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Grossenhainer Unter-Haltungs- und Anzeigeblatt. Mit Hoher Concession gedruckt, verlegt und redigirt von Herrmann Starke. 42. 1847. Mittwoch, den 26. Mai TugAVefehl an die Communalgarde zu Hain vom 22. Mai 1847. Sonnabends den SS. -. M. Nachmittags 4Z Uhr wird Appel geschlagen, 5^ Uhr verlesen, hierauf sofort ins Bataillon gerückt und die erste Waffenübung gehalten. Bei ungünstiger Witterung unterbleibt das Appelschlagen und cs erfolgt in diesem Falle die Waffenübung Donnerstags den 3. «Tuni. Der Kommandant E. Füssel. Der Chiromant. (Fortsetzung.) Der Apotheker, der einen tapferen Alliirten gefunden hatte, verfocht nun seine Meinung hartnäckig, und wünschte nichts sehnlicher, als daß dem Alles bestreitenden Postmeister doch nur einmal etwas Geisterartiges widerfahren möge. Der Stadtschreibcr sagte kein Wort zu Allem. Die Nähe seines Nebenbuhlers halte ihn ganz verstimmt. Der Streit hatte ziemlich lange gewahrt. Die zweite Bowle war zur Hälfte beinahe ge leert, die Wanduhr verkündete die Geisterstunde, als drei Schläge an die Hausthür plötzlich ge schahen. Die ganze Gesellschaft, mit ihr der ungläu bige Postmeister, fuhren erschreckt zusammen, Thercschen schrie laut auf, nur die kleine Wirthin lächelte ächt satyrisch, meinte, es wird mein Mann sein, der zwar erst morgen zurück kommen wollte, und ging, um den Kellner, der am Ofen gerade ein angenehmes Schläfchen hielt , zu wecken. Dieser taumelte auf, nahm den Hausschlüs sel und ging. - Statt seiner trat nach kurzer Zeit eine in einen Mantel und eine große Pelzmütze gehüllte Gestalt herein, verneigte sich stumm gegen die Gesellschaft, und bat die Wirthin, ihm für heute Nacht ein Zimmer und Bett zu gewähren. Die Streitenden waren plötzlich verstummt. Alle betrachteten den unheimlich aussehenden Fremden. Die Wirthin befahl Therescken, das Zimmer Nr. 7. bereit machen zu lassen, und ersuchte den Gast, bis dahin hier in der warmen Stube Platz zu nehmen. «Recht gern», erwiderte dieser, «bitte aber, mir gütigst eine Tasse Thee besorgen zu lassen.» «Der Henker», flüsterte der Postmeister seinem Nachbar zu, während die Wirthin den Thee auf der Maschine bereitete, «der Bursche sieht aus, wie der ewige Jude.» Und wirklich hatte der Fremde nicht das freundlichste Ansehen. Ein altes hageres, mas- kenartigcs Gesicht sah unter der beschneiten Pelzmütze hervor. Aber das Erstaunen sollte noch größer werden, als der Fremde sich gegen das Fenster kehrte, den Mantel und die Pelzmütze ablegte und sich wieder umwendete. Der Gesellschaft zeigte sich jetzt ein ganz andres, braunes, faltiges Gesicht mit einem Paar funkelnden schwarzen Augen. Eine schwarze Stutzperrücke umhüllte den Kopf, und ein langer weiter Ueberrock mit vielen Falten, der durch eine rothe Leibbinde zusammengehalten wurde, umschloß die lange Figur. Der Fremde hatte sich ruhig an den Ofen gesetzt und wärmte die erfrorenen Hände. Das Gespräch sing nach und nach zwar wieder an, drehte sich aber nur um Wirth- schafts - Angelegenheiten. Am Ende flüsterte man sich gar in die Ohren. «Die Ehre und die Artigkeit», meinte end lich der Stadtschreiber/«erfordert es, daß wir den Herrn nickt so allein und ohne Unterhal tung sitzen lassen, nebenbei», setzte er leise hin zu, «erfahren wir vielleicht, weß Geistes Kind er ist», und damit wandte er sich an den still Dasitzenden. «Sie reisen bei sehr schlechtem Wetter, mein Herr, und sind wahrscheinlich tüchtig durch gefroren. Darf ich Sie daher bitten, ein Gläs chen mit uns zu trinken?»