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Ndorfer Grenzbote Hageölalt für Adorf und das obere Vogtland. Dies Blatt enthält die amtlichen Bekanntmachungen des Stadtrats zu Adorfs und ist weiter Pudlikationsorgan des Kommunalverbandes ' der Amtshauptmannschaft Oelsnitz, der Steuer-, Kirchen-,^Forst- und verschiedener anderer Behörden. Der «Adorser Erenzbote" erscheint täglich mit Ausrahm« der Tage nach Sonn- und Feiertagen^ Borauszubezahlender Bezugspreis monatlich 4 Mark einschließlich Zu- Itellung ins Haus. Der Raum Ler ö-gespaltenen Petitzeile wird mit 50 Pfg. berechnet, bei auswärtigen Anzeigen mit 60 Pfg-, die 3-gespalrene Petit-Reklamezeite löstet 1.50 Mk- Bei Platzvorschrist 25"/« Zuschlag. Zeitraubender Satz nach erhöhtem Taris. Jnseratenaufgabe durch Fernsprecher schließt jedes Reklamationsrecht aus. Anzeigenannahme bis 10 Uhr früh ^srößcre Inserate lags vorher erbeten. - Fernsprecher Nr. 14. Verantwortlicher Schriftleiter, Drucker und Verleger: Otto Meyer in Adorf. Tel.-Adr.^ Grenz G 220- Gemeinde-Giro-Konto 118 Dienstag. dea 2Z. September 1^20. Postscheck-Konto Le pzig 37 369 ^5. - Ser Herbst. Herbst und Winter waren vor dem Kriege für uns Jahreszeiten, mit denen wir uns abfanden, wenn zuweilen auch Schnee und EiS manche Klage Hervorrie sen. Aber es herrschte doch keine größere Arbeitslosig- nit, und ein Mangel an Lebensmitteln und an Heizma terial war unbekannt. An neue Steuern und politische Verdrießlichkeiten war man gewöhnt, die kamen im Som mer wie im Winter, sie waren erträglich. So war es früher. Aber im Kriege haben wir die kalte Jahreszeit fürchten gelernt, und seit Friedensschluß ist es nicht bes ser geworden. Im vorigen Winter fehlten Kohlen, und die Lebensmittel waren noch recht teuer. Die Parla mentsberichte brachten fortwährend Steuerdebatten und von der Entente gab es Strafmandate. Für diesen Herbst und Winter erhofften wir nun endlich ein Auf atmen, die guten Ernteaussichten berechtigten dazu. Aber die Erwartungen sind leider herabgemindert wor den, und Viele sehen dem Herbst Md Winter, an deren Schwelle wir jetzt stehen, mit trüben Empfindungen entgegen. Man spricht zaghaft von einem schlimmen Winter. Das Abkommen von Spaa ist für die warme Stube der deutschen Familie eine stete Gefahr. Die Kohlen förderung hat sich gehoben, aber wir müssen für Bel- gien und Frankreich frieren. Und schon mahnen die Kohlenstellen, Gas- und Elektrizitätswerke zur Spar samkeit. Und dabei hat die in ihrem Absatz bedrängte Industrie keinen übermäßig großen Bedarf, und wir . haben noch das vberschlesische Kohlengebict. Wenn da? verloren gehen sollte, wüßten wir nicht, was wir anfan ¬ gen sollten. Tie Arbeitstätigkeit ist in zahlreichen Un ternehmungen unsicher geworden. Es fehlen Aufträge, die Kaufkraft wird von Steuer und Teuerung ge schwächt, für das Ausland sind unsere Preise zu hoch. Die Arbeitswilligkett ist größer, aber sie rann nicht ausgenutzt werden. Und die deutsche Mark steht, daß Gott erbarm! Wir sollten uns statt Deutsches Reich Armes Reich nennen, denn wir sind bereits so weit. Und immer neue Steuern in Sicht, wo die bisherigen gar nicht haben bezahlt werden können. . Daß der freie Handel zum Herbst die Lebeusmittel- nrng erheblich erträglicher gestalten würde, war die welche die Furcht vor dem Herbst und Winter half. Aber auch mit der Erfüllung dieses M das Jahr