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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 29.04.1902
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1902-04-29
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19020429019
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1902042901
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1902042901
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1902
-
Monat
1902-04
- Tag 1902-04-29
-
Monat
1902-04
-
Jahr
1902
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Bezug--Preis W der Hmrpterpeditto» oder deu Po Stad»- — zmrünallger täglicher K»st,lk»»i tot Hao« L.LO. Lorch die Poft de>ogr» Ur Leottchlood o Oekerretch vterwi»4drtüh^»«h sttt di« Sdrige, Säoder laut AeirmtgSpretsllste, Nr-artio« «nd LrveßMo«: Ivh»mtts,assr 8. Fernsprecher lLS ood LW. Fklial«»pedM»»»», Alfded Hotz», v»chha»dtg„ llM»«ftt4t«ßr.S, - S. Lösche, Kathatturastr. lch «. Kchügspl. r. Haspi-Filiiie Vresßr»: Sttehleaerstraße k. Fernsprecher Ami I Nr. 17IA Hauvt-Filiair Lerlm: KSniggrützerstraße llö. Herujprrcher Ami VI Nr. SLSS. Morgen-Ausgabe. MpMer^TaMM Anzeiger. ' ÄmtsAatt des Königlichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, des Mathes und Notizei-Ämtes der Ltadt Leipzig. Anzeigen-Preis die 6gespaltene Petttzeile 25 Reklamen unter dem Redaction«strich (4gespalten) 7K vor den tzamtlteauach- richten (ü gespalten) SO H. Tabellarischer und Zissernlatz entsprechend höher. — Gebühren für Nachweisungen und Offrrteaanaohme 8S (ezcl. Porw). Ertta-Beilagen (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbesörderung SO.—, mit Postbesörderung 70^—» ^nnahmeschlvß für Anzeige«: Abend-AuSgab«: vormittag« IO Uhr. Morgen.Ausgabe: Nachmtttag« 4 Uhr. Anzeige« sind stet« an di» Expedition zu richte«. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bi« Abrod« 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig. Ztr. 214. Dienstag den 29. April 1902. 98. Jahrgang. Urriversitätsstraße S, Ranftsche Gasse 3 Herr Rrleür. k^8elier, Colonialwaarenhandlung, Ranstädter Steinweg 1 Herr v. Luxetmann, Colonialwaarenhandlung, Schützenstrahe 5 Herr ^ul. keliümR'Iien, Colonialwaarenhandlung, Westplaü 3« Herr Klorlt/ I^vi88iier, Cigarrenbandlung, Borkstra^e 32 (Ecke Berliner Straße) Herr k'. >V. Riet/, Colonialwacrrenhcmdlung, Zeiger Strafe 35 Herr V. KUitter, Cigarrenhandlung, m Plagwitz Herr 6. 6rüt/mamr, Zschochersche Straße 7», - Reudnitz Herr >V. Rusmavu, Marschallstraße I, - - Herr 0. 8oinuii1t, Kohlgartenstraße 67, - - Herr üeiikl». IVeber, Mützengeschäst, Gabelsbergerstraße II, - Thonberg Herr R. Ullntsoli, Reitzenhainer Straße 58, - Volkmarsdorf Herr (»vors Alemann. Conradstr. 55 (Ecke Elisabethstr.), - Naunhof Herr KnnraU Leeseite, Buchhändler. Für Rlal und kann da» Leipziger Tageblatt durch alle Postanstalte« des deutschen Reiches und Oesterreick-Ungarns zum Preise von 4 bezogen werden. 