AFD | Arbeits- u. Forschungsber. z. sächs. Bodendenkmalpflege | 31, 1987 | S. 37-54 ANTHROPOLOGISCHE BEMERKUNGEN ZU DEN SKELETTRESTEN DER BAALBERGER KULTUR VON WERBEN (KREIS LEIPZIG-LAND)* Von H. Grimm Einleitung Menschliche Überreste haben zur Untersuchung vorgelegen aus den mit III, IV, V, VI, XVII und XXIV benannten Gruben. Sie sind insgesamt bruchstückhaft und z. T. stark verkrustet bzw. miteinander versintert. Die bisherige Bearbeitung mußte deshalb auf manche morphologische und metrische Befunde verzichten. Ebenso konnte eine sichere Zuordnung bestimmter Teile zu einem Individuum mit einer ein zigen Ausnahme nicht erfolgen. Die Grabungsnotizen geben ein „Durcheinander“ von Tierknochen und menschlichen Knochen an, und die innerhalb einer Grube in Mehrzahl vertretenen Individuen konnten deshalb nicht durchnumeriert werden. Die Reihenfolge der Beschreibung richtet sich bei solchem Grubeninhalt möglichst nach dem Erhaltungszustand, also vom wohlerhaltenen Kranium bis zu den Frag menten, soweit sie jeweils für ein Individuum sprechen. Kraniologische Beschreibungen 1. Grube III („Kindergrab“): Dünnwandige Kalotte, gelblichbraun, glatt. Stirnbein liegt getrennt von den Scheitelbeinen vor. Beide Oberkieferhälften, Unterkiefer (links defekt). Auf der Innenseite der Scheitelbeine Gefäßabdrücke rechts deutlicher als links. Sehr deutlicher Abdruck von Hirnwin- * Bemerkungen des Herausgebers: Die hier von H. Grimm vorgelegten Ergebnisse anthropologi scher Untersuchungen von Skelettmaterialien aus der Gemarkung Werben, Kr. Leipzig, sind prak tisch ein Vorgriff auf die archäologische Bearbeitung der Materialien einer Grabung im Bereich einer Siedlung der jungsteinzeitlichen „Baalberger Kultur“. In dieser Siedlung wurde eine Anzahl Gruben aufgefunden, deren Inhalt aus menschlichen Überresten je eines oder mehrerer Individuen, gemischt mit Tierknochen, bestand, die in Einzelfällen auf gewaltsame Tötung der Individuen schließen lassen. Die anthropologische Untersuchung wurde vorgezogen, um den Vergleich mit den in der be nachbarten Gemarkung Zauschwitz ausgegrabenen zahlreichen Baalberger Bestattungen und menschlichen Resten, ebenfalls aus Siedlungsgruben, zu erhalten. Legt doch die räumliche Nähe nahe, daß es sich um die gleiche Population gehandelt haben dürfte, wenn man nicht annehmen will, daß es in Werben um menschliche Überreste einer fremden Bevölkerung - etwa getöteter Feinde - geht. Da der Autor sich seit Jahrzehnten mit dem anthropologischen Fundstoff von Zauschwitz be schäftigt, dabei bislang speziell mit neolithischen Überresten, schien es gerechtfertigt, das vor liegende Werbener Material zu bearbeiten und jetzt schon vorzulegen. Dabei gilt der Dank des Herausgebers dem Autor, Herrn Prof. Dr. habil. Hans Grimm, Berlin, für die kurzfristige Fer tigstellung des Manuskripts. Dr. H.-J. Vogt 37