Zeit. Der Preis für Kartof- Möalichkei^ teilweise ein mäßiger geworden, und die rücksichtslose Spekulanten neue Ver faß stellenwWU^ werden, ist nicht ausgeschlossen. n eise der Zentner Kartoffeln mit 50 Mark Nnfüa nach dieser guten Ernte geradezu a-wörd^»s Fleisch ist teuer, Margarine wieder ^^iwbandel mil Mehl und Zucker arbeitet der Bro^s^st rUchts^»^»>ck. Von einer Verbilligung Brotes ^mchts zu wir aus dem Ans- Ande wnsnta fakt uiw? des trostlosen Standes der i n«ta M bezahlen. Und dabei AtUrnUnsi ) Demoralisierung an, ja machen noch Fortschrit.e. - "ur zu oft von Personen bestohlen, die seme gewissenhaften Diener sein sollten. Ein Mee n-n^^rn wir im diplomatischen Schriftwechsel rmt der Entente und Polen verschrie- ben, geholfen hatesmcht vtvü Wir ^t ein mal unsere Landsleute in Oberschies^.„ und im Weichscl- gebiet wirksam schützen können. Tie Polen glauben sich uns gegenüber olles erlauben zu können, und die Zahl der deutschen Reichswehr rst so gering geworden, daß wir nicht einmal unsere Grenzen wirksam schützen kön nen. Und als finsterste Gewitterwolke lagert über dem Herbst die cxekutortsche Eintreibung einer hohen Kriegs entschädigung von uns durch Frankreich, lind nicht einen einzigen Freund haben wrr, der bereit lvare, mit uns zusammenzugehen. . Es kann eigentlich nicht gilt noch schlechter mit uns tverden, als es heute der Fall ist, und wenn Tausende vor diesen mißlichen Verhältnissen die Augen schließen, so ändert das nichts an ihrem Ernst. Wir dürfen uns keinem Zweifel darüber hingeben, daß e» mit unserer Kraft und unserem Können bald aus ist. Wenn der schlimme Herbst und Winter nicht zu arg werden ,ollen, so müssen wir beizeiten das Menschenmögliche tun, um Kohle, Lebensmittel, Arbeit zu sichern. Das Druck-n von Papiergeld hat bisher nichts ge holfen, es wird >-nL auch künftig nicht glücklich machen. Und auf eine Zufa.lswendung können wir uns nicht mehr verlassen. Für die Besserung der Valuta aber sind Die ersten Hilfsmittel völlige Arbeitsfreiheit und un bedingte politische Festigkeit. Es muß gezeigt werde», jdaß wir auch nein sagen können! , Wirklich kein Hallen mehr? Rücktritt des Reichsfinanzministcrs? Wie das „B. T." mittelst, scheint der Rücktritt des Reichsfinanzministers Wirth unmittelbar bevorzuste hen. Eine Reihe von Schwierigkeiten, die es ihm unmög lich machen, gewisse Finanz reformen in seinem Sinne durchzufübren, soll die Ursache zu dem Entschluß des Ministers sein. Möglich kann das schon sein. Wie angesichts der heutigen Zustände überhaupt noch jemand der die nötige Vorbildung zur Beurteilung der Lage hat, Reichsfinanzminister sein mag, ist ja überhaupt urr- erfindlich. Ohne eine ganz gründliche Umkehr auf allen Gebieten und einer durchgreifenden Umstellung der Wirtschaft ist an eine Besserung doch nicht zu denken. warum? Dr. Wirch weigert« sich, den weiteres Besä'- AungSforderungen, vor allem du» Vsenbah«» und der Postbeamten, nachzv.kommen, »am nicht glückt zeitig für eine entsprechende Deckung gesorgt werde» würde. Er glaubte, eine weitere Belastung des Etats durch die neuerlichen Besoldungssorderungen nicht ver antworten zu können, da man sonst niemals aus einer unabsehbaren Defizitwirtschaft herauskommen würde. Bekanntlich Kat der preußische Finanzminister Lüde mann, der der Mehrhcstssozialdemokratie zugehört, im Interesse der zerrütteten Staatsstnanzen ein, ?, y ab