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Amtsölalt für den Stadtrat zu Adorf. Fernsprecher Nr. 14. Verantwortlicher Schriftleiter, Drucker und Verleger: Otto Meyer in Adorf. Tel.-Adr. Grenzbote. Freitag» den 2?. Februar ' ^20 -^fyzig^güs Zabrg- 85. ,N»M! NN! »M-M HI'!»» rn.^-7 "»"c — . » «-«»»s» Freitag» den 27. Februar 1920» vormittag 8 — 12 im Einwohnermeldeamt Spntnümmem 451 — 850 LebensmiUelausBsiss sind vorzuleZen. Adorf, den 24. Februar 1920. Der Stadtrat MWklWM im MUMMM AisM i. B. In der Woche vom 22. bis 28. Februar 1S2V werden auf den K»pf der versorguvgsberechtigte» Bevölkerung etwa 50 Gramm Auslandspökel fleisch gegrn Neichsfleischmarkc ausgcgcbcn. Der Preis betragt für ein Pfund 6 MK. sofern den SchlachtsLellen frisches Fleisch zur Verfügung steht, wird solches bis zur Höchstmengr von 75 Gramm an die Verbraucher gegen Ruchsfleischmarke verabfolgt. In den Schlachtstellen Brambach, Oelsnitz, Raschau, Schöneck und Voigtrbcrg werden an Stelle von frischem Fleisch 80 Gramm Schweinefleisch aus Haus- schlachtungeu gegen Rcichsfleischmarke zum Preise für 5.60 Mk. für das Pfund ousgegeben. In den übrigen Schlachtstellen wftd Schweinefleisch aus Hausschlachtungen ab gegeben werden, sobald solches dem fiommunaloerdand wieder zur Verfügung sieht. Oismtz i. V., am 24. Februar 1920. Der Kommunalverband. Freitag, den 27. Februar 1920, vormittag 8 — 12 Uhr UM Ul UMM-WMkM für den Monat Februar im städtischen Lebensmittelamt. Petroleum-Nr mmern 1 — 400 von 8—9 Uhr „ 401-600 „ 9 —10 „ „ 601-800 „ 10 —11 „ „ 801-End- „ 11 —12 „ Adorf, den 26. Febr. 1920. Städt. LebeNSMittklamt. Demgegenüber wird halbamtlich festgestellt: Es liegt Grund zu der Annahme vor, dach oer Teil der Oppositionspresse, der iw den letzten Tagen in Angriffen gegen den Reichsfinanzminister mehr als ern übriges getan hat, versuchen«wird, die vorläufige Entbindung des Ministers von seinen Dienstgeschäften als einen Vor- lä u fe r sei nesewdgülti gen Rücktritts zu deu ten. Demgegenüber ist es nötig, an der Tatsache sestzu- halten, daß es sich hier, wie klar aus der amtlichen» Meldung hervorhebt, um eine vorübergehende Dispensierung des Ministers handelt, die lediglich zu dem Zwecke erfolgt, um in der von ÄZn selbst beantragten Untersuchung von vornherein jeden Schein eines Druk- kes auszufchließen. Ist die Untersuchung abgeschlossen und hat sie ein positives Ergebnis nicht gezeitigt, so kantsche Senat konnte sich nicht entschließen, diese von Wilson eiwgsgangenen Verpflichtungen gntzuheißcn, denn, er sagte sich mit Recht, daß das besiegte Dentsch-- ^nd kaum eine Gefahr für den Frieden biete, daß aber das siegreiche Frankreich die Vereinigten Staaten in un- eewÄnschte Verwicklungen hineinziehen könnte. So blieb dieser Vüudwisvertrag ebenso unvollzogen, wie der ge- samte^Friedensvertrag von Versailles. , - . französische Ministerpräsident Clemcureau sann ans Mittel, sein Ziel doch zu erreichen, und er fand einen Ausweg in einem vorläufigen Souderabkommen mit England, worin dieses Frankreich seinen Besitz, wie 55 Weltkriege hervorgegangen ist, unter der Arcmngnivg daß Amerika den frülwr verein- harten ^tUiamzvertrag nachträglich genehmigte. Rian .^^^nrrd in London zuversichtlich, das; es dem Pro»ncmtcn Wilson schließlich doch gelingen werde, die de» Vertrages auf seine Seite und damit diesen s.e'^sur Amwhme zu bringen. Bisher ist das Nicht 6chck)eoew, und dre Aussichten für die Verständigung haben stch dadurch erschwert, daß bekanntlich Wii- son in der Udriafrage anderer Ansicht als England nnd Frankreich ist, daß er die Ansprüche der Italiener aus Fiume absolut nicht aneckenncn will, während von Pa ris und 2om on "s die,e italienischen Forderungen bereits bennllt^ worden smtz Tie Stadt Fiume ist schließlich kein ^eltstrettobjekt Aber weim keiner von den beteiligten Staaten nachg^ s» ist die unvcrmeid- Uche Folge, daß . v s anzüfisch-englischeamcrik^ Bündnisvertrag uw -.eas;er fallt, und daß er das fram« zösisch englische Abkommcuuach sich ziohi. Ter franzöftiche Mum terpräsident NUllerand und' sein englischer Kollege Llohd George, die jetzt wieder in London miteinander verhandelt haben, sorgen da für, daß die Lage möglichst ro;ig dargestcllt wird, als vb alles binnen kurzen: zu einem befriedigenden Abschluß kommen würde. Das ist ;a möglich, aber es ist nicht sehr wahrscheinlich, und eS ist ausgeschlossen, sobald der vordamerikanische Senat, statt deu^riedcnsvcrtrag von erklärt und sich für eure volle Wiederaufnahme der ' wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Län- der», ausspricht. Frankreich betrachtet als erstes Mittel zur dau- Druden Niederhaltung Deutschlands die Aufrechterhal tung pes Vertrages mit seilten früheren Verbündeten, die aber, wie wir oben gesehen haben, was Amerika an betrifft, nlit recht schweren Meinungsverschiedenheiten, <um nicht zu sagen Hindernissen verbunden ist. Die Ursache ist eben die, daß Frankreich für sich Politisch, militärische Vorteile beansprucht, während die Ameri kaner merkantilen Nutzen im Auge haben, der sehr un sicher ist, falls sie fortwährend vor der Möglichkeit flehen, Truppen nach Europa senden zu müssen, eine Möglichkeit, die anch ihre Kraft gegenüber ihrem Koiv- «rrrenten Japan lähmt. Die sich in England jetzt zeigenden Bestrebungen auf Revision einzelner Bestim mungen des Friedensvertrages haben ja zunächst keine besonders große Bedeutung. Cie würden eine solch« Eniente-DlMge- Nnnüttelbar nach dem Abschluß des Fricdensr-Vr- trages von Versailles am 28. Juni 1919 wurdr t-as Bündnis zwischen Frankreich, Englarid und de« Ver einigten Staaten von Nordamerika bekannt selben, worin sich die beiden letztgenannten Länder verpflichten, den Franzosen in jedem Krieg gegen Deutschland zur Seite zu stehen, der nicht von ihnen verschuldet sei. Ein deutscher Angriffskrieg sollte also die Voraussetzung fiir das Inkrafttreten des militärischen Beistandes Eng lands uird Amerikas an Frankreich bilden. Der ameri- nordarnerrkanische «cuat, pmr reu ömeoensvertrag von i mokraten, sogar führende MehrheitSso-talisven sollen Versailles zu ratifizieren, den ^"ebeu^zustand zwi- s sich bei innerparlamentarischen Verhandlungen in di-e- A/n Amerika mrd Tcul 1 chlmid^ vnc^ ft,r hergcstellt i sem Sinne ansgesprochen haben. Also nicht nur in den » Reihen der Opposition, sondern sogar teilweise auch innerhalb der Mehrheit ist man der Ansicht, daß Erz berger nicht mehr in das RcichsfinMtzmiuisterium zu rückkehren wird. ? aoer gewinnen, wenn 'Amerika einfach den Friedeus- ! zustand mit Deutschland für wiederhergestellt erklärt, i also den Friedensvertrag ignoriert. Das Volkslied sagt; „Alles neu, macht der Mar!" Vielleicht macht der Lentz 1920 auch politisch einiges neu. Vor überschwenglichen Erwartungen muß freilich immer wieder gewarnt wer- ben, und man muß an den Ausspruch des französischen Finanzministers Klotz erinnern: „Deutschland kann viel i leisten, wenn es sich weniger amüsiert und mehr ar- ! beitet." Die Tatsache, daß der bisherige französische § Präsident Poincare zum Vorsitzenden der Wiedergut- ! wachungskommission berufen ist, ist für uns nicht eben günstig. ^w. Erzberger suspendiert. Ans sein Gesuch des Amts vorläufig entbunden. Amtlich wird mitgeteilt: Nach Bekanntgabe der gestohlenen Steuerakten des Finantzministers Erzberger in der Presse hat dieser unverzüglich beim Finanzamt Eharlottenburg eine Un tersuchung gegen sich veranlaßt und damit seinerseits auf jede materielle Erwiderung verzichtet, die der Unter suchung vorgreifen könnte. Gleichzeitig hat er den Herrn Reichspräsidenten gebeten, ihn bis zum Abschluß dieser Untersuchung von der Wahrnehmung sei ner Dienstgeschäfte zu entbinden, damit auch nicht der Schein eines Druckes aus die Untersuchung des Finanzamtes fallen möge. Der Herr Reichspräsident hat dem Ersuchen des Reichsftrmnzmiinisters nunmehr -entsprochen und angeordnet, die Untersuchung mit tun lichster Beschleunigung durchzuführen und ihm sofort Bericht über das Ergebnis zu erstatten. Mit der Stell vertretung des Ministers ist der Unterstaatssekretär Mösle beauftragt. Diese Maßnahme wird nun von der Oppositions presse dahin gedeutet, daß sie der erste Schritt zum endgültigen Falle Erzbergers sei. Die Presse der Rech ten irNd auch die der Unabhängigen ist einstimmig '»er Ansicht, daß der Reichsfiivantznnnister durch diele Steu ererklärungen, die ja jetzt untersucht werde«, und wuchs- durch die Tatsachen, die im Erzberger-Prozeß kn letzt zur Sprache gekommen sind, derart wmprrnEüer' st. saß ein Kabinett, das auf innere Reinlichkeit h. w- khn nicht mehr in seiner Mitte dulden Wune. Ln innerhalb der Mehrheitsparteien beginnt eine solche Ansicht Boden zu gewinnen, so besonders bei den De- wird der ReichsfinaichMinister seine Dieustovllegwiyei- ten sofort wieder übernehmen. O Tie Beschlagnahme der Broschüre Dr. Helfferichs „Fort mit Erzberger" ist auf Anttag des Justizrats v. Gordon erfolgt. Tie Beschlagnahme ist also von sat ten Erzbergers selbst ausge-gangen. „Wie werden wir regiert!" Was Vie Führer des -Wirtschaftslebens dazu sage«. Dieser Tage hat der Verein Berliirer Kaufleute nnd Industrieller in einer Sitzung sich mit verschiedenen Erscheinungen aus dem Bereich der gegenwärtigen Re gierung beschäftigt. Mit großem Nachdruck wurde angesichts des unauft Haltsamen Niederganges unseres Wirtschaftslebens ge fordert, daß in das Reichswirtsch aftsministe- cium ein Fachmann gesetzt werde, der das Wirtschafts leben wenigstens einigermaßen sicher überblicke und vo« Parteieinflsissen frei sei. Zum Teil recht scharf wurde erklärt, daß das bisherige System uns unrettbar in den Abgrund führen müsse. Gegenüber anderen Ministerien wurde mitgeteilt, daß das Finanzministerium und das, was dazu ge hört, gegenwärtig in Berlin 3000 Zimmer für neue Beamte suche, daß ferner das Reichswohi- fa h r t s Ministerium 500 Zimmer suche, um seiwea Geschäftsbetrieb auszudehnen. In diesem Ministerium seien verschiedene Damen, Parlamentarierinnen, al» Vorsteheriniveu beschäftigt, die 20 000 Mark bezögen, sich aber täglich vielleicht nur 2 Stunden im Burea» sdhen ließen. Man wird erwarten dürfen, daß die Regierung sich zu diesen Einzelheiten äußert. Me Fremdherrschaft. T'e englische Militärdiktatur in den Rheinlauveu. Als vor einigen' Wochen die fünf Ordonanzen über die Verwaltung der Rheinlands durch die Alliierten veröffentlicht wurden, war mau in Deutschland übev die zum Teil dem Rhriulaudabkonuneu entgegenlaufen- Leu hartem Bestimmungen mit Recht entrüstet und äußerte nicht ohne Grund Besorgnisse, daß bei ge nauer Durchführung der VmwaltUligSbestimmungen sich zweifellos Härten und Differenzen mit Deutschland er geben würden. Schon die ersten Wochen, während der« die neuen Bestimmungen in Kraft sind, haben diese Be fürchtungen bestätigt. Gleich in den ersten Tagen wurd» ein Gerichtffchreiber und ein Richter verhaftet, weil sie sich weigerten eine ihnen von militärischer Seite anbesohlene Registereintragung zu vollziehen. Zahl reiche Beamte sind ohne jede:- Recht aus dem Rheinland ausgewiesen worden. Bei der Postüberwachuug be handelt man die Rheinlande sogar wie Indien, das ein Teil des britischen Reiches ist. Denn die Postzensur soll in Nachbildung dec- indischen Pvstgesetzes aucgcübl werden. Diese und noch andere llebergriffe bedeuten eine Verletzung der deutschen Staatshoheit, die nach rem Rheiulandabkommen nur soweit eingeschränkt werden darf, wie dies „für die Gewährleistung des Unterhalts der Sicherheit und der Bedürfnisse der alliierten und assoziierten Mächte nötig ist". Eine englische Stimme -er Vernunft. ES ist erfreulich, daß man auch irr England ein- zusehen beginnt, daß die Entwicklung der Militärver waltung in den Rheinlanden gerechterweise so nicht mehr weitergehen kann .Ein Beweis dafür ist ei»