ungefähr dasselbe, und beides ist auch gleichmäßig gelogen. Denn in Wahrheit hat man natürlich keine anderen Vorschläge erwartet und konnte auch gar keine anderen erwarten, wie Lord Curzon voch vor wertigen Wochen selber erklärt hat. Aber in der Diplomatie ist noch immer das Wort, daß du Sprache dazu da ist, die Gedanken zu verbergen. Ter Gedanke aber, der die englischen StaatA- vtänucr beseelt und ihre Handlungen maßgebend be einflußt, ist der: da England wegen des in Rußland herrschender: Bolschewismus und wegen der Selbstent waffnung Deutschlands aus dem Kontinent keinen Bum aesgenossen finden kann, der imstande wäre, Frank- rüch das Gegengewicht zu halten, so ist England bis auf weiteres an die Ententepolitik gebunden. Und auch dem Satze, daß, wenn der Berg nicht zu Muhamed »rmmt, dieser zum Berge gehen mutz, zieht die eng- b'che Regierung aus dem Bestehen der Entente die Folgerung, daß, wenn Frankreich sich nicht an die mke und Weisungen Londons kehrt, England sich dem Willen Frankreichs fügen mutz. Tenn andern- Ms müßte die Entente in die Binsen gehen, und aas will man in London nicht. 1. Di« deutsche Regierung bietet als Gesamtzahlung der von ihr anerkannten Schuld eine Summe an, di« weit unter die Basis fällt» die das. der Pariser Konferenz tm letzten Januar vorgelegte britische Zahlungsschema besaß, und von der man tm vornherein hätte wissen müssen, daß sie den alliierten Regierungen unannehmbar erscheinen mutz. > Weiterhin ist die Bezahlung dieser ungenügenden Summe abhängig gemacht von der Auslegung einer Serie inter» - nationaler Anleihen, deren Bedingungen nach allem, »vas vorhergegangen ist, äußerst spekulativ sind, und zwar so ! datz der von der deutschen Regierung vorgeschlagene Zah- - lungsplan Titel enthält, die mit der Unsicherheit nicht zu , verwirklichender Anleihen verknüpft sind. Ueberdies ent hält der Vorschlag finanzielle Bedingungen, die Deutsch land weniger finanziell belasten, als wenn die Anleihen erfolgreich wären, sodaß man nicht annehmen kann daß ' es (Deutschland) wirkliche Anstrengungen machen werde, j diese Anleihen zu erreichen. 2. Insbesondere muß noch mehr die Unterlassung in > der deutschen Note bedauert werden, die darin besteht Z daß die Natur derjenigen Garantien, die es anzubieten ! gewillt ist, nicht genauer gekennzeichnet wird. Die ver- , kündeten Negierungen sehen sich anstelle konkreter und fach» - licher Vorschläge vagen Versicherungen und den Hinweisen ' auf künftige Verhandlungen gegenüber, die in einer der artigen Abmachung keinerlei praktischen Wert ausweisen. Zn weiterer Diskussion bereit. Tie — in der Form übrigens sehr höflich gehaltene — Note spricht dann die Erwartung aus, daß Deutsch land unter Beseitigung aller irrelevanten und wider spruchsvollen Vorschläge sich daran machen wird, seine fetzigen Vorschläge noch einmal zu überprüfen und sie auf eine Art und Weise zu verbreitern, die sie zu einer bequemen Basis einer weiteren Diskussion zu machen geeignet ist. Zu einer solchen Diskussion wird Seiner Majestät Regierung im geeigneten Moment be reit sein und an ihr auf Seiten ihrer Verbündeten teil nehmen, mit denen sie ein praktisches Interesse an dieser Frage teilt, die sie nicht die Absicht hat zu ver nachlässigen, wie sie ebenso wünscht, eine Situation internationaler Gefahr zu beendigen." * Me italienische Rote. In der italienischen Note wird eingangs die Ueber- zeugung ausgesprochen, datz die Deutschen Vorschläge