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BersmDöM-chec Schristlätter, Drucker und Verleger Otto Meyer in Udorf Kreitsg. drn Ltz Februar -M3 ^.-sp^cyer Sir. i 3N. Tel »Mr. Grenzt E zÄ»s 88. Adorfer Grenzbole !?5 ^vrs. Bav Elster, Br«»t«ch, Prkssrr«, DreUeufeld, BertzkL, EL»oth, Fretberg LWssMM i Dd.. ». UvtergeLtkSkrü«, HerM»8r«v,3«ber,L»rg, Levbeth«, Wühlhauseu, Neber»re»th, NrMLk^r^«. Liebr«br««n, Evhl, WohLLach vuddas Khrige obere Vsgtla«d. der Tage ««» SvL«- «. Feiertage«. Boraurzuberahlender Bezugspreis monatlich 1400 Mark bei Zu- k-aWtene^ ^ d" 5 mi, 80 - Mk- bnea net, keitver^M- r mii 100.- Mk. Lie «Mm?" n . Die amtlich« Pew-Zeile halbe Blattbreite) 200.- Mk. Bei Platzvorschnst 2b'/. Aufschlag: Zeitraubender Satz nach «koyr.m^.q. -2Nie.ateL«v,eadr ^btki, lchLtchr lebe« Re-.r«ma«ovrrecht aus. »«»«geusuvabtne bi» 10 Uhr früh: größere Jnieraie lax- vorher erbeten. Dies Vlalt LntMt Lie umMchen Beksnnttnachl-ngen der Amtshauptmannschast Oelsi.iZ, des Amtsgerichts, der Amtsan» Lüllfchüft und des StadlralkL zu Adorf. MMW Sk! AM M UsWkWWl. Auf Grund von § 42 Abs. 1 de» Arbeitrnachweisgesetzes vom 22. Juli 1922 tReichsgesetzbi. l S 657) hat der Herr Präsident der Reichsarbeitsverwaltung Dor- Vrrfte» über Melb»uge« sowie über statistische Berichterstattung bei Streiks ««d Uussperruugeu erlassen. Insbesondere ist danach der Arbeitgeber bei Ausbruch eines Streiks oder einer Aussperrung in seinem Betriebe verpflichtet, de» öffentliche« Arbeitsuachweis Unverzüglich Meldung zu erstatten. Die hierzu zu verwendenden Vordrucke sind beim zuständigen Arbeitsnachweis gegen Erstattnag der Selbstkosten zu entnehmen. Im übrigen sind die Vorschriften im Reichsarbeitsblatt Nr. 23/24, S 699 Jahr gang 1922 und Nr. 2. S. 46 Jahrgang 1923 abgedruckt. Sie können im Bezirks» arbeitsuachweis jederzeit einges-hen werden. Oelsnitz i. V„ dm 15. Februar 1923. Die A»tshanptma««schaft. ^.«l.88/1923. t MEr AW Ski WMiSÜ^ Freitag, den 16. Februar 1923, abends 7 Uhr. Adorf, den 14. Februar 1923. Der Stadtverord«eie«-Dorsteher, Rich. Gierschick. Tagrsordnunq: 1. Beschaffung von Trockenbatterien für die elektrischen Taschenlampen der Polizei mannschaft. ' 2. Regelung der Lohnverhältnisse der Waldarbeiter. 3. Satzung der Verbandssortbildungsschule. 4. Entschädigung für die Schreibbedürfnisse der Lehrerschaft. 5. Herstellung eines Schiebers im Hochwasserdamm an der Karlsgasse. 6. Baulichkeiten in der Mädchenschule. 7. Bewilligung von Kosten für Erweiterung des Gasrohrnetzes. 8. Regelung der Entschädigung für Heizung und Beleuchtung in Dienstwohnu ngcn. 9. Erhöhung der Entschädigung für die Hausverwalter in städtischen Gebäuden. 10. 20. Nachtrag zur Gemeindestemrordnung (Hundesteuer betr.) 11. Sprachlehrerzulage. 12. Einbürgerungsgesuch. 13. Weitere Anordnungen zur Durchführung von Mahnahmen gegen den Wohn ungsmangel. 14. Entschädigungen für Abpostungen. 15. Strompreis-Erhöhung. 16. Mitteilungen. Was gibt es Aeues? l — Im englischen Unterhaus« erklärte Bona» Law, die Vnrültziehung der englischen Truppen vom Rhein würde das »ende der Entente bedeuten. ! — Die Franzosen fordern von Gelsenkirchen ein« Kor»- «kbution von 100 Millionen Mark. — Der stellvertretende Oberbürgermeister vv« Esten, Dr. Schäfer, wurde verhaftet, weil dem Hotel Kaiserhof. in dem die Interalliierte Kontrollkommission wohnt, das elei rische Licht abgeschnitten wurde. — Die englische Regierung hat die Durchfahrt von Kohlenzügen durch das englische Gebiet abgelehnt. — Die Zahl der bisher im alten besetzten Gebiet mrtrr Ausschluß des widerrechtlich besetzten Gebietes von Düssel dorf und Duisburg ausgewiesenen Personen, Beamten und Privaten, beträgt rund 280. — Der StenerauSschuß des Reichstage« beschloß eine Vervierfachung der beim Steuerabzug zu berücksichtigen den Ermäßigungen vom 1. März 1923 ab. - - Der Dollar ging an der Berliner Börse bis auf 