2a Leipzig aboanirt man für 8 mit Bringerlohn 3 75 und nehmen Bestellungen entgegen sämmtliche Zeitungsspediteure, die Hauptexpedrtion: Johannisgafse 8, die Filialen: Kathariueuftratze 14, Königsplatz V und U» sowie nachfolgende AuSgabestelleu: Arndtstrahe 35 Herr F. RrleÄr. Cavit/, Colonialwaarenhandlung, Beethoven strafte 21 Herr 1'beoÄ. Reter, Colonialwaarenhandlung, Vrühl 53 0. b. 8vkuder1's Aaekfoixer, Colonialwaarenhandlung, Frankfurter Strafte (Thomasiusstr.-Ecke) Herr Otto RlautvekkeFolonialwaarenhandlung, L-Hrstrafte 15 Herr Lvuarü üetrer, Colonialwaarenhandlung, Nürnberger Strafte 45 Herr Kl. R. 41brvolit, Colonialwaarenhandlung, in Änger-ttrottendorf Herr L. k'rleävl, Cigarrenhdlg., Zweinaundorfer Straße 6, - Connewitz Frau Rlsouer, Hermannstraße 23, - Eutritzsch Herr Robert Bitner, Buchhandlung, Delitzscher Straße 25, - Gohlis Herr Robert Kölner, Buchhandlung, Lindenthaler Straße 6, - Liudenau Herr 41bert Klnüner, Wettiner Str. 51, Ecke Waldstr., Buchbinderei, - Neustadt Herr Raul Ruek, 4nnoneen-Lxpeültlon. Eisenbabnstraße 1, - Leutzsch Herr 41dert Llvüuer, Wettiner Str. 51 in L.-Lindenau, Unsere Haupt-Filialen in Dresden (Strehlenerftraße 6) und in Berlin (Königgrätzerstraße 116) führen zu gleichen Preisen Bestellungen aus. on Unterbringung m Irrenanstalten. L. Die Angaben, die der vielgenannte Berliner Stadt- «tth Kauffmann über seine Verbringung in die Schöneberger Jrrenheilanstalt einem Mitarbeiter des „Verl. Loc.-Anz." gemacht haben soll, lenken auf» Neue die Aufmerksamkeit auf unsere Jrrengesetzgebung und bringen einen Hall in Erinnerung, über den unlängst au» Neuen ahr berichtet wurde und der au» mehr als einem Grunde noch größeres Aussehen machen mutzte, al» der Fall Kaufs mann, über den bisher nur eine unbeglaubigte Bersi vvrltegt. In Neuenahr wurde der Grotzkauftnann Kus mann auf Veranlassung seiner zweiten Krau gewaltsam in die Provinzial-Heil- und Pflege-Anstalt übergeftihrt. Fuhrmann lebt in sehr guten Vermögen-Verhältnissen. Nach dem Tode seiner ersten Ehefrau hatte er sein späteres Dienstmädchen gcheirathet. Die Ehe soll bald unglücklich geworden sein au» Gründen, die nicht ganz klar gelegt sind, da die Personen, welche die Ehefrau F. beleidigt hatten und dieserbalb «»geklagt waren, von dem Schöffengerichte zwar freigesprochen wurden, vor dem Landgerichte aber der Frau F. eine Ehrenerklärung gegeben und eine hohe Geldbuße zu zahlen versprochen haben. Weit mehr allgemeines Inter esse al» die Krage, welches die Gründe eines Zerwürfnisses deSTHepaare» gewesen sind, bietet die Krage, wie e» möglich ist. Jemand, der von seinen zahlreichen Bekannten allge mein al» durchaus vernünftig im Verkehr angesehen wird, wie e» hier seitens der zahlreichen, aufs höchste entrüsteten Mitbürger und Badegäste der Kall war, wider seinen Willen in da» Irrenhaus zu stecken. Fuhrmann wurde, als er eine» Abend» in dem hinter feinem Hause belesenen Garten spazieren gehen wollte, von drei handfesten gedungenen Mmrnern, die auf Leitern aber die Gartenmauer gestiegen waren, ergriffen, in eine Zwangsjacke gesteckt und mit einem Knebel im Munde in einem bereitstehenden Wagen schleunigst in die Irrenanstalt gefahren. Die Angeklagten im obenerwähnten Procetz haben behaupten zu müssen ge- glaubt, -a- hierbei alle gesetzlichen Borschristen beobachtet worden seien. Mit dem Inkrafttreten