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Grossenhainer Anterhaltungs- und An?eigeblatt. Mit Hoher Concession gedruckt, verlegt und redigirt von Herrmann Starke. 14. Mittwoch, ven 17. Februar 1847. Erinnerung. Da die Abzahlung der auf den ersten Termin gefälligen Grundsteuern vielseitig noch nicht erfolgt ist, mit Einsendung der Gelder aber nicht länger Anstand genommen werden darf, so ergehet hierdurch an alle diejenigen, welche ihre Grundsteuerbeiträge noch nicht berichtiget haben, die dringende Erinnerung zur sofortigen Abführung derselben. Hain, am 15. Februar 1847. Die Stadt-Steuer-Einnahme. Eine Geschichte aus Amerika. (Schluß.) Wer beten kann, darf nicht verzagen. Er hat schon die rechte Quelle der Hilfe gefunden, und im Glauben richtet sich der gebeugte Mensch auf. So auch die arme Witwe und Mutter. Hinweg von dieser Stätte des Schreckens und Jammers zu eilen, war das Erste, was ihr in den Sinn kam; denn daß die Schlangen wieder- kehrten, war außer Zweifel; aber eine heilige, und ach! die schwerste Pflicht ries ihr zu: Willst du deinen Gatten unbeerdiqt lassen? Das Gebet hatte sie gestärkt. Sie konnte ruhig Alles überlegen. Zuerst bereitete sie ihren Kindern ein Frühstück, dann ergriff sie Hacke und Spaten, und ging mit blutendem Herzen an das schwerste Werk ihres Lebens. Nicht weit von der unglück seligen Hütte, zur Seite des murmelnden Backes, grub sie dem geliebten Gatten das Grab. — Und als sie es unter heißen Thränen gegraben, trug sie den schweren Leichnam hinaus und legte ihn sanft in das einsame Grab, stellte einige vor handene alte Breter über den Leichnam, und wollte eben ihn mit Rasen und Erde bedecken, als das älteste Kind, ein Mädchen von vier Jahren, sie weinend bat, sie möge doch keine Erde auf den lieben Vater schütten. Da wollte das schwer gepreßteHerz des armen Weibes noch einmal vor deftigem Schmerze brechen. Sie brückte lautschluchzend das Kind an ihr Herz, gab sich ihrem Gefühle noch einmal ganz hin; — dann aber ermannte sie sich , brachte liebkosend das Kind zu seinem Schwesterchen und beendete schnell ihre traurige Arbeit, kniete dann betend nieder, benetzte den Hügel mit ihren Thränen und erhob sich. Nun galt es aber den Muth eines Helden, das Gvttvertrauen eines ächten Gläubigen, die Kraft und die Umsicht eines Mannes. Wunder bar war die Hilfe Gottes! O, das Gotteswort lügt nimmer! Es sagt ja: Das Gebet des Ge rechten vermag viel, wenn es ernstlich ist. Sie überwand das Grausen, welches sie auf der schrecklichen Stätte ihres Unglücks ergriff, und ordnete Alles, so gut es ging. Was sie nicht brauchte, legte sie in das Innere der Hütte, schloß dann, nachdem sie das, was sie mitnchmen mußte, herausgctragen, die Thür der Hütte und sattelte das Pferd wieder, beluv es mit Lebens mitteln für mehrere Tage und andern nothwen- digcn Bedürfnissen, nahm dann ihres Mannes Flinte, Kugeltasche, Pulverhorn und Messer, stieg auf das treue Thier, das sie hierher ge tragen, hob auf einem umgesunkenen Baum stamme ihre Kinder zu sich, nahm weinend von dem Grabe, das ihres Gatten irdisches Theil umschloß, Abschied, und ritt in Gottes Namen in die menschenleere Wildniß hinein. Sie verließ sich hierbei zunächst auf den natürlichen Scharf sinn des Pferdes, da sie selbst den Weg nicht kannte; allein da war die arme Frau verlassen. Wie sie den Zügel locker werden ließ, begann bas Thier zu weiden. Es blieb ihr also nichts übrig, als auf gut Glück das Thier zu leiten. Natürlich ging der Weg sehr langsam; Venn sie mußte ja auf die Kinder, das Gepäcke, das Pferd und den Weg zugleich achten. Und im Herzen nagte der Schmerz! — Armes Weib! Nirgends Men schen! Ueberaü undurchdringliche Wildniß! Gegen Mittag umwölkte sich der Himmel; damit verlor sie das Mittel, sich nach dem Stande der Sonne zurecht zu sinben. Endlich nahte der Abend. Am Fuße eines Hügels und nahe bei einer klaren Quelle schlug sie ihr Nachtquartier unter Gottes freiem Himmel auf.