lehnende Stellungnahme gegenüber neuerst: ^csol- dungswünschen preußischer Vcauuenke... zo. u u einge nommen. Zwangsanlcihe ans Kommando »er Entrüst? . . .. Zwangs-. . iü zunächst unver ¬ bindlich mit Rücksicht dwi Punkt 7 der Brüsseler Fi n a n z ko n fe . - n r, die Probleme ekner K prialaegab rve» ngSan leihe auf wirft, r^bv"-'stt v> ^l>. A Mestck dabei nicht die Absicht zu b-stehen. «Ltzjtai durch die Zwangs anleihe eine .ie»e Be.ast-.M, «^verlegen, sondern nur Vermittelst der eine schnellere Mo ¬ bilisierung ein.'s Teiles Les Notop fers für das Reich zu ermöglichen. Trübe Ernteanssichtc» Der Unterausschuß für Landwirtschaft und Ernäh rung beschäftigte sich mit der Getreidswirtschast. Der Präsident der Reichsgetreidestelle, Geheimrat Kleiner, bezeichnete das Bild, das nach den bisherigen Feststel lungen von der neuen Ernte zu erwarten sei, als trübe. Die Noggenerute habe fast überall im Reiche stark ent täuscht. Tie Reichsgetreidesielle schätze vorläufig die neue Ernte an Brotgetreide nur auf etwa 7 Millionen Tonnen. Im ganzen bleibe das Ernteergebnis hinter dem Bedarf wesentlich zurück. Deshalb sei die Reichsge- trcidestclle gegen eine Erhöhung der Brotration, wolle aber eine Herabsetzung der Ausmahlung von 90 auf 85 Prozent zugestehen, jedoch nur bei gleichzeitiger Brot- strcckung um 10 Proz. Wir müssen im übrigen 2 Mil lionen Tonnen Brotgetreide importieren, hauptsächlich aus Amerika . Bei einem Durchschnittspreis von 5000 Mark für die Tonne würde diese Einfuhr allerdings iv Milliarden Mark erfordern. Eine Uebernahme die ser Kosten auf den Brotpreis würde unsozial sein, nach Ansicht der Neichsgetreidestelle müßten sie auf die Reichs- kassc übernommen und durch allgemeine Steuern aufgebracht werden. Frankreich schwimmt in Kohlen. Einer der ' bcdeutcnsten rheinischen Industriellen st von einer Reise nach Paris zurückgekehrt. Bei sei nem kurzen Aufenthalt in München äußerte sich diese führende Persönlichkeit im deutschen Wirtschaftsleben vahin, daß seine Beobachtungen in Frankreich ergaben, daß dieses sich sehr bald an den deutschen Kohlcn- licferungcn vollgcsogen habe. Frankreichs Friedensbedarf an Kohlen sei schon jetzt zu 90 Proz. gedeckt, d-mgegenüber stehe die Eisenindustrie Frank reichs nur mit 40 Proz. Friedensbedarf in Betrieb. Tie französische Textil- und Seifenindustrie liege voll kommen darnieder. Tas gesamte Wirtschaftsle ben Frankreichs sei in tr o st l o s e m Z u st a n d e. Diese Darstellungen eines führenden Industriellen beleuchten grell die Tatsache, daß auch Frankreich die Folgen des Wirtschaftskrieges am eigenen Leibe fühlt und daß auch für Frankreich die Stunde schlagen wird, in der diese vom Haß gegen alles Deutsche erfüllte Nation rur Ein sicht kommt, daß es ohne Deutschland als Wirtschasts- saktor auf die Tauer nicht auskommen kann. Keine Druschkohle. Gegenüber der dringenden Ermahnung an >ie f Landwirtschaft, das Getreide möglichst rasch abzuliesen, veröffentlichen nicderrheinische Zeitungen von beteil g- ter Seite stammende Erklärungen, daß es der Landwirt schaft an den erforderlichen Druschkohlen mangelt, u 'S daß, wenn in der Kohlenlieferung nicht sofort eine Aenderung eintritt, bestimmt mit einer E - nährungskrrsis im allergrößten Maßstabe i n Rheinland, gerechnet werden inützte. Nur die schleunigst» Kohlenlieferung könne uns vor einer Katastrophe retten. Valuta-Aussichten