de» Bürgerlichen Gesetzbuches, da» die Zulässigkeit der Entmündigung außer bei Geiste», krankheit und Verschwendung auch bet Geistesschwäche und bet Trunksucht zulätzt, hat im Allgemeinen Veranlassung gegeben, die Unterbringung von Geisteskranken in Irren anstalten einer Revision zu unterziehen und bei dieser Ge legenheit die Eontrole etwa» zu verschärfen. Die» gilt in Preußen wenigsten» für die Privat-Irrenan stalten, zu denen auch die von den religiösen Orden, Genossenschaften und Stiftungen betriebenen Anstalten zählen. Die Ausnahme soll nur auf Grund eine» ärztlichen Zeugnisse» erfolgen, welche» angiebt, warum -er Kranke der Aufnahme bedarf. Die» Zeugnitz soll in der Regel der KreiSvhysikuS oder, wenn dieser behindert ist, der für da» Phystlat geprüfte KreiSwundarzt, in dessen Bezirke -er Kranke wohnt, auSstellen. Sind beide Herren behindert, so soll derPhystkuS oder derSreiSwundarzt eine» benachbarten Bezirk» da» Attest schreiben. In dringenden Fälle« — und diese liegen bet geistigen Erkrankungen sehr häufig vor — genügt da» Attest eine» jeden approbirten Arzte». SS muß aber dann binnen 48 Stunden eine Untersuchung de» Patienten durch den Phvsiku» erfolgen, mit Ausnahme der Fälle, wo Vater oder Vormund selbst die Unterbringung in die Irrenanstalt veranlassen. Da» bei Einlieferung in die Irrenanstalt zu überreichende Attest darf höchsten» 14 Lage alt fein. Fast gleiche Vorschriften sind für Sachsen, Vaden, Hessen erlassen. In Bayern und Württemberg sind die aufgenvmmenen Personen unter Umständen alSvald einer Untersuchung durch den Amtsarzt -«» Bezirke» zu unter ziehen. vorauf stützt nun der Arzt sein Gutachten? Doch wesentlich auf die Mittheilungeu der Verwandten, die ihn nm die Bescheinigung ersuchen. Er verhört keine Zeugen, noch weniger beeidigt er sie. Ein körperlicher Befund, der ein unzweideutiges KrankheitSbilb liefert, wird selten nach weisbar fein. Die Ausstellung d«S Atteste» erfolgt des halb aus einer so unsicheren Grundlage, wie sie sonst in unserm Rechte für folgenschwere Entscheidungen nicht al- genügend angesehen wird. Bevor ein Gericht die Ent» inünbigung, da» ist nur die Entziehung der Fähigkeit, Ge- schäfte mit rechtlicher Wirkung »orzunehmen, aussprechen darf, hat e» durch eingehende Vernehmung von beeidigten Zeugen und Sachverständigen sich die volle Ueberzeugnug von de« Vorhandensein der Trunksucht u. f. w. zu »er- schaffest. Di» Unterbringung kn »er Irrenanstalt ist «in Deutsche« Reich. * krtpzig, 28. April. Die neueste Nummer der „Grenz- hptea" eatbält de« Schluß von Betrachtungen eine« Katholiken über die geistigen Strömungen im Kalbs- liei«mu». Dieter Veurtdeiler erkennt sehr richtig, daß sich die ganze Strömung nicht »m die Hauptsache, soadero nur um Ding« zweite» Range» dreht: La« Lrgebaiß »»serer Betrachtungen kann knrz dahin »»- sa«a«na»faßt werden, daß ein« aufsehenerregend« Args««- keit i« Rotholiri«»»« d « zwanzigsten Jahrhnndett« vorhanden ist, und daß all,rotte» au einer Berties» ng der geistigen Problew« mit Macht gearb«tt«t wird. Lia« solche Tbätigkeit zeitigt ganz natürlich Vorschläge zur Verbesserung bestehender