nicht geeignet sind, um zur Grundlage für eine end gültige Aussprache der verbündeten Regierungen mit Deutschland zu dienen. Es wird dann weiter erklärt, datz Italien bereit sei, seinen Teil an den Opfern mitzutragen, uni zu einer allgemeinen wirtschaftlichen Lösung zu kommen, man dürfe ihm jedoch nicht mehr Lasten auferlegen, als es vernünftigerweise tragen kann. Tann heißt es weiter: Die deutsche Negierung weiß übrigens, datz die italie nische Regierung sich zu ihrem lebhaften Bedauern genötigt sah, den Entwurf zur Regelung der Reparationen, di« die englische Regierung auf der letzten Pariser Konferenz vor- - legte, nicht auzunehmen, weil die Denkschrift Bonar Laws obwohl sie zu einem höheren Ergebnis kam, nicht ge nügend den notwendigsten Ansprüchen Italiens Rech- nug trug. — Nach diesem unmittelbar vorangegangenen Vorfall kann die italienische Regierung nur mit einem Gefühl berechtigten Erstaunens feststellen, daß die deutsche Denkschrift von 2. Mai zurückbleibt hinter den Vorschlägen, die im Projekt der englischen Regierung enthalten waren. Abgesehen von der Tatsache, daß die für die Wieder gutmachung festgesetzte Summe bedeutend kleiner ist, als irgendeine Ziffer, so gering sie auch sei, die man vernünf tigerweise erwarten mußte, ist in den deutschen Vorschlägen von der internationalen Anleihe, durch die die Zahlung ausschließlich erfolgen soll, ohne die notwendigen genaueren Einzelheiten die Rede und ohne Angabe der Bedingungen, die erfüllt werden sollen, um die Anleihe unterzubringen und zu einem Erfolge zu führen. Alle konkreten Angaben fehlen über die Garantien und Pfänder, ebenso die Ver sicherung, daß diese Garantien in wirksamer Weise gegeben werden. Tie Note konstatiert zum Schluß, daß die deutschen Vorschläge keine wirkliche Aenderung der Lage bedeuten ; und erklärt als Ansicht der italienischen Regierung, daß s im Interesse Deutschlands sowohl wie in dem des all- . gemeinen Friedens und der europäischen Wirtschaft ! eine neue und baldige Entscheidung der deutschen Re- j gierung zu Vorschlägen führe, die durch ihren Inhalt j und ihre genaue Einzelheiten geeignet erscheinen, von der königlichen Regierung im Verein mit ihren Verbün- -eten mit Aussicht auf Erfolg geprüft zu werden. Die Trauerfeier für Worowskl. Eine verunglückt« Koudolenzvisite. Die Trauerfeier für Worowski sand auf Wunsch ! l .r Lausanner Behörden erst am Montag nachmittag i ^tatt. Zwei Mitglieder der Berliner russischen Bot- ) icyafi nahmen varan tetl. Frau Worowski wird Leni" ! Leichnam ihres Gatten nach Berlin und Rußland ba- s gleiten. - Tas Beileid der SchwviK. Ter Vertreter des schweizerischen Bundesrats, Lsgationsrat Stoutz, hat sich am Sonntag in Begleitung des Chefs der waadtländischen Sicherheitspolizei nach dem Hotel Cecil begeben, um der Delegation das Bei leid des Bundesrats über die Ermordung Worowskis ! auszusprechen. Tie zweite Aufgabe bestand darin, dem > russischen Sekretär T-iwilkowsky die Sympathien des Bundesrates zu überbringen. Di« russische Dele^a- ! tion knüpfte jedoch daran die Bedingung, daß auch d.rn I: Chef des Pressedienstes, Ahrens, der ebenfalls ver wundet wurde, das Beileid ausgedrückt wurde. D a > Vertreter des Bundesrats konnte jedoch dies« Bedtl gung nicht annehmen. Tas von der russischen Delegatton über den Besuch i ausgegebene Kommunique schließt mit folgendem Satz: i „Die schweizerische Regierung hat also ans einem Shnv ' Pathiebeweis für die Opfer