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TelrALr.: Grerrztste DierrsLag, deu 26. Juni 1MZ. und des Staotrares zu Adorf. Vers^tmorÄHer Schriftleiter, Drucker und Verleger Otto Meyer in Adorf HatzvAo 88. Fe^fprecher Mr. 14. M 144 Adorser Grenzbote DDvTs, VvÄ (KMLE, BrüwLdch, AensgrSv, Breitenfeld, Berve«, Cbmath, Freiderg Od -L. Vv4^r gelten MÜN, H«ML»grLn, IvgelsLnrg, Lenbetha.MStzlhLLsen, Rebersreuth, RenMngrLv SicLvnbrnnn, Sohl, Wohlbach vnd das übrige obere Vogtland. er .Adorsrr GEbvie" etlSUnt iSvLÄ mit Ss5««-?ne drr Tage nach Sonn- u. Feiertapr». Volauczubezahlender Bezugspreis monatlich 7230 Mark bei Zu- imrmgins Km«> dmÄ uns-« AusMge» DmNmrm der 5 grspalienen Vetitzeüe wird mit SOO — Mk. berechnet, bei sLswättikkn Lnzetae« mt! 600.— Mk. Di« L-aeir^tenh L,t9-BerlErWi!, tostet 1200 - Mk. Diramtüche Petit-Zeile (halbe Blattbreite) 1200.- Mk. Bei Platzvorschrift L5°/° Ausschlag. Zeittauben ver Satz nach erhohtemTmst. Jn!ereSe«s»?oob« dmch ^emspWKer ichAetzr jedes ReMmüttonsrecht aus.Art-ergevanuahme bis !O Uhr früh größere Jnlerate taxs vorher erbeten. Ätes Brott enth^t die amtlichen Bekanmmüchuutzen Ser Amlshauptmannschast Oelsmtz, des AmlsgLricyw, der Amrson« Die Kreishauptmannschast mit dem Kreisausschutz hat die Zugtiersieuerordnung für dm Veznksverband der Amtshauptmannschaft Oelsnitz i. B. genehmigt. Die Steuerordnung liegt 14 Tage lang in der Amtshauptmannschaft, Zimmer 14, zur Einsichtnahme öffentlich aus. 16: 46 o VI/23. Oelsnitz i. V., 23. Juni 1923. Der Bezirdsverdand. > «W' 1» »«»M1" 'M",« !U>« 1 >ü» !Wa>-WMN-M SelgiM. Ter belgische Staat, der erst neunzig Jahre alt ist, scheint berufen zu sein, eine größere und für die Entente vielleicht bedeutsame Nolle zu spielen. Die eigentliche Hauptstadt des Landes ist Paris, das für Brüssel ein politisches und gesellschaftliches Vorbild Kewesen ist. Brüssel hat deshalb auch stets den Bei namen „Klein-Paris" geführt. Dagegen neigte die dem englischen Königshause verwandte, aus der Fa- tnilie Sachsen-Koburg stammende belgische Dynastie dach Loudon, und besonders der vorletzte König Leo pold II. und der Prinz von Wales (später Eduard VII.) waren eng miteinander befreundet und auch ihrem Charakter nach zwei geistesverwandte Lebemänner. Frankreich und England haben sich lange Jahre hindurch über Belgien hinweg mit scheelen Augen be trachtet, es hieß in London das Sprungbrett zur briti schen Küste. Und zwar war es dies für Frankreich mehr As für Deutschland, das niemals an eine Besetzung dieses Nachbarstaates ohne das Unwetter des großen Krieges gedacht hätte. Jahrzehnte früher hatte es der dritte Napoleon schon auf Belgien abgesehen und in hm sechziger Jahren Bismarck vertrauliche Anerbie tungen gemacht, daß Frankreich Belgien nehmen wolle, während Preußen sich in Deutschland schadlos halten sollte. Nach Ausbruch des Krieges von 1870 sind diese Verhandlungen von Berlin aus bckanntgegcbrn wor den und haben die französische Politik, durch die wie ei» ^oter Faden der Drang nach Vergrößerung geht, ge bührend gekennzeichnet. Daß die Strömung in Brüssel und in Belgien Acht deutschfreundlich war, haben wir vor 1914 gc- when, obgleich das deutsche Kaiserpaar bei seinem besuch dort im Jahre 1912 sehr gastfreundschaftlich "ufgenommen worden war. Denn schon 1908 war die