so elend wie möglich. Tie Goldmark ist am Sonnabend auf — 15 Mk. gestiegen! Tie weitere anhaltend starke Steigerung dev Devisen, die nunmehr einen geradezu fieberhaften Cha«, ratter annimmt, bestimmte am Sonnabend die Tendenz der Börse fast ausschließlich. Die Haltung kennzeichnet^ sich wieder fast allgemein als v fest bei ziemlich leb haftem Verkehr auf den Hauptmarktgebieten, weil iah alles „die Mark flieht" unL Realwerte daher um so höher einfchätzt. * Ter Gesetzentwurf über den achtstündigen ArbeitstaA- in Deutschland, der gegenwärtig auf der Grundlage der I Verordnungen der Volksbeauftragten vom November- und 17. Dezember 1918 im Reichsarbeitsministeriuur fertiggestellt widd, wird in Kürze dem Reichswirtschafts rat vorgelegt werden. Auf jeden Fall soll das Gesetz bis zum 1. Januar 1921 in Kraft gesetzt oder wenigstens in letzter Fassung vor den Reichstag gebracht sein. Ein lommunifiischer Hauplanschlag? „Nahe bevor"? , Von der kommunistischen Parteileitung wnrde ik einer Versammlung in Essen mitgeteilt, daß in diese« Tagen die energische Tätigkeit der Kommunisten nament«, sich im rheinisch-westfälischen Industriegebiet in erste», Linie darauf gerichtet sei, in der gesamten Industrie dasst Institut der politischen Arbeiterräte zu errichten« i Die revolutionäre Arbeiterschaft Essens habe sich ein- ! mütig auf diesen Standpunkt gestellt. In Essen z. B«, ! sei bislang mit Hilfe der N. S. P. bereits in mehr als > zehn Betrieben die Institution der politischen Arbei- terräte eingeführt worden. In den nächsten Tagen wür den besondere Aufrufe in diesem Sinne erscheinen. Wenn diese Aufrufe die erhoffte Wirkung hätten, dann brauch» man um,dis straffe Zusammenfassung aller revolutio nären Arbeiter und um den Erfolg des Hauptschlages nicht zu bangen. Tas Organ für die Durchführung^ der kommenden Ereignisse würde die Gesamtheit d-r politischen Arbeiterräte sein. Daß man über kurz oder lang losschlagen werde, wahrscheinlich schon in kurzerZeit, daran sei gar kein Zweifel. Vorr^ welcher Seite der erst« Schlag geführt werd >. wurde, könne im Augenbl i ck noch nicht gesagt werden. » O * Russische Gcwerklchascsrelegierte in Berlin. Die Berliner Gewerkschaftskommission und die Ritte» zenirale batten in Berlin eine öffentliche Bersam. iun.A einberuf.u, in der einige der in Berlin weilenden r-.. glieder der russtschen Gewerkschaftsdelegation einen Ueberblick über dir Tätigkeit der russischen Gewerkschaf»' ten geben sollten. Nach dem „Vorwärts" sagte eine», dieser Delegierten: „Wir verstehen, daß unsere Ar- i beit für Deutschland nicht als Vorbild äuge« sehen werden kann." Nach dem „Vorwärts" mußte ev zugeben, daß die Lage der Arbeiter sehr schlecht ist, betonte aber, daß der Glaube an die Sieg des Kommu nismus die Ärbeilerschaft aufrecht erhalle. „Ein Bild davon, wie trostlos die Verhältnisse in der russischen Industrie sein müssen, geht", so meint der „Vorwärts", „aus einer Zahl hervor, die der Redner über die Be völkerung gab. Petersburg, eine der wenigen In dustriezentren des europäischen Rußlands, hatte frü her eine Bevölkerung von etwa 2V2 Millionen Einwoh nern. Heute werden in Petersburg 100 000 Ein- » 0 hner gezählt." Sin Haus ohne Auudameut. Der 'frühere überradikale Rcichstagsabgeordnete Otto Rühls, der sich schon im Frieden als Kommunist bezeichnete und der sttzt bei der K. A. V. D aelandet