83 441 zurück. Vie drei Gruppen in Paris. An der Spitze der französischen Republik hadm schon seit Jahren verschiedene Interessengruppen ge standen, an deren Treiben e§ zum guten Teil liegt, pah in Paris keine Ruhe hat einziehen können. Die Politiker stehen wohl im Vordergründe, aber sie sind »ft genug nicht führend gewesen, sondern von den weiden anderen Gruppen, dem Militarismus und dem Grohkapitalismus, als Werkzeug benutzt worden. Als vor zehn Jahren Poincare zum ersten Male zur Macht «elangte, waren es weniger die politischen Parteien, die Ihm unter die Arme griffen, denn er war durchaus nicht beliebt, sondern die Armee und die französischen Spe kulanten. Und die letzteren Kreise haben auch die Ninhraktion in sehr starkem Maße beeinflußt, womit allerdings nicht gesagt sein soll, daß sich der politisch« Chauvinismus ablehnend verhalten hätte. Der Finanz verdankte Frankreich das sehr kost- fpielige mexikanische Abenteuer vor 60 Jahren, welches den Thron Napoleons stark erschütterte, und den Ge nerälen den Krieg von 1870-71, der die Katastrophe brachte. Das Wort des Kriegsministers Leboeuf von 1869: „Fertig bis zum letzten GamaschLnknopf!" war das Alarmsignal zum Kriege. Die Politiker ließen sich in diesem und in anderen Fällen viel zu leicht ins Schlepvtau nehmen, die Stimme der Besonnenheit war 1870' und 1914 Wohl vorhanden, ab^r sw ver hallte viel zu schnell unter dem Toben des Chauvinis mus. Unter allen französischen Ministerpräsidenten, die in den letzten fünfzig Jahren ihres Amtes gewab tet haben, befanden sich nur zwei, die zwar noch lange nicht deutschfreundlich, aber doch so einsichtsvoll waren, in der Revanche kein Heil und keinen Segen für Frankreich zu erblicken. Das waren Jules Ferry und Caillaux, die dafür von Clemenceau 1885 und 1912 als „Verräter" hiugestrllt wurden. Den, Letzteren wurde sogar ein HochverratSProzeß gemacht, in dem er aber freiaesprochen wrtr>e. ! In den meisten Fällen sind die Politiker und Spe- ! kulanten Hand in Hand in Paris gegangen, was aus dem Panamaskandal und einer ganzen Anzahl von : ärgerlichen Zwischenfällen hinlänglich bekannt ist. Aus ! dem Ruhrgebiet haben die Großindustriellen großen Bedarf an Erzen und Metallen, sie haben auch eine ungefähre Kenntnis von den Verhältnissen gehabt, die dort obwalteten. Sie haben sich aber wirklich ge hütet, sich mit ihren Plänen in den Vordergrund zu stellen, die Verantwortung für die Beseitigung der ! Schwierigkeiten haben sie der Negierung und ihren < Parteien überlassen, die jetzt daran auch tüchtig zu ! schlucken haben. Marschall Foch und seine Leute sehen mit souveräner Mißachtung über die Verdrießlichkei ten Poincares hinweg, ihr Ziel liegt auf einem ande ren Gebiet, und sie sind rxur bemüht, ihre Bataillone am Rhein und an der Ruhr festzuhalten. Sie glauben auch die Gewißheit zu haben, daß sich jedes Ministe- sterium in Paris, mag es heißen, wie es will, ihrem , Willen fügen muh. Vor dem Kriege galt Frankreich als der „Ban kier von Europa". Das stimmte aber schon lange vorher nicht mehr, denn in letzter Zeit hatte man ein Haar dar in gefunden, Frankreich zum Gläubiger zu haben. Wer von diesem Geld lieh, mußte nicht nur die selbstverständ lichen hohen Zinsen zahlen, sondern sich auch verpflich- - ten, für einen sehr erheblichen Teil der geliehenen Gelder französische Waren zu kaufen. Kürzlich haben j die Polen aus Paris 400 Millionen geborgt, sie haben ! sie aber nur unter der Bedingung bekommen, diesen ! vollen Betrag zu Einkäufen in französischen Waren i anznlegen. Nun denke man sich, was für ein enor mes Geschäft das Pariser Großkapital machen würde, ! wenn es ihm gelange, das Ruhrgebiet unter seinem ' Einfluß zu behalten. Wer von Frankreich politische i oder wirtschaftliche Freundschaften haben will, würde s vann künftig Erze, Kohlen oder Fabrikate kaufen müs sen, und die Engländer würden das