knglisch-franzöfisch-belgifche Militürkünvenlion abge- ichlosscn worden, die ihre Spitze gegen Deutschland rich- ftte. Bei Beginn des Weltkrieges waren alle Fcind- ^ligkeiten gegen uns vorbereitet» was nicht von heute uuf morgen geschehen sein konnte, sondern schon seit Angerer Zeit zügerüstet sein mußte. Auch über diese Stimmung der Belgier und ihrer Negierung haben nch viele Deutsche und Angehörige des Neichsregi-- 'Nents getäuscht. Im und nach dem Weltkriege ist es den Fran- losen gelungen, Belgien dem englischen Einfluß, so- ^eit derselbe noch vorhanden war, zu entziehen und vollständig in ihren Bann zu bringen. Bis zu »lesem Jahre sind der König Albert und seine Minister m Brüssel mit den Leuten in Paris durch dick und dünn begangen, seitdem machte sich in Belgien gegenüber Frankreich eine selbständigere Regung bemerkbar. Es Naben da wohl verschiedene Regungen zusammengc- In Brüssel hat man, wie überall, cingesehen, "atz der Anspruch Poincards, im» Namen der Entente tu sprechen, wesentlich auf der französisch-belgischen vntlmität beruhte, daß Belgien es also nicht mehr hat, seine Dienste zu billig oder gar umsonst «u verrichten. Ohnedem wäre Frankreich isoliert und Was gibt es Aeues? — Der Reichskanzler hat in einem Rundtelegranu.. u die Länder Anweisungen zur Ausführung -er Devisen verordnung gegeben. — NeichswirtschaftSministcr Dr. Becker hat dem Reichs kanzler eine Denkschrift zur Frage der Markstützung zu- vehen lassen. ! — Der Steuerausschuß des Reichstages hat die Sätze per künftigen Zuckersteücr für 100 Kilogramm Reingewicht duf 24 000 bczw. 60 000 Mark erhöht» d. h. gegenüber der Regierungsvorlage verdoppelt. , — Der Ncichsverband der deutschen . Presse erhebt in einer Entschließung schärfsten Einspruch gegen die Knech- wng der Rhein- und Nuhrlande, insbesondere gegen die Beschränkung der Pressefreiheit. — In Barcelona wurden der frühere Stadtrat Al- Knana und sein Chauffeur durch Revolverschüsse von drei Personen getötet. Einer der Täter wurde verhaftet. — Der Zwischenfall in Marl ist jetzt aufgeklärt worden. — Der Dollar ging auf rund 121000 zurück. wnnte seine Stellung nur unter sehr erschwerenden Umständen aufrecht erhalten. Weiter decken sich die französischen und belgischen Interessen an Rhein und Kuhr doch nicht vollständig, und auch das große bel gische Kolonialgebiet in Afrika, das bei seiner Schaf fung zu weitgehenden Hoffnungen Anlaß gab, wist berücksichtigt sein. Endlich redet auch England n Brüssel einen Ton, der von den französischen Ein flüsterungen abweicht. Tie Tatsache steht fest, daß es heute nicht mehr zwei Ententestaaten gibt, die ein Herz und eine Seele sind. Auch das kleine Belgien hat erkannt, Welchs Macht es mit seiner Position zwischen England und Frankreich in den Händen hat. Weshalb soll es also Keselbe in dieser Zeit des allgemeinen Egoismus nicht »uSnützen? Daß es uns keine Liebe entgegenbringt, ist schon gesagt worden, aber darum kann es doch die großen geschäftlichen Vorteile ausbeuten, die ihm das deutsche Hinterland, das gewaltige rheinisch-westfälische Industriegebiet, bietet, die heute durch die Ruhraktiöu vollständig lahmgSÜcgt. sind. Belgien hat sich mit nach der Ruhr schleppen lassen, aber cs hat nichts davon. Belgien ist der Herr seines Willeirs und bei der erforderlichen Energie auch