eines auf ihrem Gebiet ' begangenen Attentates eine politische Demonstratio.» machen wollen, die zu qualifizieren wir uns versagen." Sergt über die Lage. Tie Stärke Vas Kabinetts Cuno. Aus dem deutschnationalen Landesparteitag des ! Landesverbandes Westsachsen in Wurden hielt Exzel- - lenz Hergt eine längere Rede, in der er auch auf die - bekannte Rede Stresemanns im Reichstag einging. Vom englischen Standpunkt aus halte man bei Fortdauer ! des Versailler Vertrages den Krieg für England ver- s loren. Stresemann habe durch seine Rede die englische ! Regierung von ihrer Verlegenheit befreit und der deut schen Regierung neue Verlegenheiten geschaffen. Cur- zons Rede habe in Deutschland trübe Hoffnungen er» s Weckt. Man wollte Deutschland zu Verhandlungen be- reit machen, um es doch aus die Knie zu zwingen. ! Nachdem der Redner dann betont hatte, daß die Teutschnationale Volkspartei mir dem Inhalt der deut schen Note nicht einverstanden gewesen sei, weil die Vorschläge noch über die Bergmannschen hinausgingen, stellte er für die deutsche Regierung folgende Direk tiven aus: 1. Kein neues Angebot an Frankreich und Belgien, wie überhaupt an die Alliierten. Davon kann und darf keine Siede sein. Die Teutschnationalen würden sofort in der Opposition stehen, wenn man von einer solchen neuen Note spricht. 2. Wenn es mit England zu einer weiteren Aus» spräche kommt, dann müssen wir von England Bürgschaft ten verlangen und dürfen uns nicht auf irgendwelche unge wisse Hoffnungen einlassen. Wir sind schon so oft b«- troaen worden. Wir müssen also größte Vorsicht walten lassen. 3. Bei einem neuen deutschen Angebot dari unter keinen Umständen über die Grundlage unserer jüngsten Erklärungen hinausgegangen werden. Wir dürfen im Nu«, land nicht den Eindruck erwecken, als ob wir heute so und j morgen so sprechen, als ob wir nicht wissen was wir wollen. Auf dem passiven Widerstand müssen wir bis zur j Räumung des Ruhrgebiets bestehen bleiben. Ucber das Kabinett Cuno sagte Hergt: Keine parlamentarisch« Macht könne das Kabinett stürmen. Wenn der Kanzler es nicht selbst will. Die Vorhand, lungen sind durchaus nicht die letzte Möglichkeit in dem schwebenden Konflikt, zu einer Lösung zu kommen. Auch ' wirtschaftliche Fragen kommen in Betracht. Wir woü z len, nachdem der Versailler Vertrag von anderer Seit« verletzt worden ist, von allen Fesseln befreit fein. ; Tie Reichsregierung muß ihren Willen innen- wie ' außenpolitisch durchsetzen, auch gegenüber solchen Re gierungen wie die sächsische. Deutsches Reich. — Berlin, den 15. Mai 1923 ° Kommunistisch« Kundgebungen. Wegen der Vor» Hänge im preußischen Landtag veranstalteten die Kom munisten am Sonntag in Berlin und Hannover Kund gebungen. In Berlin versammelten sie sich mit den - üblichen roten Bannern auf dem Lustgarten. Auf den mitgeführten Schildern las man gewissermaßen als Ant-^ , Wort auf die Verordnung des Berliner Polizeiprisi-! deuten gegen di« proletarischen Hundertschaften Auß«, ! forderungen, in denen zur Bildung dieser Organisa. tionen ausgefordert wurde. Einiges Aufsehen erregte : die Kommunistische Kindergruppe Wedding, in der j Knaben und Mädchen im Alter von 5 bis 14 Jahren marschierten, und die ein großes Banner mit sich j führten, mit der Aufschrift: ,,Durch Kampf zum Sieg!" Nach dein Vortrag kommunistischer Freiheitslieder nah men dann zahlreich« Redner, darunter auch Landtags abgeordnete, das Wort und protestierten gegen den