Nachsehen haben. Und die hohen deutschen Neparationslasten blreben dann außerdem noch für Frankreich bestehen. Rückkehr des Reichspräsidenten nach Berlin. Sein Aufenthalt in Darmstadt. Reichspräsident Ebert wurde bei seiner Ankunft > in Darmstadt von dem Staatspräsidenten Ullrich be- ; grüßt. Ebert erwiderte mit einer Ansprache, in der . er Bezug nahm auf seinen Besuch in Karlsruhe. Dort : habe man es gleichfalls als Pflicht betrachtet, den z Franzosen nach jeder Richtung Widerstand zu leisten. - Die Arbeiterschaft habe in Karlsruhe im Verein mit i der studentischen Jugend, die in Band und Mütze er schienen war, Mann für Mann und Schulter an Schul ter in einer spontanen Kundgebung Treue und Hilfe gelobt. Heute früh habe er mit den Vertretern von Handel und Industrie in Mannheim verhandelt, woran - auch zahlreiche Pfälzer teilgenommen hätten. Auch hier gab es nur sine Stimme der Entschlossenheit und des zähen Widerstandes. Dem hessischen Land stelle , er ncy evenfalls mit ganzer Kraft zur Verfügung. Den Einbruch ins Ruhrgebiet beurteile die ReichS- ! regiernng genau so wie den ins süddeutsche Land. - Nichtssagende Gründe hätten auch zu dem letzteren g«» : führt, denn es drehe sich nicht um den Rhein, sondern i um die alte Bestrebung der französischen Politik, den Norden vom Süden zu trennen. Die Staatspräsidenten ! von Baden und Württemberg hätten feierlich erklärt^ i daß man nicht daran denke, auch nur einen Quadrat» ! meter deutschen Landes freiwillig preiszugeben. Mit dem Geschick der bedrängten Bevölkerung fühle er sich auf das innigste verbunden. Er sei bereit, alle un sere wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte einzuset zen im Kampfe um Süd-Deutschland. Der Reichsprä. sident schloß mit einem Appell, zusammenzustehen ohne Unterschied der Weltanschauung. Die Parole müsse sein: Ein Wille, Ein Weg und Ein Ziel. Eine große Anzahl Redner brachten darauf ihre Wünsche und Klagen über die große Bedrückung teilweise in dra stischen Beispielen zum Ausdruck. Hierauf folgte in einem kleinen Kreise ein gemeinsames Abendessen, ' worauf der Reichspräsident sich kurz nach 9 Uhr wieder j nach Berlin begab. srammcy gegen eme Merventton. Ein „nn freund kicher Akt". Der „Daily Mail" zufolge, würde Frankreich je- den Versuch einer Intervention in der Ruhrfrage, die : Bonar Law in seiner Rede andeutungsweise berührte, als einen unfreundlichen Akt Englands betrachten. Die französische Negierung würde diesen unfreund lichen Akt diplomatisch nicht notifizieren, da sie 8^ . mernsam mit Belgien ihren Standpunkt den Vers ie» : denen Kabinetten bereits zur Kenntnis gebracht h te. ! Das genannte Blatt fährt fort, daß Poincarä den 8 18 des Anhangs 2 im Vlll. Teil des Versailler ! Vertrages als Grundlage seines Vorgehens ansehe und daher keinerlei Grund zur Intervention vorliege. Jft einer augenscheinlich inspirierten Darstellung faßt „Daily Mail" den französischen Standpunkt folgen dermaßen zusammen: 1. Frankreich will weder das Rheinland, noch di« Ruhr annektieren. 2. Frankreich will keinesfalls zur Gründuiu- ei»»« ' neuen linksrheinischen Staates bei-ragen. 3. Frankreich will weder die Ruhr noch das Rhein- ! land in eine wirtschaftliche Abhängigkeit von der frav- j zösischen Industrie bringen. 4. Frankreich verlangt von Deutschland effektive Sicher heit für eine ehrliche Durchführung der Reparationen. 5. Frankreich hat gemeinsam mit Belgien die Stuhr besetzt, da es diesen Teil Deutschlands als die Schatz kammer des Reiches betrachtet. 6. Frankreich ist überzeugt, daß die Großindustrien«; ' die wahren Machthaber in Deutschland sind, und datz o I nur durch Zwangsmaßnahmen im Ruhrgebiet zur Be- Zahlung gelangen kann. 7. Frankreich wünscht volle Sicherheit vor eitlem neue« Angriff und behauptet, daß gerade im Ruhrgebiet die - Waffen zu einem derartigen Angriff vorbereitet werden j . .'önnten. (!)