der der Entente. Bei voller Wahrung seiner Selbständigkeit geht das „herz liche Einvernehmen" mit Frankreich aus dem Leim, und eine neue Lage bildet sich heraus. Die Vorsicht, die zu allen Dingen nütze ist, wird wohl fetzt noch be wahrt werden, aber die Zeit rückt heran, wo dis Ge duld knapp zu werden anfängt. Gegen die DevLsen-Spekulation. Kauf nu- Berkaus nur zum amtlichen Kurse. Eine Verordnung des Reichspräsidenten bringt nunmehr die angekündigte neue Devisenverordnung. In dem grundlegenden Paragraphen 1 wird folgen des bestimmt: Gegen Reichsmark oder Wertpapiere jeder Art, die auf Reichsmark laute», dürfe» im Inland und AnUano nur solche Zahlungsmittel und Forderung«-» iu ausländi scher Währung erworben oder veräußert worden, für die eine amtlich« Notierung in Berkin stattsiudrt. Ter Erwerb oder die Veräußerung ist n»r zu dem amtlichen Kurf« bes Tages Ves Geschäftsabschlusses, nn- zwar zu dem Gels- odcr Briefkurse oder einem dazwischen liegenden Kurse i tulässig. Eine amtliche Notierung wir- lediglich -anu als vor- > liegen- angesehen, wenn iu der l»ctrosfeudcn Währung am f Tage des Geschäftes eine amtliche Rotiernng des Kurses der Auszahlung stattsindet. An Tagen» au welche» eine l amtliche Notierung der Auszahlung nicht stattn-wet, dürfen in -er betreffenden Währung Geschäfte nicht abgeschlossen j werden. Ter Kurs für Auszahlung ist a»ch für Geschäfte in Banknoten maßgebend» wem» für Banknoten kein befon- vercr amtlicher Kurs notiert wird. Wird ein solcher be sonderer Kurs notiert, so gilt er lediglich für Geschäfte in Banknoten. Fm Kleinverlchr sind Nmsätze bis zu fünf Pfuuv Stcrlnm oder dem entspreche»»-«-!, Betrage in einer ande ren Währung auch zum lctztbelaunftu amtliche» Kurse zu lässig. ..... 1 Tics- Vorschriften n».den aus Geschäfte, die mit der Kcichsbauk abgcschwf-cu werden, k.f»: Anwendung. Tie Verordnung, die mit der Verkündung in Kraft tritt, setzt für Verstöße Gefängnisstrafen bis zu drei Jahren und Geldstrafen bis zum Zehnfachen des Wertes der ausländischen Zahlungsmittel fest. - Auffüllung der Doitaranlethc. Zur weiteren Bekämpfung von Vorstößen gegen die Mark ist außerdem eine Auffüllung der Tollar- anleihe beabsichtigt. Bei der Auflegung der Tollar- anleihe ist eine Summe von 100 Millionen Dollar von den Banken garantiert worden, deren Aufbringung jedoch nicht tcrminmätzig festgelegt war. Die Summe der Zeichnungen erreichte nur 53 Millionen Dollar. Von dem Restbetrag von 47 Millionen war der fünfte Teil auf Grund der erwähnten Garantieleistung zu nächst von den Banken und Bankiers einzuzahlen; das ergab etwa weitere zehn Millionen. Schließlich sind nochmals zehn Millionen Dollar nachträglich durch - Verkauf von Anleiyestücken ausgebracht worven, so vag zurzeit ein Rest von 27 Millionen Dollar aus dem garantierten Betrage von 100 Millionen offen steht, den die Banken nunmehr nachzahlen sollen. > Ter Reichskanzler hat eine Anzahl von Vertre tern der Industrie empfangen, um mit diesen über eine Beteiligung der Industrie, sowohl an der Aufbringung der erwähnten Summe, wie über die Durchführung der übrigen zum Schutze der Währung zu treffenden? Anordnungen Rücksprache zu" nehmen. ZndeMne. Tire Richtlinien der Gewerkschaften. Die Beratungen der freien Gewerkschaften über die Erreichung wertbeständiger Löhne