Eiarichtunge, uad regt den S»»sch nach »eaen Institution», Die Vorschläge und Wünsch« komme» in zweikecher Weist zu« A,«druck: die «i»e», smveit fit eben »»« irgend einem «rnnde »»besriedigt oder verärgert sind, spreche» sich in scharfer, abfälliger and polternde Seist an« »ad vertege» sich domft sehr häufig den Weg »nm Erfolge; dst anderen legen ihr, Ansichten »nd Vorschläge i» rnh grr, sachlich«: Seist vor, begründ,» st« wissenschaftlich »»d stellen der kirchlichen Obrigkeit anheim, diese Wünsch« zu erfüllen, vei der unzweistlhast g». steigert«», uomotivtrteo Empfindlichkeit gegenüber Verbesserung«, Vorschlägen ziehen sich deren Lxp»o«»teo ein« Lmnme vm Unannehmlichkeiten zu, dst fast jede «eiter» Li«cussioa der Probt««« mmüigltch machen würde, wen» sich dbst Bemegnna hent« üb«. Ver Arie- in Südafrika. Et« Wrtebe»«aetiON. * Lsntza«, 88. April. (Telegramm.) „Daily Telegraph" meldet »n« Johann»«b»rg: Delorey'« Cmvmaudo« hielt« am Di»n«tag Versammlungen ad, »m über dst Lage zu be rat he n. Lelarey traf am Donn»r«tag mit wraigeu Begleitern in »lerksdmp et». * London, SS. Avril. (Telegramm.) Dem „Leier'sche» v«»r»a»" wird a»« valmnrnl »oa vorgestern gemeldet: Lncn« Weyer, Krogk und van der Veld träfe» gestern hstr et» u»d reisten »» demstll*» Tag« ueck Mtdd»lb»rg »nd Belfast »eit«, «n Lusnmmenkaufte mit den v»rgh«r» «bznhalten. An Stelle be» gefangenen Eommandcmten Kruttztnger hat Mala« das Oberkommando über die Voeren und Rebelle» in der Eapcolonie erhalten. Malan, dessen Ettern Eapbol» läuder waren, hatte sich in der TranSvaal^kepublik nieder gelassen, wo er eine Bäckerei und Schlächterei lefaß und großen Stehhandel trieb. Zehn Lag« vor dem AuSbruch der Feindseligkeiten fragte ihn ein Bekannter, der im Be griff stand, nach der Eapcolonie zu fliehen, ob er nicht auch Transvaal verlassen wolle, da Krieg bevorstehe. Malan antwortete: „Ich bin ein Burgher, und wenn ich auch nicht mit -er Kriegspartei übereinsttmme, so belheilige ich mich -och jetzt wie alle Andern." In den frühesten Stadien -eS Krieges fand er als Meldereiter auf dem Rade Ver wendung. Man nahm ihn aber bald für die Beförderung in Aussicht. Er selbst brachte dann eine Truppe zusammen, die sich Malans Scouts nannte, und von -er man gelegent lich im Eolesberg-District hörte. Bei Oorlogs Poort, im Aberdeen-District, zeichnete er sich als Führer im Felde aus. Seitdem ist er in der Eapcolonie geblieben. Ais Eiviltst, nor Ausbruch des Krieges, galt er als freimüthig, freigebig, aber ein wenig „holländisch stolz". Obgleich nur mittelgroß, besitzt er eine furchtbare Körperstärke. Einmal war er bei Verwandten auf Besuch. Einige der jungen Leute matzen ihre Körperkraft, indem sie Säcke mit Korn trugen. Schlietzlich blieben zwei Wettbewerber übrig. Einer davon war Malan. Sein Mitbewerber trug, um einen ausschlagenden Beweis von seiner Kürperkraft zu geben, einen Sack Korn eine sehr steile Treppe hinauf. Mit äußerster Mühe und mit zitternden Beinen gelang es ihm, die oberste Stufe zu erreichen. Da ergriff Malan einen Sack und trug ihn mit spielender Leichtigkeit die Treppe hinauf und wieder hinunter. Alle