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Großenhainer Anterhaltungs- und AmeigeblM. Mit Hoher Concession gedruckt, verlegt und re^igirt von Herrmann Starke. 102. Mittwoch, den 22. December 1847. Lertliches. Die in der vorigen Nummer dieser Blätter mit den Worten: „Lus die Petition" beginnende Erklärung ist in ihrem ersten Satze in einer Weise gefaßt, daß wir ruhig dem Publicum überlassen können, dafür die rechte Benennung zu finden, und nur auf den schon in der vorhergehenden Nummer für das nächste Blatt über die Unerläßlichkeit der Entfernung der betreffenden Bäume, soweit dieß ohne Situationszeichnung möglich war, zu gebenden Nachweis aufmerksam zu machen haben. Dem sei noch hinzugcfügt, daß in der letzten diese Angelegenheit betreffenden Berathung die Vertreter der Commun aus drücklich die Beschleunigung des Verkaufs jener Bäume beantragten, weil nur in jetzigen Monaten das Holz mit vollem Nutzen geschlagen werden kann. Wenn aber in dem zweiten Satze der erwähnten Er klärung den Vertretern der Commun eine Ucbereilung Schuld gegeben wird, so halten wir uns auf Grund der Acten zu der Erklärung verpflichtet, daß diese Angelegen heit bereits seit länger als einem Jahre wiederholten Bc- rathungen vorgelegen und nur nach Einsicht der speciellsten Berechnungen und Vermessungen zum Beschluß gelangt ist. Deutet endlich der Ausruf am Schluffe jenes Satzes die Besorgniß an, daß nicht auf den verkauften Parzellen überall Ziergärten sich erheben möchten, so hängt deren Entstehung allerdings vielfach von der Höhe der Gewerbs- Verhältnisse jeden Orts ab. Allein soviel ist gewiß, daß sich die Vertreter der Commun vollkommen bewußt waren, es werde durch gehörige Fahrstraße mit Doppelallee und breiten mit Strauchwerk begrenzten Fußweg billigen An sprüchen' vollkommen genügt und sei die Stadtcasse mit Herstellung und Erhaltung weiterer Anlagen nicht zu be schweren, die jetzt vorhandene Kastanienallee aber, es möge der Anlage mehr oder weniger Ausdehnung gegeben wer den, in keinem Falle zu erhalten, wenn nicht ein für lange Zeit bedauerliches Stückwerk zum Vorschein kom men solle. Uebrigens werden Jedem, der sich für die Sache in- teressirt, die darauf bezüglichen Zeichnungen in der Raths- Expedition mit aller Bereitwilligkeit vorgelegt werden. Der Stadtrath zu Hain. Hofmann, Brgrmstr. Vermischtes. König Friedrich II. ritt im ersten schlesischen Kriege mit mehreren Generälen eines Morgens aus, um den Feind zu recognosciren; da kam ihm plötzlich ein Gegenstand vor, den er sich zu notiren gedachte. Er wandte sich mit den Worten: «Meine Herren! hat Niemand von Ihnen eine Bleifeder zur Hand?» an die ihn begleitende Suite; die Osficiere durchsuchten ihre Taschen — und Niemand konnte das ver langte, unentbehrliche Instrument der Gedächt- nißhülfe aufweisen. Der König, dicßmal bei guter Laune, sagte nichts und mußte den interessanten Gegenstand einstweilen seinem Er innerungs-Vermögen anvertrauen. — Es rückte die Mittagszeit heran und der mächtige Despot der lebenden Geschöpfe — der Magen — that auch bei dem Herrscher Preußens seine pflicht schuldigste Anmeldung. Der König stieg daher vom Pferde, begab sich unter die schattigen Aeste eines Baumes und befahl, die mitge nommene Collation aufzulischen. Dabei befand sich auch eine Bouteille des perlenden Weines aus der Champagne, allein hier fehlte es an einem Instrumente, den Korkpfropfen heraus- zunchmen; da wandte sich König Friedrich abermals an die Generäle mit den Worten: «Meine Herren, hat Niemand von Ihnen einen Pfropfenzieher bei sich?» und — wie die Ku geln aus den Gewehren — pfeilschnell flogen aus allen Taschen der Suite die Pfropfenzieher hervor, denn jeder hatte das für einen tapferen Weintrinker nöthige Instrument bei sich. Der König schwieg wieder, lächelte jedoch über diesen offenen Beitrag zur Charakteristik seiner den alten deutschen Sitten noch ganz treuge- bliebenen Generäle. Ein junger Krieger blickte einer jungen Frau, die am Arme ihres Gemahls spazieren ging, etwas auffallend lange ins Gesicht. Der Ge mahl, welchen dieses verdroß, sagte ziemlich barsch zu dem Sohne des Mars: «Mein Herr, ich finde Ihr Benehmen höchst unartig.» — «Verzeihen Sie», antwortete dieser sehr artig, «ich sah nur in die Augen dieser liebenswürdi gen Dame, um mich ans Feuer zu gewöhnen.» Wirchliehe Kachrichten. Am ersten Weihnachtsfeiertage Metten (halb 7 Uhr). Frühpredigt: Hr. Sup. 0. Hering, über Joh. 3,16 —18. Beichtrede (8 Uhr): Hr. Archiv. Lic. Francke. Nachmittagspredigt: Hr. Diac. Wilisch.