sind abgeschlos sen worden. Man hat sich auf die vom Afabuud festge legten Richtlinien geeinigt. Tie beabsichtigte Lohn- regslung bedeutet aber nicht etwa ^in Ende der bis herigen Lohnbewegungen, sondern bezweckt lediglich eine andere Grundlage der künftigen Lohnverhandlun gen. Die Festsetzung des Grundlohnes soll durch den' einzelnen Berussverband erfolgen, der nach den beson deren Berufsverhältnissen bestimmen kann, welcher Mo nat als Grundlage der Neuregelung anzusehen ist. Tie beweglichen Zuschläge zum Grundlohn sollen sich nach dem allwöchentlich am Mittwoch zu veröffentlichen In dex richten. Zur Erlangung der Wertbeständigkeit sok- i sen die Gehaltszahlungsfristen auf mindestens 14 Tage; verkürzt werden. Um Rücklagen für notwendige An- j schaffungen zu ermöglichen, wird die Errichtung wert beständiger Spareinlagen verlangt. Tie freien Gewerkschaften verlangen eine gesetz liche Festlegung der Lohnzahlungen in diesem Sinne. Nach der Haltung der drei anderen großen Gewerk schaftsrichtungen zu urteilen, werden auch diese im großen ganzen diesen Richtlinien zustimmen. Tie alb- gemeine Neuregelung der Lohnzahlung dürfte so im Laufe der nächsten Woche ihrer Verwirklichung entZe- gengeführt werden. Die künftige Errechnung des Le benshaltungsindex soll so vor sich gehen, daß die anr Mittwoch jeder Woche in 15 bis 20 deutschen Städten stattfindenden örtlichen Erhebungen telegraphisch nach Berlin übermittelt werden. Tas Statistische Neichsamt stellt auf Grund der örtliche»» Erhebungen der» Index fest, der dann am Ausgang jeder Woche veröffentlicht werden kann. Während die Gewerkschaften bisher schon an den örtliche»» Feststellungen der Lebenshaltungs kosten beteiligt waren, sollen sie künftig auch bei dev, endgültigen Zusammenstellung im Statistischen Neichs amt herangezogen werden. Me SevffeMufe der Firma Sünnes. Für Rechnung der Reichs bahn. Ter Untersuchungsausschuß des Reichstags, dessen Verhandlungen über den Marksturz schon recht lang weilig geworden waren, hatte am Freitag einen „gro ßen Tag". Es handelte sich um die Devisenkäufe der Firma Hugo Stinnes, die von verschiedenen Zeitungen zum Gegenstand heftiger Angriffe gemacht worden wa ren. In den vorhergehenden Sitzungen des Ausschusses war schon der Handelsredakteur der „Frankfurter Zei tung", Oeser, über diese Angelegenheit vernommen worden. Am Freitag wurde nun der Generaldirektor der Firma Hugo Stinues, Minoux-Berlin, vernommen, der in etwa einstündiger Rede über die Stinnesschen Dcvisenkäufe Auskunft gab. Aus seinen zum Teil recht temperamentvollen Ausführungen fei folgendes her- vorgehobcn: Der Devisenbedarf unserer Firma in der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Mai betrug insgesamt 2 220 000 Pfund, also monatlich 444 000 Pfund. In dem von mir genannten Devisenbedarf stecken Einkäufe von Kohlen nu-ü für Reichsbetriebe, es stecken darin Einkäufe vou Notz- stoffen» für deren Bezug wir leider auf das Ausland ange- miesen sind. Zwischen dem Betrag, den wir in Auslands devisen notwendig haben, und den» uns zur Verfügung stehenden bleibt eine gemisse Differenzsumms, die wir nur im freien Markt durch Ankäufe decken können. Die Diffe renz, die wir im freien Markt decken mußten, betrug im März 48 960 Pfund, im April 128 678 Pfund, im Mar 224 725 Pfund. Nun soll