englischen Offi- ciere, die mit ihm in Berührung gekommen sind, geben zu, -aß er ein tapferer Mann ist. Er reist in der gewagtesten Weise durch das Land, von nur sechs oder acht Genossen be gleitet. In der letzten Zeit sah er sich aber genöthigt, mit einem Eommando, das in der Nachbarschaft seines Ge burtsortes Beyersfontein thätig ist, Fühlung zu behalten. Sein eigenes Eommando ist vorzüglich beritten und be steht aus -en jüngeren Rebellen. Deutsch-russische Aerzte bei deu Boeren. I. O. Amsterdam, 2ö. April. Aus -em Lager -es Gene rals Dewet sind Briefe von Anfang März eingetroffen, welche mittheilen, daß der vom baltisch-russischen Boeren- hilfseomit« fwelches dem großen Amsterdamer EomitL an geschlossen ist) entsandte Arzt vr. Dchweighardt mit- sammt den ihm mitgegebenen Verbandstoffen und Heil mitteln im Lager Dcwet's glücklich angekommen ist. Der selbe mar unter Verheimlichung seines Berufs und Zweckes in Loureneo Marqucz gelandet und batte von dort unter unsäglichen Mühen und Gefahren auf dem Landwege das Eommando Dewet'S aufsuchen müssen. Er fand dort den bereit» vor zwei Jahren von demselben EomitL entsandten dcutsch-russischen Arzt vr. v. Rennenkampf, mit dem er die Neuorganisation des Sanitätöwesens für die Boeren in die Hand nahm. Außer diesen beiden Herren sind von allen nach Transvaal geschickten Aerzten nachweislich nur noch zwei junge deutsche Aerzte bei den Boeren, voraus gesetzt, daß dieselben noch nicht gefallen sind, da sie zugleich al» Freiwillige mitkämpften. noch schwererer Eingriff in die persönliche Freiheit, weil sie diese völlig entzieht und obendrein auch ohne rechtliche Entmündigung thatsächlich handlungsunfähig macht. Dies birgt um so größere Gefahren für jedermann in sich, weil die Grundlagen der Psychiatrie noch immer schwanken sind, wa» die größten Widersprüche gewissenhafter Psychiater zur Folge hat und zur Folge haben mutz. Es lässt sich aus vorstehenden Bestimmungen zwar das Bestreben erkennen, den Schutz der Geisteskranken zu er höhen, aber erheblichen Einfluß zum Bessern werden sie leider nicht ausüben können. Dazu bedarf es vor Allem einer mehr sachverständigen Ueberwachung der Anstalten. E» ist nicht jedem Kranken sichere Gelegenheit gegeben, sich über vermeintliche Ungehörigkeiten zu beschweren. Nsch der ministeriellen Ansführnngsanweisung zur Gewerbe ordnung ist -en Orts-Polizeibehörden, also oft den Be hörden kleiner Städte und Dörfer, die Pflicht auferlegt, den Betrieb der Anstalt sorgfältig zu überwachen und regel mäßig wiederkeyrenden Prüfungen zu unterziehen. Die selben ziehen natürlich den PhysikuS oder den Amts-Arzt zu der Revision zu. Der Regierungspräsident soll außer ordentliche Revisionen nach seinem Befinden anorbnen. Er kann sie durch den Physikus vornehmen lassen oder durch eine besondere Besuchseommission; aber auch im letzteren Falle ist die Zeit der Besichtigung einige Tage vorher dem Physikus mitzutbeilen. Also der Physikus ist der allmächtige Mann, ohne den nichts geschieht. Das Wohl und Wehe von Hunderten von Menschen, die für sich selbst nicht denken und sorgen können, von dem Ermessen eines einzigen Mannes abhängig zu machen, wird nur selten eine aus reichende Garantie sein. Oben ist auf den Unterschied zwischen ärztlicher und gerichtlicher Feststellung der Thatsachen, auf die eine Ent scheidung sich stützt, htugewiesen. Es würde leider ein Irr- thum sein, wenn man hieraus folgern wollte, daß die Vor schriften, welche die neue Etvtlprocetzordnung über das Verfahren bei -er Entmündigung aufstellt, einwandfrei seien. DaS neue Gesetz enthält nur Verbesserungen unter geordneter Art. SS ist dabei geblieben, -atz das Gericht eine Person entmündigen kann, ohne dieselbe gesehen zu haben. Die persönliche Vernehmung kann unterbleiben, wenn sie „nicht ohne Nachthetl für den Gesundheitszustand de» zu Entmündigenden ausführbar ist". Bon wie wenigen Geisteskranken kann -er Arzt nicht wahrheitsgemäß erklären: die Vernehmung werde die Person auf regen und die Aufregung werde schaden! Fast immer kann er so sagen. DaS Wort des ArzteS, eines einzigen Arätes, kann dem Gerichte genügen. Und welches ist diese» Gericht? Dasjenige, dem man sonst nur die Entscheidung -er va- gatellproeefle anvertraut hat, ein Einzelrichter, oft der jüngste. Wenn nicht häufiger die Oeffentlichkeit durch über flüssige Einsverrnng von nur leicht erkrankten und keines wegs gemeingefährlichen Personen erregt wirb, so ist bie der Ehrenhaftigkeit unsere» AerztestandeS gutzuschreiben, an den oft genug Versuchungen ketten» der Verwandten und Ehegatten vermeintlich Geisteskranker herantreten mögen. In einem Rechtsstaat, müssen außer persönlichen auch obsective Garantien für -en Schutz -er Irren gegeben sein. Die gering« Zahl -er Beschwerden beweist nichts. Haupt kurzerhand ersticken ließe. Die „Zeloten von recht«", wie man sie nruerbiags sehr treffend nennt, verfallen bei der Aeußeruag jeder freieren Anschauung oder bei Anlegung der kritischen Sonde an bestehende Ding» in »ine Art Jnquisitionsmanie und sind gleich bereit, Mensche» zu Ketzern, Liberalen, Echi«ma- tikern zu stempeln, wo ein gesunder Verstand in, den meisten Füllen nichts weiter zu sehe» vermag, als treukalholische Männer, die auf Grund gediegener Studien Wünsche äußer«, die vielleicht neu sind, ober deswegen nicht gleich falsch zu jein brauchen. Daß diese Vorschläge nicht alle praktisch veiwendbar sind, wird Niemand Wunder nehmen; aber wenn dem auch so ist, so dürste damit höchstens erwiesen fein, daß dir alie Erjahrungsjatz über Len Inhalt geistiger Bewegungen auch hier gilt. Bet der Ausdehnung der Strömung, di« wir kurz betrachtet haben, ist nicht zu erwarten, daß sie sich so bald verlaufen wird. Allerorlen nimmt man Notiz davon, und sogar an solchen Orten lesen wir darüber, wo wir e-Z eigentlich nicht vermuthet hätten. Wenn nun in den den zahlreichen Besprechungen der offen baren Thatsachen ein großes Gewicht auf Las Hrrvortreten des Nationalismus innerhalb der katholischen Kreise gelegt wird, so will mir scheinen, daß man Len lpärlichen hierüber vorliegenden That- sachen zu viel Ehre anthut, wenn man ihnen einen bestimmenden Einfluß aus die Stellung größerer Kreise beimißl. Diese Strömung ist, wen» sie überhaupt nicht schon in rückläufiger Bewegung ist — selbstverständlich spreche ich hier nur vom katholischen, nicht vom politsichen Staadpunct auS —von geringer Bedeutung, und es müßte ganz anders kommen, wenn sich diese Beurtheilurzg ändern sollte. Endlich mag noch hervorgehoben werden, daß Diejenigen, welche von dem rndgiltigen Ausirage der vorliegenden Streitfragen »ine starke Verminderung der Katholikenzahi in manchen Ländern er warten, sich täuschen werden. Es darf heute schon al« sicher be zeichnet werden, daß sich »in Ausgleich der verschiedenen Meinungen und Ansichten schneller vollziehen wird» al« Fernerstehende denken. Denn die „KrisiS" geht nicht, und das ist das Wesentliche, auf den eigentlichen Inhalt LeS katholsichen Glaubens, sondern auf di« abseits davon liegenden Fragen zweiten und dritten Ranges. So lange also der Kampf um solche Dinge geführt wird, liegt kein Grund vor, an eia« größer« Abkehr vom KaiholiciSmuS zu glauben. 6. 8. Berlin. 28. April. (Socialdemokratisckc Maifeier.) Dreiß gGewerksckastsversamnilunaen veranstaltet die Svcialdemokraiie in diesem Jadie am Vormittag des 1. Mai. Soviel sind eS wobt immer gewrien. Etliche waren gar nicht, viele von kaum je hundert Tbeilnedmern besucht. Und lo wird eS auch in vielem Jahre sein. Aber ei» charakte ristischer Unterschied zwischen einst und jetzt ist doch vorbanden: in früheren Jahren schallt« durch die Arbeiterrriben der Ruf: „Nur «in Ardener weiß, wo einen Arbeiter der Schub drückt", uad so warea am l. Mai alle Referenten Arbeiter; deut« sind e« in der Mebrzabl „Akademiker". Bei den Maurern spricht der Rechtsanwalt Hein», die Zimmerer haben sich den ehemaligen Privatdoceaten vr. AronS gebolt, die Schuhmacher einen Ör Scblitte, vie Bauarbeiter vr Alfred Bernstein-die Graveure wollten auch ihren Doclor und haben ibn in l)r. Steiner gesunden; die Bildhauer haben sich den RechiSanwalt vr. Kränkt ausgesucht, dir Maler den Vr Zadek; vr. Friedberg tritt al» Referent bei de» Arbeitern terHoltbearbeiiunge Maschinco auf; vr Silber stein spricht in Rirvorf, Schr>fistellrller Walrrck Ma nasse vor deu Putzern. Haben sich, muß man da fragen, di« An sichten der socialdemokratischrn Arbeiter geändert und meinen sie jetzt, noch besser al« sie selbst verständen sich akademisch gebildete Leute auf die drückenden Stellen de» Schuhwerk»? Oder sind ihre Ansprüche an rednerische Leistungen gewachsen, oder siuvet sich für da«, was unten abdröckeit, mehr und mehr Ersatz von ode»? Man könnte angesichts der asftäll'gea Erscheinung »och gar manche andere Frage auf werfen und vielleicht würden nur die Antworten auf alle »ufammen der Ursache der Erscheinung näber führen. Jeden falls p«rdir»t dies« «nfmerkiame Beachtung. „Darbende Proletarier" sind alle die Herren Doctore« nicht, die am l. Mai in deu Gewerkschaftsversammlungen ihr Licht leuchten lassen; „Proletarier" »erden auch nicht ,m Stande sein, mit Aussicht aus Erfolg diesen Belchreru der Arbeiterwelt eot- gegeazutretea. Wr»o v'cht Männer, die mindesten» aus der gleichen Stufe der Bildung stehen, wir dies« Belehre», «us
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